Berlinale 2020

20. Februar 2020

Short Message Service 2020

GUNDA oder Der schwebende Schritt des einbeinigen Huhns. Vielleicht etwas zu viel schwarz-weißes Zur-Welt-Kommen-Pathos für meinen Geschmack, aber ich glaube schon, dass ich hinterher ein wenig mehr Hahn, Rind, Ferkel und vor allem Muttersau bin. (67cp)

Ekkehard Knörer am
1. März 2020 um 14:06 Uhr

Ganz gerissen ist mir der Geduldsfaden nicht bei MALMKROG, aber arg strapaziert wurde er beim endlosen Gelaber um das Gute und Böse, Christus und Gott durchaus. Es gab auf der anderen Seite aber auch sehr viel zu bewundern, in der sagenhaften Mise-en-Scène, im darstellenden und vor allem sprechdarstellenden Spiel. (72cp)

Ekkehard Knörer am
28. Februar 2020 um 12:39 Uhr

Ich bin sehr zwiegespalten zu Rithy Panhs IRRADIES, aber den ohne Triggerwarnung zu zeigen, das geht für meine Begriffe nicht. All die Leichen und Leichenteile und Skelette und Schädel und Sterbenden sind kaum und für manche*n ganz sicher auch gar nicht zu ertragen.

Ekkehard Knörer am
28. Februar 2020 um 12:16 Uhr

Die große und leider schon einzige Frage an «DAU. Natasha» und Ganz-DAU: Warum?

Matthias Dell am
27. Februar 2020 um 11:55 Uhr

Großartig on so many levels: THE TROUBLE WITH BEING BORN erzählt die klassische Geschichte von der Puppe, die sich nach einem Bewusstsein sehnt, neu. Sandra Wollner ist schon mit ihrem zweiten Film eine der Großen im Weltkino

Bert Rebhandl am
27. Februar 2020 um 08:03 Uhr

Meinen herzlichen Dank noch einmal an die Berliner Beamten, die damals das DAU-Spektakel auf der Museumsinsel verhindert haben. Da war augenscheinlich mehr künstlerischer Verstand am Werk als beim Berlinale-Auswahlkomitee

Hannah Pilarczyk am
26. Februar 2020 um 19:57 Uhr

Festival der enerviert abgebrochenen Filmsichtung, Episode 5: In der DAU-Pressevorführung auch nur 45 Minuten älter geworden (bis dahin: «a bsoffene Gschicht», mir sehr unklar, wie & warum man sich dafür interessieren soll). Leider auch nicht wirklich überzeugend Matías Piñeiros violettisierte ISABELLA: deutliche Symptome formalistischer Erstarrung, dabei war Piñeiros Kino eben noch leicht, klug, offen & gleichsam programmatisch unfestgelegt.

Simon Rothöhler am
26. Februar 2020 um 16:31 Uhr

Fast schon diaphan, der neue Hong. DIE FRAU, DIE RANNTE könnte auch «Männer, die vor der Tür stehen müssen» heißen. Mit dem schwerelosen Pinselstrich des Altmeisters tupft Hong die Satz- und Motivwiederholungen in sein Frauen-Konversations-Triptychon, das den Bechdel-Test allerdings doch nur mit etwas Mühe besteht. Von Männern ist reichlich die Rede. Aber von Tieren auch. Hühner, Kühe. Und: Cat-Content, mit Hongs Trademark-Zoom in die Filmgeschichte geholt - das Internet kann jetzt gehen. Habe mir extra ein Ticket für die Gala gekauft: Ja, es ist Liebe. (80cp)

Ekkehard Knörer am
26. Februar 2020 um 08:24 Uhr

Wie sollte man sich der Abgründe im römischen Umland nicht entledigen wollen? FAVOLACCE von den Brüdern D'Innocenzo ist ein beeindruckendes Spiel mit Oberflächen und Abgründen, unterlegt mit Musik aus Egisto Macchis Album Città notte. Bislang einer der Höhepunkte des Wettbewerbs.

Fabian Tietke am
25. Februar 2020 um 20:36 Uhr

OECONOMIA ist über weite Strecken (und durchaus bewusst) ein Dokument der Hilflosigkeit, komplexe ökonomische Zusammenhänge filmisch anschaulich zu machen. Das diskursive Stolpern der Akteure in den wenigen nicht nachgestellten Szenen ist zwar zuweilen amüsant, aber doch auch billiger comic relief (da kaum erkenntnisfördernd).

