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Aktuelle Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 41
vom 22. März 2019

CARGO 41 Cover, CARGO 40 Cover,

Berlinale 2019

SMS-Archiv für 2019

Das Beste kam zum Schluss: Bernd Schochs «Olanda» (Forum). Mykologie trifft Ökonomie trifft Ethnografie. Pilzpsychedelische Experimentalfilmausbrüche, geerdet durch teilnehmende Beobachtung eines sozioökologischen Milieus. It grows on you.

Simon Rothöhler am
17. Februar 2019 um 09:57 Uhr

... Gedreht auf ein paar billigen Samsung Smartphones entwickelt sich MIDNIGHT TRAVELLER zu einem komplexen, virtuos montierten Essay, poetischem Protokoll und in Passagen atemraubenden Thriller der Flucht des Filmemachers Hassan Fazili, seiner Frau und der beiden Töchter aus Afghanistan über den Iran, die Türkei, Griechenland, Bulgarien und Serbien Richtung Deutschland, bis sie in einer ungarischen Menschenaufbewahrungsschachtel (hoffentlich nicht wirklich) endet.

Ludger Blanke am
15. Februar 2019 um 13:48 Uhr

Darüber, wie diese Telefone, die eigentlich nur aus Verlegenheit auch Kameras sind, neue Räume erschließen und eine besondere Ästhetik hervorbringen, die alles andere als ein Mangel ist, ließe sich so viel erzählen. ...

Ludger Blanke am
15. Februar 2019 um 13:33 Uhr

Wie gut die analoge Welt aussah, als es Neonlicht und verchromte Flächen gab! Und Bette Gordons „Variety“ (1983) ist noch aus anderen Gründen toll. Zum Beispiel wegen der vivisezierenden Neugier, mit der die Protagonistin auf ihre pornografische Umgebung blickt. Dabei eignet sie sich eine Position an, die das bürgerliche Konzept domestizierter weiblicher Sexualität weit, weit hinter sich lässt.

Cristina Nord am
15. Februar 2019 um 12:53 Uhr

SYNONYMS im Wettbewerb hat mich doch ziemlich irritiert. Und auch wenn ich nicht mit allem mitgehen konnte, so hat mir doch die Stimmung, in der mich der Film zurückließ, wieder ganz gut gefallen: Man steht in einem Raum voller Menschen und kennt niemanden.

Hannes Brühwiler am
14. Februar 2019 um 13:23 Uhr

Nadav Lapids SYNONYME findet offenbar seine Freunde. Eher selten, dass mich ein Film so nervt, wie dieser es getan hat. Das Argument, dass alle Nervfaktoren (der Typ, die hässlich-gehetzten Einstellungen, die Konfusion, die Selbstgefälligkeit, das Teasen von Motiven) aus der Konstruktion einer nahostpolitischen Traumatisierung bedingt sind, sehe ich, allein mir fehlt der Glaube. Oder eher: Die dadurch erteilte Lizenz zur Willkür scheint mir allzu weidlich ausgenutzt. Davon ab: Alles echt nicht mein Humor. (55cp)

Ekkehard Knörer am
14. Februar 2019 um 09:59 Uhr

Bei aller Liebe für Agnès Varda - der Gestus der in Didaktik übergegangenen Selbstanalyse in VARDA PAR AGNES hat entschieden etwas DVD-Bonus-Haftes. Man kuckt gerne hin, selbst wenn sie sich mit Sandrine Bonnaire ein kleines bisschen sinnbefreit ins Feld setzt. Man lernt, wie sehr Varda ihr eigenes Werk in lehrbare Form gebracht hat, viel Neues über das Werk lernt man dadurch nicht. Und wie sehr, vom vorangestellten Abspann abgesehen, Übermut und Eigensinn fehlen, ist auch eher schade. (50cp)

