medienbeobachtung

11. Dezember 2010

Wir sind bei uns zuhaus FHvD

Von Simon Rothöhler

«Sehen Sie sich den Widerstand gegen Hitler an – in dieser Gruppe gab es natürlich auch viele sogenannte Bürgerliche, aber eben doch überproportional viele Adlige. Und das hat nichts damit zu tun, dass Adlige per se anständig wären, sondern dass sie einfach wissen, wie sie geprägt wurden, welche Werte und Maßstäbe in ihren Familien seit Generationen gelten.» (S. 62)

6 Seiten hatte das Magazin der Süddeutschen Zeitung gestern für ein großaufgemachtes Interview mit Florian Henckel von Donnersmarck reserviert, in dem sich der Regisseur eine Blöße nach der anderen gibt. Vielleicht hätte es SZ-Redakteur Max Fellmann in Passagen wie der oben zitierten geholfen, wenn er zur Vorbereitung auf ein Gespräch über den «Ehrenkodex» des deutschen Adels mal einen Blick in Stephan Malinowskis Studie Vom König zum Führer (Akademie Verlag 2003) geworfen hätte. Andererseits ist es natürlich faszinierend, wie ungebrochen sich hier ein Standesbewusstsein nicht nur artikuliert, sondern auch recht deutlich der Selbstdesavouierung zuführt. Widerworte sind bei allein schon von der Wortwahl her bezeichnenden Anekdoten übers Anständiggebliebensein einer gesellschaftlichen Schicht und adoptierte Neffen, die niemals ein echter Donnersmarck werden können («Die Donnersmarcks sind ja die Erben Goethes»), vielleicht gar nicht unbedingt nötig. Was da alles an «deutscher Semantik» (Dirk Baecker) in FHvDs Oberstübchen abgeht («Wie deutsch ich bin, habe ich erst in Los Angeles gemerkt»), lässt an einen nicht nur touristischen Schlüsselsatz aus Karmakars Manila denken («Ein Deutscher im Ausland ist immer eine kleine offene Wunde») – oder eben gleich an Elfriede Jelineks Wolken.Heim-Paraphrasen:

«So zu fahren, das macht uns einzigartig. Da können sich noch so viele Schienen überkreuzen, wir liegen übersichtlich vor uns und den anderen Wanderen, gute, markierte Wege. Jetzt sind wir zuhaus und erheben uns ruhig.»