1. September 2026
Notizen September 2026
1.9. Vaterland (Paweł Pawlikowski, Polen/D/I/F 2026)
Nachkrieg, schwarz-weiß, Innen- wie Außenwelt studiohaft, das Auge fürs Detail omnipräsent. Der Doppelsinn des Titels, nicht die Komposition, sondern das Komponiertsein jedes einzelnen Bilds, dass es perfekt ins Academy-Format passt. Hüller als Darstellerin wie stets die Kontrolle, nein das Kontrolliertsein persönlich, noch die Ohrfeige für Gründgens sitzt auf den Millimeter genau. (Ebenso wie der verbale Schlag Thomas Manns ins Gesicht der Wagner-Enkel. Vielleicht etwas zu simpel, wie Pawlikowski sich, ihm und uns diese Befriedigung gönnt.) Sehr säuberlich ist das alles verpackt: die Verheerungen des gespaltenen Deutschland als Medium für das Verlorensein des Schriftstellers Mann, der nach Goethe schnappt wie nach Luft; das Verheertsein des Schriftstellers Mann, dessen eigener Kontrollwahn dem Sohn die Luft abgeschnürt hat; der verlogene Westen, der stalinistische Osten in der Konkurrenz um eine Figur, mit der sich ein Staat machen lässt, der mit nichts aufräumen muss; die monumentalen Grabfiguren dazwischen als von den Schlacken der Zeit wie befreite Eleganzunterbrechung; und zuletzt die Rettung zu Bach, in die Kirche, in die Orgelmusik. Ein Film, der, bei aller Meisterschaft doch eher hohl, so sehr Evokation wie Zurichtung ist. (57cp)