Ekkehard Knörer am
14. Februar 2019 um 09:54 Uhr

WEITERMACHEN SANSSOUCI ist nicht als Ermutigung zu verstehen. Bzw. weitermachen womit? Nicht mit Exzellenz-, Begehungs- und Drittmittelwahn. Nicht mit dem Unibetrieb, wie er ist, dem sich Max Linz verdammt genau nähert, so dass manches, was wie Satire aussieht, realer ist, als man denkt. Weniger forciert sind die Mittel als bei ICH WILL MICH NICHT KÜNSTLICH AUFREGEN, was für die Lust beim Zusehen und -denken ein bisschen schade ist, aber sachlich ist es mutmaßlich richtig. (70cp)

Ekkehard Knörer am
14. Februar 2019 um 09:53 Uhr

Nadav Lapids Wettbewerbsbeitrag lässt eine Fluchtbewegung aus den identitätspolitischen Konflikten Israels am Stolz des französischen Hahns und einer verschlossenen Wohnungstüre abprallen. I don't want a place to stay: technotronische Muttersprachverweigerung kennt keine Synonyme; übrig bleiben Körper, die Hymnen der Anderen und geteilte Brioche (Pump Up the Jam).

Simon Rothöhler am
14. Februar 2019 um 09:52 Uhr

Schönste Momente des US-Kinos der 80er Jahre finden sich an seinen Rändern: Bette Gordons Spielfilmdebüt „Variety“ ist ein Kopieglück mit betörenden Blow-up-Farben, funkelnden Leuchtreklamen und großartigen NYC-Ansichten. Ein Film über weibliche Selbstermächtigung, über Spioniertrips und Sexfantasien einer Frau. Investigation und Narration vereiern charmant im fluoreszierenden Leuchten von NCY.

Friederike Horstmann am
14. Februar 2019 um 08:07 Uhr

Die Veranstaltung „Filmförderung zukunftsfähig gestalten“ war zwar sehr gut besucht, verhakelte sich aber in Diskussionen zu Richtlinien, kultureller Wirtschaftsförderung und Opernvergleichen. Und auf dem Podium tönte Koll von Salzgeber, dass man ja eh zu viele Filme habe, die niemand sehen wolle (was vermutlich 95% des Kinopublikums auch von seinem Portfolio behaupten würde). Vermutlich hat jedes Festival die Debatten, die es verdient.

Florian Krautkrämer am
14. Februar 2019 um 08:06 Uhr

Angela-Schanelec-Festspiele, yeah! „Das Glück meiner Schwester“ in der Retrospektive, das Kirschen-Zitat aus „Nachmittag“ in einem anderen Forums-Film und jetzt „Ich war zuhause, aber“ - großartig zu sehen, was geschieht, wenn man alles Deterministische aus Plot und Figurenkonstellation herausnimmt, wenn man Plot und Figurenkonstellation sowieso nur andeutet und sich die Freiheit nimmt, high & low, Fahrradärger & Ophelias Tod & vieles mehr zusammenzubringen.

Cristina Nord am
13. Februar 2019 um 11:32 Uhr

I don’t remember: BRD Noir aus der Perspektive eines «importierten» Schlagerstars. George Albert Tabett hat an Kulturindustrie & Fame alles gesehen, was die bundesdeutschen 60er/70er Jahre zu bieten hatten, kann und will sich daran aber nicht erinnern. Sehr klug (und mitunter auch eindrucksvoll ungeschützt), wie Stephan Geenes «serielles TV-Anti-Porträt» aus «Ricky Shane« einen lieu de mémoire macht.

Simon Rothöhler am
13. Februar 2019 um 10:03 Uhr

Ein Spiegel hält sich für schlau, weil er das Bild umdreht, wenn er es zurückwirft. Aber dieser Schläue widersprachen Teile des Publikums von AFRICAN MIRROR heftig und forderten eine stärker sicht- und hörbare Gegenrede in Hedingers Film ein. Und sie haben Recht: natürlich bedarf sein Film keines Kommentars, um den in Gardis Bildern enthaltenen Rassismus herauszuarbeiten. Aber Gardis Reiseberichte brauchen auch nicht Hedingers Analyse, um auf diesen hinzuweisen.

