CARGO Container Regisseure
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Interviews
Ramin Bahrani / Liu Jiayin
Kurzer Hinweis auf Interviews mit zwei der interessantesten jüngeren FilmemacherInnen derzeit. Zum einen spricht Colin Marshall bei 3quarksdaily mit Ramin Bahrani (Chop Shop; Goodbye Solo), der als nächstes interessanter Weise einen Western dreht; kurzer Auszug, in dem Bahrani darüber spricht, was ihn als Filmemacher antreibt:
Recently on NPR there was someone who was going across America talking to people about how the recession has impacted them. I’m jealous of these jobs. Why should I make a film about a young guy who likes to read books and make movies? Sounds really boring to me. I love to learn about new people, different experiences. Even the western I’ve been researching for a year – what a joy to learn more about that time period in American history and to visit historical sites and real landscapes and to encounter as many people as possible to talk to them about that time. I feel lucky that I can do that. It’s that curiosity that helps keep me engaged in the story and lights that fire to want to make that film. I can’t wait to see the western, you know?
Und Liu Jiayin, deren Debütfilm Oxhide ein Meisterwerk war (in dieser sehr ernstzunehmenden Liste der besten chinesischen Filme der Nullerjahre auf Platz sieben) und deren Nachfolger Oxhide 2 (Lukas Foerster schrieb für uns aus Locarno darüber) mindestens ebenso interessant klingt. Peter Rist hat sie für Offscreen interviewt:
We tried to shoot everything in strict continuity. The dumplings that are being boiled in the 8th shot and the ones we are eating in the 9th shot, are exactly the same. And they didn’t taste good at all.
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Irving Lerner (I)
Linke Filmgeschichte.

Die folgenden Informationen verdanken sich fast vollständig zwei von Wolf-Eckart Bühler erarbeiteten und herausgegebenen Heften der "Filmkritik": Nr 289/290 im Januar und Februar 1981. Bühler erstellte dafür nicht nur eine möglichst vollständige Filmografie Irving Lerners, abgedruckt sind auch Interviews, die er in den Siebzigern mit Lerner selbst, mit Philip Yordan, mit Haskell Wexler, Ben Maddow und Leo Hurwitz geführt hat. Dazu kommt ein kluger Essay zu Lerner und seinen Filmen.
Philip Yordan, Drehbuchautor, Produzent, Arschloch und ausbeuterischer Frontmann für Blacklist-Autoren, sagte im Interview über Irving Lerner, dem er Arbeit gab, ohne ihn, wie es scheint, je angemessen zu bezahlen oder auch nur zu behandeln:
Er war ein Versager. Im ökonomischen Sinn war er ein absoluter Versager. Was er auch anfaßte, es machte kein Geld. All die Dinge, die er machte, und die er so gut machte, waren alles Dinge, die eigentlich gar nicht gemacht zu werden brauchten. Überflüssige Dinge. Schön vielleicht, aber überflüssig. Man kann sich so was ab und zu mal leisten, aber für Irving war das sein ganzes Leben!
In den Augen Hollywoods lebte Irving Lerner das Leben eines überflüssigen Menschen. Auch darum ist aus dem, was er tat und dem, was ihm dabei widerfuhr, viel zu erfahren über die amerikanische Filmindustrie, der er, immerhin, eine Handvoll eigener Filme abgetrotzt hat. Seine Karriere, im Schnelldurchgang: Geboren 1909 in New York. Studium der Anthropologie an der Columbia University bei Franz Boas; Bekanntschaft mit Margaret Mead (1927-1934). Für linke bzw. kommunistische Zeitschriften schreibt er Filmkritiken unter dem Pseudonym Peter Ellis. Herausgeber postumer Schriften des früh verstorbenen sozialistisch Filmkritikers Harry Alan Potamkin (1934). Erste Kenntnisse von Film- und Kamerarbeit im anthrop ologischen Kontext; Kooperation mit linken Theater- und Filmemachern. Mitarbeit am Film Pie in the Sky, an dem auch Ralph Steiner, Elia Kazan, Elman Koolish und Molly Day Thatcher beteiligt sind. In der Zeitschrift "New Masses" steht darüber zu lesen:
The silent film presented by New Theatre and Nykino is a splendid beginning toward revolutionary comedy-pantomime. With the simplest materials, in fact 'properties' and ideas that can be found on any city dump, it sustains for 20 minutes or so the right level of grim satire on misery.
In den linken Kreisen, auch in seiner Tätigkeit als Bearbeiter und Untertitler europäischer und sowjetischer Filme, lernt er Woody Guthrie, Eisenstein, Kurt Weill und Hanns Eisler kennen. Mit Fritz Lang geht er nach Hollywood, assistiert ihm bei You and Me (1938). Auch an Robert Flahertys Film The Land ist er als Kameramann und Assistent beteiligt.
1940 entsteht die Dokumentation Valley Town. Lerner ist im Vorspann nur als Editor genannt, arbeitete aber an allen Phasen und an der Konzeption des Films gleichberechtigt, wenn nicht führend mit. Es geht in dem Film um die sozialen Folgen, die die Einführung neuer Technologien in einer Stahlarbeiterstadt in Pennsylvania hat. Eine Tafel zu Beginn des Films hält fest: "The people in this film are not actors. They are men and women of an American town." Dennoch ist die Anmutung des Films nicht nur in der Wahl des von einer ganz sicher nicht authentischen Stimme gesprochenen Bürgermeisters als Ich-Erzähler alles andere als rein dokumentarisch. Im Gespräch mit Bühler erläutert Irving Lerner seine Haltung dazu - und verbindet sie mit einer Erklärung, warum er glaubte, seine Arbeit grundsätzlich auch im Kontext der Filmindustrie fortsetzen zu können:
Für mich gab es so etwas wie 'den Dokumentarfilm' eigentlich gar nicht mehr. Denn wie auch immer die Probleme sich stellen, sie müssen 'ausgerichtet' werden nach dem jeweils gewählten Thema. Also gibt es das gar nicht: eine ganz besondere und spezielle Weise, Dokumentarfilme zu machen. Oder Spielfilme zu machen. Das ist alles Film, nicht mehr, nicht weniger. Dokumentarfilm und Spielfilm, das sind keine Gegensätze, sehr viel entscheidender als das, was sie scheinbar trennt, ist das, was sie miteinander verbindet. Und also sagte ich mir, wenn das wirklich stimmt, was ich mir da denke, dann kann ich ebensogut dahin gehen, wo ich mein Arbeitsfeld unter Umständen ganz beträchtlich erweitern kann - und so packte ich meine Sachen zusammen und zog nach Kalifornien.
Bei den Prelinger Archives findet sich der Film Valley Town:, leider zerschießt unser Editor zuverlässig den Archive.org-Code fürs Einbetten. Daher ist das Bild nur ein Link-Platzhalter zum Archive.org-Stream:
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Trotz seiner eindeutigen Verortung im linken Spektrum, trotz seiner Tätigkeit sogar für die sowjetische Handelsorganisation Amtorg erhält Lerner von 1941 bis 1945 einen Job von der Regierung. Der im wesentlichen von ihm aufgebaute Overseas Branch des Office of War Information hat die Aufgabe, antifaschistische Filme für den Propaganda-Einsatz in Europa zu erstellen und dabei Werbung für den American Way of Life zu machen. Lerner nutzt die Gelegenheit dazu, ambitionierte Dokumentar- und Experimental-Filmemacher zu beschäftigen: Alexander Hackenschmid (als Alexander Hammid und Ehemann Maya Derens berühmt), der Schwede Henwar Rodakiewicz, der schon in den Zwanzigern Filme wie Portrait of a Young Man (mehr) gedreht hatte (jetzt in der Unseen Cinema Box wieder zugänglich), Roger Barlow (Kamera auch in Valley Town) und Sidney Meyers. Der bekannteste dieser Filme, Lerner führt dabei selbst Regie, ist der hinreißende The Autobiography of a Jeep. Der Titel verspricht nicht zu viel: Ein Jeep erzählt als Ich-Erzähler aus seinem Leben - man achte auch auf den winzigen Cameo-Auftritt von Laurel & Hardy. In viel besserer Qualität gibt es den Film wieder bei archive.org. (Man muss an Helmut Käutners In jenen Tagen denken, in dem das Dritte Reich aus der Perspektive eines Autos episodisch vor Augen geführt wird.)
Ein Coup gelingt Lerner im Jahr 1943. Yordan berichtet:
Kennst du die Geschichte mit Toscanini? Während des Krieges wollten sie unbedingt einen Film mit ihm machen, aber Toscanini hatte keine Lust. Er war nicht an Film interessiert und hat sie alle weggeschickt. Sie haben ihm die berühmtesten Regisseure angebracht, er hat sie nicht mal vorgelassen. Und dann hat er Irving getroffen und gesagt: wenn ich mit jemandem einen Film mache, dann nur mit Irving. Und Irving hat ihn gemacht. Er war einer von den Leuten, die in Konzerte gehen und die Partitur mitlesen, weißt du...
Der Film, der entsteht, heißt Toscanini: Hymn of the Nations. Produktion, Schnitt und Regie Irving Lerner. Einer der beiden Kameramänner ist Dziga Wertows seit 1942 in den USA arbeitender Bruder Boris Kaufman. Im Zentrum des Konzerts im Madison Square Garden, das der Film zeigt, steht Giuseppe Verdis "Hymne der Nationen". Hier ein Ausschnitt (Teil 2 in einem Anschluss-Clip):
Unmittelbar vor dem Konzert - das erzählt Lerner im Gespräch mit Wolf-Eckart Bühler - marschiert Hitler in der Sowjetunion ein. Der auf der politischen Linken und für den italienischen Widerstand engagierte Toscanini besteht darauf, aus Solidarität die sowjetische Nationalhymne zu spielen. Lerner: "Wir wußten nur zu genau, was das für uns bedeutete: kein Film mehr - denn die Sowjetunion war zwar theoretisch ein Alliierter, in Wirklichkeit aber natürlich nicht, in Wirklichkeit natürlich der wirkliche Feind, usw." Lerner wendet seine ganze Überredungskunst auf - und in der Tat gelingt es den beiden, einen verblüffenden Kompromiss zu finden:
Gleich zwei der unter Lerners Leitung und Regie bzw. Co-Regie - das alles immer noch im Rahmen der von ihm organisierten Overseas-Abteilung des Office of War Information - entstandene Dokumentarkurzfilme werden für den Oscar nominiert: Swedes in America (mit Ingrid Bergman) und eine Doku über The Library of Congress (Hammid ist Co-Regisseur); beide leider im Moment nicht im Netz zu finden. Update: Irrtum, den Library-of-Congress-Film gibt es:
Ein weiterer sehr schöner Film, entstanden in einer ganzen Serie mit dem Titel "The American Scene", ist The Cummington Story, der in nachgestellten Szenen die zögerliche Annäherung zwischen den Bewohnern einer Kleinstadt in New England und dort auftauchenden Kriegsflüchtlingen zeigt (Regie: Helen Grayson und Larry Madison. Die Musik ist von Aaron Copland):
Nach dem Krieg bringt Lerner - mit Hilfe von Willard van Dyke - ein Projekt zum Abschluss, an dem er seit 1942 arbeitet: die Musik-Dokumentation To Hear Your Banjo Play. Eine Geschichte, in der Tat, des amerikanischen Banjo-Spiels. Erzählt von Pete Seeger, im Fokus auch Woody Guthrie, mit dem Lerner seit längerem befreundet ist:
Weil die Bedingungen für Dokumentarfilmarbeit in New York sich dramatisch verschlechtern, geht Irving Lerner 1947 endgültig nach Hollywood. Das ist ein anderes Kapitel. Darüber demnächst mehr.
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Hunter Hurry Sundown
Filmkritografisches.
Tim Hunters Spielfilme Tex (1982) und River's Edge (1986) haben einen hervorragenden Ruf (letzteren habe ich vor langer Zeit einmal gesehen und weiß nur, dass er mir gut gefiel), er ist aber trotzdem nicht zum großen Hollywood-, sondern zum Premium-TV-Regisseur geworden (Folgen u.a. von: Twin Peaks, Homicide, Mad Men, Dexter). Hunter studierte in den Sechziger Jahren in Harvard und veröffentlichte in der Studentenzeitung "Crimson" Filmkritiken. Danach studierte er u.a. mit Terrence Malick, Paul Schrader und David Lynch am AFI Center for Advanced Film Studies. Das alles nachzulesen in einem Blogeintrag von Girish Shambu, der sich für die Infos wiederum bei Adrian Martin bedankt. Noch besser: Die Texte von Hunter aus "Crimson" sind online und erweisen sich als sehr lesenswert. Sehr schön eigenwillig ist seine Auswahl der besten Filme des Jahres 1967. Darunter findet sich etwa Otto Premingers Hurry Sundown:
With European detachment, Preminger stands outside the tense and ugly world, watching with carful scrutiny without allowing his camera to enter and take part. In Preminger's films, there are no point-of-view shots; Preminger never cuts to what a character sees, instead putting both the watcher and the watched in the same shot. Though Preminger tends to ignore the dramatic world of his films, his camera defines the personality and function of a character by the amount of space placed around him, and by the way he is moved with relation to the frame. The more space Preminger has to work with, the more complex his films become, and predictably, Preminger is a master of wide-screen cinematic technique. At best, Preminger creates a network of conflicting spatial relationships from the many people in his best-seller-based sagas, and his films work on a level far transcending the dramatic material. From this specialized, perhaps perverse, point-of-view, Hurry Sundown is close to Preminger's best film.
Premingers Hurry Sundown wird allgemein wenig geschätzt, auf DVD gibt es ihn bislang nicht. Dafür aber seit kurzem auf Youtube, und zwar nicht in ganzer Pracht, aber voller Länge:
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Resnais - Marker - David
Einflüsse.
Aus einem tollen Gespräch, das Christoph Huber für Die Presse mit Alain Resnais führte:
Chris Marker ist das Ass, der König der Regisseure! Der wichtigste in Frankreich. Wir sind noch immer gute Freunde, obwohl wir uns nur noch selten sehen. Ich bin kein Fanatiker, was TV-Serien angeht: Ich verfolge ungefähr ein halbes Dutzend treu. Übrigens sollte man diese Serien nicht episodenweise ansehen. Ich schaue sie immer am Stück, und wenn es 80, 100Stunden dauert. Sie sind als kontinuierliche Werke konzipiert, nicht damit man eine Folge hier oder da sieht. Bei „Alias“ oder den „Sopranos“ stelle ich mir vor, dass Filmpioniere wie Erich von Stroheim oder Abel Gance ähnlich ausufernde Visionen hatten: Ein Film wie ein großer Roman. Larry David könnte Les herbes folles beeinflusst haben: Ich bin ein großer Fan seiner Show „Curb Your Enthusiasm“.
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Corps et décor
Kuppeln & Minarette.
Zufällig noch auf der Suche nach einem Minarett-Scherz? Voilà, hier kommt Agnes Vardas Sexualisierung islamischer Sakralbauten: Plaisir d'amour en Iran, 1976 in Isfahan gedreht, 6 min lang, eher kein Varda-Hauptwerk, courtesy of UbuWeb:
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Hitchcock Presents
Einblicke.
David Cairns hat eine Doku ausgegraben, die Testaufnahmen zu Hitchcocks vor Topaz geplantem, aber so nie gedrehten Projekt Kaleidoscope-Frenzy zeigt (auch eine tolle Szene von den Dreharbeiten zu Frenzy). (hier sein Kommentar dazu)
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Thome-Porträt
Online.
Rudolf Thome stellt gerade Stück für Stück einen Dokumentarfilm über seine Filme - Titel das, was ich vielleicht am besten kann, Entstehungsjahr 1983 - in seinem Youtubekanal ins Netz. Hier Teil eins:
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Little Pigs
Jon Josts Blog.
Der US-Independent-Filmemacher Jon Jost betreibt schon seit einer ganzen Weile sein eigenes Blog. Da passiert immer lange Zeit nichts, dann kommt wieder ein mäandernder Essay, gerne zu politischen Themen, um Josts Filme geht es meist irgendwie aber auch. Ich habe, so weit ich mich erinnere, noch nie einen Jost-Film gesehen, auch nicht seinen berühmtesten All the Vermeers in New York. Gestern hat er wieder einen seiner langen Essays reingestellt, es geht um Italien, wo Jost eine Weile gelebt hat, und dann spezifischer um seine Erlebnisse bei der Produktion seines Films Uno a me, uno a te e uno a Raffaele. Kurzer Auszug:
The producer was Enzo Porcelli, who was well-known as making more adventurous films, having done some with Bertolucci, Godard, and others, so he claimed, as well as B-grade schlock. His ride at the time as Gianni Amelio, who was makingL’America at the time. He met me at a party and said, having heard I made films cheaply, he’d like to work with me. I took the bait, and a few months later we were in production, working my way, unheard of in Italy: no script.
Und gemäß unseres Eids, nichts, das Lav Diaz betrifft, unerwähnt zu lassen, gibt es hier noch einen Youtube-Clip, in dem man Jon Jost sieht, wie er einen selbstgeschriebenen Folksong vorträgt, in einem Hotel auf den Philippinen, unter den Zuhörern - sagt der Text, sehen kann man ihn nicht - ist, genau, auch Lav Diaz:
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Alain Tanner
Zum 80. Geburtstag
Neu in unserem Webmagazin: Ein Text von Daniele Dell'Agli über das Werk des Schweizer Filmemachers Alain Tanner: Von Niemandsland nach Anderswo
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Mit Jodorowsky durch die Nacht
arte +7.
Ab sofort für sieben Tage umsonst online in der Arte Mediathek: die in der vergangenen Nacht ausgestrahlte "Durch die Nacht"-Sendung mit dem Unter-anderem-auch-Filmregisseur Alejandro Jodorowsky (El Topo) und dem Psychedelika-Freund Daniel Pinchbeck. (Dank an die aufmerksamen Leser: Link ist korrigert.)
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Frnsssshhekxlnnns
Outtake.
In einem New-York-Times-Text von Dennis Lim zu Richard Linklaters neustem, wenngleich nicht mehr sehr neuem Film Me and Orson Welles ist davon die Rede, dass Welles' Ruf in den USA unter der Weinwerbung für Paul Masson gelitten habe. Das sagte mir nichts, also habe ich es gegoogelt, bzw. geyoutubet. Was ich gelernt habe, ist, dass weniger die Werbung selbst, als die folgenden Outtakes - kein Fake! - von den Dreharbeiten zum Werbespot ein klein wenig rufschädigend waren. Kannte ich jedenfalls noch nicht:
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Gerhard Friedl
Werkschau.
Zu den größeren Katastrophen in der Geschichte des zeitgenössischen deutschsprachigen Films gehört es, dass die morgen im Berliner Zeughaus ab 19 Uhr zu sehende Werkschau des österreichischen Filmemachers Gerhard Friedl keine Zukunftsperspektive eröffnet, sondern ein Lebenswerk resümiert. Gerhard Friedl nämlich ist tot, hat sich das Leben genommen, und nur zwei bedeutende Filme hinterlassen. Der eine ist der halblange Knittelfeld (1997), sein Abschlussfilm, den ich noch nicht gesehen habe. Christoph Hochhäusler schreibt im Kommentar zum CARGO-Eintrag zu Friedls Tod:
KNITTELFELD - EINE STADT OHNE GESCHICHTE ist einer der besten Filme die ich kenne. Ein Essay über den Zusammenhang von Landschaft und Verbrechen, der es schafft, zugleich anschaulich und diskursiv zu sein. In München, wo wir eine Weile zusammen studiert haben, war der Film wie von einem anderen Stern, ein einschneidendes Erlebnis für mich.
Der zweite Film ist Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen (2004), den kenne ich: Ein weder dem Essayfilm noch der Doku im Ernst zuzuordnendes Werk sui generis, ein Film zur deutschen Wirtschaftsgeschichte, der aus den sich ständig - seltsam elegant - verschiebenden Rissen zwischen Bild und Text eine einzigartige Verstörungskraft zieht. Lukas Foerster hat hier darüber geschrieben. Einen Text von Volker Pantenburg zu Gerhard Friedl gibt es bei New Filmkritik. Hier die Übersicht über den morgigen Abend im Zeughaus. Für Nicht-Berliner: Beide Langfilme Friedls sind in der Edition Standard auf DVD erschienen.
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Kino Berlin
Viel.
Ist mal wieder ein herausfordernder Tag für filmliebende in Berlin Lebende heute.
Zum einen nämlich liest heute Dominik Graf in der Film- und Kunstbuchhandlung Bücherbogen am Savignyplatz aus seinem jüngst erschienenen Buch "Schläft ein Lied in allen Dingen". Mit dabei ist der Vorwortschreiber und Herausgeber, FAZ-Filmkritiker und CARGO-Rater Michael Althen. Beginn: 19 Uhr.
Und damit konkurriert die Veranstaltung leider recht direkt mit Revolver-Live ein Stück weiter östlich. Im Arsenal nämlich befragen heute Abend ab 20 Uhr Jens Börner und Nicolas Wackerbarth von der Zeitschrift Revolver die filmemachenden Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, denen gerade eine umfassende Retrospektive im Arsenal gewidmet wird.
Und drittens wird heute auch noch das arabfilmfestival eröffnet - Fokus "Palästinensisches Kino". Eröffnet wird das Festival heute Abend mit dem libanesischen Film: Chaque jour est une fête/Every Day is a Holiday von Dima El-Horr. Kino Babylon (Mitte), 19 Uhr.
Update
Und noch eine Filmreihe eröffnet heute, nämlich "Welchen der Steine du hebst. Filmische Erinnerung an den Holocaust". Kooperation von Humboldt-Uni und Hackeschen Höfen, sehr sehr interessant heute Abend der Eröffnungsfilm Der Passagier - Welcome to Germany (1988/9) von Thomas Brasch (mit Tony Curtis, Katharina Thalbach und George Tabori) . Auch 20 Uhr, im Kino Hackesche Höfe.
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Ein altes Versprechen
Heute beginnt die Dardenne-Retrospektive im Arsenal in Berlin.
Wie man von einem Film erfasst werden kann: gleich zu Beginn ein Kino der Körper, enge Kadrage, die Handkamera folgt dem Routine-Rundgang eines Mannes, der illegal eingewanderte Mieter in Zuhältermanier kontrolliert. Er reißt die Türen auf, die schmalen Unterkünfte geben ein Bild der Erbärmlichkeit, die darin aufgeschreckten Menschen sind dem respektlosen Blick und der Willkür ausgeliefert. Der Mann, begleitet von einem wendigen Halbwüchsigen, holt aus jeder Situation das Äußerste heraus: Von dem jungen Nordafrikaner, den er in flagranti mit einem Freier entdeckt, verlangt er eine zusätzliche Abgabe, ebenso von den türkischen Mietern, die ihre Freund beherbergen. Diejenigen, die sich über den desolaten Zustand der windigen Behausungen und über die mangelnde Kanalisation beklagen, verspricht er Abhilfe, ohne sich auf lange Diskussionen einzulassen.
Der Effekt des fiktionalen Blicks auf ein Dispositiv der Kontrolle ist umso stärker, als dieses in einem an das Dokumentarische angelehnten Modus vorgeführt wird: Als "unvermittelte" Zeugen von Ausbeutung und Elend inmitten einer westeuropäischen Stadt werden die Zuschauer hier zunächst direkt adressiert.
So beschrieb Christa Blümlinger 1997 in der Zeitschrift METEOR die Wirkung des Films La Promesse von Luc und Jean-Pierre Dardenne. Zwei neue Auteurs tauchten damals im Weltkino auf, ihre Bedeutung war unmittelbar zu erkennen, von Rosetta (1999) bis Le Silence de Lorna (2008) haben sie seither ihr Werk weitergeschrieben. In all diesen Jahren wusste man zwar von den frühen, dokumentarischen Filmen der Dardennes, zu sehen bekam man sie aber nie.
An diesem Sonntag eröffnet nun das Arsenal in Berlin unter dem Titel REALISMUS REFLEKTIEREN eine Retrospektive der Filme von Luc und Jean-Pierre Dardenne, die zusammenbringt, was die Auswertungslogik der Arthauswelt getrennt halten muss: Wie sich die frühen Arbeiten zu den späteren Fiktionen verhalten, wie sich die Erzählung aus der Beobachtung heraus entwickelt, ob sich Bilder des latent Metaphysischen schon früh finden oder ob die Dardennes vielleicht tatsächlich nur leibliche Projektionsflächen für unser überschießendes kulturelles Wissen schaffen - zu all diesen Fragen gibt es im Arsenal im November das Grundlagenmaterial.
Eröffnet wird am Sonntag, 16. November, mit La Promesse, davor läuft der Dokumentarfilm LORSQUE LE BATEAU DE LÉON M. DESCENDIT LA MEUSE POUR LA PREMIÈRE FOIS (1979), eine Bootsfahrt entlang der Monumente einer Arbeitswelt, die einst maßgeblich zur Schaffung des europäischen Reichtums beitrug und nun vor allem ein Erinnerungsort an alte Arbeitskämpfe ist.
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Rudolf Thome 70
Glückwunsch.
Alles Gute an Rudolf Thome, der heute seinen 70. feiert. Wir wünschen ihm, nicht ganz uneigennützig, noch Kraft und Zeit (und, tja, Fördergremienglück) für viele Thomefilme.
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Levinson Haneke
Barry Levinson hat für den US-Bezahlsender Showtime einen Doku-Essay mit dem Titel Poliwood gedreht, über die Conventions der Republikaner bzw. Demokraten 2008. Alessandra Stanley hat für die New York Times eine unfreundliche Kritik zu Levinsons Film geschrieben. Und Barry Levinson lässt sich das nicht gefallen. In der Huffington Post - ausgerechnet, könnte man sagen - schreibt er ausführlich zurück. Die einzelnen Argumente finde ich, solange ich den Film nicht kenne, nicht so interessant, sehr viel mehr schon das, was er grundsätzlich dazu schreibt, wie sich MacherInnen und KritikerInnen zueinander verhalten:
As I write this, I realize I am about to do something that, for the most part, is never done. I am going to criticize a critic. Filmmakers are never supposed to respond to a critic about their work. It's an unspoken rule of engagement.
Mag schon sein, dass das eine Regel ist; aber dann ist sie blöd. Ich jedenfalls bin sehr dafür, von FilmemacherInnen zurückkritisiert zu werden. Klar, zu Schlammschlachten soll sich sowas nicht auswachsen, aber hinter dieser ganzen Idee, dass man über Kritik drüber stehen sollte, steckt eine Konsens- und Harmonie-Ideologie, die Diskurse nicht befördert, sondern im Keim erstickt. Ich hab auch schon zu hören bekommen, dass man die Namen von KritikerInnenkollegen, mit denen man uneinverstanden ist, nicht nennt. Ich halte von solcher Vornehmheit jedenfalls nichts. Und mag Widerspruch, auch der unfreundlichen Art, schon deshalb, weil ich selbst ja nur in den seltensten Fällen wirklich zu hundert Prozent meiner eigenen Meinung bin. Im Erkennen der teilweisen Uneinverstandenheit mit sich selbst wird man doch allemal nichts als schlauer. (via scannersblog)
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Und hier noch, wo ich schon einmal einen Eintrag aufgemacht habe, ein Zitat aus einem interessanten Interview, das Alexander Horwath mit Michael Haneke für den amerikanischen Film Comment geführt hat. Und zwar genau zur Frage, wie sich die Lektüre- und Denkarbeit zwischen Filmemacher und Zuschauerin verteilt:I always look for the places in a story where leaving things open can become really productive for the viewer. I often compare filmmaking with building a ski jump; the actual jumping should be done by the audience. For the filmmaker, this is pretty hard—it’s much easier to do the jump yourself, to do it for the viewer. Because there’s always the fear of frustrating them. What do I have to indicate? What do I leave out? How much can I not spell out when constructing a film and still not frustrate the audience? Such strategies have become widely accepted in modern literature, but much less so in cinema. That’s a bit sad.
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Straub/Huillet Antwerpen
Bilder, Diskurs.
In Antwerpen dreht sich unter dem Titel "Of a People Who Are Missing" die nächsten Monate viel um das Werk von Jean-Marie Straub und seiner verstorbenen Frau Danièle Huillet. Annett Busch und Florian Schneider haben ein Projekt kuratiert, das aus Projektionen, Workshops, Vorträgen und Diskussionen besteht. Die Website ist hier, Start ist morgen, am 12. November, und vorbei ist das ganze am 20. Dezember. Unter den Gästen: Chantal Akerman, Robert Bramkamp, Sally Shafto und Eyal Sivan. Aus dem Text zur Erläuterung des Projekts:
From November 12 to December 21 2009 OF A PEOPLE WHO ARE MISSING will open as a platform for both, the viewing and making of films. The exhibtion space in Extra City, Antwerp, is structured by five studios which will act as showrooms as well as independent production spaces. Each studio is used in a different configuration of archive material, film excerpts, actual footage and the critical discourse around it. Every Thursday to Saturday one studio will host invited guests and contributors for a series of screenings, lectures and debates.
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Assayas: Carlos (Cargo Update)
FRA, US.
Unser Gespräch mit Olivier Assayas in CARGO #2 drehte sich zu nicht unwesentlichen Teilen um seine mehrteilige Verfilmung der Geschichte des Terroristen Carlos. Jetzt gibt es Neuigkeiten zu Sendeterminen, Verkäufen etc. Variety meldet, dass die Ausstrahlung auf dem produzierenden Fernsehsender Canal Plus in Frankfreich für "early next year" geplant ist. Die US-Rechte sind auch schon verkauft, IFC bringt die kürzere Kinoversion im Herbst heraus, die Mini-TV-Serie läuft auf dem Sundance Channel. Über die Aussichten für einen deutschen Kinostart ist mir noch nichts bekannt. Bewegtbilder von den Dreharbeiten gibt es hier bei Arte.
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RIP Geocities
Anfänge.
Erlauben Sie mir einen kurzen Moment der Sentimentalität. Heute stirbt nämlich Geocities seinen angekündigten Tod. Todesursache: Yahoo mag nicht mehr und das Ding ist ja nun wirklich von gestern. Auf Geocities habe ich, wie manch anderer, meine ersten WWW-Gehversuche unternommen, vor elf Jahren. Großzügige 15 MB Webspace gab's da, mit Werbung umsonst. In seinen besten Zeiten war Geocities, lese ich, die drittmeistbesuchte Web-Präsenz auf der Welt. Mehr als dreieinhalb Milliarden Dollar hat Yahoo dafür gezahlt und wenig spricht dagegen, dass, hätten die Betreiber nicht ein paar entscheidende Abzweige verpasst, ungefähr das hätte daraus werden können, was heute MySpace ist.
Bei Geocities stehen dagegen nur noch Ruinen. Trümmer eines statischen Netzes voller animierter GIFs und mit Gästebuchlinks. Also, letzte Blicke in die Prähistorie heute. Meine Sentimentalität hat natürlich ihren Grund: Die ersten Sachen, die ich je ins Netz gestellt habe, stehen bzw. standen da und werden da ab morgen nicht mehr stehen. (Ich hab mir damals verdammt viel Arbeit gemacht mit einer Seite zu Don Siegel, Adresse, die schreib ich aus, weil die Adresszuweisung ja mit das Charmanteste an Geocities war: http://www.geocities.com/Hollywood/Movie/1967/knoererkompass-donsiegel-main.html, hier noch eine weitere Notiz.)
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Die Vergangene Woche (KW 44)
Highlights.

