12. März 2010, Woche 10/2010        Blog
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CARGO Film/Medien/Kultur Magazin
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Aktuelle Ausgabe: CARGO Film/Medien/Kultur 04 vom 10. Dezember 2009

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CARGO 04/2009 Cover «Mad Men»
CARGO 05 erscheint am 25. März 2010.

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  • Inhaltsverzeichnis von Heft 04/2009
  • Editorial


Inhalt

  • Systemperforation
  • Ein altes Versprechen
  • Heise Material Mediathek
  • Glückwunsch
  • Freiheitliche Demokratie
  • RIP Peter Krieg
  • Go For It, Harlan!
  • Lelouch: Iran
  • Gerhard Friedl
  • Varda: Huey
  • Volker Koepp: 65
  • Teheran im Film (6)
  • Jürgen Gosch: Das Experiment
  • RIP Allan King
  • Volker Koepp: Söhne (ARD)
  • Die Wahrheit über Grandrieux
  • David Lynchs Interview Project
  • Thomas Heise
  • Geschichte des israelischen Kinos
  • Material (Thomas Heise)
  • Bananaz
  • RIP JG Ballard
  • SnagFilms
  • Under Construction
  • Rough Trade
  • Yael Bartana: Summer Camp
  • Goldberg maschine
  • Screening Room mit Frampton, Mekas, Cavell & Co.

Feed

CARGO Container Dokumentarfilm

  • Systemperforation

    Die große Fahrt der DDR-Kunst nach Paris anno 1990

    19.02.2010, Bert Rebhandl in: Dokumentarfilm, Geschichte, Kunst

    Strawalde malt

    Im Jahr 1990 hatten Künstler der DDR noch einen Begriff davon, was da gerade im Begriff war, aus der Geschichte zu verschwinden: eine „subversive Gegenkultur des Ostens“, eine „randständige“ Kultur, an der sich die Menschen in einer westlichen Metropole wie Paris schnell noch sattsehen wollten. 200 künstlerisch Schaffende wurden 1990 in die ehemaligen Schlachthöfe von La Villette eingeladen, viel Zeit zur Vorbereitung war da nicht. Die Schau hieß L’autre Allemagne hors les murs, das andere Deutschland, ohne Mauern. Christoph Tannert war der Ansprechpartner in der DDR, aus Frankreich hatte sich der linksradikale Journalist Maurice Najman gemeldet, gleich nach dem Fall der Berliner Mauer.

    Eine Gruppe von Filmemachern war damals mit der Kamera dabei, daraus entstand ein fünfzigminütiger Dokumentarfilm, für den heute Gerd Kroske (Der Boxprinz) als Autor genannt wird. La Villette hat diesen Moment eingefangen, in dem das andere Deutschland nach Paris fuhr, um dort die (hastig aufgebaute) große Bühne zu betreten: Maler, Tänzer, Musiker, Fotografen, eine Gruppe von „Autoperforationsartisten“. Jürgen Böttcher, der sich als Maler Strawalde nennt, ist die prominenteste Figur, er ist in seinem kleinen Atelier zu sehen und malt dann in Paris gleich viel großformatiger und live.

    Es ist spannend, die Liste der vertretenen Namen abzugleichen mit der Gegenwart von 2010: Klaus Killisch, Trakia Wendisch, Conny Hege, Michael Brendel, Volker Via Lewandowsky, Volker Henze, Allerleirauh, Helga Paris, Joachim Damm, … An einer Stelle kommt der französische Kulturminister Jack Lang und lässt sich durch die Ausstellung führen – man sieht, dass hier tatsächlich Systeme aufeinandertreffen. Gerd Kroske und die Leute der DEFA-Gruppe Kinobox, die La Villette unterschrieben haben, griffen auf Lautréamonts Gesänge des Maldoror zurück, um ihr Paris zu fassen, ein Paris, das durch das Imaginäre von Literatur und Film geprägt ist (George Franjus Dokumentarfilm über die Schlachthöfe, Le sang des betes, darf nicht fehlen), und das mit dem Prenzlauer Berg verwechselbar wird: Die U2 führt direkt nach Montparnasse.

