CARGO Container Politik
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Dancing with Avatars
Slavoj Zizek über Cameron.
Der zuletzt oft etwas sehr wirre Slavoj Zizek (hier im CARGO Audio-Gespräch) mit einem guten Text wider "Cameron's superficial Hollywood Marxism":
”Avatar's fidelity to the old formula of creating a couple, its full trust in fantasy, and its story of a white man marrying the aboriginal princess and becoming king, make it ideologically a rather conservative, old-fashioned film. Its technical brilliance serves to cover up this basic conservatism. It is easy to discover, beneath the politically correct themes (an honest white guy siding with ecologically sound aborigines against the "military-industrial complex" of the imperialist invaders), an array of brutal racist motifs: a paraplegic outcast from earth is good enough to get the hand of abeautiful local princess, and to help the natives win the decisive battle. The film teaches us that the only choice the aborigines have is to be saved by the human beings or to be destroyed by them. In other words, they can choose either to be the victim of imperialist reality, or to play their allotted role in the white man's fantasy. (Der ganze Text ist hier).
Der Schlussteil ist vielleicht etwas Richtung politische Realität gezwungen; die angesprochenen Vorkommnisse im indischen Bundesstaat Orissa sind aber doch bedenklich (hier der entsprechende Text von Arundhati Roy).
(Via)
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Brutus Mappus
Harald Schmidt

Gestern zum zweiten Mal innerhalb kürzerer Zeit Harald Schmidt eingeschaltet und gedacht, dass das doch noch funktioniert, also wieder, fast so wie früher. Einer muss das machen, Namen wie Stefan Mappus und Hermann Gröhe fallen lassen oder mal nachsehen, was Spassvögel wie Theo «Ted» Sommer so treiben, dessen Nichte man fast schon wieder vergessen hatte. Dazu Gäste, die zwar nicht aus einem Mousse au Chocolat-Bad steigen, aber doch ein so weites Feld menschlicher Verhaltensweisen abdecken wie Anne Tismer vs. Anne-Sophie Mutter, die dann tatsächlich über Felix Mendelssohn-Bartholdy sagt, dass sei ja toll und erstaunlich, wie tiefgründig der den Bach verstanden hätte - als «getaufter Jude». Schmidt, der alte Organist, lächelt dazu milde, er hat schon größeren Unsinn ertragen, wozu leider auch seine bizarr hölzernen Sidekicks zu rechnen sind, aber selbst bei der Daily Show läuft auf der Ebene oft wenig Talentiertes durchs Bild. Dass da einer post-Pocher am Donnerstag Abend eigentlich das altmodischste politische Kabarett macht, stimmt natürlich und auch seine Servilität gegenüber Schauspielern, die einem in Thomas Ostermeier-Inszenierungen auf die Nerven gehen, ist natürlich nicht ausgeheilt, eher im Gegenteil. Aber wer im Kulturberieb außer Rainald Goetz bringt ein vergleichbar authentisches Interesse für die Umtriebe des deutschen Bundestags usf. auf? Ist das etwa keine GEZ-Millionen für Harry und Fredy wert? Brutus Mappus, da ist wieder jemand, der an dich denkt.
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Ein altes Versprechen
Heute beginnt die Dardenne-Retrospektive im Arsenal in Berlin.
Wie man von einem Film erfasst werden kann: gleich zu Beginn ein Kino der Körper, enge Kadrage, die Handkamera folgt dem Routine-Rundgang eines Mannes, der illegal eingewanderte Mieter in Zuhältermanier kontrolliert. Er reißt die Türen auf, die schmalen Unterkünfte geben ein Bild der Erbärmlichkeit, die darin aufgeschreckten Menschen sind dem respektlosen Blick und der Willkür ausgeliefert. Der Mann, begleitet von einem wendigen Halbwüchsigen, holt aus jeder Situation das Äußerste heraus: Von dem jungen Nordafrikaner, den er in flagranti mit einem Freier entdeckt, verlangt er eine zusätzliche Abgabe, ebenso von den türkischen Mietern, die ihre Freund beherbergen. Diejenigen, die sich über den desolaten Zustand der windigen Behausungen und über die mangelnde Kanalisation beklagen, verspricht er Abhilfe, ohne sich auf lange Diskussionen einzulassen.
Der Effekt des fiktionalen Blicks auf ein Dispositiv der Kontrolle ist umso stärker, als dieses in einem an das Dokumentarische angelehnten Modus vorgeführt wird: Als "unvermittelte" Zeugen von Ausbeutung und Elend inmitten einer westeuropäischen Stadt werden die Zuschauer hier zunächst direkt adressiert.
So beschrieb Christa Blümlinger 1997 in der Zeitschrift METEOR die Wirkung des Films La Promesse von Luc und Jean-Pierre Dardenne. Zwei neue Auteurs tauchten damals im Weltkino auf, ihre Bedeutung war unmittelbar zu erkennen, von Rosetta (1999) bis Le Silence de Lorna (2008) haben sie seither ihr Werk weitergeschrieben. In all diesen Jahren wusste man zwar von den frühen, dokumentarischen Filmen der Dardennes, zu sehen bekam man sie aber nie.
An diesem Sonntag eröffnet nun das Arsenal in Berlin unter dem Titel REALISMUS REFLEKTIEREN eine Retrospektive der Filme von Luc und Jean-Pierre Dardenne, die zusammenbringt, was die Auswertungslogik der Arthauswelt getrennt halten muss: Wie sich die frühen Arbeiten zu den späteren Fiktionen verhalten, wie sich die Erzählung aus der Beobachtung heraus entwickelt, ob sich Bilder des latent Metaphysischen schon früh finden oder ob die Dardennes vielleicht tatsächlich nur leibliche Projektionsflächen für unser überschießendes kulturelles Wissen schaffen - zu all diesen Fragen gibt es im Arsenal im November das Grundlagenmaterial.
Eröffnet wird am Sonntag, 16. November, mit La Promesse, davor läuft der Dokumentarfilm LORSQUE LE BATEAU DE LÉON M. DESCENDIT LA MEUSE POUR LA PREMIÈRE FOIS (1979), eine Bootsfahrt entlang der Monumente einer Arbeitswelt, die einst maßgeblich zur Schaffung des europäischen Reichtums beitrug und nun vor allem ein Erinnerungsort an alte Arbeitskämpfe ist.
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Abfall für alle
Rainald Goetz und der "antifiskalische Bürgerkrieg"
Der von Peter Sloterdijk ergangene Aufruf zu einer "Revolution der gebenden Hand" ("Abschaffung der Zwangssteuern und deren Umwandlung in Geschenke an die Allgemeinheit") hat eine kleine Gelehrtendebatte ausgelöst, zu der ein wichtiges Wort jedoch bisher weitgehend übersehen wurde. Es stammt von Rainald Goetz:
"Ich hatte aus meiner eigenen Steuerzahlerpraxis, die es, seit ich korrekt Steuern zahlte, an Absurdheit mit jedem anderen Steuerzahlerschicksal sicher gut aufnehmen konnte, die genau gegen diese Absurdheitszumutungen sich auflehnende Akzeptanzidee entwickelt, dass es jenseits des Geldes, des vom Staat als Steuerschuld von mir geforderten Betrags, um etwas anderes ging in Sachen Steuerpflicht, dass in der dauernden Belegpflicht nicht nur meiner Ausgaben, sondern meines ganzen Lebenswandels, mir vom Staat ein Abhängigkeitssignal übermittelt und zugestellt wurde, mit der Aufforderung verbunden, mich mit dieser Abhängigkeit vom Staat einverstanden zu erklären. Und dann dachte ich an den Wasserhahn, aus dem das berühmte warme Wasser des Luxus, hier in unseren Welten leben zu dürfen, kam, und sagte: ja, Staat, Gefangener bin ich, ich wäre gern frei, aber wenn ich dafür mit einer Pistole herumrennen und mich gegen die Räuber, die mich ausrauben wollen, selber schützen müsste, den Strom, mit dem mein Computer läuft, selber mit einer von mir selber noch zu erfindenden und dann auch noch dauernd mit den Füßen tretend zu betreibenden Generatormaschine erzeugen müsste, jede Nachricht an irgendwen eigenhändig usw usw, will ich lieber der Gefangene, ein unfreier lächerlicher Steuerbürger dieses Staates sein, den die Staatsbedürftigkeit der Gesellschaft in nicht so ganz gering zu schätzender Weisheit im Laufe der letzten paar hundert Jahre sich so zurechtgeformt hatte, irgendwie schrecklich, ganz ersetzbar wahrscheinlich nicht so leicht, und von alledem also würde das Symbol Steuerzahlung im konkreten Fall der Mühsal, die sie jedem machte, für jeden, der das so sehen würde wollen, immer wieder handeln." (Loslabern, 2009, S.100f.)