Still aus Norodom Sihanouks Spielfilmdebüt Apsara
Vor nicht allzu langer Zeit hat Tilman Baumgaertel, Filmwissenschaftler und Kritiker, die Philippinen verlassen - und lehrt jetzt an der Royal University of Phnom Penh. Das war zwar einerseits ein herber Schlag für die Berichterstattung über das philippinische Kino - im Moment eines der spannendsten der Welt -, andererseits ein großer Gewinn für diejenigen, die sich fürs kambodschanische Kino interessieren. Baumgaertel bloggt nämlich fleißig weiter und berichtet im Moment gerade von einer Retrospektive mit demTitel Golden Reawakening (ein dazugehöriges Blog). Im jüngsten Eintrag - übrigens taucht in einem der vorigen aus heiterem Himmel Detlev Buck auf - geht es um die Filme des international bekanntesten kambodschanischen Filmemachers, Norodom Sihanouk. Bekannt ist der natürlich weniger als der produktive Regisseur, der er war, denn als König. Baumgaertel weist darauf hin, dass man auf der Website von Sihanouk selbst Ausschnitte aus seinen Filmen sehen und downloaden kann. Er schreibt dazu:
A longer analysis of his films has to wait for the time being, so it needs to suffice here to say that his films were subject of some controversy when they were released. While much of the monarchist press praised them for obvious reasons, others were less enthralled. While some argue that these films were a way of reaching out to an audience that was often illiterate and knew little about the history of their own country, other see them as self-indulgent self-portraits of a tiny upper class that lived a live of luxury very detached from the realities of the average Cambodian.
Zum Thema philippinisches Kino passt wiederum die Nachricht, dass Quentin Tarantino an den von uns kürzlich video-interviewten Regisseur Brillante Mendoza einen Brief (hier im Wortlaut) geschrieben hat, in dem er dessen in Cannes gezeigten Film Kinatay lobt.
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Vor ein paar Tagen ist hier in Berlin das 2. Asian Women's Film Festival zuende gegangen. Es ist mir aus Zeitgründen nicht gelungen, auch nur einen der Filme des hoch interessanten Programms zu sehen. Was ich aufrichtig bedaure. Besonders spannend schien der Einblick, den man dabei in die nordkoreanische Filmproduktion erhielt, die natürlich aus auf die eine oder andere Weise propagandistischen Filmen besteht. Momus hatte in seinem Blog schon vorausgeblickt, und kommt in einem anderen Kontext noch einmal darauf zurück:
I must say I'm enjoying immensely the North Korean films at the Asian Women's Film Festival (ongoing here in Berlin). What I find so refreshing in these films is precisely their propagandistic intent. Rather than disrupting or engaging in dialogue, they lay out as didactically as Brecht's Lehrstücke the ideology of the party. They also transform this ideology into a code of ethics to live by, and a system of family, work and community relations.
Bei Momus verlinkt ist auch ein Ausschnitt aus einem der gezeigten Filme, The Flower Girl, nach einer Oper, geschrieben vom großen Führer King Il-Sung:
Lukas Foerster hat auch ein paar der Filme gesehen, aber bisher leider nur kurz getwittert dazu ("a bellflower: nordkoreanisches propaganda-melo, sehr evokativ, die farben des real existierenden konfuzianistisch-faschistischen sozialismus")
Und, zum Thema passend: Eine Bildergalerie von recht trostlosen Eindrücken aus einer nordkoreanischen Videospiel-Arcade.
Weitere Links, Hinweise etc.
Der Manny-Farber-Gesammelte-Filmtexte-Band der Library of America ruft weiter Reaktionen hervor: Duncan Shepard schreibt über Manny Farbers Schreiben, während Glenn Kenny die sehr schöne Idee hatte, sich einmal Farbers erklärte Lieblingsfilme des Jahrs 1951 anzusehen - und zu erproben, wie haltbar die Urteile nach mehr als einem halben Jahrhundert sind. Er beginnt mit Charles Marquis Warrens Little Big Horn.
Wiederum Glenn Kenny hat ein zweites Mal Spike Jonzes Boxoffice-Anführer Where The Wild Things Are gesehen - und mag ihn noch weniger als beim ersten Mal.
Sascha Westphal porträtiert für die Welt den zwischen deutschem Fernsehen (Tatort) und amerikanischer Independent-Szene und eigenen kriminalliterarischen Werken sowie zwischen Los Angeles und Berlin aufs Ungewöhnlichste pendelnden Regisseur und Autor Buddy Giovinazzo.
Das Blog Bioscope berichtet ausführlich - und in Gestalt eines anonymen Gastautors - vom Stummfilmfestival im italienischen Pordenone. Hier der jüngste Eintrag, unten die Links zu den vorhergehenden.
Screendaily erklärt, warum der japanische Markt für ausländische Independent-Filme (wie in geringerem Maß auch für Hollywood-Filme) mehr oder weniger zusammengebrochen ist.
Janko Roettgers beim immer lesenswerten NewTeeVee mit einer aufschlussreichen Interpretation von Statistiken, die darauf hinzuweisen scheinen, dass Streaming (von YouTube bis zShare) dabei ist, Filesharing als beliebtestes Instrument des Online-Bewegtbildkonsums abzulösen.
National Geographic hat eine Bildergalerie mit Aufnahmen des für seine Kriegsfotografien weltberühmten Fotografen James Nachtwey zum Thema Islam in Indonesien. (Problematisch wie alles von Nachtwey, finde ich. Aber sehen Sie selbst.)
Update: Ah, glatt vergessen, wollte ich aber auf jeden Fall noch verlinken. Christoph Hochhäusler freut sich auf kommende Filme, auf die wir uns mindestens ebenso freuen.
Und noch was: Bei Movies & Sports eine interessante Liste der gesamteuropäisch erfolgreichsten Filme des Jahres. (Dort auch, sehe ich jetzt, der Tarantino-Brief an Mendoza im Scan.)
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Dominik Graf: Texte
Jetzt als Buch.
Jetzt erschienen: Die Sammlung "Schläft ein Lied in allen Dingen" mit zuvor verstreut veröffentlichten Filmtexten des Regisseurs Dominik Graf. Keine Kritiken, sondern Essays als Dokumente einer geradezu unendlichen Entdeckungslust, Zeugnisse einer Begeisterungsfähigkeit, die einen bei der Lektüre sehr unmittelbar ansteckt.Herausgegeben vom gelegentlichen Graf-Ko-Autor und Ko-Regisseur und Texte-In-Auftrag-Geber Michael Althen (FAZ-Redakteur, Mitglied des CARGO-Rating-Teams), auch das Vorwort, das nicht zuletzt interessante Einblicke in den Mail- und Briefwechsel zwischen Redakteur und Regisseur und somit in die Entstehungsbedingungen vieler Text gibt, stammt von ihm.
Aus dem Verlagstext: "Dominik Graf schreibt über Filmklassiker- und Entdeckungen aus Osteuropa, England, Frankreich, Italien, Amerika und Deutschland, über Filmkarrieren und Musik im Film. Seine Auseinandersetzung reicht von populären Fernsehserien und B-Movies über Friedrich Wilhelm Murnau, Max Ophüls, Robert Aldrich, Rainer Werner Fassbinder, Roberto Rossellini bis Jean-Luc Godard, Steven Spielberg und Robert Altman. "
Zu bestellen ist das Buch natürlich überall und zu kaufen im gut sortierten Buchhandel, hier der Link zur Verlags-Bestellseite. Es kostet 19,9 Euro. [Korrektur der Korrektur: Das ist richtig. Siehe Kommentare.] Das Foto auf dem Cover stammt vom viel zu früh verstorbenen Kameramann Helge Weindler - über ihn, von dem Graf dem eigenen Bekunden nach Entscheidendes gelernt hat, steht auch ein Text im Buch.
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INA - Nouvelle Vague
Fundstücke.
Ich weiß nicht ganz genau, wann das französische Medienarchiv INA - siehe vorangehender Eintrag - seine Online-Pforten geöffnet bzw. seine Schätze zum Einbetten freigegeben hat (nach Anmeldung); ich bin nun auf der Suche nach Jacques Rivette jedenfalls erstmals bei Google darauf gestoßen. Da gibt es viel zu erkunden. Hier schon mal eine kleine Liste mit aus Archivmaterial zusammengestellten Kürzestfilmen zum fünfzigsten Geburtstag der Nouvelle Vague. Da gibt es nach erstem Suchen durchweg sehenswerte Clips zu Jacques Rivette, Alain Resnais, der Cinémathèque Francaise (mit Langlois), Jean-Claude Brialy, Claude Chabrol, Jacques Demy, Eric Rohmer (der will aber nicht ins Bild), Bernadette Lafont und Jean Seberg (Frisur: gewöhnungsbedürftig), alle in der Blüte ihrer Jahre. Eingebettet hier aber zu Ehren unseres aktuellen Heftschwerpunkts the one and only Agnès Varda:
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Funny People: Judd Apatow im Gespräch
Neu in unserem Webmagazin: Ein Audio-Gespräch mit dem Spiritus Rector der US-Komödienlandschaft Judd Apatow, anlässlich des Starts von Funny People - ein großer, reifer, offener Film, ein absolutes Highlight des Kinojahres, if you ask CARGO.
Dazu in unserer Printausgabe CARGO 03: Ein Gespräch mit David Gordon Green und ein Text von Ekkehard Knörer zu Funny People.

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Venedig Bilanz
Brillante Mendoza.