Simon Rothöhler am
25. Februar 2020 um 20:29 Uhr

King Vidor erzählt im Spielfilm AN AMERICAN ROMANCE die US-Wirtschaftsgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Bergbau, Autoindustrie, Kriegsindustrie, alles angetrieben vom American Dream. Ein ziemlich spektakuläres Technicolor-Epos, das ganz nebenbei auch durch tolles Newsreel-Material beeindruckt

Hannes Brühwiler am
25. Februar 2020 um 14:17 Uhr

THE AMERICAN SECTOR ist weniger eine Spurensuche als eine Bestandsaufnahme der in den USA aufgestellten Teile der Berliner Mauer und Befragung der Menschen, die sie besitzen oder sich in ihrer Nähe aufhalten. Der Ausgangspunkt mag das Ereignis vor über 30 Jahren gewesen sein, das Ziel aber ist die Gegenwart mit den neuen Mauern. In Charlottesville sind zwei Studis nicht besonders beeindruckt von den Mauerteilen auf dem Campus und verweisen auf die Unverhältnismäßigkeit: die Gedenktafel dazu, dass ihre Uni von Sklaven erbaut wurde, ist verschwindet gering

Florian Krautkrämer am
25. Februar 2020 um 02:01 Uhr

The Alien. Was mich immer wieder fasziniert: welch radikale Kritik im iranischen Kino möglich ist. Der Film zeigt, wie Ekkehard richtig schreibt «ein Land, aus dem man nur fliehen wollen kann», aber nur wenige Kinematographien sezieren die Gründe für diesen Wunsch so gründlich und so formenreich.

Fabian Tietke am
24. Februar 2020 um 22:57 Uhr

Wer Služobníci sieht, fragt sich unwillkürlich, wann die Kombination aus gediegenen Schwarzweiß-Bildern und Barockmusik endlich genehmigungspflichtig wird.

Fabian Tietke am
24. Februar 2020 um 18:42 Uhr

Mona Lisa und kniender Hitler als Hahn (nach Cattelan): die Welt (der Kunst), wie Suzy von Zehlendorf sie sieht. Sie und andere Künstler*innen, etwa Adolf Beutler, den Star der Kunstwerkstatt Mosaik, der kaum spricht, aber manchmal sehr traurig ist, rückt Sabine Herpich in KUNST KOMMT AUS DEM SCHNABEL WIE ER GEWACHSEN IST (Forum) in klaren, wenig bewegten Einstellungen unaufdringlich nahe. Sachlich, empathisch, Innen- und Halbaußenansichten von Biografien und Institution. Herpichs eigene Kunst macht nichts von sich her, was sie auch nicht nötig hat, weil Töne, Haltungen, Beobachtungen einfach genau sind. (75cp)

Ekkehard Knörer am
24. Februar 2020 um 15:58 Uhr

Garden State und Full Monty in den Mixer, Timing heraussieben, fertig ist die vergurkte Komödie, fertig ist EFFACER L'HISTORIQUE.

Fabian Tietke am
24. Februar 2020 um 15:48 Uhr

Ein Auto in einer Stadt in Iran, mit zwei Männern darin, ein paar Tage an derselben Stelle geparkt, wird zur Quelle von erst Unruhe, dann zusehends Panik in Nader Saeivars schwer deprimierendem NAMO/THE ALIEN (Drehbuchkoautor: Jafar Panahi). Der Protagonist, ein Lehrer, gerät von allen Seiten unter Druck und Verdacht, der Vater stirbt, aus dem Autoradio Durchhaltepropaganda. Ein Zustand, ein Land, aus dem man nur fliehen wollen kann, und sei es, Vater über der Schulter, in eine Zukunft aus dichtestem Nebel. (71cp)

Ekkehard Knörer am
24. Februar 2020 um 15:45 Uhr

Mit den gekippten Einstellungen und dem die Bilder ins Off öffnenden Ton erinnert «Maggie‘s Farm» eher an einen Emigholz-Film. Ein Viertel der Bilder zeigt Mülleimer. Nach dem Film konnte der Forums-Moderator den Regisseur nicht finden und fragte ins Publikum: «Mr. Benning are you here?» James Benning aber stand draußen vor dem Delphi und hatte keine Lust auf ein Publikumsgespräch. «They say, ‹Sing while you slave› and I just get bored / I ain't gonna work on Maggie's farm no more»

