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Aktuelle Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 33
vom 24. März 2017

CARGO 33 Cover, CARGO 32 Cover,

Berlinale 2017

SMS-Archiv für 2017

Fernando Birris ORG ist ein gewaltiger Schlusspunkt. Harte Arbeit, keine Frage, die rasante Montage macht aus dem Hirn immer wieder auch Matsch. Aber guten Matsch, pulsierenden Matsch, rabiaten politischen Matsch. Und der restlos zersungene Internationale-Schlussgesang sowieso: epic. Es steckt das ganze 20. Jahrhundert im Film. Was sicher zuviel ist, aber es ist auch ein Exzess, der viel Utopie in sich aufhebt. Rettet. Was dann doch richtig ist. Und wichtig. Bis zum nächsten Gefecht.

Ekkehard Knörer am
19. Februar 2017 um 19:21 Uhr

HAVE A NICE DAY (Wettbewerb) ist ein im Ligne-Claire-Tomine Stil randscharf und detailgenau in die chinesische Gegenwart gesetzter Film, der deshalb nicht zynisch über zynische Verhältnisse spricht, weil er Träume davon, wie es anders sein könnte, mitlaufen lässt. Schäbige Träume, gewiss, aber das gehört dann auch zum Realismusprogramm. (77cp)

Ekkehard Knörer am
19. Februar 2017 um 11:26 Uhr

Zuletzt noch eine Heldin auf einem Posten, der nicht verloren gehen darf: "Maman Colonelle".

Kathrin Peters am
18. Februar 2017 um 23:18 Uhr

Zweimal Forum noch: BICKELS, nur 1 von 4 Emigholz, die es dieses Jahr gab, bewährte architektonische Schräglagen, dazu ist Samuel Bickels ästhetisch wie politisch eine sehr interessante Entdeckung. Und Ann Carolin Rennigers und René Frölkes AUS EINEM JAHR DER NICHTEREIGNISSE zelebriert das Aus-der-Zeit-Fallen vielleicht etwas zu sehr, aber der Willi und seine Katzen, die Bilder, die ihn kaum halten, die abgrundtiefe Damenpragmatik beim Sterben: schon alles sehr gut.

Ekkehard Knörer am
18. Februar 2017 um 20:24 Uhr

Der Palais Garnier und seine Hebebühne als Maschinenraum einer elektronischen Geisteroper. Bonello wie immer gut & auf atonalen Abwegen: mit den Toten tanzen, bis sich der familiale Wahn und die Profitrate der tödlichsten Waffe des amerikanischen Bürgerkriegs im Spukhaus dieses traurigen Reichtums begegnen (Sarah Winchester, Woche der Kritik)

Simon Rothöhler am
17. Februar 2017 um 10:41 Uhr

Die Bilder von faulenden Äpfeln, mit denen die Bäume im Herbst übervoll hängen, haben mir gut gefallen. Wie der immer gleiche Pullover, den vollständig anzuziehen, dem alte Mann nicht mehr gelingt. Das waren fast schon Allegorien: dafür, etwas nicht mehr in den Griff zu bekommen und nicht zu bemerken, dass das so ist. Tiere und Pflanzen übernehmen. Die körnigen Bilder haben geholfen, das in Ordnung sein zu lassen ("Aus einem Jahr des Nichereignisses").

Kathrin Peters am
17. Februar 2017 um 10:30 Uhr

Rebecca Zlotowskis gänzlich unsedierte Spiritismussitzung PLANETARIUM (Woche der Kritik) scheint zu wissen, was das Ganze soll. Ich hab's nicht so richtig verstanden. Was mich gekriegt hat, war mehr das entschiedene Selbstbewusstsein des Films als die mit eleganter inszenatorischer Gewalt zusammengehaltene Mixtur aus Wahn, Politik, Schwesterndrama. "Parfümiertes Licht", sagt Philipp Gröning hinterher. Ist halt mit großer Sorgfalt gesetzt. (60 cp)

Ekkehard Knörer am
17. Februar 2017 um 08:58 Uhr

trotz der eher redundanten fiktionalen/nachgestellten scharnierstücke: für mich das interessanteste dokumentarische diskursmaterial des festivals - das gleichermaßen radikale wie ridiküle paradies der "lost generation" algeriens (investigating paradise, panorama)

