spielfilm

15. Mai 2010

River Cottage Filmhinweis: The Quiet Man (1952) von John Ford im Arsenal Berlin

Von Bert Rebhandl

Mit einer seltsameren Geste hat kaum einmal ein Mann im Kino einer Frau den Hof gemacht: Sean Thornton (John Wayne) wartet vor der Kirche, dass Mary Kate Danaher (Maureen O’Hara) heraustritt. Die rothaarige, irische Dorfschönheit strebt zum Weihwasserbecken, da stellt Thornton sich ihr in den Weg, schöpft mit der Handkelle ein bisschen Wasser aus dem schweren Steinkessel, und nötigt sie, in seine geöffnete Hand zu greifen, bevor sie sich bekreuzigt. Die Ehe, die sich hier anbahnt, wird also gleich zu Beginn getauft, und der Ehemann ist auch der Spender eines Sakraments, das John Ford in The Quiet Man schön zwischen Katholizismus und Naturreligion in der Schwebe hält.

Einer seiner besten Filme ist kein Western, sondern ein hemmungsloser Heimatmythos, in dem die Traumata der amerikanischen Kolonialgeschichte endlich die richtige Struktur bekommen. Denn die Iren sind die Indianer Europas, ihre besten Kämpfer starben in Australien den Heldentod und werden noch im Jahr 1952 besungen – so auch Sean Thornton, der Großvater des Sean Thornton, der zu Beginn von The Quiet Man aus Pittsburgh nach Irland zurückkehrt. Ein Boxer mit einer Schuld auf dem Gewissen kehrt aus der Moderne an die vorindustrielle europäische Peripherie zurück.

Er zähmt eine Widerspenstige (das erste Bild von Maureen O’Hara in The Quiet Man zeigt sie auf einer Wiese inmitten einer Schafherde), und findet seinen Kampfgeist wieder. Das alles inmitten des üblichen Ford-Personals (Barry Fitzgerald macht als Kutscher Michaleen Oge Flynn den irischen Hans Moser), und in prächtigstem Technicolor – wenn es die Kopie hergibt, so wie damals, als ich The Quiet Man einmal im Österreichischen Filmmuseum sehen konnte und an diesem Tag vollständig davon überzeugt war, den größten Film aller Zeiten gesehen zu haben.

The Quiet Man (1952) von John Ford: Arsenal 15. und 28. Mai