CARGO Container Filmgeschichte
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Deutschland in der Nacht
Hinweis.
Im Österreichischen Filmmuseum in Wien startet übermorgen eine bemerkenswert kuratierte Reihe, die einen alternativen Blick auf die deutsche Filmgeschichte wirft - mit Arbeiten u.a. von Sohrab Shahid Saless, Želimir Žilnik, Walter Heynowski/Gerhard Scheumann und Eberhard Fechner. Das Programm finden Sie hier, es lohnt sich, darin zu stöbern.
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Heise/Harlan
Für den Freitag präzisiert Thomas Heise noch einmal seine Erfahrungen mit Thomas Harlan beim komplizierten Dreh von Wundkanal (siehe auch CARGO #1, S. 31) und erzählt von einem eigenen Projekt, das bis heute nicht realisiert wurde:
«Als alles vorbei war, habe ich mich nicht mehr darum gekümmert. Ich hatte mit meinen eigenen Katastrophen zu tun und saß an einer Recherche über ein Kaff in Mecklenburg und einen Zug mit 6.000 gefangenen Frauen, der dort am Ende des Krieges zwei Tage lang gehalten hatte und dann verschwunden war. Jahre später wurde am Bahnhof des Nestes ein Massengrab entdeckt, von dem niemand aus dem Dorf etwas gewusst haben wollte. Am Ende der Geschichte hatte ich ein Konvolut aus Geschichten und marschierte mit einem Bergarbeiter über die 600 Meter lange Sohle eines alten Salzbergwerks in Morsleben, in dem nach dem Krieg Hühner gezüchtet worden waren, weil die unterirdischen Hallen schon einen Betonfußboden besaßen und „im letzten Krieg industriell genutzt“ worden waren. Von der Nutzung als Außenlager A III des KZ Neuengamme stand nichts in der Expertise. Die Hühner waren weg, es wurde Atommüll eingelagert aus dem volkseigenen Kernkraftwerk „Bruno Leuschner“. Aus dem Film ist nichts geworden.»
Den gesamten Text finden Sie hier.
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Early Dardennes
Neu in unserem Webmagazin: Ein Glossar zum Frühwerk der Dardennes - von Lukas Foerster und Nikolaus Perneczky.
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Epstein: Pasteur
Debüt.
Unterm Namen "Ina Boutique" betreibt das französische Bewegtbildarchiv INA einen Shop. Derzeit gibt es dort als Stream Jean Epsteins ersten Film (als Koregisseur von Jean Benoît-Lévy), eine Darstellung des Lebens von Louis Pasteur aus dem Jahr 1922, umsonst. Download und DVD-Bestellung kosten je 4 Euro.
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Irving Lerner (I)
Linke Filmgeschichte.

Die folgenden Informationen verdanken sich fast vollständig zwei von Wolf-Eckart Bühler erarbeiteten und herausgegebenen Heften der "Filmkritik": Nr 289/290 im Januar und Februar 1981. Bühler erstellte dafür nicht nur eine möglichst vollständige Filmografie Irving Lerners, abgedruckt sind auch Interviews, die er in den Siebzigern mit Lerner selbst, mit Philip Yordan, mit Haskell Wexler, Ben Maddow und Leo Hurwitz geführt hat. Dazu kommt ein kluger Essay zu Lerner und seinen Filmen.
Philip Yordan, Drehbuchautor, Produzent, Arschloch und ausbeuterischer Frontmann für Blacklist-Autoren, sagte im Interview über Irving Lerner, dem er Arbeit gab, ohne ihn, wie es scheint, je angemessen zu bezahlen oder auch nur zu behandeln:
Er war ein Versager. Im ökonomischen Sinn war er ein absoluter Versager. Was er auch anfaßte, es machte kein Geld. All die Dinge, die er machte, und die er so gut machte, waren alles Dinge, die eigentlich gar nicht gemacht zu werden brauchten. Überflüssige Dinge. Schön vielleicht, aber überflüssig. Man kann sich so was ab und zu mal leisten, aber für Irving war das sein ganzes Leben!
In den Augen Hollywoods lebte Irving Lerner das Leben eines überflüssigen Menschen. Auch darum ist aus dem, was er tat und dem, was ihm dabei widerfuhr, viel zu erfahren über die amerikanische Filmindustrie, der er, immerhin, eine Handvoll eigener Filme abgetrotzt hat. Seine Karriere, im Schnelldurchgang: Geboren 1909 in New York. Studium der Anthropologie an der Columbia University bei Franz Boas; Bekanntschaft mit Margaret Mead (1927-1934). Für linke bzw. kommunistische Zeitschriften schreibt er Filmkritiken unter dem Pseudonym Peter Ellis. Herausgeber postumer Schriften des früh verstorbenen sozialistisch Filmkritikers Harry Alan Potamkin (1934). Erste Kenntnisse von Film- und Kamerarbeit im anthrop ologischen Kontext; Kooperation mit linken Theater- und Filmemachern. Mitarbeit am Film Pie in the Sky, an dem auch Ralph Steiner, Elia Kazan, Elman Koolish und Molly Day Thatcher beteiligt sind. In der Zeitschrift "New Masses" steht darüber zu lesen:
The silent film presented by New Theatre and Nykino is a splendid beginning toward revolutionary comedy-pantomime. With the simplest materials, in fact 'properties' and ideas that can be found on any city dump, it sustains for 20 minutes or so the right level of grim satire on misery.
In den linken Kreisen, auch in seiner Tätigkeit als Bearbeiter und Untertitler europäischer und sowjetischer Filme, lernt er Woody Guthrie, Eisenstein, Kurt Weill und Hanns Eisler kennen. Mit Fritz Lang geht er nach Hollywood, assistiert ihm bei You and Me (1938). Auch an Robert Flahertys Film The Land ist er als Kameramann und Assistent beteiligt.
1940 entsteht die Dokumentation Valley Town. Lerner ist im Vorspann nur als Editor genannt, arbeitete aber an allen Phasen und an der Konzeption des Films gleichberechtigt, wenn nicht führend mit. Es geht in dem Film um die sozialen Folgen, die die Einführung neuer Technologien in einer Stahlarbeiterstadt in Pennsylvania hat. Eine Tafel zu Beginn des Films hält fest: "The people in this film are not actors. They are men and women of an American town." Dennoch ist die Anmutung des Films nicht nur in der Wahl des von einer ganz sicher nicht authentischen Stimme gesprochenen Bürgermeisters als Ich-Erzähler alles andere als rein dokumentarisch. Im Gespräch mit Bühler erläutert Irving Lerner seine Haltung dazu - und verbindet sie mit einer Erklärung, warum er glaubte, seine Arbeit grundsätzlich auch im Kontext der Filmindustrie fortsetzen zu können:
Für mich gab es so etwas wie 'den Dokumentarfilm' eigentlich gar nicht mehr. Denn wie auch immer die Probleme sich stellen, sie müssen 'ausgerichtet' werden nach dem jeweils gewählten Thema. Also gibt es das gar nicht: eine ganz besondere und spezielle Weise, Dokumentarfilme zu machen. Oder Spielfilme zu machen. Das ist alles Film, nicht mehr, nicht weniger. Dokumentarfilm und Spielfilm, das sind keine Gegensätze, sehr viel entscheidender als das, was sie scheinbar trennt, ist das, was sie miteinander verbindet. Und also sagte ich mir, wenn das wirklich stimmt, was ich mir da denke, dann kann ich ebensogut dahin gehen, wo ich mein Arbeitsfeld unter Umständen ganz beträchtlich erweitern kann - und so packte ich meine Sachen zusammen und zog nach Kalifornien.
Bei den Prelinger Archives findet sich der Film Valley Town:, leider zerschießt unser Editor zuverlässig den Archive.org-Code fürs Einbetten. Daher ist das Bild nur ein Link-Platzhalter zum Archive.org-Stream:
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Trotz seiner eindeutigen Verortung im linken Spektrum, trotz seiner Tätigkeit sogar für die sowjetische Handelsorganisation Amtorg erhält Lerner von 1941 bis 1945 einen Job von der Regierung. Der im wesentlichen von ihm aufgebaute Overseas Branch des Office of War Information hat die Aufgabe, antifaschistische Filme für den Propaganda-Einsatz in Europa zu erstellen und dabei Werbung für den American Way of Life zu machen. Lerner nutzt die Gelegenheit dazu, ambitionierte Dokumentar- und Experimental-Filmemacher zu beschäftigen: Alexander Hackenschmid (als Alexander Hammid und Ehemann Maya Derens berühmt), der Schwede Henwar Rodakiewicz, der schon in den Zwanzigern Filme wie Portrait of a Young Man (mehr) gedreht hatte (jetzt in der Unseen Cinema Box wieder zugänglich), Roger Barlow (Kamera auch in Valley Town) und Sidney Meyers. Der bekannteste dieser Filme, Lerner führt dabei selbst Regie, ist der hinreißende The Autobiography of a Jeep. Der Titel verspricht nicht zu viel: Ein Jeep erzählt als Ich-Erzähler aus seinem Leben - man achte auch auf den winzigen Cameo-Auftritt von Laurel & Hardy. In viel besserer Qualität gibt es den Film wieder bei archive.org. (Man muss an Helmut Käutners In jenen Tagen denken, in dem das Dritte Reich aus der Perspektive eines Autos episodisch vor Augen geführt wird.)
Ein Coup gelingt Lerner im Jahr 1943. Yordan berichtet:
Kennst du die Geschichte mit Toscanini? Während des Krieges wollten sie unbedingt einen Film mit ihm machen, aber Toscanini hatte keine Lust. Er war nicht an Film interessiert und hat sie alle weggeschickt. Sie haben ihm die berühmtesten Regisseure angebracht, er hat sie nicht mal vorgelassen. Und dann hat er Irving getroffen und gesagt: wenn ich mit jemandem einen Film mache, dann nur mit Irving. Und Irving hat ihn gemacht. Er war einer von den Leuten, die in Konzerte gehen und die Partitur mitlesen, weißt du...
Der Film, der entsteht, heißt Toscanini: Hymn of the Nations. Produktion, Schnitt und Regie Irving Lerner. Einer der beiden Kameramänner ist Dziga Wertows seit 1942 in den USA arbeitender Bruder Boris Kaufman. Im Zentrum des Konzerts im Madison Square Garden, das der Film zeigt, steht Giuseppe Verdis "Hymne der Nationen". Hier ein Ausschnitt (Teil 2 in einem Anschluss-Clip):
Unmittelbar vor dem Konzert - das erzählt Lerner im Gespräch mit Wolf-Eckart Bühler - marschiert Hitler in der Sowjetunion ein. Der auf der politischen Linken und für den italienischen Widerstand engagierte Toscanini besteht darauf, aus Solidarität die sowjetische Nationalhymne zu spielen. Lerner: "Wir wußten nur zu genau, was das für uns bedeutete: kein Film mehr - denn die Sowjetunion war zwar theoretisch ein Alliierter, in Wirklichkeit aber natürlich nicht, in Wirklichkeit natürlich der wirkliche Feind, usw." Lerner wendet seine ganze Überredungskunst auf - und in der Tat gelingt es den beiden, einen verblüffenden Kompromiss zu finden:
Gleich zwei der unter Lerners Leitung und Regie bzw. Co-Regie - das alles immer noch im Rahmen der von ihm organisierten Overseas-Abteilung des Office of War Information - entstandene Dokumentarkurzfilme werden für den Oscar nominiert: Swedes in America (mit Ingrid Bergman) und eine Doku über The Library of Congress (Hammid ist Co-Regisseur); beide leider im Moment nicht im Netz zu finden. Update: Irrtum, den Library-of-Congress-Film gibt es:
Ein weiterer sehr schöner Film, entstanden in einer ganzen Serie mit dem Titel "The American Scene", ist The Cummington Story, der in nachgestellten Szenen die zögerliche Annäherung zwischen den Bewohnern einer Kleinstadt in New England und dort auftauchenden Kriegsflüchtlingen zeigt (Regie: Helen Grayson und Larry Madison. Die Musik ist von Aaron Copland):
Nach dem Krieg bringt Lerner - mit Hilfe von Willard van Dyke - ein Projekt zum Abschluss, an dem er seit 1942 arbeitet: die Musik-Dokumentation To Hear Your Banjo Play. Eine Geschichte, in der Tat, des amerikanischen Banjo-Spiels. Erzählt von Pete Seeger, im Fokus auch Woody Guthrie, mit dem Lerner seit längerem befreundet ist:
Weil die Bedingungen für Dokumentarfilmarbeit in New York sich dramatisch verschlechtern, geht Irving Lerner 1947 endgültig nach Hollywood. Das ist ein anderes Kapitel. Darüber demnächst mehr.
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Wertow als Animationsfilmer
Fundstück.
Das Chicagoer Kino und DVD-Label Facets hat ein Blog, in dem es jeden Tag ein Fundstück von Youtube gibt. Zuletzt einige osteuropäische Animationsfilme, von denen mir, muss ich gestehen, auch der heute eingebettete, nämlich Soviet Toys von Dziga Wertow bislang unbekannt war. (Besonders hübsch: Zweimal gibt es darin Werbung für die frisch gegründete Goskino, am Ende sogar mit eingeblendeter Telefonnummer. Obwohl sie nicht mit 555 beginnt, sind die Aussichten, Wertow an die Strippe zu bekommen, allerdings wohl eher gering.):
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Hunter Hurry Sundown
Filmkritografisches.
Tim Hunters Spielfilme Tex (1982) und River's Edge (1986) haben einen hervorragenden Ruf (letzteren habe ich vor langer Zeit einmal gesehen und weiß nur, dass er mir gut gefiel), er ist aber trotzdem nicht zum großen Hollywood-, sondern zum Premium-TV-Regisseur geworden (Folgen u.a. von: Twin Peaks, Homicide, Mad Men, Dexter). Hunter studierte in den Sechziger Jahren in Harvard und veröffentlichte in der Studentenzeitung "Crimson" Filmkritiken. Danach studierte er u.a. mit Terrence Malick, Paul Schrader und David Lynch am AFI Center for Advanced Film Studies. Das alles nachzulesen in einem Blogeintrag von Girish Shambu, der sich für die Infos wiederum bei Adrian Martin bedankt. Noch besser: Die Texte von Hunter aus "Crimson" sind online und erweisen sich als sehr lesenswert. Sehr schön eigenwillig ist seine Auswahl der besten Filme des Jahres 1967. Darunter findet sich etwa Otto Premingers Hurry Sundown:
With European detachment, Preminger stands outside the tense and ugly world, watching with carful scrutiny without allowing his camera to enter and take part. In Preminger's films, there are no point-of-view shots; Preminger never cuts to what a character sees, instead putting both the watcher and the watched in the same shot. Though Preminger tends to ignore the dramatic world of his films, his camera defines the personality and function of a character by the amount of space placed around him, and by the way he is moved with relation to the frame. The more space Preminger has to work with, the more complex his films become, and predictably, Preminger is a master of wide-screen cinematic technique. At best, Preminger creates a network of conflicting spatial relationships from the many people in his best-seller-based sagas, and his films work on a level far transcending the dramatic material. From this specialized, perhaps perverse, point-of-view, Hurry Sundown is close to Preminger's best film.
Premingers Hurry Sundown wird allgemein wenig geschätzt, auf DVD gibt es ihn bislang nicht. Dafür aber seit kurzem auf Youtube, und zwar nicht in ganzer Pracht, aber voller Länge:
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Dänische Raserei
Der siebte Sinn à la Dreyer.
In der Trivia-Abteilung der IMDB werden wüste Dinge kolportiert über Carl Theodor Dreyer, im Zusammenhang mit seinem Kurzfilm De nåede færgen von 1948. Dies etwa:
According to cameraman Jørgen Roos, Carl Theodor Dreyer suggested that they approach the Ministry of Justice to obtain a prisoner of war, condemned to be executed, and cast him as the driver of the film, on the condition that he would be freed if he survived the filming. Predictably, nothing came of this plan, and the filmmakers instead hired a professional motorcycle driver, Joseph Koch.
Und das:
At one point the camera motorcycle, carrying cameraman Jørgen Roos in its sidecar, approached a truck so fast that the driver panicked and swerved into them, driving the cycle off the road and into a tree. Luckily, neither the driver nor Roos hit the tree head on, but both were thrown from the vehicle, and Roos sustained a broken wrist and rib. When Carl Theodor Dreyer reached the scene, he inspected the camera first to see if it was damaged before checking to see if Roos and the driver were okay.
Der Film ist eine Auftragsarbeit, er warnt vor den Gefahren überhöhter Geschwindigkeit im Straßenverkehr. Dabei vermittelt der Film selbst etwas, was man mit Dreyer nicht in Verbindung bringt: Tempo. (Vielleicht weil ich neulich Il Grido wiedergesehen habe, kam mir die Idee, dass man über die Tankstelle als Topos im Nachkriegsfilm einmal nachdenken sollte. Und woran ich unweigerlich auch erinnert bin: Hiroshi Shimizus Arigato San.)
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Resnais - Marker - David
Einflüsse.
Aus einem tollen Gespräch, das Christoph Huber für Die Presse mit Alain Resnais führte:
Chris Marker ist das Ass, der König der Regisseure! Der wichtigste in Frankreich. Wir sind noch immer gute Freunde, obwohl wir uns nur noch selten sehen. Ich bin kein Fanatiker, was TV-Serien angeht: Ich verfolge ungefähr ein halbes Dutzend treu. Übrigens sollte man diese Serien nicht episodenweise ansehen. Ich schaue sie immer am Stück, und wenn es 80, 100Stunden dauert. Sie sind als kontinuierliche Werke konzipiert, nicht damit man eine Folge hier oder da sieht. Bei „Alias“ oder den „Sopranos“ stelle ich mir vor, dass Filmpioniere wie Erich von Stroheim oder Abel Gance ähnlich ausufernde Visionen hatten: Ein Film wie ein großer Roman. Larry David könnte Les herbes folles beeinflusst haben: Ich bin ein großer Fan seiner Show „Curb Your Enthusiasm“.
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Aussatz
Gesicht, Mauer, Schrund.
"Die Ordnung" ist auf der Seite der Medizin. Und die Medizin unterscheidet klar und ordentlich: Krank und Gesund. Eine scharfe Linie wird so gezogen zu den Leprösen. Die Leprösen kommen nicht hinter Gitter, aber hinter Wasser. Auf die Insel Spinalonga. (Genauer gesagt: die Nebeninsel Kalidon.) Eine Mauer, eine Schranke, eine Welt der Eingeschlossenen. Dieser Welt nähert sich, da existiert sie schon nicht mehr, Jean-Daniel Pollet: mit seinem Film L’ordre und darin mit Stimmen aus dem Off, die über die Ordnung nachdenken, die mit der Stimme dessen sprechen, der zwischen krank und gesund nicht so genau unterscheiden will, und gelegentlich gar mit der Stimme der Kranken. Der Welt der Kranken, der Mauer, der Schranke, der Insel hinter dem Wasser nähert sich Pollet mit der Kamera und manchmal sind da elementar nur: die Mauer, die Schranke, der Fels, das Wasser, die Insel, der gehende, eilende Blick der Kamera. Sie ist in Bewegung, sie nähert sich an, sie fährt zu auf die Schranke, sie geht hinein, sie lässt die Mauer hinter sich, sie beobachtet den Boden, die Wände und ihre leprösen Schründe. (Diesen Vergleich lese ich hinein, aber er liegt mehr als nur nahe. Gebäudekörper, verlassen, der Blick raspelt an den Mauern entlang, wieder und wieder.) Unruhig ist diese Kamera. Sie macht Bilder, die sich wiederholen, sie holt aus, sie eilt, sie verlangsamt ihr Tempo, sie schnüffelt auf dem Boden, sie torkelt, sie pendelt auf das Fenster zu und wieder zurück und wieder vor und wieder zurück. Wer führt diese Kamera? Oder ist sie ein Instrument, das sich aus der Ordnung gewohnter Filmbilder gelöst, ein Auge, das sich verselbständigt hat? Und wippt sie vor und zurück wie ein Verrückter? An den leprösen Schründen der Mauern frisst sie sich entlang. Und hält immer dann still, wenn der Aussätzige spricht. Griechisch, eine Stimme wie aus einem Höllenmaul. Die Kamera nötigt uns, nötigt sich, dem Entstellten ins Gesicht zu sehen. Dem Entstellten, der anklagt, aber nicht klagt, der vom Leben und Lieben erzählt der Leprösen auf Spinalonga. (Genauer gesagt: Kalidon.) Natürlich gab es Liebe und Sex und Geburten hinter den Wassern. Die Babys wurden, zur eigenen Sicherheit, abgeholt, ihren Eltern, den ordentlich aus der Ordnung Gestoßenen, aus den Händen gerissen. Heimgeholt in die richtige Gesellschaft, die Gesellschaft der Geswunden. Der Entstellte, der so überaus artikuliert ist, mit feuriger Stimme spricht und gegen Ende in den Handstummeln seine Zigarette hält, der Entstellte wird im Film nicht an Ort, Zeit und Stelle genagelt. Er ist reine Präsenz, er erinnert sich, er spricht vom Vergangenen, er ist Zeuge, er ist Stimme des Films, von dem er zugleich vermutet, er werde ihn auch nur benutzen, (das ist mitgesagt im Film), er ist Stimme der Aussätzigen (spät, sehr spät erst wie beiläufig weitere Bilder von anderen Kranken), er hat es hinter sich, man kann es nicht hinter sich haben. Er klagt nicht, er klagt an, er klagt nicht an, er konstatiert, mit Leidenschaft, er reflektiert, er bezeugt, er ist die Stimme, der schrundige Fels, vor dem die sonst so unruhige Kamera innehält, vor dem die sonst so gesprächigen Stimmen verstummen, er ist, schwarz-weiß, dann in Farbe, nicht mehr und nicht weniger als der zur Sprache gekommene Aussätzige bei Jean-Daniel Pollet.Hier ist der Film, gut 40 Minuten, auf YouTube, französisch ohne Untertitel. Leider gibt es meines Wissens keinen einzigen Pollet-Film mit englischen (oder gar deutschen) Untertiteln. Über die faszinierend in zwei Hälften zerfallende Filmografie des Regisseurs schreibt bei den Auteurs Dan Sallitt.
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Frederick Wiseman A-Z
Zum 80. Geburtstag.




































