12. März 2010, Woche 10/2010        Blog
Print
CARGO Film/Medien/Kultur Magazin
  • Übersicht aktuell
  • Interviews und Features
  • Ratings
  • Blog
  • Letzte Einträge
  • Kommentare

Aktuelle Ausgabe: CARGO Film/Medien/Kultur 04 vom 10. Dezember 2009

  • Quicklinks:
  • Abonnement oder aktuelles Heft bestellen /
  • Jahresratings /
  • Newsletter /
  • Links
 

Anzeige    Werben auf www.cargo-film.de

Anzeige
  • Aktuelles Heft
  • Alle Ausgaben

CARGO 04/2009 Cover «Mad Men»
CARGO 05 erscheint am 25. März 2010.

  • Portofrei bestellen
  • Verkaufsstellen

  • Inhaltsverzeichnis von Heft 04/2009
  • Editorial


Inhalt

  • Revolution in Griechenland
  • Bitomsky tritt zurück
  • Ratingsystem in Thailand
  • Auteurs - Scorsese
  • Meeting Lucki Stipetic (Indielisboa I)
  • UK Film Council Anhörung
  • Ärger in New York
  • Vierundzwanzig.de
  • Rumsummende Unsummen
  • Gott des Kontrafaktischen

Feed

CARGO Container Filmpolitik

  • Revolution in Griechenland

    Filippos Tsitos berichtet.

    18.11.2009, Ekkehard Knörer in: Filmpolitik

    Filmemacher im Nebel

    Die Filmemacher in Griechenland proben derzeit mit großem Erfolg den Aufstand. Aus Protest gegen ein korruptes und seit Jahren trotz vieler Versprechungen nicht reformiertes Filmfördersystem haben sie sich zusammengeschlossen. Und zwar nicht zu einem Verband, sondern zu einer losen, über das Internet organisierten, inzwischen den Großteil der griechischen RegisseurInnen umfassenden Gruppe (hier die teils englische Website). Sie haben erfolgreich den Boykott des Filmfestivals von Thessaloniki, d.h. vor allem der alljährlich dort stattfindenden Preisverleihung auf die Beine gestellt. Und ein Gegenfestival in Athen organisiert. Auf unsere per E-Mail gestellten Fragen zu den erstaunlichen Vorgängen hat der in Berlin lebende, an vorderster Front bei FoG beteiligte Regisseur Filippos Tsitos (u.a. vier Tatorte, KDD) mit einem spontanen Text geantwortet, den wir im Magazinteil dokumentieren.


    Kommentar hinzufügen


  • Bitomsky tritt zurück

    DFFB.

    19.06.2009, Ekkehard Knörer in: Filmpolitik

    Diese Meldung kommt gerade per Mail rein: (Hier die offizielle Meldung.)

    Der Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), Professor Hartmut Bitomsky, scheidet mit Wirkung zum 31. Juli 2009 aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt aus.

    Bitomsky war einst - 1968 - als einer der ersten Studenten der 1966 gegründeten DFFB mit 18 weiteren Studenten wegen linksradikaler Umtriebe von der Hochschule relegiert worden. Er war später einer der wichtigsten Essayfilmer der Republik und kehrte als Dozent an die DFFB zurück - sein Einfluss auf die heute so viel gefeierten RegisseurInnen der "Berliner Schule" wie Angela Schanelec, Christian Petzold und Thomas Arslan war dabei beachtlich. Petzold hat auch mehrfach als Assistent bei Essayfilmen Bitomskys mitgearbeitet.

    Ich weiß nichts über die Hintergründe seines Rücktritts. Was ich jedoch zuletzt gehört habe, ist, dass die großen Hoffnungen, die mit der Berufung Bitomskys im Jahr 2006 verbunden waren, sich kaum erfüllt haben. Die Hoffnungen waren: Schärfung des intellektuellen und filmpolitischen Profils der Filmhochschule nach den nicht nur in dieser Hinsicht bitteren Jahren unter Reinhard Hauff. Daraus ist offenkundig nichts geworden, vielmehr schien Bitomsky zuletzt selbst auf eine marktkonformere Ausbildung zu drängen. Falls jemand unter den Mitlesenden da genauere Einblicke hat: in den Kommentaren oder per Mail gerne an mich.