Richtig begeistert sind Cristina Nord (hier), Michael Althen (hier) und Dominik Kamalzadeh (hier) nicht von den Jury-Entscheidungen in Venedig. Alle drei heben aber neben White Material von Claire Denis den neuen Film des philippinischen Regisseurs Brillante Mendoza hervor: Lola. Mit Mendoza haben wir unlängst ein Interview geführt, das bald als CARGO Video-Interview online zur Verfügung gestellt wird.
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Weerasethakul: Thirdworld
Kurzfilm von Apichatpong, Titel Thirdworld, 17 min., in zwei Teilen, von 1998. Hier der Kommentartext auf Youtube:
"This film depicts landscapes, metaphorically and actuality, of the southern island called Panyi. It reflects the impression of the shooting time at the island for several days. The sounds are taken from different sources, but all were recorded while the subjects were not aware of the recording apparatus. Thus, this piece may be called a re-constructed documentary. The title is intended as a parody of the word that is being used by the West to describe Thailand or other exotic landscapes. This film is the voice from individuals who reside in such environment. The film is presented in crude and rugged quality, as it is a product from the uncivilized."
by Apichatpong Weerasethakul
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Dreharbeiten (5): Cassavetes dreht Love Streams
Mit Gena Rowlands.
Fortsetzung der kleinen Dreharbeiten-Serie. John Cassavetes dreht Love Streams:
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Shohei Imamura: Interview
In drei Teilen.
Filmkritiker Tadao Sato (s. kürzlich das Stummfilm-Posting) im Interview mit Meisterregisseur Shohei Imamura. Das genaue Datum der Fernsehsendung ist nicht angegeben. es müsste, wie man u.a. aus der anfangs durchlaufenden und mit dem Jahr 1989 abbrechenden Filmografie schließen kann, aber zwischen 1989 und 1997 liegen. Mit englischen Untertiteln, in drei Teilen.
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Claire Denis (mit Musik)
Und Text.
Das Online-Magazin Reverse Shot hat seine jüngste Ausgabe dem Schaffen einer einzigen Regisseurin gewidmet: Claire Denis. Viele Artikel zu einzelnen Filmen, recht aufschlussreich finde ich auch den zu den Jahren vor ihrem ersten Film Chocolat, den sie mit rund 40 Jahren drehte. Hier ein kurzer Auszug, es geht um ihren Besuch der Filmhochschule IDHEC (die heute La Fémis heißt) zu Beginn der Siebziger Jahre:
Not quite the prestigious film school it has become, IDHEC was at that time more a technical school, operating under the directorship of respected filmmaker Louis Daquin. Once associated with the "tradition of quality" so reviled by the Nouvelle Vague, and now all but blacklisted from the industry proper, Daquin was a member of the Communist Party who cultivated a rare supportive atmosphere for ultra-Left filmmakers like the Situationists at IDHEC, and afforded students like Denis opportunities to study under legendary cinematographers like Henri Alekan and Sacha Vierny, and meet people like Garrel and Rivette. Back then, according to Denis, “I didn't at all think I would make films, it was a point in my life where I just told myself: here I am, let's take advantage of it. The idea of having a project, for example, of becoming a director, the very idea of having any sort of ambition, I found that quite abject. To be honest, it wasn't only me, it was the times also.”
Ein weiterer Artikel widmet sich einem mir bislang unbekannten Randaspekt von Denis' Schaffen, nämlich den beiden Musikvideos, die sie für Sonic Youth drehte, beide aus dem Jahr 2006. Die gibt es im Netz und drum jetzt auch hier. Zum ersten "Incinerate", während eines Konzerts gedreht:
Und zum anderen "Jams Run Free" (Hinweis für alle KatzenfanatikerInnen unter den Lesern: mit Katze):
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Thome hier, Thome da
Thome überall.
Ich habe ja mit meiner Wertschätzung für Rudolf Thomes Pink bisher nicht hinterm Berg gehalten und schreibe gerne ausdrücklich noch mal, dass das mit ziemlicher Sicherheit der beste deutsche Film dieses Jahres nicht nur ist, sondern auch bleibt. Ab Donnerstag ist das hinreißende kleine Meisterwerk in deutschen Kinos zu sehen, in ein paar davon jedenfalls. Ich zitiere kurz noch aus Lukas Foersters neuer Kritik zum Film bei Critic.de:Rudolf Thome dreht solche Filme seit gut vier Jahrzehnten: Kleine Fabulierstücke voller erzählerischer Leichtigkeit und freischwebender, in nichts weiter als der menschlichen Natur geerdeter Fantasie, echtes Kino in Äquidistanz zu prätentiösem Kunstwillen und den Mechanismen des kommerziellen Filmschaffens.
Und aus Peter Körtes Kritik in der Sonntags-FAZ:
Und nach all den Thomefilmen, die immer einfach, klar und einleuchtend fotografiert waren, die nie malerisch sein wollten und auch nicht dokumentarisch, ist „Pink“ der Film, dessen Farben intensiver leuchten, dessen Lichtsetzung schöner ist als sonst, weil die Bilder „durchkomponierter“ wirken, ohne mit dieser geleckten Hochglanzoptik zu prahlen. Natürlich muss man sie mögen, diese scheinbare Naivität, diesen unbekümmerten Alltagsmärchenton von Thome. Es sieht so simpel aus, so anstrengungslos, es ist auf eine so diskrete wie charmante Weise ein wenig durchgedreht, wie das nur Thome kann.
Allen in Berlin Lebenden, die die Wieder- oder Erstbegegnung mit den Filmen des Regisseurs suchen, sei die Thome-Reihe im Lichtblick-Kino (pdf) ans Herz gelegt. Dort werden, beginnend am Samstag um 22.45 mit Pink in Anwesenheit von Hannah Herzsprung und Rudolf Thome, frühe Klassiker wie Rote Sonne und Berlin Chamissoplatz ebenso gezeigt wie der aufs Angenehmste relaxte Paradiso, sieben Tage mit sieben Frauen mit Hanns Zischler sowie Rauchzeichen aus der Hannelore-Elsner-Phase. (Die Sonnengöttin, die auch zu sehen ist, gehört mit ihrem arg esoterischen Einschlag, vorsichtig gesagt, nicht zu meinen Lieblings-Thomes.)
Auch noch einmal hingewiesen sei bei der Gelegenheit auf den von Ulrich Kriest herausgegebenen Thome-Band "Formen der Liebe", der zum 70. Geburtstag des Regisseurs im November bei Schüren erscheinen wird. (Darin, full disclosure, ein Text von mir zu Pink.)
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Tarantinos Favoriten
Hier zählt Quentin Tarantino seine Lieblingsfilme der letzten 17 Jahre - nämlich seit er selbst Filme macht - auf. Kommt dabei ganz schön nerdig rüber. Und auch die Liste selbst ist ganz schön nerdig. Schon alles interessante bis großartige Filme. Abe nichts dabei, das nicht auch Harry Knowles toll finden würde. Wer sich die nicht gerade aufregenden Ausführungen ersparen will, findet die Liste schriftlich beim Durchklicken zu Youtube. (Die Inglourious Basterds sind trotzdem ziemlich sehenswert.)
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Hinweis: Locarno
Oxhide 2.
Ein weiterer Bericht von Lukas Foerster aus Locarno - diesmal geht es um chinesisches Kino, wie man es im Westen eher nicht kennt. Und ganz besonders um einen Film, den ich ganz ausgesprochen gerne selbst sofort sähe: Liu Jiayins "zwangstestörtes Meisterwerk" Oxhide 2.
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Welles, Losey: Fundstücke
Anfänge.
Im Rahmen der New-Deal-Anti-Depressions-Maßnahmen hatte die Roosevelt-Regierung auch das Federal Theater ins Leben gerufen, und zwar im Jahr 1935. Ein umstrittenes Projekt, nicht zuletzt, weil da teils sehr explizit linkes Theater gemacht wurde. Eine prominente Gruppe des Federal Theater war die sogenannte Negro Theater Unit, die in Harlem Stücke zur Aufführung brachte. Gründungsdirektoren waren allerdings zwei Weiße: John Houseman und der damals gerade 21jährige Orson Welles. Letzterer hatte auch gleich eine grandiose Idee. Ich zitiere zu den Hintergründen, was läge näher, aus Bert Rebhandls Welles-Biografie:
Während das riesige Lafayette Theatre an der 7th Avenue in Harlem für ein afro-hispanisches Ensemble adaptiert wurde, wie es im amerikanischen Theater noch keines gegeben hatte, gebar Orson Welles eine Idee, an der seine Frau Virginia nicht unbeteiligt war: Er wollte Shakespeares 'Macbeth' in einer haitianischen Version spielen, als Tragödie des herrschers Henri Christophe, der im 19. Jahrhundert auf der Karibikinsel ein bizarres Königreich errichtet hatte. Der Exotismus dieser Idee war im Jahr 1936 kein Problem, im Gegenteil: Zu den Proben fanden sich nicht nur Schauspieler, sondern auch Tänzer und Trommler ein und sogar ein Schamane ('Hexer') namens Abdul. Als Szenenbild wurde eine Zitadelle im Dschungel entworfen. Der notorisch unzuverlässige Hauptdarsteller John Carter fand in Welles einen ebenbürtigen Freund. Geprobt wurde in einer Atmosphäre der Euphorie und angespannten Erwartung. Der 'Voodoo-Macbeth' wurde ein Triumph.
Unter dem Titel "We Work Again" entstand im Jahr 1937 ein Dokumentarfilm zu den New-Deal-Programmen der Regierung. Darin enthalten ist eine mehrminütige Aufnahme der Wellesschen 'Macbeth'-Inszenierung. Hier ist sie:
Ein weiterer später im Film zu Ruhm gelangender Regisseur, der sich beim Federal Theater Project erste Sporen verdiente, war Joseph Losey - sehr viel mehr als Welles ausgesprochen ein Mann der Linken. Zu den Kuriositäten seiner an Zick-Zack-Bewegungen durchaus reichen Karriere gehört es, dass der erste Film, den Losey drehte, ein Propagandafilm war. Freilich nicht für ein linkes Projekt, sondern als kein bisschen subversive Auftragsarbeit für die US-Petroleum-Industrie. Die Arbeit mit dem Titel Pete Roleum and his Cousins wurde 1939 fertiggestellt und ist aus filmhistorischen Gründen sehr interessant. Es ist nämlich ein Animationsfilm, in innovativer 3-D-Technik erstellt. Für die Animation war kein Geringerer als der große Charles Bowers zuständig. Den Schnitt machte Helen van Dongen, die Frau und Mitarbeiterin von Joris Ivens. Die Musik ist von Hanns Eisler. Losey zeigte sich begeistert und stellte bei der Rockefeller Foundation einen Antrag für einen ganzen Spielfilm - The Tale of Reynard, the Fox - in derselben Animationstechnik. Daraus wurde nichts. Und aus Losey wurde auch so etwas im Film. Hier ist Pete Roleum:
Pete Roleum and His Cousins (1939)
Hochgeladen von Tomsutpen. - Komplette Serien und ganze Episoden online.
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Herrlich die Erde (Film zum Sonntag)
Das Unbehagen an Roy Andersson.
An und für sich bedeutet es wenig, die Kamera eine ganze Einstellung lang nicht zu verrücken, die Schärfe, die Nähe, die Ferne nicht durch Zoom zu verändern - alles also so aufzunehmen, wie es sich vor der Kamera findet. Auch wenn der Kader feststeht, bleibt immer noch die Mise-en-cadre, das Inszenieren des Raums in der Zeit, die vor laufender Kamera vergeht. Es bleibt auch die Tonspur, die sich gegen die Enge des Bildes zur Wehr setzen kann. In James Bennings One Way Boogie Woogie / 27 Years Later, der in dieser Woche einen winzigen Kinostart hat, erlebt man, wie ein Filmemacher mit der Kamera, die er kein bisschen bewegt, sein befreiendes Spiel treibt. (Ausschnitt)
Auch Roy Andersson, mit dem soeben Ignatiy Vishnevetsky für The Auteurs ein Interview geführt hat, bewegt seine Kamera ganze Einstellungen lang kaum oder gar nicht. Und er baut seine Filme aus einzelnen, derart statischen Einstellungen auf, blockartig also. Zusammenhänge stellt er manchmal narrativ her, manchmal über Ähnlichkeit der Motive und manchmal auch gar nicht - schließlich ist sein Stil in zahllosen Werbefilmen (eine Auswahl) erprobt, in denen Andersson sich und sein immer gleiches Herangehen zum Diener sehr unterschiedlicher Herren zu machen versteht.
Mir ist regelmäßig sehr unwohl mit Andersson. Nicht der unbewegten Rahmen, die er um seine Szenen legt, wegen. Sondern der Wirkungen wegen, die er im Zusammenspiel dieser Rahmung und des in Szene Gesetzten erzielt. Er kommt, das sagt er selbst, vom Tafelbild, vom Tableau. Er kennt seine Klassiker, aber es ist wohl bezeichnend, dass ich oft an Michael Sowa denken muss, den Satiriker im quasi-altmeisterlichen Modus. Weil Sowa aber keine Menschen malen kann, wie er sagt - und wie man sieht -, tut er ihnen selbst dann, wenn er es einmal versucht, im Ernst keinen Tort.
Bei Andersson ist das anders. Er schminkt seine Figuren gerne zu wandelnden und wankenden Leichen. Er lässt sie herumstehen im Bild als erbärmliche Gestalten, deren Trauer keine Ursache kennt und keinen Ausweg. Menschen sind bei Andersson stets schutzlos und ausgestellt. Selbst wenn sie in die Kamera blicken, selbst wenn sie jemanden (dich, mich) außerhalb der Räume adressieren, in die sie gesperrt sind, bringt ihnen das nichts: Ihre Hilflosigkeit macht das nur größer.
Oft finden sich in den strengen Kadern der Andersson-Bilder Öffnungen: Türen, Fenster, Wege. Die aber sind kaum etwas anderes als trompe-l'oeuils. Schon gleich am Anfang fällt - vor sehr unappetitlichem Anspielungshintergrund - eine Tür ins Schloss. Auch sonst aber geht es nicht hinaus, vielmehr sind in den Türen und Hintergründen der Kader oft schon andere Menschen postiert, leichnamsartig auch sie, ganz so, als wachten sie darüber, dass die zentrale Figur keine Ausbrüche wagt. Und stets lässt sie das. Sie zappelt, sie wankt, sie blickt flehentlich, sie spricht tonlos, sie klammert sich an etwas, sie sucht Halt, den Andersson niemals gewährt.
Sein Sadismus liegt darin, dass er, bei vorausgesetzter Ausweglosigkeit, seine Menschen mit Ausblicken in den Raum (und aus dem Film) lockt. Alle Fenster aber sind versiegelt oder verspiegelt von Anbeginn, die Türen führen nirgendwo hin - oder in Räume, die haargenau ebenso sind wie jene, aus denen einer flöhe. (Täte er's nur.). Ich muss bei Andersson gelegentlich an Michael Hanekes Rechthaberei denken. Der Humor, der bei Andersson noch dazukommt, mildert die Grausamkeit keineswegs. Vielmehr nimmt er dem Menschen in seinem Rahmen noch letzte Reste von Würde. Die böse konsumeristisch-kapitalistische Welt, als deren Opfer Andersson seine Figuren vorführt, hat so, wie sie zur Beweisführung aussieht, niemals ein anderer als er selbst eingerichtet.
Anderssons viel gelobter Kurzfilm Härlig är Jorden von 1991 ist ein kapitales Beispiel dafür. Sehen Sie - leider nur mit französischen Untertiteln - selbst:
Monde de gloire - Roy Andersson
Hochgeladen von jedall - Sieh vorgestellte Filme und komplette TV Shows an.
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Anime: Tezuka!
Toilettenkultur.
Ich hatte bislang nicht die leiseste Ahnung, wie ABSOLUT FANTASTISCH die Animes von Osamu Tezuka sind. Hier gleich zwei weitere: Mermaid (1964)
Und Memory (auch 1964, das Toilettenfinale ist unglaublich):
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DVD Tavernier
Korea, Rumänien etc.
Ich weiß gar nicht, ob ich hier schon einmal darauf hingewiesen habe. Der Regisseur Bertrand Tavernier betreibt ein alle Jubelmonate mal aktualisiertes DVD-Blog, in dem er, kurz gefasst und ohne analytischen oder sonstigen Ehrgeiz auf aktuelle und nicht ganz aktuelle DVD-Neuerscheinungen hinweist. Nun ist eine neue Ausgabe erschienen, es geht darin vor allem um asiatisches Kino: Vom japanischen (Hideo Gosha) bis zum koreanischen (Hong Sang-Soo, Lee Chang-Dong, Bong Joon-Ho). Aber auch der rumänische Film kommt dann noch vor. Eins zeigt der Eintrag jedenfalls eindeutig: Tavernier hat nach wie vor die Augen in alle Richtungen offen. Nur in französisch, leider.
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Dreharbeiten (1): Bresson dreht Mouchette
Très bien payé.
Ich habe beschlossen, ein wenig die Augen offen zu halten für bewegte Bilder von Drehs. Tipps nehme ich selbstverständlich gerne entgegen. Hier ein erstes Fundstück: Robert Bresson dreht Mouchette:.
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Lav Diaz in Bangkok
Retro.
Ehernes CARGO-Gesetz: Keine Gelegenheit vorbeigehen lassen, etwas zum großen philippinischen Regisseur Lav Diaz zu posten. Voilà:

Die Gelegenheit, auf die wir unsere thailändischen Leserinnen und Leser dringend hinweisen müssen: Eine umfassende Retrospektive des Diazschen Werks in Bangkok. [Hinweis im, Bild vom WiseKwai-Blog]
Und wo wir schon dabei sind. Ein gewisser Lawrence S. Ang hat sehr ausführlich die Kamera hingehalten, als Diaz in diesem Frühjahr etwas drehte. Und hat das, was er aufnahm, dann freundlicherweise in sechs Teilen bei Youtube reingestellt. [hinweis von dirtylaundritwitter]. Voilà:
P.S.: Unser Video-Interview mit Diaz kennen Sie natürlich schon?
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The Koumiko Mystery
Fundstück.
Die Vorgeschichte des Films:
Chris Marker came to Tokyo in 1964 in order to document the Tokyo Olympics, which was considered as both the symbolic and real opening-up of Japan to the Western world (after WW2). This is the starting point and the setting for The Koumiko Mystery. I’m not quite sure about what actually happened, but in the film the focus on the Olympics is handled in a very absent-minded way. Not long into the film Marker’s attention is directed to a woman who appears in the Olympic audience – Koumiko Muraoka. The young woman was actually a friend of one of the production assistants who worked on the film, Koichi Yamada.
Das ist ein Zitat aus einem Interview mit dem Filmemacher Magnus Bärtås aus der britischen Filmzeitschrift Vertigo. Bärtås war gerade in Tokio, nicht zuletzt auf den Spuren des Films - eben The Koumiko Mystery - von Chris Marker. Das Interview ist lesenswert. Was ich aber eigentlich sagen wollte: Der Film - auf keiner DVD zu finden - ist bei Youtube. In voller Länge, wenn auch ganz schön schrammeliger Kopiequalität:
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Spielberg 1978
Amazing because simple.
Christian Lemke weist bei dvduell auf sechs kurze Videos hin, die Steven Spielberg im Jahr 1978 zeigen, wie er bei einem Seminar des American Film Institute übers Filmemachen, aber auch - dies der folgende Ausschnitt - über seine Arbeit mit Francois Truffaut spricht:
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Imamura Box
Criterion.
Unter dem schönen Titel Pigs, Pimps & Prostitutes hat Criterion eine Box mit Filmen des japanischen Regisseurs Shohei Imamura veröffentlicht. Drei Filme sind darauf zu finden, die Trailer gleich hier unten. Colin Marshall hat ein Gespräch mit Kim Hendrickson geführt, der für die Box zuständigen Criterion-Mitarbeiterin. Es geht darin um Imamuras Position im japanischen Nachkriegskino, sein Verhältnis zu Ozu, die Filme in Imamuras Filmen und natürlich die nun veröffentlichten frühen Werke selbst. Hier der kurze einführende Blog-Eintrag, hier der direkte Link zum Audio-Interview. Übrigens ist die Halbpreis-Aktion bei Barnes & Noble immer noch aktuell: D.h. man kann die Box derzeit für wirklich fast geschenkte 40 $ dort bestellen. [Dank an Franz Fuchs für den Hinweis.]
Trailer zu Pigs and Battleships:
Trailer zu Insect Woman:
Trailer zu Intentions of Murder:
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Peter Bogdanovich 70
Adaptionen.
Als Peter Bogdanovich jung war und das Geld brauchte, drehte er sein Debüt Voyage to the Planet of Prehistoric Women. Wobei, drehte ist falsch. Zugrunde liegt ein sowjetischer Sci-Fi-Film von Pavel Klushantsev, den Curtis Harrington für das amerikanische Publikum adaptiert hatte. Bogdanovich drehte in den USA ein paar weitere Szenen und fügte sie in den Film ein, dessen Herkunft wurde vollständig getilgt. Würdiger Beginn einer sehr seltsamen Filmografie, die nach frühen Höhepunkten ins Belanglose trudelte, ohne dass an des Regisseurs sehr hoher Meinung von sich selbst sich je etwas geändert hätte.
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Bresson: Quatre Nuits
Bresson im Netz.
Meines Wissen bisher überhaupt nur auf dem "grauen" DVD-Markt erhältlich: Robert Bressons Dostojewski-Verfilmung Quatre Nuits d'un Rêveur (1971). Hier als YouTube-Variante:
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1 x Makhmalbaf
Semi-autobiografisch.
Mohsen Makhmalbaf: Nun va Goldoon (1996)
History and truth are often a matter of perspective as can be seen in this deceptively simple film by Iranian filmmaker Mohsen Makhmalbaf. When Makhmalbaf was 17 years old, he was a revolutionary fighting against the Shah and, with the help of his girlfriend, stabbed a policeman and was jailed. When released five years later, he became a filmmaker. Two decades later, Makhmalbaf made the decision to track down the policeman whom he had injured in an attempt to make amends. Semi-autobiographical in nature, Nun va Goldoon (A Moment of Innocence) is a dramatization of that real event. They cast a pair of young actors to play themselves as youths and to re-enact the stabbing. For a time we alternately follow the two men and their young counterparts and we learn more about the event from different points of view. However, as filming progresses, the difference between cinema and reality becomes increasingly indistinct.
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1 x Ozu
Zerbrochenes Ei.
Kurze Stummfilmkomödie von Ozu, zwei beste Freunde, eine Frau, ein anderer Mann: Wasei kenke tomodachi (1929)
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3 x Kiarostami (plus 1)
Stehen/Gehen.
Drei Kurzfilme von Abbas Kiarostami bei Youtube.
So beginnt es: Ein Junge geht, einen Gegenstand vor sich hin schussernd, durch eine Gasse. Brot & Gasse (1970):
So beginnt es: Ein Junge hat ein Fenster eingeworfen und steht wird während des Unterrichts deshalb auf den Gang verbannt: Pause (1972)
So beginnt es: Eine wilde Pferdekutschtransportraserei durch enge Gassen. Ein alter Mann wird beinahe niedergetrampelt: Der Chor (1982)
Update: Noch einen der frühen Kurzfilme gefunden
So beginnt es: Ein Junge gibt dem anderen das Schulbuch, das jener ihm geliehen hat, beschädigt zurück: Zwei Lösungen für ein Problem (1975)
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Not appropriate
Jia schleicht sich.
Das Filmfestival von Melbourne zeigt einen Dokumentarfilm, in dem die in ihrer Heimat verfolgte und heute im Exil lebende Vorkämpferin der Uiguren-Bewegung Rebiya Kadeer zu Wort kommt. Sie ist auch selbst anlässlich dieses Films zum Festival geladen. Jia Zhang-ke, der mit einem Kurzfilm und einem von seiner Firma produzierten weiteren Film ebenfalls eingeladen war, sagt jetzt ab. Die Begründung zitiere ich nach der Übersetzung in Evan Osnos' Blog im New Yorker:
- We have no interest in meddling with the festival’s freedom of artistic exchange. Withdrawing from Melbourne is, rather, a kind of self-restraint. Xinjiang history is not something I’m well acquainted with, but the recent Urumqi violent incident was only two weeks ago, and I, at a minimum, should take a cautious approach. I don’t want to do anything that would tarnish those who died.
- I have a sense that the political overtone of this year’s Melbourne festival is getting more and more intense…In putting the documentary “10 Conditions of Love,” in which Rebiya [Kadeer] plays a key role, on the playbill, the organizers organized a series of publicity activities for her.
- We feel that appearing with Rebiya in a thoroughly politicized festival crosses the line of what our emotions and behavior can accept and is not appropriate. Therefore, Xstream unanimously decided to withdraw, in order to express our attitude and position.
Das kann man jetzt wahlweise feige, verlogen, opportunistisch oder einfach nur vorsichtig finden. Osnos ist in seinem Blogeintrag geneigt, Jia Zhang-ke zu verteidigen, mit dem Hinweis darauf, dass dieser sich noch nie als Dissident verstand und dass er berechtigten Grund zur Sorge hätte, was die Finanzierung und Aufführungsmöglichkeiten zukünftiger Filme betrifft, sollte er in diesem Fall dem, was seine Gefühle und sein Verhalten zu akzeptieren bereit sind, nicht folgen. Hier Osnos:
He is, emphatically, not a dissident director. He made an explicit choice years ago to submit his films to censorship in order to gain a broader audience. As he has told me, “Marginalization can be a kind of pleasant stance—I really admire many of those people—but I would rather expend enormous energy trying to dance with the many levels of the era in which we live.” Given the mood in China these days and the intensity of the official campaign against Kadeer, there is little question in my mind that if Jia had appeared at the festival with Kadeer he would have run into political problems at home.
Darauf doch noch mal einen eingesprungenen Ai Weiwei:

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Hier Da: Und
Groupe Dziga Vertov.
Im Jahr 1970 bekamen Jean-Luc Godard und Jean-Pierre Gorin von der Fatah 8000 Dollar in die Hand gedrückt, um eine Art Propagandafilm für die Sache der Palästinenser zu drehen, Titel: Jusqu'au Victoire. Bald darauf aber kamen fast alle im Film zu sehenden Kämpferinnen und Kämpfer beim Schwarzen September in Jordanien ums Leben - der Film konnte nicht fertiggestellt werden. Daraufhin hat Godard mit der inzwischen dazugestoßenen Anne-Marie Miéville den Film völlig umkonzipiert, als montagebasierte Meditation über Propaganda, den Tod, die Darstellung des Israel-Palästina-Konflikts, die eigenen Verfahren, über das "Hier", das "Da" und vor allem über das "Und". Das ist alles ganz im bekannten Godard-Stil, mit Gaga-Einfällen wie einer Additions- und Substraktionssequenz von revolutionären Daten am Taschenrechner. Das Ergebnis war dann ein Film mit dem Titel Ice et Ailleurs, der im Jahr 1974 fertig wurde.
Den Film, der meines Wissens sonst nicht gut greifbar ist (die Godard-Experten dürfen mich gerne korrigieren), gibt es komplett und mit englischen Untertiteln auf Youtube:
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Public Enemies cont.
Nothing We Know.
Drei der interessantesten jüngeren US-Filmkritiker unterhalten sich über Michael Manns Public Enemies. Da dies der Film des Sommers ist und sicherlich der Hollywood-Film des Jahres (sagt die CARGO-Redaktion im Verhältnis 2:1), wird noch manches darüber auch an dieser und anderer Stelle bei CARGO zu lesen sein. Aber zum Auwärmen schon mal dies, bei den Auteurs, von Ryland Walker Knight, Daniel Kasman und Ignatiy Vishnevetsky. Von letzterem als kurzer Teaser dies Zitat:
I will say that video makes the historical more vivid and also more mysterious, and not for pseudo-documentary reasons. It's simply because HD looks like nothing we know. It's like rediscovering the image. It doesn't look like our experience of the world, but neither does 35mm. It's just that 35mm has a tradition.
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Great Too
Past Present.
Arnaud Desplechin antwortet Steven Soderbergh, quasi:
Everyone is always pessimistic about cinema, and always thinks that the good old times are long past. No, here we are, and we should admit that we’re experiencing a fascinating moment in cinema. The past was great, and the present is great too.
Außerdem ist er sehr begeistert von Wes Anderson, von der Kleidung mal abgesehen. Und lobt Woody Allen. Und staunt über Jia Zhangke. Und hält Michael Mann für einen Regisseur mit einer Vision. Anderes versteht er nicht und auf Scorsese wird er, denke ich, noch lange warten müssen. In jedem Fall: Herr Desplechin ist ein Mann, für den Eklektizismus erfreulicherweise kein Four-Letter-Word ist.
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Renegade Figgis
Just working.
Mike Figgis ist mir auch so ein Rätsel. Soderbergh in manchem vergleichbar: Einer, der sich zwischen Experiment und Mainstream nach eher nur ihm einleuchtenden Kriterien bewegt. Es trifft sich, dass im aktuellen New Statesman ein Interview-Kondensat abgedruckt ist, in dem er so etwas wie ein digitales Manifest, einen Abschied von Hollywood, wie es ist, verkündet [via Ryland]:
“Simple question: what’s a cinema? Is it the Rex or the Odeon, with bad sugar-laden food on sale in the lobby, a place you don’t really want to hang out in for long afterwards? Or is it a club, an interesting space you’ve converted to show films?” All you need now is a half-decent projector, a couple of decent Bose speakers and whatever you want for your source. It can be a Quicktime film. It can be a tape, or a DVD, depending on how high your quality needs to be. Or it can come off your hard disk. "
Der letzte Film von Figgis, den ich gesehen - oder von dem ich bis eben gehört - habe, war Hotel von 2001, eine sehr interessante Bilder-Vervielfältigungs-Improvisation. IMDB lehrt mich, dass danach mancherlei kam: Ein Re-Enactment-Film namens The Battle of Orgreave (2001) mit dem Künslter Jeremy Deller, der jüngst in Manchester mit seiner Procession-Aktion Furore machte. (Parallele zu Soderbergh vielleicht: Dessen Film mit dem Autobiografie-Performer Spalding Gray.) Und Fernseharbeiten, etwa eine Sopranos-Folge. Oder zwei Folgen einer US-TV-Serie mit dem Titel Canterbury's Law, die über sechs Episoden nicht hinauskam. (Soderbergh hat natürlich gleich eine ganze Serie, K-Street, produziert.) Oder der Unterwäsche-Werbung-Experimentalfilm The Four Dreams of Miss X mit Kate Moss:
Oder, noch bizarrer, das jüngste bei IMDB aufgeführte Werk Love Live Long (2008), über das man dies lesen kann:
LOVE LIVE LONG is the latest film by the pioneering British director Mike Figgis. It had a bizarre genesis as a vanity project of the Gumball 3000 - an annual event involving a bunch of flash tossers driving high-spec cars very fast on public roads because - hey - road safety is for peasants. Anyways, the Gumball spivs gave Figgis £100k and said he could make a movie about anything so long as it featured Gumball. ...
The film is essentially an improvised two-hander set in Istanbul. Sophie Winkelman (Big Suze in PEEP SHOW) plays an emotionally scarred young woman who gets off on being sexually degraded by a casually cruel flash git Gumball driver, played by Daniel Lapaine. The movie shows their first encounter in an Istanbul market, their involvement during the rally, and hints at the disaster that is to follow.Außerdem hat Figgis "Digital Filmmaking", ein Buch, genau, über das Digitale Filmemachen geschrieben, erstes Kapitel: Choosing Your Weapon, Learning to Love it, Zitat aus dem Vorwort: "Then I began working in Hollywood. And I began to really understand how films were made by professionals. I have to say I wasn't very impressed." (Soderbergh: "Getting Away With It") Er ist darüber hinaus Jazz-Musiker, Komponist auch seiner eigenen Filmmusiken. Hier ein Gespräch aus dem letzten Jahr, in Cannes hat Figgis dort offenbar, abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit, Love Live Long vorgestellt. Hier sieht man auch einen wichtigen Unterschied: Die Frisur ist mit der Soderberghs nicht vergleichbar.
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Moulletc.
Video-Interviews.
Craig Keller verlinkt bzw. postet im Cinemasparagus-Blog Interviews vom Vimeo-Kanal Independencia (den aufzusuchen lohnt, auch Thomas Heise, James Benning und andere sind da in Clips zu sehen): Im Video-Gespräch zu sehen Raya Martin, Pedro Costa, Jean-Pierre Gorin und Luc Moullet. Von letzterem außerdem noch ein kurzer Ausschnitt einer Einführung, mit englischer Übersetzung, sort of:
FID Ouverture from Independencia on Vimeo.
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Soderbergh Update
Schlechte Aussichten.
Nächste Woche startet bei uns der zweite Teil von Steven Soderberghs Che-Biopi. Vor kurzem wurde er aus dem ambitionierten Brad-Pitt-Projekt Moneyball gekickt (angeblich soll Aaron Sorkin das Buch jetzt umschreiben, für einen anderen Regisseur). Sein zuletzt angelaufener Low-Budget-Film The Girlfriend Experience hat in Deutschland keinen Starttermin. Zuletzt fertiggestellt hat Soderbergh allerdings The Informant mit Matt Damon - und da der Film für das Festival in Toronto als Nordamerikanische Premiere angekündigt ist, deutet viel darauf hin, dass die Weltpremiere in Venedig stattfindet. Also: Soderbergh ist wie immer hier und dort und überall, nirgends richtig einzuordnen.
In einem Guardian-Artikel klingt er allerdings sehr pessimistisch. Zeigt sich unglücklich mit Che. Sieht in einem als Folge der Finanzkrise deutlich risikoscheueren Umfeld kaum noch eine Zukunft für sich, bzw. auch einen wie ihn. (Allzu ernst nehmen sollte man das - außer als Symptom - vielleicht nicht. Anwandlungen dieser Art hatte Soderbergh öfter schon.) Hier Zitate aus dem Artikel [via aboutworldfilm-Twitter]:
"In terms of my career, I can see the end of it," he says. "I've had that sensation for a few years now. And so I've got a list of stuff that I want to do – that I hope I can do – and once that's all finished I may just disappear." "Three or four years worth of stuff," says Soderbergh.
It's said with resignation, not desperation. With the voice of someone who has gradually realised what Guevara might not have – that some systems are just too big to beat.
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Hinweis
Avi Mograbi.