Der wichtigste Werkkorpus der amerikanischen Filmgeschichte: Von Adjustment & Work (1986) bis Zoo (1993). Frederick Wiseman, geboren am 1. Januar 1930 in Boston, Massachusetts, U.S.
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Hitchcock Presents
Einblicke.
David Cairns hat eine Doku ausgegraben, die Testaufnahmen zu Hitchcocks vor Topaz geplantem, aber so nie gedrehten Projekt Kaleidoscope-Frenzy zeigt (auch eine tolle Szene von den Dreharbeiten zu Frenzy). (hier sein Kommentar dazu)
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Liebesdreieck, griechisch
Irrer Film.
Hätte ich nicht vor wenigen Tagen einen kurzen Dokumentarfilm von Michelangelo Antonioni über die seinerzeit ausgesprochen populäre Kunst des Fotoromans gesehen, wäre ich wahrscheinlich weniger schnell darauf gekommen, dass mich Giorgios Skalenakis' ganz außerordentlich faszinierender Film Dama Spathi von 1966 justament daran wie an nichts anderes erinnert. Es passt schon der Titel des Antonioni-Films, L'amorosa menzogna (engl. Lies of Love) dazu wie die Faust aufs Auge. Der Plot von Dama Spathi (englische Titel: Love Cycles und Queen of Clubs) ist schnell erzählt. Das frisch verheiratete Fotomodel Elena (Elena Nathanael) holt am Hafen den zur See fahrenden Ehemann Vasili (Theo Roubanis) mit dem Auto ab. Sie haben eine Woche miteinander, fahren in ein Seebad und dort fällt Elenas Blick auf den überaus gutaussehenden Alexandros (Spiros Focás).
Der Rest des Films ist LIEBE, TOD, EIFERSUCHT, SEX. Großgeschrieben. Wie im Fotoroman. Und wie auch da gerinnt Skalenakis alles zur Pose, zum Tableau, zur choreografierten Bewegung. Nicht die Nuance zählt, sondern die Fassung, in die die hervorragende Kamera die Gefühle bringt. Es ist auf eine seltsame Weise das Gegenteil von Psychologie, worauf die Darstellung hinauswill. Nie werden Entscheidungen dramatisiert, zur Szene wird stets nur, was der Entscheidung, für, gegen den einen, den andern, immer rundherum geht das, folgt. Die Gefühle scheinen wie von den Figuren, die wie Fotomodelle und Dressmen durch den Film sich bewegen, gelöst und in die Komposition selbst hineinverstrebt. Aufgespannt wird das Eifersuchtsdreieck, das der Rest des Films dann in unberechenbarer Manier durchspielt, durch den in der folgenden Szene zu sehenden seltsamen Tanz. Gerade erst haben Elena und Vassili im Seebad den an der Hotelrezeption arbeitenden Alexandros kennengelernt. Blicke sind gefallen, viele Worte sind nicht gemacht. So löst Skalenakis diese Konstellation, und zwar in für den Film typischer Manier, auf:
Das geht im daran anschließenden Youtube-Stück noch ein wenig weiter (lohnt sich, das Ende ist perfekt): eine der großen Tanzszenen des Kinos - und wer an Godards Außenseiterbande denkt, liegt wahrscheinlich nicht ganz falsch. Freilich ist Skalenakis nicht Godard. Es ist jedoch schwer zu sagen, wer er dann ist. In manchen Momenten musste ich etwa an Bollywood denken (speziell sogar an Guru Dutts Jaal, den Skalenakis ganz sicher nicht gekannt hat), so selbstbewusst löst der Film einzelne grandiose Szenen fast völlig aus dem narrativen Zusammenhang und stellt sie hin wie eine Skulptur. Nur dass diese Skulpturen in Bewegung gesetzt sind und ausnahmslos auf eine stilisierte Weise, mit Sinn für ornamentale Konstellationen komponiert, die man absurd, lachhaft und over the top finden kann oder, wofür ich entschieden plädiere, einfach nur grandios. Wie dies hier etwa, eine Aussprache vor Oktopushintergrund, nur ca. 20, 30 Sekunden:
Puristen werden den Film abtun. Für mich aber ist er ein starkes Argument für die gezielte Kombination von Kunst und Kitsch. Nichts an diesem Film ist in klassischer Weise korrekt. Er überzieht und gibt sich manieriert und setzt auf das eine Klischee ein anderes drauf. Allein die Musik wird manchen zu nichts weiter als Kopfschütteln bewegen. Dabei ist sie toll. Suggestives Georgel mit Sirtaki-Unterströmungen. Sogar die gelegentlich haarsträubende englische Synchronisation in der vorliegenden Fassung passt in ihrer hölzernen Artifizialität, mit ihren gelegentlich unfreiwillig komischen Grunz- und Brummlauten ganz wunderbar zur Anmutung dieser Geschichte.
Ich hatte von dem Film nie zuvor gehört, bin nur beim Surfen durch meine Lieblingskanäle bei Youtube rein zufällig darauf gestoßen. Über den Regisseur Skalenakis ließ sich auf die Schnelle nur in Erfahrung bringen, dass er mit Milos Forman in Prag Film studiert hat. Er lebt noch, zwei Jahre später ist ein weiterer Film, Titel Imperiale, entstanden in ähnlicher Konstellation von Buch, Darstellern und Regie. Er scheint nirgends zu existieren. Und Dama Spathi existiert gleichfalls in keiner offiziellen DVD-Fassung. (Sogar die Filesharing-Quelle meines Vertrauens verzeichnet ihn nicht.) Gepriesen sei Youtube - und für mich persönlich ist spätestens nach Ansicht des Films der Beweis erbracht, dass mich auch in dieser qualitativ suboptimalen Form ein Film umhauen kann. Hier noch eine Lieblingsszene (aus einem Werk, das für den, der "Ja" zum ihm sagt, sozusagen im wesentlichen aus Lieblingsszenen bestehen wird), spät im Film, Rückblende auf die glückliche erste Zeit nach der Hochzeit. Dergleichen habe ich jenseits von Bollywood nur selten gesehen:
Der Film beginnt bei Youtube hier, eine Playlist gibt es leider nicht, d.h. man muss sich rechts über "ähnliche Videos" durchklicken. All jenen, die sich von der Beschreibung angesprochen fühlen, kann ich nur heftig versichern: Es lohnt auch unter diesen widrigen Umständen.
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Let Us Remold Ourselves!
Revolutionsopern.
Jetzt bei Youtube - und nirgends auf DVD mit englischen Untertiteln -: Xie Jins Film Wutai Jiemai (Zwei Schauspielerinnen), ein Klassiker des chinesischen Films von 1964, der von zwei Shaoxing-Opern-Darstellerinnen erzählt. Kurzes Zitat aus einem 1989 erschienenen Aufsatz von Gina Marchetti, der sowohl politische als auch opernästhetische Hintergründe erklärt:
Although epic in scope like traditional opera, TWO STAGE SISTERS also has the chamber quality of a literature influenced by Ibsen and Western critical realism. Jiang Bo cooks rice, which boils over as she discusses sexism, classism and the theatre with Chunhua. A montage sequence shows the daily routine of the traveling troupe from calisthenics for martial roles to memorizing lines while walking from town to town. This attention to what may appear to be nearly irrelevant detail creates a sense of the particularity of the social fabric, a concrete feeling of the historical period — as it does in the best of Western critical realism.
Ich habe den Film noch nicht gesehen, der Zusammenfassung bei Variety ist zu entnehmen, dass Wutai Jiemai erst im letzten Teil explizit kulturrevolutionäre Propaganda macht. Letzter Satz des Films: "Let us remold ourselves and always perform revolutionary operas."
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Lino Brocka
Anlässlich der Viennale-Retrospektive haben sich Lukas Foerster und Nikolaus Perneczky über die Filme von Lino Brocka und «Brocka» als Option des politischen Kinos der Gegenwart unterhalten - hier finden Sie das ausführliche Gespräch der beiden CARGO-Autoren.
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Rudolf Thome 70
Glückwunsch.
Alles Gute an Rudolf Thome, der heute seinen 70. feiert. Wir wünschen ihm, nicht ganz uneigennützig, noch Kraft und Zeit (und, tja, Fördergremienglück) für viele Thomefilme.
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London 1927 in Farbe
Zwei-Farben-bunt.
Das British Film Institute hat einen zehnminütigen Film aus dem Jahr 1927 bei Youtube ins Netz gestellt, der Aufnahmen aus London zeigt - in Farbe. Wenn ich recht verstehe, in einem Zwei-Farben-Kolorierungsverfahren hergestellt, mit verblüffenden Resultaten. (via rogereberttwitter)
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Die Vergangene Woche (KW 44)
Highlights.

Still aus Norodom Sihanouks Spielfilmdebüt Apsara
Vor nicht allzu langer Zeit hat Tilman Baumgaertel, Filmwissenschaftler und Kritiker, die Philippinen verlassen - und lehrt jetzt an der Royal University of Phnom Penh. Das war zwar einerseits ein herber Schlag für die Berichterstattung über das philippinische Kino - im Moment eines der spannendsten der Welt -, andererseits ein großer Gewinn für diejenigen, die sich fürs kambodschanische Kino interessieren. Baumgaertel bloggt nämlich fleißig weiter und berichtet im Moment gerade von einer Retrospektive mit demTitel Golden Reawakening (ein dazugehöriges Blog). Im jüngsten Eintrag - übrigens taucht in einem der vorigen aus heiterem Himmel Detlev Buck auf - geht es um die Filme des international bekanntesten kambodschanischen Filmemachers, Norodom Sihanouk. Bekannt ist der natürlich weniger als der produktive Regisseur, der er war, denn als König. Baumgaertel weist darauf hin, dass man auf der Website von Sihanouk selbst Ausschnitte aus seinen Filmen sehen und downloaden kann. Er schreibt dazu:
A longer analysis of his films has to wait for the time being, so it needs to suffice here to say that his films were subject of some controversy when they were released. While much of the monarchist press praised them for obvious reasons, others were less enthralled. While some argue that these films were a way of reaching out to an audience that was often illiterate and knew little about the history of their own country, other see them as self-indulgent self-portraits of a tiny upper class that lived a live of luxury very detached from the realities of the average Cambodian.
Zum Thema philippinisches Kino passt wiederum die Nachricht, dass Quentin Tarantino an den von uns kürzlich video-interviewten Regisseur Brillante Mendoza einen Brief (hier im Wortlaut) geschrieben hat, in dem er dessen in Cannes gezeigten Film Kinatay lobt.
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Vor ein paar Tagen ist hier in Berlin das 2. Asian Women's Film Festival zuende gegangen. Es ist mir aus Zeitgründen nicht gelungen, auch nur einen der Filme des hoch interessanten Programms zu sehen. Was ich aufrichtig bedaure. Besonders spannend schien der Einblick, den man dabei in die nordkoreanische Filmproduktion erhielt, die natürlich aus auf die eine oder andere Weise propagandistischen Filmen besteht. Momus hatte in seinem Blog schon vorausgeblickt, und kommt in einem anderen Kontext noch einmal darauf zurück:
I must say I'm enjoying immensely the North Korean films at the Asian Women's Film Festival (ongoing here in Berlin). What I find so refreshing in these films is precisely their propagandistic intent. Rather than disrupting or engaging in dialogue, they lay out as didactically as Brecht's Lehrstücke the ideology of the party. They also transform this ideology into a code of ethics to live by, and a system of family, work and community relations.
Bei Momus verlinkt ist auch ein Ausschnitt aus einem der gezeigten Filme, The Flower Girl, nach einer Oper, geschrieben vom großen Führer King Il-Sung:
Lukas Foerster hat auch ein paar der Filme gesehen, aber bisher leider nur kurz getwittert dazu ("a bellflower: nordkoreanisches propaganda-melo, sehr evokativ, die farben des real existierenden konfuzianistisch-faschistischen sozialismus")
Und, zum Thema passend: Eine Bildergalerie von recht trostlosen Eindrücken aus einer nordkoreanischen Videospiel-Arcade.
Weitere Links, Hinweise etc.
Der Manny-Farber-Gesammelte-Filmtexte-Band der Library of America ruft weiter Reaktionen hervor: Duncan Shepard schreibt über Manny Farbers Schreiben, während Glenn Kenny die sehr schöne Idee hatte, sich einmal Farbers erklärte Lieblingsfilme des Jahrs 1951 anzusehen - und zu erproben, wie haltbar die Urteile nach mehr als einem halben Jahrhundert sind. Er beginnt mit Charles Marquis Warrens Little Big Horn.
Wiederum Glenn Kenny hat ein zweites Mal Spike Jonzes Boxoffice-Anführer Where The Wild Things Are gesehen - und mag ihn noch weniger als beim ersten Mal.
Sascha Westphal porträtiert für die Welt den zwischen deutschem Fernsehen (Tatort) und amerikanischer Independent-Szene und eigenen kriminalliterarischen Werken sowie zwischen Los Angeles und Berlin aufs Ungewöhnlichste pendelnden Regisseur und Autor Buddy Giovinazzo.
Das Blog Bioscope berichtet ausführlich - und in Gestalt eines anonymen Gastautors - vom Stummfilmfestival im italienischen Pordenone. Hier der jüngste Eintrag, unten die Links zu den vorhergehenden.
Screendaily erklärt, warum der japanische Markt für ausländische Independent-Filme (wie in geringerem Maß auch für Hollywood-Filme) mehr oder weniger zusammengebrochen ist.
Janko Roettgers beim immer lesenswerten NewTeeVee mit einer aufschlussreichen Interpretation von Statistiken, die darauf hinzuweisen scheinen, dass Streaming (von YouTube bis zShare) dabei ist, Filesharing als beliebtestes Instrument des Online-Bewegtbildkonsums abzulösen.
National Geographic hat eine Bildergalerie mit Aufnahmen des für seine Kriegsfotografien weltberühmten Fotografen James Nachtwey zum Thema Islam in Indonesien. (Problematisch wie alles von Nachtwey, finde ich. Aber sehen Sie selbst.)
Update: Ah, glatt vergessen, wollte ich aber auf jeden Fall noch verlinken. Christoph Hochhäusler freut sich auf kommende Filme, auf die wir uns mindestens ebenso freuen.
Und noch was: Bei Movies & Sports eine interessante Liste der gesamteuropäisch erfolgreichsten Filme des Jahres. (Dort auch, sehe ich jetzt, der Tarantino-Brief an Mendoza im Scan.)
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INA - Nouvelle Vague
Fundstücke.
Ich weiß nicht ganz genau, wann das französische Medienarchiv INA - siehe vorangehender Eintrag - seine Online-Pforten geöffnet bzw. seine Schätze zum Einbetten freigegeben hat (nach Anmeldung); ich bin nun auf der Suche nach Jacques Rivette jedenfalls erstmals bei Google darauf gestoßen. Da gibt es viel zu erkunden. Hier schon mal eine kleine Liste mit aus Archivmaterial zusammengestellten Kürzestfilmen zum fünfzigsten Geburtstag der Nouvelle Vague. Da gibt es nach erstem Suchen durchweg sehenswerte Clips zu Jacques Rivette, Alain Resnais, der Cinémathèque Francaise (mit Langlois), Jean-Claude Brialy, Claude Chabrol, Jacques Demy, Eric Rohmer (der will aber nicht ins Bild), Bernadette Lafont und Jean Seberg (Frisur: gewöhnungsbedürftig), alle in der Blüte ihrer Jahre. Eingebettet hier aber zu Ehren unseres aktuellen Heftschwerpunkts the one and only Agnès Varda:
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Weltkino Iran
Blog-Entdeckung

Girish Shambu verdanke ich den Hinweis auf das iranische - meist englischsprachige - Filmblog "Notes on Cinematograph" von Ehsan Khoshbakht. Da gibt es nicht nur Fundstücke wie dieses iranische Poster zu Don Siegels Dirty Harry, sondern zum Beispiel recht aktuell auch zwei Top-Ten-Listen von iranischen Filmkritikern. Eine zum Weltkino, die ist mehr run-of-the-cinephile-mill. Interessanter scheint mir die andere, die die zehn besten iranischen Filme versammelt. Jeder westliche Cinephile wird staunend auf jeden Fall Abbas Kiarostami vermissen.
Und zwar kenne - und bewundere - ich Bahram Beizais Bashu auf Platz zwei, von dem Film auf dem ersten Platz habe ich aber zu meiner Schande noch nie gehört: Mahsud Kimiais The Deer (Gavaznha) von 1976. Eine weitere Liste, nämlich die der an der Abstimmung teilnehmenden Kritiker, macht große Lust darauf, Näheres über diese zu erfahren. Hier ein Clip aus The Deer, es gibt noch mehr in deutlich schlechterer Qualität bei YouTube. (Und auch auf weiteren Plätzen der Top Ten tauchen Namen auf, die mir nichts sagen. Es gibt eindeutig einen Schwerpunkt auf vorrevolutionärem, linkem bzw. marxistisch inspiriertem Filmemachen der Siebziger.)
Update: Gerade entdecke ich noch einen Eintrag zur Geschichte und Gegenwart der iranischen Filmkritik. Faszinierender Blick auf ein Buch mit sieben Siegeln.
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Bigger than Life
Lethem on Ray.

