Zur Sprache kommen Über die schnörkellos humanen Dokumentarfilme von Nurith Aviv
Eine leicht wackelige Einstellung in einen Wohnungsflur hinein. Links lehnen Bilderrahmen an der Wand, rechts hängt ein farbverschmierter Arbeitskittel an der Tür. Mit Nägeln angeschlagene Skizzen am Türrahmen. Das scheint eine verkramte Bude zu sein, eine Altbauwohnung irgendwo in Paris. Wenig später kommt die betagte Malerin Liliane Klapisch ins Bild hinein, registriert die Kamerafrau Nurith Aviv – kurz nach oben blickend, dann wieder den Blick streng senkend – hinter der Linse und geht mit einem Glas voll Pinseln an ihr vorbei zu ihrem Arbeitsplatz. Die Kamera folgt der alten Frau dabei sanft und nimmt ihre feingliedrigen, von großen Adern übersäten Hände in den Fokus. In ein rot eingebundenes Skizzenbüchlein beginnen diese auf einer Leerseite eine weiße Grundierung aufzutragen. Darauf entsteht die Kreidezeichnung eines weiblichen Oberkörpers, blaue Jacke, braunes, mittellanges Haar, ein roter Schal – ein eckiges, schwarzes Objekt unterhalb der Brust, das könnte ein iPad sein.
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