     

    La Villette ist derzeit täglich um 20.30 in der Brotfabrik, Berlin-Weißensee, zu sehen.


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  • Ein altes Versprechen

    Heute beginnt die Dardenne-Retrospektive im Arsenal in Berlin.

    15.11.2009, Bert Rebhandl in: Dokumentarfilm, Politik, Regisseure, Termin

    Wie man von einem Film erfasst werden kann: gleich zu Beginn ein Kino der Körper, enge Kadrage, die Handkamera folgt dem Routine-Rundgang eines Mannes, der illegal eingewanderte Mieter in Zuhältermanier kontrolliert. Er reißt die Türen auf, die schmalen Unterkünfte geben ein Bild der Erbärmlichkeit, die darin aufgeschreckten Menschen sind dem respektlosen Blick und der Willkür ausgeliefert. Der Mann, begleitet von einem wendigen Halbwüchsigen, holt aus jeder Situation das Äußerste heraus: Von dem jungen Nordafrikaner, den er in flagranti mit einem Freier entdeckt, verlangt er eine zusätzliche Abgabe, ebenso von den türkischen Mietern, die ihre Freund beherbergen. Diejenigen, die sich über den desolaten Zustand der windigen Behausungen und über die mangelnde Kanalisation beklagen, verspricht er Abhilfe, ohne sich auf lange Diskussionen einzulassen.
    Der Effekt des fiktionalen Blicks auf ein Dispositiv der Kontrolle ist umso stärker, als dieses in einem an das Dokumentarische angelehnten Modus vorgeführt wird: Als "unvermittelte" Zeugen von Ausbeutung und Elend inmitten einer westeuropäischen Stadt werden die Zuschauer hier zunächst direkt adressiert.

    So beschrieb Christa Blümlinger 1997 in der Zeitschrift METEOR die Wirkung des Films La Promesse von Luc und Jean-Pierre Dardenne. Zwei neue Auteurs tauchten damals im Weltkino auf, ihre Bedeutung war unmittelbar zu erkennen, von Rosetta (1999) bis Le Silence de Lorna (2008) haben sie seither ihr Werk weitergeschrieben. In all diesen Jahren wusste man zwar von den frühen, dokumentarischen Filmen der Dardennes, zu sehen bekam man sie aber nie.

    An diesem Sonntag eröffnet nun das Arsenal in Berlin unter dem Titel REALISMUS REFLEKTIEREN eine Retrospektive der Filme von Luc und Jean-Pierre Dardenne, die zusammenbringt, was die Auswertungslogik der Arthauswelt getrennt halten muss: Wie sich die frühen Arbeiten zu den späteren Fiktionen verhalten, wie sich die Erzählung aus der Beobachtung heraus entwickelt, ob sich Bilder des latent Metaphysischen schon früh finden oder ob die Dardennes vielleicht tatsächlich nur leibliche Projektionsflächen für unser überschießendes kulturelles Wissen schaffen - zu all diesen Fragen gibt es im Arsenal im November das Grundlagenmaterial.

    Eröffnet wird am Sonntag, 16. November, mit La Promesse, davor läuft der Dokumentarfilm LORSQUE LE BATEAU DE LÉON M. DESCENDIT LA MEUSE POUR LA PREMIÈRE FOIS (1979), eine Bootsfahrt entlang der Monumente einer Arbeitswelt, die einst maßgeblich zur Schaffung des europäischen Reichtums beitrug und nun vor allem ein Erinnerungsort an alte Arbeitskämpfe ist.


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  • Heise Material Mediathek

    Jetzt online.

    10.11.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm

    Ich hatte nicht mitbekommen, dass Thomas Heises Film Material am Sonntag auf Arte zu sehen war. Das macht aber fast nichts, denn wozu gibt es denn die rund um die Uhr geöffnete Mediathek Arte+7. Dort ist entsprechend bis Samstag (nehme ich an) der Film, eines der nicht so vielen Highlights der diesjährigen Berlinale, noch vorrätig und gratis zu sehen. Was sich entschieden lohnt, in unserem CARGO-Jahresrating steht der Film derzeit auf Platz 4.