Großartiges Gespräch bei den Kollegen von Cinema Scope mit Jonathan Lethem über Nicholas Rays Bigger Than Life (1956):
LETHEM: Well, there’s a version of the fundamental paradox of ‘50s America. It’s alluded to in the film: the Cold War fears and the bomb, also McCarthyism. The whole incredible self-loathing paradox embedded in this apparently simple idea that “our enemy is trying to destroy our free American way of life.” The Communist enemy is like a race of insects. A faceless horde. Whereas in America, you’re allowed to be free and do anything you want, but any sign of disturbing behavior means you might be a Red, so we have to conform to one another, in order to prove that we are not the faceless horde—so we’re undergoing this constant self-scrutiny for difference. This describes a decade that contains both Allen Ginsberg and J. Edgar Hoover.
Bemerkenswert ist auch der Old School-Trailer mit James Mason:
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Jobless Men, Folge 8

Folge 8 unserer krisenbegleitenden Reihe Jobless Men: Robin Celikates über Skyscraper Souls (Edgar Selwyn) USA 1932
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Soundies
Musik. Film.
Das Musikvideo hatte manchen Vorfahren. Die Soundies zum Beispiel. Die Wikipedia erklärt:
Soundies were an early version of the music video: three-minute musical films, produced in New York, Chicago, and Hollywood between 1940 and 1946, often including short dance sequences. (The completed Soundies were generally released within a few months of their filming; the last group was released in March, 1947.) The films were displayed on the Panoram, a coin-operated film jukebox or machine music, in nightclubs, bars, restaurants, factory lounges, and amusement centers.
Rund 1800 Soundies sind in den Jahren entstanden, eine ausführlichere Geschichte findet sich hier. Und natürlich gibt es inzwischen auch einige Soundies auf Youtube. Eine kleine Auswahl:
Hier, weiß und erotisch, Yvonne de Carlo:
Kubanisch und erotisch, Amalia Aguilar:
Im Vergleich zur normalen Filmproduktion überdurchschnittlich häufig vertreten waren schwarze Performer, etwa Jazz-Musiker wie Fats Waller:
Oder als Rokoko-Boogie:
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Pojar: Apfeljungfrau
100 Regisseure.
Kürzlich hat Kevin Lee bei Shooting Down Pictures eine Liste von 100 wichtigen Regisseuren von animierten Kurzfilmen gepostet. Darunter auch der von Břetislav Pojar - Vlado Kristl, dessen Quijote-Film ich kürzlich hier eingebettet habe, ist übrigens nicht auf der Liste). Von Pojar, über den es hier mehr zu erfahren gibt, kann man bei Youtube gerade "ganz neu" den Märchenfilm Die Apfeljungfrau (Jabloňová panna, 1973) sehen, 14 Minuten lang in zwei Teilen und für meine Begriffe eine Schönheit:
Daneben aber viele weiter Pojar-Filme, die Übersichtsseite ist hier.
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Dreharbeiten (6): Billy Wilder dreht Buddy Buddy
Mit Klaus Kinski.
Billy Wilder bei den Dreharbeiten zu seinem letzten Film Buddy, Buddy: Anweisungen für Klaus Kinski, der zwischendurch auch kurz interviewt wird. Besonders toll: das anfahrende Auto. (Dauer: 1'41''. Bildqualität: sehr schlecht.)
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Fünf Links: Filme im Netz (2)
Quite a Handful.
Segundo de Chomon: Les Kirikis - Acrobates japonais (F 1907, 2'41'', Europa Film Treasures)
Irresistible film that inspired many artists (including choreographer Philippe Decouflé), this three-minute gem was shot by Segundo de Chomón (1871-1929), special effect specialist hired by Pathé to direct a series of films based on special effects and meant to compete with those of Georges Méliès. (Europa Film Treasures)
Jean Genet: Un chant d'amour (F 1950, UbuWeb)
Je ne sais si toute cette magie était sensible à qui, sans l'assistance, n'avait pas ce culte de l'amour homosexuel. Il faut pourtant le croire puisque, la bande terminée, un long silence régna. On sentait que l'impression était forte, la surprise complète pour certains. Sont-ce mes idées qui me firent trouver que rien n'avait pu choquer, puisque rien ne m'avait semblé vulgaire? Cette force de l'érotisme contenue dans chaque geste, soutenue dans chaque regard, apparaissait comme essentiellement légitime. (Yves-Claude Reignoux)
John Cassavetes: Minnie and Moskowitz (USA 1971, Youtube)
I was very tired when this movie started, but I'll be damned if it didn't fire me up. (Harry Knowles)
Paul Bartel: Death Race 2000 (USA 1975, Google Video)
I can understand society writing off the old folks as useless baggage, because we do that all-too-often anyway, but a child? Surely, even at our worst, humanity could not cheer at the sight of an infant being run over by a car. Well, except for Damien, but it is not as if a few more hugs from mom and dad (not his real dad; I mean the chump raising Damien as his own) are going to rescue the child of Satan from his dark path. (Badmovies.org)
Ann Hui: Nu ren si shi / Summer Snow (Hongkong 1995, ku6)
In 1995, Summer Snow won four Golden Horse Awards at the Golden Horse Film Festival and the Prize of the Ecumenical Jury and Silver Berlin Bear at the Berlin International Film Festival. The following year it won the Grand Prix at the Créteil International Women's Film Festival, severalGolden Bauhinia Awards, several Hong Kong Film Awards and the Hong Kong Film Critics Society Awards for Best Actress and Best Film. (Wikipedia)
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Martin Sheen: Inside the Actors Studio
Interview.
In der Serie Inside the Actors Studio gibt Martin Sheen, unser aller liebster, äh, zweitliebster US-Präsident der letzten Jahrzehnte Auskunft über Leben und Werk.(Fünf Teile.) Besonderer Service: Mit italienischen Untertiteln.
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Kampfszene 1933
Stummfilm, China.
Im Bioscope-Blog gibt es eine kurze Geschichte des chinesischen Stummfilm-Kinos, DVD- und Literaturangaben inklusive. (Auch der Hinweis auf zwei der Filme, die im Internet Archive zu sehen sind.) Kurzer Auszug aus dem Text:
Production was often dominated by Leftist concerns (particularly those from Lianhua), concentrating on the struggles of ordinary people and contemporary, patriotic concerns. Examples include Xiao Wanyi (Little Toys) (1933) directed by Sun Yu (above) and Bugao Cheng’s Chu Can (Spring Silkworms) (1933). Nevertheless the films were chiefly consumed by a middle-class which valued glossy production values that showed the strong influence of American cinema. Classic melodramas, often with suffering central female figure, include The Goddess (Shen nu) (1934) and Tianming (Daybreak) (1933). These differences in production reflected the political tension of the period, with the growing differences between Chiang Kai-shek’s nationalist Kuomintang and the Communists. Anti-Japanese rhetoric also characterised a number of the films.
Hier eine sehr turbulente Kampfszene aus Ren Pengnians 1933er-Film "Gierige Nachbarn":
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Fünf Links: Filme im Netz (1)
Fundstücke.
Von Zeit zu Zeit mache ich ab sofort ganz unzeremoniell auf Fundstücke im Netz aufmerksam. Jeweils fünf auf einmal, ohne Embedment, mit Zitaten zum Film, wo es mir interessant oder wichtig scheint. Hier die erste Ausgabe von "Fünf Links".
1. Clarence Brown: A Woman of Affairs (USA 1928, Youtube)
A Woman of Affairs, though stubbornly a silent picture, is nevertheless all talk and no action. But it goes without saying: I’ll take Garbo & Gilbert any way they come. And in another lavish MGM production from that Clarence Brown who, indoor or out, love scene or drawing room conversation, creates the most sumptuously romantic images the screen has seen, they come very nicely indeed. (A Life Cinematic)
2. John M. Stahl: Imitation of Life (USA 1934, Youtube)
Like the Douglas Sirk version, Stahl’s “Imitation of Life” climaxes with a lavish funeral procession. But what Sirk turns into a triumph of coolly expressive visual style becomes, in Stahl’s version, a sustained march of silent protest against a system as unjust as it is deeply ingrained. The film seems unable to put a name to the monumental grief it depicts with such devastating force. (Dave Kehr)
3. Luis Bunuel: El Gran Calavera (Mexiko 1949, Youtube)
This story, based on a comedy by Adolfo Torrado, would have amounted only to the airiest of fluff had not Buñuel taken merry advantage of the plot's several layers of deceit. The film, which has an exaggerated visual elegance to match its characters' fine manners, contains several delightful episodes in which the family's cordiality, never worth much in the first place, is worn even thinner than usual by everyone's complete uncertainty about just what everyone else is up to. But, Buñuel being Buñuel, politesse easily prevails at the expense of reason. (Janet Maslin)
4. Jiang Wen: Yangguang Canlan de Rizi (China 1994, Youtube)
Jiang's camera, wandering at will through space, and tracking and backtracking through time, embodies an absolute freedom just out of reach of the film's principals. Ostensibly a nostalgia film about the Cultural Revolution's "good old days", this film is much more: a self-consciously post-modern, post-"fifth generation" dismantling of the modern Chinese realist film; an ironic, romance-drenched interrogation of the possibility of eros and passion in a totalitarian era; and a meditation on the traps and opportunities afforded by creative mis-remembering. (Shelley Kraicer)
5. Victor Erice: Alumbramiento (Kurzfilm aus "Ten Minutes Older: The Trumpet", 2002, Youtube)
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Charlotte, Veronique: Nouvelle Vague
Steak, Jules, Cancre.
A propos de rien stelle ich hier mal die ganzen frühen Nouvelle-Vague-Filme mit Charlotte und Véronique von Rohmer und/oder Godard zusammen.
Da ist erstens, 1950 oder 1951 gedreht, 1960 nachvertont: Présentation ou Charlotte et son Steak (Regie: Rohmer. Hauptdarsteller: Godard)
Zweitens, von 1959, Charlotte et Véronique ou Tous les garcons s'appellent Patrick (Regie: Godard. Buch: Rohmer)
Drittens Véronique et son Cancre (Regie, Buch: Rohmer) - hier leider keine Untertitel:
Viertens: Charlotte et son Jules (Regie: Godard. Hauptdarsteller: Belmondo - mit Stimme von Godard)
Godard - Charlotte Et Son Jules
Hochgeladen von Morpheus51100. - Sieh vorgestellte Filme und komplette TV Shows an.Und als Bonus Francois Truffauts erster Kurzfilm Les Mistons (1957)
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Japanischer Stummfilm
Schätze.
Das Stummfilm-Blog Bioscope weist auf die grandiose Reihe von DVDs mit japanischen Stummfilmen hin, die bei Digital Meme erscheint - und listet die Filme auch komplett auf. 10 DVDs mit Meisterwerken (von Mizoguchi) bis zu Filmen, die vor allem deshalb interessant sind, weil sie einen Eindruck von der ganz gewöhnlichen Produktion der Zeit geben. (Die überwältigende Mehrzahl aller japanischen Stummfilme ist für immer verloren.)Die DVDs sind auch von Europa aus im Prinzip käuflich zu erwerben, bei Preisen von rund 40 Euro pro Disk ist das allerdings ein Spaß, den sich vor allem Institutionen leisten können dürften. Zu den Extras der DVDs gehören optional zuschaltbare Benshi-Erzählungen: der Kino-Erzähler ist, sehr viel mehr als in anderen Kino-Kulturen, ein fester Bestandteil des Stummfilm-Erlebens in Japan gewesen. Ein weiteres Extra sind kurze Essays zu den Filmen, die der japanische Filmkritiker Tadao Sato verfasst hat. Das Gute daran: Sie sind auf Englisch. Das Bessere daran: Man kann sie auf den Seiten von Digital Meme als PDFs aufrufen.
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Clouzot Romy Enfer
Screentests.
Im September startet in französischen Kinos Serge Brombergs Dokumentation über Henri-Georges Clouzots superambitionierten, aber aufgrund eines Herzinfarkts des Regisseurs nie zustandegekommenen Film L'Enfer (Chabrol hat viel später das Buch dann verfilmt). Michael Althen hat den Film gesehen und schreibt:
[Clouzot wollte] aus „L'enfer“ den Film aller Filme machen, der formal alles in den Schatten stellte, was man bis dahin kannte. Und weil Geld keine Rolle spielte, bestellte er seine Stars Romy Schneider und Serge Reggiani ins Studio und machte mit ihnen Probeaufnahmen, bei denen er alle möglichen optischen Tricks, Licht- und Farbeffekte, Verzerrungen und Brechungen ausprobierte. Was in der Kunst damals Viktor Vasarely und die Op-Art war, wollte Clouzot auf den Film übertragen.
Das so beschriebene Screentest-Material mit Romy Schneider ist jetzt auch im Netz zu sehen, via nerdcore:
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Wundkanal auf DVD
Hinweis.

Am Freitag den 14. August erscheint Wundkanal nun endlich auf DVD (online ist Simon Rothöhlers Text zu dem Film: «Opa war ein Nazi») und kann hier bestellt werden. Gelegenheit für uns nochmal auf das ausführliche Gespräch mit Thomas Harlan in CARGO #1 und weitere Texte zu den beiden anderen Filmen des Regisseurs und Schriftstellers Torre Bela und Souvenance hinzuweisen.
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Jobless Men / The Hurt Locker
Keep on Running.
2 kurze Hinweise:
(1) Neu in unserer Depressions-Reihe Jobless Men ein Text zu William A. Wellmans Hobo-Film Wild Boys of the Road von 1933. (Derzeit übrigens bei Veoh verfügbar.)
(2) Jetzt auch online ein Text aus unserer aktuellen Printausgabe zu Kathryn Bigelow und ihrem grandiosen Film The Hurt Locker, der diesen Donnerstag endlich in Deutschland in die Kinos kommt.
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Welles, Losey: Fundstücke
Anfänge.
Im Rahmen der New-Deal-Anti-Depressions-Maßnahmen hatte die Roosevelt-Regierung auch das Federal Theater ins Leben gerufen, und zwar im Jahr 1935. Ein umstrittenes Projekt, nicht zuletzt, weil da teils sehr explizit linkes Theater gemacht wurde. Eine prominente Gruppe des Federal Theater war die sogenannte Negro Theater Unit, die in Harlem Stücke zur Aufführung brachte. Gründungsdirektoren waren allerdings zwei Weiße: John Houseman und der damals gerade 21jährige Orson Welles. Letzterer hatte auch gleich eine grandiose Idee. Ich zitiere zu den Hintergründen, was läge näher, aus Bert Rebhandls Welles-Biografie:
Während das riesige Lafayette Theatre an der 7th Avenue in Harlem für ein afro-hispanisches Ensemble adaptiert wurde, wie es im amerikanischen Theater noch keines gegeben hatte, gebar Orson Welles eine Idee, an der seine Frau Virginia nicht unbeteiligt war: Er wollte Shakespeares 'Macbeth' in einer haitianischen Version spielen, als Tragödie des herrschers Henri Christophe, der im 19. Jahrhundert auf der Karibikinsel ein bizarres Königreich errichtet hatte. Der Exotismus dieser Idee war im Jahr 1936 kein Problem, im Gegenteil: Zu den Proben fanden sich nicht nur Schauspieler, sondern auch Tänzer und Trommler ein und sogar ein Schamane ('Hexer') namens Abdul. Als Szenenbild wurde eine Zitadelle im Dschungel entworfen. Der notorisch unzuverlässige Hauptdarsteller John Carter fand in Welles einen ebenbürtigen Freund. Geprobt wurde in einer Atmosphäre der Euphorie und angespannten Erwartung. Der 'Voodoo-Macbeth' wurde ein Triumph.
Unter dem Titel "We Work Again" entstand im Jahr 1937 ein Dokumentarfilm zu den New-Deal-Programmen der Regierung. Darin enthalten ist eine mehrminütige Aufnahme der Wellesschen 'Macbeth'-Inszenierung. Hier ist sie:
Ein weiterer später im Film zu Ruhm gelangender Regisseur, der sich beim Federal Theater Project erste Sporen verdiente, war Joseph Losey - sehr viel mehr als Welles ausgesprochen ein Mann der Linken. Zu den Kuriositäten seiner an Zick-Zack-Bewegungen durchaus reichen Karriere gehört es, dass der erste Film, den Losey drehte, ein Propagandafilm war. Freilich nicht für ein linkes Projekt, sondern als kein bisschen subversive Auftragsarbeit für die US-Petroleum-Industrie. Die Arbeit mit dem Titel Pete Roleum and his Cousins wurde 1939 fertiggestellt und ist aus filmhistorischen Gründen sehr interessant. Es ist nämlich ein Animationsfilm, in innovativer 3-D-Technik erstellt. Für die Animation war kein Geringerer als der große Charles Bowers zuständig. Den Schnitt machte Helen van Dongen, die Frau und Mitarbeiterin von Joris Ivens. Die Musik ist von Hanns Eisler. Losey zeigte sich begeistert und stellte bei der Rockefeller Foundation einen Antrag für einen ganzen Spielfilm - The Tale of Reynard, the Fox - in derselben Animationstechnik. Daraus wurde nichts. Und aus Losey wurde auch so etwas im Film. Hier ist Pete Roleum:
Pete Roleum and His Cousins (1939)
Hochgeladen von Tomsutpen. - Komplette Serien und ganze Episoden online.
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Anime: Tezuka!
Toilettenkultur.
Ich hatte bislang nicht die leiseste Ahnung, wie ABSOLUT FANTASTISCH die Animes von Osamu Tezuka sind. Hier gleich zwei weitere: Mermaid (1964)
Und Memory (auch 1964, das Toilettenfinale ist unglaublich):
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Dreharbeiten (3): Parks dreht Shaft
Plus Isaac Hayes.
Im folgenden Clip sind einerseits Isaac Hayes beim Soundtrack-Einspielen, andererseits eine kurze Szene vom Dreh zu Shaft zu sehen. [via Andrian "Gestern einen Leitartikel dazu verfasst" Kreye]
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Christian Schocher
Audio-Gespräch.

