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Aktuelle Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 34
vom 16. Juni 2017

CARGO 34 Cover, CARGO 33 Cover,

Was vom Jahr bleibt: 2009

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Michael Althen

Paris im Januar, Interview mit Claire Denis: Wenn man nicht schön wüsste, was für tolle Filme diese Frau dreht, dann würde man wünschen, dass ihre Filme deckungsgleich mit ihrem Flair sind. Und das war noch, bevor ich im September in Venedig White Material gesehen habe.

Berlin im Dezember, "JFK" von Rene Pollesch: Ist Theater, ja, aber ich war ergriffen wie vom Kino. Aber nicht, weil es zum Teil auf Video aufgeführt wurde, sondern weil erst mit ein paar Sätzen mein Lieblingsfilm "Nachtblende" nachgeäfft wurde und ich mir sehr doof vorkam, und dann Delerues Musik für Die Verachtung angespielt wurde und ich wieder voll darauf reingefallen bin. Obwohl es Theater war - und nicht Godard.

Das Netz, zu jeder Zeit, Rainer Knepperges und Ekkehard Knörer: Wenn ich ganz ehrlich bin und quasi momentanes Glück und geistigen Aufwand und beiläufiges Kunstwollen in Beziehung setze, dann sind diese Beiträge in newfilmkritik und cargo mein Lieblingskunstwerk des Jahres: Nichts hat mir mit so wenig so großen Gewinn beschert wie diese beiden. Und ich befürchte, das ist nur der Anfang von etwas, was wir noch gar nicht verstehen....

Michael Althen hat für CARGO über Mickey Rourke (CARGO #1) geschrieben und nimmt am CARGO-Rating teil.

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Michael Baute

# Im Spätsommer 2009 haben die hier im Haus in Kreuzberg die Gegensprechanlage mit elektrischem Türöffnersystem eingebaut. Jetzt muss ich nicht mehr vom 4. Stock runterlaufen und die Leute reinlassen und dann wieder rauf. Ich bin immer vom 4. Stock runtergelaufen und habe die Leute reingelassen, weil: Einmal, als ich zuvor den Schlüssel vom 4. Stock den unten Wartenden runterwarf, ist er beim Aufprall auf dem Bordstein durchbrochen und ich musste Geld ausgeben fürs Nachmachen des Schlüssels. Kann mit dem neuen Türöffnersystem jetzt eigentlich nicht mehr passieren.

# Lee Child ist in »Gone Tomorrow«, dem letztem Reacher, dem 13ten, ganz groß in Form; das erste Kapitel basiert auf einer Checkliste der israelischen Armee, in der 10 Punkte gelistet sind, anhand derer man Selbstmordattentäter erkennt.

# In 2009 hat mich das Kinogeschehen in Berlin zunehmend genervt; Filme des Jahres wie Jody Hills Observe & Report (weil ich studiert habe, schreibe ich oft: »Observe & Punish« bzw. »Observe & Control«) oder Greg Mottolas Adventureland waren hier ja eigentlich gar nicht mehr anzugucken. Zur Ansicht von Filmen nutzte ich daher zunehmend Filesharingnetzwerke und machte so, neben den atemberaubenden Werken von Henry King, Hugo Fregonese oder André de Toth, auch Bekanntschaft mit dem sehr schönen Apatow-Frühwerk, der nach einer Staffel abgesetzten Serie Freaks and Geeks, deren Figuren mir auch über 2009 hinaus sehr ans Herz gegangen sein werden.

Michael Baute hat für CARGO über Alle Anderen und James Sallis (CARGO #2) geschrieben.

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Raymond Bellour

Das kleine Buch von Frances Yates Autobiographical Fragments (1984), dessen Übersetzung 2009 in Frankreich herauskam. Weil diese Kindheitserinnerungen das Gefühl vermitteln, sie wären mit der Kindlichkeit geschrieben, von der sie sprechen.

Der Besuch des Tempels Shinnyo-Do in Kyoto, in dem mein sehr guter Freund Thierry Kuntzel 1997 seine Installation Automne gedreht hat, eine seiner Quatre Saisons, die von Poussin inspiriert sind.

Der Film Casting A Glance (2007) von James Benning, den ich anlässlich seiner Retrospektive in der Galerie Nationale du Jeu de Paume im Herbst 2009 in Paris gesehen habe. Wegen der Art und Weise, mit der er den Anschein erweckt, die Dreharbeiten hätten im April 1970 begonnen, zur selben Zeit, in der Spiral Jetty entstand, das Hauptwerk von Robert Smithson, um das es in dem Film geht.

Raymond Bellour hat für CARGO über Agnès Varda (CARGO #3) geschrieben.

