diagonale 2026

14. April 2026

Diagonale 2026 Fünf Filme

Von Natalia Serebryakova

Rose (Markus Schleinzer, 2026)

© Piffl

 

Rose

Marcus Schleinzers Rose, der die Diagonale eröffnete, ist ein eindringliches historisches Drama, das in einem österreichischen Dorf des 17. Jahrhunderts spielt. Es handelt von einer Frau, die den Dreißigjährigen Krieg in Männerkleidern überlebt hat und versucht, sich in einer streng patriarchalischen Gesellschaft ein neues Leben aufzubauen. Ihre Fähigkeiten verschaffen ihr Respekt unter den Dorfbewohnern, doch ihr Geheimnis verkompliziert alles, als sie eine unerwartete Ehe eingeht. Im Verlauf der Handlung setzt sich der Film auf zurückhaltende Weise mit Fragen der Identität, des Überlebens und des begrenzten Spielraums für weibliche Autonomie in einer zutiefst unterdrückenden Welt auseinander. Schleinzer nähert sich dem Stoff mit Zurückhaltung und Präzision und schafft einen Schwarzweiß-Film, der sich langsam von einem bodenständigen Drama zu etwas Tragischerem und Philosophischerem wandelt. Während in den strengen Bildkompositionen Anklänge an Michael Hanekes Einfluss erkennbar sind, wirkt Rose subtiler und menschlicher, angereichert mit einer leisen Ironie. Manchmal mögen das bedächtige Tempo und die erzählerischen Lücken distanzierend wirken, doch letztlich dienen sie dem meditativen Ton des Films. Getragen von einer kraftvollen und zurückhaltenden Darstellung von Sandra Hüller, dreht sich der Film weniger um historische Ereignisse, als vielmehr um das fragile, oft schwer fassbare Streben nach persönlicher Freiheit.

 

Beautiful and Neat Room

Beautiful and Neat Room begleitet Mary, eine junge Künstlerin, die versucht, in New York City zu überleben, wo steigende Mieten sie dazu zwingen, ein winziges Zimmer in ihrer Wohnung an eine Reihe unberechenbarer Airbnb-Gäste unterzuvermieten. Jeder neue Kurzmieter bringt eine andere Art von Chaos in ihren sorgfältig gepflegten Raum – von exzentrischen Musikern bis hin zu arroganten Bekannten –, was nach und nach ihr Gefühl von Geborgenheit und ihre persönlichen Grenzen untergräbt. Während sich diese Begegnungen häufen, wendet sich Mary der Online-Therapie zu und reflektiert ihren Kampf, Unabhängigkeit mit den Realitäten des prekären Stadtlebens in Einklang zu bringen. Was den Film so erfrischend macht, ist sein leichter, beobachtender Ton, der im Kontrast zu den oft härteren Traditionen des österreichischen Kinos steht, die mit Figuren wie beispielsweise Ulrich Seidl assoziiert werden. Regisseurin Maria Petschnig entwirft ein witziges und sanft ironisches Porträt des urbanen Daseins, das Humor mit subtiler emotionaler Einsicht verbindet. Der Film entwickelt sich in einem lockeren Rhythmus, voller kleiner, wiedererkennbarer Momente, die sich zugleich intim und auf leise Weise absurd anfühlen. Anstatt Konflikte zu dramatisieren, findet er Charme in alltäglichen Frustrationen und bietet einen warmherzigen, intelligenten und oft wirklich witzigen Blick auf moderne Einsamkeit und die fragile Kunst des Zusammenlebens mit anderen.

 

