Depressionsfilme

13. Juni 2009

Superwoman

Von Simon Rothöhler

Folge 6: «Female» (Michael Curtiz) USA 1933

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I’m not a bit domestic.


Ruth Chatterton als weiblicher CEO before the code. Nach Dienstschluss lädt Konzernleiterin Alison Drake ihre untergebenen männlichen Angestellten in Frank Lloyd Wright’s Ennis House ein, in dem sie als Hausherrin durch ein ausgeklügeltes Kommunikationssystem in jeden Raum diskret Wodka ordern kann. Wirft sie ein Kissen auf den Boden, wissen die Männer, dass sie ihre Bürorhetorik jetzt einpacken können und als Gigolo zu funktionieren haben. In einer kleinen Sinnkrise gabelt Drake einen Loner (George Brent) an einem Schießstand auf, der auf nicht so leicht zu haben macht. Am nächsten morgen trifft sie ihn jedoch in der eigenen Fabrik an. Wieder nur ein Ingenieur. Der es ihr aber schwer macht. Weshalb sie Rat bei ihrem Assistenten sucht, einem frivolen älteren Herren (Ferdinand Gottschalk), der in kleinen Szenen wiederholt einer betulichen Sekretärin nachstellt. Sein Rat an die Chefin: Seien sie doch ein wenig schutzbedürftiger! Bereits am Nachmittag bittet Drake den Ingenieur folgerichtig, für sie ein Lagerfeuer zu entzünden und zeigt sich durch den Ruf einer Eule verängstigt. Kompliziert wird die Gender-Charade, weil der Automobilkonzern, den Drake leitet, in eine Kreditklemme rutscht, die nach entschlossener Führungskraft verlangt. Da hilft kein Picknickkorb.

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1927 richtete die Studiovereinigung MPPDA ein Studio Relations Committee ein und gab als Zensurprävention eine Vorform des Production Codes heraus, eine Liste mit «Don’ts and Be Carefuls». Auf das Skript zu Female reagierte das SRC mit einem entsetzten Brief an Warner Brothers (den das Studio aber mit Pre-Code-Souveränität zu ignorieren wusste):

It is made very plain that she (Alison Drake) has been in the habit of sustaining her freedom from marriage, and at the same time satisfying a too definitely indicated sex hunger, by frequently inviting any young man who may appeal to her to her home and there bringing about a seduction. After having satisfied her desires with these various males, she pays no further attention to them other than to reward them with bonuses. And in the event that they become importunate, she has them transferred.

(abgedruckt in: Mark. A Viera: Sin in Soft Focus: Pre-Code Hollywood, 1999)

Aus verschiedenen Gründen – nicht zuletzt wegen der eigenwilligen Besetzungspolitik von Jack Warner – bedurfte es dreier gestandener Regisseure um Female fertig zu stellen: William Dieterle, William Wellman und Michael Curtiz, der als letzter Szenen nachdrehte und deshalb den Credit erntete. Alles was in den Screwball-Komödien der späten 30er und 40er Jahre noch nachwirkt, liegt in Female ganz offen auf der Handlungsoberfläche: Eine Frau als Industriekapitän in Zeiten der Überproduktion, die bis zum konsequent überzeichneten Ende nicht einsieht, weshalb sie sich in den Hafen der Ehe manövrieren lassen soll.

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Female (Michael Curtiz) USA 1933, mit Ruth Chatterton, George Brent und Ferdinand Gottschalk. Warner Brothers, 61 Minuten.