    8 Kommentare (ansehen). Kommentar hinzufügen


  • Ratingsystem in Thailand

    P wie Promotion.

    18.05.2009, Ekkehard Knörer in: Filmpolitik

    In Thailand wird nun ein Rating-System für Kinofilme eingeführt. Es wurde lange darüber debattiert und besser als die bisher herrschende willkürliche Zensur ist es wohl auch nach Ansicht seiner schärfsten Kritiker. Gut allerdings ist es ganz offenkundig nicht. Apichatpong Weerasethakul, der sich nach dem Verbot (der vollständigen Fassung) seines letzten Films Syndrome and a Century stark gegen die Zensur engagiert hat, kommt neben anderen thailändischen Regisseuren in der Bangkok Post zu Wort. [via SouthEastAsianFilmStudiesInstitute]

    P is for Promotion? I remember a drafting committee member assured me that 'You will see good gay movies being promoted!' I nearly fell off my chair. That's my problem, the word ' good'. Is a silly comedy really worse than a nationalist, historical epic? I can see the film studios and cash-strapped independent filmmakers clamouring to make Pathetic Pastoral Propaganda to get the states Patronage P+++. Ka-ching!

    Kommentar hinzufügen


  • Auteurs - Scorsese

    Big Deal.

    15.05.2009, Ekkehard Knörer in: Filmgeschichte, Filmpolitik, Internet

    Wir verfolgen, wie Sie gemerkt haben, was das Online-Programmkino-Projekt The Auteurs treibt, mit großem Interesse. Heute haben die Jungs ihren bisher wohl größten Coup gelandet. Sie haben nämlich in Cannes ihre Kooperation mit Martin Scorseses World Cinema Foundation verkündet - ein eigener Kanal für deren restaurierte Filme wird sehr prompt eingerichtet. Mit im Boot ist die DVD-Premium-Marke Criterion, die schon länger mit Auteurs zusammenarbeitet. Auf dem Gruppenfoto (bei Indiewire, da auch die ausführliche Meldung) außerdem: Martin Scorsese und sein neuer Executive Director Kent Jones, der - wir hatten berichtet - vor kurzem im Unfrieden als einer der Kuratoren die New Yorker Film Society of Lincoln Center verlassen hatte. Vermittelt hat den Deal übrigens der Independent-Arm der Hollywood-Agentur Endeavor, die im Zentrum des Starsystems im ersten CARGO-Heft stand.


    Kommentar hinzufügen


  • Meeting Lucki Stipetic (Indielisboa I)

    Gesprächsnotizen.

    24.04.2009, Ekkehard Knörer in: Aktueller Film, Filmgeschichte, Filmpolitik, Hollywood, Klassiker

    Nach den Dankesreden der drei Festivalchefs kommt ein schlanker Herr auf die Bühne, spricht frei ein paar Worte in ziemlich gutem Portugiesisch (sage ich mal) und liest dann einen Brief seines Bruders vor. Der Herr ist Lucki Stipetic und sein Bruder ist Werner Herzog (geb. Stipetic). Herzog hat soeben seinen jüngsten Film mit dem Titel My Son, My Son, What Have Ye Done abgedreht. Dafür war er zuletzt noch für einen einzigen Drehtag nach China geflogen und, schreibt er im Brief, den sein Bruder vorliest, dachte ernsthaft, als er erwachte, er sei in Lissabon. 