Michael Sennhauser hat ein sehr schönes Gespräch mit einem großen Unbekannten des Schweizer Kinos geführt: Christian Schocher. Schochers zentraler Film Reisender Krieger (1981) war auch auf der letzten Documenta zu sehen - hier findet sich ein kurzer Text zu dem Film, den es hoffentlich bald auf DVD geben wird.
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The Koumiko Mystery
Fundstück.
Die Vorgeschichte des Films:
Chris Marker came to Tokyo in 1964 in order to document the Tokyo Olympics, which was considered as both the symbolic and real opening-up of Japan to the Western world (after WW2). This is the starting point and the setting for The Koumiko Mystery. I’m not quite sure about what actually happened, but in the film the focus on the Olympics is handled in a very absent-minded way. Not long into the film Marker’s attention is directed to a woman who appears in the Olympic audience – Koumiko Muraoka. The young woman was actually a friend of one of the production assistants who worked on the film, Koichi Yamada.
Das ist ein Zitat aus einem Interview mit dem Filmemacher Magnus Bärtås aus der britischen Filmzeitschrift Vertigo. Bärtås war gerade in Tokio, nicht zuletzt auf den Spuren des Films - eben The Koumiko Mystery - von Chris Marker. Das Interview ist lesenswert. Was ich aber eigentlich sagen wollte: Der Film - auf keiner DVD zu finden - ist bei Youtube. In voller Länge, wenn auch ganz schön schrammeliger Kopiequalität:
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Imamura Box
Criterion.
Unter dem schönen Titel Pigs, Pimps & Prostitutes hat Criterion eine Box mit Filmen des japanischen Regisseurs Shohei Imamura veröffentlicht. Drei Filme sind darauf zu finden, die Trailer gleich hier unten. Colin Marshall hat ein Gespräch mit Kim Hendrickson geführt, der für die Box zuständigen Criterion-Mitarbeiterin. Es geht darin um Imamuras Position im japanischen Nachkriegskino, sein Verhältnis zu Ozu, die Filme in Imamuras Filmen und natürlich die nun veröffentlichten frühen Werke selbst. Hier der kurze einführende Blog-Eintrag, hier der direkte Link zum Audio-Interview. Übrigens ist die Halbpreis-Aktion bei Barnes & Noble immer noch aktuell: D.h. man kann die Box derzeit für wirklich fast geschenkte 40 $ dort bestellen. [Dank an Franz Fuchs für den Hinweis.]
Trailer zu Pigs and Battleships:
Trailer zu Insect Woman:
Trailer zu Intentions of Murder:
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Usher, Lot & Hammer
Avantgardefilmgeschichte.
Zwei Filme haben James Sibley Watson Jr. und Melville Webber Ende der Zwanziger gemeinsam gedreht. Der erste von beiden, eine experimentelle Verfilmung von Poes Fall of the House of Usher, war lange der filmhistorisch angesehenere der Filme. Heute setzt der zweite eher in Erstaunen: Lot in Sodom (1933), übertrifft mit seinen unverschämt nackten Männerkörpern die Erwartungen noch, die der Titel schon schürt. Heute gilt er als Pionier- und Schlüsselwerk nicht nur des Avantgarde- sondern auch des schwullesbischen Films. Es ist kein Zufall, dass Barbara Hammer in ihrer Found-Footage-Collage Nitrate Kisses zur Geschichte des schwullesbischen Kinos ausführlich auf Lot in Sodom zurückgreift. (Mehr dazu hier.)
In einer Erinnerung aus dem Jahr 1975 erklärt hier James Sibley Watson, Jr., wie die Zusammenarbeit der beiden aussah. Watson, der Arzt war und als reicher Erbe auch mäzenatisch tätig war, bekennt sich zum eigenen Amateurstatus und berichtet in einer Anekdote, wie er sich einen Eindruck davon verschaffte, was Filmemachen überhaupt heißt:
In those days the Paramount Studio in Astoria welcomed or at least tolerated visitors, and I managed to get myself invited. The only other visitor that morning was a Yankee priest just returned from a stint in South America. The first set we came upon was the inside of a circus tent, where the famous director David Wark Griffith was making close-ups of a little girl. During a pause, Griffith turned to greet us, engaging the priest in conversation, while I peered between and around them at the scenery, the lights, and the camera, the things I had come to see. The cameraman, Eddie Kronjager, was standing beside his hand-cranked camera, looking bored. I proceeded to bore him further with questions which, to my delight, he answered in some detail. When we took our leave, I tried to thank the great director for letting us visit his set, but he turned his back on me, evidently offended that I, a nonentity, had neglected him for his cameraman.
Beide Filme von Watson und Melville sind online zu sehen. Hier ist Fall of the House of Usher:
Fall of the House of Usher (1929) silent
Hochgeladen von clamcentral. - Komplette Serien und ganze Episoden online.Hier ist Lot of Sodom:
Und hier ist der Trailer zu Barbara Hammers Nitrate Kisses:
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1 x Ozu
Zerbrochenes Ei.
Kurze Stummfilmkomödie von Ozu, zwei beste Freunde, eine Frau, ein anderer Mann: Wasei kenke tomodachi (1929)
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3 x Kiarostami (plus 1)
Stehen/Gehen.
Drei Kurzfilme von Abbas Kiarostami bei Youtube.
So beginnt es: Ein Junge geht, einen Gegenstand vor sich hin schussernd, durch eine Gasse. Brot & Gasse (1970):
So beginnt es: Ein Junge hat ein Fenster eingeworfen und steht wird während des Unterrichts deshalb auf den Gang verbannt: Pause (1972)
So beginnt es: Eine wilde Pferdekutschtransportraserei durch enge Gassen. Ein alter Mann wird beinahe niedergetrampelt: Der Chor (1982)
Update: Noch einen der frühen Kurzfilme gefunden
So beginnt es: Ein Junge gibt dem anderen das Schulbuch, das jener ihm geliehen hat, beschädigt zurück: Zwei Lösungen für ein Problem (1975)
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Hinweis
Nada Blut Rot.
Kurzer Hinweis auf eine kleine Screenshot-Hommage an Nada von Claude Chabrol und Jean-Patrick Manchette.
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You Got Balls
Patti Smith.
Patti Smith: Renée Falconetti
(Audiofile; Poetry Reading, NYC 1971, St. Mark's Church, New York City, December 25, 1971. Mehr von Patti Smith bei UbuWeb)
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RIP Gösta Werner
Being Earthbound.
Der älteste Filmregisseur der Welt ist gestern gestorben: Der Schwede Gösta Werner (1908 geboren). Anders als der kaum jüngere Manoel de Oliveira war er zuletzt allerdings nicht mehr aktiv. Der Höhepunkt seines Schaffens liegt in den 40er Jahren, da entstand etwa - 1948 - der rund zwanzigminütige Film The Train, A Film on Travelling and on Being Earthbound, wie es gleich nach dem Titel heißt:
[via mastersofcinematwitter]
Update: Rumgoogeln ergibt: Manoel de Oliveira hat schon wieder ein neues Projekt, A Strange Case Of Angelica, über einen Fotografen, der ein totes Mädchen fotografieren soll. Das Drehbuch stammt von 1952, Drehbeginn ist für Dezember geplant, da feiert de Oliveira seinen 101.
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Hier Da: Und
Groupe Dziga Vertov.
Im Jahr 1970 bekamen Jean-Luc Godard und Jean-Pierre Gorin von der Fatah 8000 Dollar in die Hand gedrückt, um eine Art Propagandafilm für die Sache der Palästinenser zu drehen, Titel: Jusqu'au Victoire. Bald darauf aber kamen fast alle im Film zu sehenden Kämpferinnen und Kämpfer beim Schwarzen September in Jordanien ums Leben - der Film konnte nicht fertiggestellt werden. Daraufhin hat Godard mit der inzwischen dazugestoßenen Anne-Marie Miéville den Film völlig umkonzipiert, als montagebasierte Meditation über Propaganda, den Tod, die Darstellung des Israel-Palästina-Konflikts, die eigenen Verfahren, über das "Hier", das "Da" und vor allem über das "Und". Das ist alles ganz im bekannten Godard-Stil, mit Gaga-Einfällen wie einer Additions- und Substraktionssequenz von revolutionären Daten am Taschenrechner. Das Ergebnis war dann ein Film mit dem Titel Ice et Ailleurs, der im Jahr 1974 fertig wurde.
Den Film, der meines Wissens sonst nicht gut greifbar ist (die Godard-Experten dürfen mich gerne korrigieren), gibt es komplett und mit englischen Untertiteln auf Youtube:
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RIP André Falcon
Nada.
André Falcon, der schon in jungen Jahren ein Star der Comédie Francaise war, der in Truffauts Geraubte Küsse gespielt hat und in Filmen von Lelouch, Verneuil etcetera, der meist in kleineren Rollen und unbedeutenderen Werken (etwa Alfred Vohrers Simmel-Verfilmung Die Antwort kennt nur der Wind) zu sehen war, ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Mitgespielt hat er auch in Claude Chabrols Manchette-Verfilmung Nada. Die gibt es - wie auch Geraubte Küsse - bei Youtube, mit englischen Untertiteln:
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Blooper Boner
son of a bitch.
Wieder was gelernt. Seit den dreißiger Jahren haben die Hollywood-Studios Zusammenschnitte von Versprechern und anderen Fehlleistungen ihrer Darstellerinnen und Darsteller zusammengestellt - die Wikipedia meint: in erster Linie nicht fürs große Publikum, sondern zur internen Belustigung. (Was die Wikipedia auch weiß: die Dinger hießen ursprünglich Boner, nicht Blooper. Tja.) Wer jetzt also mal Jimmy Stewart "Son of a Bitch" sagen hörend und sehen will, der klicke auf "Play" (und da kann ich jetzt nicht umhin, auf Momus' philosophische Meditationen über den Play-Button zu verlinken):
[via old hollywood]
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Varda-Material
Kuba Varda.
Wo wir schon mal bei den Rive-Gauche-Filmemachern sind: Catherine Grant hat bei Film Studies For Free wieder viel Material zusammengetragen, diesmal zu Agnès Varda. Sie verlinkt nicht nur zu wissenschaftlichen Aufsätzen im Netz, sondern auch auf einen zweistündigen Video-Mitschnitt eines Varda-Auftritts in der Tate Modern. Außerdem ein Kommentar zu einem Ciné-tract Vardas von 1975, entstanden für Antenne 2 - als Antwort auf die Frage: Wie fühlt man sich als Frau?. Irgendwie habe ich aber mit Vardas feministischer 70er-Jahre-Phase (vor allem auch mit L'une chante, l'autre pas) meine Probleme, darum stelle ich hier lieber Vardas ausgesprochen optimistische Kuba-Foto-Doku Salut les Cubains von 1963 rein. Und, übrigens, im September wird es im Arsenal in Berlin eine große Varda-Retro geben. Nochmal übrigens: Ganz aktuell gibt es eine Filmreihe mit Klassikern des kubanischen Kinos, auch im Arsenal. Tipps dazu im Überbau.
Watch salut les cubains (agnes varda,1963)_subt.avi in Bildung | View More Free Videos Online at Veoh.com
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Anti-Humboldt II
Kolonialismus.
Entstanden zwischen 1950 und 1953. In Frankreich verboten von 1953 bis 1963. Buch: Chris Marker. Schnitt: Alain Resnais. Regie: Chris Marker, Alain Resnais. Titel des Films: Les Statues Meurent Aussi. Erster von drei Teilen, die anderen beiden bei Youtube. 30 min. (also nicht die Schnittfassung!) Leider keine Untertitel:
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Serielles Kino
Zahlenwerk.
36 mal geht Humphrey Bogart in Howard Hawks' The Big Sleep durch eine Tür, nicht mitgerechnet jene, die offen stehen. 20 mal öffnet oder schließt er eine Autotür. 13 mal greift er sich in einer exzentrischen Grübelgeste ans Ohr. Mehr dazu hier. Und der Klick auf eines der untenstehenden Bilder führt zur entsprechenden Serie in Stills:
Der Film ist ab Donnerstag in ausgewählten Kinos als Wiederaufführung zu sehen.
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Varda: Huey
Februar 1968.
Im Mai 68, sagt Agnès Varda in ihrem jüngsten Film Die Strände von Agnes einmal lakonisch, war ich nicht in Paris. Varda war nicht in Paris, sondern in den USA, ein paar Jahre lang, mit ihrem Ehemann Jacques Demy, der die Gelegenheit bekommen hatte, in Hollywood zu arbeiten. Varda hatte auch ein Angebot, es stellte sich aber schnell heraus, dass das nichts würde, vor allem ihres entschiedenen Eigensinns wegen. Sie hat aber dennoch Filme gedreht in den USA. Vor allem Lion's Den, mit Warhol-Superstar Viva, die Varda in der Factory kennengelernt hatte, mit Peter Bogdanovich, mit Shirley Clarke, mit Jim Morrison und anderen Größen der Zeit. Ich kenne den Film nicht, in Strände von Agnes sieht man Ausschnitte: nackte Menschen im Pool; nackte Menschen im Zimmer mit Blick auf den Pool. Was Varda auch gedreht hat, ist eine halbstündige Dokumentation über die Black Panther. Sie war dabei bei der großen Versammlung am 17. Februar 1968 in Alameda, bei der die Entlassung des Black-Panther-Mit-Gründers Huey Newton gefordert wurde. Der Film mit dem Titel Black Panthers - Huey! ist nun bei UbuWeb aufgetaucht, dazu kommt noch ein 17 minütiger Nachrichtenzusammenschnitt zum Ereignis. Hier:
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Teheran im Film (6)
Granatäpfel.
Ein ausgsprochen faszinierender Dokumentar-Essay über Geschichte und Gegenwart Teherans scheint Massoud Bakshis Film Tehran Has No More Pomegranates (2006) zu sein. Ich hatte keine Gelegenheit, ihn zu sehen, aber was man darüber lesen kann, klingt sehr spannend. Dies etwa:
Director Massoud Bakhshi constructs a century-spanning postmodern portrait of a metropolis turning megalopolis, increasingly an unsustainable urban mess of pollution, inadequate infrastructure and overcrowding. Using an energetic mix of archival footage, unconventional photography and sometimes asynchronous music and sound, Bakhshi considers the aesthetic and cultural values that have shaped old and new Tehran.
Immerhin die ersten fünf Minuten kann man sich schon mal ansehen, für einen ersten Eindruck:
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Bela Lugosi is dead
Tony Scott
65 Jahre wird Tony Scott heute; sein erster Film war gleich sein bester: The Hunger, 1983, eine britische Produktion. Mit Bauhaus, Bowie, Deneuve, Sarandon und einer elegischen Kühle, die noch in Filmen wie Addiction und Trouble Every Day nachhallt.
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Teheran im Film (3)
Durch die Tür.
Jafar Panahis Film Crimson Gold (2003, nach Drehbuch von Abbas Kiarostami) ist geradezu eine Soziologie der Stadt Teheran. Es geht darin in großer Genauigkeit und Brutalität um nichts anderes als Inklusion und Exklusion, um Türen, die sich schließen, um Schwellen, die nur unter Strafe überschritten werden können. Es gibt den Film auf DVD, als Import aus England.
Bert Rebhandl schrieb über den Film in der Berliner Zeitung:
So gerät Houssein an eine Wächterbrigade, die vor einem Wohnhaus jungen Leuten auflauert, die von einer Party herunterkommen. Auch hier findet er sich zwischen allen Fronten wieder - drinnen die ausgelassenen Jugendlichen, von denen er nur die Schatten sieht; draußen die Sittenwächter, die selbst im Schutz der Dunkelheit agieren müssen. Schließlich überschreitet Houssein doch noch eine Schwelle - er wird in ein bizarr luxuriöses Penthouse gebeten und verbringt dort die Nacht wie in einem seltsamen Traum.
Und so sah ich das:
"Crimson Gold" ist auch ein Film über die soziale Topographie Teherans. Die reiche Oberstadt, die arme Unterstadt, zwischen denen der Pizzabote Hussein als Grenzgänger agiert, ohne natürlich jemals die unsichtbare Grenze des Sozialen überschreiten zu können. Ein Film über Zirkulation und was sie unmöglich macht - nicht nur die gesellschaftlichen, und alles andere als feinen Unterschiede.
Hier der Beginn des Films, der allerdings chronologisch das Ende der Geschichte ist. Dass man die Straßen Teherans hier nur durch einen Türspalt sieht, hat seine Richtigkeit.
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Errol Flynn 100
Über Castro.
Als auf Kuba Fidel Castro Revolution machte, war Errol Flynn, damals schon ein Ex-Superstar des Hollywood-Kinos, vor Ort. Und er blieb. Linke Sympathien hatte er schon lange, auch während des Spanischen Bürgerkriegs stand er auf Seiten der Republik. Und er blieb nicht nur, sondern freundete sich mit Fidel Castro an. Und er freundete sich nicht nur mit Fidel Castro an, sondern drehte eine sympathisierende Dokumentation über die Revolution. Sie war lange verschollen und vergessen, wurde vor ein paar Jahren aber wieder ausgegraben. Auch der letzte Film, den Flynn - längst ein schwerer Alkoholiker - drehte, beschäftigte sich mit der Revolution auf Kuba. Es ist der von ihm geschriebene halbdokumentarische Spielfilm Cuban Rebel Girls, entstanden 1959, Regie: Barry Mahon. Niemand, der den Film gesehen hat, scheint auch nur ein gutes Wort darüber zu sagen zu haben. Mal abgesehen von diesem Bad Movie Afficionado:
Never have I received more entertainment for three dollars. Well, except possibly for one night in Boise with a drunken floozie and a rubber chicken, but I don't remember much of that, so this goes to the top.
Nun ja. Hier aber der erste Teil der Dokumentation The Truth About Castro, ebenfalls aus dem Jahr 1959. Produktion, Regie: Victor Pahlen, Kommentar: Errol Flynn. Die schlechte Bild- und Tonqualität bitten wir zu entschuldigen:
Watch The truth about castro {by Errol Flynn} 1959 in Unterhaltung | View More Free Videos Online at Veoh.com
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Propaganda
Goldene Blumen.
Das chinesische Staatsfernsehen weist auf seiner englischen Website auf eine Retrspektive klassischer chinesischer Filme aus den Jahren 1949 bis 1959 hin. Das sind, so weit ich sehen kann, alles Propagandafilme, die meisten davon offenkundig sehr erfolgreich. Immerhin zwei davon habe ich nach längerer Suche auch im Netz gefunden, in ganzer Länge, wenngleich natürlich ohne Untertitel. (Hinweise auf weitere Funde willkommen.) Vielleicht dennoch ganz interessantes Anschauungsmaterial. [Hinweis bei ifc daily]
Zum einen: YOUTH IN FLAMES OF WAR>, von 1959: "The movie tells the story of Gao Shan, a woman disguised as a male soldier, who is trying to avenge her father. The suspense centers on how her identity comes to be exposed by leader Lei Zhenlin. The film catapulted lead actors Pang Xueqin and Wang Suya to fame."
Zum anderen: Five Golden Flowers, auch von 1959: "This love story takes place in southwest China's Yunnan province, and features much singing and dancing. Its title song "By the Butterfly Creek" remains one of the country's most memorable movie soundtracks."
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Teheran im Film (2)
In seinem Meisterwerk Close Up erzählt Abbas Kiarostami semifiktiv die wahre Geschichte eines Mannes, der sich als der Filmregisseur Mohsen Makhmalbaf ausgab. Seinen Ausgang nimmt der Vorfall bei einer Busfahrt durch Teheran - und auch in der Folge ist viel von der Stadt zu sehen. Der Film ist aus dem Jahr 1990 und kann als DVD aus England bestellt werden. Der folgende Ausschnitt stammt vom Ende des Films. Als Mohsen Makhmalbaf tritt Mohsen Makhmalbaf auf.
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Jürgen Gosch: Das Experiment
Zeughaus.
Hinweis für Berlin-Bewohner: Heute Abend im Zeughaus-Kino gibt es die Premiere von Thomas Knaufs Dokumentation Wir waren so frei. Im Freitag schreibt der Filmemacher über seine Begegnung mit dem todkranken Jürgen Gosch. Alles weitere von der Website:
Wir waren so frei
D 2009, R/B/P: Thomas Knauf, 80 DigiBetaWir waren so frei erzählt die Geschichte von Eigensinn und Courage einiger DDR-Filmschaffender, die es 1981 wagten, einen Spielfilm ohne die üblichen staatlichen Genehmigungsverfahren als Meisterschülerarbeit des Kamerastudenten Lars Barthel an der HFF Babelsberg zu realisieren. Sie nahmen persönliche Folgen für ihre Karrieren in Kauf und drehten nach eigenen formalen Ansprüchen einen Film mit der Freiheit eines John Cassavetes, d.h. unter Freunden, ohne fertiges Drehbuch, ausreichende Produktionsmittel, Dreherlaubnis, an realen Orten. Bis zum Rohschnitt schafften sie es und verloren den Film dann an die Zensur, die das Negativ vernichtete und alle Spuren der Arbeit verwischte. Nach dem Ende der DDR fand Barthel das Rohschnitt-Positiv im Archiv der HFF. Wie durch ein Wunder hatte wenigstens ein Teil des Films Das Experiment die Zeit überdauert. In der Dokumentation Wir waren so frei erinnern sich Beteiligte wie der Regisseur Jürgen Gosch, die Schauspieler Heidemarie Schneider, Jürgen Holtz, Hermann Beyer und Michael Gwisdek und der Kameramann Lars Barthel an den wichtigsten Film ihrer Karriere. Sie erzählen auf heitere, spannende Weise ein unbekanntes Kapitel DDR-Kulturgeschichte.
Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der DEFA-Stiftung
Im Anschluss Publikumsgespräch mit Thomas Knauf
am 17.6. um 20.00 Uhr
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Teheran im Film (1)
Kinobilder.
Kleine Serie, aus aktuellem Anlass, aber auch als Hinweis auf die im Westen in weiten Teilen unbekannte Geschichte des iranischen Films. Tipps und Links erwünscht und erbeten.
Erster Ausschnitt: Aus dem Film Der Rabe (Kalagh) von 1976 des vielleicht größten aller iranischen Regisseure, Bahram Beizaye. Sein jüngster Film Vaghti Hame Khaabim ist im März diesen Jahres im Iran - jedenfalls in Teheran - angelaufen. Im Netz sind leider fast keine Spuren davon aufzufinden.
Zum Ausschnitt aus Kalagh gibt sogar eine genaue Ortsangabe bei Youtube: "The shots are taken in central Tehran, near "Toopkhaaneh" and Ministry of Foreign Affairs buildings."
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Bataville
Zlin.
In der taz heute ein Bericht von Ronald Berg über eine Konferenz in der tschechischen Stadt Zlin, auf der es um das Schuh-Imperium Bat'a ging. Schuh-Imperium klingt harmlos, aber Bat'a war eher eine Vision als eine Firma. Allerdings eine in die Wirklichkeit umgesetzte Vision. (Die Firma existiert noch immer; es gibt Filialen in Europa, produziert wird da, wo es billig ist. Der größte Markt für Bata-Schuhe ist interessanterweise allerdings Afrika. Dort, habe ich gelesen, ist Bata allgegenwärtig.) Ich habe schon mal aufgeschrieben, was das filmgeschichtlich Erstaunliche an dieser Vision war, die irgendwo zwischen Le Corbusier, Brave New World und Metropolis angesiedelt war:
Binnen weniger Jahrzehnte wuchs in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nicht nur das nach den neuesten tayloristischen, fordistischen und fayolistischen Prinzipien geführte Unternehmen selbst, sondern auch die Stadt Zlín, in der es angesiedelt war. Die Firma war in jeder technischen (und sozialtechnischen) Hinsicht immer an vorderster Front. Sie installierte eine riesige Telefonzentrale, baute ins Zentrum der vorwiegend von Mitarbeitern bewohnten Stadt ein 2.500 Zuschauer fassendes Riesenkino (seinerzeit das größte Mitteleuropas), gründete ein Werksradio und entwickelte schon in den Dreißigern Pläne für ein Betriebsfernsehen. Im firmeneigenen Filmstudio entstanden mit Bat'a-Werbung durchsetzte Wochenschauen, die in der ganzen Tschechoslowakei mit großem Erfolg gezeigt wurden. Sie standen aber - dies die eigentliche Innovation - auch den Kunden in den Schuhgeschäften während der Pediküre in eigens dafür entwickelten Kabinen auf Knopfdruck zur Verfügung.
Dem Text von Ronald Berg entnehme ich nun, dass es noch in diesem Jahr eine Möglichkeit geben wird, sich die Bat'a-Historie mit eigenen Augen anzusehen:
Eine im kommenden November zu Teilen in die Pinakothek der Moderne nach München wandernde Ausstellung betrieb eine Art ästhetische Bestandsaufnahme des "Fenomen Bata". Bata-Schuhe, Bata-Reifen, Bata-Spielzeug, Bata-Häuser, das Bata-Filmstudio und seine Filme und schließlich die Bata-Stadt Zlín als Idealstadt vom Reißbrett, all das waren Bata-Produkte. Kurzum: Bata organisierte das ganze Leben. Die Ausstellung kam in Prag außerordentlich gut an, der Katalog war schnell vergriffen. Die Bata-Planungen für Zlín erscheint den Tschechen heute wie eine paradiesische Utopie.
Es gibt mehrere Filme zu Bat'a. Einen kenne ich, er ist vom britischen Performer/Filmerinnen-Duo Pope & Guthrie. Die beiden sind mit ehemaligen Bat'a-Angestellten nach Zlín gereist, das ganze ist eine faszinierende Gratwanderung zwischen Dokumentarfilm und Performance-Experiment. Immerhin gibt es den Trailer bei YouTube:
Und einen weiteren Film gibt es, von Francois Caillat, Bienvenue à Bataville, von 2008, hier die Website, auch dazu ein Trailer:
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Anthology at UbuWeb
Schätze.
Bei Experimental Film bin ich gerade auf die Tatsache gestoßen, dass es im unschätzbaren Online-Archiv UbuWeb seit dem letzten Mai eine Sammlung von Audio-Aufzeichnungen aus den Archiven des von Jonas Mekas gegründeten Anthology Film Archive gibt. Das sind, für den Kreis der Interessierten, wahre Schätze. Hier nur eine kleine Auswahl:
- Zwei Diskussionsrunden vom 28.10.1953, bei denen unter anderen die Filmemacherin Maya Deren, der Dichter Dylan Thomas und der Dramatiker Arthur Miller (wer hätte geahnt, was aus der in der Einführungsrunde erwähnten Sache mit Marilyn Monroe würde!) über Dichtung und Film diskutieren. (Eine schriftliche Zusammenfassung hat der Moderator des Panels, Willard Maas, in der Zeitschrift Film Culture veröffentlicht, die für die US-Experimentalfilmszene von zentraler Bedeutung war. Auch aus dieser Zeitschrift gibt es bei UbuWeb ausgewählte Beiträge.)
- Ein Gespräch zwischen der Kritikerin Pauline Kael und dem Experimentalfilmer Stan Brakhage aus den Sechziger Jahren. (Kael kommt dabei ziemlich ignorant über.)
- Ein Gespräch der Filmemacher Jonas Mekas und Emile de Antonio.
- Ein Vortrag des Filmemachers Hollis Frampton an der Binghampton University im Jahr 1972.
- Eine faszinierende Kuriosität, die bei UbuWeb so beschrieben wird:
Filmmakers Ken Jacobs, Stan Brakhage and Larry Gottheim meet with the Binghamton Council of Churches to defend Herman Nitsch's performance at Binghamton University, which involved the slaughtering of a lamb, and its reception by the greater Binghamton community. The event had taken place in the midst of a weeklong focus on filmmaker Peter Kubelka.
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Following
Matt Zoller Seitz
Following is a montage of clips illustrating one of my favorite types of shots: one where the camera physically follows a character through his or her environment. I love this shot because it's neither first-person nor third; it makes you aware of a character's presence within the movie's physical world while also forcing identification with the character. (...).
Matt Zoller Seitz
(via The House Next Door)
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Animation (28): Wise Little Hen
(Not So) Happy Birthday.
Donald Duck - und wir bitten das donaldistisch korrekt deutsch auszusprechen - feiert heute seinen 75. Geburtstag. Offiziell jedenfalls, es gibt ein paar Sichtungen vor dem 9. 6. 1934, aber die zählen nicht, da ist die Ente noch nicht als das zu erkennen, was sie dann wurde. Der erste Auftritt ist zum Glück dokumentiert, Donald spielt eine Nebenrolle als fauler Kerl im Animationsfilm Wise Little Hen. (Nicht so gute Nachrichten gibt es derzeit aus Donalds Heimat, den USA. Da scheint er gerade im Ableben begriffen, siehe zum Beispiel hier):
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Metin Erksan: Trockener Sommer
Notizen in Bild und Text.