Simon Rothöhler am
16. Februar 2017 um 16:19 Uhr

ON THE BEACH AT NIGHT ALONE stellt eine Frau ins Zentrum, Männer sitzen am Rand. Kim Minhee ist unglaublich gut. Ein Mann mit Mütze ist als narrativer blinder Fleck unterwegs, fensterputzend, heldinwegtragend, das wird der Metaebenenreinbringer sein. Sehr in Moll, vertrackt autobiografisch das Ganze. Nicht, dass nicht das meiste vertraut wäre, Hong bleibt Hong bleibt Hong, vieles ist auch sehr komisch. Dennoch: Da ist ein etwas anderer Ton. Für mich einer seiner besten. (85cp)

Ekkehard Knörer am
16. Februar 2017 um 16:15 Uhr

"Railway Sleepers“ (Forum) und sein mich schön sanftschläfrigmachendes Rattern von Ton- und Bildspur. Im Kino steckte da für mich gestern noch die Analogie zum am Licht vorbeitransportierten Einzelkader drin, obwohl all die tollen soziografischen Fragmente des Films acht Jahre lang auf vielen langen Eisenbahnfahrten mit Mini-DV-Kamera registriert wurden.

Michael Baute am
16. Februar 2017 um 15:48 Uhr

Grund zum Optimismus bestand ohnehin nicht, aber dass RETURN TO MONTAUK ein derart verkehrtes Stück Antikino werden musste, schockiert mich fast ein wenig

Bert Rebhandl am
16. Februar 2017 um 08:51 Uhr

Um den Reichtum, den Eigensinn, den Witz und den Ernst, die dokumentarische Bildfantasie und die absolute Unbeirrbarkeit von LASS DEN SOMMER NIE WIEDER KOMMEN (Woche der Kritik) zu schildern, fehlt hier der Platz. Es reicht nur für einen Baum: in schwieriger Lage. Ein paar Hunde. Ein paar Katzen. Und viel Bewunderung. (89cp)

Ekkehard Knörer am
15. Februar 2017 um 23:52 Uhr

Was die Beerdigung von Martin Luther King am Ende von Raoul Pecks kluger Reflexion mit und über James Baldwin (I'M NOT YOUR NEGRO, panorama) an Gefühlen mobilisiert, ist schwer auszuhalten (und interessant an sich zu beobachten). Auch: dass Baldwin vor 30 Jahren "heute" sagen kann und es aktuelle Bilder dazu gibt

Matthias Dell am
15. Februar 2017 um 19:13 Uhr

Strahlung & Störung: Der Found Footage Film SET torpediert die kulturell domestizierte Kinofrequenz und romantische Idealisierungen. In 10 Minuten pulsieren mehr als 10.000 Sonnenuntergänge auf der Leinwand. Blendend.

Friederike Horstmann am
15. Februar 2017 um 17:56 Uhr

"Rückkehr nach Montauk": Ein Anekdötchen-Reigen, dem es außer an Stellen Skargard an allem fehlt: Rugelach, Fibonacci-Nummern, Unnachgiebigkeit. \m/

Hannah Pilarczyk am
15. Februar 2017 um 17:54 Uhr

Nicht nur zur Historizität der Beuys'schen Kunstentgrenzungsbegeisterung fällt Veiel nichts ein – schlimmer noch: er hält die Position womöglich für aktuell. Was Beuys von den Grünen wollte und warum die ihn dann nicht mehr wollten geht aus dieser Charismabeschwörungscollage ebenfalls nicht hervor. Ganz arger Soundtrack. (Beuys, Wettbewerb)

Simon Rothöhler am
15. Februar 2017 um 10:32 Uhr

Der letzte Film vor meiner Abreise ist "Wechma" in der Reihe "Autour de Bouanani". Die Zurichtungen des Jungen Messaoud, , ein in Flammen aufgehendes Käuzchen, der Ziehvater in Ketten, im Sturzbach, ein brüsker Zeitsprung, Messaoud ist nun ein Mann und Misfit, und das alles ist ziemlich aufregend in seiner Undurchdringlichkeit. Würde gerne noch mehr von diesen Filmen sehen.