Neu in unserem Magazinteil: Avi Mograbi spricht im Video-Interview über den Zustand der israelischen Linken, die verbliebenen politischen Optionen, Obama und Netanjahu und seine Herkunft.
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Ah, Monsieur Mallarmé
Interview, rauchend.
Wo hier eh grad alles so franko- und cinéphil ist... In Volker Pantenburgs Kunst-der-Vermittlung-Text über die "Etappen des filmvermittelnden Films in Frankreich" gibt es ein Unterkapitel zum Schulfernsehen, für das auch einschlägige Filme, etwa über Renoir, entstanden sind. Vor allem Eric Rohmer, der ja eigentlich Literaturwissenschaftler war, hat aber auch Schulfilme über Literaten gedreht. Ein paar davon sind in Frankreich inzwischen auf DVD zu haben. Und für alle jene, die - wie ich - immer schon mal wissen wollten, wie dieser Teil seines Oeuvres eigentlich aussieht, können sich immerhin einen Eindruck verschaffen, nämlich in den folgenden zwei Ausschnitten:
Victor Hugo : les Contemplations - Éric Rohmer
Hochgeladen von leoscheer_tv. - Komplette Serien und ganze Episoden online.
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Varda-Material
Kuba Varda.
Wo wir schon mal bei den Rive-Gauche-Filmemachern sind: Catherine Grant hat bei Film Studies For Free wieder viel Material zusammengetragen, diesmal zu Agnès Varda. Sie verlinkt nicht nur zu wissenschaftlichen Aufsätzen im Netz, sondern auch auf einen zweistündigen Video-Mitschnitt eines Varda-Auftritts in der Tate Modern. Außerdem ein Kommentar zu einem Ciné-tract Vardas von 1975, entstanden für Antenne 2 - als Antwort auf die Frage: Wie fühlt man sich als Frau?. Irgendwie habe ich aber mit Vardas feministischer 70er-Jahre-Phase (vor allem auch mit L'une chante, l'autre pas) meine Probleme, darum stelle ich hier lieber Vardas ausgesprochen optimistische Kuba-Foto-Doku Salut les Cubains von 1963 rein. Und, übrigens, im September wird es im Arsenal in Berlin eine große Varda-Retro geben. Nochmal übrigens: Ganz aktuell gibt es eine Filmreihe mit Klassikern des kubanischen Kinos, auch im Arsenal. Tipps dazu im Überbau.
Watch salut les cubains (agnes varda,1963)_subt.avi in Bildung | View More Free Videos Online at Veoh.com
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Iranischer Film: Mohammad Shirvani
Kleine Materialsammlung.

Die letzte Einstellung: Der alte Mann schiebt sein Fahrrad vor steil in die Höhe ragenden Bäumen von links nach rechts. Hinten auf dem Rad die rote Fahne, die Gottes Hilfe und den Sieg verspricht. Mit dem versprochenen Sieg allerdings ist nicht zu rechnen. Mir Ghanbar ist 74 Jahre alt, er lebt weit weg von Teheran im iranischen Norden und er unternimmt im Jahr 2004 nicht den ersten Versuch, sich zum Präsidenten des Iran oder wenigstens ins Parlament wählen zu lassen. Mehr als ein paar Stimmen waren ihm bisher nicht beschieden; mehr als ein paar mehr als die paar, die er bisher gewann, werden es ganz sicher auch diesmal nicht.
In seinem Film mit dem nicht ganz unironischen Titel President Mir Ghanbar beobachtet Mohammad Shirvani seinen Helden beim Wahlkampf. Und nicht diesen Helden allein, sondern auch dessen Freund und Helfer, den ausgesprochen netten, leicht spastisch behinderten Seifollah, der Zettel verteilt und Werbung macht für Mir Ghanbar, wo er nur kann. Der Film ist dokumentarisch im Ansatz, aber an cinema verité glaubt Mohammad Shirvani, wie so viele seiner iranischen Kollegen, nicht. Die rote Fahne zum Beispiel war seine Idee und immer wieder werden die Personen, die er zeigt, von ihm sehr bewusst im statisch gehaltenen Bild platziert.
Im Vordergrund sitzt Mir Ghanbar. Im Schneidersitz. Er blickt frontal in die Kamera, links weit im Hintergrund in der Ecke kauert schwarz verschleiert seine Frau, die er liebt und rumkommandiert. Der Film fragt sein Wahlprogramm ab und Mir Ghanbar antwortet mit mehr oder minder heiligem und jedenfalls durchweg sehr frommem Ernst. Wenn man das sieht, stellt sich die ethische Frage: Wie verhält sich der Film, wie verhält sich der Regisseur zu seinem Protagonisten? Führt er ihn vor, nutzt er ihn aus? Und wie ist es mit Sollfeitah, dem behinderten Helfer? Unweigerlich muss man, sieht man die beiden zusammen, an Don Quijote und Sancho Pansa denken, wie sie auf der Grenze zwischen wundersamer Entschiedenheit und lächerlicher Verblendung durch die Landschaft reiten. (Einmal fällt Mir Ghanbar vom Esel. Sollfeitah richtet ihn wieder auf.)
Eine Antwort auf die Frage nach seiner Haltung gibt Shirvani bereits in der allerersten Einstellung. Aus beträchtlicher Distanz sieht man ein paar Figuren auf einem Feldweg in freier Natur. Sehr klar zu hören sind ihre Stimmen. Es fällt der Vorwurf: Ihr nutzt mich doch nur aus. Man begreift schnell: Diesen Vorwurf macht Mir Ghanbar den Filmemachern, die hier sogleich mit im Bild sind. Es gibt ein Hin und Her, vielleicht ist die Szene gestellt, vielleicht nicht. Dann steigt Mir Ghanbar auf den Wagen, man kooperiert, er fährt mit den Filmemachern mit. Frontal also stellt sich der Film die entscheidende Frage, wie er seine beiden Helden präsentiert. Oder auch: Er stellt sich und seinem Film diese Frage als Aufgabe. Er löst sie, kurz gesagt: bravourös. In seinen großartig kadrierten Bildern gibt er der Seltsamkeit dieser beiden erstaunlichen Halt. Er geleitet sie, als Macher des Films immer wieder - wie der Tonmann - auch selbst im Bild, an ein Ende, das eine Würde, die die beiden anfangs nicht zu haben scheinen, nach und nach zielsicher herstellt.
Das Schöne ist: Dieser hoch interessante, wirklich ausgesprochen sehenswerte Film ist völlig legal online zu sehen. Bei cultureunplugged.com - man kann ihn sogar anderswo einfach einbetten. Hier etwa:
Bei Link.TV, einem US-amerikanischen Kleinstsender, gibt es eine Programmreihe mit dem Titel "Bridge To Iran". Da war - wie der bereits vorgestellte Tehran Has No More Pomegranates - auch President Mir Ghanbar zu sehen. Der Sender produziert für die von ihm ausgestrahlten Filme auch Interviews mit den Regisseuren - das aufschlussreiche Gespräch mit Mohammad Shirvani findet sich hier. Ein weiteres Gespräch gibt es auf der Website Persian Mirror, darin äußert sich der Regisseur zur Frage nach dem Verhältnis von Fiktion und Dokumentation so:
I feel that feature films are too contrived and contain in a way, too many lies. Documentaries on the other hand have very little imagination. Ideally, I would like to see us strike a medium between the two, which I like to call a manipulated reality, what Tarkovsky so aptly coined the “second reality”.
Mohammad Shirvani hat eine Website, darauf findet sich die folgende biografische Information:
Born in 1973 in Tehran, Mohammad Shirvani grew up in a religious family who did not permit their children to enter the world of cinema. His father forced him to join the army. Shirvani had to be there for 10 years, instead of his 2-year military service. In the meantime, he started to study painting at a college but fell in love with cinema there! <br>He longed to make films so he deserted the army after 7 years and made his 1st short film The Circle, which was among the 7 short films selected by International Critics’ Week in Cannes in 1999. <br>He has made 8 short fiction films and 6 documentary and experimental feature films, which have been screened in more than 200 festivals around the world and won prestigious awards. His first long feature film will be released in 2009. At present, he is the president of the independent Iranian Short Film Association (ISFA).
Auch die anderen Filme klingen alle sehr interessant. Nicht zuletzt sein jüngster von 2008, der den Titel 7 Blind Women Filmmakers trägt. Es ist in gewisser Weise gar nicht sein eigener Film, sondern der von Sara Parto, Mahdis Elahi, Shokoofe Davarnejad, Narges Haghighat, Banafshe Ahmadi, Naghmeh Afiat, and Neda Haghighat. Und zwar deshalb:
After a dream in which he lost his vision, Iranian filmmaker Mohammad Shirvani sought to explore the role of sight in cinema and organized filmmaking workshops for blind women. In this episodic compilation, seven Iranian women armed with digital cameras create intensely personal stories about their passions, familial bonds, and daily challenges. Together, they present new ways of observing blindness.

Besonders hübsch finde ich, dass der Film im Walker Arts Center von Minneapolis im März diesen Jahres in der Reihe "Women With Vision" gelaufen ist. Appell an die zuständigen Stellen: Mohammad Shirvani bitte entdecken!
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Gelegenheit
Beizai.
Ich lasse ungern eine Gelegenheit aus, auf den neulich schon kurz erwähnten iranischen Regisseur Bahram Beizai hinzuweisen. Es ist für mich völlig unbegreiflich, warum ihn im Westen so gut wie niemand kennt. Und wenn ich mir, vom Arsenal zum Beispiel, eine Retrospektive wünschen könnte, dann wäre es die seines Werks. (Was utopisch ist - ich bin sicher, dass von einem Großteil der Filme gar keine Kopien verfügbar sind, von englischen Untertiteln ganz abgesehen.) Jedenfalls: Es ist mal wieder eine Gelegenheit gekommen, auf Beizai (der auch mal Beyzaie oder noch anders umgeschrieben wird) hinzuweisen. Heute in der SZ (leider - noch - nicht online) bietet Amin Farzanefar einen schönen Überblick über das aktuelle iranische Kino. Darin auch eine Passage zu Beizai, die eigentlilch jedem Lust machen sollte:Bahram Beyzai - ein im Westen komplett ignorierter Regisseur - dreht im Schnitt nur alle sieben Jahre einen Film, gewinnt dann aber regelmäßig den begehrten Publikumspreis des Fadjr-Filmfestivals, und hat auch Erfolg an den Kinokassen. Beyzai verquickt verschiedenste Einflüsse - altiranische Mythologie, schiitisches Taaziyeh-Theater, Hitchcocks Psycho-Voyeurismus, Kurosawas Archaik - zu Werken von monolithischer Kompaktheit und erhabener Opazität jenseits aller Genres, in denen Suspense oder aktuellste politische Bezüge durchaus eine Rolle spielen. Der Einfluss des Theaters ist dabei offenkundig, und die Zeit bis zur nächsten Drehgenehmigung füllt der 70-jährige mit Bühneninszenierungen, die ebenfalls begeistert aufgenommen werden.
Bashu, the Little Stranger, ist der einzige im Westen überhaupt wahrgenommene Film Beizais. Wahrscheinlich weil ein Kind die Hauptrolle spielt; die Fremdheit des Werks erschließt sich aber recht schnell. Derzeit gibt es die Möglichkeit, sich einen Eindruck davon zu verschaffen bei Crazymotion.
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Public Enemies
Bilder vom Set.
Bei Stop Smiling gibt es eine Sammlung von Fotografien von Anna Knott vom Set des neuen Michael-Mann-Films Public Enemies. Der Film läuft diese Woche in den USA an, die Reaktionen der Kritik werden in der ersten Folge des neuen Daily-Services von Indiewire zusammengefasst. (Dieses Daily versucht die mit David Hudsons vorläufigem Abgang gerissene Lücke zu schließen.) Genaueres zu den Fotos:
STOP SMILING was on hand to document some of scenes shot on Lincoln Avenue, the home of the Biograph Theatre, the spot where Dillinger was shot and killed in 1934 in a shootout with police.

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TV-Tipp: Matteo Garrone
Porträt.

Ich war nicht richtig überzeugt von den Qualtiäten von Matteo Garrones viel gelobtem und ausgezeichnetem Film Gomorrha. Nicht nur dieser, auch die beiden Vorgänger-Filme Primo Amore und L'Imbalsamatore haben ernstzunehmende Fans. Zum besseren Kennenlernen von Regisseur und Werk gibt's heute abend auf 3sat ein Filmporträt von Garrone:
22:55 Uhr
(VPS 22.25)

Verwandelte Wirklichkeit
Das Kino des Matteo Garrone
Film von Geremia Carrara
(aus der ARD-Reihe "Kinomagazin")
Erstausstrahlung
(Zweikanalton deutsch / italienisch)
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Soderbergh Pitt Moneyball
Lektion.
Im aktuellen CARGO-Heft denkt Michael Sicinski über die seltsame Position des amerikanischen Filmemachers Steven Soderbergh nach und versucht, ihn als neoliberalen Auteur zu begreifen, der Auftragsarbeiten eigenwillig und mit Stil, aber ohne Haltung erledigt. Umgekehrt kann man Soderbergh auch als Sonde betrachten, die sichtbar macht, was das System erlaubt - und was nicht. Sauteure Spaß-Spektakel mit Superstarbesetzung und absurden Casino-Plots zum Beispiel sind drin (und zahlen sich für alle Beteiligten aus). Für einen Vierstünder über Che Guevara braucht's alternative Finanzierungsstrukturen, aber er ist in die Hollywood-Distribution teilweise überführbar. Jetzt aber, mit seinem neuesten teuren Studioprojekt, scheint Steven Soderborgh mit Wucht vor die Wand gefahren. Moneyball sollte der Film heißen, um Baseball - genauer: Baseball-Statistik - sollte es gehen, 57 Millionen Dollar (also nicht so wahnsinnig viel nach derzeitigen Maßstöben) kosten, Brad Pitt hatte für die Hauptrolle zugesagt. Das ganze klang, vom Thema her und auch aufgrund Soderberghs Ankündigung, er wolle mit Animationen arbeiten, schon eine Weile etwas seltsam. Der Drehbeginn stand jetzt aber kurz bevor, da zog die Sony-Chefin Amy Pascal die Reißleine. Anlass war, hört man, ein typischer auteuristischer Soderbergh-Zug: Er hatte das Drehbuch von Steve Zaillan gründlich umgeschrieben. Und er insistierte auf einem dokumentarischen Handkamera-Stil. Beides ließ Pascal offenbar entschieden genug an den Erfolgsaussichen des Projekts zweifeln. Spekuliert wird auch, dass Brad Pitt - es wäre nicht das erste Mal - der Boden zu heiß geworden ist unter den Füßen. In jedem Fall sieht keiner mehr eine echte Chance für Moneyball. Dafür ist das in jedem Fall: Die Fortsetzung des lehrreichen Karrierewegs des neoliberalen Guerillero Steven Soderbergh.
Bei The Playlist, einem vergleichsweise seriösen Hollywood-Gerüchte- und Nachrichten-Blog kann, wer mag, die jüngsten Entwicklungen beispielsweise nachverfolgen.
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Volker Koepp: 65
Alles Gute.
Die Filme von Volker Koepp geben der Wirklichkeit da noch, wo sie wenig Hoffnung zu bieten hat, ein menschliches Antlitz. Es liegt das am eigenen Zeitmaß seiner Einstellungen, an den wunderbaren Schwenks und Bildern seines Kameramanns Thomas Plenert, es liegt das an der Offenheit des Ohrs seiner Filme für die Stimme von Mensch und Natur. An seiner ganz unaufdringlichen Lust, sich einzulassen, an seiner Weigerung, die Menschen und Landschaften und die Wirklichkeit zuzuquatschen - wie die Junges in ihrem Golzow-Projekt das so gern tun. Aber auch daran, dass er sehr wohl insistieren kann, dass er sich den Blick nicht vernebeln lässt, dass er vor der Schönheit nicht zurückschreckt und immer solidarisch bleibt mit den Schwachen. Es ist alles in allem ein kleines Wunder, dass es einen wie Volker Koepp gab, zu Zeiten der DEFA, schließlich entsprach nichts an seinen Filmen je offiziellem Kulturprogramm. Und es ist ein beinahe noch größeres Wunder, dass er nach der Wende, anders als viele andere, weiter seine Filme drehen konnte, die aus der Weigerung, sich verrückt machen zu lassen, noch lange keinen bequemen Quietismus zu destillieren versuchen.
Heute feiert Volker Koepp seinen 65. Geburtstag und wir feiern im Geiste mit und wünschen ihm (und uns) noch viele Filme, in denen der Mensch auf so richtige Weise in der Geschichte und in der Landschaft und in der Gesellschaft zu sehen ist, wie stets noch bei Koepp. Hier ist der Trailer zu seinem herausragenden Film Holunderblüte von vor zwei Jahren:
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Bela Lugosi is dead
Tony Scott
65 Jahre wird Tony Scott heute; sein erster Film war gleich sein bester: The Hunger, 1983, eine britische Produktion. Mit Bauhaus, Bowie, Deneuve, Sarandon und einer elegischen Kühle, die noch in Filmen wie Addiction und Trouble Every Day nachhallt.
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New York Times: Bigelow
Porträt.
She was a student painter at the Art Institute of San Francisco and later the Whitney Museum’s Independent Study Program, where she studied with Vito Acconci and Susan Sontag. She joined a conceptual art group, appeared in the feminist movie “Born in Flames” and earned her master’s in the film division of theColumbia University School of the Arts, where she immersed herself in theories about signs and meaning and the cinematic spectacle.
Die Rede ist von Kathryn Bigelow, die auf dem aktuellen CARGO-Cover zu sehen ist (oder auch nicht). Manohla Dargis mit einem Porträt der Regisseurin in der New York Times.
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RIP Allan King
Dokumentarfilmer
Der bedeutende kanadische Dokumentarfilmer Allan King (A Married Couple, Memory For Max, Claire, ida and Company) ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Hier spricht er über einen seiner bekanntesten Filme, Dying With Grace, über eine Palliativ-Klinik in Toronto:
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Tetro
Wein, Schläuche.
Werbung für Coppolas neuen Film Tetro. Mit im Bild: Der Finanzier.[via ryland walker knight]

