Natürlich starker Tobak Sandra Prechtels Doku verlebendigt Einar Schleef – mit allen Mitteln
Der Theatermacher, Autor, Maler, Fotograf und Schauspieler Einar Schleef war ein Produzent uferloser Selbstauslegung. Vom Kindesalter bis zum frühen Tod im Jahr 2001 reicht die ununterbrochene Strecke seiner posthum veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen. Notate zum Alltäglichsten stehen darin neben Essayistischem, weitschweifige Reflexionen mischen sich mit Prosafragmenten oder Fundstücken aus Zeitungen. Pro Tag schreibt Schleef mal nur eine einzige Zeile, öfter aber mehrere Seiten. Und immer kommen diese Aufzeichnungen zu ihrem Ausgangs- und absoluten Mittelpunkt zurück – zu Einar Schleef selbst. Als der 1944 im sachsen-anhaltinischen Sangerhausen Geborene im Herbst 1976 von Konzeptionsproben am Wiener Burgtheater nicht in die DDR zurückgekehrt war und ein Jahr später in West-Berlin eine Wohnung bezogen hatte, schrieb Schleef: «Es ist ein anderes System. Aber es ist ein System. Was ist hinter den Schaufenstern. Unterdrückung. Das ist ihnen gemeinsam, das verbindet sie. Dort ist der Feind sichtbar, hier nicht. Es ist alles so diffus, heißt es. Ich sehe den Feind. Er steht vor mir. Er heißt: Ich.»
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