Florian Krautkrämer am
24. Februar 2020 um 09:36 Uhr

Ähnlich wie Petzold in TRANSIT, nur viel genauer, klüger, reicher und besser jubeln Caetano Gotardo und Marco Dutra in TODOS OS MORTOS (Wettbewerb) der Gegenwart die Vergangenheit unter: Brasilien 1899, zugleich jetzt. Erst subtil in Tönen, die die Bilder immer ganz woandershin öffnen, dann deutlicher, die Toten als Geistern, am Ende wird einer leben. Körper, weiße Körper und schwarze Körper, Sprache, Gesänge, die in den Raum gestellt, Verbindungen, die hergestellt und gekappt werden. Es wäre so viel zu sagen, ein herausragender Film. (84cp)

Ekkehard Knörer am
24. Februar 2020 um 08:56 Uhr

Petzolds vertrautes Überblendungsverfahren stellt Undine-Mythos und Stadtplanung neben-, gegen- und ineinander. Verkörpert, sehr verkörpert, von Paula Beer und Franz Rogowski. Zeichen wundersam zwischen Realem und Mythos über die Bedeutungsebenen verstreut. Man sammelt sie gern wieder ein, ich mochte den intellektuellen Märchenton lieber als den der letzten, etwas neunmalklug halbgaren Historienambitionen. Toll, wie die Kamera am Ende die Figuren abtauchend aus dem Mythos entlässt Wenn Petzold hart am Kitsch surft, ist er verlässlich am besten. (73cp)

Ekkehard Knörer am
24. Februar 2020 um 08:49 Uhr

Form follows function, das gilt auch für Wassernymphen und die Zeitstruktur des Melodrams. «Hast du das verstanden, Johannes?» Zu spät. Wiederaufbauen, wiedersehen, wiederkehren ist nicht dasselbe. Und selbst BWV974 ist ja eine Coverversion (Bach > Marcello). «Sitzt die Naht?» Was trennt sind Glasscheiben, verbaut in Aquarien und Waggons. Zerspringt die Barriere, kommt der große Gunter (oder es setzt Hausverbot). Wer nicht am Kamener Kreuz im Stau stehen will, fährt trotzdem mit dem Regio.(Undine, Wettbewerb)

Simon Rothöhler am
23. Februar 2020 um 19:52 Uhr

Angemessen dicht und anstrengend, die Schlingensief-Doku, ein bisschen wie ein Gespräch mit ihm, obwohl chronologisch an Werk und Biografie entlang. Rote Fäden: Doppelbelichtung und Antifaschismus. Tollstes Fundstück: seine Tischrede zu einem Jubiläum seiner Eltern (Goldene Hochzeit?), wo er nochmal erwähnt, dass seine Eltern eigentlich sechs Kinder wollten und neun Jahre brauchten, bis er kam. «Ich war sechs Kinder, drei davon sachlich, drei gaga.»

Eva Behrendt am
23. Februar 2020 um 09:23 Uhr

Der Ausflug ins Cubix 8 zu Nobuhiro Suwas THE WIND PHONE (Generation) hat sehr gelohnt: Ganz unprätentiöse Darstellung des Fukushima-Traumas, die sich Zeit nimmt, bei der jeder Umweg zu Verlust und Trauer führt, und auch mal ins kurdische Migrantenmilieu Tokios. Am Ende findet sich nicht Erlösung, aber doch, immerhin: Worte, Sprache. (75cp)

Ekkehard Knörer am
23. Februar 2020 um 09:03 Uhr

Garrels Neuer, LE SEL DES LARMES, ist old-school-Garrel, eine nur leicht anschnippisierte Jungs-Fantasie, bei der ein toxischer Luc im schwarz-weißen Breitleinwandbild die Stellung hält, während die Frauen, gerne nackt, kommen und gehen. Cui boner? (50cp)

Ekkehard Knörer am
23. Februar 2020 um 08:52 Uhr

In FIRST COW stellt Kelly Reichardt Frontier-Mythen vom Kopf auf den Boden. Erzählt myzelig, backt aus, entwirft ein ethno-diverses Vergangenheitsbild, das nicht utopisch ist, aber viele großartige Cookie-Zartheiten gegen die - das bleibt gesetzt -obsiegende Zerstörungskraft von Macht, Gier, Gewalt stellt. (78cp)