    Wo er nun nicht ist, obwohl er alles versucht hat, obwohl man ihm hier, wo alles so entspannt und großzügig und freundlich ist, ganz sicher einen großen Bahnhof bereitet hätte. Das Festival Indielisboa zeigt eine Herzog-Retrospektive, die sich nicht ausschließlich, aber doch stark auf die Dokumentarfilme bezieht. Zur Eröffnung lief der jüngste, das auf erhabene Weise komische Antarktik-Werk Encounters at the End of the World. Darin geht ein Pinguin aus eigenem unerforschlichen Ratschluss allein in die Eiswüste und damit in den sicheren Tod. "Warum?" fragt Werner Herzog im Voiceover-Kommentar. My Son, My Son, What Have Ye Done.

    Vorhin traf ich Lucki Stipetic dann beim Espresso im Hotel zum Gespräch. Seit Jahrzehnten produziert er die Filme seines Bruders - erst neuerdings bei den Hollywood-Produktionen nicht mehr. Was produzieren so heißt in den freischwebenden Zusammenhängen, in denen Herzog sich mit seinen Filmen so bewegt. Er ist vor Ort meist dabei (nicht in McMurdo, was er schon sehr bedauert), er stellt Kontakte her mit Geldgebern und hält dem Bruder den Rücken frei. Sie haben ein harmonisches Verhältnis, meint er, und das seit Jahrzehnten, der eine vertraut dem anderen und genau so funktioniert es.

    Mit einem Gerücht räumt er auch gleich auf: David Lynch hat mit der Produktion von My Son, My Son, What Have Ye Done persönlich gar nichts zu tun; seine Produktionsfirma ist an Stipetic/Herzog herangetreten und hat gefragt, ob es vielleicht ein Projekt gibt. Die Antwort versteht sich von selbst, meint Stipetic, bei Werner Herzog gibt es immer ein Projekt, und wenn es keins gibt, dann erfindet er eins aus dem Stand. Der Film ist ein Krimi, soviel ist zu erfahren, und am Ende tötet ein Sohn seine Mutter mit dem Schwert. Der Film ist jetzt abgedreht und Werner Herzog, der inzwischen fast ganz in Los Angeles lebt, braucht ein paar Tage Ruhe auf seinem Bauernhof in der Steiermark.

    Ein überzeugter Amerikaner ist Herzog inzwischen, versichert sein Bruder, der dennoch durchblicken lässt, dass einem Europäer wie seinem Bruder da doch etwas fehlt. Wir sprechen darüber, wie es kam, dass Deutschlands aufregendster noch aktiver Regisseur (das sage jetzt ich) aus den großen Zeiten des Neuen Deutschen Films seiner Heimat so vollständig abhanden gekommen ist. Im Spielfilm Invincible steckt noch ein wenig nordrhein-westfälisches Fördergeld, sonst aber: Fehlanzeige in Deutschland. Bedenklich werden bei Verleihern Köpfe gewiegt, wenn der Name Herzog fällt, mit Finanzierungsanfragen versucht es Stipetic schon gar nicht mehr. In England, in Frankreich reißen sich die Leute darum, Herzogs Filme zu finanzieren, in Deutschland: nichts und wieder nichts.

    Stipetic hat keine Erklärung, außer: Herzog schleimt nicht rum. Er ist nicht in Talkshows oder sonstwie in Deutschland präsent; er macht, ohne allzuviel Rücksicht zu nehmen, immer sein Ding und geht nicht mit den richtigen Leuten essen. Meinem Seufzer, dass die deutsche Filmproduktionslandschaft und alles, was hier so gern Industrie wäre, zum Verzweifeln provinziell ist, widerspricht Stipetic denn auch nicht. Filmpreis, Filmakademie, Kosslick-Berlinale: einvernehmlich schütteln wir schweigend die Köpfe.

    Und sprechen über Hollywood: Jederzeit ist in Los Angeles, meint Stipetic, die Verehrung zu spüren, die Herzog dank seiner legendären Filme aus den siebziger Jahren genießt. Er freut sich, so eitel ist er schon, aber er geht auch, versichert Stipetic, ziemlich gelassen mit diesem Ruhm um. Und natürlich ist er auch nicht mehr als die "gun for hire" bei Produktionen wie Bad Lieutenant, er hat nicht das Recht auf den Final Cut, aber wirklichen Ärger gab es bisher nicht. Das Ende von Bad Lieutenant war den Produzenten allzu düster, jetzt gibt es, versichert Stipetic, einen Kompromiss. Einen US-Verleihtermin gibt es noch nicht.