Tolle Stelle, übrigens tatsächlich direkt gegen Sloterdijk gewandt, der "ein bisschen lustigen Debattenwind durch das von ihm als vielleicht ein bisschen zu langweilig empfundene Habermasien" hat fahren lassen.
Nachzufragen wäre bei Goetz, ob sein Staat, den er ja zwischen Hobbes und Vattenfall verortet, nicht doch deutlich vor der Privatisierung der Infrastruktur aufhört, und ob die Bundesnetzagentur als Gewährsstelle für das Allgemeininteresse an Wasser usw usw hinreicht?
Lesen Sie in unserem nächsten Heft CARGO #4: Romuald Karmakar über Aktivkohlefilter
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Freiheitliche Demokratie
Material.
Eine Zeitkapsel aus Originalbildern und -tönen: Klaus vom Bruchs Das Schleyer-Band (1977/78). Ein Remix von Fernsehbildern aus der Zeit rund um die Schleyer-Entführung; gegen die einschlägigen Nachrichten- und Politikerbilder geschnitten Musik, Werbefilme, Gespräche, Ansprachen und anderes. Faszinierend, jetzt bei UbuWeb:
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Ein anderes Deutschland
Georg Diez über Mad Men.


Es ist vermutlich völlig normal, dass einem die Zeitung, die man im Abonnement bezieht, zuweilen auf den Keks geht wie keine zweite. Die peinliche Zeitdiagnostik, die Georg Diez gestern unter dem Titel «Die Jamaika-Fraktion» in der Wochenendbeilage der SZ auf der US-Serie Mad Men geparkt hat, ist dann aber doch ein besonders schlagendes Beispiel für einen Text, der Ideen für 1000 Zeichen hat, in der Zeitung aber eine ganze Seite füllen muss und unter den großgeschriebenen Lettern ESSAY eine äußerst unglückliche Figur macht. Diez versucht in verzweifelten Bewegungen, die jedenfalls keine des Denkens sind, irgendwie herauszufinden, was Mad Men mit der deutschen Gegenwart zu tun hat. Da hilft, wie so oft in der SZ, ein Blick in die eigenen Nymphenburger Verhältnisse: «Junge, urbane Singles, Paare in kreativen Berufen, Eltern mit kleinen Kindern, die sich dem Treck in die Vororte verweigern» werden als bundesdeutsches Kernpublikum der Serie bestimmt, um messerscharf zu schließen: «Mad Men ist fürs Fernsehen, was Jamaika für die Politik ist. GEZ und ZDF und SPD: das klingt schon wie BRD. Schwarz-Gelb-Grün ist ein anderes Deutschland, postideologisch, pragmatisch, diffus progressiv, so wie sich ja eben auch die Menschen beschreiben würden, die Mad Men anschauen, die sich zwischen Karriere und Kuscheln bewegen...». Am Ende dieser so zwanghaften wie argumentfreien Eindeutschung im total anheimelnden NEON-Jargon landet Diez denn auch folgerichtig bei der Frage, die für neoliberale Zeitdiagnostiker mit kulturellem Distinktionswillen wirklich derzeit die zentrale ist: «Don Draper ist nicht Guido Westerwelle. Aber wieviel Draper steckt in Karl Theodor zu Guttenberg?» Die Antwort darauf ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift 11 FREUNDE nachzulesen, die in ihrer SPIEGEL-Ulk-Rubrik «Welcher Trainer soll auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen?« Lothar Matthäus souverän auf die Pole Position setzt - in Verbindung mit einem Bild des adeligen Bald-Kanzlers und dem Hinweis: «Repräsentative Umfrage im CSU-Kreisverband Oberammergau». Provinzfürsten unter sich.
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National Matrix
Fox News weiß Bescheid: Barack Obama ist der Messias
Bis vor einigen Wochen war mir der Name Glenn Beck nur vage geläufig, und ich hätte mir nie die Mühe gemacht, mir eigens etwas von diesem nächsten der rechten Radaubrüder auf dem amerikanischen Sender Fox News anzusehen. Nun hat Barack Obama auf die Diffamierungen des Senders reagiert und einen Boykott gegen Fox News verhängt. Als wir vor einem Monat eine Weile in den USA waren, sahen wir zufällig an einem Abend im Hotel diese Sendung von Glenn Beck. Darin werden sehr unverblümt zwei Männer als die wahren Architekten der Politik der amerikanischen Regierung benannt: George Soros und Rahm Emanuel. Zwei Juden, die insgesamt 37 "Zaren" im Weißen Haus untergebracht haben (so werden nicht gewählte, sondern vom Präsidenten bestellte Experten genannt).
Die kurze Sequenz, mit der Soros ins Bild gebracht wird, ist klassische "conspiracy theory" - ein Mann im Hintergrund, mit langer Brennweite gefilmt, was er sagt, ist nicht zu verstehen. Ein Pate, umgeben von Handlangern. Barack Obama wird als der "anointed one" bezeichnet, ein Begriff, der aus der Bibel kommt: "der Gesalbte", der Messias, auch damit wird er ganz eindeutig jüdisch (und damit antisemitisch) konnotiert.
Glenn Beck hat seither in zahlreichen Sendungen an seinem "Baum der Revolution" weitergearbeitet, ein Diagramm der Macht in Washington, mit dem er seinem Publikum die Augen dafür öffnen möchte, dass die USA gerade von einer weitverzweigten, linken Verschwörung übernommen werden, für die das Kino die Metaphern liefert. Was da geschieht, ist die Etablierung einer "Matrix", und Barack Obama ist der "Manchurian Candidate", als ein programmierter Attentäter in Diensten des Kommunismus.
Da er selber der Präsident ist, kann er nicht gut ein Attentat auf diesen ausüben - damit ist die Stoßrichtung der Invektive von Glenn Beck klar: Obama ist der Attentäter der Präsidentschaft, er erledigt das Amt und liefert das Land der radikalen Linken aus.
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Notes on the Tel Aviv «City to City» Controversy
CARGO-Autor Michael Sicinski schickt Notizen vom International Filmfestival Toronto - zu einer aktuelle Kontroverse rund um die geplante Reihe City to City, deren äußerer Anlass der 100. Geburtstag von Tel Aviv ist. Ein Protestbrief zirkuliert im Netz, der mittlerweile eine beachtliche Unterzeichnerliste vorweisen kann: Hany Abu-Asad, John Berger, David Byrne, Judith Butler, Noam Chomsky, Eve Ensler, Jane Fonda, Danny Glover, Mike Hoolboom, Fredric Jameson, Ken Loach, Yousry Nasrallah, Wallace Shawn, Elia Suleiman, Howard Zinn, and Slavoj Zizek. Im Mittelpunkt steht der kanadische Filmemacher John Greyson, der seinen aktuellen Film Covered vom Festival zurückzog und stattdessen bei Vimeo einstellte (siehe unten).
Aber lesen Sie selbst, was Michael Sicinski schreibt:
By now, many readers are no doubt aware of the controversy surrounding the Toronto International Film Festival’s decision to create a featured program this year called City to City, highlighting films from and about Tel Aviv on the 100th anniversary of its modern founding. The brief outline of the controversy is as follows.
Canadian filmmaker John Greyson first went public with his dismay over the program in a letter of 27 August, withdrawing his own short film Covered from the festival and articulating his reasons for choosing to boycott TIFF 09. As he explained in his open letter to the festival regarding City to City, Greyson identified the series as the culmination of a broadly based media p.r. campaign on the part of Israel’s Foreign Ministry, unofficially called «Brand Israel». Greyson went on to detail the various governmental and corporate interests which he saw as playing a part in City to City’s promotion of an uncritically pro-Israeli agenda. Greyson writes, «This past year has […] seen: the devastating Gaza massacre of eight months ago, resulting in over 1,000 civilian deaths; the election of a Prime Minister accused of war crimes; the aggressive extension of illegal Israeli settlements on Palestinian lands; the accelerated destruction of Palestinian homes and orchards; the viral growth of the totalitarian security wall, and the further enshrining of the check-point system.» In light of these acts and policies, Greyson considers the City to City series little more than propaganda, and its inclusion in the festival a de facto violation of the international economic (as opposed to cultural) boycott against Israel launched in 2005 by various Palestinian NGOs.