Ekkehard Knörer am
23. Februar 2020 um 08:45 Uhr

FIRST COW ist ein Natur- und Alltagswestern: Während die karge Hütte aufgeräumt wird, schmiedet man Businesspläne und statt der ewigen Weiten gibt es den Urwald aus Oregon. Im Vordergrund, das macht der Film gleich zu Beginn klar, steht das Zirkuläre: nicht das Steak, sondern die Milch der Kuh, nicht die harte Arbeit des Goldschürfens, sondern die Zärtlichkeit des Pilzesammelns. Kelly Reichardt verbindet Gegenwart und Vergangenheit nicht über den eroberten und aufgeteilten Boden, sondern über dessen Fruchtbarkeit.

Florian Krautkrämer am
23. Februar 2020 um 08:39 Uhr

Das Lustigste an Carmen Losmanns Dokumentarfilm OECONOMIA (der der Frage nachgeht, wie Geld produziert wird) sind die Auskünfte der Banken und Institutionen - die stellen zum Drehen immer nur Simulationen ihrer Sitzungen und Versammlungen zur Verfügung. «Na, dit passt.» (Didi von Didi&Stulle), insofern der Film eh nichts anderes in diesen Sitzungen und Versammlungen sieht

Matthias Dell am
22. Februar 2020 um 22:43 Uhr

TIPOGRAFIC MAJUSCUL von Radu Jude: Das Reenactment zum Securitate-Fall verblasst fast neben dem zwischenmontierten Found Footage, irres Material aus rumänischen Fernseharchiven, es geht um Hup-Verbote, DIE Frau und Hühnchenmoussaka, dazu beschwingter Big-Band-Sound (»Brazil«…). Das Ineinander von Unterhaltung, Propaganda, Biopolitik im Fernsehen der Ceausescu-Ära wäre einen eigenen Film wert.

Elena Meilicke am
22. Februar 2020 um 21:24 Uhr

Kelly Reichardt erzählt die Frontier aus Foodie- und Farmers Market-Perspektive: Clafoutis mit Heidelbeeren (und einer Prise Brokeback Mountain), aber so wirklich à jour sind die zarten Zwiegespräche mit der First Cow dann doch eher nicht. Herausragend hingegen Radu Judes Gang ins rumänische Fernseh- und Securitate-Archiv: Aus den Akten und Verhörprotokollen spricht der überaus eindrucksvolle Mugur Calinescu, ein infamer Teenager, der 1981 einer rumänischen Solidarnosc den Weg bereiten will (TIPOGRAFIC MAJUSCUL, Forum).

Simon Rothöhler am
22. Februar 2020 um 20:11 Uhr

Ein Tag danach ist Anne in extremer Grossaufnahme noch da: Ein hauchdünnes Bild mit Sonnensprossen pointilliert. Anne, die mit dem schwarzen Wildhuhn spielt, Anne, die mit ihrer Mutter streitet, weil sie die einzige ist, die es weiß. (Anne at 13,000 ft)

Cecilia Valenti am
22. Februar 2020 um 18:29 Uhr

Während Trump «Gone with the Wind» zurück möchte, läuft in der Retro «Duel in the Sun». Rajendra Roy, MoMA-Chefkurator bei der Einführung: Der Film hat alles, was Amerika groß gemacht hat - Rassismus, Misogynie und tolle Sonnenuntergänge in Technicolor.

Florian Krautkrämer am
22. Februar 2020 um 09:36 Uhr

Nicht ganz verstanden, worin der Mehrwert der etwas umständlich anmoderierten Versuchsanordnung in THE VIEWING BOOTH genau liegen soll. Die Videos – von B’Tselem wie von rechten Akteuren – sind in diesem medienaseptischen Labor von nahezu allem abstrahiert, was ihnen unter digitalen Bedingungen, also in der gegenwärtigen Realität, Sinn, Bedeutung, soziale und politische Dynamik verleiht: Plattformaufmerksamkeitsökonomien, Interface-Designs, Filter Bubbles, Sharing-Praktiken, sonstigem digitalkommunikativen Handeln. Man kann das trockenlegen, landet dann aber bei Bildern ohne «Bildbeschriftungen», die uns so realiter nie begegnen.