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Ludger Blanke

Der Palmenwald der Mesquita in Cordoba im Februar und die Überraschung der Kathedrale, die die spanischen Könige nach der Reconquista in diesen islamischen Gebetsraum gebrochen haben. Wie der Blick durch den Fehler, den Frevel, durch das, was eigentlich nicht passt, geöffnet und geschärft wird.
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Die Sommerferien mit den Kindern auf den griechischen Inseln.
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Larry David in Woody Allens Klamotte "Whatever Works" im Herbst und davor schon die Neuentdeckung von "curb your enthusiasm". Wie lässig "curb" gefilmt ist. Big Love

Ludger Blanke hat für CARGO über Encounters at the End of the World (CARGO #1) und West Wing (CARGO #3) geschrieben.

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Christa Blümlinger

1) Diesen Sommer haben wir eine Fahrt durch den Vercors unternommen, eine raue bergige Gegend in der französischen Drôme. Als ich in Chapelle-en-Vercors vor dem "Hof der Erschossenen" ("La Cour des Fusillés") stand, an der Mauer eines Bauernhauses, wo die SS im Sommer 1944 eines Nachts im Rahmen einer Vergeltungsaktion sechzehn junge Männer ermordet hatte, schien sich unweit von uns eine alte Frau der namentlich aufgeführten Opfer zu besinnen. Vielleicht war sie damals ein junges Mädchen. "Die Deutschen" werden auf der alten Mahntafel an der Mauer als Täter genannt (ich sagte mir, dass sich die Österreicher allzu selten mit solchen Zuweisungen auseinanderzusetzen hatten); "Nazis" steht auf der neuen Plexiglastafel in der Mitte des Hofs zu lesen. Die Kultur der Résistance-Gedenken verändert sich. Man spürt, wie das lebende Gedenken verschwindet, auch dass die  Zeitzeugen immer weniger werden. Die Orte des Gedenkens werden deshalb ausgebaut, Pierre Nora beschreibt das ganz richtig. Dieses Jahr ist in Frankreich der letzte "poilu", der letzte Soldat des Ersten Weltkriegs gestorben.

2) Beim Festival in La Rochelle habe ich die malaysische Filmemacherin Yasmin Armad entdeckt, die im vergangenen Sommer viel zu früh verstorben ist. Die Figuren in Muskshin (2006) und Gubra (2005) unterlaufen auf feinsinnig-ironische Weise gängige Rollenzuschreibungen und soziale Hierarchien. Selten war ich nach einem "blinden" Filmbesuch so überzeugt davon, dass das eben Gesehene nur von einer Frau gemacht sein konnte. Man gab mir zwar recht, doch erfuhr ich auch, dass Y. Armad als Mann geboren worden war. Mit "performing gender" können ihre Filme jedenfalls nur unzureichend beschrieben werden, dazu sind sie zu zärtlich.

3) Ich habe mich mit gewisser Neugierde erneut mit Stifter beschäftigt. Französische Filmemacher hatten mir wiederholt ihre Begeisterung über dessen Literatur mitgeteilt – augenscheinlich waren sie von seinem visuellen Stil beeindruckt. Am Nachsommer hat mich vor allem das Timing überwältigt: Im vorletzten Kapitel, nach mehr als 500 Seiten voller ausführlichster Beschreibungen der Welt der Dinge und der Natur, wird in einem "Rückblick" eine der Romanfiguren herausgehoben. Die jährliche Blüte der Rosen erhält nun eine umso gewichtigere Bedeutung, auch der Romantitel wird erst jetzt sinnfällig. Die Melancholie des Stifterschen Ausdrucks bekommt durch die erzählerische Wendung ein ungeahntes Unterfutter.

Christa Blümlinger hat für CARGO über Harun Farocki (CARGO #4) geschrieben

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Robin Celikates

1. Cargo: „Theorie und Attraktion“, sagen die Herausgeber.
2. Daniel Linehan: „Not About Everything“ (Tanz im August, Podewil): „This is not about spinning“, sagt der Derwisch aus New York.
3. Jody Hill: Observe and Report: „Let me ask you something – how much did they get paid to storm Normandy, how much did King Arthur get paid to kill Merlin, how much did they get paid to invent television? Nothing. They did it because they knew it was right.“, sagt der head of mall security (Seth Rogen).

Robin Celikates hat für CARGO über Adriana Cavarero (CARGO #1), Ariella Azoulay (CARGO #2), Dave Eggers (CARGO #4) und im CARGO-Webmagazin über Skyscraper Souls geschrieben.

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Catherine Davies

Hilary Mantel, A Place of Greater Safety. Früher Roman der diesjährigen Booker-Preisträgerin: ein monumentales Porträt Robespierres, Dantons und Desmoulins im Paris der Französischen Revolution, das nie lebendiger schien. Großartig ist, wie die Autorin ihre Figuren ein alltägliches und doch irgendwie archaisch anmutendes Englisch sprechen lässt und ihre Fremdheit nicht in der Vergegenwärtigung aufhebt.