    Dann noch Spannendes zum nächsten Projekt, wieder ein Dokumentarfilm. Ausgangspunkt war ein Auftragsjob, wieder Oper (Stipetic, stellt sich heraus, ist ein Opernfan und war auch das Movens für die Operninszenierungen seines Bruders), ein dreiminütiger Film zu einer Arie aus "La Boheme". Es ergab sich, zufällig, dass Herzog in diesem Kontext auf die Fotografien von Hans Silvester aufmerksam wurde. In den siebziger Jahren machte Silvester Aufnahmen von Mitgliedern eines von der Welt abgeschieden lebenden Stammes in Äthiopien. Den hat Herzog, fasziniert von den - übrigens völlig inszenierten - Bildern, aufgesucht, ein paar Bilder gemacht für den Dreiminutenfilm.

    Es stellte sich heraus, dass darin ein Filmprojekt ganz nach seinem Herzen steckt. Der Stamm lebt bis heute in einer anderen, von der modernen ganz abgeschiedenen Welt. Zwar sichern die Männer mit Kalaschnikoffs das Revier (sie leben im Grenzgebiet zum Sudan), aber von der modernen Welt, in der sie leben und nicht leben, sind, erklärt Stipetic - der mit Herzog zu den Aufnahmen für den Kurzfilm dort war -, die Mitglieder des Stamms bis heute unberührt. Von ihnen wird Herzog dann erzählen, in diesem Jahr noch geht es nach Afrika. Stipetic, der ein ganz in sich ruhender Mensch ist, der auch glaubhaft versichert, dass ihn das Kino eigentlich weniger interessiert als Literatur oder Oper, der glücklich ist, mit dem was er tut, der gar nicht mehr sein will für die Welt als der Produzent (und der Bruder) seines Bruders, Stipetic klingt da jetzt doch ganz ausgesprochen vorfreudig.

    P.S.: Stipetic erklärt ausdrücklich, dass die kürzlich auch hier verlinkten YouTube-Herzog-Filme, die Starzmedia ins Netz gestellt hat, völlig illegal dort stehen. Das Cease-and-Desist haben sie bereits im Briefkasten. (Dreist, sehr dreist findet Stipetic diese Aktion. Und recht hat er.) Der folgende Ausschnitt aus Encounters ist auch einfach so upgeloadet worden, aber ich persönlich finde Exzerpte dieser Länge okay, deswegen hier auch der Auftritt des traurigsten Pinguins der Welt (RIP). Ansonsten: unbedingt ansehen, toller Film. (S. auch Ludger Blanke im CARGO-Heft: "Der schönste Dokumentarfilm der letzten hundert Jahre"):


    4 Kommentare (ansehen). Kommentar hinzufügen


  • UK Film Council Anhörung

    25.03.2009, Ekkehard Knörer in: Filmpolitik

    In einem Ausschuss des britischen Parlaments geht es heute um: "The British Film and Television Industries". Die Anhörung, zu der u.a. James Woodward, der CEO des allmächtigen UK Film Council geladen ist, wird live im Stream übertragen (und ist hinterher auch als Video abrufbar): beides hier. Das Film Council ist die von der Labour-Regierung im Jahr 2000 eingerichtete Filmförderinstitution - privatwirtschaftlich organisiert, u.a. mit Lottogeldern finanziert und wegen seiner angeblich zu kommerziellen Ausrichtung alles andere als unumstritten. Mehr zum Film Council und seiner Rolle - aus Förderersicht - hier.