Cristina Nord am
15. Februar 2017 um 09:46 Uhr

"Tinselwood" durchforstet einen Wald in Kamerun, in, von und mit dem die Leute leben. Eine schöne visuelle Anthropologie, die von Hexerei bis Holzwirtschaft viel zeigt und auch viel unausgesprochen lässt. In diesen Böden liegt einiges verborgen.

Kathrin Peters am
15. Februar 2017 um 08:19 Uhr

... Die Einigung auf den geraden 4/4tel Takt als untersten gemeinsamen Nenner, auf dem man das Publikum abholen kann. Die Sehnsucht der DJs nach der Stille, dem Zwitschern der Vögel. Ohne Bass-Drum. Auf einem Landgut irgendwo in Italien. Zur Not am Wochenende irgendwo auflegen, um die Miete zu bezahlen.

Ludger Blanke am
14. Februar 2017 um 23:16 Uhr

DENK ICH AN DEUTSCHLAND IN DER NACHT von Karmakar. Das Heine-Zitat im Titel nur wegen des unterschlagenen zweiten Halbsatzes - nicht als Beschreibung dieser Gesellschaft. Wie unglaublich ernüchternd und unsexy diese Bestandsaufnahme war. Mir fiel auf, wie wenig Techno/House in den beschrieben 25 Jahren an einer eigenen Ästhetik interessiert war, ausser der des Sounds. ...

Ludger Blanke am
14. Februar 2017 um 23:15 Uhr

Antiochus Wilson & die Dinge des Lebens. Kalifornische Hippies bei der Weinlese, auch sie nur Agenten des falschen Versprechens. Frankenheimers finsterster (by far): He fought for what he was taught to want. Paranoia ist gar kein Ausdruck. (Groß, sehr: Seconds, Retrospektive)

Simon Rothöhler am
14. Februar 2017 um 19:45 Uhr

"Toivon tuolla puolen" von Aki Kaurismäki: robuster Humanismus & diese angenehm lakonische Indifferenz gegenüber realistischem Erzählen. Ich frage mich nur, warum ich mich beim Gucken des Films fühle, als säße ich in einem dieser aus der Zeit gefallenen, rot-blauen Räume fest, die man aus Kaurismäkis Filmen kennt.

Cristina Nord am
14. Februar 2017 um 19:27 Uhr

Am liebsten sind mir die Filme, die nichts von mir wollen, die überhaupt gar nicht zu wissen scheinen, dass es mich überhaupt gibt. Im besten Fall sind sie außerdem langsam, ein bisschen starr. Und nicht allzu lang. STRANGE BIRDS von Elise Girard ist so ein Film. Etwas anderes, das mir heute bedeutsam vorkam: wie sich Andreas Veiel in der Pressekonferenz nach BEUYS als "Kommandant der Poesie" bezeichnet hat. Vielleicht ist es aber auch nicht so wichtig.

Carolin Weidner am
14. Februar 2017 um 18:27 Uhr

Der kanadische Experimentalfilm "Ceux qui font la revolution..." malt radikale Slogans auf die Körper seiner jugendlichen Protagonist*innen und schreibt mit ihren Körpern seine Geschichte von Begehren und Aufbegehren. Aus drei Stunden Film habe ich leider keinen einzigen Gedanken mitnehmen können. Aber ich wurde an Bruce LaBruces "Raspberry Reich" erinnert: Revolution is now my trans girlfriend.

Hannah Pilarczyk am
14. Februar 2017 um 15:24 Uhr

Schön ausschauendes Othering: Michael Glawoggers und Monika Willis "Untitled"

Cristina Nord am
14. Februar 2017 um 11:01 Uhr

Just call me Betsy DellVos! Man sollte so früh nicht twittern (als andere Erklärung für: so desolat wie dieses Mal war's noch nie mit der Assoziationskontrolle, tut-tut, herrje)

Matthias Dell am
14. Februar 2017 um 10:52 Uhr

Säzzer an Dell: HELLE LIEBE stehenlassen, bitte.