For their part, the TIFF brass has taken full responsibility for the series and rejects outright any outside pressure or affiliation with the «Brand Israel» campaign. In his open letter response of 28 August, festival co-director Cameron Bailey accepts responsibility for the decision to program the series and for the films contained therein, on behalf of himself and the TIFF programming team. He also chides Greyson’s proviso that the boycott, as conceived, is against the series and not the films within the series. Bailey writes, «By that reasoning, no films programmed within this series would have met his approval, no matter what they contained. For us, the content and form of films does matter. We know some of [the petition’s signatories] to be veterans of Toronto’s battles against censorship -- all the more surprising to watch them denounce a film series without seeing the films in it.»
Since Greyson’s initial boycott, a letter of support dated 2 September has been published, signed by 59 artists, filmmakers and scholars. Among them: Hany Abu-Asad, John Berger, David Byrne, Judith Butler, Noam Chomsky, Eve Ensler, Jane Fonda, Danny Glover, Mike Hoolboom, Fredric Jameson, Ken Loach, Yousry Nasrallah, Wallace Shawn, Elia Suleiman, Howard Zinn, and Slavoj Zizek.
These are the facts as they stand today, 9 September, one day prior to the opening of the Toronto International Film Festival. But there remain some curiously underexplored aspects to the controversy that trouble me. The main question that I have had since Greyson lodged his protest (one with which, I should acknowledge, I am in agreement) is that Bailey’s response has been to defend City to City without modulation, without responding like a cultural or civic leader who might find cause to further his own stated agenda – dialogue and discourse through the arts – by taking the protesters’ concerns into account. In the initial press release announcing TIFF’s City to City program, dated 23 June, TIFF (presumably Bailey) promised to «include a public forum that will bring leading filmmakers and thinkers from Tel Aviv and Toronto into debate». As it stands, there is no such component in TIFF’s City to City presentation. Given the inherent controversy in highlighting a major Israeli city at a time when Israeli policy toward Palestine and its other Arab neighbors has taken what many (myself included) would consider a significant turn toward bellicosity – the country’s actions in the 2008 Gaza War alone drew condemnation from governments and NGOs across the political spectrum, including those U.N. members who contended that both Israel and Hamas had in fact violated international law during the conflict – it hardly seems out of bounds to expect a project such as City to City to incorporate some kind of educational, academic, or public-debate component. Its absence is both perplexing and irresponsible. When TIFF conceives of the program with such ancillary panel discussions in mind and yet quietly drops them from the docket as the series comes to fruition, it implicitly points to tacit collaboration with the «Brand Israel» project. When the controversy arises and the forum component (which had been part of the original plan for the series) is not reactivated in response to local and international concerns, TIFF’s intransigence becomes insulting, a kind of willful disregard of the festival’s social role, along the lines of «don’t let the terrorists win.»
And what exactly is «Brand Israel»? The ad hoc program, launched approximately one year prior to the kickoff of this year’s festival, is the brainchild of Toronto’s Israeli consul-general, Amir Gissin. The plan? To «re-brand» Israel as a cultural force in the world whose benefits exist as entirely separate from the nation’s messy political realities. Gissin writes, «Our goal is to make Israel relevant and attractive to Canadians and to refocus attention away from the conflict.» The article in the Jerusalem Post describing the project explains that modern, multicultural Toronto will serve as a laboratory for a major international p.r. offensive, and that the program will rely on the usual advertising elements (bus signs, billboards, radio spots) but requires the help of concerned individuals to take up email campaigns and the like – Zionist «street teams», if you will. Now, was there any official link between this project and TIFF’s City to City? Gissin himself seems to think so; the «smoking gun» is his interview with Andy Levy-Ajzenkopf in the Canadian Jewish News, dated 21 August. In it, Gissin expresses his optimism that «Brand Israel» will continue to build steam. The article reads, «With the help of the Canada-Israel Cultural Foundation, Israel will also have a ‘significant presence’ at this year’s TIFF, he said.» The question remains, of course, whether or not this explicitly refers to City to City, since the only officially listed sponsor of the series is the Government of Canada.
And so, how difficult would it be for Cameron Bailey and TIFF co-director Noah Cowen to get representatives from the Canada-Israel Cultural Foundation in a room with, say, Elia Suleiman, already in town to promote his new film The Time That Remains? Or say? Wasn’t he a signatory on that petition? He hasn’t gone the way of Greyson, pulling his film out of the festival. (Given that Remains came and went from Cannes with no prizes or North American distribution deal, dropping out of TIFF would be a financially risky thing to do, especially since the film also failed to secure a berth in the New York Film Festival.) What do other filmmakers from the region have to say about the City to City controversy? Amos Gitai, probably Israel’s best-known international auteur and an equally well-known political liberal, has a new film at TIFF also – Carmel, featuring Jeanne Moreau – but thus far he hasn’t weighed in. Likewise, the director of the new breakout festival hit Lebanon, Samuel Maoz, has kept out of it, marking Toronto as just another point on a very successful itinerary, between Venice and the NYFF. Now, I am in no way suggesting that these filmmakers are somehow obligated to opine on this brewing crisis, although I would say that Suleiman is somewhat remiss given his participatory split-decision. I am merely citing some participants I would ideally like to see in this mythic “debate” that seems to be happening exactly nowhere, certainly not in and around TIFF.
And from the beginning of the controversy, Bailey has argued that those critical of Israel, the series, or the series’ lack of Arab or Palestinian directors should participate in the dialogue by «watch[ing] the films», and then allowing «dialogue» to occur, as it will, after the films, presumably in Q&A. On 25 August, before the whole mess broke out, Bailey described the series as being the result of his own interests, the first of many future City to City efforts. Permit me to quote Bailey at length, because his comments are worth it: We’re going to look for cities where there’s interesting work happening, and perhaps an interesting group of young filmmakers coming up that are making films that are really expressing something about the changes that are happening in that city. «Tel Aviv seemed like the perfect choice for us this year, because it is one of those cities where there is an incredibly diverse mix of cultures. There’s a lot of debate that’s happening, people really talk and argue about things, and also it’s a city people may think they know but until you spend some time watching the films in a more comprehensive way, you don’t get the full range of what’s happening there. So that’s why we wanted to start with that city. We think it’s going to provoke a lot of great conversation.»
Well, yeah. But how, and where?
I certainly have my own differences from Bailey in taste and critical evaluation about what is happening in global cinema that seems vital and important enough to warrant a city-based spotlight. Apart from the convenience of the round-number 100th anniversary of Tel Aviv, I personally think that a focus on Manila or especially Kuala Lumpur (what with new films by Chris Chang Fan Lui, Ho Yuhang, Amir Muhammad, and the tragic recent passing of the great Malay director Yasmin Ahmad) would have been far more justifiable on aesthetic grounds alone. But the presumption in all of these pronouncements seems to be that films – works of cinema in and of themselves, objects that unspool in a darkened room for a specified running time, and then stop – are a kind of substitute for the public sphere. We’re expected, in the end, to accept these ten films in City to City as «the conversation» itself, which seems ridiculously lopsided, and grossly unfair to the film artists under consideration (to whom, it must be reiterated, Greyson and his cosignatories bear no animus). TIFF’s position puts us in a classic bind. If the films are the political realm, tout court, then we are signing over all hope of art’s aesthetic autonomy, its potential for beauty and power that could jolt our senses on a purely visceral level. Anyone who cares about cinema shouldn’t want to concede this power. But at the same time, if we «defend» the films and filmmakers (and, by extension, the festival) from the political realm, pretending that capital-A Art is a neutral zone apart from such transitory considerations, we’re yielding not only to the rankest Romanticism, but also to one of bureaucratic capitalism’s favorite fictions. These simply cannot be the choices with which we’re left.
