Desperado, modern Kritik verstanden als Kunst des Lebens: Über Hans Schifferle, Berufung: Kritiker
Hans Schifferle schrieb über Wolf-Eckart Bühler, er habe eine ganz eigene Art des Schreibens über das Kino geschaffen. Seine Texte seien analytisch, kenntnisreich und fast immer zärtlich. «Kritik verstanden als Kunst des Lebens.» Eine Formulierung, bei der es Schifferle nicht beließ, er bebilderte sie mit Vorstellbarem: «In seiner schönen Schwabinger Wohnung stand in den Bücherregalen marxistische Literatur neben Biografien von John Wayne. An der Wand hing ein riesiges Standbild aus John Fords The Searchers. Das amerikanische Kino der Roosevelt-Ära, die auch John Ford geprägt hatte, hat Bühler interessiert. Und er war fasziniert von den Arbeitern und ‹Proletariern› unter den Hollywoodleuten, von John Fords stock company und besonders von dem Nebendarsteller Hank Worden, der als Mose Harper in The Searcher sein greisenhaftes heiliges Kind spielt und dabei vielleicht sogar die Essenz des Kinos verkörpert. Bühler hat Worden nach München eingeladen und in Amerika besucht. Filmgeschichte als Freundschaftsgeschichte. Ein unglaublich schönes Bild der Vorstellung: Wie Bühler in den 70ern mit seinem VW-Käfer den baumlangen Worden und seine Frau am Flughafen München-Riem abholt und durch München kutschiert.
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