Ekkehard Knörer am
14. Februar 2017 um 10:25 Uhr

Langzeitbeobachtung der griechischen Verhältnisse: die Krise vor «der Flüchtlingskrise» und angemessen Zeit für die vielen individuellen Biografien, die damit verbunden sind. Eindrucksvoll, welche Resonanzräume die Putzfrauenparolen gegen diese Gegenwart ins Feld führen. Wie schal dagegen der semantische (und sonstige) Ausverkauf durch den eitlen Spieler Varoufakis, der heute mit Zizek & Bannon auf den großen Disrupter aus dem «Winter White House» Mar-A-Lago anstoßen darf (Combat au bout de la nuit, Panorama)

Simon Rothöhler am
14. Februar 2017 um 08:36 Uhr

Bei aller Liebe zu Thomas Arslans Werk: HELLE LIEBE ist im Grunde absurd - ein Film über eine Erfahrung, die der Film selbst gar nicht machen will. Und ob die Berlinale dem Beitrag einen Gefallen tut, wenn sie ihn in den Wettbewerb tut, wäre die andere Frage in the age of eher not so cosmic Kosslick

Matthias Dell am
14. Februar 2017 um 08:09 Uhr

Sabus "Mr. Long": Ich möchte keine Hure mit großem Herzen mehr sehen, ich möchte nicht mehr sehen, wie sie zunächst vom coolen Killer per Prügel errettet, dann vom bösen Gangster vergewaltigt wird und daraufhin tot von der Decke baumelt. Wenn Genre zur maskulinistischen Aufwertungsfantasie wird. nervt's.

Cristina Nord am
13. Februar 2017 um 20:22 Uhr

Mein bestes Berlinale-Erlebnis bisher: Das Interview gestern mit Josef Hader. So ein 20-Minuten-Junket-Ding in der Nespresso Bar über den Rooftops. Nach meiner klaren Ansage, dass ich die WILDE MAUS für keinen guten Film halte, hat er sich auf ein sehr ernsthaftes Gespräch über Ethik und Ästhetik und Selbstgenuss noch (und gerade) im Scheitern eingelassen. Sehr toll.

Ekkehard Knörer am
13. Februar 2017 um 20:19 Uhr

Wer hätte gedacht, dass Thomas Arslan seine Filme noch weiter reduzieren kann. HELLE NÄCHTE ist nun wirklich little Ado, aber dann auch about so gut wie nothing. Nebeldronesequenz: toll. Der Rest: Wald und Fjord, Vater und Sohn, Auto und Fahrt. (52cp)

Ekkehard Knörer am
13. Februar 2017 um 19:55 Uhr

Nach Romuald Karmakars DENK ICH AN DEUTSCHLAND IN DER NACHT (ein Film voller wortbemühter und teils auch -gewandter Idealisten) und einer kalifornischen Invasion bei der Woche der Kritik mit Mike Otts CALIFORNIA DREAMS reißt mir der Film: Bouletten, Baileys, Kartoffelsuppe und bauchfreier Cory Zacharia, umstellt von grünhaarigen Groupies - auch das ist Berlinale.

Carolin Weidner am
13. Februar 2017 um 19:44 Uhr

HELLE NÄCHTE verweigert immer wieder, seine Geschichte in eine andere Möglichkeit der Erzählung laufen zulassen, ohne dass er dies, oder das Schweigen der beiden Männer, als Geste ausstellt. Im Minimalismus seiner abgewendeten Blicke hat er eine grosse, auch berührende Präzision. In vielen Beziehungen wie eine Gegen-These zu TONI ERDMANN - auch wenn oder weil beide Filme zu einem sehr ähnlichen Ergebnis kommen.

Ludger Blanke am
13. Februar 2017 um 19:15 Uhr

Helle Nächte: Elementargesten, ein kaum verkleidetes Grundgerüst an Plot, schließlich eine Plansequenz in den Nebel hinein, bis das Bild weiß, leer, abstrakte Übung ist. Wer etwas davon haben will, muss selbst etwas investieren (auch interessant: wie Tristan Göbel Protestnoten im Film hinterlässt).

Simon Rothöhler am
13. Februar 2017 um 19:03 Uhr

Thomas Arslans "Helle Naechte" grenzt an Arbeitsverweigerung. Ein Film ohne eine filmische Idee.