Die Beine gespreizt und fest auf dem Boden. Auf der Erde, im Wasser. Blick der Kamera auf die Beine, den Boden, das Wasser. Aber dann bewegt sie sich auch, ebenso oft, nach oben, von den gespreizten Beinen nach oben, schnell den Körper hinauf und zeigt uns den ganzen Mann. Aus Untersicht, denn sie selbst ist in mittlerer Höhe und wenn die Bewegung zu Ende ist, haben wir den Oberkörper des Mannes vor uns, dahinter meist nichts als der Himmel. Die Beine auf dem Boden, den Kopf vor dem Himmel, den prächtigen Schnurrbart im Gesicht.
Osman. Seine Augen im Schlitz in der Wand, wie sie Bahar, die Frau seines Bruders, lüstern betrachten. Und wie er vorher, das sehen wir, im Spiegel, die Pomade im Haar, den Schnurrbart sich zwirbelt, sich schön macht, sich prächtig macht, bevor er so lüstern den Blick, den sie gar nicht sieht, auf Bahar wirft, die sich im Nebenzimmer entkleidet. Oder, vorher schon, in der Hochzeitsnacht, fällt wie der Blick eines Ungeheuers, diesmal sichtbar, durchs Fenster sein Blick: Auf Bahar, im Bett mit Hassan, dem jüngeren Bruder, der unter der Fuchtel des Größeren steht, widerwillig und doch gibt er nach, wieder und wieder. Hassan, der auf Betreiben Osmans die schöne Bahar erst an sich reißt, der auf Bitten des Bruders sie, die Schuld des anderen auf sich nehmend, diesem und nicht nur seinen lüsternen Blicken überlässt.
Das Wasser, die Frau. Was für eine seltsame Beziehung dieser Film zwischen beiden einrichtet. Osman sitzt an der Quelle des Wasser, mit dem auch die anderen Bauern ihre Felder bewässern. Er will es für sich haben, das Wasser, meins ist es, zack, rammt er das Holzbrett vor den Ausfluss der Rinne und gräbt den anderen die Bedingung ihres Arbeiterlebens einfach ab. Meins ist es: die irrsinnige Eigentumslust des Kapitalisten, die aber in Erksans Analyse keinen Grund und kein Fundament hat, oder nur ein Fundament, das so irrational, so wenig kanalisierbar ist wie (letzten Endes) das Wasser: die Gier. Aus diesem Überschuss (oder Unterschuss) speisen sich die Osmanischen Energien. Er enthält den anderen nicht nur das Wasser vor, er verhöhnt sie auch noch: Organisiert euch doch, unternehmt was, ihr werdet schon sehen. Sie gehen übers Feld, die Schaufeln in der Hand und es ist großartig, wie Eksin in einem Schnitt-Kontinuum ihre Dialoge und das Gehen zusammenfügt zu einem Gehen, wie im Stillstand, vor und zurück, die Kamera macht die Bewegung der Gehenden, die wie die Dialoge, zu nichts führt, im Schnitt zwar mit, das Dabei-Vorankommen aber nicht.
Die Frau, das Wasser. Mit einem Spiegel ruft Bahar den Geliebten von jenseits des Wasser. Da ist der Schilf-Wald, ein abstraktes Arrangement aus Stangen und Blättern, die Kamera fährt hinein. Hassan fährt hinein, Bahar rennt davon, eine verliebte Jagd, ein kleiner Schäferroman, dann der Halt, dann haben sie einander, dann liegen sie im Bett, dann streichelt er ihre nackten Arme und durchs Fenster plötzlich der Schnurrbart-Kopf von Osman. Immer fährt er dazwischen, immer rammt er das Brett vor den Ausfluss der Rinne, immer hemmt er den natürlichen Lauf der Dinge, immer will er, Osman, alles, und zwar für sich.Das Begehren des Wassers und das Begehren der Frau. Metin Erksan bringt in Trockener Sommer das eine mit dem anderen zusammen, setzt das eine zum anderen ins Verhältnis einer Übertragung und lässt doch auch das eine und das andere ein- und dasselbe sein. An dieser Übertragung, die eine Identifizierung ist, wird der Film vollends verrückt. Das fließende, das gehemmte Wasser. Osman rammt das Holzbrett in den Ausfluss und schneidet das Wasser ab. Männliche Tat wie ein Schlag mit der Schaufel (aber später hat sie, Bahar, die Axt in der Hand). Bahar packt, selbst ganz im Wasser, das Holzbrett und lockert es, hinter ihr ganz unnatürlich gebläht der Rock, , was für ein Bild, das Wasser kann fließen.
Die Orgasmus-Szene im Wasser. Bahar voran, Osman hinterher (Hassan ist hier längst schon im Gefängnis). Ein Schlangenbiss und als Ungeheuer und Mann stürzt sich Osman auf den Schenkel Bahars. Wie er das Gift der Schlange, den Mund am Körper der Frau, heraussaugt, wie sich sich im Schmerz, im Orgasmus dazu windet: der reine Sex, im Wasser. Später, eine ungeheure Lüge später, zerrissene Briefe später wird er sie wirklich haben, an sich bringen, die seine sein lassen, Triumph seiner Gier. (Osman will nicht einfach etwas, er will immer das, was die anderen wollen; das erst macht ihn geil.)
Der Wald ist ein Gegenprinzip. Der Schilf-Wald, in den zu Beginn Bahar den Geliebten mit dem Spiegel lockt, der Wald aus Stangen und Blättern und Licht und aus Schatten. Dann aber ein anderer Wald. Er besteht aus atonaler Musik, Menschen jagen sich darin, es geht auf Leben und Tod in der Dunkelheit. Hier wird sich das Schicksal wenden, in hektischen Schattenrissen. Die zuvor so traditionelle orientalisierende Musik verläuft sich, verliert den Kopf wie der Film, in dem - später, später - die Menschen beginnen werden, Telegrafenmasten und Vogelscheuchen zu umarmen, weil der Mensch kein Mensch mehr ist, sondern ein Untier, das das Gut seiner Nächsten begehrt.
Die Kamera macht das alles mit. Sie macht auch den Wahnsinn einfach mit: Sie dreht sich und stellt die Welt auf den Kopf und dreht sich und stellt die Welt wieder richtig hin und dreht sich. Trockener Sommer ist, kurz gesagt, ein Film, in dem der Haushalt der Zeichen in eine schreckliche Unordnung gerät. Das Wasser, das buchstäblich reißende, wird zur Metapher und die wird zur Frau, die eine Kamerabewegung ist (die Beine gespreizt auf dem Boden, der Kopf vor dem Himmel), die dem Wahnsinn und der Lust daran verfällt und sich hingibt. Einmal packt die auf dem Bett liegende Bahar ihren Hassan, der mit ihren nackten Beinen beschäftigt ist, brutal an den Haaren und zieht den Kopf, ihn zu küssen (und mit dem Kopf den Blick der Kamera), zu sich heran. So, genau so ist dieser außerordentliche Film.