So what can a critic do? For my part, I choose to direct you to Greyson’s film Covered, a meditation on what happens when the exigencies of a hostile outside world come crashing into what, in a better world, would be, at least temporarily, a rarified sphere for the contemplation of artistic worth. The film documents (or «covers») the violent raids on the first Queer Sarajevo Festival, which had to be cancelled for the safety of its participants. (As a former Berkeley, California, resident, I recall feeling dismayed when the organizers of the San Francisco Arab Film Festival chose to cancel the event in October of 2001, for similar fears. At the time, they seemed unfounded to me, but I think quite differently now.) Greyson, I should note, is a political filmmaker whose wit, dialectical thinking, and supple facility with images I have admired for well over a decade. Covered plays the documentary material against the maudlin treatment of the Sarajevo War by Western liberals, as represented by the idée fixe of the dead blackbird. In addition to examining what it means (if I may paraphrase another Canadian) to be (art) lovers in a dangerous time, Covered depicts the limits of the empathetic imagination when caged by convenient platitudes fomented by capitalist democracies. One of those ideas is the belief that art transcends its social / bureaucratic / governmental container. And, in the end, I must concur with Greyson that this shopworn bromide no longer holds. (Greyson’s film Covered can be viewed here until the end of the Toronto International Film Festival on 19 September.)
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Hatoyama
Parlamentswahlen: Japan.
Die wirklich interessanten Wahlen finden heute nicht in Deutschland, sondern in Japan statt. Es sieht ganz danach aus, als sollte die seit Jahrzehnten regierende LDP abgelöst und der Oppositionskandidat Yukio Hatoyama zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Überlegungen dazu bei Momus - wo sich auch der Hinweis auf diese erstaunliche - nämlich erstaunlich bizarre - Flash-Animation von der offiziellen Website Hatoyamas findet:
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Nochmal: Tarantino
A German Fantasy.
Vielleicht dann doch nochmal der Hinweis auf einen neueren Text, der eine nicht unplausible Kritik an Inglourious Basterds relativ weit zu Ende denkt: John Rosenthal: Inglourious Basterds: A German Fantasy, Not a 'Jewish' One. (via)
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Obama liest
Am Strand.
Obama macht Urlaub und Pressesprecher Bill Burton informiert die Weltpresse über des Präsidenten Lektüre. Was nicht unmiitelbar mit Film zu tun hätte, stünden nicht gleich zwei der fünf Titel im Zusammenhang mit der Fernsehserie The Wire. Da ist zum einen nämlich Wire-Stammautor George Pelecanos, dessen Kriminalroman "The Way Home" an erster Stelle genannt ist. Auch dabei: Richard Prices großartiger East-Village-Gesellschaftsroman mit kriminalliterarischem Einschlag "Lush Life" (den ich im Rahmen unseres großen Wire-Dossiers in CARGO No. 1 kurz besprochen habe). Außerdem Kent Haroufs Roman "Plainsong" und David McCulloughs "John Adams"-Biografie. Letzter im Bunde ist NYT-Leitartikler Thomas Friedman mit seinem jüngsten Wurf "Hot, Flat, and Crowded", in dem er sich in gewiss bewährt oberflächlicher, aber thesenfreudiger Manier mit den Themen Terrorismus und Umweltkrise befasst.
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Jetzt Gitarrensolo
Stand By Me.
Die einen nennen es weltweite Solidarität:
On June 24, Iranian Superstar Andy Madadian went into an LA recording studio with Jon Bon Jovi, Richie Sambora and American record producers Don Was and John Shanks to record a musical message of worldwide solidarity with the people of Iran.
Die anderen nennen es Musikfolter für Mahmud Ahmadinedschad:
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Not appropriate
Jia schleicht sich.
Das Filmfestival von Melbourne zeigt einen Dokumentarfilm, in dem die in ihrer Heimat verfolgte und heute im Exil lebende Vorkämpferin der Uiguren-Bewegung Rebiya Kadeer zu Wort kommt. Sie ist auch selbst anlässlich dieses Films zum Festival geladen. Jia Zhang-ke, der mit einem Kurzfilm und einem von seiner Firma produzierten weiteren Film ebenfalls eingeladen war, sagt jetzt ab. Die Begründung zitiere ich nach der Übersetzung in Evan Osnos' Blog im New Yorker:
- We have no interest in meddling with the festival’s freedom of artistic exchange. Withdrawing from Melbourne is, rather, a kind of self-restraint. Xinjiang history is not something I’m well acquainted with, but the recent Urumqi violent incident was only two weeks ago, and I, at a minimum, should take a cautious approach. I don’t want to do anything that would tarnish those who died.
- I have a sense that the political overtone of this year’s Melbourne festival is getting more and more intense…In putting the documentary “10 Conditions of Love,” in which Rebiya [Kadeer] plays a key role, on the playbill, the organizers organized a series of publicity activities for her.
- We feel that appearing with Rebiya in a thoroughly politicized festival crosses the line of what our emotions and behavior can accept and is not appropriate. Therefore, Xstream unanimously decided to withdraw, in order to express our attitude and position.
Das kann man jetzt wahlweise feige, verlogen, opportunistisch oder einfach nur vorsichtig finden. Osnos ist in seinem Blogeintrag geneigt, Jia Zhang-ke zu verteidigen, mit dem Hinweis darauf, dass dieser sich noch nie als Dissident verstand und dass er berechtigten Grund zur Sorge hätte, was die Finanzierung und Aufführungsmöglichkeiten zukünftiger Filme betrifft, sollte er in diesem Fall dem, was seine Gefühle und sein Verhalten zu akzeptieren bereit sind, nicht folgen. Hier Osnos:
He is, emphatically, not a dissident director. He made an explicit choice years ago to submit his films to censorship in order to gain a broader audience. As he has told me, “Marginalization can be a kind of pleasant stance—I really admire many of those people—but I would rather expend enormous energy trying to dance with the many levels of the era in which we live.” Given the mood in China these days and the intensity of the official campaign against Kadeer, there is little question in my mind that if Jia had appeared at the festival with Kadeer he would have run into political problems at home.
Darauf doch noch mal einen eingesprungenen Ai Weiwei:

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Hier Da: Und
Groupe Dziga Vertov.
Im Jahr 1970 bekamen Jean-Luc Godard und Jean-Pierre Gorin von der Fatah 8000 Dollar in die Hand gedrückt, um eine Art Propagandafilm für die Sache der Palästinenser zu drehen, Titel: Jusqu'au Victoire. Bald darauf aber kamen fast alle im Film zu sehenden Kämpferinnen und Kämpfer beim Schwarzen September in Jordanien ums Leben - der Film konnte nicht fertiggestellt werden. Daraufhin hat Godard mit der inzwischen dazugestoßenen Anne-Marie Miéville den Film völlig umkonzipiert, als montagebasierte Meditation über Propaganda, den Tod, die Darstellung des Israel-Palästina-Konflikts, die eigenen Verfahren, über das "Hier", das "Da" und vor allem über das "Und". Das ist alles ganz im bekannten Godard-Stil, mit Gaga-Einfällen wie einer Additions- und Substraktionssequenz von revolutionären Daten am Taschenrechner. Das Ergebnis war dann ein Film mit dem Titel Ice et Ailleurs, der im Jahr 1974 fertig wurde.
Den Film, der meines Wissens sonst nicht gut greifbar ist (die Godard-Experten dürfen mich gerne korrigieren), gibt es komplett und mit englischen Untertiteln auf Youtube:
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I Know My Place
Klassenbewusstsein.
Manchmal stößt man auf Dinge, die in sich so klassisch und gültig sind, dass man sie eigentlich immer schon hätte kennen müssen. Dies aber war mir unbekannt, bis ich gerade bei click opera darauf stieß:
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Politischer Fußball
Mit Handy.
Ein Werbespot der israelischen Handy-Firma Cellcom sorgt gerade mächtig für Ärger. Man sieht darin israelische Soldaten, denen von jenseits der Mauer, hinter der die West Bank liegt, ein Fußball aufs Auto fliegt. Sie beginnen, damit zu spielen und rufen per Telefon Freunde. Man kommuniziert von hier, Israel, nach da, Palästina, aber nur per Ball. Empört sind darüber Palästinenser-Vertreter, die das für eine Verharmlosung der israelischen West-Bank-Politik und des Mauerbaus halten. [via SZ]
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Hinweis
Avi Mograbi.

Neu in unserem Magazinteil: Avi Mograbi spricht im Video-Interview über den Zustand der israelischen Linken, die verbliebenen politischen Optionen, Obama und Netanjahu und seine Herkunft.