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Kein Rotes Zimmer 2009
Sehr schade.
Die Cargo-Blog-Seite lese ich seit einem halben Jahr jeden Morgen: manchmal mit wunderbaren Expeditionen im Internet, aber heute höre ich da ein Interview mit Klaus Lemke (nur Ton, kein Bild). Mein Gott, lieber Klaus, was erzählst Du da für Märchen!
Schreibt Rudolf Thome in seinem Moana-Blog. Ja, bat-shit crazy nennt man das auf Englisch wohl, was Lemke da so von sich gibt. Aber eigentlich: Erstens schöne Grüße an Rudolf Thome. Und zweitens: Aufrichtiges Bedauern, dass das mit der Finanzierung für den neuen Film Das Rote Zimmer in diesem Jahr nicht klappt. Ich drücke die Daumen für entweder ein Wunder oder, da man mit dem Ausbleiben von Wundern leider rechnen muss, dafür, dass es im nächsten Jahr dann funktioniert.
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Del Toro Ulysses
Unfollow Bloom.
Ich habe noch keinen Film von Guillermo del Toro gesehen, der mich von meiner Überzeugung abgebracht hätte, dass er ein nicht verkehrter, aber nicht sonderlich interessanter Produzent sich immer ähnlicher und vor allem immer ganz ähnlich ausgestatteter Fantasien ist. Einem Wired-Interview entnehme ich jetzt, dass er gerade eine ganze Menge Projekte plant, darunter auch eine Neu-Verfilmung von Kurt Vonneguts "Slaughterhouse Five" und eine Verfilmung von Dan Simmons' Roman "Drood", der eine Hommage an Wilkie Collins und an Charles Dickens unvollendeten (bzw. erst von Fruttero & Luttencini vollendeten) Roman "The Mystery of Edwin Drood" ist. Nun habe ich auch noch nichts von Dan Simmons gelesen, das ich wirklich überzeugend fand. Egal. Im Wired-Interview spekuliert del Toro jedenfalls auch über mögliche Verbindungen, die Film, Literatur und Videospiel miteinander eingehen könnten. [via Nerdcore]
del Toro: We are used to thinking of stories in a linear way—act one, act two, act three. We're still on the Aristotelian model. What the digital approach allows you to do is take a tangential and nonlinear model and use it to expand the world. For example: If you're following Leo Bloom from Ulysses on a certain day and he crosses a street, you can abandon him and follow someone else.
Wired: You're describing a model that's more like a videogame. Is the merger of movies and games the first step?
del Toro: Unfortunately, I've found in my videogame experience that the big companies are just as conservative as the studios. I was disappointed with the first Hellboy game. I'm very impressed withthe sandbox of Grand Theft Auto. You can get lost in that world. But we're using it just to shoot people and run over old ladies. We could be doing so much more.
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Wrong Man
Hitchcocks Sprache.
"Infizierter Blick" - Christoph Hochhäusler analysiert eine Sequenz in Hitchcocks Wrong Man: Auszug:
Das, was man „Sprachlichkeit” der Auflösung bei Hitchcock nennen könnte, hat, so scheint mir, viel damit zu tun, dass er sehr einfache, ja konventionelle Einheiten sehr differenziert montiert, er bildet sozusagen lange Sätze mit einem allseits bekannten Basis-Vokabular, wobei die Sprachanalogie natürlich trügerisch ist. Ich persönlich schrecke vor einer so hohen und absichtsvoll-banalen Auflösung zurück, aber wahrscheinlich ist diese Genauigkeit der Führung nicht anders zu erreichen. Auch wenn ich und andere mit den Mitteln der Moderne gerne Befreiung und Mündigkeit des Zuschauers verbinden („sich selbst ein Bild machen”) bin ich doch als Zuschauer bei Hitchcock in gewisser Weise freier, eben weil ich orientiert bin und alles verstehe, während ich im „künstlerischen” Film oft der Originalität des Erzählers ausgeliefert bin.
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Neues im Magazin
Neues auf den Feature- und Artikel-Seiten bei cargo:
- Ausschnitt aus einem Interview mit the one and only Klaus Lemke. Es geht um die RAF, Fassbinder und den Tennisschläger von Andreas Baader. Interview: Klaus-Peter Flügel und Jorinde Reznikoff
- Thomas Schlömer schreibt über Tendenzen des Videospiels, sich von der Grammatik des Films zu lösen. Auftakt einer in loser Folge erscheinenden Kolumne zum Thema Film und Video.
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Godard "The Lost"
Apropos Godard. Der dreht jetzt einen Hollywood-Film. Und zwar die Verfilmung von Daniel Mendelsohns Bestseller "The Lost" - eine Recherche des Autors, bei der er dem Schicksal seiner eigenen Verwandten nachforscht, die im Holocaust ermordet wurden. Drehbuch: Oren Moverman, der für Todd Haynes' I'm Not There das Buch mitschrieb und bei der diesjährigen Berlinale sein nur sehr bedingt überzeugendes Regie-Debüt The Messenger vorgestellt hat. Das klingt alles schwer zu glauben, vor allem der Punkt mit der Hollywood-Finanzierung. Richard Brody, Autor einer hoch problematischen, aber genau recherchierten Godard-Biografie, schreibt jedoch in seinem New-Yorker-Blog: "It's official" - und zitiert eine entsprechende Meldung.:
The English-language film will be the first Jean-Luc Godard has directed within a Hollywood production structure….The Lost will be produced by Pressman, Lightstream president Lawrence Inglee and Godard’s long-time business associate Douchka, with Tom Luddy serving as the film’s co-producer.
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Die Wahrheit über Grandrieux
LIVE.
Weil DIE GANZE WAHRHEIT nur erfährt, wer CARGO und New Filmkritik liest, poste ich den Beginn von Volker Pantenburgs Posting hier her:
Von heute abend bis übermorgen werden in Lyon unter dem Titel De la télévision au cinéma die drei Kinofilme Philippe Grandrieux’ sowie einige seiner Fernseharbeiten aus den 80er Jahren gezeigt. Zusammengestellt wurde das Programm von Raymond Bellour, der die Filme dort auch vorstellt und gemeinsam mit Grandrieux kommentiert. Auch die Serie LIVE, 14 einstündige Sequenzeinstellungen, die Grandrieux für den Sender LA SEPT konzipierte und bei Filmemachern und Künstlern in Auftrag gab, wird dort vollständig zu sehen sein. In der aktuellen CARGO-Ausgabe schreibe ich über die TV-Vergangenheit Grandrieux’, vor allem über LIVE und die Entwicklung von Fernsehformaten am Institut National de l’Audiovisuel (INA).
Ergänzend zu diesem Text hier ein längeres Zitat von Grandrieux aus dem Jahr 1983.
Und für das längere Zitat verweise ich auf New Filmkritik, wo es dann nachzulesen ist.
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Assayas Metric
Clips.
Nächste Woche erscheint die neue CD Fantasies von Metric. Den Clip zur ersten Single-Auskopplung "Sick Muse" gibt es hier. Er ist nicht schlecht.
Aber in Wahrheit will ich die Gelegenheit nur zu einer kleinen Hommage an Olivier Assayas nutzen, den Interview-Gesprächspartner in der neuen CARGO. Assayas hat tiefe Wurzeln in der Pop-Musik, genauer gesagt: in der Post-Punk-Szene. (Sein Bruder Michka übrigens ist, was ich auch erst von Michael Baute erfahren habe, ein wichtiger Popmusik-Kritiker in Frankreich. Außerdem Roman-Autor.) Es gibt einen Konzertfilm von Assayas - etwas irreführender Titel: Noise -, da hatte ihm das Festival Art Rock in Saint Brieuc Carte Blanche für ein Line-Up eingeräumt. Wer nach den dreizehn Minuten, die darin Metric und natürlich vor allem die Sängerin Emily Haines zu sehen und zu hören sind, kein Fan geworden ist, wird keiner mehr. Und in Assayas' Clean von 2004 - auch ein sehr guter Film - gibt es ebenfalls ein Metric-Konzert zu bewundern. Das findet sich als Auszug aus dem Film auf YouTube:
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Chris Marker Video
In Paris, Mai 2009.
Ein Video, das Chris Marker am 1. Mai diesen Jahres beim Fotografieren bei der Demo in Paris zeigt. Das ist ungefähr so wie eine Aufnahme von Thomas Pynchon. Hier die Fotos, die Marker bei der Gelegenheit schoss. Vidéo (un plan de 73 secondes) faite avec un appareil photographique par Jean-Louis Boissier. Via, natürlich, chrismarker.org.
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Marker Pelechian [Second Life]
Chat-Transkript.
Der Chat ist als diskursives Medium wenig geeignet. Hat aber andere Reize. Hier das Wortlautprotokoll von Chris Markers Führung durch seine Ausstellung im Second Life. Sergei Muraski ist das Alias von Marker. Auszug [via chrismarker.org]:
[17:07] Sergei Murasaki: Do you people all know POelechian ?
[17:07] Chiyushi Himanez: NO!
[17:07] Eupalinos Ugajin: yes
[17:07] Sergei Murasaki: Pelechian
[17:07] Esther Timeless: yes
[17:07] Chiyushi Himanez: He remains unknow in the U
[17:07] Haveyouseen Lubitsch: yes they are great !
[17:07] Chiyushi Himanez: S
[17:07] Eupalinos Ugajin: just saw the seasons once more at “Bouffes du Nord”
[17:08] Haveyouseen Lubitsch: Memoriy and politic and cinema
[17:08] Chiyushi Himanez: what can you tell us?
[17:08] Sergei Murasaki: He’s the last living inheritotr of the great Russian dynasty
[17:09] Sergei Murasaki: Eisenstein, Dozhenko, Barnet…
[17:09] koala Markus: does he make films again
[17:09] Vivre Mai: he is armenian isn’t he?
[17:10] Sergei Murasaki: Under stalinism he could mlanage to make films, with much suffering
[17:10] Sergei Murasaki: Since democracy, non
[17:10] Sergei Murasaki: none
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Trailers From Hell
Joe Dante bei Wayward Cloud.
The Wayward Cloud weist auf die Website "Trailers From Hell" hin ("die inspirierendste, schönste, lustigste Website der Welt"). Diesem Hinweis schließen wir uns liebend gern an. Außerdem gibt es dazu bei Wayward Cloud noch ein Interview mit Joe Dante, einem der Gründer und Beiträger (neben Larry Cohen, John Landis u.a.) kurzer Auszug:
Auch das ist einer der Gründe, warum ich Trailers from Hell ins Leben gerufen habe, weil die Filme, mit denen ich aufgewachsen bin und die für mich bedeutsam sind, zunehmend am Verschwinden sind. Die Kids haben keine Gelegenheit mehr, sie zu sehen, weil kein Kino sie mehr zeigt, und sie haben auch kein Interesse daran, weil sie von diesen Filmen noch nie gehört haben. Dieses Vergessen hat sich schon bis in die Studios ausgebreitet. Man muss mittlerweile bei einem Vorgespräch zu einem neuen Projekt sehr vorsichtig sein, auf welche Filme man sich bezieht. Wenn man da sagt: "Diese Szene funktioniert so ähnlich wie in Night of the Hunter", weiß niemand, wovon man spricht. Die neue Generation in Hollywood ist mit anderen Filmen aufgewachsen.
Und dann noch, wirklich sehr schöner Eintrag, auf Englisch, weiter unten eine von Dante kommentierte Liste von Trailern, die jeweils dazu eingebunden sind.
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Talking Herzog
Ogling.
Beim House Next Door sprechen Jason Bellamy und Ed Howard sehr lang und sehr kenntnisreich über das Werk Werner Herzogs. Ein bisschen Redigat (vulgo: Kürzen) hätte nicht geschadet, aber vieles, was mir zentral scheint in diesem höchst eigentümlichen Oeuvre, wird verhandelt. Zum Beispiel die Haltung von Herzog bzw. seiner Filme zu ihren Figuren/Objekten:
JB: That's all very well said, and I don't disagree. And yet there's a pattern to his selective silence that isn't so flattering. If there's one thing that can get Herzog to shut up, it's a freak show: the exorcist in Bells From the Deep, the dramatically mad Klaus Kinski in Aguirre or Fitzcarraldo, the spiritual Herzog twin Dieter Dengler inLittle Dieter Needs To Fly, or the lip-trumpeting Kokol in Land of Silence and Darkness. I could go on, but you get the point. In those cases, Herzog realizes that he can't possibly embellish the image itself with his own words — unless he resorts to writing his subjects' words for them, which he sometimes does — and so he lets his camera ogle.
...
EH: See, I think Herzog is respectful of and fascinated by his subjects. In Encounters at the End of the World, Herzog sees these people as kindred spirits, people like him who have traveled the world and done unusual things simply because they wanted to. When he says about that one woman, "her story goes on forever," I don't read it as contempt — she'd just been chronicling a long list of terrible things that had happened to her, and Herzog's voiceover underlines the fact that she'd suffered a great deal. He feels sympathy for her, especially since he'd suffered similar trials and mishaps during his own travels in Africa.
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Bedingt großartig
Kurosawa Akira.
Eine unabsehbare Schatztruhe an Akira-Kurosawa-Fotografien - solchen von ihm, solchen aus seinen Filmen, solchen von den Dreharbeiten - findet sich: hier. Das (für mich) Unabsehbare daran hat leider viel mit der Sprache zu tun, in der das präsentiert wird. Es ist, naheliegenderweise, die japanische. So kann man also, als einer, der dieser Sprache nicht mächtig ist, von hier nach da und dann woandershin klicken, ohne zu wissen, wie einem geschieht, bzw. was man da tut. Alles aber sehr schön und vielleicht sogar doch noch mal schöner ohne System. [via Movie Nation]
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Iranische Winde
Albert Lamorisse.
Das berühmteste Werk von Albert Lamorisse ist kein Film. Der 1922 geborene Regisseur war der Erfinder eines Spiels, das, als er es 1955 im Selbstverlag herausbrachte, den Titel "La Conquête du monde" trug, bald darauf aber unter dem Titel "Risiko" selbst die Welt eroberte. Die Wikipedia meint, es sei das erste Strategie-Brettspiel der Neuzeit und als solches auch das Vorbild eines in ungezählte Exemplare differenzierten Computerspiel-Genres.
Der berühmteste Film von Albert Lamorisse trägt den Titel Le ballon rouge, er entstand 1956 und ist gut dreißig MInuten lang. Zu sehen ist darin, neben dem sehr großen, sehr roten Ballon des Titels Lamorisse' Sohn Pascal auf seinem Weg durch ein regnerisches Paris, den Ballon in der Hand, vom Ballon verfolgt. Das Paris, das man sieht, ist ein nicht allzu strahlendes Paris, in dem freundliche Menschen zu Musik ihrem Alltag nachgehen und Jacques Tati, denkt man, jeden Moment um die Ecke biegen könnte. Der Film gewann eine Goldene Palme in Cannes und geriet in Vergessenheit, bis im letzten Jahr Hou Hsiao-hsien seine Hommage auf das Werk drehte, Le voyage du ballon rouge. Dazu mehr in Cargo #1 von Lukas Foerster. Le ballon rouge gibt es komplett bei YouTube.
Seinen letzten Film Baadeh Sabah / The Lovers' Wind / Vent Des Amoureux hat Lamorisse nicht mehr vollenden können, weil er 1970 bei den Dreharbeiten ums Leben kam. Es handelte sich um ein außergewöhnliches Projekt. Im Auftrag des iranischen Kultusministeriums drehte er einen Dokumentarfilm, für den er mit dem Helikopter atemberaubende Luftaufnahmen des Iran filmen ließ, um sie dann zu einem poetischen Bewegungsbild des Landes, fast vollständig vom Hubschrauber gefilmt, zu montieren. Er war eigentlich fertig, das Ministerium monierte jedoch, dass vom modernen Iran, von der Industrialisierung zu wenig zu sehen sei in dem Film. Also kehrte er zurück, wollte weitere Luftaufnahmen drehen, der Hubschrauber stürzte ab. Dabei starb auch Lamorisse. Fertig gestellt wurde der Film Jahre später, von seiner Witwe.
Heraus gekommen ist dabei ein Werk mit wirklich atemberaubenden Bildern, die Kamera fliegt, gleitet über das Land, verlassene Städte, Ruinen, Wüsten, Tiere und Menschen im Wasser, sie stößt herab, schwebt über die Dächer der Stadt Isfahan, zeigt moderne Gebäude, Menschen im Anzug mit Buch in der Hand und Neonschwäne und das Bayer-Kreuz in der Stadt und das ganz Alte, das Menschenverlassene auf dem Land. Dazu spricht der Wind selbst, sprechen die vier Winde des Iran, Prosopopoie dieses Landes. Ich, sagt der Wind, ich fliege nach hier und nach da und die Bilder des Films tun es ihm nach. (Dieser Off-Kommentar ist nicht per se eine schlechte Idee, im allzu salbungsvollen Tonfall mindestens der englischen Version jedoch ganz sicher nicht jedermanns, auch nicht unbedingt meine Sache. Auch über die Musikauswahl kann man, wie bei Le ballon rouge, streiten.) Bei UbuWeb, das ist der Anlass zu diesem Eintrag, kann man Baadeh Sabah nun in voller Länge sehen. Die Bildqualität der VHS-Aufzeichnung lässt anfangs sehr zu wünschen übrig, das geht aber rasch vorbei, danach ist sie vergleichsweise in Ordnung.
So großartig wie unheimlich ist ein Postskript zum Film. Lamorisse' Witwe Claude hat, als eine Art Nachruf auf ihren verstorbenen Mann, einen rasant geschnittenen Kurzfilm aus dem nachträglich entstandenen Material erstellt. Er endet mit Aufnahmen vom Karaj Damm, bei dem Lamorisse beim Absturz ums Leben gekommen war.
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Bogged Down
Straub Huillet.

Mit großer Verlässlichkeit macht mich Jean-Marie Straub mit seinen Dogmatismen wahnsinnig. Dabei sind ein paar der nettesten und klügsten Menschen der Welt beinharte Straub-Fans. Ich muss da ein Defizit haben, mich macht er wahnsinnig. Und ich schätze viele Straub-Huillet-Filme, aber ich finde auch immer noch, dass das oft ein außerordentlich unfreies Kino ist. Aber nein, das freiste Kino der Welt, sagen die Fans. Das Problem, beim folgenden Zitat etwa, ist nicht, dass das, was er sagt, falsch ist. Er stellt nur nicht in Rechnung, dass auch das Gegenteil davon stimmt.
Bei Andy Rectors "Kino Slang" ein kurzer Auszug aus einem Interview, das Jacques Aumont 1987 mit Danièle Huillet und Jean-Marie Straub geführt hat. Aus dem Auszug ein Auszug [via ifc daily]:
A musician condenses time with time. That’s the affinity between music and cinema. The work to be done is of not of getting bogged down in the space that we show; it’s terribly annoying to see tracking shots, never ending pans. When I hear talk about sequence shots (plan-sequence) I want to vomit; that consists of being bogged down, and besides people now don’t even know what it means concretely. One must know how to, with space, condense time, and how to condense space to get time; also, if the actors speak there can be a relationship to vocal music (or not, if we don’t want it). After all, when someone says hello, it can be notated, no?
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Graf Thome
Bücherherbst.
Schon mal notieren: Der Herbst bringt schöne Bücher von bzw. mit CARGO-Autoren:
Kriest, Ulrich (Hg.)
Formen der LiebeDie Filme von Rudolf Thome
200 S.
zahlr. Abb
ISBN: 978-3-89472-681-2
Schüren VerlagPreis: 24,90 €
Noch nicht lieferbar. Erscheint im Herbst 2009.
Und, leider noch ohne Cover:
Graf, Dominik
Schläft ein Lied in allen Dingen
Texte zum Film
Herausgegeben von Michael AlthenAlexander Verlag Berlin
Klappenbroschur, zahlr. s-w. Abbildungen
ISBN: 978-3-89581-210-1
ca. 24.90 €
Noch nicht lieferbar. Erscheint Oktober 2009.
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Filmreihe Adoor Gopalakrishnan
In München.
Bis Mitte Juni wäre ich gerne in München. Dort nämlich läuft eine Retrospektive des südindischen, aus Kerala kommenden, in der Sprache Malayalam drehenden Regisseurs Adoor Gopalakrishnan. Unter den bedeutenden und im Westen einem breiten Publikum weitestgehend unbekannten Heroen des indischen Autorenfilms (Mani Kaul, Mrinal Sen wären auf jeden Fall noch zu nennen) ist er möglicherweise der interessanteste. Der einzige seiner Filme, den ich kenne, Rat Trap (Elippathayam, von 1981), ist unzweifelhaft ein Meisterwerk. Ich tue was Unfeines und zitiere mich kurz selber (von hier):
Adoor Gopalakrishnan, 1941 geboren, gilt vielen als der bedeutendste heute arbeitende indische Regisseur, als würdiger Nachfolger des Bengalen Satyajit Ray. Dabei kam der im indischen Südstaat Kerala arbeitende, in der dort gesprochenen Sprache Malayalam drehende Gopalakrishnan eigentlich vom Theater und gelangte durch Zufall eher zum Film. Man sieht diese Herkunft seinem scharfen Blick für die Stellung der Figuren im Raum deutlich an. Jede Einstellung ist durchkomponiert, und doch wird das nie statisch. Er bewegt die Kamera stets mit Bedacht, aber gar nicht bedächtig. Sie und die gelegentlich brutal sprunghafte Montage sind für ihn Instrumente, mit denen er die Beziehungen zwischen Personen, aber auch die Verhältnisse von Menschen und Dingen mit größter Genauigkeit analysiert.
Klar und trocken sind die Metaphern und die Symbole, die hier gar nichts verrätseln. Bedeutung erlangt jede Bewegung, jedes Bild vielmehr durch genaue Verortung: im Gesellschaftspolitischen, im Sozialen, im vom Film entworfenen Raum-und-Zeit-Bild.
Bei YouTube gibt es komplette Filme von ihm zu sehen, ohne Untertitel und sicherlich illegal. Ich kann allen derzeit nicht in München Befindlichen nur empfehlen, sich den meines Wissens einzig im Westen verfügbaren Film - eben: Rat Trap - auf der DVD des Labels Second Run zu besorgen. (Hier zum Beispiel.)
Das Programm der Filmreihe, vom Blog Indien im Kino übernommen:
14.05.09, 19.00 Uhr , Naalu Pennungal - Vier Frauen (2007)
15.05.09, 18.00 Uhr , Swayamvaram - Eine eigene Entscheidung (1972)
16.05.09, 18.00 Uhr , Kodiyettam - Aufstieg (1977)
19.05.09, 21.00 Uhr , Elippathayam - Die Rattenfalle (1981)
26.05.09, 21.00 Uhr , Mukhamukham - Von Angesicht zu Angesicht (1984)
02.06.09, 21.00 Uhr , Anantaram - Der Monolog (1987)
03.06.09, 21.00 Uhr , Mathilukal - Die Mauern (1990)
09.06.09, 21.00 Uhr , Kathapurushan - Der Protagonist (1995)
16.06.09, 21.00 Uhr , Nizhalkkuthu - Der Henker (2002)
(alle Filme im Originalton Malayalam, mit englischen Untertiteln,
Ort: Filmmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München)Eine Übersicht mit Kommentaren bietet das Filmmuseum, so weit ich sehe, nur im lästigen pdf-Format. Und zwar hier.
Einen für alle nicht Malayalam Sprechenden leider auch nur visuellen Eindruck des Regisseurs kann man sich hier verschaffen:
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Unspoken: Béla Tarr
Unspoken #1
Ein neues Online-Magazin, Titel: Unspoken. Untertitel: A Journal for Contemplative Cinema. Das gleichnamige Blog gibt es schon länger. Erste Ausgabe ist gewidmet: Dem ungarischen Filmemacher Béla Tarr. HerausgeberInnen: Yvette Biró, Harry Tuttle und Edwin Mak. Das ganze ist philosophisch orientiert, für meinen Geschmack sicherlich ein wenig zu Tarr-gläubig (ich bewundere Sátántángo, aber The Man From London war eine Tortur), und Edwin Maks begeisterte Besprechung von Mitherausgeberin Birós Buch "Turbulence and Flow" nimmt sich ein wenig seltsam aus. Ansehenswert auf jeden Fall: Tuttles Fotomontage zu Gesichtern und Händen inTarrs Film Family Nest.
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Museum und Film
Jacobs fürs MoMa.
Das scheint ein richtiger Trend zu sein: Museen, die Filmemachern Aufträge gegeben. Gescheitert ist das vor kurzem noch, als das Musée d'Orsay erst Projekte von Olivier Assayas (wurde dann Heure d'été daraus), Hou Hsiao-hsien (wurde Le voyage du ballon rouge, siehe Lukas Foersters Text in Cargo #1) und Hong Sang-soo (Night and Day) fördern wollte, dann aber nicht durfte. Tsai Ming-Liang schickt in seinem Cannes-Wettbewerbsfilm Face sein Alter Ege Lee Kang-sheng als Regisseur in den Louvre (der hat auch mitproduziert) - dort dreht er dann mit Nathalie Baye, Fanny Ardant, Mathieu Amalric, Laetitia Caste und last not least Jeanne Moreau einen Film über den Salome-Mythos. (Oder so.) Langer Vorrede kurzer Film: Azazel Jacobs (Sohn von Ken) - dessen Mommas Man (Trailer) aus dem vorletzten Jahr viele mochten - eröffnet eine Reihe von Werbevignetten für das New Yorker MoMa:
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Rivette Daney Interview
Swoon.
Serge Daney interviewt, wir schreiben das Jahr 1990, Jacques Rivette, über seine Anfänge, die Cahiers, seine Mitstreiter und dies, das, anderes auch. Gefilmt von Claire Denis - vermutlich ist das Material in Teilen in Denis' Rivette-Porträt Jacques Rivette - Le veilleur eingegangen, ich habe das noch nicht gesehen. In jedem Fall großartig. [via Ryland Walker Knight]
Nebenbei: Rivettes neuer Film 36 vues du Pic Saint-Loup müsste eigentlich fertig sein, war im Grunde schon für Cannes zu erwarten. Da aber keine Spur, hoffen wir auf Venedig, das müsste gerade so klappen, vor dem offiziellen Kinostart am 9. September in Frankreich.
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Machete
Der Film zum Trailer.
Texas-News 1: Richard Linklater, dessen neuer Film Me und Orson Welles länger schon fertig ist, aber derzeit ohne US-Start scheint, bekommt eine Auszeichnung, die den Titel Honorary Maverick Award trägt. In seiner Reaktion habe ich endlich gelernt, woher das Wort Maverick stammt:
"Although the term 'maverick' was greatly devalued in last year's election cycle, I'll humbly take on this honor and as a Texas filmmaker help reclaim the term in the tradition of the famous Texas cattleman Samuel Maverick who refused to brand his cattle. I would like to think it was for humane reasons, but the legend goes that he was just too lazy and uninterested in ranching to care. I think there may be an indie filmmaking analogy in there somewhere."
Texas-News 2: Offenbar hat der Staat Texas gerade ein neues Filmfördergesetz verabschiedet. Zu den Profiteuren gehört, versteht sich, Robert Rodriguez, der, Industrie-Maverick, der er ist, ein eigenes Studio vor den Toren von Austin aufgebaut hat. Eines der Projekte, die er nun ins Auge fasst: die Spielfilm-Version des Trailers (könnte auch eine Premiere sein?) zum nicht-existenten Film Machete. Angesichts des Fake-Trailers, der für Rodriguez'/Tarantinos Death Proof entstand, hat sich ja manch einer gewünscht, es gäbe den Film. Be careful what you wish for.
Texas-News 3: Endlich mal Gossip bei Cargo. Andrew Bujalski, dessen Film Beeswax wir bei der Berlinale sehr mochten, der sich beim Cargo-Video-Interview als ausgesprochen sympathischer Mensch erwies, hat geheiratet. Und zwar die Journalistin (Texas Monthly - hier ein einschlägiger Artikel: Human Mate Selection is a Many-Splendored Thing) und Romanautorin (Waterloo) Karen Olsson.
Alles aus dem Austin Chronicle.
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Passive-Aggressive
Interessantes Arschloch.
Fast ein bisschen seltsam, dass ich bisher nicht auf den Filmemacher Alejandro Adams gestoßen bin. Er scheint ein recht außergewöhnliches Talent zur Eigen-PR zu besitzen und hat es jedenfalls geschafft, die US-Film-Blogosphäre mit seinen ersten beiden Filmen Around the Bay und Canary auf sich aufmerksam zu machen. Er hat ein eigenes Blog, in dem er über Peeping Tom und Mumblecore und gerade über das Verhältnis von Filmemachern und Kritik schreibt. Und anderes, natürlich. Ich zitiere aber nicht daraus, sondern aus einem der Kommentare dazu (dem ersten), von Filmbrain - da geht es nämlich um die Berliner Schule:
For the past few months I've been trying to write a piece about the new Berlin school of filmmakers, and I've had the opportunity to chat with a handful of people within the non-movement (as they refer to it.) What became immediately clear is that they are incredibly critical of each other's work, mostly to prevent complacency and to create an environment that strives for the creation of more challenging work -- challenging for the audience as well as themselves. I'm not seeing that in many of the efforts from the American equivalent. The passive-aggressive nature of the characters in front of the camera seems to extend to behind it as well.
Unter den Links links auf der Blog-Seite findet sich auch der zu einem Interview mit Karina Longworth, das wirklich erstaunlich ist. Was für ein interessantes Arschloch, habe ich nach der Lektüre gedacht und sehr große Lust bekommen, Adams' Filme zu sehen. Hier ein kurzer Auszug. Es geht darin, Achtung!, auch um Stellet Licht und darum, was daran hoch problematisch ist:
I realize my way of thinking about films is inverted from almost everyone else’s. I make films because I hate films. And I feel safe telling you that because you hate films too. You’re a critic, not a cineaste (or, more colloquially, a “cinephile”). And I’m a filmmaker, not a cineaste. Mencken maintained that the critical impulse and the artistic impulse are the same. A buff’s review will never look like a critic’s review because a buff doesn’t care if cinema gets any better–the critic is the family doctor, the buff is the drinking buddy. I’m fortunate to know some real critics, as vicious as they are perspicacious. It’s probably a foregone conclusion that they’re my core fanbase. One glance at my films and they can see I hate films as much as they do.
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Ideal Apple Situation
Mani Kaul über Zeit und Raum.
Über nichts Geringeres als Zeit und Raum im Kino denkt, auf hohem Niveau, der bedeutende indische Filmemacher Mani Kaul nach in einem Text aus dem Jahr 2008, den das ambitionierte und hoch spannende indische Netz-Projekt Indian Auteur zweitveröffentlicht. Kurzer Auszug:
Again we have a paradox: it is only when the object and the camera are immobile (without motion) that we make an entire contact with duration. An immobile apple on an immobile table. , filmed by an immobile camera offers an ideal situation for an experience of a passing of duration.
The material reality of life and cinema, is however, more complex than the ideal apple situation is able to illuminate.
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Update Weerasethakul
Back Home.
Nach den Auftritten bei den großen Retros in Wien, Berlin und München ist Apichatpong Weerasethakul jetzt wieder in Thailand. Im Thai-Film-Blog Wise Kwai ein Bericht über seinen Auftritt bei der ersten vollständigen thailändischen Vorführung der Menschenrechts-Filme, die ich kürzlich erwähnte - darunter Weerasethakuls Mobile Men, über den bei Wise Kwai dies zu erfahren ist:
"It was intended for Dignity and Justice," said Apichatpong, who also goes by the nickname Joe. But Mobile Men was seemingly arbitrarily shuffled under the theme of Culture, even if it fits there too.
Apichatpong said he intended to show the beauty, dignity and confidence of the tattooed Burmese man -- who as a migrant worker in Thailand is at risk of being repressed. Among the issues that Apichatpong said inspired him was a government order that migrant workers from Thailand's neighboring countries are under a curfew, limited from holding gatherings and barred from owning mobile phones.
The notion of making the film in a truck came from Apichatpong's belief that a car is like a moving, autonomous island with no boundaries.Und zu neuen Projekten - nach dem geplanten Primitive-Film, über den Weerasethekul auch in unserem Video-Interview spricht - gibt es diese spannenden Informationen:
Fans of Japanese cinema will be interested to know that Apichatpong's next project will be a portrait of writer and Japanologist Donald Richie.
...
It's with the talented actress and cinephile [Tilda]Swinton that Apichatpong is collaborating on yet another project. "We're e-mailing each other," he said, nothing that whatever becomes of the collaboration is going to be beautiful and weird.Außerdem hat Weerasethekuls Film aus dem Primitive-Projekt Letters to Uncle Bonmee den Preis der Kurzfilmtage in Oberhausen gewonnen. (Aus Oberhausen berichtet Bert Rebhandl, by the way, heute im Standard.)
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Stories on Human Rights
Kurzfilme von Weerasethakul u.a.
Eigentlich geht das nie gut: Omnibusfilme. Und dann noch mit Botschaft. Menschenrechte. Was soll man dazu schon sagen oder zeigen. Im letzten Jahr hat das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte zum 60. Jahrestag der Menschenrechtserklärung einen Omnibusfilm produziert, mit EU-Mitteln, französischen und brasilianischen Geldern. Heraus kamen 22 Filme à ca. 3 min. Seit Anfang Januar werden sie, einer nach dem anderen, offiziell bei YouTube reingestellt, inzwischen sind 16 davon in guter Qualität dort zu betrachten. Ich habe erst rund die Hälfte davon gesehen - Tipps zu in diesem Eintrag nicht erwähnten Hightlights jederzeit willkommen.
Zwar ist manches nicht so toll (der Lassofilm von Teresa Serrano, naja), insgesamt aber würde ich sagen: Erstaunlich. Kann man mal sehen, dass großartige Filmemacher auch bei der Überbringung von Botschaften sehr Interessantes zustandebringen. In der Mehrzahl der gelungenen Filme nicht durch Verkünstelung, sondern durch Einfachheit.
Sehr beeindruckend finde ich etwa Abderrahmane Sissakos Beitrag zum Thema "Würde":
Gelungen auch Jia Zhang Kes Black Breakfast, ein eigentümlich surreales Stück über Umweltverschmutzung:
Sehr überzeugende Bildfindungen im Kindersoldaten-Beitrag Dangerous Games von Marina Abramovic, der Performance-Künstlerin, um deren zweiten Kurzfilm es sich dabei handelt:
Und dann ist da noch Apichatpong Weerasethakuls sehr schöner Mobile Men:
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Dark Night of the Soul
Lynch mal wieder.
Das folgende ist, wenn ich recht verstehe, der 16sekündige Trailer für einen Musikvideoclip, den David Lynch für das Danger Mouse & Sparklehorse-Kollaborationsalbum "Dark Night of the Soul" dreht. Oder vielleicht dreht er gar kein Video, sondern ist nur für das Album-Artwork zuständig? Genau verstehe ich es nicht, der Hinweis kommt von Playlist, wo es auf jeden Fall auch noch die Fotografie eines Posters zum Album gibt:
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Nolot etc. (Indielisboa 2)
Begegnung mit Jacques Nolot.
Wegen Festivalbetrieb (Indielisboa) wenig Blogbetrieb. Filme gesehen. JCVD - tatsächlich ist der Monolog von van Damme, über den alle schreiben, ganz und gar groß. Außerdem gestern bei Terence Davies und seiner Liverpool-Elegie Of Time and the City zwischen Begeisterung und mittlerer Genervtheit geschwankt, aber immer solidarisch geblieben. Heute aber das erste Mal aus einem Film rausgegangen, Critico, einer Doku, die wahllos talking heads zum Thema Regisseure und Filmkritiker befragt. In den fünfundvierzig Minuten, die ich aushielt, so gut wie kein origineller Gedanke, weder von Michel Ciment noch von Richard Linklater, weder von Carlos Saura noch von ungezählten Schar mir unbekannter brasilianischer Stimmen. Elia Suleiman nehme ich aus, der ist auch da geistreich.
Der Höhepunkt des gestrigen Tags allerdings war ein Interview mit dem hier als "Independent Hero" gefeierten Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur Jacques Nolot. Ungewöhnliche Karriere: Frühe Jahre als Gigolo, Lover von Roland Barthes, Freundschaft mit André Techiné, Arbeit mit Claire Denis, mit Paul Vecchiali, von dem ich rasend gern einmal ein paar Filme sähe. Über Nolots Filme demnächst etwas mehr, hier nur ein paar Worte zu seiner Interview-Performance. Nolot, Mitte sechzig, erlesen gekleidet, immer Zigarette in der Hand, gibt die ganz coole Sau, die er, muss man zugeben, auch ist. Referenzen, Theorien, Vorbilder interessieren nicht. Er liest nicht, er hat das Gesamtwerk von Roland Barthes, wegen früher, aber reinschauen tut er nicht. Zu seinem Schreiben, seiner Arbeit als Regisseur sagt er wenig. Er kokettiert - jetzt sind Sie sicher enttäuscht -, wirft dann doch wieder eine spannende Information hin, zündet sich eine Zigarette an, weicht aus, wird etwas interessierter, als wir über eine einzelne Szene sprechen. Echte Erschöpfung nach so einem Interview, noch dazu mit Übersetzung über Bande geführt. Aber: Kokett, cool, faszinierend, toller Regisseur, egal, ob er wissen will oder nicht, was er tut.
Hier der Trailer von Indielisboa zur Nolot-Retro:
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Orson Welles: On the Air
Orson Welles: On the Air ist haargenau das, was der Name verspricht. Hier werden nach und nach sämtliche Radio-Auftritte von Welles als Podcast zur Verfügung gestellt. Gerade aktuell: Folge 73, The Pickwick Papers. [via Spectacular Attractions]
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Chris Marker News
Begegnung mit Markers Avatar.
Eines von Chris Markers Hauptwerken, Le fond de l'air est rouge, auf Englisch: Grin Without a Cat, ist jetzt, vorläufig exklusiv, im Wexner Store auf DVD zu haben, für knapp 30 Dollar. Im dazugehörigen Blog findet sich ein zum Film gehöriges Zitat von Chris Marker über das Schicksal der 68er-Linken, aus dem Mai 2008.In May, anyway, the final whistle came quickly: with the first casualty…. Left to their own devices amidst a reassured country, they became weakly and purposeless. Historical anarchy had died – heroically – in Spain. To refer to it now made no more sense than being a royalist, unless it became an ideological business, quite profitable at that. The Communist Party had missed every helping hand offered by History and started the long spin of a motorless airplane. French Maoism would remain a landmark in the history of teratology. The foolishness of morons is a plague, but statistically speaking we have to put up with it. What is fascinating is the foolishness of clever people and, in this particular case, some of the cleverest.
Ich persönlich würde ja meine linke, meine rechte, na, doch meine linke Hand dafür geben, Chris Marker für CARGO interviewen zu können. Leider gibt der Mann keine Interviews. Aber.
Aber es gibt eine Gelegenheit, seinen Avatar kennenzulernen. Und zwar am 16. Mai, ab 19 Uhr Ostküsten-Zeit USA (müsste dann, tja, ein Uhr nachts bei uns sein). Ort: Second Life. Dort wird Marker durch eine von ihm kuratierte/ihm gewidmete Ausstellung führen, über die Haden Guest, Leiter des Harvard Film Archive, das foglende schreibt [via hier]:
The Harvard Film Archive SECOND LIFE event with Chris Marker will take place on Saturday, May 16 at 7PM. Chris (through his avatar) will be leading a guided tour of his museum and answering questions from myself and a colleague (or rather our avatars) and also taking some from the audience (in the form of another avatar waiting at the conclusion of the tour). The show will also include various video pieces and film clips—single-channel versions of The Hollow Men, Silent Movie and Pictures at an Exhibition plus a number of clips and perhaps other slide shows, all projected in the actual HFA rather than the virtual screening room (although we might see something there).
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Hitchcocks Kino in Gefahr
Aus dem Independent:
As Herbert Henry Asquith strode into No 10 as Prime Minister in 1908 and the country prepared for the London Olympics, a young Alfred Hitchcock was being lured into the magical world of cinema by the silent films shown at his local cinema.
Hundreds of film-lovers and Hitchcock aficionados last night held a candlelit vigil in an attempt to save the EMD cinema, in north-east London, which inspired the boy who grew up to be one of Britain's greatest filmmakers. As they gathered, images of Hitchcock were projected on to the former cinema building. Actors Tony Robinson and Meera Syal have joined the high-profile campaign to stop the Grade II-listed building in Walthamstow being turned into a church.
Hinzuzufügen wäre kurz noch, dass der Sohn von Premierminister Herbert Henry Asquith den Namen Anthony trug und in den späten zwanziger Jahren als vielleicht größtes Genie des britischen Kinos - und damit als wichtigster Konkurrent des jungen Hitchcock - galt. Wer einmal Asquiths A Cottage on Dartmoor von 1929 gesehen hat, versteht sofort, warum. (Das kam dann etwas anders, alles in allem.)
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Hitchcock Fumetto
Fred.
Auf Shadowplay gibt es einen sehr interessanten Hitchcock-Remix, narrativer als die Müller-Girardet-Montagen - dafür in Stills. Ich poste als Spoiler schon mal das Ende.