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  • Glückwunsch

    Verdient.

    09.11.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm

    Die Kollegen von Revolver (namentlich: Jens Börner, Benjamin Heisenberg, Christoph Hochhäusler, Franz Müller, Nicolas Wackerbarth und Saskia Walker) erhalten den erfreulicherweise auch noch dotierten (7.500 Euro) Preis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses der DEFA-Stiftung. Für ihr Zeitschriften-Projekt. Die DEFA-Preise für die Erwachsenen gehen im übrigen an: den Filmarchivar Wolfgang Klaue und die Dokumentarfilmer Helke Misselwitz, Gerd Kroske und Andreas Voigt.

    Wir gratulieren allen, besonders aber natürlich den Revolveranern. (Hier die Meldung, via parallelfilm.)


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  • Freiheitliche Demokratie

    Material.

    25.10.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Geschichte, Kunst, Politik

    Eine Zeitkapsel aus Originalbildern und -tönen: Klaus vom Bruchs Das Schleyer-Band (1977/78). Ein Remix von Fernsehbildern aus der Zeit rund um die Schleyer-Entführung; gegen die einschlägigen Nachrichten- und Politikerbilder geschnitten Musik, Werbefilme, Gespräche, Ansprachen und anderes. Faszinierend, jetzt bei UbuWeb:


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  • RIP Peter Krieg

    Außenseiter.

    25.07.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Fernsehen

    In einem Artikel in "Brand eins" - auf den ich gleich noch zurückkomme - fasste Peter Lau die frühe Biografie des Peter Krieg so zusammen:

    Er kommt aus Schwäbisch Gmünd, sein Urgroßvater war Baumeister am Straßburger Münster, sein Großvater erfand den Schnellhefter und gründete die Glühlampenfabrik Südlicht, die sein Vater übernahm. Peter Krieg, der Sohn, ging nach einem Jahr BWL und VWL als Reitlehrer nach Beirut und Saudi-Arabien, wurde Ende der sechziger Jahre Mitglied des US-Filmkollektivs Newsreel, studierte danach an der Film- und Fernsehakademie Berlin und gründete anschließend eine Firma, die unabhängig Dokumentarfilme produzierte.

    Peter Krieg, der als Wilhelm Gladitz geboren wurde und den Nachnamen seiner Mutter als Künstlernamen wählte, weil auch seine Schwester Nina Gladitz Filmemacherin wurde. war vielen verdammt unbequem. Nestlé zuerst, sein Film Flaschenkinder von 1975 prangerte den Milchpulver-Missbrauch des Konzerns - was einen Boykott gegen den Konzern auslöste. Sein erster im Kino und Fernsehen gezeigter Film Septemberweizen (1980) war eine Collage, die radikal das Funktionieren der globalen Nahrungsmärkte in Frage stellte - und in der Montageform das Vokabular des aktivistischen Dokumentarfilms erweiterte. Krieg erhielt den Adolf-Grimme-Preis für den Film. (Produziert hatte ihn Das Kleine Fernsehspiel des ZDF, damals noch eine Redaktion von, man verzeihe das Wortspiel, anderem Schrot und Korn.) Septemberweizen ist in schlechter Qualität bei Google Video zu sehen. Die DVD gibt es bei Salzgeber, hier der Link zum Shop.

    Danach entstanden eine ganze Reihe weiterer Filme, wie etwa das Science-Fiction-Mockumentary Bericht von einem verlassenen Planeten (1984), ebenfalls komplett bei Google Video:

    Spätestens mit seiner mir unbekannten "Mythen der Modern"-Trilogie (Vaters Land, Die Seele des Geldes, Maschinenträume) filmt sich Krieg an den äußeren Rand des öffentlichen Diskurses. Seine Karriere als Dokumentarfilmer endet zu Beginn der Neunziger Jahre, ein Film über Entwicklungshilfe in Afrika wird von Arte nicht gesendet. In einem Interview erklärt er:

    Es war relativ schnell klar, dass ich mit kritischen Filmen keine Chance mehr bei öffentlich rechtlichen Anstalten habe, bei den privaten sowieso nicht. Seitdem habe ich nur noch ein bisschen produziert, aber jetzt versuche ich, langsam wieder rein zu kommen. Aber die Fernsehanstalten sind im Moment hermetisch zu und weitestgehend dissensfrei. 