Aufbruch in die Gotik. Ausstellung in Magdeburg, gesehen an einem trüben Tag im November: 800 Jahre alte Kinderschuhe neben kostbaren Handschriften evozieren Alltag und Geist einer Epoche, über die ich leider immer noch viel zu wenig weiß.

Jerichow (Christian Petzold). Der Film, der dieses Jahr bei mir den größten Eindruck hinterlassen hat, wegen seiner Schauspieler und ihrer Präsenz in einer fremden und bedrückenden Landschaft.

Catherine Davies hat für CARGO über das israelische Camera Distribution Project (CARGO #2), Betty Friedan (CARGO #4) und im CARGO-Webmagazin über La Cavas Gabriel over the White House geschrieben.

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Matthias Dell

1. Der verspätete Tod des politischen Künstlers Michael Jackson im ersten Jahr von Obamas Präsidentschaft.

2. Thomas Heises dokumentarisches Panoptikum der Zeit um 1989: Material. Blicke hinter Kulissen, die anderswo zur Zeitgeschichtsbeschwörung zusammengeschoben werden oder dass Heiner Müller am Morgen vor der Demonstration am 4. November Günter Schabowski in einem leeren Lokal begrüßt.

3. Die letzten 15 Minuten der ersten Halbzeit Manchester City gegen Chelsea in einem Café an einem sonnigen Samstagmorgen nach dem Besuch eines trostlosen Schwimmbads in San Francisco: sterbender Kapitalismus, Hochform, Zeitverschiebung.

Matthias Dell hat für CARGO über die DDR im deutschen Nachwendefilm (CARGO #3) geschrieben und nimmt am CARGO-Rating teil.

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Daniel Eschkötter

Ein Jahr in Komödien. Screwball-Wochen (Wiener Reihen am Heimbildschirm nachbauen), Irene Dunne integriert einen kurzen schönen Lacher über Cary Grants Ungeschick in ihren Gesang, bringt das Lied, einen Takt später, zu einem würdigen Ende: The Awful Truth (Leo McCarey); Cary Grant & Katharine Hepburn sind akrobatisch=übermütig: Holiday (1938, George Cukor); Barbara Stanwycks Slang (Vinyl is heavy and Stanwyck is forever): Ball of Fire (1941, Howard Hawks). Ausweg aus dem Sein: nochmal The Party (1968, Blake Edwards; Februar, Lichthaus-Kino Weimar). Theorien der Ökonomie haben im Hollywood-Musical ihren filmischen Austragungsort: Hello, Dolly! (1969, Gene Kelly; Februar, 70mm-Retro in Berlin; und: seltsamer resonierte die Shoah nie in Hollywood). Arnaud Desplechins flirrende Rhythmen, Melvil Poupaud legt auf in Roubaix!, als sei das, dies alles, eine ewige Jugend: Un conte de Noël (2008). L.D. schenkt Kramers Michael Richards closure: Curb Your Enthusiasm, „The Table Read“ (HBO, November 2009). Remembering John Hughes. Nach den Komödien, ein Satellit der Liebe: Adventureland (2009, Greg Mottola). # September: Reis-Fischsuppe mit A, dort, wo, laut Umschlag, der Übersetzer von 2666 lebt, jedenfalls manchmal. # CARGO: neue Tages- & Monatsrhythmen. Ein weiterer Kompass: The Wayward Cloud. Nochmal September: Im Bann unguter Synergien, Bolaños Teil von den Verbrechen & David Peaces Red Riding. Weiterhin unentschieden, dennoch: Tom Cohen, Hitchcock's Cryptonymies (2 Bände, University of Minnesota Press, 2005). Zum Mitnehmen noch nach 2010 zwei Geschenke, von denen man nur wenige Seiten täglich lesen muss: Jörg Fauser, Der Strand der Städte (Alexander), Ulrich Schlotmann, Die Freuden der Jagd (Urs Engeler). Pasolini-Wochen in Mai & Oktober.

Daniel Eschkötter hat für CARGO über The Wire (CARGO #1), Judd Apatow (CARGO #2), Arnaud Desplechin (CARGO #3), Pier Paolo Pasolini (CARGO #4) und im CARGO-Webmagazin über Claire Denis geschrieben.

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Lukas Foerster

twitter: Social networking im Sinne von Facebook ist mir nach wie vor ein Grauen. Aber die Idee, dass Identität im Netz nicht mehr sein muss als eine potentiell unendliche Zeichenkette, deren einzelne Glieder die 140 Anschläge nicht überschreiten dürfen, hat mir schnell eingeleuchtet - und tut es immer noch.

The Daily Show: Nicht nur weiß ich dank Jon Stewart über die amerikanische Tagespolitik oft besser Bescheid als über die deutsche. Vor allem bietet mir die Sendung viermal die Woche ein Perspektive auf diese Politik an, die sich so schlüssig anfühlt, wie es hierzulande keine einzige tut.

Seinfeld, Season 8, Episode 19: Marcy: Are you close with your parents? George: Well, they gave birth to me, and, yada yada...

