spielfilm

27. November 2009

Murder, My Sweet Zu Accident von Cheang Pou-Soi

Von Simon Rothöhler

 

Ein Film über sorgfältig geplante Auftragsmorde, die als Unfälle getarnt werden. Hier wird niemand hinterrücks erschossen oder im Fahrstuhl erwürgt. Man kann auch an einem elektrisch geladenen Kinderdrachen sterben. Toll an Accident ist, dass der Film die Grenzen seines Genres so genau kennt, dass er sie nie vollständig übertreten muss, um von Außen auf sie zu blicken. Déformation professionelle bedeutet hier: in jedem Unfall eine mörderische Choreographie ablaufen zu sehen. Alles eine Frage der Perspektive, des parallax view, der infizierten Wahrnehmung. Wer etwas sieht, kann sich getäuscht fühlen. Damit spielt das Kino immer. Schlimmer als jede Paranoia ist aber der Verdacht, dass etwas tatsächlich einfach nur zufällig passiert ist, also nicht nur anders hätte sein können, sondern keinen eigentlichen Grund hat. Davon handelt dieser fast rein visuell erzählte Film: Der Unfall als Grenze der Sinnstiftung. Ein  metaphysischer Thriller, der nicht einfach ein Genre zerlegt (who cares), sondern die dazugehörigen Erzählroutinen als Regelwerke vorführt, die sinnlosen Ereignisketten eine Bedeutung verleihen. Das Finale von Accident macht deutlich: Wenn die selbstverständlichen Verknüpfungen wegbrechen, schauen die Menschen geblendet und schicksalsergeben in den Himmel, weil sie die Zeichen nicht mehr deuten können. Genrekino ist diesem glasklaren Film: ein System der Unfallvermeidung.

Yi ngoi / Accident (Cheang Pou-Soi) Hongkong 2009

 

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