Simon Rothöhler am
22. Februar 2020 um 09:35 Uhr

Und für die Freundinnen vor den Bildschirmen daheim: Thomas Schadts Berlinale-Dokumentarfilm DAS KINO IST TOT, ES LEBE DAS KINO (RBB und SWR mit Arte, produced by UFA Fiction) ist, so vom Erkenntnisinteresse her, eine anspruchs- und ambitionslose Angelegenheit. Das einzige, was sich studieren lässt, ist die Performance von Kosslick, der sich selbst als «Dekonstruktion» eines Festivaldirektors beschreibt. Restlos noch immer nicht verstanden

Matthias Dell am
22. Februar 2020 um 00:17 Uhr

In die (post)migrantische Gegenwart eines Boxing Gyms dringen medienhistoriografische Videointerferenzen der Bergarbeiterkämpfe im Lothringer Kohlebecken. Auf Schutzhelmen stehen Streikgeschichten. Wie genau hängt das alles zusammen? Was verschiebt sich wohin warum? Wozu musealisiert (und segnet) man Nebelgranaten? GRÈVE OU CRÈVE bleibt als dokumentaressayistischer Beitrag zum Wandel der französischen Arbeiterklasse letztlich anekdotisch, ist dafür aber ausdauernd fasziniert von Körpern, die gegen Säcke oder Polizisten in Schildkrötenformation kämpfen.

Simon Rothöhler am
21. Februar 2020 um 23:34 Uhr

Grève ou crève bleibt bis zum Ende anziehend opak, ja verraucht: zu welchem Kampf werden die jungen und glänzend-verschwitzten Körper im lokalen Gym in Lothringen erzogen? Ist Boxen ein Training zum Straßenkampf?

Cecilia Valenti am
21. Februar 2020 um 19:15 Uhr

Angela Schanelecs Videogratulation zur Eröffnung von FORUM 50 provoziert spontane Antagonismen im Publikum, kurz ist die Stimmung im Arsenal wie in der Oper. Zugleich idealer Vorfilm zur Musikalität der Montage der Groupe Medvedkine. Kann man schöner nicht anfangen, mit Kunst und Politik weiterzumachen... Les mots ont un sens.

Max Linz am
21. Februar 2020 um 15:25 Uhr

Statt Cristi Puiu die ersten drei Forums-PV-Filme gesehen. Total unterschiedlich, das ist schon mal toll. Der erste (Ruíz/Sarmiento) eine konzeptuell spannende Wiederaufnahme; in der Ausführung aber ein bisschen naja. Danach Berliner Schule auf Chinesisch, aber erstaunlicherweise hat die Welt das wirklich gebraucht, ungemein schöner, besänftigender Film, von Jia Zhang-Ke koproduziert: THE CALMING von Fang Song. Und Luca Ferris LA CASA DELL'AMORE: Hier wird auf Trans-Frau Bianca ein hinreißendes Lust-Mahl mit Dosenfleisch zubereitet. Mit Dreyer-Referenz. Muss man gesehen haben.

Ekkehard Knörer am
21. Februar 2020 um 12:23 Uhr

Die langen Gespräche in Malmkrog laden zum konstanten abdriften ein, die Sprache wird in diesen Momenten zu einer Art Soundtrack, der die Räume und ziemlich tollen Bilder trägt. Irgendwann wird der Film dann kräftig durchgerüttelt (vom Geist Buñuels?). Danach fühlt sich gleich alles anders an.

Hannes Brühwiler am
21. Februar 2020 um 10:07 Uhr

Ich bin bis zum Schluss dabeigeblieben in MALMKROG: allein schon als Versuch über das Französische als bürgerliche Universalfremdsprache hätte mir das gereicht, aber auch als «Adaption» eines apokryphen Räsonniertexts ist das ein Film, für den man gern eine eigene Sektion erfinden kann

Bert Rebhandl am
21. Februar 2020 um 09:46 Uhr

Zum Auftakt gleich mal der Geduldsfaden gerissen: Von Puius MALMKROG nur 80 der 200 Minuten durchgestanden. Dialogexzesse, die als realstraubianische erbaulicher gewesen wären. Stattdessen: Fünf schiefe Syllogismen pro Minute, aber wenigstens gute Schwenks auf herangereichte Tablette voller Alkoholika. Immer an Alfred Edel und Bruno S. bei Herzog denken müssen: Obsdus statt Antichrist (doppelte Verneinung).

Simon Rothöhler am
20. Februar 2020 um 17:04 Uhr