Andreas Busche am
13. Februar 2017 um 18:54 Uhr

SOMNILOQUIES Ohne somnambule Sogeffekte. Vielleicht hätte ich den visuellen Transsubstantiationskitsch lieber en passant als Installation mit anderen Aufmerksamkeitsökonomien gesehen. Besser einige Minuten auf der documenta 14 schauen oder schlafen.

Friederike Horstmann am
13. Februar 2017 um 18:21 Uhr

THE PARTY (wettbewerb) - anfangs hübsch aufgeweckt (gerade nach HELLE NÄCHTE), aber bald stuck in Boulevardkomödienmechanik, in die die Pointe nur weiter reintreibt

Matthias Dell am
13. Februar 2017 um 14:16 Uhr

Wow, Berlinale, jetzt hast du etwas geschafft, das ich nicht für möglich hielt: Du hast mir Georg Friedrich verleidet. "Wilde Maus", "Helle Nächte": was für unnötige Filme, was für flache Männerfiguren. Zum Glück macht "Marija" bald einiges, wenn auch nicht alles gut

Hannah Pilarczyk am
13. Februar 2017 um 13:21 Uhr

CASTING (forum) weiß vielleicht länger (oder: bis zum Ende) nicht so ganz genau, wo er mit seinem Film-im-Film hin will (oder: will das auch gar nicht so genau wissen), aber der Weg dahin ist äußerst kurzweilig und vergnüglich. Und vor allem toll gecastet

Matthias Dell am
13. Februar 2017 um 11:28 Uhr

"For Akheem" geht sehr mit seiner Protagonistin mit und ich mit dem Film. Dass es eine Yes-we-can-Geschichte geworden ist über eine Schwarze Community in St. Louis, geht völlig in Ordnung. Denn von den Anstrengungen, sich gegen Statistiken, Prognosen, Institutions- und Familienlogiken zu verhalten, sprechen alle sehr deutlich.

Kathrin Peters am
13. Februar 2017 um 08:41 Uhr

Was bleibt von der politischen Militanz der Elterngeneration? Ein militantes Voiceover und ein Exzess an Archivmaterial aus dem Argentinien der 60er und 70er Jahre: Albertina Carris herausfordernder "Cuatreros" (Forum).

Cristina Nord am
13. Februar 2017 um 08:09 Uhr

Ich hätte "Somniloquies" wirklich lieber ohne diese bedeutungsschwangeren Körpermetamorphosen gesehen. Oder eben gehört, was einer da im Schlaf spricht und tönt, als wäre er am Telefon. Weil es gerade keinen Sinn ergibt, jedenfalls nicht für uns.

Kathrin Peters am
13. Februar 2017 um 08:06 Uhr

SOMNILOQUIES, ein Film über einen Mann, aus dessen Träumen es spricht, klingt auf dem Papier nach einem aufregenden Projekt. Aber so spannend ist das nicht, Traummonologen (oder auch -Dialogen oder -Gobbeldygook) zu folgen; die schlafenden Körper im vagen Schummer sind eine ziemlich blinde, eher enervierende Verdopplung. Anstrengende Sitzung. Therapieerfolg: ungewiss. (50cp)

Ekkehard Knörer am
13. Februar 2017 um 00:52 Uhr

Alex Ross Perry ist als Q&A-Gast unterhaltsamer als sein aktueller Film (GOLDEN EXITS, forum). Auf die Frage einer Zuschauerin zum Verhältnis zu Woody Allen. Er so: "I'm New York's answer to Woody Allen."

Matthias Dell am
13. Februar 2017 um 00:00 Uhr

Vielleicht der unheimlichste Film aller Zeiten (enthält aber einen Gewöhnungseffekt): SOMNILOQUIES

Bert Rebhandl am
12. Februar 2017 um 23:03 Uhr

Romuald Karmakars DJ-Erforschung "Denk' ich an Deutschland" ist ein Vergnügen - und das längst nicht nur wegen der Rede am Apfelbaum, die so wunderbar artikuliert und verpeilt zugleich ist.