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Komplette Herzogs bei YouTube
Herzog For Free.
Nochmal YouTube. Auf dem Kanal von StarzMedia gibt es derzeit Filme von Werner Herzog zu sehen. Und zwar Mein LIEBSTER Feind, Fitzcarraldo, Lessons of Darkness, Little Dieter Needs To Fly. Und zwar komplett. Und ohne Geoblocking. Der Kanal ist hier. Und der Kaspar-Hauser-Film. Den bette ich ein und bitte darum, nicht nur auf Herbert Achternbusch, sondern auch auf den grandiosen Kidlat Tahimik zu achten, dessen umwerfenden Film The Perfumed Nightmare ich vorgestern in der Revolutionen aus dem Off-Reihe das große Vergnügen hatte. [Via Filmstudies For Free, wo es noch viele weitere Links gibt. Auch zu angeblich weiteren verfügbaren Herzog-Filmen - diese Links führen im Moment aber nur zu Trailern.]
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Besuch bei Harlan
«Lieber Herr Harlan», hatte Gottfried Benn dem jungen Thomas Harlan auf seine Gedichte geantwortet, «Sie sind so begabt, dass man nicht recht weiss, was man Ihnen zu Ihren Strophen eigentlich schreiben soll.»
Sieglinde Geisel besucht für die NZZ Thomas Harlan in Berchtesgaden.
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Immanenzfilme
Pedro Costa. Gott.
Ryland Walker Knight zitiert in seinem Blog "Vinyl is Heavy" dies von Pedro Costa:
To digress briefly, because this is a very nice little story: there was an old professor of film giving a course on direction, and he showed Dreyer's film The Word (1954) to his students. At one moment, a few of the students laughed during the film, and after the end of the film, the professor said to them: ‘Look, if you start laughing when you hear the word 'God,' you're never going to make a film.’
I tell this story because filmmaking is a very real and serious profession. Serious means heavy, and sometimes the weight of things can be very heavy. The weight of feelings is something to handle with balance and common sense, and so we must never laugh when somebody speaks about God or the Devil. In effect, when we speak of God or the Devil in cinema, we're speaking about good and evil, we're talking about people. We're speaking about ourselves, about the Devil and the God in us, because there's no God up on high, and no Devil below.
It's correct because all the things in front of you, all the themes that you can try to film in your lives as directors, these are always very serious things, even the comedies or the gags that Chaplin filmed. These are always very serious things which, at bottom, are related to good and evil.
— Pedro CostaDazu passt dieser Costa-Hinweis: Auf YouTube findet sich Costas Kurzfilm Tarrafal. Entstanden ist er für ein von der Gulbenkian-Stiftung in Auftrag gegebenes Omnibus-Projekt mit dem nicht gerade bescheidenen Anspruch und Titel El Estado do Mundo, zu dessen sonst, so weit ich sehe, nicht online auffindbaren Bestandteilen auch Apichatpong Weerasethakuls Kurzfilm Luminous People gehört:
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Drunk History
LOL LALL.
Beim Artforum gibt es eine Top-Ten-Liste von Michael Almereyda (Nadja, Hamlet, World of William Eggleston), Bücher, Filme etc. So halb interessant. Bis auf Platz 3: JEREMY KONNER, DRUNK HISTORY VOL. 1. Der Klick zu YouTube macht mir schnell klar, dass das ein nicht gerade unbekanntes Werk ist (mehr als 2 Mio Besucher), ich kannte es nicht. Das Prinzip: Jemand betrinkt sich und erzählt im betrunkenen Zustand historische Ereignisse nach. Dazu dreht Jeremy Konner die entsprechenden Szenen nach. Hier mit Michael Cera. In weiteren Folgen (einfach bei YouTube in der Playlist nachsehen) treten in den Filmen dann u.a. Jack Black und Danny McBride auf. Der erste ist aber der lustigste, wegen der Performance, die der Erzähler Marc Gagliardi mit einer Flasche Scotch intus hinlegt.
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Durch die Nacht mit Claire Denis (und Jeff Mills)
Ein TV-Tipp.
In der fast immer hoch interessanten Arte-Reihe "Durch die Nacht mit..." begegnen einander heute Claire Denis (Regisseurin des CARGO-Titel-Films 35 Rum) und Techno-Gott Jeff Mills.Die Sendung läuft, zum Titel und Inhalt passend, aber trotzdem ärgerlich, selbst spät in der Nacht, nämlich von 0.15 bis 1.10 Uhr. Erfreulich jedoch: Danach steht sie für sieben Tage in der Arte-Mediathek, bereit zum Stream. [Dank für den Hinweis an David Hudson]
Update: Die [Doch-Nicht]-Fehlinformation zur Zusammenarbeit bei Vendredi Soir habe ich gestrichen. Siehe Kommentare.

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Bordwell über Fei Mu
Wiederentdeckt: Fei Mu.
Der Filmwissenschaftler David Bordwell ist in Hongkong und hatte dort die Gelegenheit, einige Filme des Regisseur Fu Mei zu sehen. Über dessen Film Springtime in a Small Town schreibt er:Fei Mu is a little-known name in the West, but on the evidence of even a few films, it’s clear that this mainland Chinese filmmaker was one of the finest working anywhere during the 1930s and 1940s. His best-known film, Spring in a Small Town (1948), was considered in the Maoist era an overliterary piece of sympathy for the bourgeoisie. Now things have changed. Many specialists today consider Spring in a Small Town the best Chinese film of all time. It’s an extraordinary work, anticipating Antonioni in its slow unfolding of an erotic situation, treated with a mixture of sympathy and austerity.
Zwei weit weniger bekannte Filme Fu Meis hat Bordwell gesehen, den Theaterfilm Onstage, Backstage (1936) und das vor wenigen Jahren wiederentdeckte und nun frisch restaurierte Biopic Confucius aus dem Jahr 1940.
Erfreulicherweise ist Fei Mus Meisterwerk Springtime in a Small Town - ebenso wie übrigens das Remake von Tian ZhuangZhuang aus dem Jahr 2002 - komplett auf YouTube zu sehen. (Die Untertitel kann man rechts über das ausklappbare Menu zuschalten.) Hier das Original:
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John Waters: Rear Projection
Wer gerade nicht die Gelegenheit hat, in New York bei der Marianne Boesky-Gallery vorbeizuschauen, kann sich auf deren Website einen ganz guten Eindruck von John Waters' Ausstellung Rear Projection verschaffen. [via ifc daily]
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Bêtement Ignorante
Einspruch gegen Zugangs-Abschneiderei.
Einen in Libération veröffentlichten scharfen Einspruch gegen das nunmehr verabschiedete französische Gesetz "Creation et Internet", das vorsieht, illegale Downloads durch das Sperren des Internet-Zugangs für all jene, die dreimal erwischt werden, zu sperren, haben Chantal Akerman, Christophe Honoré, Jean-Pierre Limosin, Zina Modiano, Gaël Morel, Victoria Abril, Catherine Deneuve, Louis Garrel, Yann Gonzalez, Clotilde Hesme, Chiara Mastroianni, Agathe Berman und Paulo Branco unterschrieben. Ich habe einen zentralen Ausschnitt mal ganz hastig übersetzt, Korrekturen willkommen:
Dieses Gesetz ist demagogisch, technisch nicht durchführbar, töricht ahnungslos, was neue Downloadverfahren angeht. Es setzt ausschließlich auf Repression und ist deshalb auch eine verpasste Gelegenheit. Weil es sich kein bisschen für neue Distributionsmöglichkeiten der Rechteinhaber interessiert, wendet sich das Gesetz 'Création et Internet' weder an den Film in seiner Vielfalt noch an die Zuschauer. Es ist nichts weiter als ein letzter und vergeblicher Versuch, die Piraterie durch Sanktionen zu beseitigen - ohne, dass man sich dafür interessierte, neue legale, günstige und offene Downloadmöglichkeiten zu schaffen. Es ist keine Antwort auf auch nur eine der Herausforderungen der neuen Technologien, obwohl eine kreative und starke Reaktion der Kinoindustrie und der zuständigen Behörden dringend geboten wäre.
[Démagogique, techniquement inapplicable, bêtement ignorante des nouveaux procédés de téléchargement et purement répressive, cette loi est aussi un rendez-vous manqué. Ne prévoyant aucune forme de rétribution nouvelle pour les ayants droit, la loi Création et Internet ne s’adresse ni au cinéma dans sa diversité, ni aux spectateurs. Ne constituant qu’une ultime et vaine tentative d’éradiquer le piratage par la sanction, sans se soucier de créer une offre de téléchargement légale, abordable et ouverte sur Internet, elle ne répond à aucun des défis aujourd’hui posés par les nouvelles technologies, alors même qu’une réaction créative et forte de l’industrie cinématographique et des autorités de tutelle dans leur ensemble s’imposait.]
[via perlentaucher ententeich]
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Winterkirschen
FAS-Interview mit Helmut Berger.
Ich hab’ nie Konkurrenz gehabt. Seit wann hab’ ich Konkurrenz? Der Delon ist doch gar kein Schauspieler, sondern ein Strichbursche, das arme Arschloch. Es gibt Leute, die ihre Karriere durchbumsen. Das habe ich nicht gemacht.
Helmut Berger gibt André Müller ein Interview, die FAS druckt es. Das Ergebnis ist wahrscheinlich so ungefähr erwartbar, aber nichtsdestotrotz ziemlich komisch. (Und Winterkirschen, sieh an, sieh an.)
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Fielding Offers
Francis Ford Coppola im Schaukelstuhl.
Francis Ford Coppola hat Ende März in Argentinien mit den Dreharbeiten zu seinem neuen Film Tetro begonnen (mit Vincent Gallo, Javier Bardem, Alden Ehrenreich). Die Stimmung ist gut, alle sind relaxt. Woher ich das weiß? Daher:
[via Movie City Indie]
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Die Einsamkeit der Zugführer
Auteurs-Interview mit Claire Denis.
A long time ago there was a retrospective of Ozu in Paris in the summer. And I took my mother with me one night to see Late Spring. And I remember my mother was terribly moved. And she started tellng me all these things about her father. It was not a secret at all, the role of her father, and I knew my grandfather well enough. And my mother is not a film critic and she had never seen an Ozu movie, and to see her so deeply touched by a film with subtitles made me think more of this belief in narration and ellipses, than in things like, for instance, the low angle, which is beautiful but my purpose is different. it was really to trust something that I felt. He had this trust and I think he's one of the only ones.
Claire Denis im Auteurs-Interview mit Kevin Lee - nicht ausschließlich - über 35 Rhums.
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Die Funny
Is it true that comedy is harder than drama?
Well, there’s the great story of Edmund Gwenn on his deathbed. He was dying and someone said, “Oh, this is very difficult, isn’t it Teddy?” And he said, “Not as difficult as comedy.” I wouldn’t say that. He had a right to say that — he was a superb actor — but it depends on the writing, on a combination of circumstances. Sometimes comedy seems easier than drama. Drama can become incredibly laborious.
Der Schauspieler Norman Lloyd, der mit Hitchock, mit Welles, mit Chaplin gearbeitet hat, plaudert im Stop-Smiling-Interview aus dem Nähkästchen.
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Filmemacher: Beliebtheit
Pacze Moj versucht - ohne jeden wissenschaftlichen Anspruch -, die auseinanderklaffende Beliebtheit von Filmemachern im populären (vulgo: Blogs) und im wissenschaftlichen (Google Scholar) Diskurs statistisch zu ergründen. Fraglos, wie Moj selbst erläutert, von eher beschränkter Aussagekraft, aber dennoch nicht uninteressant.
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Dearest Maestro
Filmmusikgeschichte wird versteigert.
Für alle, die es nicht gleich auf den ersten Blick erkennen: Dies ist eines der berühmtesten Stücke Filmmusikgeschichte, nämlich ein Auszug aus der Mordszenenstreicherbegleitung in Alfred Hitchcocks Psycho. Originalmanuskripte nebst verschiedenen Briefen an Bernard Hermann (u.a. von Orson Welles) stehen nun, zum Verkauf gegeben von Bernard Hermanns Witwe, in London zur Versteigerung. Deadline: 24. März. Geschätzter Wert: 30-40000 Pfund. Interessant ist der Besuch der Website auch wegen der vielen historischen und film- sowie musikkundliche Informtionen, die diese bietet. [via Alex Ross: The Rest is Noise]
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Knepperges auf allen Kanälen

Wer hier liegt wie ein von Zwergen gefesselter Riese, ist Rainer Knepperges. Ihm ist, was natürlich ein Glück ist, grade gar nicht zu entgehen.
Knepperges, erstens: 3sat, Dienstag, 17.3., 22.55 Uhr. Der Film Die Quereinsteigerinnen, über den es summa summarum viel Gutes zu sagen gibt. (Nach der Fernseherstaustrahlung bleibt der Film sieben Tage lange im Mediathek-Programm auf der Website verfügbar.)
Knepperges, zweitens: Bei den Nachbarn von der newfilmkritik mit Filmhinweisen, Filmreminiszenzen.
Knepperges, drittens: Eine Hommage an Rainer Knepperges - Viva Knepperges! - bei The Wayward Cloud. Alles Zitat.
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Der Kubrick-Film, den es nie gab
Über The Aryan Papers.
Auch sehr sehenswert auf Animatprojects: Jane und Louise Wilsons Film Unfolding the Aryan Papers. Die Regisseurinnen habe im Kubrick-Archiv die vorhandenen Dokumente, Bilder, Rechercheergebnisse zum Film The Aryan Papers gesichtet, den Stanley Kubrick in den frühen 80ern zu drehen plante. Im Zentrum der Dokumentation steht die Schauspielerin Johanna ter Steege, die die Hauptrolle spielen sollte. Es gibt Fotos von Probeaufnahmen, zu denen ter Steege von ihren Begegnungen mit dem Regisseur berichtet. Dazwischen aktuelle Bewegtbildaufnahmen der Schauspielerin heute.