Florian Krautkrämer am
13. Februar 2019 um 08:46 Uhr

In ICH WAR ZU HAUSE, ABER… lösen sich die Geschichten und die Gewissheiten in unserem Kopf nach und nach auf und werden durch was anderes ersetzt. Das ist auch zB wie man spricht, Sachen betont oder welches Gesicht man bei bestimmten Dingen macht und überhaupt, was man tut oder nicht tun soll. Durch was das alles ersetzt wird, ist schwer zu beschreiben, weil es auch so vieles ist, aber es ist wie eine grosse Befreiung. In der Premiere ein paar wenige Buhs und dann heftiger, nicht enden wollender Applaus.

Ludger Blanke am
12. Februar 2019 um 20:10 Uhr

Kirschgartenblüten & Konvertiten. Nicht ganz verstanden, warum sich Téchiné dieses Skript angetan hat. Aber da ist ja noch Julien Hirschs Kamera: Catherine Deneuve wartet wie Robert Mitchum auf das Wildschwein und finster wird die Sonne (Wettbewerb, außer Konkurrenz)

Simon Rothöhler am
12. Februar 2019 um 17:56 Uhr

Angela Schanelecs neuer Film "Ich war zuhause, aber..." hat mich echt umgehauen. Wie sie hier Formen des Sprechens, vom Streit um Fahrrad zum ganz hohen Ton, wie sie Körper, aber in einer atemberaubenden Friedhofs-Sequenz auch Musik, dazu Hamlet, Zärtliches, Wildes, auch, ja, affektgeladene Schauspieltheorie, nicht zu vergessen Esel und Wolf, so zusammenführt, dass das Ganze unter ständiger Spannung bleibt, aber nicht birst, ist der Wahnsinn. Maren Eggert ist sagenhaft, noch dazu. (93 cp)

Ekkehard Knörer am
12. Februar 2019 um 16:15 Uhr

„African Mirror“ (Forum): Koloniale Großonkeleien in Bild und Ton, von und mit René Gardi, von Mischa Hedinger kompiliert. Selbstentlarvend, klar, nur: Wie wär‘s zur Abwechslung mal mit Gegenrede? So bleibt die Selbstaufklärung sehr nah am Selbstgespräch.

Cristina Nord am
12. Februar 2019 um 13:03 Uhr

Bislang dachte ich, für Angela Schanelecs Filme wäre das Futur II gemacht worden: Ich werde froh sein, ihre Filme gesehen zu haben. Nun kriegt mich „Ich war zuhause, aber...“ schon während der Sichtung mit seinen unmittelbaren Momenten von Zärtlichkeit, Witz und Verzweiflung. Im Gegenzug arbeitet der Film nun nicht in mir nach. Vielleicht werde ich das am Ende der Berlinale vermisst haben.

Hannah Pilarczyk am
12. Februar 2019 um 11:27 Uhr

Neu ist, dass der Filmmarkt im Gropius Bau bis einschließlich Montag nur mit dem Marketbadge zugänglich ist. Angeblich wegen geänderter Sicherheitsbestimmungen. Vielleicht aber auch Erinnerung daran, dass die größte und wichtigste Veränderung unter Kosslick der European Film Market ist? Die EFM-Ablöse-Deals der Kosslick-Ablöse würde ich gerne sehen.

Florian Krautkrämer am
12. Februar 2019 um 08:19 Uhr

„Ne croyez surtout pas que je hurle“ von Frank Beauvais (Forum): Depression und Trennungsschmerz und hunderte Filme, die nicht Fenster zur Welt, sondern Spiegel der eigenen Misere bleiben. Das Voice-Over schafft manchmal den Ausfallschritt aus dem Symptom, meistens aber nicht. Und ich habe ein aufregendes Déjàvu, eine Szene, die sehr tief auf dem Boden meiner Filmerinnerungen versunken war, zwei Kirschen, eine Vase, eine weibliche Figur, deren Kopf vom Bildrand abgetrennt ist. Schanelecs „Nachmittag“, oder?