Cristina Nord am
12. Februar 2017 um 21:37 Uhr

Ein Künstlermonolog für die (und über die) kosmische Ewigkeit: David Moufang mit Blick über Heidelberg. Auch sonst sehr viel Zeit für reflexive Sets: das nachdenkliche Antworten von Roman Flügel im Peanuts-T-Shirt und die funkenden Schaltungen im - sagen wir: Büro von Villalobos. Zumindest nachts nicht an Deutschland denken zu müssen sei doch auch ein Beitrag zum Aushalten der Gegenwart (exzellent: Denk ich an Deutschland in der Nacht, Panorama)

Simon Rothöhler am
12. Februar 2017 um 21:30 Uhr

Mit Schivelbusch, Weerasethakul und dokumentarischer Ausdauergenauigkeit durch die thailändische Bahnreiseklassengeschichte: am Ende spricht die Gegenwart, als würde sie sich noch an 1893ff erinnern (sehr gemocht: Railway Sleepers, Forum)

Simon Rothöhler am
12. Februar 2017 um 21:12 Uhr

MEIN WUNDERBARES WESTBERLIN (panorama) von Jochen Hick ist weniger anekdotös, als es klingt, vielmehr eine tempo- und materialreiche Geschichte der Schwulenbewegung seit 1945. Und der Frage, wie Geschichte (fest)geschrieben wird

Matthias Dell am
12. Februar 2017 um 17:08 Uhr

Fleischkonsum und Patriarchat gehören zusammen - aber auch in eine Krimikomödie? Von Agnieszka Hollands vegetarischer Rachefantasie "Pokot" hätte ich mir mehr Furor und Stringenz gewünscht. Aber wenn am Ende die Kirche brennt und die gesamte Jagdgesellschaft tot ist, dann geht das schon in Ordnung.

Hannah Pilarczyk am
12. Februar 2017 um 16:29 Uhr

... Raum, Stadt, Welt zu konstruieren und zu interpretieren. Der Original-Ton dann schon wieder fast wie eine zusätzliche Folie. Atemberaubende Schönheit zuweilen. Die Ebenen der Erzählungen kommen sich manchmal näher, dienen sich als Kulisse, kommentieren und entfernen sich wieder voneinander. Ohne jede Nötigung, das alles, sondern ein Angebot, sich innerhalb dieser zwei Stunden im Kino vollkommen frei zu bewegen. Für mich das grösste Glück, bisher. Es beginnt aber mit einem Verkehrsunfall...

Ludger Blanke am
12. Februar 2017 um 16:27 Uhr

STREETSCAPES (DIALOGUE) ist eine Rauminstallation, die als Projektion auf der Leinwand wunderbar funktioniert. Ein mit grossem Ernst betriebenes Re-enactment eines psychoanalytischen Prozesses, ein Selbstportrait also, mit Korrekturen und Interpretation, daneben und mithin Reflexion über das Filmemachen und besonders darüber, was der Blick durch die Kamera mit einem selbst und der Welt macht. Dahinter und davor eine Welt als Bühne, drei Architekturen in Uruguay und Berlin und ihrem Versuch, ...

Ludger Blanke am
12. Februar 2017 um 16:25 Uhr

Mir hat Nicolas Wackerbarths CASTING viel Spaß gemacht, allein schon wegen einer Kussszene gegen Ende des Films: Toll ist nicht nur die Mischung aus Widerstand und Anziehung, toll ist auch das unablässige Hin und Her zwischen Figur und Darsteller, zwischen hetero- und homsexuell, zwischen Schauspieler und Anspielpartner, zwischen dem In-der-Rolle-Sein und dem Aus-der-Rolle-Fallen, zwischen Gerwin, Karl und Petra und wie sie alle heißen.

Cristina Nord am
12. Februar 2017 um 12:03 Uhr

Kein Tapi und kein Okapir, dafür die stolze Fauna des polnischen Waldes: POKOT (wettbewerb), der Kritikerliebling. Kleiner Scherz, hochgradig großgestisch und dramarturgisch wurschtig, aber mit Momenten

Matthias Dell am
12. Februar 2017 um 12:01 Uhr

Ein line up über line ups: Emigholz' Fotografie-und-Architektur-Projekt ist jetzt zu einem über Straßen und elektronische Musik geworden. Schrift-, Sound- und Fahrspuren. Tiflis und Kreidler ergeben ein ziemliches schönes Gewebe ("2+2=22", Forum).