Licht, kein Licht

Licht, kein Licht begleitet eine junge Laborassistentin, die in die beunruhigende Rolle einer Geschworenen im Prozess gegen einen scheinbar motivlosen Serienmörder hineingezogen wird. Während sie widersprüchliche Argumente über die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten vernimmt, beginnt sich ihr eigenes ruhiges Leben in einer kleinen österreichischen Stadt zunehmend brüchig anzufühlen. Zwischen routinemäßigen Arbeitstagen, angespannten Gesprächen mit Kollegen und Abenden mit ihrem Mann deutet der Film subtil an, dass Gewalt und moralische Zweideutigkeit vielleicht viel näher an ihrem Zuhause liegen, als sie glauben möchte. Die Grenzen zwischen öffentlicher Gerechtigkeit und privater Unruhe beginnen zu verschwimmen und verwandeln ihre Alltagsrealität in etwas still Verstörendes. Anstatt auf konventionelle Spannung zu setzen, arbeitet der Film mit Auslassung, Stille und Andeutung. Regisseur Matthias van Baaren schafft eine zurückhaltende und doch fesselnde Atmosphäre, in der kleine Gesten und unausgesprochene Gedanken mehr Gewicht haben als explizite Handlungen. Die fragmentierte Erzählweise lädt das Publikum dazu ein, sich aktiv einzubringen und die Bedeutung selbst zusammenzusetzen, ohne jemals vollständige Gewissheit zu erhalten. Diese Mehrdeutigkeit wird zur größten Stärke des Films: Sie verwandelt einen Gerichtsfilm in eine nachdenkliche Meditation über Verantwortung, Zweifel und die Komplexität menschlichen Verhaltens. Subtil, intelligent und zutiefst atmosphärisch – Licht, kein Licht hallt noch lange nach seinem Ende nach, gerade weil er sich weigert, einfache Antworten zu liefern.

 

Our Girls

Our Girls ist ein spannungsgeladenes Thriller-Drama, das die Zuschauer in die Nachwirkungen eines verheerenden Unfalls versetzt. Während eines jährlichen Urlaubs sind zwei Teenagerinnen – Elise und Madelon – in einen mysteriösen Unfall verwickelt, bei dem Elise ins Koma fällt, während Madelon mit leichten Verletzungen davonkommt. Während die Familien mit Trauer, Angst und unmöglichen moralischen Entscheidungen kämpfen, steigen die Spannungen, insbesondere als Madelons Überleben möglicherweise von Elises Herz abhängt. Mike van Diem adaptiert Lykele Muus’ Roman präzise, verlegt die Handlung nach Österreich, um ihr internationales Flair zu verleihen, und hält die Ursache des Unfalls auf spannende Weise im Unklaren, was die Spannung während des gesamten Films steigert. Die Stärke des Films liegt in seiner charaktergetriebenen Intensität und emotionalen Authentizität. Thekla Reuten, Fedja van Huêt, Noortje Herlaar und Valentijn Dhaenens liefern unverfälschte, vielschichtige Darstellungen, die Herzschmerz, Verzweiflung und die ethischen Dilemmata im Kern der Geschichte einfangen. Die Dialoge sind pointiert, der Ton wird im Verlauf der Erzählung düsterer, und Momente wie Reutens herzzerreißende, manipulative Rede erinnern die Zuschauer daran, warum van Diem nach wie vor ein Meister des menschlichen Dramas ist. Our Girls ist fesselnd, moralisch komplex und tief bewegend – ein niederländisch-österreichischer Film, der die Begabung des Regisseurs für die Erforschung der Zerbrechlichkeit und Widerstandsfähigkeit der menschlichen Seele unter Beweis stellt.

 

Frutti di Mare

David Lapuchs Frutti di Mare ist ein Film über drei Schwestern, die in einem kleinen österreichischen Dorf nach dem Selbstmord ihrer Mutter mit einer Krise konfrontiert sind. Die Hauptfigur Anna (Marlene Hauser) beschließt, ein letztes Mal ein paar Pizzen auszuliefern, bevor sie endgültig in die Stadt zieht, doch der Abend verläuft nicht nach Plan, und die Geschichte wird bald durch humorvolle und leicht übernatürliche Ereignisse belebt. Lapuch verbindet gekonnt Komik, provinziellen Charme und emotionale Tiefe und verwandelt eine Geschichte über Familie und Verlust in eine leichte, aber berührende Dramedy, die über das Leben und menschliche Verletzlichkeit nachdenkt. Frutti di Mare zeigt Lukas Walcher in einer völlig unerwarteten Rolle als fröhlichen, aber zurückgewiesenen Pizzabäcker, der der Erzählung eine zusätzliche Ebene an komischer Auflockerung und Energie verleiht. Die schauspielerischen Leistungen, die witzigen Dialoge und die stimmungsvollen Drehorte machen Frutti di Mare sowohl absurd als auch liebenswert glaubwürdig, während Lapuchs Regie selbst in den seltsamsten und lustigsten Szenen ein Gefühl vertrauter Wärme erzeugt.