Metin Erksans Film Trockener Sommer, Gewinner des Goldenen Bären im Jahr 1964, ist bei The Auteurs in der von Martin Scorseses World Cinema Foundation restaurierten Fassung als Online-Stream zu sehen. Jetzt, sofort, umsonst.
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Trailers From Hell
Joe Dante bei Wayward Cloud.
The Wayward Cloud weist auf die Website "Trailers From Hell" hin ("die inspirierendste, schönste, lustigste Website der Welt"). Diesem Hinweis schließen wir uns liebend gern an. Außerdem gibt es dazu bei Wayward Cloud noch ein Interview mit Joe Dante, einem der Gründer und Beiträger (neben Larry Cohen, John Landis u.a.) kurzer Auszug:
Auch das ist einer der Gründe, warum ich Trailers from Hell ins Leben gerufen habe, weil die Filme, mit denen ich aufgewachsen bin und die für mich bedeutsam sind, zunehmend am Verschwinden sind. Die Kids haben keine Gelegenheit mehr, sie zu sehen, weil kein Kino sie mehr zeigt, und sie haben auch kein Interesse daran, weil sie von diesen Filmen noch nie gehört haben. Dieses Vergessen hat sich schon bis in die Studios ausgebreitet. Man muss mittlerweile bei einem Vorgespräch zu einem neuen Projekt sehr vorsichtig sein, auf welche Filme man sich bezieht. Wenn man da sagt: "Diese Szene funktioniert so ähnlich wie in Night of the Hunter", weiß niemand, wovon man spricht. Die neue Generation in Hollywood ist mit anderen Filmen aufgewachsen.
Und dann noch, wirklich sehr schöner Eintrag, auf Englisch, weiter unten eine von Dante kommentierte Liste von Trailern, die jeweils dazu eingebunden sind.
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Bedingt großartig
Kurosawa Akira.
Eine unabsehbare Schatztruhe an Akira-Kurosawa-Fotografien - solchen von ihm, solchen aus seinen Filmen, solchen von den Dreharbeiten - findet sich: hier. Das (für mich) Unabsehbare daran hat leider viel mit der Sprache zu tun, in der das präsentiert wird. Es ist, naheliegenderweise, die japanische. So kann man also, als einer, der dieser Sprache nicht mächtig ist, von hier nach da und dann woandershin klicken, ohne zu wissen, wie einem geschieht, bzw. was man da tut. Alles aber sehr schön und vielleicht sogar doch noch mal schöner ohne System. [via Movie Nation]
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Iranische Winde
Albert Lamorisse.
Das berühmteste Werk von Albert Lamorisse ist kein Film. Der 1922 geborene Regisseur war der Erfinder eines Spiels, das, als er es 1955 im Selbstverlag herausbrachte, den Titel "La Conquête du monde" trug, bald darauf aber unter dem Titel "Risiko" selbst die Welt eroberte. Die Wikipedia meint, es sei das erste Strategie-Brettspiel der Neuzeit und als solches auch das Vorbild eines in ungezählte Exemplare differenzierten Computerspiel-Genres.
Der berühmteste Film von Albert Lamorisse trägt den Titel Le ballon rouge, er entstand 1956 und ist gut dreißig MInuten lang. Zu sehen ist darin, neben dem sehr großen, sehr roten Ballon des Titels Lamorisse' Sohn Pascal auf seinem Weg durch ein regnerisches Paris, den Ballon in der Hand, vom Ballon verfolgt. Das Paris, das man sieht, ist ein nicht allzu strahlendes Paris, in dem freundliche Menschen zu Musik ihrem Alltag nachgehen und Jacques Tati, denkt man, jeden Moment um die Ecke biegen könnte. Der Film gewann eine Goldene Palme in Cannes und geriet in Vergessenheit, bis im letzten Jahr Hou Hsiao-hsien seine Hommage auf das Werk drehte, Le voyage du ballon rouge. Dazu mehr in Cargo #1 von Lukas Foerster. Le ballon rouge gibt es komplett bei YouTube.
Seinen letzten Film Baadeh Sabah / The Lovers' Wind / Vent Des Amoureux hat Lamorisse nicht mehr vollenden können, weil er 1970 bei den Dreharbeiten ums Leben kam. Es handelte sich um ein außergewöhnliches Projekt. Im Auftrag des iranischen Kultusministeriums drehte er einen Dokumentarfilm, für den er mit dem Helikopter atemberaubende Luftaufnahmen des Iran filmen ließ, um sie dann zu einem poetischen Bewegungsbild des Landes, fast vollständig vom Hubschrauber gefilmt, zu montieren. Er war eigentlich fertig, das Ministerium monierte jedoch, dass vom modernen Iran, von der Industrialisierung zu wenig zu sehen sei in dem Film. Also kehrte er zurück, wollte weitere Luftaufnahmen drehen, der Hubschrauber stürzte ab. Dabei starb auch Lamorisse. Fertig gestellt wurde der Film Jahre später, von seiner Witwe.
Heraus gekommen ist dabei ein Werk mit wirklich atemberaubenden Bildern, die Kamera fliegt, gleitet über das Land, verlassene Städte, Ruinen, Wüsten, Tiere und Menschen im Wasser, sie stößt herab, schwebt über die Dächer der Stadt Isfahan, zeigt moderne Gebäude, Menschen im Anzug mit Buch in der Hand und Neonschwäne und das Bayer-Kreuz in der Stadt und das ganz Alte, das Menschenverlassene auf dem Land. Dazu spricht der Wind selbst, sprechen die vier Winde des Iran, Prosopopoie dieses Landes. Ich, sagt der Wind, ich fliege nach hier und nach da und die Bilder des Films tun es ihm nach. (Dieser Off-Kommentar ist nicht per se eine schlechte Idee, im allzu salbungsvollen Tonfall mindestens der englischen Version jedoch ganz sicher nicht jedermanns, auch nicht unbedingt meine Sache. Auch über die Musikauswahl kann man, wie bei Le ballon rouge, streiten.) Bei UbuWeb, das ist der Anlass zu diesem Eintrag, kann man Baadeh Sabah nun in voller Länge sehen. Die Bildqualität der VHS-Aufzeichnung lässt anfangs sehr zu wünschen übrig, das geht aber rasch vorbei, danach ist sie vergleichsweise in Ordnung.
So großartig wie unheimlich ist ein Postskript zum Film. Lamorisse' Witwe Claude hat, als eine Art Nachruf auf ihren verstorbenen Mann, einen rasant geschnittenen Kurzfilm aus dem nachträglich entstandenen Material erstellt. Er endet mit Aufnahmen vom Karaj Damm, bei dem Lamorisse beim Absturz ums Leben gekommen war.
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Animation (27): I Love to Singa
Tex Avery.
Ich habe die Animatinsfilme vernachlässigt. Danke auch für den Hinweis zuletzt in den Kommentaren auf Oskar Fischinger, aber wie dort schon erwähnt gibt es davon nichts, das embeddable wäre. Und zum anderen würde ich die Experimentalfilm-Animationen gerne erst einmal ausklammern. Ich bin nicht sicher, dass von hier an die Chronologie weiter Priorität haben wird, Sprünge zurück erlaube ich mir hiermit jedenfalls ausdrücklich. Hier nun der erste einer ganzen Reihe von Filmen des großen Tex Avery, vor dessen Zeichenstift keine Form und kein Ding sicher ist. Von seinem bösen, versauten, oft leider auch misogynen Humor ganz zu schweigen. Wir beginnen mit dem frühen, jazzfreundlichen Meisterwerk I Love to Singa von 1936 - auf YouTube, aber nicht einbettbar, in besser Qualität unter diesem Link:
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Arthur Conan Doyle: 150
Coke Ennyday.
Wir gratulieren dem großen Spiritisten Sir Arthur Conan Doyle zum 150., mit der wohl gelungensten Veralberung seiner berühmtesten Figur: The Mystery of the Leaping Fish, von 1916. Den kokainistischen Detektiv Coke Ennyday (Douglas Fairbanks) hat kein geringerer als Tod Browning erfunden (am Drehbuch und den Titeln gleichfalls beteiligt: D.W. Griffith und Anita Loos; Regie: John Emerson).
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Animation (26): A Cartoonist's Nightmare
Im Studio.
Auch die Warner-Studios gewähren Einblick in ihr Animationshandwerk. Zu sehen sind, animiert, Warner-Zeichner, hier die Liste:
Bob McKimson animation can be found at 0:37-051; 1:20-137; 6:53-7:05
Bob Clampett animation can be found at 0:57-1:19 (the scene with the flood of people exiting has a caricature of Clampett carrying a portfolio); 4:24-4:28
Chuck Jones animation can be found at 1:45-1:50; 2:11-2:24Und hier der Cartoon, A Cartoonist's Nightmare, von 1935:
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Bogged Down
Straub Huillet.