Kathrin Peters am
12. Februar 2017 um 11:22 Uhr

Ich frage mich, ob die Impro-Methode von CASTING nicht in erster Linie ein Darstellungs-Vitalismusprogramm ist, das aber in halbgarer Satire, halbgarem Boulevard und halbgarer Psychodramatik eingeklemmt bleibt. Interessant eingeklemmt, aber es bleibt ein Film auf der Suche nach seiner eigentlichen Pointe, seiner eigentlichen Bestimmung, und dann doch auch nach dem Fassbinder in sich selbst. (61cp)

Ekkehard Knörer am
12. Februar 2017 um 08:31 Uhr

DIE WILDE MAUS ist leider eine ganz schön zaghafte Maus, oder nicht mal eine Maus, sondern ein mittleres Tier, ein Tier, wie es viele gibt, grau, und es macht, damit es nicht zu düster wird, einen Witz, und macht, damit es nicht zu witzig wird, was Düsteres, und landet so eben immer wieder in einer Mitte, in der alle Mäuse grau sind, und die Nicht-Mäuse sind auch grau, und die Figuren sind lau, und die Probleme sind lau und man weiß nicht, warum dieser Film gemacht werden musste. (42cp)

Ekkehard Knörer am
12. Februar 2017 um 00:30 Uhr

liebe dein symptom wie dich selbst (casting, forum)

Simon Rothöhler am
11. Februar 2017 um 20:44 Uhr

FELICITÉ: An das versteinerte Gesicht der Hauptfigur werde ich noch eine Weile denken. Und auch an die Nächte im Wald & im Fluss.

Cristina Nord am
11. Februar 2017 um 15:02 Uhr

Der Tapir, dem FÉLICITÉ begegnet, ist natürlich ein Okapi in Wirklichkeit

Matthias Dell am
11. Februar 2017 um 13:49 Uhr

OBALTAN, Korea 1961, Wenn der Witwer die Tür des leeren Krankenzimmers schließt, im Bild nur ein Close-up von Türknauf und Handrücken, auf ihm ein zerspringender Tropfen. Dutzend indirekte Darstellungen und optische Einfälle im düsteren Familiendrama mit eskalativer Elendsdynamik. Chiaroscuro modelliert die Armutsbilder, eine schattenhafte Nachkriegshistorie. Aus Trümmern tauchen verkrüppelte Veteranen, Traumatisierte und Prostituierte auf - eine Anthologie von infamen Existenzen.

Friederike Horstmann am
11. Februar 2017 um 13:05 Uhr

Bemerkenswerte 2. Halbzeit von FÉLICITÉ (wettbewerb), in der die Plot-Geschäftigkeit suspendiert wird an Tapirbegegnung, Gedicht & Co. Und interessante Verbindungen zum weirden THE DINNER (wettbewerb, too) - hier ist das Geld bar zu sehen, das die Probleme lösen soll, die missratene Kinder machen.

Matthias Dell am
11. Februar 2017 um 12:18 Uhr

Die sensorische Ausdeutung analoger Experimentalfilmästhetik zeichnet in der Sonora-Wüste nur Reste, biografische Splitter, Frequenzgewitter auf. Vielleicht lassen sich die Überlebenskämpfe an der Grenze zwischen den USA und Mexiko ethnografisch tatsächlich nicht anders registrieren. Entzug des Dokuments: Nachts, heimlich, ohne Papiere. Und plötzlich tauchen aus dem Rauschen & Gestöber Fledermausschwärme und Peggy Lees Johnny Guitar auf. (El mar la mar, Forum)

Simon Rothöhler am
11. Februar 2017 um 08:45 Uhr

Einen Tag in den USA verbracht: Kopfschmerzkino mit Oren Movermans Versuch, der Vereinigten Staaten Dilemmata in einen Film zu überführen (THE DINNER), danach einer minderjährigen Schwarzen in St. Louis dabei zugesehen, wie sie sich für derlei Aufgaben kaum weniger interessieren könnte (FOR AKHEEM), um mit Alex Ross Perry und seiner Bubble zu schließen, die sich wiederum für niemanden mehr interessieren, zum Teil noch nicht einmal mehr für sich selbst (GOLDEN EXITS).