Lukas Foerster hat für CARGO über Hou Hsiao-Hsien (CARGO #1), Bahman Jalali (CARGO #2), das Village Documentary Project (CARGO #3), Thomas Arslan (CARGO #4) und im CARGO-Webmagazin u.a über Sarah Silverman geschrieben.

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Martin Heckmanns

1
Einer der wenigen Blogger, die mit den Jahren nicht stiller, milder oder resignativer werden
2
Jeder Auftritt mindestens eine Frage (wie will ich sterben?)
3
Mein Vater ist neu im Netz und ich fühle mich beobachtet

Martin Heckmanns hat für CARGO über Alle Anderen geschrieben (CARGO #2)

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Stefan Heidenreich

buch: roberto bolano: 2666

epiphanie: eine kleine verfehlung im tempel der schwarzen rama in nasik
und das nachfolgende gespräch über den umgang mit göttern

erfolg: pointe du tsaté, 3078 m

Stefan Heidenreich hat für CARGO über Bildwissenschaft (CARGO #3) geschrieben

 

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Jakob Hesler

Im Jahr 2009 habe ich mich fast nur noch aufgeregt, ueber den Sadismus der Filme, The Changeling, Adam Resurrected, Antichrist. Vielleicht liegt es an mir. Über Up habe ich mich nicht aufgeregt, dafuer aber meine Tochter bei ihrem ersten Kinobesuch, ihr war langweilig, und wir mussten nach 45 Minuten gehen. Geflüchtet habe ich mich in die Geschichte, unter anderem in den wunderbar klugen Bildband von Nicole Vedrès: Images du cinéma français (1945). Die Zeit vergeht.

Jakob Hesler hat für CARGO über den britischen Experimentalfilm im Netz (CARGO #3) geschrieben.

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Ute Holl

Polke 1, Polke 2, Polke 3. Wir Kleinbürger! Zeitgenossen und Zeitgenossinnen. Ich, wir, moi, nous, us, alles toller Materialverschleiss. Chemiegesang. Die mittlere habe [ich] aber gar nicht gesehen. Und am Ende Rauschenberg/Tinguely: Gluts. Übergenuss oder -genössinnen. Filme laufen in den Ausstellungen, ist aber FilmERSATZ. Kleine Lautsprecher übertragen das hapernde Geräusch der 16mm Projektoren, in denen Mini-DVD-Spieler versteckt sind. Kleinbürgerliches Rettungsmanöver von 69 zeitgenössischer Wahrnehmung. When all the hippies cut all their hair. Wir Zeitgenossen null neun möchten kein mehr Material riskieren. Aber auch der immateriellen Code hat seine Frist. Wenn die Chips mal alt werden. Dann stecken wir uns kleine Superachtprojektoren in die Bluerayspieler. Oder unsere Avatare fädeln ihre Schwänze in die Perforation und lecken die Magnettonspur durch. Sicher vor Neuf Zéro.

Ute Holl hat für CARGO über Netzkino (CARGO #3) geschrieben.

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Rembert Hueser

1) Frankfurt und das IG-Farben Haus
2) Inglourious Basterds und A Serious Man
3) Nappos bei REWE

Rembert Hueser hat für CARGO über Lubitsch und ein Buch von Abé Mark Nornes (CARGO #1) geschrieben.

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Naoko Kaltschmidt

+ die alarmierende Notwendigkeit der Debatte um einen 'Nothilfefonds' zur Sicherung der kommunalen Kulturstrukturen

+ das beschlossene Ende der Glühbirne (wie wir sie bis dato kennen)

+ die Auswüchse der aktuellen Erinnerungskultur (z.B. Dominosteine)

Naoko Kaltschmidt hat für CARGO über Nadim Vardag (CARGO #1) geschrieben.

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Rainer Knepperges

1. Am Tanzbrunnen spielte das Frank Barani Dreamland Orchester, für Barani, unter Tränen "Up Where You Belong".
2. Im Stüsser hatte Jutta Gersten, die 1949 erstmals mit Akkordeon und flotten Sprüchen auftrat, den Saal komplett im Griff.
3. Nichts damit Vergleichbares.

Rainer Knepperges hat für CARGO über White Dog (CARGO #1), Maurice Pialat (CARGO #2) und Der Mann aus dem Osten (CARGO #4) geschrieben.

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Ryland Walker Knight

1: Playtime in der 70mm-Version zu sehen, ist immer ein Höhepunkt. Diesmal war es die inoffizielle Eröffnung meiner Monate in New York, im Frühjahr 2009. Ich haben den Film im Walter Reade Theater mit Keith Uhlich, Matt Zoller Seitz und Glenn Kenny gesehen. Hinterher gab es tolles italienisches Essen in Park Slope.