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Anti-Humboldt II
Kolonialismus.
Entstanden zwischen 1950 und 1953. In Frankreich verboten von 1953 bis 1963. Buch: Chris Marker. Schnitt: Alain Resnais. Regie: Chris Marker, Alain Resnais. Titel des Films: Les Statues Meurent Aussi. Erster von drei Teilen, die anderen beiden bei Youtube. 30 min. (also nicht die Schnittfassung!) Leider keine Untertitel:
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Teheran im Film (6)
Granatäpfel.
Ein ausgsprochen faszinierender Dokumentar-Essay über Geschichte und Gegenwart Teherans scheint Massoud Bakshis Film Tehran Has No More Pomegranates (2006) zu sein. Ich hatte keine Gelegenheit, ihn zu sehen, aber was man darüber lesen kann, klingt sehr spannend. Dies etwa:
Director Massoud Bakhshi constructs a century-spanning postmodern portrait of a metropolis turning megalopolis, increasingly an unsustainable urban mess of pollution, inadequate infrastructure and overcrowding. Using an energetic mix of archival footage, unconventional photography and sometimes asynchronous music and sound, Bakhshi considers the aesthetic and cultural values that have shaped old and new Tehran.
Immerhin die ersten fünf Minuten kann man sich schon mal ansehen, für einen ersten Eindruck:
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Bacon, Pollock, Picasso in Teheran
Arte-Doku.
Eigentlich war ich gerade auf der Suche nach einer englischen übersetzung für den Aufruf der Vereinigung iranischer DokumentarfilmerInnen an das Staatsfernsehen, fair über die gegenwärtigen Ereignisse zu berichten. Ich habe bisher keine gefunden. Diese Vereinigung umfasst übrigens weit über hundert Mitglieder, was umso erstaunlicher ist, als der Dokumentarfilm von allen offiziellen Gremien seit dem Ende der Khatami-Ära mit großer Skepsis betrachtert wird.
Bei der Suche stieß ich aber zufällig auf eine Dokumentation von Bahman Kiarostami (Sohn von Abbas) über die Schätze, die im Keller des Teheraner Museums für zeitgenössische Kunst lagern und nie ausgestellt werden. Es sind darunter Werke von Francis Bacon, Jackson Pollock, Pablo Picasso und anderen Berühmtheiten der Kunst-Moderne. Zu sehen ist der Film, auf französisch, leider ohne Untertitel, bei YouTube:
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Mussawi: Künstler
Abstrakte Gemälde.
Seit seinem durch die Abschaffung des Amtes erzwungenen Rücktritt als Ministerpräsident hat Mir-Hossein Mussawi in erster Linie als Architekt und Maler gearbeitet. In einem iranischen Blog kann man zehn seiner Gemälde sehen, zwei poste ich auch hier. Was man übrigens auch im Netz findet, ist die englische Übersetzung eines Traktats seiner Ehefrau, der Künstlerin, Politologin, ehemaligen Beraterin von Präsident Khatami und ehemaligen Rektorin der Teheraner Alzahra-Universität Zahra Rahnavard. In "Beauty of Concealment and the Concealment of Beauty" unternimmt sie nicht weniger als eine ästhetiko-politiko-theologische Begründung für die Verschleierung der Frau im Islam.
Hier aber die zwei Gemälde Mussawis:


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Teheran im Film (5)
Der Kreis.
Der Kreis ist der Titel eines Films von Jafar Panah aus dem Jahr 2000, der in der Tat eine reigenförmig strukturierte Kreisbewegung vollzieht. Jonathan Rosenbaum hat die Kreise, die der Film zieht, in einem sehr interessanten Text so beschrieben:
The movie begins and ends with two virtuoso long takes -- both 360-degree pans defining the poetic and metaphoric limits of Panahi's universe (for better and for worse), so overloaded they seriously threaten to explode the film's structure. In the first, a baby is being born offscreen in a hospital, its mother howling with pain; when a nurse reports through a window in a door that it's a girl, the grandmother is clearly upset -- "But the ultrasound said it would be a boy!" -- and continues to worry about repercussions from the in-laws as she goes downstairs and speaks to another daughter. As the second daughter leaves the hospital she passes three women at a phone booth -- all former prisoners who quickly take over the narrative. In the last (and more problematic) shot a prostitute enters a jail cell where virtually all of the major characters in the film are revealed during one long circular pan. A nearby phone rings, and a guard appears at a window in the cell door asking for a woman who, it turns out, is apparently in an adjacent cell -- and her name belongs to the mother who gave birth in the opening shot.
Zwischen seinen beiden 360-Grad-Schwenks bewegt sich der Film in seinen wesentlichen Teilen auf den Straßen von Teheran. Dass er im Gefängnis endet, wird man kaum anders als pessimistisch lesen können. Ein Kreis, der sich so schließt, ist ein fatal(istisch)er Kreis. Den Film gibt es ohne Untertitel bei Google Video.
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Dinner Speech Routine
«Why hang out with celebrities when I can spend time with people who made me one?»
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Mahkmalbaf: Ich spreche für Mussavi
Sprachrohr.
I have been given the responsibility of telling the world what is happening in Iran. The office of Mir Hossein Mousavi, who the Iranian people truly want as their leader, has asked me to do so. They have asked me to tell how Mousavi's headquarters was wrecked by plainclothes police officers. To tell how the commanders of the revolutionary guard ordered him to stay silent. To urge people to take to the streets because Mousavi could not do so directly.
Gestern im Guardian.
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Teheran im Film (4)
Heute
Wie historisch Thomas Heises grandioser Dokumentarfilm Material auch mediengeschichtlich betrachtet bereits ist, führen die aktuellen YouTube-Filme aus Teheran eindrucksvoll vor Augen. 1989 bedurfte es noch der Intuition eines außergewöhnlichen Filmemachers, um kostbares Zelluloid darauf zu verwenden, einfach in die Menge zu filmen und Individuen sichtbar zu machen. Heute liegen die Dinge hingegen vollkommen anders: Vermutlich niemals zuvor bestand die Möglichkeit, aus der Distanz eines westlichen Mediennutzers heraus so unmittelbar an einem räumlich und kulturell derart entfernten politischen Ereignis teilzuhaben, so viele Gesichter und einzelne Handlungen zu sehen, so ungefiltert (und ungeprüft) Einblick nehmen und die Aufmerksamkeit auf selbstgewählte Details richten zu können (das Warten der Demonstranten, das entspannte Lachen, ein gelbes T-Shirt). Hinzukommt, dass die «Bildwerdung» im aktuellen Fall in einem viel profunderen Sinn bereits Teil des Ereignisses ist - und ursächlich für seine staatliche Unkontrollierbarkeit. Kino wie noch nie: Jeder Demonstrant, ein potentieller Filmemacher...
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Propaganda
Goldene Blumen.
Das chinesische Staatsfernsehen weist auf seiner englischen Website auf eine Retrspektive klassischer chinesischer Filme aus den Jahren 1949 bis 1959 hin. Das sind, so weit ich sehen kann, alles Propagandafilme, die meisten davon offenkundig sehr erfolgreich. Immerhin zwei davon habe ich nach längerer Suche auch im Netz gefunden, in ganzer Länge, wenngleich natürlich ohne Untertitel. (Hinweise auf weitere Funde willkommen.) Vielleicht dennoch ganz interessantes Anschauungsmaterial. [Hinweis bei ifc daily]
Zum einen: YOUTH IN FLAMES OF WAR>, von 1959: "The movie tells the story of Gao Shan, a woman disguised as a male soldier, who is trying to avenge her father. The suspense centers on how her identity comes to be exposed by leader Lei Zhenlin. The film catapulted lead actors Pang Xueqin and Wang Suya to fame."
Zum anderen: Five Golden Flowers, auch von 1959: "This love story takes place in southwest China's Yunnan province, and features much singing and dancing. Its title song "By the Butterfly Creek" remains one of the country's most memorable movie soundtracks."
Watch more Youku videos on AOL Video
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Makhmalbaf vor dem Europäischen Parlament
Heute.
Die Comic-KÜnstlerin und filmemacherin Marjane Satrapi und der iranische Filmemacher gestern in einer Stellungnahme vor dem Europäischen Parlament.