Cristina Nord am
11. Februar 2019 um 18:35 Uhr

WESTERN ARABS (Panorama) verspricht viel, ist aber eitles Symptom. Mehr jedenfalls als eine Analyse der Traditionen und patriarchalischen Verhältnisse und der latenten Gewalt innerhalb der arabischen Migrantenfamilien in Westeuropa. Vollends schlicht, sentimental und blöd wird es gegen Ende, wenn die Vertreibung aus der schönen Wohnung in Haifa durch die Israelis für das Autoritäre des Vaters in Kopenhagen als Erklärung und Entschuldigung herhalten soll (die Juden sind schuld, wer sonst).

Ludger Blanke am
11. Februar 2019 um 13:33 Uhr

HEUTE ODER MORGEN hat eine schöne pialatsche halbnähe gegenüber seiner polyamorösen romanze, gleichzeitig teilnehmend und forschend. spätestens in 30 jahren werden zeughauskinos und brotfabriken sehr dankbar sein für einen solchen berliner sommerfilm aus 2019 (perspektive).

Jan Künemund am
10. Februar 2019 um 22:44 Uhr

Sehr interessant ist „Nos défaites“ (Forum): Sommer 2018, der Filmemacher Jean-Gabriel Périot lässt 16, 17 Jahre alte Schüler*innen Szenen aus Klassikern des politischen Kinos re-enacten („La chinoise“ etc.), dann fragt er sie nach ihren Gedanken zu Revolution, Klassenkampf, Streik, Gewerkschaften, einem besseren Leben. Sie antworten verlegen und ein wenig unbeholfen, aber auch charmant. Die Spannung zwischen der rigiden Anordnung Périots und dem Nachdenken über Freiheit wird nicht aufgelöst. Ein halbes Jahr später streiken die Schüler*innen selber, die Bilder aus Mantes-la-Jolie vor Augen.

Cristina Nord am
10. Februar 2019 um 15:53 Uhr

Auf- und Zuschütten, Fräsen, Bohren, Sprengen: Erde (Forum) von Nikolaus Geyrhalter ist ein sehr gewalttätiger Film. Was am Ende übrig bleibt: Zerstörte Landschafte und morbide Industrieruinen, die zukünftigen Besuchern als Museen dienen werden. Ich musste an die beiden Klima-Bücher von William Vollmann denken, die explizit als Briefe an zukünftige Leser geschrieben sind. Kann es sein, dass Erde das filmische Pendant dazu ist?

Hannes Brühwiler am
10. Februar 2019 um 10:34 Uhr

Bei «Erde», einem mittelguten Geyrhalter, der, nach Naturzerstörungslandschaften suchend, rund um den Globus fliegt und seinen bildmonumentalistischen Neigungen mit wiederum mittelinteressanten Frontalinterviews zumindest ein wenig entgegenzuwirken versucht, habe ich mich am Ende gefragt, ob wir es, qua Eskalation der ökologischen Gesamtlage, noch erleben werden, dass eine Filmproduktion ihren eigenen carbon footprint offenlegen muss (inklusive Festivalreisen), um als Kritik einigermaßen plausibel zu sein.

Simon Rothöhler am
10. Februar 2019 um 09:22 Uhr

HP: Yo, Digger, dein neuer Film, du, „Der goldene Handschuh“, der is ja mal richtig scheiße FA: Aber geil scheiße, ne? HP: Ne, scheiße scheiße

Hannah Pilarczyk am
10. Februar 2019 um 08:54 Uhr

„Heimat ist ein Raum aus Zeit“ (Forum): An den kannibalischen Küsten war ich ein bisschen verloren - eine Beschreibung der frühen Neunziger, die für mich zu sehr nach Entschuldigung klang und etwas atemlos wirkte. Sonst aber hat mich die Art und Weise, wie Thomas Heise in diesem Film Vergangenheit vergegenwärtigt, sehr beeindruckt.