Carolin Weidner am
10. Februar 2017 um 22:22 Uhr

EL MAR LA MAR (Forum) Ein ethnografisch-dokumentarisches Filmgedicht, das in 16mm-Bildern weniger zeigt, als es weiß. Ruft experimentellere Anmutungen herbei. Es fährt ein Zug mit 152 Waggons lange durchs Bild. Talking Heads gibt es extra nicht. Sei nicht so schön! Dachte ich hier und da - und im dritten und letzten Teil ist es endgültig drüber. (62cp)

Ekkehard Knörer am
10. Februar 2017 um 21:01 Uhr

T2 TRAINSPOTTING Wiederholen ohne Durcharbeiten: Eine vom Original traumatisierte Fortsetzung, die sich nie von ihren eigenen Voraussetzungen löst oder gar befreit. Das kriegt selbst Danny Boyle mit gelegentlichen Regieanfällen nicht heil. (67cp)

Ekkehard Knörer am
10. Februar 2017 um 20:57 Uhr

... mit der selben Haltung käme man auch aus CASTING heil heraus.

Ludger Blanke am
10. Februar 2017 um 20:16 Uhr

GOLDEN EXITS ist in Wirklichkeit ethnographisches Kino und man könnte ihn vielleicht ansehen wie einen Film von Jean Rouch...

Ludger Blanke am
10. Februar 2017 um 20:15 Uhr

Was bleibt einem übrig, wenn middle age nur der Remix der eigenen Jugend ist? Tanzen! Choose T2 Trainspotting.

Hannah Pilarczyk am
10. Februar 2017 um 12:09 Uhr

First world problems in GOLDEN EXITS: Lichtdurchflutete, frühlingshaftverklärte, von penetranter Pianomusik beklimperte Brooklyn-Bilderzeigen narzisstische, natürlich weiße New Yorker in privilegierten Miseren. Gelegentlich funkeln in den Generationen- und Gesellschaftsspielen großartig giftige Geschwätzigkeiten. All in all: Anemic cinema on 16mm.

Friederike Horstmann am
10. Februar 2017 um 12:02 Uhr

«Golden Exits», einfach links Richtung Brownstonebrooklyn abbiegen. Zwischendurch: Sommerlichtspiele & Liedersingen wie bei Rohmer. Jason Schwartzman schwingt sich auf die Couch und starrt die Decke an. Yo Teach hätte «Funny People» dazu gesagt. Deutlich nachrangig im Vergleich zu «Listen up Philip». Viel Milieuismen und Werbinichsorgen, die nach den letzten realgeschichtlichen Wochen wie aus der Zeit gefallen wirken. So leger wird es wohl nicht weitergehen, auch nicht für die Erbengeneration, die hier mit dem Altern, dem Verschwinden, der eigenen Spurlosigkeit hadert und doch ständig versucht, Archivarbeit zu delegieren.

Simon Rothöhler am
9. Februar 2017 um 23:55 Uhr

Eigentlich eine bewährte Festivalfilmguckstrategie: Filme um die 80 Minuten, mit Laien und dokumentarischer Erzählerarbeitung. Anfangs agiert „Dayveon“ (Forum) auch entsprechend permeabel: Das Sprechen da und das BMX-Radfahren, das Licht auf der Haut der Leute! Irgendwarum aber schürzt, bündelt, parallelmontiert und motivverkettet er sich dann doch zum lens-flarigen Sundance-Produkt.

Michael Baute am
9. Februar 2017 um 23:24 Uhr

THE HUMAN SURGE (Woche der Kritik) Höhere Wesen befahlen: Du sollst dabei sein - zu Lande, im Wasser, im Dschungel, in der Fabrik. Und beim Ameisesein. Beim Ameisesein? Ja, so sind sie die höheren Wesen. (80cp)

Ekkehard Knörer am
9. Februar 2017 um 22:40 Uhr

DAYVEON hat mich enttäuscht. Same old story von den Brüdern in der hood. Einzig die Schmutzflecken an den Wänden konnten mich begeistern (und wie sie dorthin gelangen), sowie die dichte Bewaldung ums Viertel. Die Mülltonnen waren auch nicht schlecht.

Carolin Weidner am
9. Februar 2017 um 22:37 Uhr