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The man who climbed Freedom Tower

Man fragt sich: Wie kommt es trotz Twittergewitter und einer unüberschaubaren Liveblogging-Landschaft dennoch immer wieder zu dieser ikonographischen Verdichtung, diesem Moment, in dem sich eine Geschichte, die gerade abläuft, auf ein Bild zu einigen scheint?
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«There Has Been a Coup»
Mohsen Makhmalbaf

Auf der regelmäßig besten Seite der Süddeutschen Zeitung (Seite 2) findet sich heute die Übersetzung eines Interviews, das das iranische Magazin Rooz mit dem Regisseur Mohsen Makhmalbaf (sein Meisterwerk für meine Begriffe: Saalam Cinema, 1995) geführt hat. Makhmalbaf, der in der Wahlnacht mit dem Informationsdienst Mussawis in Kontakt stand, spricht offen von einem Staatsstreich. Seiner Darstellung nach, wurde Mussawi in der Wahlnacht zunächst von offizieller Seite mitgeteilt, dass er die Wahl gewonnen habe:
Rooz: You had announced good news quoting Mousavi’s election headquarter on American television. Then suddenly everything changed. What happened?
Mohsen Makhmalbaf: The attack on Mr. Mousavi’s election headquarters in Qeytarieh district of Tehran coincided with the Ministry of Interior’s notification to Mr. Mousavi that he had won the election while adding that Mr. Khamenei too had been informed of this news. According to Mr. officials of the headquarters, Mr. Khamenei had said that there was no problem. The only issue was how to manage announcing the news. As a result, members of Mousavi’s campaign headquarters were happy that Mousavi had won and so viewed the attack on their offices to be the revengeful personal act of the defeated right-wing, not a plan to start a coup d’état.
For about an hour or two, international connections of Mousavi’s campaign offices were cut which is why I was given the responsibility of communications so that I would announce to the world that according to the official announcement of the Ministry of Interior and election tallies, Mr. Mousavi had emerged as the winner and the elections had not even gone to the second round. This news was even communicated to other members of the arts and entertainment industry including Fatemeh Motamed-Aria who had heard the news directly from Mr. Mousavi who in turn called different individuals informing them that the greens had won. But while Mr. Mousavi was busy writing his victory speech, Passdaran Revolutionary Guards (IRGC) commanders showed up at the headquarters with a letter from Mr. Khamenei, the supreme leader of the Islamic Republic, which said that he would not let the green revolution to succeed. Ahmadinejad’s defeat is my defeat, the note said. The commanders then told Mr. Mousavi: “Don’t try to stir things up.” At this moment, Mr. Majid Majidi (a popular singer) who was involved in Mousavi’s communications and public relations activities told Kamboozia Partovi that he was disappointed and was going to leave the headquarters and go home. He also said that there would be a coup in Tehran the next day.
Das komplette Interview findet sich hier.
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Teheran
Modernes Ereignis.
Die aktuellen Ereignisse finden Sie live bei Twitter unter dem Hashtag Iranelection.
Direkt dabei über Twitter ist Persiankiwi.
BBC Persia streamt live (in Farsi). Hier wird der Stream auf Twitter in seinen zentralen Aussagen quasi-live ins Englische übersetzt.
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Veranstaltungshinweis
Simon Critchley heute im HAU
Apropos Philosophie. CARGO-Autor Robin Celikates moderiert heute abend im HAU eine Veranstaltung mit dem englischen Philosophen Simon Critchley, der sich hin und wieder auch mit dem Kino beschäftigt; hier steht ein Text zu Samuel Becketts Film Film:Berüchtigt ist Critchley allerdings auch für eine gewisse Rampensauhaftigkeit und seine reichlich negative Anthropologie: «We are all killer apes with metaphysical longing».
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Inside the Obama White House
MSNBC-Doku
Vergangene Woche strahlte der amerikanische Nachrichtensender MSNBC in zwei einstündigen Programmen die Reportage Inside the Obama White House aus. Wobei „Reportage“ eigentlich schon eine unzutreffende Genrezuordnung ist – das Format landete irgendwo zwischen Home Story und Hofberichterstattung, was bei MSNBC langsam ohnehin zu einem journalistischen Problem zu werden droht. Nachrichtenwert und Erkenntnisgewinn der Sendung tendieren zwar erwartungsgemäß gegen Null, die sorgfältig inszenierte Distanzlosigkeit gelingt aber so perfekt, dass die offen angetrailerte Verbindung mit der Vorgänger-Administration aus dem Hause NBC (Stichwort: The Bartlet Years) intuitiv plausibel erscheint. Andererseits wirft die Dokumentation auch Fragen auf: Was findet Barack Obama an der ultrafettigen Fast Food Kette Five Guys? Weshalb verwandelt sich Michelle Obama immer mehr in Nancy Reagan (sie taucht in den zwei Stunden praktisch nur im Schlepptau von Schlosshund „Bo“ auf, umarmt permanent fremde Kinder und starrt mit entrücktem Blick in den Rosengarten)? Wieso sieht man kaum etwas vom heimlichen Star der Regierung, dem mittlerweile Jon Stewart-gestählten Peter Orszag? Kann sich Rahm Emanuel („Rhambo“) denn niemals entspannen ("A bag of fries?")? Weshalb sieht Timothy F. Geithner (wird in einer Szene rüde von der Vorzimmerdame des Oval Office abgewiesen und tritt resigniert ab) Wittgenstein von Tag zu Tag ähnlicher?


Fragen über Fragen, aber sehen Sie selbst (die komplette Version findet sich hier):
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Sex With Ducks
Badewanne.
Riki "Garfunkel" Lindhome and Kate "Oates" Micucci sing a pro-gay marriage song in response to a Pat Robertson quote that legalizing gay marriage would lead to legalizing sex with ducks. [via The Chutry Experiment]
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Animation (12): Disney - Alice's Egg Plant
Pink Chicken.
Walt Disney entwickelte gemeinsam mit Ub Iwerks eine neue Serie, rund um ein Mädchen mit dem an Lewis Carroll gemahnenden Namen Alice. Die Idee war, Live-Action mit Animation zu vermischen. Disneys erste Versuche dazu passierten noch in Kansas City, es gelang ihm jedoch, mit der Idee in Hollywood auf sich aufmerksam zu machen. Es folgte der Umzug, die heute noch erhaltenen Alice-Filme sind dann schon im neuen Walt-Disney-Studio auf der Hyperion Avenue entstanden. Die Alice-Darstellerin im folgenden Film (sie wechselten) ist Margie Gay.
Was man in Alice's Egg Plant (1925) zu sehen bekommt, ist im höchsten Maße erstaunlich. Ein kommunistisches Huhn namens Little Red Henski - Mächen, Kinderbücher sind die Referenzwelt - ruft die Kolleginnn/Genossinnen um Streik auf. Große Katastrophe. Eine weitere Serienfigur, der Kater Julius, muss sich Tricks einfallen lassen, um den politisch irregeleiteten Hühnern ihre Eier dennoch abzuluchsen. Die Antwort ist, höchst einleuchtend: Entertainment. Boxkampf ist Opium fürs Hühnervolk. Muss man gesehen haben.
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Three Weeks in Burj AlBarajneh
In “Three Weeks in Burj AlBarajneh,” Katayoun Vaziri gives an intimate perspective on life inside a Palestinian refugee camp in Lebanon. Funded by a Yale travel grant, the artist spent three weeks in the camp last summer forging relationships with its inhabitants far beyond those seen in most documentaries.
3 week in Burj AlBarajneh from Katayoun Vaziri on Vimeo./p>Alles via index magazine, Text von dort.
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Kumar Goes Obama
Schauspieler Kal Penn geht von House zu White House.
Kal Penn, als Schauspieler bekannt als Nebendarsteller in House, vor allem aber als Kumar aus den Harold & Kumar-Filmen (ein bisschen was zu Harold & Kumar: Escape From Guantanamo Bay) - geht ins Weiße Haus. Er hat bereits Wahlkampf gemacht für Barack Obama, nun hat er in House Selbstmord begangen und CNN meldet
Penn, 31, will be an associate director for the Obama administration's Office of Public Liaison.
"It seemed like something I would enjoy doing," Penn said. "I figured it was something to do."