2. Die DREYER-Serie im BAM (der Kinemathek der Brooklyn Academy of Music) im Frühjahr war so lehrreich. Sehr glücklich, diesen Filmen unter diesen Umständen begegnet zu sein und über jede Vorführung etwas geschrieben zu haben.

3. Was für ein Vergnügen, mit einer Alain-Resnais-Serie in den PFA (Pacific Film Archive)-Einzugsbereich zurückzukehren, angefangen mit Marienbad, dann weiter, vor und zurück, bis zum Abschluss mit einem Film aus der oft etwas wolkigen, immer sprunghaften zweiten Phase in den Sechzigern, passenderweise mit einem Ende im Titel: La Guerre est finie.

Ryland Walker Knight hat für CARGO über James Gray (CARGO #2) und Jane Campion (CARGO #4) geschrieben.

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Ekkehard Knörer

1. Das erste CARGO-Heft. Klar.

2. Balzacs "Verlorene Illusionen". Doderers "Wasserfälle von Slunj". Ferienlektüre unterm Baum im Garten in Frankreich. Auf der Rückreise: Rivettes Abschiedsfilm 36 vues in Paris.

3. Van Dyke Parks in der Passionskirche. Leutseliges Genie, Springteufel und Conferencier.

Ekkehard Knörer hat für CARGO u.a. über Dominik Graf (CARGO #1), Hiroshi Shimizu, Videogames (CARGO #2) und Werner Herzog (CARGO #4) geschrieben.

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Verena Mund

Januar, Claire Denis’ 35 Rhums, Mal Seh’n Kino, Frankfurt a.M.
Juli, Kathryn Bigelows The Hurtlocker, Uptown Cinema, Minneapolis
August, Michael Sailstorfers Filmloop Untitled (Lohma), The Quick and the Dead, Walker Art Center, Minneapolis,
November, Retrospektive “Life Lessons: Italian Neorealism and the Birth of Modern Cinema” (von der ich gern mehr gesehen hätte), Film Society of Lincoln Center, New York

Verena Mund hat für CARGO über Irakkriegsfilme (CARGO #1) geschrieben.

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Christian Neuhäuser

1    Für eine Weile und zum Glück: Obama
2    Leider auch: Westerwelle
3    Und dringend: die Re-Politisierung der public intellectuals

1    Hoffentlich nicht allzu lang: die erstarrte Klimapolitik
2    Und bitte noch weniger lang: die fünf Kilo
3    Vielleicht dazu: die erschlaffte Narrativität in Hollywood

1     Letztlich: nichts

Christian Neuhäuser hat für CARGO über Chinas Angst vor der Freiheit (CARGO #3) geschrieben

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Cristina Nord

Frühjahr, Berlin: Mit reichlicher Verspätung Linda Williams' Buch "Hard Core. Über pornographischen Film" gelesen und viel gelernt. Wäre schön, wenn Feminismus immer so smart wäre.

April, Lissabon, Filmfestival IndieLisboa: Bekanntschaft mit den Filmen Jacques Nolots gemacht. Beeindruckend, dieses Kino in der ersten Person, aufrichtig, ohne viel Aufhebens darum zu machen, ein bisschen abgeklärt und schamlos in dem Sinne, dass Nolot keine falschen Rücksichten nimmt. Auf sich selbst am allerwenigsten.

August, Kopenhagen. Interview mit Lars von Trier. Nicht, dass ich besonders viel mit Antichrist hätte anfangen können. Aber mit dem zittrigen Regisseur über sein Frauenbild, sprechende Füchse und anderes zu reden, war dann doch eine besondere Erfahrung.

September, Zürich. Roman Polanski wird verhaftet. Heftige Diskussionen schließen daran an. Die Feinde Polanskis urteilen, ohne wissen zu können, was genau vorgefallen ist. Den Freunden Polanskis fehlt jede Empathie mit der betroffenen Frau, und über sexuelle Gewalt scheinen sie noch nie nachgedacht haben. Die Filmbranche verfällt dem Petitionswahn, und ein als seriös geltender Kollege verfasst Elogen auf die alten Künstler, die es mit ganz jungen Mädchen tun. Eine Qual.

Cristina Nord hat für CARGO über Asia Argento geschrieben (CARGO #3), nimmt am CARGO-Rating teil und hat uns ausführliche Audio-Gespräche mit Lars von Trier und James Benning zur Verfügung gestellt.

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Volker Pantenburg

Jahr der Toten

Alexis Tioseco und Nika Bohinc, Ende Zwanzig. Getötet, umgebracht, vernichtet in Manila am 1. September. Ein Filmfestival in Zagreb ist den beiden gewidmet. Auf dem Festival läuft Ivan Martinacs THE HOUSE ON THE SAND (1984/85), ein kristallklarer und rätselhafter Film. Traum oder Alptraum, manchmal ist das nicht zu unterscheiden. Einmal sind Schüsse zu hören, es ist undeutlich, wem sie gelten. Später sagt jemand im voice-over etwas, das die Untertitel so übersetzen: «Nothing is built on rock, everything on the sand, but we have to work as if that sand was rock.» Auf Kroatisch klingt das noch trauriger.