    Kommentar hinzufügen


  • Ärger in New York

    Rumoren hinter den Kulissen der New Yorker Film Society at Lincoln Center

    13.03.2009, Ekkehard Knörer in: Filmkritik, Filmpolitik, News

    Großen Ärger gibt es gerade in den Kulissen der New Yorker "Film Society at Lincoln Center", einem der wichtigsten Zentren der US-Cinephilie. Die Stiftung betreibt das Walter Reade Theater, in dem wichtige Filmkunst-Programmreihen gezeigt werden. In diesem Jahr, in dem die Film Society ihr vierzigjähriges Bestehen feiert, eröffnet sie zwei weitere Säle. Für den Ärger verantwortlich ist - das ist allen Äußerungen hinter vorgehaltener Hand zu entnehmen - die seit letztem September amtierende neue Chefin Mara Manus. Sie hat keinerlei cinephilen Hintergrund und es ist kein Geheimnis, dass der Stiftungsrat sie vor allem als Managerin mit Effizienzsteigerungskompetenzen eingestellt hat.

    Die Film Society at Lincoln Center ist auch - das macht sie weltweit wohl am meisten sichtbar - Herausgeberin der besten amerikanischen Filmzeitschrift "Film Comment". Die Zeitschrift wurde mit dem letzten Chefredakteurswechsel im Jahr 2000, von Richard Jameson zu Gavin Smith, enger ans Haus und dessen Veranstaltungen gebunden (was man vor allem an den Titelgeschichten merkt, die oft auf Film-Society-Retros- und Hommagen bezogen sind). Mit einem sanften Richtungswechsel Anfang diesen Jahres wurde das Heft - Auflage irgendwo zwischen 20000 und 30000, aktuelle Zahlen kenne ich nicht - popularisiert. Gavin Smith machte im Editorial süßsaure Miene dazu, als er unter anderem auf das sich ausbreitende Listenwesen hinwies.

    Der vorauseilende Gehorsam gegenüber Manus hat womöglich nicht viel geholfen. Jetzt hat nämlich mit Kent Jones der vielleicht wichtigste Mann der Film Society gekündigt. Er war gleichzeitig einer der wichtigsten Kuratoren des Filmprogramms und editor-at-large des Film Comment. Jones ist unbestritten einer der beschlagensten Filmkritiker der USA und steht ganz eindeutig für ein kompromisslos auf die wichtigen Tendenzen des Weltkinos ausgerichtetes Programm. Die Befürchtung ist nun, dass die Kommerzialisierung sowohl des Filmprogramms der Film Society wie des "Film Comment" unter Mary Manus offizielle Linie wird, liest sich im ReverseBlog bei IndieWire etwa so: "Naturally, discussion of Jones’s departure ...  has gone hand in hand with enraged glances at Manus, and resulted in some people’s assumption that the programming at the Film Society, now with Richard Peña at the helm, will devolve into a smattering of middlebrow junk aimed at the Upper West Siders who always perhaps felt alienated by the abundance of Hou Hsiao-hsien, Tsai Ming-liang, and Lucrecia Martel."

    Weiterer Kommentare dazu von Glenn Kenny.

     


    1 Kommentar (ansehen). Kommentar hinzufügen


  • Vierundzwanzig.de

    Die Deutsche Filmakademie hat ihre eigene Website, auf der sie die Gewerke der Profession in Bild, Schrift und Ton vorstellt.

    15.01.2009, Ekkehard Knörer in: Aktueller Film, Filmpolitik, Link-Tipps

    Deutsche Filmakademie

    Erkenntnisse wie die, dass es "aufs Menschliche ankommt" (Hans Weingartner) und dass Stummfilme vielleicht nicht spannend sind, aber wie Träume (Tom Tykwer), kann man auf der technisch aufwendigen neuen Seite der Deutschen Filmakademie mit dem Titel vierundzwanzig.de gewinnen. Das Prinzip der Seite: Alle Bestandteile - "Gewerke" heißt es sehr schön - des Berufsfelds Kino an Einzelbeispielen vorstellen. In Video-Interviews mit VertreterInnen ihres Gewerkes, sehr bedienerfreundlich aufbereitet und in die Gefahr, intellektuell überfordert oder mit irgendwelchen Errungenschaften des Web 2.0 konfrontiert zu werden, gerät man ganz sicher nicht.