Davon, dass es nicht seine erste Begegnung mit einem Präsidenten ist, kann man sich in diesem Filmausschnitt ein Bild machen:
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Learning From Battlestar Galactica
The other night, a few days before the show’s four-year run as a cult hit ended, the United Nations opened its Economic and Social Council Chamber for a panel discussion on how “Battlestar Galactica” might inform the international body’s approach to some problems of the day: terrorism, torture, religious conflict.
Der New Yorker war dabei.
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Bildkritik
Für die New York Times ist Errol Morris gemeinsam mit Vertretern der Agenturen AFP, AP und Reuters den fotografischen Hinterlassenschaften der Bush-Ära nachgegangen: hier.
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Inauguration Day II
Der wohl kurioseste Bestandteil der heutigen "Inauguration Parade": Die weltberühmten "Lawn Rangers" von Arcola, Illinois. Tollkühne Frauen und Männer mit mähenden Kisten:
Hintergrund: Auch Obama selbst ist schon mal auf einer der Paraden der "Lawn Rangers" mitmarschiert. Hier der Beleg, Obama mit Pümpel:
[Dank an Verena Mund für den Hinweis!]
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Jetzt als Schnäppchen: Das Weiße Haus
Und hier mal wieder ein Kauf-Tipp. Für unter 50 Pfund bietet amazon.co.uk gerade den kompletten West Wing - ja, Staffel 1-7, an. Mein Paket ist gerade angekommen (minimales Porto, war binnen drei Tagen da), noch steht das Angebot. Das ist nicht nur - wie Sie wissen - eine der großen US-Fernsehserien der letzten Jahrzehnte, man kann auch viel lernen über die kommende Präsidentschaft des Barack Obama, dessen Berater-Team, wie immer wieder zu lesen war, die Serie in- und auswendig kennt. (Und die Figur des Josh Lyman soll teilweise sogar nach Obamas Stabschef Rahm Emanuel gestaltet sein.)Dank an campcatatonia für den Tipp!
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Haider-ü Haider-a
Viel Aufmerksamkeit bekommt gerade Jörg Haiders männliche "Witwe" Stefan Petzner mit seinem ergreifenden YouTube-Nachruf.
Da wollen wir nicht nachstehen. Pfiat Gott, kleiner besoffener Raser:
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Sean Penn in Lateinamerika
Was immer man von Sean Penn hält, als Schauspieler, als Denker, als Politaktivist - sein sehr ausführlicher Bericht in der Huffington Post von einer Reise nach Lateinamerika, bei der er mit Hugo Chávez, Fidel Castro, Gabriel Garcá Márquez und anderen zusammentraf, ist ganz ausgesprochen lesenswert.
Was immer man von Sean Penn hält, als Schauspieler, als Denker, als Politaktivist - sein sehr ausführlicher Bericht in der Huffington Post von einer Reise nach Lateinamerika, bei der er mit Hugo Chávez, Fidel Castro, Gabriel Garcá Márquez und anderen zusammentraf, ist ganz ausgesprochen lesenswert. Kurzer Auszug:
On a 2005 family Christmas trip to Cuba, traveling under the auspices of religious tourism, my wife, our children and I were received in a private midnight meeting with then-President Fidel Castro and the great Colombian novelist and nobel laureate Gabriel Garcia Marquez. Prior to our departure from the United States, I had sat my children down with documentaries of the Cuban revolution. In particular, my daughter had been offended by the history of oppression toward homosexuals in Cuba, and had made it clear to her father, that if offered the opportunity to meet directly with Castro, she would refuse it. Marquez invited us to his house. We walked in, and there, in the living room alone, sat Fidel Castro. Taken by surprise by the meeting, and being a polite then 14-year old, my daughter took her place in the room and waited her turn to attack.
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Der doppelte Kluge
Woran es liegt, wenn die Meinungen über Alexander Kluges "Nachrichten aus der ideologischen Antike" weit auseinandergehen.
Thomas fragt im Filmtagebuch, wem er glauben soll - mir, der ich begeistert war von Kluges Marx-Projekt oder der Runde in der Jungle World, die beinah kein gutes Haar lässt am Barte des Propheten Alexander und seiner Suhrkamp-Runde.
Wem man glaubt, hängt sehr davon ab, was man erwartet und will. Was Kolja Lindner zum Schluss des Gesprächs zur "Methode Walfisch" sagt, ist sehr richtig: "Kluge geht wie Eisenstein nach der von Hans Magnus Enzensberger beschriebenen Walfisch-Methode vor, alles einsaugen und gucken, was hängen bleibt. Nur dass Kluge ein Walfisch ohne Methode ist, anders als Marx, der mit dem Material gerungen hat, und Eisenstein, der die 49 Kilometer Filmmaterial für 'Oktober' auf zwei Kilometer runterschneiden musste. Kluge zeigt uns einfach alles, was er in die Hände bekommt." Lindner und die anderen mögen das nur nicht.
Systematisch ist an dem ganzen Projekt sehr genau gesagt: gar nichts. Das kann man ungut finden, als Marxist, als strenger Denker, als politisch Engagierter oder einfach als Freund des Systematischen.
Ich spreche davon, dass Kluge das Marxsche Werk als eine Installation begreift. Er klettert mit ein paar anderen Jungs und Mädels darin herum. Er findet Dinge, die ihm total gut gefallen. Die anderen finden auch Dinge, die ihnen total gut gefallen. Ich glaube auch, dass sie vieles falsch verstehen. Dass sie oft ziemlich kindisch sind.
Aber es macht Spaß, ihnen zuzusehen, wie sie sich freuen und wie sie kluge Sachen sagen. Doch, doch, das tun sie. Nicht alle, aber ziemlich viele. Und wirklich klug, wenn auch nicht immer als Marx-Egese. Übrigens gibt es Dinge die klug sind, dabei aber nicht unbedingt richtig. (Joseph Vogl!) Es ist ein bisschen, als weigertenn sie sich, auch das scheint all die ja nun gleichfalls sehr klugen Diskutierenden im Dschungel sehr zu empören, letzte Verantwortung zu übernehmen für das, was sie reden. Sie sprechen sie als Denker und Theoretiker an. In Wahrheit macht Kluge sie alle miteinander zu Performance-Künstlern.
Es ist ein Mummenschanz. Es ist Theater. Man muss das sehr von Helge Schneider her lesen. Ich würde ja nicht sagen, dass die bei der Jungle World versammelten Gesprächsteilnehmer keinen Humor haben. Den von Kluge verstehen sie aber nicht. Oder wollen es nicht. Sie nennen gute Gründe, aber mit diesen Gründen auch die Perspektive, aus der sich das anzusehen wirklich nicht lohnt.
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Pere Portabellas "El Sopar" in Berlin
Das ist ein Hinweis, den wir liebend gerne aus den Kommentaren nach oben holen: Heute, 24.11., Abend läuft im Berliner Kunstvereins-Kino "Acud" Pere Portabellas 1973 entstandener Film "El Sopar". Über den Film ist auf der Website des Münchner Filmmuseums, das vor drei Jahren eine kleine Portabella-Retrospektive zeigte, das Folgende nachzulesen: "Portabella drehte diesen Film heimlich in der Nacht des berüchtigten 3. März 1973, in der der katalanische Anarchist Salvador Puig Antich hingerichtet wurde. Dies war die letzte Hinrichtung der Franco-Diktatur. Der Film zeigt fünf ehemalige politische Gefangene, die während eines Abendessens über den Vorfall diskutieren, der später zum Politikum wurde." (Danke an madbern für den Tipp.)Wir planen, das ist hinzuzufügen, die Einrichtung einer Extra-Seite, auf der wir Termine dieser Art veröffentlichen möchten. Ganz und gar nicht auf Berlin konzentriert, sondern auf den ganzen deutschsprachigen Raum. Alle Kinobetreiber, Retrospektiven-Kuratoren und aufmerksamen Terminkalender-Leser und -innen mögen doch alles, was ihnen in die Finger kommt, vertrauensvoll an uns mailen.
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Ist Kosinki Chris Marker?
Seit einigen Monaten werden im YouTube-Kanal eines gewissen "Kosinki" kurze Filme ins Netz gestellt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von der Essay- und Dokumentarfilmlegende Chris Marker stammen. Eine kleine Spurensuche mit Bewegtbild.