Gerhard Friedl, gestorben am 3. Juli mit Anfang Vierzig. Bei einer Aufführung  seiner Filme im Zeughauskino treffen mich KNITTELFELD und HAT WOLFF VON AMERONGEN KONKURSDELIKTE BEGANGEN? wieder mit voller Wucht. «Strauss wird nicht Bundeskanzler. // Walther Leisler / Kiep wird nicht Außenminister. // Zwei Jahre später, 1982, kandidiert Kiep / für das Amt des / Oberbürgermeisters in Hamburg. // Auch daraus / wird nichts.»

Günter Peter Straschek, gestorben am 29. September in Wien, Mitte Sechzig. In Johannes Beringers Film SITUATIONEN (1967) sieht man Straschek mit einigen Leuten, darunter Holger Meins, diskutieren. Strascheks WDR-Arbeit FILMEMIGRATION AUS NAZI-DEUTSCHLAND von 1975, knapp fünf Stunden lang, ist wohl auf ewig im Senderarchiv begraben. Zu hoffen, dass die Filesharing-Netzwerke ihrer Exhumierungsaufgabe nachkommen und den Schatz bergen.

«Die Zeit geht weiter, immer geht die Zeit weiter.» (Franz Jung: Der Weg nach unten)

Volker Pantenburg hat für CARGO über Carlotta Films (CARGO #1) Grandrieux (CARGO #2) und Moullet (CARGO #3) geschrieben.

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Kathrin Peters

Alles, was Silvia Bovenschen in den letzten Jahren über 
Idiosynkrasien, das Älterwerden, das Verschwinden und ermordete 
Hochschullehrer geschrieben hat – so genau und gelassen.

Annette Kelm in den Kunst-Werken – sofort wird klar, was 
Konzeptkunst, Sachfotografie und Objektgestaltung womöglich schon 
immer miteinander zu tun hatten.

Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum – sicher einige Pfeiler und Rechtecke  zu viel, aber eine Freihandbibliothek dieses Ausmaßes mitten in  Berlin ist und bleibt toll.

Kathrin Peters hat für CARGO über Agnès Varda (CARGO #3) geschrieben.

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Christian Petzold

Nach dem 1:0 gegen Schalke, das die Rettung Gladbachs einleitete. Ich war ein wenig im Rausch, hatte das Spiel im Radio verfolgt, suchte dann Bilder auf Youtube. Was mir dort gefiel: Die Fans im Stadion mit ihren Handycams, die filmen nicht mehr das Spielgeschehen, die filmen sich, die Masse, ihre Bewegung. So sah man nicht das Tor, sondern den Aufschrei und den Jubel. Dann verflüssigte sich das Bild.  Löste sich in Pixeltropfen auf. Der Ton wie aus dreitausend Meter Tiefe. Das ging Minuten, bis die Speicherkarte voll war. Ein Eintauchen und Auflösen. Canetti beschreibt das Stadion als den Ort, an dem alle mit dem Rücken zum Alltag sind. Man kann aber auch ans Meer gehen. Jeder Bundesligaverein eine Hafenstadt.

The Hurt Locker. Der beste Film. Ich hatte die Neuausgabe der Truffaut Filmkritiken gelesen. Ein schöner Text über Anthony Manns „Men at War“: „In Men at War hat jeder Halm, jedes Gebüsch, jeder Baum denselben emotionalen Wert wie ein Panzer in Bewegung. Übrigens gibt es keinen Panzer in Men at War, sondern nur eine Handvoll Männer auf einem schmalen Pfad.“ The Hurt Locker steht in dieser Tradition. Man sollte die beiden Filme zusammen schauen. Wie dort Erzählräume geschaffen werden.

Die Remastered Alben der Beatles.  Tagelang gehört. Die Kinder schauten eine Simpsons-Folge, wo Homer mit seiner Band ein Concert on the Roof gab. Wieder auf Youtube gesucht. Da kommen die Vier auf das Dach, alles ist gar nicht so improvisiert, denn unten, auf der Straße, wird schon gefilmt, Reaktionen einfangen, die vier schauen auch nicht so begeistert drein, es scheint, als ob es eine Marketing-Idee sei, der sie in einer Minute der Schwäche nachgegeben haben, dann nehmen sie sich ihre Instrumente und es geht los, und sofort sind sie im Song, in der Arbeit. Sind sich selbst genug. Brauchen das alles nicht mehr. Verschwinden auf wunderschöne Weise.

Christian Petzold hat für CARGO über Comics (CARGO #1, #2) und sein neues Projekt «Barbara» (CARGO #4) geschrieben.

