1. August 2026
Notizen 2026 August
1.8. Memories of Heidelberg (Heinz Strunk, D 2026)
Strunk macht Strunksachen im schönen Heidelberg, und natürlich geht alle Schönheit vor Strunks bösem Blick kaputt, perdu, verschütt. Sein exemplarisches Paar, das die Stadt gefühlt verheert und vernichtet, sind Isolde, zu der kein Tristan, sondern ein Bertram gehört. Teuer ist das Hotel, vielmehr, versteht sich: total überteuert, ins Wasser fällt, worüber der 120-Kilo-Mann-Bertram sich allerdings freut, die Feier zum 80. der Schwiegermutter, weil die nämlich lebensgefährlich erkrankt. Nur wirft ihn das auf die Zweisamkeit mit Isolde zurück, die er - auf den das Buch, weil Strunk halt nur Mann will und kann, fokalisiert -, zwar, wie sich herausstellt mindestens eifersuchtshalber durchaus noch begehrt, nur hat sie ihm schon vor Jahren erklärt: Die Sache mit dem Sex ist vorbei. Und nun frisst Bertram sich mit viel Fleisch, Käse, Alkohol auch, Mandel Intermezzo von biocompany ganz besonders (was hier vielleicht eher das Gegenteil von Schleichwerbung ist) und anderen Sachen einen Wanst an, der keinen, auch ihn, nicht erfreut. Die zentralen Zerstörungsaktionen gelten einem Restaurantschiff im Neckar, der italienische Wirt lässt sich am Ende auch mit Barolo nicht mehr versöhnen. Als Soundtrack dazu, von Strunk im Hörbuch immer stärker zum infernalischen Ohrwurm zernuschelt, der Peggy-March-Song aus dem Titel; an dem Strunk/Bertram zwischendurch eine ziemlich Emily-Wilson-haft kritische Lektüre durchexerziert. Es gibt, zugegeben, eine zärtliche Szene, ansonsten wird bei auf der Strunk-Skala mittlerem Komik-Ausschlag doch mal wieder sehr klar, dass das Rasiermesser zwischen Menschen- und insbesondere Frauenhass und brutaler Klarsicht, auf dem er so virtuos zu reiten versteht, in jedem Fall ein Rasiermesser bleibt. (67cp)