dokumentarfilm

22. Mai 2022

Ordnungsverfügung Filmhinweis für Berlin: Zigeuner in Duisburg (1980) von Rainer Komers

Von Bert Rebhandl

© Rainer Komers

 

An der Lehmstraße in Duisburg lebten in den späten 70er Jahren, umgeben von Autobahnlärm, Menschen der Minderheit, die damals noch unbefangen als «Zigeuner» bezeichnet wurden. Sie hatten sich dort einen Platz gefunden, schon vor Kriegsende «fest angesiedelt», sie lebten «für sich alleine», sieht man einmal davon ab, dass (im weiteren Sinne) Nachbarn den Eindruck gewinnen mochten, die Ratten wären an der Lehmstraße dabei, «die Kinder aufzufressen». Rainer Komers sah sich das Leben dieser Menschen genauer an. Sein Film Zigeuner in Duisburg wurde 1980 in Oberhausen mit dem Preis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet. «Unser Film beginnt an der Lehmstraße», er endet später an der Essenberger Straße, wohin wegen einer Ordnungsverfügung einige der «Vertriebenen» (Komers) umziehen mussten. Im Volksmund wurde der neue Ort «Klagemauer» genannt.

Komers stellt drei Generationen der Familie Mettbach vor, im Mittelpunkt steht Antonia, Mutter von neun Kindern, halbseitig gelähmt nach einem Schlaganfall, den sie aufgrund der Verfolgung durch NS-Deutschland erlitt. Von ihrer Rente (900 Mark) muss sie die Kinder «mitvernähren». Ein Besuch in Nürnberg bei ihrer Mutter Maria Mettbach, 78 Jahre alt, lässt mehr von der Geschichte dieser Menschen im 20. Jahrhundert erkennen, ihr Schicksal im «14er Kriesch», die Verschlechterung der Lage durch immer schlimmer werdende Gesetze ab 1923. Rainer Komers lässt auch junge Leute aus der damaligen Gegenwart zu Wort kommen, das Mikro tragen sie zum Teil in der Hand oder umgehängt. Elli Mettbach, eine Tochter von Antonia, selbst schon Mutter von acht Kindern, sagt einen entscheidenden Satz: «Wir sind keine Ausländer. Wir sind deutsche Zigeuner.»

Dass Menschen in Obermeiderich daran dachten, eine Bürgerwehr zu gründen hat, hatte vermutlich viel damit zu tun, dass manche in Deutschland gern selbst festlegen würden, wer Ausländer ist. Die jüngste Generation der Mettbachs zeigt Komers in einem Schlussbild auf dem Weg zur Schule. Ein Integrationszeichen und ein Weg aus der Mitvernährung durch Entschädigungsrenten.

 

Zigeuner in Duisburg wird am Montag 23. Mai um 19 Uhr im Kino Krokodil gezeigt. Jasmin und Janett Mettbach, die Enkelinnen von Elli Mettbach, werden anwesend sein und von ihrer Situation in Duisburg heute berichten

Zudem wird das Buch Außen Fuji Tag von Rainer Komers vorgestellt, das eben im Alexander Verlag erschienen ist und als Zugang zu seinem vielfältigen Werk (Plakat, Typographie, Film, Lyrik) sehr zu empfehlen ist