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Peter Praschl

Kino:
Die ersten 15 oder so Minuten von Where The Wild Things Are. In New York gesehen, in einem blöden Kino um die Ecke des Times Square, am dritten Tag, nachdem der Film angelaufen war, auf den ich mich schon monatelang gefreut hatte, so sehr, dass ich mir mittlerweile einrede, ich wäre nur deswegen nach New York geflogen, um diesen Film zu sehen. In dessen ersten 15 Minuten werden die Traurigkeit, die Einsamkeit, die Verlassenheit, die ein Kind haben kann, so gottverdammt wahrhaftig wiedergegeben, dass ich bis heute davon träume, obwohl ich sonst nie träume. Das alles sagt nichts gegen den Rest des Films, gar nicht. Aber ich bin da voreingenommen. Ich hab, als sie noch ein kleines Kind war, meiner Tochter ein halbes Jahr lang jeden Abend Wo die Wilden Kerle Wohnen vorgelesen, damit sie einschlafen konnte, bis wir beide den Text sprechen konnten wie ein Gebet, vielleicht ist er das ja auch.

DVD:
Die Harun Farocki-Box, die ich mir zum Geburtstag habe schenken lassen. Muss ich nicht viel zu sagen. Außer: Könnte bitte endlich jemand auch eine Peter Nestler-DVD-Box machen? Und sowieso eine DVD-Box mit allen Filmen, die mir als junger Mann etwas bedeutet haben, Das Verhängnis der Liebe, Fluchtweg nach Marseille und alles andere auch?

Fiction:
Roberto Bolaño. Zwei, drei Monate lang habe ich wie nicht ganz gescheit Bolaño gelesen. nachdem ich auf der Website der NYT einen Lethem-Hymnus über 2666 gelesen hatte. Es stimmt alles, was man Bolaño nachsagt, vielleicht stimmt es auch nicht, egal. 2666 habe ich immer noch nicht durch, ich ertrage die Aufzählung der Frauenmorde nicht, und mittlerweile frage ich mich, ob ich sie ertragen sollte. Naziliteratur in Amerika: ein unglaubliches Buch.

Non-Fiction:
Greil Marcus, Werner Sollors (Hrsg.): A New Literary History of America. Eine Geschichtsschreibung entlang amerikanischer Obsessionen. Pocahontas, Mondlandung, Moby Dick usw.: So muss man Mentalitätsgeschichte schreiben. Auf der Website gibt es einige Textproben.

Musik:
Die Wiederveröffentlichung der ersten beiden Feelies-Alben. Ricardo Villalobos. Mahlers Lied von der Erde.

Politik:
Tony Judts Essay über die Sozialdemokratie in der New York Review of Books: A social democracy of fear is something to fight for.

Keine Lust:
Twitter Urheberrechte Netz-vs-Print-Gebitche Geschäftsmodelle Neues-Heißes-Ding-Geblubbere

Privat:
Mein langsames Leben, alles gut.

Peter Praschl schreibt für CARGO eine Kolumne, die immer auf S. 93 steht.

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Michael Sicinski

1. Apichatpong Weerasethakuls Phantoms of Nabua, in dem die offizielle Tilgung von Geschichte in ein Problem der Skulptur überführt wird. Joe beschwört Dan Flavin und Walter de Maria, um der schweigenden Landschaft ein Zeugnis zu entlocken.

2. Was das Kino betrifft, kam der globale ökonomische Kollaps in nur neun Monaten vom Gegenstand einer scharfsinnigen Erörterung (The Girlfriend Experience) runter zum bloßen banalen Hintergrund (Up in the Air).

3) Ich werde am Ende des Jahres kaum zwanzig Spielfilme in einem Kino gesehen haben. So wenige waren es noch nie. Auch wenn sich darin private Veränderungen und Prioritätsverlagerungen spiegeln, kommt es mir doch so vor, als sei das ein Vorgeschmack auf Unser Aller Zukunft als Filmpublikum. "Filme Sehen" ist nicht mehr, was es war. Platos Höhle ist jetzt offiziell geschlossen. Es war eine gute Zeit.

Michael Sicinski hat für CARGO über Milk (CARGO #1), Soderbergh (CARGO #2) und Lucrecia Martel (CARGO #4) geschrieben.

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Cord Riechelmann

27. August: Verena Becker wird unter anderem aufgrund einer handschriftlichen Notiz verhaftet, in der sie festhält: „Nein, ich weiß nicht, wie ich für Herrn Buback beten soll, ich habe wirklich kein Gefühl für Schuld und Reue. Natürlich würde ich es heute nicht wieder machen. Aber ist es nicht armselig, so zu denken und zu fühlen? Das scheint noch ein weiter Weg zu sein.“

6.Oktober: Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik meint in der taz: „Alain Badiou aber ist - wenn diese Adjektive überhaupt steigerungsfähig sind - der totalitärste und menschenfeindlichste Philosoph, der derzeit wirkt.“

Alain Badiou erzählt in seinem schönen Buch Wittgensteins Antiphilosophie (diaphanes 2008) von folgendem Ereignis: „Seine (Wittgensteins) Hauptsünde war, wie es scheint, seine (tatsächlich erhebliche) Brutalität gegenüber den Kindern während seiner Tätigkeit als Hauptschullehrer. Und in der Tat (Instanz der unwahrscheinlichen Entscheidung, verweisend aufs Heil) ist er in das österreichische Dorf, in dem er unterichtet hatte, zurückgekehrt, um sich bei den Kindern und ihren Familien zu entschuldigen. Es hat ihm gut getan."