    Die zunehmende Marginalisierung hat sicherlich auch damit zu tun, dass Krieg für keine der gängigen ideologischen Positionen mehr kommensurabel ist. Er hat den Radikalen Konstruktivismus für sich entdeckt, sich mit Heinz von Foerster angefreundet, sogar ein Buch gemeinsam mit Paul Watzlawick herausgegeben. Und er hatte von dieser Position aus seine eigenen früheren Positionen a ls radikal libertär - und damit auch radikal anti-interventionistisch und radikal-marktwirtschaftlich - (um)interpretiert. Er selbst formuliert es im späten Kommentar zu Septemberweizen so, der Anlass war, dass Salzgeber den Film 2006 noch einmal in die Kinos gebracht und auf DVD veröffentlicht hatte:

    Erst später wurde mir selbst deutlich, dass mein Weg in Richtung eines philosophischen radikalen Konstruktivismus hier bereits angelegt war. Fast notwendigerweise damit verbunden war der politische Weg in Richtung der„Selbstheilungskräfte“ einer offenen Gesellschaft, vermittelt und ermöglicht durch weitestgehende individuelle Freiheit einschließlich freier Märkte in einer offenen, globalisierten Welt. Diese libertäre (heute gern als ‚neoliberal’ verunglimpfte) Perspektive erscheint nur vordergründig als Widerspruch zum Tenor von SEPTEMBERWEIZEN: es waren deutlich die staatlichen macht- und marktpolitischen Interventionen (nicht nur der USA), die den Markt für die Farmer verzerrten, die Überlebensstrategien der Bewohner in der Dritten Welt bedrohten und Weizen als Waffe im kalten wie im heißen Krieg missbrauchten. Dies galt damals genauso wie heute.

    Im anfangs erwähnten "Brandeins"-Artikel figuriert Peter Krieg dann als Propagator der Ideen von Erez Elul, der einen vom Mainstream als unbrauchbar abgetanen Vorschlag zu neuartiger Datenverarbeitung entwickelt hatte. Krieg, der inzwischen (sagt der Artikel) unter anderem als Event-Organisator tätig war, hat sich in den letzten Jahren bemüht, der Pile-Technologie zum Durchbruch zu verhelfen. Mehr zu dem Projekt hier, und man muss sagen, dass nicht nur die vielen Ausrufezeichen auch den Laien leise zweifeln lassen.

    Über Erez Elul sagte Krieg: "Er hat genau die richtige Mischung für einen Innovator: verrückt genug, aber nicht zu verrückt." Krieg war einer, der, weil er für das Ungewöhnliche, vielleicht auch Verrückte, jedenfalls für das Ungebahnte offen war, vom Aufmerksamkeitsradar des Diskurs- und Kulturbetriebs fiel. Peter Krieg ist nach einer schweren Operation im Alter von nur 61 Jahren gestorben.


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  • Go For It, Harlan!

    The Ellison.

    17.07.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Literatur

    Es gibt also einen Dokumentarfilm über Harlan Ellison. Er heißt Dreams With Sharp Teeth. Und könnte ziemlich unterhaltsam sein [via untilthestarsturncold]:


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  • Lelouch: Iran

    Schah zu Pferd.

    11.07.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm

    Eine Antenne - Zoom - Ein Kamel. Männer in Körperformation à la Busby Berkeley gefilmt. Kaviar. Diamanten. Alltagsleben. Der Schah auf dem Pferd. Studentinnen an der Uni. Tolle Schnitte, Effekthascherei. Bilder von oben im Flug. Iran von Claude Lelouch ist Propaganda, fabelhafte, teils betörende Propaganda und ein umso furchtbarerer Film. Ein Geschenk für Farah Diba, 1971 entstanden. 18 min lang, so sehens- wie verachtenswert. Musik von Francis Lai. In recht guter Bildqualität bei Archive.org (lässt sich theoretisch einbinden, praktisch leider mal wieder nicht). Hier die schlechtere Youtube-Version:


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  • Gerhard Friedl

    05.07.2009, Bert Rebhandl in: Dokumentarfilm, Experimentalfilm, Kunst

    Der beste Film über die Deutschland AG stammt von einem Österreicher:

    Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen? von Gerhard Friedl aus dem Jahr 2004. Hier ist ein Blogeintrag dazu, und beim Wiener Innovativfilmvertrieb Sixpackfilm gibt es das offizielle Filmdatenblatt dazu. Gerhard Friedl, Jahrgang 1967, hat an der Münchner Filmhochschule bei Helmut Färber studiert.

    Bei einer Begegnung vor wenigen Wochen sprach er von einem neuen Projekt, zu dem die Recherchen schon weit gediehen waren und das ihn in die Karibik hätte führen sollen. Wie wir heute erfahren haben, hat Gerhard Friedl sich das Leben genommen.


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  • Varda: Huey

    Februar 1968.

    29.06.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Filmgeschichte

    Im Mai 68, sagt Agnès Varda in ihrem jüngsten Film Die Strände von Agnes einmal lakonisch, war ich nicht in Paris. Varda war nicht in Paris, sondern  in den USA, ein paar Jahre lang, mit ihrem Ehemann Jacques Demy, der die Gelegenheit bekommen hatte, in Hollywood zu arbeiten. Varda hatte auch ein Angebot, es stellte sich aber schnell heraus, dass das nichts würde, vor allem ihres entschiedenen Eigensinns wegen. Sie hat aber dennoch Filme gedreht in den USA. Vor allem Lion's Den, mit Warhol-Superstar Viva, die Varda in der Factory kennengelernt hatte, mit Peter Bogdanovich, mit Shirley Clarke, mit Jim Morrison und anderen Größen der Zeit. Ich kenne den Film nicht, in Strände von Agnes sieht man Ausschnitte: nackte Menschen im Pool; nackte Menschen im Zimmer mit Blick auf den Pool. Was Varda auch gedreht hat, ist eine halbstündige Dokumentation über die Black Panther. Sie war dabei bei der großen Versammlung am 17. Februar 1968 in Alameda, bei der die Entlassung des Black-Panther-Mit-Gründers Huey Newton gefordert wurde. Der Film mit dem Titel Black Panthers - Huey! ist nun bei UbuWeb aufgetaucht, dazu kommt noch ein 17 minütiger Nachrichtenzusammenschnitt zum Ereignis. Hier:


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  • Volker Koepp: 65

    Alles Gute.

    22.06.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Regisseure

    Die Filme von Volker Koepp geben der Wirklichkeit da noch, wo sie wenig Hoffnung zu bieten hat, ein menschliches Antlitz. Es liegt das am eigenen Zeitmaß seiner Einstellungen, an den wunderbaren Schwenks und Bildern seines Kameramanns Thomas Plenert, es liegt das an der Offenheit des Ohrs seiner Filme für die Stimme von Mensch  und Natur. An seiner ganz unaufdringlichen Lust, sich einzulassen, an seiner Weigerung, die Menschen und Landschaften und die Wirklichkeit zuzuquatschen - wie die Junges in ihrem Golzow-Projekt das so gern tun. Aber auch daran, dass er sehr wohl insistieren kann, dass er sich den Blick nicht vernebeln lässt, dass er vor der Schönheit nicht zurückschreckt und immer solidarisch bleibt mit den Schwachen. Es ist alles in allem ein kleines Wunder, dass es einen wie Volker Koepp gab, zu Zeiten der DEFA, schließlich entsprach nichts an seinen Filmen je offiziellem Kulturprogramm. Und es ist ein beinahe noch größeres Wunder, dass er nach der Wende, anders als viele andere, weiter seine Filme drehen konnte, die aus der Weigerung, sich verrückt machen zu lassen, noch lange keinen bequemen Quietismus zu destillieren versuchen.

