filmkritik

13. März 2009

Ärger in New York Rumoren hinter den Kulissen der New Yorker Film Society at Lincoln Center

Von Ekkehard Knörer

Großen Ärger gibt es gerade in den Kulissen der New Yorker Film Society at Lincoln Center, einem der wichtigsten Zentren der US-Cinephilie. Die Stiftung betreibt das Walter Reade Theater, in dem wichtige Filmkunst-Programmreihen gezeigt werden. In diesem Jahr, in dem die Film Society ihr vierzigjähriges Bestehen feiert, eröffnet sie zwei weitere Säle. Für den Ärger verantwortlich ist – das ist allen Äußerungen hinter vorgehaltener Hand zu entnehmen – die seit letztem September amtierende neue Chefin Mara Manus. Sie hat keinerlei cinephilen Hintergrund und es ist kein Geheimnis, dass der Stiftungsrat sie vor allem als Managerin mit Effizienzsteigerungskompetenzen eingestellt hat.

Die Film Society at Lincoln Center ist auch - das macht sie weltweit wohl am meisten sichtbar – Herausgeberin der besten amerikanischen Filmzeitschrift Film Comment. Die Zeitschrift wurde mit dem letzten Chefredakteurswechsel im Jahr 2000, von Richard Jameson zu Gavin Smith, enger ans Haus und dessen Veranstaltungen gebunden (was man vor allem an den Titelgeschichten merkt, die oft auf Film-Society-Retros- und Hommagen bezogen sind). Mit einem sanften Richtungswechsel Anfang diesen Jahres wurde das Heft – Auflage irgendwo zwischen 20000 und 30000, aktuelle Zahlen kenne ich nicht – popularisiert. Gavin Smith machte im Editorial süßsaure Miene dazu, als er unter anderem auf das sich ausbreitende Listenwesen hinwies.

Der vorauseilende Gehorsam gegenüber Manus hat womöglich nicht viel geholfen. Jetzt hat nämlich mit Kent Jones der vielleicht wichtigste Mann der Film Society gekündigt. Er war gleichzeitig einer der wichtigsten Kuratoren des Filmprogramms und editor-at-large des Film Comment. Jones ist unbestritten einer der beschlagensten Filmkritiker der USA und steht ganz eindeutig für ein kompromisslos auf die wichtigen Tendenzen des Weltkinos ausgerichtetes Programm. Die Befürchtung ist nun, dass die Kommerzialisierung sowohl des Filmprogramms der Film Society wie des Film Comment unter Mary Manus offizielle Linie wird, liest sich im ReverseBlog bei IndieWire etwa so: «Naturally, discussion of Jones’s departure ...  has gone hand in hand with enraged glances at Manus, and resulted in some people’s assumption that the programming at the Film Society, now with Richard Peña at the helm, will devolve into a smattering of middlebrow junk aimed at the Upper West Siders who always perhaps felt alienated by the abundance of Hou Hsiao-hsien, Tsai Ming-liang, and Lucrecia Martel.»

Weiterer Kommentare dazu von Glenn Kenny.