Cord Riechelmann hat für CARGO über den Nullzins (CARGO #1) geschrieben.

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Bert Rebhandl

27.1. Andruck des ersten CARGO-Hefts, die Druckerei hat am Vortag Konkurs angemeldet. Die Autobahnfahrt nach Wittingen, der Bahnhof der niedersächsischen Kleinstadt: Ökonomie und Unabhängigkeit
28.3. Zugfahrt von Bukarest ans Schwarze Meer, in die Gegend, in der Ovid im Exil war; am Abend spielt Rumänien in Constanta gegen Serbien, ich bin im Stadion genau zwischen den Fanblöcken,
20.5. Max Hopps Prometheus in der Agora der Berliner Volksbühne, wenige Tage nach Beendigung der Lektüre von Hans Blumenbergs Arbeit am Mythos

Bert Rebhandl hat für CARGO u.a. über Tom Tykwer (CARGO #1), Claude Lanzmann (CARGO #2) und Mad Men (CARGO #4) geschrieben.

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Stefan Ripplinger

(1) Charles Ives, 4. Symphonie, DSO / Sir Andrew Davis, 1. Mai. Es ist mir, als ob ich in Ali Babas amerikanische Schatzkammer geführt worden wäre. Seither habe ich sie nicht wieder verlassen.

(2) Ronald M. Schernikau, „Königin im Dreck“ (Verbrecher Verlag). Ein Gruß aus der Vergangenheit, Artikel meines Jugendfreundes. Zu komisch, wenn er das Metrum bei Sarah Kirsch mit „ta humpta humpta humpta humpta humpta“ anstimmt.

(3) Peter O. Chotjewitz im „Valentin Stüberl“, 19. Oktober. Eine der lustigsten Lesungen meines Lebens (neben Jandl, Rühm und D. Roth), obwohl das Thema Krebs war.

Stefan Ripplinger hat für CARGO über Raphael Nadjeri (CARGO #1) und Bücher von Chris Fujiwara (CARGO #1) und Anton Holzer (CARGO #3) geschrieben.

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Simon Rothöhler

Laurent Chétouanes „Tanzstück #3: Doppel / Solo / Ein Abend“ – lange nichts vergleichbar Präzises auf einer Bühne gesehen

Mit einem Leihwagen im Juni durch den Triester Karst: Die grandiose Strada del vino Terrano, gesäumt von unwirklichen Spuren der bipolaren Weltordnung

Ein Regisseur, so weltläufig wie seine Filme: Olivier Assayas balanciert in Halle eine Teetasse und lässt sich auch durch Detailfragen zum sudanesischen Geheimdienst nicht aus der Ruhe bringen. Allein wegen dieser Begegnung hätte sich Cargo für mich bereits gelohnt.

Simon Rothöhler hat für CARGO u.a. über Kathryn Bigelow (CARGO #2), Wang Bing (CARGO #3) und Siegfried Kracauer (CARGO #4) geschrieben.

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Matthias Wittmann

Steven Shaviros nicht nur sehr schöner, auch wichtiger (Mehr-als-)Nachruf auf Michael Jackson: “He was the first to make a recognizably African American cultural expression […]  available, in a way that was neither an exotic attraction for white people, nor watered down […] – and this precisely because it was addressed to “everybody” in a way that no previous black music, not even Motown, had been before.”

Jennifer Reeves 16mm-Doppelprojektion When it was blue (2008), begleitet on islandischer Minimal-Music, eine sensationelle (Berlinale-)Erfahrung, die ich  bei der Viennale wiederholt zu machen suchte, und zwar vergeblich. Kierkegaard hat somit Recht.

Der (die Diegese) schließende Schnitt in Werner Herzogs Bad Lieutenant – Port of Call: New Orleans, gesehen bei der Viennale 09, vielleicht der best gesetzte Schluss-Schnitt seit Pascal Ferrans Lady Chatterley, obwohl – oder vielleicht gerade weil – Herzog angeblich nicht das Recht auf den Final Cut erhielt. Ein Schnitt der mich einen Humor, eine Leichtigkeit bei Herzog entdecken ließ, die ich bislang vermisste.

Matthias Wittmann hat für CARGO über Francesco Cassetti (CARGO #2), Warren Oates (CARGO #3) und im CARGO-Webmagazin über das Werk von Clint Eastwood geschrieben.

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