routine pleasures

2. April 2022

verhau für die einrittskartenverkäuferin in der cinematheque tel aviv

Von Sissi Tax

 

die cinematheque tel aviv im monat märz 2022, das ziel meines stadtausfluges. dort angekommen, durchquere ich einen hallenartigen groszraum, dessen gestalt und atmosphäre an eine mischung aus groszraumbüro und bahnhofsungebäude des 21. jahrhunderts gemahnt. beispielhaft an das der ehemaligen reichshauptstadt.

ich komme ins gespräch mit der in weiter hallenferne sich befindenden eintrittskartenverkäuferin über zweierlei: über die tatsache, dasz ich mit bargeld zu bezahlen gedenke, das gewechselt werden musz, um bezahlen zu können. und über den sachverhalt, das israelische mobiltelefon mit seiner ivritbeschriftung ins englische hinein nicht in gang setzen zu können. worum ich bitte. bei diesem, meinem unvermögen geschuldeten vorgang mir vorkommend wie eine jener «älteren leute, die mit dem handy net so modern sind», wie ein gastwirt aus wien es im fernsehen zib 2 am 19. mai 2021 ausdrückte.

mit der liebenswürdigen eintrittskartenverkäuferin also, die sich als studentin der filmhochschule entpuppte, ins parlieren gekommen, sage ich nach einiger zeit: «this building is a desaster.» denken tu ich: ein verhau. worauf sie strahlend antwortet: yes! you are right, could you write this down somewhere?, eben von mir in kenntnis gesetzt, dasz ich bisweilen zu filmen, zum kino schreibe.

im untergeschosz, das einige kinosäle beherbergt, ausgelegt kein persianer teppich – wie der direktor ‹meines› humanistischen gymnasiums in köflach zu sagen pflegte –, sondern ein teppichbodenteppich. und zwar ein solcher, der auch den boden des einstigen cinestar kinos im sony center am potsdamer platz zierte. auf rotem grund in schwarzer (?) schrift war dort zu lesen ein ausschnitt aus scorseses taxi driver.

der mir erinnerliche teppichbodensatz der cinematheque tel aviv lautet: «i love to smell napalm. (apocalypse now).»