Mit großer Verlässlichkeit macht mich Jean-Marie Straub mit seinen Dogmatismen wahnsinnig. Dabei sind ein paar der nettesten und klügsten Menschen der Welt beinharte Straub-Fans. Ich muss da ein Defizit haben, mich macht er wahnsinnig. Und ich schätze viele Straub-Huillet-Filme, aber ich finde auch immer noch, dass das oft ein außerordentlich unfreies Kino ist. Aber nein, das freiste Kino der Welt, sagen die Fans. Das Problem, beim folgenden Zitat etwa, ist nicht, dass das, was er sagt, falsch ist. Er stellt nur nicht in Rechnung, dass auch das Gegenteil davon stimmt.
Bei Andy Rectors "Kino Slang" ein kurzer Auszug aus einem Interview, das Jacques Aumont 1987 mit Danièle Huillet und Jean-Marie Straub geführt hat. Aus dem Auszug ein Auszug [via ifc daily]:
A musician condenses time with time. That’s the affinity between music and cinema. The work to be done is of not of getting bogged down in the space that we show; it’s terribly annoying to see tracking shots, never ending pans. When I hear talk about sequence shots (plan-sequence) I want to vomit; that consists of being bogged down, and besides people now don’t even know what it means concretely. One must know how to, with space, condense time, and how to condense space to get time; also, if the actors speak there can be a relationship to vocal music (or not, if we don’t want it). After all, when someone says hello, it can be notated, no?
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Anna Karina: Winkend
In Cannes.
Hm, hier ein aktuelles Foto von Anna Karina in Cannes. Ich dachte ja erst, das sei Michael Jackson...
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Geschichte des israelischen Kinos
Von Raphael Nadjari.
Heute Abend bzw. Nacht um 23.55 auf arte: Der erste Teil von Raphael Nadjaris Dokumentation zur history of israeli cinema. Unter diesem Titel war sie auf der diesjährigen Berlinale zu sehen. Stefan Ripplinger schrieb sehr fasziniert darüber in CARGO #1. Der Film trägt inzwischen den deutschen Titel Israels Kino erzählt und ist in zwei Hälften zerlegt. Heute: Von 1933 bis 1978. [via tfunke twitter]
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Animation (25): Make 'em Move
Animationsmeta.
Heute mit der Selbstreflexion zum Sonntag. Das Van-Beuren-Studio erklärt im Animationsfilm, wie Animationsfilme hergestellt werden. Von 1931.
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RIP Sid Laverents
Multiple Sidosis
Die Welt des Films ist groß und weit. Bis ich soeben in der New York Times den Nachruf las, hatte ich nie etwas von Sid Laverents gehört, der im Alter von 100 Jahren starb und ein von vielen hoch geschätzter Filmklub-Amateurfilmemacher war. Sein berühmtestes - und in die National Film Registry aufgenommenes - Werk: Multiple Sidosis. Der Mann, den man da multipel sieht und hört, ist Laverents selbst. Das ganze findet sich, natürlich, möchte man sagen, auf YouTube.
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Ogier on Rivette
Knistern.
Filmbo macht weiter Rivette-Ausgrabungen. Das nehme ich als alter Rivettianer doch liebend gern mit. Hier spricht Bulle Ogier im schon erwähnten Dokumentarfilm, den Claire Denis über Rivette gedreht hat, über ihre Arbeit mit dem Regisseur.
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Auteurs - Update
Wow.
Update zur gestrigen Meldung. Die ersten vier Filme im neuen World Cinema Foundation-Kanal bei The Auteurs sind weltweit zur Ansicht freigegeben. Und was für Filme! Die beiden, die ich kenne, sind auf ihre völlig verschiedene Weise ganz, ganz großartig. Djibril Diop Mambetys Touki Bouki zum einen (hier etwas darüber), Kim Ki-youngs The Housemaid (hier ganz kurz erwähnt) zum anderen. Ich kenne Transes von Ahamed El Maanouni und Metin Erksans Trockener Sommer bisher nicht, werde das aber nun bequem und schleunigst nachholen. Man muss sich bei The Auteurs registrieren, dann kann man auf der WCF-Seite die Filme sehen. Einfach so, ohne Unterbrecher-Werbung, in hoher Qualität. Wenn das die Zukunft der Weltkino-Geschichte im Internet ist: Dann soll sie so schnell wie möglich kommen.
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Auteurs - Scorsese
Big Deal.
Wir verfolgen, wie Sie gemerkt haben, was das Online-Programmkino-Projekt The Auteurs treibt, mit großem Interesse. Heute haben die Jungs ihren bisher wohl größten Coup gelandet. Sie haben nämlich in Cannes ihre Kooperation mit Martin Scorseses World Cinema Foundation verkündet - ein eigener Kanal für deren restaurierte Filme wird sehr prompt eingerichtet. Mit im Boot ist die DVD-Premium-Marke Criterion, die schon länger mit Auteurs zusammenarbeitet. Auf dem Gruppenfoto (bei Indiewire, da auch die ausführliche Meldung) außerdem: Martin Scorsese und sein neuer Executive Director Kent Jones, der - wir hatten berichtet - vor kurzem im Unfrieden als einer der Kuratoren die New Yorker Film Society of Lincoln Center verlassen hatte. Vermittelt hat den Deal übrigens der Independent-Arm der Hollywood-Agentur Endeavor, die im Zentrum des Starsystems im ersten CARGO-Heft stand.
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Animation (24): Bimbo's Initiation
Scary. Scaaary.
So, jetzt sind wir beim Ausgangspunkt angekommen. Lukas Foerster hatte bei Twitter einen Link zu diesem Cartoon, Bimbo's Initiation, gepostet, was mich auf die Idee zu der Serie brachte. Hier also das furchterregende Meisterwerk, aus dem Jahr 1931, von Max Fleischer:
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Hiroshi Shimizu
& Co.
Die Herren im Bild sind: die Regisseure Yasujiro Ozu (ganz links) und Hiroshi Shimizu (dritter von links) sowie die Drehbuchautoren Akira Fushimi und Kogo Noda. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1928, d.h. sowohl Ozu als auch Shimizu waren 23 Jahre alt. Das Bild habe ich aus David Bordwells Blog, wo er anlässlich der Eclipse-Box von vier Shimizu-Filmen diese, mal wieder bis zur Selbstparodie à la Bordwell, analysiert. (Es sei nicht verschwiegen, dass sich auch im zweiten CARGO-Heft etwas zu Shimizu finden wird.)
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Animation (23): The Haunted Ship
Van Beuren.
Dieser Film entstand 1939, da hatte Paul Terry das Van-Beuren-Studio bereits verlassen. Für The Haunted Ship mit den vertrauten Helden Don und Waffles zeichnet der neue Chef-Zeichner John Foster verantwortlich. Mit ihm geht's hier in die Unterwasser-Geisterbahn.
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Texthinweis
Gregory la Cava / Wolfgang Schivelbusch
Ein neuer Text in unserer Reihe Jobless Men - über Gabriel Over the White House (Gregory La Cava) und Wolfgang Schivelbuschs Essay Entfernte Verwandtschaft. Faschismus, Nationalsozialismus, New Deal. 1933-1939
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Animation (22): The Window Washers
Rad ab.
Und noch ein Terrytoon, auch von 1920: The Window Washers. Animationsfilm als großes Fortbewegungskino.
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Jules, Jim, Jeanne und Donald
Pferdekutsche.
Der Meta-Kino-Song zum Sonntag. Kein weiterer Anlass. Aus Paul Mazurskys Alex in Wonderland (1970). Mit Jeanne Moreau (ist sie nicht toll?), Donald Sutherland (ist er nicht toll?) und Pferdekutsche (on Sunset Boulevard!). Via Filmbo.
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Rivette Daney Interview
Swoon.
Serge Daney interviewt, wir schreiben das Jahr 1990, Jacques Rivette, über seine Anfänge, die Cahiers, seine Mitstreiter und dies, das, anderes auch. Gefilmt von Claire Denis - vermutlich ist das Material in Teilen in Denis' Rivette-Porträt Jacques Rivette - Le veilleur eingegangen, ich habe das noch nicht gesehen. In jedem Fall großartig. [via Ryland Walker Knight]
Nebenbei: Rivettes neuer Film 36 vues du Pic Saint-Loup müsste eigentlich fertig sein, war im Grunde schon für Cannes zu erwarten. Da aber keine Spur, hoffen wir auf Venedig, das müsste gerade so klappen, vor dem offiziellen Kinostart am 9. September in Frankreich.
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Animationsfilm (21): Wonders of the Deep
Terrytoons.
Und noch einmal: Rewind. Nach Disney und Fleischer nun eine kleine Serie mit Filmen von Paul Terry bzw. dem Van Beuren Studio. Paul Terry hatte seit den zehner Jahren Animationsfilme hergestellt, seit 1920 dann für das Fables Studio von Armadee J. Van Beuren. In diesem Kontext entstand 1920 dieser Film, Wonders of the Deep, mit der ersten wichtigen Serienfigur der Terrytoons, Farmer Al Falfa (später: Farmer Gray):
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Animation (19): Finding His Voice
Mutie und Talkie
Heute zur Belehrung ein filmtechnivermittelnder Film, wieder von Max Fleischer. Naturgemäß ein Tonfilm, denn: Es geht um den Ton. Dramatis personae: Talkie und Mutie und ein Dr. Western, der auch Mutie zum Ton verhilft.
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Animation (18): Out of the Inkwell - 3
Weltuntergang.
Großer Sprung durch im Netz leider kaum dokumentierte Inkwell-Jahre. Hier noch einmal Ko-Ko, in Begleitung seines Hundes Fitz: Koko's Earth Control (1928). Die Welt geht unter. Wirklich.
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Animation (17): Out of the Inkwell - 2
Jumping Beans.
Reizende Realwelt-Animations-Übergänge in Jumping Beans (1922), einem weiteren Out-of-the-Inkwell-Film von Max Fleischer:
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Considerable Ability
Charlie Chaplins Anfänge.
Sehr interessanter Hinweis für Freunde des frühen Films und alle, die sich für dessen Beziehungen zum Theater interessieren, bei Bioscope:
New (at least to me) among the digitised histoical journals now available online by subscription is The Stage. This is well worth taking note of. The Stage Directory (A London and Provincial Theatrical Advertiser) was founded in February 1880 as a monthly newspaper, and continues (as a weekly) to this day. Its entire archive 1880-2007 has been digitised and put online, covering over 6,500 issues or above 170,000 individual pages reporting on the goings on of the British stage and beyond.
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The Stage documented the engagements of actors, and one can trace their travels across the British provincial theatres, seeing also where the variety shows were starting to introduce the cinematograph. Here one can spot names that were later to be famous: in a notice from 30 July 1903 of a performance of Sherlock Holmes at the London Pavilion, the writer notes:
A faithful portrait of Billy is given by Master Charles Chaplin, who shows considerable ability, and bids fair to develop into a clever and capable actor.
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Percy Smith
Fliegen-Artistik.
Das Stummfilm-Portal Bioscope weist auf den frühen britischen Tierfilme-Macher Percy Smith hin. Bei BBC Radio kann man noch eine Woche lang eine Dokumentation über ihn hören. (Nicht irritieren lassen, geht erst bei der zweiten Minute los.) Hier ist einer seiner erstaunlichsten Filme, The Artistic Fly, aus dem Jahr 1910. (Und, ja, Smith hat die Fliege mit dem Rücken festgeklebt. Don't try this at home!)
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Thome YouTube
Clips und Trailer.
Rudolf Thome stellt gerade mit beträchtlichem Tempo Ausschnitte aus und Trailer zu seinen Filmen bei seinem YouTube-Kanal moanafilm ins Netz. Von ganz frühen Sachen angefangen, etwa diesem Ausschnitt aus seinem ersten,1964 entstandenen gemeinsam mit Klaus Lemke und Max Zihlmann geschriebenen Kurzfilm Die Versöhnung (wenn ich die Imdb recht verstehe, sieht man Lemke auch in dem Auszug - als den Mann, der auf der Treppe sitzt, aufsteht und nach vorne aus dem Bild geht).
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Animation (16): Out of the Inkwell - 1
Max and Dave Fleischer.
Jetzt der angekündigte Sprung zurück. Out of the Inkwell lautet der Name der Serie, mit der die Brüder Max (Zeichner) und Dave (Produzent) Fleischer ihr am New Yorker Broadway gelegenes Inkwell-Studio rasch bekannt machten. (Über die Arbeit für das Bray Studio, für das sie von 1919 bis 1921 tätig waren, informiert mit Filmausschnitten dieser Dokumentarfilm.) Die berühmteste Figur aus der Anfangszeit ihres Schaffens ist Koko the Clown, dessen Geburt aus dem Geist der Tinte und des Tintenkleckses man in Modeling (1921) in einer Mischung aus Realfilm- und grafischer Animation zu sehen bekommt:
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Hitchcock Fly
There’s a story, which I have trouble believing, that to get a shocked reaction from Madeleine Carroll for one particular close-up in THE 39 STEPS, Hitchcock unbuttoned his fly and startled her with the sight of his partial namesake. (The shot above looks to me like the only reasonable contender. The expression on Carroll’s face is hard to read: concern? Pity?)
Die Bilder-Pointe (the shot above) dann hier.
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Lou Castel in Hamburg
Castel erzählte von seiner Zeit als kommunistischer Aktivist in Italien, spielte auf einer kleinen Drehorgel die Internationale und empfahl allen Gästen die Lektüre von Marx' Kapital, dessen zweiten Band er gerade lese: "You will understand what is happening now."
Sehr lesenswerter Bericht von einem Auftritt des einzigartigen Lou Castel (Bellocchio, Fassbinder, Tatort, Garrel, Assayas, Faust, Köhler etc. etc.) in Hamburg bei The Wayward Cloud.
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Animation (14): Oswald, the Lucky Rabbit
Disneys Kaninchen.
Nach dem Ende der Alice-Serie erfand Walt Disney mit Ub Iwerks für Universal eine weitere Tierfigur, Oswald, the Lucky Rabbit. Als es wegen der Honorare zu Ärger kam, gaben die beiden die Serie bald wieder ab und dachten sich eine Maus aus. Dazu später mehr. Hier das Kaninchen und eine mechanische Kuh. ("Do Animation Rabbits Dream of Mechanical Cows?") Mit Verfolgungsjagd.
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Animation (13): Alice Solves The Puzzle
Animationsreihe - wieder da.
Regelmäßigkeit wird durchs Aussetzen erst interessant. Ich bitte die kurze Pause gestern zu entschuldigen, hier die Fortsetzung.
Nochmal einer von Disneys Alice-Clips. Auf den ersten Blick weder besonders virtuos noch auch so richtig lustig. Dennoch scheint mir Alice Solves the Puzzle sehr interessant. Zum einen ist hier die Integration von Realfigur und Animationsbild recht interessant; die Macher stellen sich selbst kleine Aufgaben, wie ganz beispelhaft die Treppe zur Umkleidekabine, die Alice hinaufgehen muss. Oder der möglichst unmerkliche Übergang von realer Alice zu gezeichneter Alice im Sprungturmabenteuer. Und entschlossen wird die so transformierte Alice von den Gesetzen der Physik befreit und den willkürlichen Regeln des gezeichneten Bildraums überantwortet.
Keineswegs herrscht hier freilich die totale Freiheit von der Physik. Spannend ist eher, wie diese absichtsvoll gedehnt, verbogen, wie mit ihnen ausdrücklich gespielt wird. Aus einem Seil wird - es ist im Grunde dieselbe Transformation wie zuvor mit Alice, nur diesmal ganz im Trickbild - eine Linie, die man ins Leere hängen und so zum Sprungvergnügen nützen kann. Oder am Ende der Slowburn von Kater Lucius am Seil, der eine ganze Weile ins Leere klettert und erst im Moment, in dem ihm die Unmöglichkeit dessen, was er tut, bewusst wird, abstürzt. Reflexion aufs eigene Medium ist und bleibt der komische Special Effect des Animationsfilms, der immer damit zu kämpfen hat, dass ihm alles möglich ist. Sehr hübsch die Schlusspointe, die beweist, dass man für die künstlerische überzeugende Lösung eines Rätsels auch die Rechtschreibung dehnen und drehen kann, wohin man will. Also, hier, Alice.
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Meeting Lucki Stipetic (Indielisboa I)
Gesprächsnotizen.
Nach den Dankesreden der drei Festivalchefs kommt ein schlanker Herr auf die Bühne, spricht frei ein paar Worte in ziemlich gutem Portugiesisch (sage ich mal) und liest dann einen Brief seines Bruders vor. Der Herr ist Lucki Stipetic und sein Bruder ist Werner Herzog (geb. Stipetic). Herzog hat soeben seinen jüngsten Film mit dem Titel My Son, My Son, What Have Ye Done abgedreht. Dafür war er zuletzt noch für einen einzigen Drehtag nach China geflogen und, schreibt er im Brief, den sein Bruder vorliest, dachte ernsthaft, als er erwachte, er sei in Lissabon.
Wo er nun nicht ist, obwohl er alles versucht hat, obwohl man ihm hier, wo alles so entspannt und großzügig und freundlich ist, ganz sicher einen großen Bahnhof bereitet hätte. Das Festival Indielisboa zeigt eine Herzog-Retrospektive, die sich nicht ausschließlich, aber doch stark auf die Dokumentarfilme bezieht. Zur Eröffnung lief der jüngste, das auf erhabene Weise komische Antarktik-Werk Encounters at the End of the World. Darin geht ein Pinguin aus eigenem unerforschlichen Ratschluss allein in die Eiswüste und damit in den sicheren Tod. "Warum?" fragt Werner Herzog im Voiceover-Kommentar. My Son, My Son, What Have Ye Done.
Vorhin traf ich Lucki Stipetic dann beim Espresso im Hotel zum Gespräch. Seit Jahrzehnten produziert er die Filme seines Bruders - erst neuerdings bei den Hollywood-Produktionen nicht mehr. Was produzieren so heißt in den freischwebenden Zusammenhängen, in denen Herzog sich mit seinen Filmen so bewegt. Er ist vor Ort meist dabei (nicht in McMurdo, was er schon sehr bedauert), er stellt Kontakte her mit Geldgebern und hält dem Bruder den Rücken frei. Sie haben ein harmonisches Verhältnis, meint er, und das seit Jahrzehnten, der eine vertraut dem anderen und genau so funktioniert es.
Mit einem Gerücht räumt er auch gleich auf: David Lynch hat mit der Produktion von My Son, My Son, What Have Ye Done persönlich gar nichts zu tun; seine Produktionsfirma ist an Stipetic/Herzog herangetreten und hat gefragt, ob es vielleicht ein Projekt gibt. Die Antwort versteht sich von selbst, meint Stipetic, bei Werner Herzog gibt es immer ein Projekt, und wenn es keins gibt, dann erfindet er eins aus dem Stand. Der Film ist ein Krimi, soviel ist zu erfahren, und am Ende tötet ein Sohn seine Mutter mit dem Schwert. Der Film ist jetzt abgedreht und Werner Herzog, der inzwischen fast ganz in Los Angeles lebt, braucht ein paar Tage Ruhe auf seinem Bauernhof in der Steiermark.
Ein überzeugter Amerikaner ist Herzog inzwischen, versichert sein Bruder, der dennoch durchblicken lässt, dass einem Europäer wie seinem Bruder da doch etwas fehlt. Wir sprechen darüber, wie es kam, dass Deutschlands aufregendster noch aktiver Regisseur (das sage jetzt ich) aus den großen Zeiten des Neuen Deutschen Films seiner Heimat so vollständig abhanden gekommen ist. Im Spielfilm Invincible steckt noch ein wenig nordrhein-westfälisches Fördergeld, sonst aber: Fehlanzeige in Deutschland. Bedenklich werden bei Verleihern Köpfe gewiegt, wenn der Name Herzog fällt, mit Finanzierungsanfragen versucht es Stipetic schon gar nicht mehr. In England, in Frankreich reißen sich die Leute darum, Herzogs Filme zu finanzieren, in Deutschland: nichts und wieder nichts.
Stipetic hat keine Erklärung, außer: Herzog schleimt nicht rum. Er ist nicht in Talkshows oder sonstwie in Deutschland präsent; er macht, ohne allzuviel Rücksicht zu nehmen, immer sein Ding und geht nicht mit den richtigen Leuten essen. Meinem Seufzer, dass die deutsche Filmproduktionslandschaft und alles, was hier so gern Industrie wäre, zum Verzweifeln provinziell ist, widerspricht Stipetic denn auch nicht. Filmpreis, Filmakademie, Kosslick-Berlinale: einvernehmlich schütteln wir schweigend die Köpfe.
Und sprechen über Hollywood: Jederzeit ist in Los Angeles, meint Stipetic, die Verehrung zu spüren, die Herzog dank seiner legendären Filme aus den siebziger Jahren genießt. Er freut sich, so eitel ist er schon, aber er geht auch, versichert Stipetic, ziemlich gelassen mit diesem Ruhm um. Und natürlich ist er auch nicht mehr als die "gun for hire" bei Produktionen wie Bad Lieutenant, er hat nicht das Recht auf den Final Cut, aber wirklichen Ärger gab es bisher nicht. Das Ende von Bad Lieutenant war den Produzenten allzu düster, jetzt gibt es, versichert Stipetic, einen Kompromiss. Einen US-Verleihtermin gibt es noch nicht.
Dann noch Spannendes zum nächsten Projekt, wieder ein Dokumentarfilm. Ausgangspunkt war ein Auftragsjob, wieder Oper (Stipetic, stellt sich heraus, ist ein Opernfan und war auch das Movens für die Operninszenierungen seines Bruders), ein dreiminütiger Film zu einer Arie aus "La Boheme". Es ergab sich, zufällig, dass Herzog in diesem Kontext auf die Fotografien von Hans Silvester aufmerksam wurde. In den siebziger Jahren machte Silvester Aufnahmen von Mitgliedern eines von der Welt abgeschieden lebenden Stammes in Äthiopien. Den hat Herzog, fasziniert von den - übrigens völlig inszenierten - Bildern, aufgesucht, ein paar Bilder gemacht für den Dreiminutenfilm.
Es stellte sich heraus, dass darin ein Filmprojekt ganz nach seinem Herzen steckt. Der Stamm lebt bis heute in einer anderen, von der modernen ganz abgeschiedenen Welt. Zwar sichern die Männer mit Kalaschnikoffs das Revier (sie leben im Grenzgebiet zum Sudan), aber von der modernen Welt, in der sie leben und nicht leben, sind, erklärt Stipetic - der mit Herzog zu den Aufnahmen für den Kurzfilm dort war -, die Mitglieder des Stamms bis heute unberührt. Von ihnen wird Herzog dann erzählen, in diesem Jahr noch geht es nach Afrika. Stipetic, der ein ganz in sich ruhender Mensch ist, der auch glaubhaft versichert, dass ihn das Kino eigentlich weniger interessiert als Literatur oder Oper, der glücklich ist, mit dem was er tut, der gar nicht mehr sein will für die Welt als der Produzent (und der Bruder) seines Bruders, Stipetic klingt da jetzt doch ganz ausgesprochen vorfreudig.
P.S.: Stipetic erklärt ausdrücklich, dass die kürzlich auch hier verlinkten YouTube-Herzog-Filme, die Starzmedia ins Netz gestellt hat, völlig illegal dort stehen. Das Cease-and-Desist haben sie bereits im Briefkasten. (Dreist, sehr dreist findet Stipetic diese Aktion. Und recht hat er.) Der folgende Ausschnitt aus Encounters ist auch einfach so upgeloadet worden, aber ich persönlich finde Exzerpte dieser Länge okay, deswegen hier auch der Auftritt des traurigsten Pinguins der Welt (RIP). Ansonsten: unbedingt ansehen, toller Film. (S. auch Ludger Blanke im CARGO-Heft: "Der schönste Dokumentarfilm der letzten hundert Jahre"):
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Jack Cardiff
Zum Tod des Kameramanns (Powell/Pressburger) und Regisseurs Jack Cardiff gibt es bei Cinebeats eine nationalkulturell aufschlussreiche und auch sehr attraktive Postersammlung zu Cardiffs Film Girl On a Motorcycle mit Marianne Faithfull und Alain Delon.

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Animation (12): Disney - Alice's Egg Plant
Pink Chicken.
Walt Disney entwickelte gemeinsam mit Ub Iwerks eine neue Serie, rund um ein Mädchen mit dem an Lewis Carroll gemahnenden Namen Alice. Die Idee war, Live-Action mit Animation zu vermischen. Disneys erste Versuche dazu passierten noch in Kansas City, es gelang ihm jedoch, mit der Idee in Hollywood auf sich aufmerksam zu machen. Es folgte der Umzug, die heute noch erhaltenen Alice-Filme sind dann schon im neuen Walt-Disney-Studio auf der Hyperion Avenue entstanden. Die Alice-Darstellerin im folgenden Film (sie wechselten) ist Margie Gay.
Was man in Alice's Egg Plant (1925) zu sehen bekommt, ist im höchsten Maße erstaunlich. Ein kommunistisches Huhn namens Little Red Henski - Mächen, Kinderbücher sind die Referenzwelt - ruft die Kolleginnn/Genossinnen um Streik auf. Große Katastrophe. Eine weitere Serienfigur, der Kater Julius, muss sich Tricks einfallen lassen, um den politisch irregeleiteten Hühnern ihre Eier dennoch abzuluchsen. Die Antwort ist, höchst einleuchtend: Entertainment. Boxkampf ist Opium fürs Hühnervolk. Muss man gesehen haben.
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Animation (11): Disneys Laugh-o-Grams - 2
Forts. der Disney Story.
Walt Disneys Laugh-o-Grams wurden schnell länger. Und besser. Hier zwei aus dem Jahr 1922, Puss and Boots sowie - darauf kommen wir dann bei Tex Avery nochmal zurück - Little Red Riding Hood:
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Animationsfilm (10): Disneys Laugh-o-Grams
Die Disney-Geburtsstunde.
Dies ist die Geburtsstunde des Disney-Imperiums. In einem finanziell ständig ums Überleben ringenden kleinen Animations-Studio in Kansas City versammelte Walt Disney einige der späteren Animations-Großlegenden wie Ub Iwerks oder Rudolph Ising um sich und begannt mit kleinen Filmchen, die er Laugh-o-Grams nannte. Hier ist eine Serie von ihnen - es sind wohl die allerersten Disney-Werke überhaupt. In den nächsten Tagen dann die Disney-Stummfilm-Geschichte, bevor es zeitlich zurückgeht zu Max und Dave Fleischer.
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Komplette Herzogs bei YouTube
Herzog For Free.
Nochmal YouTube. Auf dem Kanal von StarzMedia gibt es derzeit Filme von Werner Herzog zu sehen. Und zwar Mein LIEBSTER Feind, Fitzcarraldo, Lessons of Darkness, Little Dieter Needs To Fly. Und zwar komplett. Und ohne Geoblocking. Der Kanal ist hier. Und der Kaspar-Hauser-Film. Den bette ich ein und bitte darum, nicht nur auf Herbert Achternbusch, sondern auch auf den grandiosen Kidlat Tahimik zu achten, dessen umwerfenden Film The Perfumed Nightmare ich vorgestern in der Revolutionen aus dem Off-Reihe das große Vergnügen hatte. [Via Filmstudies For Free, wo es noch viele weitere Links gibt. Auch zu angeblich weiteren verfügbaren Herzog-Filmen - diese Links führen im Moment aber nur zu Trailern.]
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Animation (8) - Tom alias Felix the Cat
Felix the Cat wurde die erste populäre Cartoon-Figur. Bei seinem ersten Auftritt hieß Felix allerding noch Master Tom. Produziert vom New Yorker Studio Pat Sullivans, Regie und Animation: Otto Messmer. Wer von den beiden - Messmer oder Sullivan - die Figur erfunden hat, gehört zu den Streitfragen der Animations-Geschichte. Ist aber eher egal, hier das Debüt Feline Follies (1919) der Katze Tom, die bald darauf Felix hieß:
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Avant Guard
Großartiges Stummfilm-Blog.
Und noch ein Blog, und zwar ein ganz großartiges, das ich jetzt erst entdeckt habe: "The Bioscope". Gewidmet ausschließlich dem Stummfilm, betrieben vom Filmhistoriker Luke McKernan. Mit Kalender, Bibliothek, mehr drum und dran, als man erhoffen dürfte. Im wesentlichen natürlich historisch orientiert. Aber auch was die Gegenwart des Stummfilms betrifft, hält man die Augen offen. So gibt es etwa den Hinweis auf die Vimeo Weekend Competition für einen zeitgenössischen Kurz-Stummfilm. Ebenso wie der Bioscope-Blogger finde ich dieses Stummfilm-Machinima Guard Duty von Andrew C sehr überzeugend:
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Revolutionen aus dem Off
Filmreihe im Zeughauskino
Auch an dieser Stelle der Hinweis auf die großartige Retrospektive «Revolutionen aus dem Off» die morgen im Zeughauskino beginnt (hier mehr).