    Heute feiert Volker Koepp seinen 65. Geburtstag und wir feiern im Geiste mit und wünschen ihm (und uns) noch viele Filme, in denen der Mensch auf so richtige Weise in der Geschichte und in der Landschaft und in der Gesellschaft zu sehen ist, wie stets noch bei Koepp. Hier ist der Trailer zu seinem herausragenden Film Holunderblüte von vor zwei Jahren:


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  • Teheran im Film (6)

    Granatäpfel.

    22.06.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Filmgeschichte, Geschichte, Politik

    Ein ausgsprochen faszinierender Dokumentar-Essay über Geschichte und Gegenwart Teherans scheint Massoud Bakshis Film Tehran Has No More Pomegranates (2006) zu sein. Ich hatte keine Gelegenheit, ihn zu sehen, aber was man darüber lesen kann, klingt sehr spannend. Dies etwa:

    Director Massoud Bakhshi constructs a century-spanning postmodern portrait of a metropolis turning megalopolis, increasingly an unsustainable urban mess of pollution, inadequate infrastructure and overcrowding. Using an energetic mix of archival footage, unconventional photography and sometimes asynchronous music and sound, Bakhshi considers the aesthetic and cultural values that have shaped old and new Tehran.

    Immerhin die ersten fünf Minuten kann man sich schon mal ansehen, für einen ersten Eindruck:


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  • Jürgen Gosch: Das Experiment

    Zeughaus.

    17.06.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Filmgeschichte

    Hinweis für Berlin-Bewohner: Heute Abend im Zeughaus-Kino gibt es die Premiere von Thomas Knaufs Dokumentation Wir waren so frei. Im Freitag schreibt der Filmemacher über seine Begegnung mit dem todkranken Jürgen Gosch. Alles weitere von der Website:

    Wir waren so frei
    D 2009, R/B/P: Thomas Knauf, 80 DigiBeta

    Wir waren so frei erzählt die Geschichte von Eigensinn und Courage einiger DDR-Filmschaffender, die es 1981 wagten, einen Spielfilm ohne die üblichen staatlichen Genehmigungsverfahren als Meisterschülerarbeit des Kamerastudenten Lars Barthel an der HFF Babelsberg zu realisieren. Sie nahmen persönliche Folgen für ihre Karrieren in Kauf und drehten nach eigenen formalen Ansprüchen einen Film mit der Freiheit eines John Cassavetes, d.h. unter Freunden, ohne fertiges Drehbuch, ausreichende Produktionsmittel, Dreherlaubnis, an realen Orten. Bis zum Rohschnitt schafften sie es und verloren den Film dann an die Zensur, die das Negativ vernichtete und alle Spuren der Arbeit verwischte. Nach dem Ende der DDR fand Barthel das Rohschnitt-Positiv im Archiv der HFF. Wie durch ein Wunder hatte wenigstens ein Teil des Films Das Experiment die Zeit überdauert. In der Dokumentation Wir waren so frei erinnern sich Beteiligte wie der Regisseur Jürgen Gosch, die Schauspieler Heidemarie Schneider, Jürgen Holtz, Hermann Beyer und Michael Gwisdek und der Kameramann Lars Barthel an den wichtigsten Film ihrer Karriere. Sie erzählen auf heitere, spannende Weise ein unbekanntes Kapitel DDR-Kulturgeschichte.

    Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der DEFA-Stiftung 
    Im Anschluss Publikumsgespräch mit Thomas Knauf

    am 17.6. um 20.00 Uhr

     


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  • RIP Allan King

    Dokumentarfilmer

    16.06.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Nachruf, Regisseure

    Der bedeutende kanadische Dokumentarfilmer Allan King (A Married Couple, Memory For Max, Claire, ida and Company)  ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Hier spricht er über einen seiner bekanntesten Filme, Dying With Grace, über eine Palliativ-Klinik in Toronto:


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  • Volker Koepp: Söhne (ARD)

    Heute

    16.06.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Fernsehen

    Fernseh-Tipp: Volker Koepps Dokumentarfilm Söhne, heute um 22.45 Uhr in der ARD. Bert Rebhandl zum Film in der taz:

    Wenn Volker Koepp nicht wesentliche Elemente ausgespart hat, dann bilden diese fünf Männer, von denen einige gute Gründe hätten, sich von der Geschichte benachteiligt zu fühlen, eine versöhnliche Gemeinschaft. Für eine politische Agitation in eigener Familiensache oder gar im Sinne der Vertriebenenverbände sind sie nicht zu haben, dazu müssten sie ohnehin "die Wiederherstellung des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1914" fordern, wie sie einmal ironisch anmerken. Der Film "Söhne" besteht fast ausschließlich aus Interviews und Schauplätzen, ganz sparsam setzt Volker Koepp die wenigen historischen Fotografien ein - das Panorama, das sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart und bis in die Enkelgeneration hinein dabei entfaltet, ist enorm detailreich und anschaulich und bestätigt den Regisseur als einen der großen Geschichtsschreiber in Deutschland.

    Update: Überhaupt interessanter Fernsehabend. Auf 3sat gleich zwei Woody-Allen-Filme (Im Banne des Jade-Skorpions und Anything Else), auf Arte um 21 Uhr Bettina Blümners sehenswerte Doku Prinzessinnenbad und im Anschluss das nicht so sehenswerte, aber in diesem Jahr erst im Berlinale-Wettbewerb aufgeführte Terror-Drama London River von Rachid Bouchareb.


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  • Die Wahrheit über Grandrieux

    LIVE.

    05.06.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Experimentalfilm, Fernsehen, Regisseure

    Weil DIE GANZE WAHRHEIT nur erfährt, wer CARGO und New Filmkritik liest, poste ich den Beginn von Volker Pantenburgs Posting hier her:

    Von heute abend bis übermorgen werden in Lyon unter dem Titel De la télévision au cinéma die drei Kinofilme Philippe Grandrieux’ sowie einige seiner Fernseharbeiten aus den 80er Jahren gezeigt. Zusammengestellt wurde das Programm von Raymond Bellour, der die Filme dort auch vorstellt und gemeinsam mit Grandrieux kommentiert. Auch die Serie LIVE, 14 einstündige Sequenzeinstellungen, die Grandrieux für den Sender LA SEPT konzipierte und bei Filmemachern und Künstlern in Auftrag gab, wird dort vollständig zu sehen sein. In der aktuellen CARGO-Ausgabe schreibe ich über die TV-Vergangenheit Grandrieux’, vor allem über LIVE und die Entwicklung von Fernsehformaten am Institut National de l’Audiovisuel (INA).

    Ergänzend zu diesem Text hier ein längeres Zitat von Grandrieux aus dem Jahr 1983.

    Und für das längere Zitat verweise ich auf New Filmkritik, wo es dann nachzulesen ist.


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  • David Lynchs Interview Project

    Drive By Shooting.

    01.06.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Internet

    David Lynch: Interview Project

     

    It's human and you can't stay away from it - erklärt David Lynch. Er hat dieses mit Spannung erwartete Projekt produziert, das sich "Interview Project" nennt. Das Prinzip ist so einfach wie bezwingend. Eine Reise, 70 Tage, 20.000 Meilen lang, durch die USA. Es beginnt in Needles, California, am Straßenrand, obdachlos: Jess. Das Team - David Lynch selbst ist nicht dabei - fährt durchs Land und interviewt Leute, die bereits sind, vor die Kamera zu treten. Der erste Film - es wird jeden Tag eine weitere Episode geben - macht klar: Mehr als Schnipsel werden das nicht. Straight Story light. Americana, ganz kurze Einblicke und Eindrücke, aber vielleicht hat das auch seine Richtigkeit: Drive By Shooting, ein Bild aus kleinen prismatischen Momenten.

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  • Thomas Heise

    Interview im Freitag

    23.05.2009, Simon Rothöhler in: Aktueller Film, Dokumentarfilm

    „Alles, was Menschen in Bewegung setzt, muss durch ihren Kopf hindurch. Aber wie das geschieht, hängt sehr von den Umständen ab.“ Das ist ein Satz von Friedrich Engels aus dem Film Barluschke. Kennenlernsituation beschreibt es gut.