Cristina Nord am
9. Februar 2019 um 23:50 Uhr

... Und als dann nach fast zwei Stunden die Anfangstitel zu sehen waren (auch wieder so eine Geste, aber auch toll, und ich verstehe sie in diesem Augenblick zu 100%), war es fast, als hätte ich endlich meine gesammelten Überlegungen, Assoziationen und Beobachtungen in eine Kiste packen und in einem Ford Transit verkaufen können. In der Rückerinnerung ein atemberaubend trotzig schöner Film…

Ludger Blanke am
9. Februar 2019 um 23:40 Uhr

Sehr lange ist es dunkel am Beginn und erst langsam verlässt die etwas cine-dandyeske Verweigerungsgeste OLANDA (Forum)… aber nachdem ich meinen Frieden damit gemacht hatte, suchte ich nach Kontext und Bedeutungspartikeln in diesem Film wie die Pilzsammler in den rumänischen Karpaten Orientierung und Steinpilze für die Regale deutscher Supermarktketten. ...

Ludger Blanke am
9. Februar 2019 um 23:36 Uhr

Auf die Frage, warum man einem Mann fast zwei Stunden en detail beim dumpfen Schlachten von Frauen zusehen soll, bräuchte es eine ästhetisch, intellektuell oder sonstwie einleuchtende Antwort. Fatih Akin hat nicht mehr als einen herzlich unreflektierten, leicht anstilisierten Milieurealismus. Sein "Goldener Handschuh" ist, anders als die Vorlage, stumpf und dumm und sinnlos. Das ist ein Film, den es besser nie gegeben hätte. (17 cp)

Ekkehard Knörer am
9. Februar 2019 um 23:20 Uhr

mir gefiel A PORTUGUESA trotz der öden dialoge auch sehr, weil er zeigt, wie sich eine frau mit großer beharrlichkeit immer auf die tollste weise ins bild setzt, obwohl die bilder (und was für welche!) nicht für sie gemacht sind. ingrid caven freut sich im publikumsgespräch darüber, dass das kein film sei, der aus dem bauch gedreht wurde, also entweder leicht aufgebläht oder mit hungergefühl. (forum)

Jan Künemund am
9. Februar 2019 um 17:28 Uhr

„A portuguesa“ von Rita Azevedo Gomes (Forum): Ingrid Caven steht im Wald & singt neben der Spur & mittelhochdeutsch, die Badezuber können sich sehen lassen, ein Pelzkragen und ein lebender Wolf kommunizieren in der Montage (was ein böses Ende nimmt). Die Verfilmung von „Die Portugiesin“ schmiegt sich schön an die Kryptik von Musils Drei-Frauen-Trilogie an.

Cristina Nord am
9. Februar 2019 um 15:55 Uhr

In Sanftheit und heftiger Schönheit umschmeicheln die Kreisbewegungen von HELLHOLE (Panorama) unsere Vorstellungen von Terror und Katastrophen im Zentrum Europas, lassen sie ins Leere laufen und locken unsere Angst-Lust auf Drama (und Dramaturgie) - bis uns das Schlussbild dann doch noch packt mit einer unheimlichen Metapher.

Ludger Blanke am
9. Februar 2019 um 11:44 Uhr

Fast schon trügerisch leicht erzählt Dan Sallitt in FOURTEEN (Forum) vom schleichenden Ende einer Freundschaft. Erst nach Filmende wurde mir klar, was für eine ausgesprochen bittere Geschichte das eigentlich war. Großartig. Bin gespannt, ob ich noch einen besseren neuen Film sehen werde.

Hannes Brühwiler am
9. Februar 2019 um 11:43 Uhr

In "Die Kinder der Toten" bekommt Elfriede Jelinek eine Nature-Theater-of-Oklahoma-Behandlung verpasst. Oberammergau als Grand Guignol, mit absurdem Witz, massiver Nachbehandlung auf der Tonspur, Splatter und einer Truppe syrischer (wegen styrischer) Lyriker*innen, die unter all den Untoten das Lebendigste sind. Schwer bis gar nicht einzuordnen, aber allemal der gelungene Versuch der Nichtverfilmung eines sich der Verfilmung widersetzenden Buchs. (66,6cp)

Ekkehard Knörer am
9. Februar 2019 um 09:46 Uhr

Der Wettbewerbsfilm „Öndög“ beginnt mit dem Mord an einer Frau und endet mit der Geburt eines Kalbs. Beides fügt sich für die Hauptfigur, eine Viehhüterin in der mongolischen Steppe, jeweils zu gar nicht mal schlechtem Sex. Als romantische Komödie hat mir der Film wirklich sehr getaugt.