Die Idee:
«Die anlässlich des 40. Jubiläums von 1968 neuerlich angefachte Diskussion über das gesellschaftliche Vermächtnis der Studentenrevolte belegt die ungeminderte Strahlkraft dieses historischen Datums. Dass sich im vorangegangenen Jahrzehnt und weit bis in die 1970er Jahre in Lateinamerika, Afrika und Asien soziale Bewegungen formierten, die in ihrer revolutionären Vehemenz die Revolten in Paris, Berlin oder Berkeley in den Schatten stellten, fällt leicht aus der eurozentrischen Wahrnehmung jener Ära heraus und ist darob in Vergessenheit geraten.
Diese an den Rand der Wahrnehmbarkeit gedrängten Revolutionen aus dem Off begünstigten die Entstehung eines politisch und bisweilen ästhetisch radikalen Kinos, das alle Register zog: vom generischen Erzählfilm bis zu experimentellen und dokumentarischen Formen, von Agitprop bis zu kritischer Reflexion, von der Besinnung auf einheimische Traditionen bis zur Anverwandlung modernistischer Einflüsse. So wie die sozialen Bewegungen, die es begleitete und mitgestaltete, stand dieses Kino für einen dritten Weg jenseits der konkurrierenden Machtblöcke USA und Sowjetunion, aber auch jenseits von Hollywood auf der einen und des mit der europäischen Linken assoziierten Autorenfilms auf der anderen Seite – für ein „Drittes Kino“, wie es die Filmemacher Octavio Getino und Fernando E. Solanas in ihrem vor genau 40 Jahren veröffentlichten Manifest „Hacia un tercer cine“ tauften.
Die Reihe Revolutionen aus dem Off unternimmt den Versuch, die bemerkenswerte Vielfalt politischer und ästhetischer Entwürfe im Einzugsgebiet des Dritten Kinos auf exemplarische Weise vorzustellen. Das Programm umfasst 34 Filme aus 14 Ländern im Zeitraum von 1955-1977, darunter etliche Raritäten, die in Deutschland nur selten zu sehen waren. Begleitende Einführungen erschließen die historischen und ideen-geschichtlichen Hinter-gründe des Dritten Kinos in seinen zahlreichen Spielarten und fragen nach seinem möglichen Nachleben im gegenwärtigen World Cinema.»
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Animation (7) - Krazy Kat
Krazy Kat.
Auf den ersten Blick eine ähnliche Sache wie Winsor McCays Little-Nemo-Animations-Version seiner Comic-Figuren: Krazy Cat Goes A Wooing (1916). Groß wird im Vorspann auch der Name des Comic-Schöpfers George Herriman genannt. Freilich hatte er mit der Animation nichts zu tun. Wie die Geschichte des Comics selbst umspannt auch die Produktion von Krazy-Kat-Trickfilmen Generationen. Mit qualitativen Aufs und Abs, teils in großer Nähe, dann in großer Ferne zu den Originalen. (Mehr dazu, wie immer, bei der Wikipedia.)
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Animation (6): Winsor McCay - 4
Vielleicht Winsor McCays unerhörtester Film, The Sinking of the Lusitania aus dem Jahr 1918. Nichts daran ist komisch, im Gegenteil: Erzählt wird der Untergang des Passagierschiffs Lusitania nach Beschuss durch ein deutsches U-Boot im Jahr 1915. Eine Tragödie als Cartoon. Und beinahe abstrakt, kein Liebesgeschichtenblödsinn, ja, überhaupt keine Personalisierung, abgesehen von den Trauervignetten in der Mitte des Films, die prominente Untergegangene zeigen. McCays ganzes Belebungsgenie liegt im oft fast abstrakten Rauch, der zu tanzen scheint, Muster bildet und Formen. Das Publikum hat damals eher ratlos reagiert auf den so ganz und gar nicht komisch gemeinten Zeichentrickfilm.
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Bordwell über Fei Mu
Wiederentdeckt: Fei Mu.
Der Filmwissenschaftler David Bordwell ist in Hongkong und hatte dort die Gelegenheit, einige Filme des Regisseur Fu Mei zu sehen. Über dessen Film Springtime in a Small Town schreibt er:Fei Mu is a little-known name in the West, but on the evidence of even a few films, it’s clear that this mainland Chinese filmmaker was one of the finest working anywhere during the 1930s and 1940s. His best-known film, Spring in a Small Town (1948), was considered in the Maoist era an overliterary piece of sympathy for the bourgeoisie. Now things have changed. Many specialists today consider Spring in a Small Town the best Chinese film of all time. It’s an extraordinary work, anticipating Antonioni in its slow unfolding of an erotic situation, treated with a mixture of sympathy and austerity.
Zwei weit weniger bekannte Filme Fu Meis hat Bordwell gesehen, den Theaterfilm Onstage, Backstage (1936) und das vor wenigen Jahren wiederentdeckte und nun frisch restaurierte Biopic Confucius aus dem Jahr 1940.
Erfreulicherweise ist Fei Mus Meisterwerk Springtime in a Small Town - ebenso wie übrigens das Remake von Tian ZhuangZhuang aus dem Jahr 2002 - komplett auf YouTube zu sehen. (Die Untertitel kann man rechts über das ausklappbare Menu zuschalten.) Hier das Original:
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Animation (4): Winsor McCay - 2
Mosquito.
Hier kommt Film Nummer zwei von Winsor McCay. How a Mosquito Operates (1912)
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Auferstehung
Osterei.
Aus aktuellem Anlass - Ausschnitte aus La vie et la passion du Jésus Christ (1902-1905). Der Film gilt als einer der ersten "Langfilme" (44 min. insgesamt; four reels), entstand für Pathé. Über alle technischen und inszenatorischen Besonderheiten informiert dieser Artikel. Voilà bzw. ecce:
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Animation (2): Emile Cohl
Animations-Serie 2: Emile Cohl.

Emile Cohl (1857-1938) hieß eigentlich Emile Courtet, benannte sich um als Karikaturist. Viel Tagespolitisches, aber auch die links zu sehende Karikatur von Paul Verlaine (typisch für Cohl: der große Kopf)
Cohl war Mitglied einer heute eher vergessenen, von Jules Lévy 1882 gegründeten protosurrealistischen Künstlergruppe namens "Les Incoherents", über die die Wikipedia dies weiß:
Lévy coined the phrase "les arts incohérents" as a play on the common expression "les arts décoratifs". The Incoherents presented work which was deliberately irrational and iconoclastic, "found" art objects, the drawings of children, and drawings "made by people who don't know how to draw." Lévy exhibited an all-black painting by poet Paul Bilhaud called Negroes Fighting in a Cellar at Night. The early film animator Émile Cohlcontributed photographs which would later be called surreal. In an 1882 show, the artist Sapeck (Eugène Bataille) contributed an 'augmented' Mona Lisa that directly prefigures the famous Marcel Duchamp image L.H.O.O.Q. of 1919.
Inspiriert von James Stuart Blacktons Animationsfilm The Haunted Hotel (leider nicht online greifbar), der 1907 in Paris gezeigt wurde, stellt er, bei Gaumont zunächst als Autor verpflichtet, mit einem einzigen Assistenten jene Film her, die als erste reine Animationsfilme gelten. Der erste, entstanden im Frühjahr 1908, ist Fantasmagorie. Produziert ist der Film aus 700 Zeichnungen - als schwarze Linien auf weißem Papier; was man sieht, ist er Negativfilm. Das Licht der Öffentlichkeit erblickte Fantasmagorie am 17.8.2008:
In recht rascher Folge drehte Cohl weitere Animationsfilme, Titel: Les Joyaux Microbes, Clair de Lune Espagnol, Le Tour Petit Faust and Le Peintre néo-impressionniste. 1910 wechselte er von Gaumont zu Pathé, 1911 zu Eclipse. Ein Aufenthalt in den USA für das Studio Eclair folgte - dort, in New Jersey, drehte er animierte Version von George McCanus' Comic-Serie "The Newlyweds". Von späteren Werken ist nur wenig erhalten, die letzten Filme entstanden in den frühen zwanziger Jahren. Online ist ein weiterer früher Film zu finden, dessen Titel The Hasher's Delirium (1910) nicht mehr verspricht, als das Werk hält:
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Animation (1): James Stuart Blackton
Serie zum Animationsfilm (1).
Gestern habe ich mehr oder weniger den ganzen Nachmittag damit verbracht, mir bei YouTube und Co Animationsfilme und Cartoons anzusehen. Schuld war Lukas Foerster, der einen Link zu einem furchterregend komischen Cartoon aus dem Hause Fleischer getwittert hatte. Thomas Groh hat ihn auch gleich in sein Blog gestellt.
Tatsächlich finden sich - natürlich nicht im engeren Sinn verborgen - Schätze bei YouTube. Teils sind die Filme in der Public Domain, teils nicht, teils nehmen die Rechteinhaber sie raus, teils nicht. Jedenfalls gibt es so viel Großartiges, dass ich dachte, ich bringe ein bisschen Ordnung rein; nicht zuletzt mir selbst zur Belehrung. Ab heute, soll das heißen, poste ich (nach Möglichkeit) jeden Tag einen Animationsfilm/Cartoon (oder mehrere). Und schreibe ein bisschen was zu den Hintergründen der Entstehung. Nicht weil ich es wüsste - ich kenne mich im Gegenteil nicht besonders gut aus -, sondern weil ich es ein bisschen genauer wissen will. Jede Zusatzinformation im Kommentar ist mehr als willkommen, jeder Hinweis auf großartige Cartoons bitte an knoerer [at] gmx.de.
Ich halte es nicht für sehr wahrscheinlich, dass ich auf die Dauer chronologisch vorgehen werde, aber den guten Vorsatz habe ich schon. Deshalb heute ein Anfang mit:
James Stuart Blackton: The Enchanted Drawing (1900) und Humorous Phases of Funny Faces (1906)
James Stuart Blackton (1875-1941), in England geboren, als Kind in die USA gelangt war Jahrmarktzeichner und Reporter. Nach einem Interview mit Thomas Alva Edison kam er auf die Idee, selbst eine Filmproduktion zu gründen (gemeinsam mit Albert E. Smith), die Vitagraph, die nachmals für ihre Literaturverfilmungen und Geschichtsfilme berühmt wurde. In den neunziger Jahren erregte die Firma Aufsehen mit pseudo-dokumentarischen Nachrichtenfilmen wie dem Tearing Down the Spanish Flag, der Bilder aus dem spanisch-amerikanischen Krieg zu zeigen vorgibt, aber in Brooklyn entstand. Die Battle of Santiago wurde in des Regisseurs Badewanne gedreht. Weil die Aufnahme vom Original-Kampf nicht möglich war, wurde der KO im Boxkampf zwischen Jim Jeffries und Bob Fitzsimmons mit den echten Boxern einfach nochmal gedreht. (Hier auf YouTube.)
Im Jahr 1900 entstand dann in einer Mischung aus Realfilm und Animation The Enchanted Drawing, der als erster (oder einer der ersten, wen kümmert's) Animationsfilm(e) gilt. Die Technik ist einfacher Stoptrick, also jene Schnitttechnik, die einfach verbirgt, was zwischen den Bildern vor der Kamera geschieht. Vom Stoptrick zur Stop-Motion waren es dann nur ganz viele kleine Schritte, 1906 ist Blackton mit seinen den Prozess schon im Wortspiel-Titel andeutenden Humorous Phases of Funny Faces bereits recht weit. (Übrigens wird sich zeigen, dass der Animationsfilm wie kaum ein anderes Filmgenre sehr schnell schon zu allerlei selbstreflexivem Schabernack neigt.)
Zu den bedeutendsten weiteren Blackton-Trickfilm-Produktionen gehört ein Film, in dem Winsor McKay in einer Realfilmsequenz seinen Comic Little Nemo in Animationsfilmbewegung setzt. Dazu dann aber mehr in einer der nächsten Folgen.
Links:
Blackton-Biografie bei Screenonline
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Ganz leise
Hier ist jemand sehr fleißig dabei, hoch interessante Filme einem weiten Zuseherkreis zugänglich zu machen. Ich sag das nur ganz leise.
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Winterkirschen
FAS-Interview mit Helmut Berger.
Ich hab’ nie Konkurrenz gehabt. Seit wann hab’ ich Konkurrenz? Der Delon ist doch gar kein Schauspieler, sondern ein Strichbursche, das arme Arschloch. Es gibt Leute, die ihre Karriere durchbumsen. Das habe ich nicht gemacht.
Helmut Berger gibt André Müller ein Interview, die FAS druckt es. Das Ergebnis ist wahrscheinlich so ungefähr erwartbar, aber nichtsdestotrotz ziemlich komisch. (Und Winterkirschen, sieh an, sieh an.)
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Levitt / Agee
Agees Vorwort zu "A Way of Seeing".
Im Alter von 95 Jahren ist am 29. März die Fotografin Helen Levitt gestorben. Sie war berühmt für ihre Aufnahmen aus den Straßen New Yorks, seit den fünfziger Jahren zum großen Teil in Farbe, für die künstlerische Fotografie der Zeit sehr ungewöhnlich. Levitt hat auch mit dem großen Filmkritiker und Autor (Roman "A Death in the Family", erstes Drehbuch zu Night of the Hunter) James Agee zusammengearbeitet. In zwei dokumentarischen Filmen, In the Street und The Quiet One, beide 1948 entstanden. Und für das Buch "A Way of Seeing". James Agees Vorwort dazu gibt es nun bei AmericansuburbX vollständig zu lesen.

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Heute: Cook in München
Noch ein Veranstaltungshinweis: Im Filmmuseum München sind heute Abend John Cook-Filme zu sehen: 1. Halbzeit: Ich schaff's einfach nimmer (1973), 2. Halbzeit: Langsamer Sommer (1976). In der Pause unterhalten sich Olaf Möller und Michael Pilz über John Cook, mehr hier.
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Studio-Logos: keineswegs sakrosankt
Übersicht, mit Screenshots: Spielereien mit den Studio-Logos aus mehreren Jahrzehnten Hollywoodgeschichte. Es fällt aber auf, falls die Übersicht repräsentativ ist, dass die Freiheit des Umgangs mit den Markenlogos seit den Achtziger Jahren zunimmt. [via coudal]

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Dearest Maestro
Filmmusikgeschichte wird versteigert.
Für alle, die es nicht gleich auf den ersten Blick erkennen: Dies ist eines der berühmtesten Stücke Filmmusikgeschichte, nämlich ein Auszug aus der Mordszenenstreicherbegleitung in Alfred Hitchcocks Psycho. Originalmanuskripte nebst verschiedenen Briefen an Bernard Hermann (u.a. von Orson Welles) stehen nun, zum Verkauf gegeben von Bernard Hermanns Witwe, in London zur Versteigerung. Deadline: 24. März. Geschätzter Wert: 30-40000 Pfund. Interessant ist der Besuch der Website auch wegen der vielen historischen und film- sowie musikkundliche Informtionen, die diese bietet. [via Alex Ross: The Rest is Noise]
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Theatrum Machinarum
Kinematisches.
Bei BibliOdyssey gibt es großartige Bilder aus Heinrich Zeisings Theatrum Machinarum (1612-14), einem wichtigen Werk der Kinematik - und damit natürlich jener Wissenschaft/Ingenieurskunst, der das Kino einen nicht ganz unwichtigen Teil seiner Existenz verdankt. Und wer bei den Bildern an M.C. Escher denkt, liegt ganz sicher auch nicht falsch.

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Der Kubrick-Film, den es nie gab
Über The Aryan Papers.
Auch sehr sehenswert auf Animatprojects: Jane und Louise Wilsons Film Unfolding the Aryan Papers. Die Regisseurinnen habe im Kubrick-Archiv die vorhandenen Dokumente, Bilder, Rechercheergebnisse zum Film The Aryan Papers gesichtet, den Stanley Kubrick in den frühen 80ern zu drehen plante. Im Zentrum der Dokumentation steht die Schauspielerin Johanna ter Steege, die die Hauptrolle spielen sollte. Es gibt Fotos von Probeaufnahmen, zu denen ter Steege von ihren Begegnungen mit dem Regisseur berichtet. Dazwischen aktuelle Bewegtbildaufnahmen der Schauspielerin heute.

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Hitchcock Cameos
Nicht ganz komplett, aber doch eine reizende Sammlung: Alfred Hitchcocks Kurzauftritte in seinen eigenen Filmen, am Stück.
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The Unsungs
Ein monothematisches Blog der ganz feinen Art: "The Unsung Joe" schildert Karrieren, die im strengen Sinn keine waren. Nämlich die Filmografien von NebendarstellerInnen, Extras, Schauspielerinnen und Schauspielern, die höher hinaus wollten als sie konnten oder auch durften. Aktuell: Sally Yarnell.
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Alan Aldridge
Schon wieder ein hoch interessanter Eintrag bei Shadowplay. David Cairns erzählt, wie er mit dem Grafik-Designer und Schöpfer einer einzigen und wirklich großartigen Film-Vorspann-Sequenz Alan Aldrige in Kontakt kam - nämlich, indem er diese Titelsequenz - zu Tony Richardsons Duras-Verfilmung The Sailor from Gibraltar - bei Youtube postete und von Aldrige einen Brief bekam, in dem dieser um eine Kopie des Films bat. Cairns hat die Gelegenheit genutzt und Aldrige, der unter anderem das bekannte "Hard Rock Café"-Logo-entworfen hat, zu diesem und jenem befragt. Heraus kommt, dass es aktuell auch zwei Filmprojekte gibt, eines zu Edgar Allan Poe, eines zu John Lennon..
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Filmkrant Rotterdam
The following pages are a refuge for wayward articles that too seldom find their way to print, because they are considered too philosophical, personal, political or poetic. The only guideline we gave the authors in our little query amongst friends and comrades, was that their words had to be burning. The world had to stop turning if they would not be published right here and right now. They had to be dragged from the gates of hell (and heaven alike). And they should revise our filmic eyes all over again.
Mit diesen Worten leitet Dana Linssen die zum Festival in Rotterdam erscheinende, mit der programmatischen Überschrift "Slow Criticism" betitelte englische Sonderausgabe der besten - oder, um ehrlich zu sein, der einzigen mir bekannten - niederländischen Filmzeitschrift De Filmkrant ein. Kleine Auswahl interessanter Artikel:
- Maya McKechneay über Haunted-House-Filme. Das spannendste daran ist, was zwar der Anlass zum Text ist, aber nur am Rande erwähnt wird: Fünf der interessantesten asiatischen Filmemacher richten ein Geisterhaus in Rotterdam, darunter Wisit Sasanatieng, Lav Diaz und Amir Muhammad.
- Olaf Möller schreibt, wie schon im Aktuellen Film Comment, über den italienischen Regisseur Paolo Benvenuti - bzw. über dessen jüngsten Film Puccini and the Girl.
- Adrian Martin entdeckt den Fotografen William Klein als Regisseur.
- Jonathan Rosenbaum schlägt eine Schlacht von gestern und attackiert, nicht zuletzt ihres politischen Defätismus' wegen, Francis Ford Coppolas Der Pate I und II, und dabei auch gleich noch die aus mir nicht ganz verständlichen Gründen untoteste aller US-Kritikerinnen Pauline Kael.
- Martijn Mejer über den Handy-Film SMS Sugar Man des südafrikanisch-niederländischen Regisseurs Aryan Kaganof, der früher Ian Kerkhof hieß und auch damals schon keinen Skandal ausließ (sein Blog, ein Artikel aus Bright Lights Film).
- Kent Jones plädiert in einem vielleicht doch etwas uninspirierten Text für eine pragmatische Moralphilosophie des Kinos.
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Did you ever push an old lady down the stairs?
Richard Widmark (26.12.1914, Sunrise, Minnesota - 24.3.2008, Roxbury, Connecticut)














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