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Darfur Starbucks Boll
Lifetime Achievement Award für Uwe Boll.
Uwe Boll hat, verdient oder nicht, den Lifetime Achievement Award bei den Razzies gewonnen. Dass da irgendwas nicht stimmt, merkt man ja daran, dass dieser Baader-Meinhof-Film unverständlicherweise nicht um die Goldene Himbeere, sondern bei der Razzie-Gegenveranstaltung um die Oscars konkurrierte - wenn auch, anders als Boll, nicht gewann. Boll also, der Großmeister der prominent besetzten Videospiel-Verfilmung, bringt Ehre nach Deutschland und wie es sich für einen gehört, der schon mal einen Kritiker im Boxring k.o. schlug, giftet er aufs Erfreulichste zurück. Wobei Deutschland ein dehnbarer Begriff ist: Man beachte den gewohnt subtilen Witz bei der Wahl des Drehorts seiner Danksagungsrede [via Fünf Filmfreunde]:
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Hinweis Harlan-Dossier
Für die Feed-Leser auch an dieser Stelle der Hinweis auf unser Netz-Dossier zu dem Filmemacher und Schriftsteller Thomas Harlan, der heute seinen 80. Geburtstag feiert.
(Mit Texten zu den Filmen Wundkanal/Notre Nazi, Torre Bela, Souvenance und den Romanen Heldenfriedhof und Rosa.)
Und noch ein Hinweis: Im aktuellen Freitag schreibt Matthias Dell über Haralan: Das Echo der Wut
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Michael Snow bei der Berlinale
Bilder unserer Fotografin Kristin Hoell von Michael Snow, der einen von "Tre Puccini" im Forum Expanded präsentierte.
Bilder unserer Fotografin Kristin Hoell von Michael Snow, der einen von "Tre Puccini" im Forum Expanded präsentierte.




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Michael Cimino 70
Zu Ehren von Michael Cimino, der heute seinen 70. Geburtstag feiert und hier eines seiner berüchtigt großmäuligen Interviews gibt, spielen wir jetzt ein bisschen Russisches Roulette.
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Kidlat Tahimik
Im November fand in Manila die 2008 Southeast Asian Cinemas Conference statt. Mitorganisiert von Tilman Baumgärtel, der unter anderem als Autor eines Buchs über Harun Farocki und Verfasser der "Mail aus Manila"-Kolumne der taz bekannt ist und seit einigen Jahren an der Universität von Manila lehrt. "States of Independence" lautete der Titel der Gesamtkonferenz und natürlich durfte ein Panel mit Lav Diaz - hier noch einmal der Link zu unserem Video-Interview - nicht fehlen. Im (eher spärlich versammelten) Publikum saß dabei der philippinische Filmemacher Kidlat Tahimik, der als Darsteller in Werner Herzogs Jeder für sich und Gott gegen alle im übrigen auch einen Deutschland-Bezug hat. Ich weiß das nur und kann es berichten, weil Tahimik bei dem Panel aufgestanden ist und ans Mikro trat und der youtube-Nutzer pinoyfilmdotcom sein Handy dabei hatte und diese sehr schöne Szene aufnahm und hinterher ins Netz stellt. Die entsprechende Ton- und Bildqualität bitten wir zu entschuldigen:
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Die wilde Punk-Dichterin
Erste Ausschnitte aus Rudolf Thomes "Pink".
Der deutsche Filmemacher Rudolf Thome ("Detektive", "Die Sonnengöttin", "Das Sichtbare und das Unsichtbare" - um jetzt mal ein ganz willkürliche Auswahl aus seinem umfangreichen Oeuvre zu treffen) hat einen neuen Film gedreht. Der Titel ist Pink. Wahnsinnig gefreut hätte Thome sich, hätte die Berlinale den Film in den Wettbewerb eingeladen, das war in seinem Online-Tagebuch, ach, sagen wir: Blog, bei Moana.de nachzulesen. Es hat nicht sollen sein. Immerhin aber läuft Pink jetzt in der in diesem Jahr als Neben-Hauptreihe oder Nebenreihen- oder Wettbewerbskonkurrenz figurierenden Berlinale Special-Reihe, in der auch der neue Chabrol, der neue de Oliveira und der neue Olmi zu sehen sein werden. Das ist ja mal schon eine Gesellschaft, in der Thome sich halbwegs wohl fühlen dürfte. Eigenhändig - das betont er -, also ohne Hilfe seiner Schnittmeisterin, hat er nun Ausschnitte aus Pink zusammen- und bei seinem eigenen Youtube-Kanal reingestellt. Thome wird dieses Jahr siebzig, aber an Technik-Aufgeschlossenheit ist ihm unter den nicht mehr ganz jungen Filmemachern wohl nur Chris Marker voraus. Hier sind die Ausschnitte und Thomes Überzeugung, dass das nun noch einmal ein ganz anderer Film sei, als das, was man zuletzt von ihm sah, teile ich, bis mich der Film dann vielleicht doch eines besseren belehrt, nicht:
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Hou Hsiao-hsien: Ultimate Box
Gerade ausgesprochen günstig bei HKflix: die Hou Hsiao-hsien Ultimate Collection. Darin: Acht Filme des Regisseurs, nämlich "The Boys From Fengkuei", "A Summer At Grandpa's", "The Time To Live And The Time To Die", "Dust In The Wind", "The Puppetmaster", "Good Men, Good Women", "Goodbye South, Goodbye", and "Flowers Of Shanghai". Auf vier DVDs, alle mit englischen Untertiteln. Kostenpunkt: umgerechnet 54 Euro inkl. Porto, Zoll kommt noch dazu. HKflix ist meiner Erfahrung nach ein verlässlicher Online-Shop.
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Jeunesse Doree
Ein kleiner Spaziergang durch ein Hipster-Netzwerk. In den Hautprollen: Jordan Galland, Sean Lennon, Asia Argento und Michele Civetta.
Der Titel ist auf jeden Fall clever: Rosencrantz and Guildenstern are Undead. Der Film, der jetzt beim Slamdance-Festival zu sehen war (noch keine Kritiken), ist das Langfilmdebüt von Jordan Galland. Zu ihm gleich mehr. Ganz schwer zu sagen, ob das Werk irgendwann in einer Videothek in Ihrer oder meiner Nähe auftaucht, ich bin auch nicht sicher, wie viel ich mir davon verspreche, aber sehen möchte ich es schon. Hier jedenfalls ein paar Informationen zum Film, zu den Machern und zu den Freunden der Macher und den Freunden der Freunde der Macher. Einigen der Protagonisten eilt der Ruf voraus, nichts als prätentiöse Hipster-Arschlöcher zu sein. Die Zusammenhänge sind in jedem Fall recht interessant, bleiben Sie dran.
Wie der Titel vermuten lässt, setzt der Film auf Tom Stoppards Theaterstück (von Stoppard selbst auch verfilmt) Rosencrantz and Guildenstern are dead noch einen drauf. Oder sogar zwei oder drei. (Stoppard übrigens hat offenbar seinen Segen zu der Sache gegeben.) Schauplatz der Handlung ist New York, das East Village genauer gesagt. Den Helden namens Julian Marsh spielt Jake Hoffman, der wiederum nicht nur der Sohn von Dustin ist, sondern auch keineswegs das einzige Kind berühmter Eltern, das im weiteren Fortgang dieses Postings auftaucht. Ebenfalls mit dabei: John Ventimiglia, der bei den Sopranos Artie Bucco und Jeremy Sisto, der in Six Feet Under Billy war.
Julian Marsh soll, so geht die Geschichte, ein Theaterstück inszenieren, das Titeltheaterstück des Films. Im Stück im Film ist Horatio ein Vampir, und Hamlet sowie seine Wittenberger "Freunde" Rosencrantz und Guildenstern sind es auch. Ophelia ertränkt sich, bevor Horatio kraftvoll zubeißen kann - und damit wäre das auch geklärt. Hamlet will sich erlösen, aber dazu muss er vom Gral trinken, der ist also gleichfalls im Spiel. Die Wikipedia-Seite erklärt die näheren Einzelheiten zum Meta-Theater-Aspekt:
The battle for the Grail between Hamlet and Horatio lasts for centuries and leads to the creation of four plays, each concealing a secret message. The first is Shakespeare's Hamlet, written at Horatio’s bidding. The second is Rosencrantz and Guildenstern, written in the Nineteenth Century by W.S. Gilbert (half of the duo of Gilbert and Sullivan). The third is Tom Stoppard's Rosencrantz and Guildenstern Are Dead, written in 1964. The final play in the cycle is this one, Rosencrantz and Guildenstern Are Undead, written by Horatio himself under the name Theo Horace. Its purpose: to lure the real Hamlet into a final confrontation.
Von dem tatsächlich existierenden Theaterstück ohne Sullivan-Musik von W.S. Gilbert habe ich bisher nichts gewusst; die Grundpointe scheint darin zu bestehen, dass Gertrud und Claudius sich ernste Sorgen machen um ihren (Stief)Sohn Hamlet, der nämlich eine gefährliche Tendenz zum ständigen Monologisieren hat. Zu heftigen Konflikten kommt es, als Hamlet, auf den Rat der zu seiner Zerstreuung an den dänischen Hof geholten Freunde Rosencrantz und Guildenstern, ein Theaterstück aufführt, das Claudius in seiner Jugend geschrieben und dessen Aufführung er streng verboten hat. Aber egal, darum geht es jetzt nicht, wer sich im Detail dafür interessiert, hat Glück: Das Stück ist komplett im Netz zu bekommen.
Bevor es mit Informationen zu Jordan Galland weitergeht, der entweder nur ein schlauer Hipster ist oder doch ein interessanter Mann, gibt es erstens den Link zu einem ganz aktuellen Interview des Filmmaker Magazine mit Galland, zweitens einen Link zu einem nicht ganz aktuellen Interview und den Trailer zu seinem Film Rosencrantz and Guildenstern are Undead:
Jordan Galland, das ist auf seiner Website nachzulesen, hat mit 13 Jahren sein erstes Theaterstück geschrieben. Er hat mit 18 Jahren eine Band gegründet, des Namens "Dopo Yume", und ist mit dieser Band ein bisschen halb berühmt geworden, immerhin durch die Welt getourt mit größeren Stars wie zum Beispiel Rufus Wainwright, der der Sohn berühmter (und jedenfalls musikalisch grandioser) Eltern ist, nämlich von Kate McGarrigle und Loudon Wainwright III (der dem Filmfreund aus diversen Judd-Apatow-Abenteuern bekannt ist und in der ziemlich tollen Apatow-College-Fernsehserie Undeclared sogar eine Hauptrolle spielt; aber darum soll es nicht gehen, wer sich für die Serie interessiert, kann diesen Ausschnitt genießen, in dem Loudon Wainwright in der Gegenwart von Adam Sandler, der Adam Sandler spielt, einen sehr peinlichen Gesangs-Auftritt hat:
Sorry, das war eine Abschweifung, die gar nicht intendiert war. Es kommt aber noch dicker. Einer der engsten Freunde von Jordan Galland ist Sean Lennon, der Sohn von Yoko Ono und John Lennon. Von Lennon stammt der Score zu Rosencrantz and Guildenstern are Undead, mit Sean Lennon gemeinsam hat Jordan Galland das Buch zu seinem ersten Kurzfilm Smile for the Camera (Informationen bei Wikipedia) geschrieben, in dem es um Seelendiebstahl durch Fotografie geht. Milla Jovovich hat einen Cameo-Auftritt, auch Sean Lennon, den man im übrigen im Clip zum Dopo Yume-Song Igloo an einem großen Lolli schlecken sieht:
Als Dritter im Bunde taucht immer wieder auf: Michele Civetta. Er hat Regie geführt bei obigem Music-Clip, aber auch, nur zum Beispiel, dieses Video zu Lou Reeds Song "Ecstasy" gedreht. Er ist jedoch auch, und wir beginnen uns langsam den Töchtern berühmter Väter zu nähern, der Regisseur einer ungewöhnlichen Folge von kurzen Video-Clips oder, man kann das offenbar unterschiedlich sehen, eines gut fünfzigminütigen Films, den Sean Lennon seinem zweiten Album, das den Titel "Friendly Fire" trägt, als Bonus beigelegt hat.
Dieses Album hat einen persönlichen Hintergrund, es dreht sich nämlich um die Trennung Sean Lennons von seiner Freundin Bijou Phillips. Diese ist nicht nur die Tochter von John Phillips - ja, genau, von The Mamas and the Papas - und das Patenkind von Andy Warhol, sondern auch eine Scientologin, eine Musikerin, ein Model und eine Schauspielerin (mit unter anderem einer Hauptrolle in Eli Roths sehr unangenehmem Osteuropa-Slasher Hostel, Part II). In Rosencrantz and Guildenstern are Undead hat sie einen Cameo-Auftritt. Sean Lennon, dessen Freundin sie war, hat sie mit dessen bestem Freund Max LeRoy betrogen und bevor es zur Versöhnung kommen konnte, starb dieser bei einem Motoradunfall. Diese Geschichte also wird aufgearbeitet auf dem Album - das Max LeRoy gewidmet ist und musikalisch sehr schönen und freundlichen und etwas arg harmlosen Gitarrenpop enthält - und auf der dazugehörigen DVD eben die Clips/den Film von Michele Civetta.
Das wäre nur halb so interessant, wäre nun Civetta nicht der nachmalige Ehemann von - ich kann auch nichts dafür - Asia Argento, deren berühmten Vater man ja gewiss nicht vorstellen muss. Und schon in den Videos zum Sean-Lennon-Album spielt neben Bijou Phillips (die sich selbst spielt) und Lindsay Lohan (weiß nicht, wo die jetzt herkommt) und Carrie Fisher (dito) und Jordan Galland eben auch Asia Argento mit. Das ganze ist sehr aufwendig gedreht, mit Kostümen etc., wovon man sich in diesem Clip ein erstes Bild machen kann:
Alle miteinander werden sie im nächsten Jahr beim bisher größten Projekt, an dem sie beteiligt sind, auftauchen. Nämlich der Verfilmung des Kultromans "Coin Locker Babies" von Ryu Murakami. Das Drehbuch dazu haben Sean Lennon und Jordan Galland schon vor einigen Jahren geschrieben, nun wird der Film - mit umgeschriebenem Drehbuch, koproduziert von Don Murphy und Wild Bunch - wohl tatsächlich gedreht. Regie: Michele Civetta. Hauptrollen: Val Kilmer, Tadanobu Asano und Asia Argento. Ein paar giftige Worte - Stand vor einem Jahr - hat dazu Grady Hendrix. Wir bleiben am Ball.
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Bonus-TracksWebsite mit Video-Interviews verschiedener Darsteller auf dem Set von Rosencrantz and Guildenstern are Undead
MySpace-Seite von Jordan Galland, da sind auch recht hübsche Songs von seinem im letzten Herbst selbst-veröffentlichten ersten Solo-Album "Airbrush" zu hören
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Eigenwerbung: Edgar G. Ulmer
No Filmmaker ever demonstrated a more formidable capacity for making something from nothing and Bernd Herzogenrath's anthology plays belated, serious tribute to his genius. J. HobermanHerzogenrath's fascinating collection not only clarifies many particulars about the life, career, and art of Ulmer (including his birthplace), it also proposes some new and mor fruitful routes we might take in understanding them. Jonathan Rosenbaum
Das steht auf der Rückseite des folgenden Buchs, das eine Aufsatzsammlung ist zum großen kaum je A-, umso öfter B-, C- und gelegentlich auch Z-Movie-Regisseur Edgar G. Ulmer, dessen einzigartige Karriere vom deutschen Stummfilm übers jiddische Kino bis in diverse Randlagen Hollywoods, später dann auch europäischer Exploitation reicht:

Eigenwerbung ist das deshalb, weil neben Texten von u.a dem Herausgeber Bernd "Der große Ermöglicher" Herzogenrath, Adrian Martin, Petra Löffler, Stefan Grissemann und Herbert Schwab auch Aufsätze der Cargo-Autoren Stefanie Diekmann und Ekkehard Knörer enthalten sind.
Update, bibliografische Angaben:
Bernd Herzogenrath: Edgar G. Ulmer. King of the B's. McFarland 2009, 296 S. Rund 40 Euro (leider). Gibt es auch beim deutschen Amazon.
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Golden Globes
Die Golden Globes - die Verleihung ging erst vor ein paar Stunden zu Ende - waren in diesem Jahr ein britischer Triumph fast auf der ganzen Linie. Bester Film, Beste Regie: Danny Boyles' damit wohl endgültig zum Oscar-Favoriten aufgestiegener Slumdog Millionaire über einen jungen Mann, der aus den Slums von Bombay kommt und in der indischen Fassung von "Wer wird Millionär?" kurz davor steht, die zwanzig Millionen Rupien zu gewinnen, die der Hauptpreis sind. Die Sendung gibt es in Indien - natürlich - tatsächlich, sie wurde jahrelang von keinem Geringeren als Amitabh Bachchan moderiert, dessen Nachfolger dann wiederum kein Geringerer als Shah Rukh Khan wurde. (Im Film wird der Moderator, der hier alles andere als sympathisch ist, vom Bollywood-Schurken-Darsteller Anil Kapoor gespielt.) Sehr schön, dass bei den Globes der Film von Superstar Shah Rukh Khan präsentiert wurde - an seiner Seite die Slumdog-Schauspielerin Freida Pinto (den Film selbst finde ich alles andere als großartig, das nur nebenbei):
Den Preis als beste weibliche Hauptdarstellerin in einer Komödie erhielt Sally Hawkins für ihre Rolle in Mike Leighs "Happy Go Lucky". Sehr schöne Dankesrede, auch schon online bei Youtube - verleihen darf den Preis Johnny Depp:
Bester Männlicher Darsteller: Mickey Rourke und im Ausschnitt sehen Sie, wie Darren Aronofsky ihm freundschaftlich den Mittelfinger zeigt:
Summarisch der Rest: Weibliche Haupt- und (!) Nebendarstellerin (Drama) Kate Winslet, posthum auch ein Darstellerpreis für Heath Ledger (Nebenrolle Dark Knight). Der ärgste Kelch, der an uns vorüberging: Auslands-Globe für Waltz With Bashir - und nicht den gleichfalls nominierten Baader Meinhof. Beste Komödie: Vicky Cristina Barcelona von Woody Allen (der nicht anwesend war). Bester Soundtrack: A.R. Rahman für Slumdog Millionaire. Beste Fernsehserie (Drama): Mad Men. Beste Fernsehserie (Komödie): 30 Rock - Darstellerpreis TV (Komödie): Tina Fey, damit endgültig so etwas wie die Gewinnerin des Jahres im US-Showbiz (gute Gelegenheit, auf Maureen Dowds großes Fey-Porträt in der US-Vanity-Fair zu verweisen).
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Angela Schanelec Retrospektive

Der Kurator schickt uns eine Mail und weil es so großartig ist, gebe ich die Information sehr gerne sofort weiter, auch wenn sie mutmaßlich mehr freut als nutzt (aber vielleicht inspiriert sie ja auch die eine oder den anderen hierzulande): Angela Schanelec bekommt eine komplette Retrospektive ihrer Werke - in, nun, das ist überraschend: Lissabon. Vom 12. bis zum 15. März, im Kulturinstitut Culturgest . Mit "komplett" meine ich komplett, denn alles ist drin und dran, vom frühen Kurzfilm Schöne gelbe Farbe (1991) und dem zauberhaften mittellangen Ich bin den Sommer über in Berlin geblieben (1993) bis zu Nachmittag von 2007. Dazu: Einmal "Carte Blanche", dafür hat sich Schanelec Nina Menkes' Film Queen of Diamonds ausgesucht. Dazu: Ein Workshop mit Angela Schanelec zur Arbeit mit SchauspielerInnen. Recht hat der Kurator André Dias nicht nur, aber schon mit seinem ersten Satz (der begleitende Text ist, von einer englischen Zusammenfassung abgesehen, freilich in Portugiesisch): "Angela Schanelec is the most singular voice in modern German film. "
Nichts Neues weiß ich von Schanelecs jüngstem Projekt, dessen (vorläufiger) Titel Orly, Poem 1-4 lautet und dessen Inhalt hier so zusammengefasst wird: "Ein internationaler Flughafen reagiert auf eine Bombendrohung. Der Fokus liegt auf acht Passagieren, die mit der Zerbrechlichkeit ihrer Existenz konfrontiert werden." (Updates dazu selbstverständlich willkommen...)
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Albert RWF Serra
Der katalanische Regisseur Albert Serra, der zuletzt Don Quijote aufs Wesentliche reduzierte (Honor de Cavalleria) und mit den Heiligen Drei Königen in Island herumsaß und dabei dem Gesang der Vögel lauschte (El Cant del Ocells, ein Meisterwerk, findet der stets bescheidene und sympathische Serra), will jetzt ein Fassbinder-Biopic drehen. Oder so. Der da neben ihm steht, im Video, ist Mark Peranson, der im Vögel-Film mitspielte und Hebräisch sprach und einen Film über den Vögel-Film gemacht hat und außerdem der höchst umtriebige Herausgeber der exzellenten englischsprachigen Filmzeitschrift Cinema Scope ist.
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Termine: Graf Hot Shots Dancing With Myself
Eine ereignisreiche Woche steht zum Jahresauftakt ins Haus. Hier der Hinweis auf drei wichtige Ereignisse in Potsdam und Berlin.
Dominik Graf in Potsdam
Am 12. eröffnet im Filmmuseum Potsdam eine mittelgroße Retrospektive zum Werk des Regisseurs Dominik Graf. Gezeigt werden Spielfilme wie Die Katze, Spieler und Der Felsen, Fernsehfilme wie Der Skorpion, Eine Stadt wird erpresst und Das Gelübde, die Polizeiruf 110-Folge Der scharlachrote Engel und die in Zusammenarbeit mit dem Filmkritiker Michael Althen (einst SZ, heute FAZ, auch CARGO-Autor) entstandenen Essayfilme München - Geheimnisse einer Stadt und Das Wispern im Berg der Dinge. Das komplette Programm mit Informationen zu einzelnen Filmen gibt es hier. Einen Text von Dominik Graf zur Retrospektive gibt es ebenfalls auf den Seiten des Filmmuseums. Und am nächsten Samstag, dem 17.1., wird Graf - der gerade in Berlin die ARD-Serie Im Angesicht des Verbrechens dreht - auch persönlich anwesend sein und in einem Gespräch mit Johannes Leisen über seine Arbeit berichten. (Hier nochmal der Link zum ersten Teil unseres ausführlichen Videointerviews mit Dominik Graf. Mehr demnächst - außerdem wird es im ersten "Cargo"-Heft eine Reportage über Dominik Graf bei der Arbeit geben.)Asian Hot Shots in Berlin
Zum zweiten Mal findet im Babylon Mitte in Berlin vom 13. bis zum 18.1. das Film- und Videofestival Asian Hot Shots statt. Es hat in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf dem nicht nur hierzulande fast völlig unbekannten indonesischen Film. Daneben gibt es aber auch viel Aktuelles aus ganz Asien, außerdem eine kleine Retro mit zwei Filmen des 83cm großen philippinischen Martial-Arts-Film-Idols der siezbiger Jahre Weng Weng. Leider ist die Website - die durchaus teuer aussieht - wirklich nervtötend und flasht wie blöd; ständig soll man irgendwelche pdfs runterladen, nirgends kann man auf einer normalen HTML-Seite einen vernünftigen Überblick über irgendeinen Programmteil gewinnen. Schlagen Sie sich am besten selber durch - das Programm verspricht allemal interessante Entdeckungen. Eine Warnung allerdings noch: Ein nicht geringer Teil der Filme wird nicht als Filmkopie, sondern in diversen Videoformaten zu sehen sein.Dancing With Myself in Berlin
Ein Theorie-Festival im HAU, vom 16. bis 19.1. Die Veranstaltung fragt nach den Folgen der Ditigalisierung für die gemeinschaftsbildende Wirkung von Musik. Und zwar so: "Heißt Digitalisierung, trotz Millionen von 'Freunden', also auch Vereinzelung? Wenn jeder gleichzeitig Künstler, Kritiker, Publikum und Veranstalter ist, hört denn überhaupt noch jemand zu? Wird Musik so wieder zum reinen Sound, bar jeder sozialen Dimension? Oder sind das am Ende bloß Ängste abgehängter Kulturkritiker, die ihre Mails auf Papier ausdrucken?" Den Eröffungsvortrag hält der französische Kulturtheoretiker Jacques Attali. Auf der Theorieseite mit von der Partie sind unter anderen Diedrich Diederichsen und Tom Holert. Es gibt Filme wie Michael Winterbottoms "24 Hour Party People" und es gibt, natürlich, Musik, darunter am Eröffungsabend die legendären "Young Marble Giants" - die seit zwei Jahren und mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrem Split nach nur einem Album gelegentlich jetzt wieder gemeinsam auftreten. Auf der Hau-Website wird man nur ein bisschen, in einer wiederum nur als pdf runterladbaren taz-Beilage dagen sehr viel schlauer, was das Programm angeht.
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Holz Schnee Dunkelheit Stifterdinge
Was ist eigentlich mit Philippe Grandrieux' neuem Film "Un Lac"? Was man hört im Netz wie Knacken von Holz draußen im Dunkeln.