Hannah Pilarczyk am
9. Februar 2019 um 08:44 Uhr

In «Fortschritt im Tal der Ahnungslosen» (Forum) werden syrische Flüchtlinge warum genau in einen Trabi verfrachtet und NVA-Retro-Routinen ausgesetzt? Völkeraustauschwahnvorstellung follows Völkerfreundschaftspropaganda? Fahrig & folgenlos wird jedenfalls ein Pegida-Schnipsel zwischen die Reenactments montiert und immer wieder muss man Heimatliedgutperformanzen der obertristen Sorte über sich ergehen lassen. Da weiß selbst das schiefe Erich-Porträt nicht weiter.

Simon Rothöhler am
8. Februar 2019 um 18:22 Uhr

"playing themselves", verraten die titel. schöne menschen kurz vor ernst und dreißig lassen sich beim experimentieren und damit-aufhören filmen. die perspektive eröffnet chrononormativ, aber vielleicht auch nur, weil sich die spielenden selbst um die plot twists sorgen machen. (EASY LOVE, perspektive).

Jan Künemund am
8. Februar 2019 um 17:12 Uhr

Udo aus Mainz als comic relief in Heises Briefroman über das deutsche 20. Jahrhundert: "Heimat ist ein Raum aus Zeit". Und als Konjunktiv der eigenen (Werk)Biographie - was wäre, wenn sie jetzt "zwei kleine Udos" hätte, fragt sich die Mutter des Filmemachers noch rechtzeitig. Viel Wald und Züge, wobei auch die Geschichte der allein vor sich hin bahnenden Güterwaggons am Ende aufgelöst wird, wenn der Entkoppeler ins Bild kommt mit seiner tollen Choreo - Arbeit an der Konkretion des Abstrakten.

Matthias Dell am
8. Februar 2019 um 12:22 Uhr

Nach "Material" hat Thomas Heise mit "Heimat ist ein Raum aus Zeit" jetzt sein "Nicht so viel Material" gedreht, als Geschichte des 20. Jahrhunderts anhand seiner eigenen Familie. Fragwürdig bleiben die schwarzweißen Naturbilder, die nur teilweise einer (für mich) nachvollziehbaren Ortslogik folgen, sonst etwas forciert die Nichtillustrierbarkeit illustrieren. Dennoch: In seiner ganzen selbstbewussten Sprödigkeit ein faszinierend hingewuchtetes filmisches Objekt. (75cp)

Ekkehard Knörer am
8. Februar 2019 um 09:53 Uhr

Sicherheitshalber mit Heise gestartet: Heiner Müllers Glosse zum «deutschen Augenblick» (1992). Wie das tümelt. Hochprivates Schriftmaterial, vieles aus «verschämten Archiven» (Alf Lüdtke), den deutschen Staaten, Listen, die den Tod bringen, bis zu den Mutterbrüsten abgetrotzt. Eine ironische Miniatur: Der sozialistisch unmusikalische Udo in Mainz, historische Geopolitik im Schneegestöber.

Simon Rothöhler am
8. Februar 2019 um 09:21 Uhr

Der Eröffnungsfilm hat mich verblüfft. In „The Kindness of Strangers“ nimmt Lone Scherfig schrittweise ihre Ernsthaftigkeit, ihre Sozialromantik und schließlich sogar ihre Selbstironie zurück, bis nichts mehr bleibt. Eigentlich noch nicht ein mal etwas, über das man sich aufregen könnte.

Hannah Pilarczyk am
8. Februar 2019 um 08:57 Uhr