    Das Interessanteste, was ich bisher entdeckt habe, sind ein Gespräch mit Drehbuchautor Christoph Fromm über Dominik Grafs Film Die Katze, und eines mit der Produzentin Bettina Brokemper, die erzählt, wie sie es damals mit Christoph Hochhäusler hingekriegt hat, den Falschen Bekenner, den skandalöserweise keiner finanzieren wollte, doch auf die Beine zu stellen.


    1 Kommentar (ansehen). Kommentar hinzufügen


  • Rumsummende Unsummen

    Warum ich nicht begreife, was warum wieviel kostet.

    19.12.2008, Ekkehard Knörer in: Filmpolitik

    Ich bin ja, zugegeben, einigermaßen ahnungslos, was das Filmgeschäft von der Produktionsseite aus angeht. Warum ein Fernsehfilm wie die "Buddenbrooks" 16 Millionen kosten muss, wenn richtige Kinofilme für Bruchteile dieser Summe gedreht werden, ist mir - Kostümfilm hin oder her (was mag wohl Dominik Grafs unendlich viel gelungeneres "Gelübde" gekostet haben?) - einfach unbegreiflich. Und dann lese ich in der FAZ von heute von einem Streit zwischen Bild-Zeitung und Gesundheitsministerium. Die Bild hatte einen vom Ministerium produzierten Werbespot für gesetzliche Krankenkassen als Geldverschwendung kritisiert, worauf der Sprecher von Ulla Schmidt in einem Telefonanruf und einer E-Mail eine Werbeanzige in der Bild-Zeitung zu stornieren drohte. Das ist alles unappetitlich genug, schon weil ausgerechnet die Bild nun als Wächter der Sitten auftritt.

    Was mich aber recht eigentlich schockiert hat - ohne dass ich jetzt den Spot, den ich ganz gelungen finde, grundsätzlich in Frage stellen möchte -, ist die Summe, die der nun offenbar wieder gekostet hat: nämlich 400.000 Euro. Für jede Form von Nachhilfe, die mir erklärt, wie man für einen ein paar Minuten langen Spot einen solch unglaublichen Haufen Geld ausgeben kann, wäre ich nun ausgesprochen dankbar (Lav Diaz, um mal ein Beispiel zu bringen, das natürlich selbstverständlich komplett absurd ist in diesem Zusammenhang, hat seinen letzten Film "Melancholia" für, wenn ich mich recht erinnere, 8.000 Euro gedreht. Nicht dass... Und so weiter... Eh klar... Aber!). 

    Auf der Website des Gesundheitsministeriums kann man sich den Spot, um den es geht, ansehen.

    Update: Nach genauerem Nachdenken glaube ich, dass mich da vielleicht eine Formulierung in Michael Hanfelds Text in die Irre geleitet hat. Vielleicht hat nicht, wie da steht, der Spot als solcher so viel Geld gekostet, sondern seine Platzierung in deutschen Kinos? Oder beides zusammen, also Produktion und Schaltung? Sie sehen aber: Ich halte da alles für möglich.


    5 Kommentare (ansehen). Kommentar hinzufügen


  • Gott des Kontrafaktischen

    Warum die "Buddenbrooks" das ganze Elend des deutschen Films verkörpern.

    18.12.2008, Ekkehard Knörer in: Aktueller Film, Filmpolitik

    Interview mit Heinrich Breloer über seine "Buddenbrooks" in der Welt:

    Auch der Film war ja ein Geschäft von einiger Größe. 16 Millionen, das kosten heute fast drei durchschnittliche Filmeprojekte ...
    Breloer:Nee nee nee! Drei kriegen sie dafür nicht mehr hin. Sechs, sieben Millionen brauchen Sie heute auch für einen kleineren Film. 