Seltsam wenig habe ich bisher über Philippe Grandrieux' neuen Film "Un Lac" gehört. Der lief in Venedig in der Nebenreihe "Orizzonti" und wurde immerhin mit einer "besonderen Erwähnung" ausgezeichnet, einem der üblichen Ratlosigkeitspreise, die Filme dann bekommen, wenn sie auf faszinierende, aber irgendwie nicht ganz geheure Weise sui generis sind. Aber Kritiken, ausführlichere Reaktionen: Fehlanzeige, meines Wissens. Dabei gibt es doch viele, die Grandrieux für einen der ganz großen Gegenwartsregisseure halten, die französische Filmwissenschaftlerin Nicole Brenez nur zum Beispiel - ein Interview, das sie mit Grandrieux für das Filmmagazin Rouge geführt hat, 2003, ist hier nachzulesen.

(Eine Anekdote, ohne genaue Gewähr, weil ich mich nicht mehr sehr genau erinnere: Zum 60. Geburtstag Harun Farockis in Berlin vor ein paar Jahren hatte jemand einen Film von Grandrieux - war es "Sombre"? ja, es war "Sombre" - ausgewählt. Viele sind, dem Anlass der Vorführung zum Trotz, geflohen und kamen nicht wieder. Alle, viele jedenfalls waren sauer, Farocki angeblich auch. Bei new filmkritik habe ich mal aufgeschrieben, warum ich bei aller Faszination große Probleme habe mit Grandrieux. Johannes Beringer hat dann weiter gedacht und Kluges aufgeschrieben, auch bei new filmkritik.)

Über den neuen Film "Un lac" hatte ich nur irgendwann noch gehört, er habe etwas mit Stifter zu tun oder jedenfalls sei Philippe Grandrieux ein großer Stifter-Fan und wenn man auf seiner Website die Synopsis zum Film nachliest, dann stimmen die Rahmenbedingungen jedenfalls, wenngleich es keinen direkten Stifterbezug gibt. Aber die Familie, der Schnee, das Haus, die Isolation. Das sind Stifters Dinge.
SYNOPSIS
The story takes place in a country about which we know nothing: a country of snow and dense forests, somewhere in the North.
A family lives in an isolated house near a lake.
Alexi, the brother, is a young man with a pure heart. A woodcutter.
An ecstatic, prey to epileptic fits, he is entirely opened to the nature that surrounds him.
Alexi is terribly close to his younger sister, Hege. Their blind mother, their father, and their
little brother are the silent witnesses to their overwhelming love.
A stranger arrives, a young man barely older than Alexi…
Ein paar Kurzkritiken gibt es übrigens doch. In der von David Cox beim Film Comment heißt es: "This fable-like tale of a woodchopper, his beautiful sister, their blind mother, and a young interloper takes place largely in either swirling snow or complete blackout, with only Grandrieux’s painstakingly constructed soundscape—creaking trees, chopping wood, cracking ice—to guide us." Und Jonathan Romney schreibt im Programmheft fürs Londoner Filmfest: "Grandrieux doesn't make events easy for us to follow, often shooting in near-darkness, with sparse dialogue sometimes pitched barely above a whisper. But narrative apart, the film is distinctive for the unique, self-enclosed world that Grandrieux creates with a palette reduced almost to monochrome: a world of stillness and near-silence, of forbidding yet alluring landscapes whose affinities are as much with the Romantic paintings of Caspar David Friedrich, as with the cinematic ilk of Alexandr Sokurov, Bela Tarr and Fred Kelemen." Vielleicht war was in den Cahiers, das weiß ich nicht.

Auf der verdammt unhandlich navigierbaren Homepage von Grandrieux gibt es auch einen kurzen Auszug aus dem Drehbuch, aus dem ich hier wiederum einen Auszug zitiere:
SCREENPLAY (extract)
…
The next day.
Alexis is alone with the horse in the forest.
He chops away with his axe, attacking the base of a tree.
He knows his job.
His face is without shadows. Of pure heart.
The camera is near him.Heute habe ich, was eigentlich nichts zur Sache tut, auch einen gesehen, der immer mit seiner Axt hieb, aber nicht auf den Stamm eines Baums, sondern auf schon gefälltes Holz. Das war in Götz Spielmanns sehr schönem Film "Revanche", aber der Unterschied zwischen einem, der den Baum an der Wurzel fällt und einem, der das Holz, das schon nicht mehr lebt, kleinhackt, ist der Unterschied zwischen dem Kino des Spielmann (und auch der Berliner Schule, hier darf man kurz einmal verallgemeinern, und dem Kino, das Philippe Grandrieux will, dem Kino, das Nicole Brenez dann auch bei Abel Ferrara erkennt. Das war eine Abschweifung.)
Ebenfalls auf der Homepage ein Auszug aus dem Film selbst, sehr kurz nur, und den hat jemand auch bei Dailymotion reingestellt, auf Wunsch von Grandrieux oder auch nicht, mit seinem Wissen oder auch nicht. In Frankreich startet "Un Lac" am 18. März in den Kinos. Was immer "den Kinos" in diesem Fall heißt.
Was es auch noch gibt, auf der Website, aber auch bei Youtube ist ein Video, das Philippe Grandrieux gedreht hat, 2007, für Marilyn Manson:
Update: Und hier noch, mit Dank an Volker Pantenburg für den Hinweis, englisch untertitelte Gespräche mit Philippe Grandrieux und der oben erwähnten Nicole Brenez:
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No Word in Any Language
Farah Khan im Berlinale Talent Campus. Gute Gelegenheit für ein wenig Song-and-Dance zum Wochenausklagn.
Bollywoods einzig wirklich wichtige Regisseurin, Farah Khan, die lange Jahre als Choreografin tätig war, bevor sie mit "Main Hoon Na" (2004, mag ich gar nicht) und "Om Shanti Om" (2007, gefällt mir deutlich besser) auch als Hauptverantwortliche hinter der Kamera reüssierte - Farah Khan also wird in diesem Jahr beim Talent-Campus der Berlinale tätig sein. Wenn Sie glaubten, ich ließe mir die Gelegenheit entgehen, Picturization-Sequenzen (also das, wo gesungen und meist auch getanzt wird in Bollywood-Filmen) zu posten, dann kennten Sie mich schlecht. Ich beschränke mich auf drei Mal Farah Khan.
Die erste stammt aus "Om Shanti Om" und ist für Khansche Verhältnisse - sie liebt es in der Masse und hat es gerne sportiv - total zurückhaltend. Dafür dem ganzen Film sehr angemessen selbstreflexiv:
Die zweite Sequenz ist der absolute Klassiker, eine der - sehr zu recht - berühmtesten Picturizations der letzten Jahrzehnte überhaupt, der Tanz auf dem Zug aus "Dil Se" zu "Chaiyya Chaiyya":
Und dann noch eine der absurdesten Song-and-Dance-Sequenzen, die ich überhaupt kenne. Hier wird nämlich militärisch getanzt, zu Kamel, zu Fuß und mit Panzerfaust. Aus dem Film "Border", den man, wie mir scheint, nur als Inder nicht ganz und gar anti-pakistanisch finden kann (man kann es aber auch sehen wie imdb-Kommentator anshul2001anshul aus India, der da schreibt: "I really have pity on some of reviewers who brand movie chauvinistic. How else a war movie is supposed to be?"):
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Schokopulver
Kurzzusammenfassung eines Werner-Schroeter-Interviews aus den Cahiers du Cinema.
Im aktuellen Heft der Cahiers du Cinéma (nebenbei: der Führungskampf zwischen Emmanuel Burdeau und Jean-Michel Frodon scheint nach vor nicht entschieden) gibt es ein langes Interview mit dem zuletzt schon totgesagten, schwer krebskranken Werner Schroeter, der nach Auskunft von Cyril Neyrat dabei einen ziemlich lebendigen Eindruck machte. Er erklärt darin unter anderem, dass er seinen jüngsten Film "Nuit de Chien" (lief in Venedig im letzten Jahr, wo Schroeter auch einen Goldenen Löwen fürs Lebenswerk erhielt) in Porto gedreht hat, weil die Stadt viel magischer sei als Lissabon. Dass er eigentlich James Baldwins Roman "Giovannis Room" verfilmen wollte, das Geld dafür aber nicht zusammenbekam. Dass Isabelle Huppert ihn zwang, sich schulmedizinisch behandeln zu lassen. Dass "Der Baader Meinhof Komplex" eine reaktionäre Telenovela ist, die "nicht den Blick klärt, nichts erhellt, sondern alles stumpf macht und verschleiert". Dass er keinen anderen Film auf der Welt liebt als "La Passion de Jeanne d'Arc". Dass das doch nicht ganz stimmt. Dass er Marianne Hoppe geliebt hat. Dass er sich vor vierzig Jahren in Rosa von Praunheim verliebt hat. Dass er kein Schokopulver auf der Schokolade mag, weil dann der Schaum zusammenfällt. (Das ist vielleicht die großartigste Stelle im Interview und toll vom Interviewer Cyril Neyrat, dass er sie drin lässt, einfach so, zwischen all den ernsthaften Fragen.)
Andererseits ist auch das hier sehr schön. Schroeter erzählt von seiner Freundschaft mit Gilles Deleuze und dass die beiden Streiche verübten wie diesen: "Einmal, nachts, war ich mit ihm in den schönen Vierteln unterwegs, in der Nähe des Bois de Bologne, und meinte zu ihm: 'Komm, wir dringen in eins dieser Häuser ein, wie die Diebe.' Ich wusste, wie man Türen aufbekommt mit einer Kreditkarte. Ich sagte: ' Man muss seine Angst loswerden und wenn was passiert, dann wird uns was einfallen.' Wir haben nichts angefasst, versteht sich. Aber wir haben's getan."
Einen Trailer zu Schroeters "Nuit du Chien" gibt es hier:
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Gus van Hockney
Das, sagen Sie, sieht aus wie ein Gemälde von David Hockney. Stimmt auch. Fast. Denn in Wahrheit ist ein Mashup aus einem Hockney - und Gus van Sants neuem Film "Milk". Der da schwimmt, ist James Franco und die Szene im Film ist eine Hommage. Dass van Sant einen Sinn für derlei Dopplungen hat, weiß man ja seit seinem "Psycho"-Remake, spätestens. Die Montage stammt von der Seite Towleroad. A Site With Homosexual Tendencies, wo dann auch das Original und die Kopie separat zu bewundern sind.
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Big Shave
Als Martin Scorsese noch richtig gute Filme machte; naja, bevor er wirklich richtig gute Filme machte; als er vielmehr das Filmemachen noch lernte, drehte er diesen Kurzfilm "The Big Shave". Das Jahr ist 1967. Der Ort ist ein Badezimmer. Das Geld war knapp. Die Musik ist wichtig.
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Mumble More
Über den neuen "Mumblecore"-Star Kentucker Audley.
"Mumblecore" ist der Name für ein amerikanisches Filmgenre, das - für viele Betrachter - die Schwächen eher als die Tugenden des US-Independent-Films auf den Punkt bringt. Dadurch vor allem, dass eher gar nichts auf den Punkt gebracht wird, sondern junge amerikanische Menschen herumhängen, nichts tun, frei sind von Affekten und Leidenschaften, unverständliches Zeug ohne größeren Belang nuscheln etc. etc. "Slacker", Richard Linklaters auf seine Art wichtiges Do-it-yourself-Werk, ist dabei so etwas wie der Ur-"Mumblecore"-Film. In Deutschland waren die Filme von Regisseuren wie Andrew Bujalski, Joe Swanberg oder Aaron Katz kaum zu sehen. Am Rande gehört, dem ersten Anschein nach jedenfalls, auch ein Film wie Kelly Reichardts "Old Joy" in die Nähe dieser Werke - wobei an der Frage, wie deutlich "Old Joy" den Horizont vom Privaten ins Politische weitet, in Sachen genauerer Einordnung einiges hängt.
Als viel versprechender Neuzugang dieser Richtung wird nun ein Mann mit dem Künstlernamen Kentucker Audley gehandelt. Sein Straight-to-DVD-Film "Team Picture" (2007) gilt manchem als neues "Mumblecore"-Spitzenprodukt (nicht dem imdb-Kommentator, der das Genre aber mit seiner Überschrift "A pointless film starring pointless losers" gut auf den Punkt bringt). Der "Mumblecore"-skeptische Kritiker Michael Atkinson muss in einem längeren Artikel jedenfalls zugeben:
Andrew Nenninger's "Team Picture"(2007) is a new fave, differentiated from the Swanberg-Katz-Bujalski pack by being decidedly Southern-suburban (the low-rent Tennessee neighborhoods here are one heavy rain from simply being decaying weed jungles), and by being decidedly unhip. Nenninger (who directed the film as "Kentucker Audley," supposedly to shield his family from the shame of it) plays himself, essentially, a nowhere guy in the Middle Earth of rotten farmhouses, blow-up lawn pools, no-business strip malls and routines for time killing.
Für den, der sich nun selbst ein Bild machen will - hier ist der Trailer des Films:
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Kaspar Hauser
175. Todestag Kaspar Hausers.
Heute vor 175 Jahren starb in meiner Heimatstadt Ansbach Kaspar Hauser. Am Ort, an dem er drei Tage zuvor niedergestochen wurde, steht heute ein Mahnmal mit lateinischer Inschrift: "Hic occultus occulto occisus est." (Hier wurde ein Unbekannter von einem Unbekannten getötet.) Wer Hauser war, ist bis heute Gegenstand teils wissenschaftsgestützter Spekulation. Vor rund zehn Jahren hat sich Stefan Aust mit einem Chemikerteam über Hausers vermeintliche Unterhose hergemacht und will herausgefunden haben, er sei definitiv kein Prinz von Baden gewesen. Es versteht sich von selbst, dass ich, aufgewachsen in der sonst nur hübschen und spießigen Beamtenstadt, immer schon fasziniert war von der Geschichte. Als im Jahr 1993 in den Schlosslichtspielen von Ansbach Peter Sehr (Regie) und André Eisermann (Hauptdarsteller) ihren in meiner Erinnerung sehr mediokren "Kaspar Hauser"-Film vorstellten, war ich natürlich vor Ort. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen echten Filmregisseur sah. So sind für mich Kaspar Hauser und das Kino verknüpft. Für den Rest der Welt natürlich sehr viel eher - und mit gutem Grund - durch Werner Herzogs Film "Jeder für sich und Gott gegen alle", den ich erst kurze Zeit nach Sehrs Werk, aber ebenfalls in den Schlosslichtspielen, zu sehen bekam.
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Ware Ozu
Der wohl größte lebende Comic-Künstler Chris Ware hat eine kleine Hommage an Yasujiro Ozu gezeichnet. Für den Cinefamily-Kalender eines Kinos in Hollywood, das ausschließlich Stummfilme zeigt. Bei filmjourney wird es etwas näher erklärt. Und der Hinweis kommt von Greencine Daily.

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Screening Room mit Frampton, Mekas, Cavell & Co.
Auszüge aus der Serie "Screening Room", die zwischen 1972 und 1981 ausgestrahlt wurde. Robert Gardner befragt Gäste wie Jonas Mekas, Hollis Frampton, Jean Rouch und Stanley Cavell.
Von den frühen Siebzigern bis in die frühen Achtziger - von 1972 bis 1981, genauer gesagt - lief auf einem lokalen Sender der ABC-Kette in Boston eine Sendung mit dem Titel "Screening Room". Der in Harvard lehrende Filmemacher Robert Gardner hatte darin andere Regisseure zu Gast und unterhielt sich mit ihnen über ihr Werk, aber auch über allgemeinere Fragen des Filmemachens. Von Animationsfilmern wie dem Ehepaar Faith und John Hubley über Dokumentarfilmer wie Les Blank und Emile de Antonio bis hin zu Experimantfilmern wie Stan Brakhage und Hollis Frampton. Die gesamte Serie ist [das ist falsch, nur 30 von 100 Folgen sind, s. Kommentar] inzwischen auf DVD erschienen und für 559.99 $ (für Privatleute) käuflich zu erwerben. Inzwischen sind allerdings auch eine ganze Reihe von teils gar nicht so kurzen Auschnitten aus der Sendung bei YouTube greifbar. Hier eine kleine Auswahl.
Gespräch mit dem Experimentalfilmer Hollis Frampton, 1977 ("Heterodyne", "Critical Mass"):
Gespräch mit dem Experimentalfilmer Bruce Baillie, 1973 ("Mr. Hayashi", "All My Life") - Baillie hat übrigens gerade eine erste von mehreren DVDs mit seinen gesammelten Werken fertiggestellt, die er nun exklusiv in kleiner Auflage vertreibt:
Gespräch mit dem ethnologischen Dokumentaristen Jean Rouch, 1980 ("Les maîtres fous"):
Gespräch mit Jonas Mekas, 1981:
Und noch ein ganz besonders interessantes Special von 1973. Der Filmemacher Standish Lawder hat nämlich keinen Geringeren als den heute weltweit verehrten Philosophen Stanley Cavell ("The World Viewed", "Pursuit of Happiness") mit ins Studio gebracht - leider kommt Cavell im Ausschnitt nicht zu Wort, sitzt aber sehr streng aussehend herum:
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Wes Anderson Werbespot
Mit Brad Pitt. Musik: France Gall mit "Poupée de cire poupée de son" (von Serge Gainsbourg). Für: Japanische Handyfirma Softbank.
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En la Ciudad de Sylvia
Hinweis auf Ausschnitte aus José Luis Gueríns Film "En la Ciudad de Sylvia".
Bei den Auteurs gibt es einen Link zu Ausschnitten aus José Luis Gueríns hinreißendem Film "En la Ciudad de Sylvia". Hinreißend, aber nicht unproblematisch. Cristina Nord schrieb darüber:
Zwei junge Frauen stecken lachend die Köpfe zusammen, die Kellnerin bringt Bier, Kaffee und Pfirsichsaft an die Tische. Manchmal blickt die Kamera bis zur gegenüberliegenden Straßenbahnhaltestelle und mustert die Wartenden, meistens Frauen. Einer fährt der Wind ins lange Haar. Für 30, 40 Sekunden umtanzen die Strähnen ihren Kopf.
Das ist schön, weil es einfach nur müßig die Zeit verstreichen lässt. Später setzt Guerin ins schöne Nichts Inseln der Bedeutsamkeit, etwa, indem er die wie ein Labyrinth gefilmte Stadt mit banal-aufdringlichen Schriftzügen versieht. Schade.
Michael Sicinski verteidigt den Film gegen den - ich würde trotzdem sagen, nicht restlos auszuräumenden - Vorwurf eines maskulin-voyeuristischen Blicks:
Slowly, subtly, Guerín is building a case against male obsession. This seems evident, even though the film clearly retains sympathy for the young man throughout. But more than this, Guerín is restaging a kind of primal scene in urban modernity, revealing its horrific gender dynamic, and showing that it simply doesn't hold any longer. This deconstruction would be noteworthy enough if it undermined modernism's male gaze, telling us that the days of scopophilic skirt-chasing were over. But by extension, Guerín seems to be definitively bidding adieu to the romantic notion of Old Europe more generally.
Vor allem das Fotoroman-Begleitstück "Unas fotos en la ciudad de Sylvia" distanziert sich - vorsichtig gesagt - kaum von diesem obsessiv-männlichen Blick. Was damit zu tun haben könnte, dass die Kamera im Film von einer Frau geführt wird, der grandiosen Natasha Braier. Aber dennoch: hinreißend, auch in diesem Ausschnitt:
In the City of Sylvia from Film Brain on Vimeo.
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Manoel de Oliveira 100
Gaudeamus igitur!
P.S.: Wen es irritiert, dass mal der 11., mal der 12. Dezember als Geburtstag genannt wird. Hier gibt es Aufklärung. Sie lautet so: Manoel de Oliveira wurde am 11. Dezember 1908 geboren, registriert wurde seine Geburt aber erst am folgenden Tag. Offiziell feiert er also tatsächlich erst morgen seinen 100. Geburtstag.
P.P.S.: Im verlinkten Artikel ist auch zu erfahren, dass Manoel de Oliveira seinen neuen Film "Singularidades de uma Rapariga Loura" - "Eigenarten eines blonden Mädchens" - nach einer Erzählung des großes Autors Eca de Queiroz im Wettbewerb der Berlinale zeigen will.
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Hingesuppt
Schlöndorff beleidigt Defa.
Volker Schlöndorff hat die Ossis beleidigt! Genauer gesagt den DEFA-Film, kulturelles Nationalheiligtum. Ungerechter Zorn, das. Nur weil ihm in Babelsberg der Umbau nicht recht gelingen wollte. Dies die Worte:
Den Namen 'Defa' habe ich abgeschafft, die Defa-Filme waren furchtbar. Die liefen damals in Paris, wo ich studierte, nur im Kino der kommunistischen Partei. Wir sind da reingegangen und haben gelacht. Der Name musste weg. Bei der Defa hatte alles vor sich hingesuppt."
So erwartbar wie gerecht schlägt Anke Westphal im von Wessi-Heuschrecken schwer angefressenen Post-Ossi-Organ Berliner Zeitung zurück:
Aber was, bitteschön, hat sich der Mann nur dabei gedacht bei seinem - hier könnten wir ein unsachliches Adjektiv einfügen, unterlassen dies aber - Generalausfall gegen das DDR-Filmerbe?!
"Was hat sich der Mann nur dabei gedacht" - und Unsachlicheres - haben wir uns angesichts der Schlöndorff-Filme der letzten Jahre öfter mal gefragt.
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Nervous
Das Blog "Daily Routines" sammelt Beschreibungen von, genau, "Daily Routines". Wie Menschen, die mehr oder minder Großes leisten (von Ingmar Bergman bis George W. Bush), dem Gewöhnlichen und Täglichen das Außergewöhnliche abringen. Oder, weniger pathetisch und künstler-kultistisch: Wie sie ihren Tag organisieren, damit am Ende ein Buch, ein Film, ein Gemälde, ein Stück Musik (oder ein Krieg) dabei rausspringt. Hier zum Reinschmecken Gertrude Stein, kongenial beschrieben im New Yorker des Jahres 1934:
Miss Stein gets up every morning about ten and drinks some coffee, against her will. She's always been nervous about becoming nervous and she thought coffee would make her nervous, but her doctor prescribed it. Miss Toklas, her companion, gets up at six and starts dusting and fussing around. Once she broke a fine piece of Venetian glass and cried. Miss Stein laughed and said "Hell, oh hell, hell, objects are made to be consumed like cakes, books, people." Every morning Miss Toklas bathes and combs their French poodle, Basket, and brushes its teeth. It has its own toothbrush.
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Klassizismus (mit Godard und Bresson)
Interessante Diskussion drüben bei der New Filmkritik über Klassizismus, Serge Bozon, aufgebrochene Formen, Godard, Leo McCarey, Hollywood, Mosfilm und Werbung. Gute Gelegenheit aber auch, zwei Links abzustauben. Zum einen Godard, der Werbung macht. Zum anderen Bresson, der Fragen beantwortet.
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Termine: Alexander Korda in Wien
Alexander-Korda-Retrospektive in Wien.
Alexander Korda wurde 1893 als Sándor Lászlo Kellner in Ungarn geboren. Dort drehte er seit 1914 Filme. Aus politischen Gründen verließ er das Land und wurde zum erfolgreichen Regisseur in Österreich. Ende der zwanziger Jahre siedelte er nach England über und wurde dort zum wichtigen Produzenten ("The Third Man"), Filmdramaturgen und Regisseur ("Rembrandt", mit Charles Laughton). Das Filmarchiv Austria hat gestern mit einer Retrospektive zu Kordas Werk begonnen, die bis zum 7. Januar fortgesetzt wird. Schauplatz ist das Metro-Kino in Wien. Im Standard schreibt Isabella Reicher darüber. Film-Zeit.de hat eine ausführliche Biografie. Und auf YouTube gibt es zum Beispiel umfangreiche Ausschnitte aus der von Korda produzierten H.G. Wells-Verfilmung "Things to Come":
"Rembrandt" - den das Filmarchiv Austria als Kordas Meisterwerk preist - findet sich sogar vollständig:







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