Interviewed on television shortly after the fall of the Berlin Wall, Claude Lelouch, who is not a Marxist dog, made a comment full of good sense: “Communism had at least this much going for it, it scared the money-men – and left to their own devices, the money-men are capable of anything, believe me, I know what they’re like…” I find it fitting to give a filmmaker the last word on the twentieth century, which despite all its shams had so little real existence – which may after all have been nothing but an immense, interminable fade-over
Chris Marker, Coréenes
Port-Kosinki, May 1997Ist Kosinki Chris Marker?
Kurze Antwort: Ich weiß es nicht. Längere Antwort: Ich würde sagen, dass vieles dafür spricht.
Und wer ist überhaupt Kosinki? Kosinki ist ein YouTube-Nutzer, über den auf der Seite des Videoportals zu erfahren ist, sein Name sei Guillaume und er sei vierzig Jahre alt. Guillaume-en-Egypte ist der Name von Chris Markers kätzischem Alter Ego. Guillaume-en-Egypte war eine real existierende Katze Markers und es ließe sich bestimmt recherchieren, ob sie vielleicht 1968 geboren wurde. Einen Film, der "Guillaume Movie" heißt, gibt es in jedem Fall auf der Kosinki-Seite, eingestellt am 26. August diesen Jahres. Es ist ein Film, der mit der neuen Software "Animoto" erstellt ist, einer Art aufgebohrter Dia-Show im Digitalformat. Hier ist das "Guillaume Movie", unterlegt mit Musik von Erik Satie:
Das ist nicht Kosinkis einziger "Animoto"-Film. Seit ein paar Tagen ist ein ziemlich rasanter Film eingestellt, der Zeitungsschlagzeilen und -Titelbilder montiert, die weltweit nach dem Sieg von Barack Obama veröffentlicht wurden. Dass Marker ein Obama-Fan ist, haben wir im ersten Cargo-Blog-Eintrag bereits dokumentiert. Hier der Obama-"Animoto"-Film, dazu läuft "We Shall Overcome":
Der in jeder Hinsicht interessanteste und schönste der Kosinki-Filme ist "Pictures of an Exhibition", ein virtueller Rundgang durch ein Museum der Collagen, der verunstalteten Gemäldeklassiker, auch der Marker-Obsessionen (Guillaume hängt an der Wand, Simone Signoret auch; aus Manet hat er ein "Déjeuner sur le Web" gemacht; auch mit Marats Tod im Bade treibt er seine Scherze). Eine Parodie, womöglich, auf André Malraux' "Museée Imaginaire". Da verzeiht man sogar, dass die Instant-Sakral-Musik von Arvo Pärt dazu zu hören ist:
Das erste von Kosinki hochgeladene Video, "Leila Attacks", ist definitiv authentisch, denn ich habe es, Marker zugeschrieben, als Vorfilm zu Isild Le Bescos hochinteressantem Spielfilm "Charly" mit eigenen Augen gesehen. Marker ist, auch das ist bekannt, ein großer Verehrer Le Bescos.
Chris Marker, der einst als Giraudoux-Monograf und Romanautor begann und sich in der Folge noch jede neue Technik und jeden Medienwechsel des bewegten Bilds angeeignet hat, ist stets das gewesen, was Manny Farber in seinem berühmten Essay einen Termitenkünstler genannt hat: "Termite-tapeworm-fungus-moss art goes always forward eating its own boundaries, and, like as not, leaves nothing in its path other than the signs of eager, industrious, unkempt activity." Wobei Marker vielleicht weniger etwas Termitisches - erst recht nichts von Farbers Gegenbild des großkünstlerisch prätentiösen "weißen Elefanten" - hat, sondern alles, das Neugierige, das Dissidente, das Herumschleichende, das Präsente und hoffentlich mehr als die sieben Leben der Katze.via, immer wieder, "Chris Marker. Notes From the Era of Imperfect Memory"
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SMS vom Sultan
Ein liebeskranker Mann herrscht am Bosporus: Die osmanische Republik von Gani Müjde
Ein liebeskranker Mann herrscht am Bosporus:
Die osmanische Republik von Gani MüjdeIm Karli-Kino in Neukölln sehe ich mir donnerstags manchmal türkische Mainstreamfilme an. Das Thema begann mich zu interessieren, als die deutsche Berichterstattung über "Tal der Wölfe" seinerzeit eine Menge Sachverstand vermissen ließ. Diese Woche ist "Osmanli cumhuriyet" (Die osmanische Republik) von Gani Müjde angelaufen, in dem es um eine interessante historische Spekulation geht.
Zu Beginn klettert der kleine Kemal Atatürk auf einen Baum, ein Ast bricht, der Junge stürzt zu Boden und bleibt leblos liegen. Schnitt in das Istanbul des Jahres 2008, das mit der heutigen türkischen Hauptstadt identisch ist, nur mit dem Unterschied, dass immer noch ein Sultan regiert: Osman VII (Ata Demirer, ein bekannter türkischer Standup Komiker) ist allerdings ein schwacher Herrscher, denn er steht unter der Fuchtel seiner konsumfreudigen und beischlafmüden Ehefrau und ist zudem Opfer einer Palastintrige von Menschen, die sich an die Besatzungsmacht USA und an die EU andienen. Das Osmanische Reich ist also 2008 nur mehr eine symbolische Größe, reduziert auf ein paar Traditionsorte in Istanbul.
In Anatolien sprechen die Männer im Teehaus nur vom Aufstand, der Eifrigste, der ständig mit neuen (altmodischen) Waffen daherkommt, straft die Ernsthaftigkeit ihrer Bereitschaft zum Terrorismus aber Lügen. Am Ende ermannt sich Osman VII, nachdem er sich in eine junge Frau verliebt hat, die vom Widerstand auf ihn angesetzt worden war. Die Beziehung durchläuft mehrere Stadien, das Mobiltelefon spielt dabei eine wichtige (komische) Rolle. Schließlich schlägt sich der Sultan auf die Seite des (nationalen) Aufstands, aber da ist die Sache schon zu spät: In einer Kommandoaktion, deren Inszenierung durchaus an Medienbilder vom Vorgehen der USA im Irak denken lässt, setzen sich die Besatzungstruppen im Verbund mit den korrupten türkischen Kräften durch. Osman VII dankt ab und geht nach Bursa.
Hier endet das historische Alternativszenario, und "Osmanli cumhuriyet" nimmt spektakulär doch noch die kemalistische Kurve. Interessant ist, wie offen skeptisch der Film dem EU-Beitritt gegenüber steht, der ausdrücklich angesprochen wird und trocken auf "geschäftliche Beziehungen" reduziert wird (denen gegenüber der türkische Nationalismus einen idealistischen Kern hat).
Für gelegentliche Zuschauer wie mich ist auch auffällig, wie unverhohlen, ja zotig von sexuellen Dingen die Rede ist, und wie beiläufig das islamische Erbe integriert wird (zu Beginn kommt Osman VII aus der Moschee und findet seine Pradaschuhe im großen Haufen der Schuhe nicht mehr, den die Männer während des Gebets hinterlassen).
Der Regisseur Gani Müjde hat in seinem ersten Spielfilm "Kahpe Bizans" (2000) eine Hommage an jene türkischen Filme geschaffen, die vom Osmanischen Reich erzählen, das in der Nationalkinematographie so etwas wie den Western oder das Martial-Arts-Genre vertritt. Nun hat er dieses Motiv stärker politisiert, ohne deswegen einer osmanischen Renaissance oder gar einem lokalen Imperialismus das Wort zu reden: "Osmanli cumhuriyet" ist staatstragend und antiwestlich, souverän und locker wird mit den Topoi der Geopolitik hantiert – ein Film aus einer selbstbewussten Nationalkinematographie.
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Chris Marker & Barack Obama
Chris Marker schickt seine Alter Ego Guillaume-en-Egypte in den Wahlkampf für Barack Obama.
Chris Marker, inzwischen 87 Jahre alt, macht nach wie vor einen lebendigeren Eindruck als die Mehrzahl seiner Kollegen. Zuletzt hat er sein kätzisches Alter Ego Guillaume-en-Egypte in den US-Wahlkampf geschickt. Das Obama-08-T-Shirt von Marker ist nach wie vor auf der Website des Wexner Center erhältlich:

Und hier Guillaumes Kommentar zu Obamas Sieg:
P.S.: Chris Markers "Immemory"-CD-Rom - nur für Apple - gibt es jetzt in einer auf den neuesten Stand gebrachten Version für OSX; auch im Online-Shop des Wexner Center.





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