    Starkes Stück. Das ist die Amphibien-Welt aus Fernsehen und Vernebelung von Restverstand, in der einer wie der Herr Breloer lebt. Christian Petzolds "Jerichow", mit ziemlicher Sicherheit der beste Film, der in Deutschland 2008 entstanden ist (kommt Anfang Januar 2009 in die Kinos), hat - wenn ich mich jetzt richtig erinnere - 1,8 Millionen gekostet. Dabei sind die "Buddenbrooks" die vollendete Verkörperung des ganzen Elends deutscher Film- und Fernsehförderung - mehr zu deren längst katastrophalen Strukturen in einem instruktiven Artikel von Katja Nicodemus aus der Zeit der letzten Woche. Der Film - mehr dazu demnächst bei "Cargo" - hat im Kino nichts verloren. Er ist Mann-Verdummung und filmhandwerkliche sowie intellektuelle Bankrotterklärung in einem. Entstanden ist er als sogenannte "Amphibien"-Produktion - als Volker Schlöndorff (manchmal hat er auch recht) vor einem guten Jahr gegen diese längst gängige Praxis der Vermischung von Fernsehen und Film wetterte, hat ihn die Constantin gefeuert. Für die nämlich saß er an einer Verfilmung des Bestsellers "Die Päpstin" und protestierte gegen die "Panscherei", zu der er sich da genötigt sah. Selbst mit im Grunde gern mittuenden Kritikern macht man in diesen Kreisen gerne ganz kurzen Prozess. (Jetzt macht's Sönke Wortmann.) 

    An dem Bohei, das gerade um die nächste Woche anlaufenden "Buddenbrooks" veranstaltet wird, lässt sich auch die - extrem freundlich gesagt - gute Vernetzung von Produktion und Politik und Bericht erstattenden Journalisten beobachten. Der Spiegel schreibt seitenweise über den Film - mit ein paar kritischen Anmerkungen zwar -, aber dreister hat einer selten die Tatsachen verdreht als Nikolaus von Festenberg, der diese ödeste und konventionellste aller Literaturverfilmungen offenbar allen Ernstes als "Unterhaltungsfeuerwerk" lobt. Die FAZ hat zur Hofberichterstattung den Thomas-Mann-Experten Edo Reents an den in Essen ausgerollten Roten Teppich entsandt, von wo er nun einen Bunte-kompatiblen High-Society-Artikel schickt. (Nur dass High Society in Deutschland zum Beispiel und vor allem Horst Köhler heißt - immerhin, es gibt also etwas wie Gerechtigkeit.) Am letzten Wochenende schon durfte ein weitestgehend handsamer Willi Winkler in der SZ den arg strengen Stallgeruch verbreiten, den er sich bei den Dreharbeiten zum Riesenprojekt redlich verdiente. Damit ist das ganze Elend sicher noch nicht beschrieben - ich will gar nicht wissen, wo die Produktions-Phalanx der "Buddenbrooks" (Bavaria Film, in Koproduktion mit Pirol Film Production, Colonia Media, WDR, NDR, SWR, BR, Degeto, ORF und ARTE) noch so überall ihre Freunde sitzen hat und eifrig dem Gott des Kontrafaktischen huldigen lässt. 

    Die größte Lüge steckt übrigens in der Web-Adresse der Produktion: www.buddenbrooks-derfilm.de. Was immer die "Buddenbrooks" sind, ein Film im engeren oder weiteren Verstand dieses Begriffs sind sie nicht. Auch wenn man, ja Herr Breloer, sagen wir großzügig: acht brillante "kleine" Filme für dies so ganz und gar sinnlos verbrannte Geld hätte drehen können.


    1 Kommentar (ansehen). Kommentar hinzufügen


Standard CARGO

Nachklapp: Berlinale

Kommentare

Neueste Kommentare




© Cargo Verlag GbR 2008-2010 / Impressum / Anzeigen, Mediadaten / RSS / Hosting: classlibrary.net / www.cargo-film.de is a Django powered site.
    ISSN 1867-8750 (Website) ISSN 1867-8742 (Print)