    Ein lesenswertes Interview mit Thomas Heise hat Michael Girke geführt - hier nachzulesen.


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  • Geschichte des israelischen Kinos

    Von Raphael Nadjari.

    18.05.2009, Ekkehard Knörer in: Aktueller Film, Dokumentarfilm, Filmgeschichte

    Israels Kino erzählt

    Heute Abend bzw. Nacht um 23.55 auf arte: Der erste Teil von Raphael Nadjaris Dokumentation zur history of israeli cinema. Unter diesem Titel war sie auf der diesjährigen Berlinale zu sehen. Stefan Ripplinger schrieb sehr fasziniert darüber in CARGO #1. Der Film trägt inzwischen den deutschen Titel Israels Kino erzählt und ist in zwei Hälften zerlegt. Heute: Von 1933 bis 1978. [via tfunke twitter]


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  • Material (Thomas Heise)

    13.05.2009, Cargo in: Aktueller Film, Dokumentarfilm

    Ab morgen in ausgewählten Kinos: Material von Thomas Heise. Hier noch einmal unser Text zur Berlinale (unten).


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  • Bananaz

    Gorillaz. Bananaz.

    21.04.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Musik

    “Bananaz” removes the secretive, mucky walls of Gorillaz, the cartoon band created by artist Jamie Hewlett & musician Damon Albarn, smashing down all artificial barriers to reveal the full and filthy details behind this awe-inspiring band. Audiences see just what director Ceri Levy saw over seven years of mayhemical creative madness…

    Ich erinnere mich, nicht viel Gutes über den Film gelesen zu haben, der im letzten Jahr auch auf der Berlinale lief. Aber wer mag, kann sich jetzt vier Wochen lang im Stream bei Babelgum einen eigenen Eindruck verschaffen: Bananaz von Ceri Levy. [via Spex]


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  • RIP JG Ballard

    Doku bei YouTube.

    20.04.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Fernsehen, Literatur

    Zum Tod von JG Ballard hat jemand gestern bei YouTube eine BBC-Doku über den Autor aus dem Jahr 1991 reingestellt. In sechs Teilen.


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  • SnagFilms

    Dokumentarfilme bei YouTube.

    20.04.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Internet

    Wie ich neulich schon mal schrieb, ist YouTube gerade dabei, sich zu einem riesigen Fernsehsender mit ungezählten Kanälen zu entwickeln. Zu den interessanteren unter den neueren Kanälen gehört SnagFilms - dort gibt es Dokumentarfilme zu sehen. Im Moment etwa Michael Almereydas William Eggleston in the Real World oder auch die Townes-van-Zandt-Doku Be Here to Love Me von Margaret Brown. Achtung: Der Kanal ist nicht für außeramerikanische ZuschauerInnen gedacht - ich verweise zum Thema Geoblocking deshalb noch einmal auf diesen Eintrag.

     


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  • Under Construction

    10.04.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Experimentalfilm, Video

    Was herauskäme, wenn man Andrej Tarkowski und Videogame-Ästhetik und Jia Zhang-Ke kreuzte? Etwas wie Zhenchen Lius Under Construction vielleicht. [auf Zohilofs Dailymotion-Kanal]


    Under construction
    by zohilof

     


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  • Rough Trade

    Die Geschichte von Rough Trade.

    23.03.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Musik

    The Rough Trade story excites me because it shows the "golden age of indie" with all its tensions -- between lucre and ethics, between artists and companies, between egalitarianism and the star system -- clearly delineated. It also excites me because I've glimpsed bits of it at first hand.

    Sehr schöner Text von Momus über einen BBC4-Dokumentarfilm, der die Geschichte des Ur-Indie-Plattenladens->Vertriebs>Labels>der Künstleragentur "Rough Trade" erzählt. Ich habe den Film auch gesehen: alles, was Momus schreibt, stimmt. Inszenatorisch ist das ganze eine konventionelle Fernsehdokumentation, aber voller spannender/kurioser Musik- und Fernsehaufnahmen aus den goßen Zeiten des Post-Punk. (Clash, Smiths, The Fall, Scritti Politti etc. etc.)

    rough trade


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  • Yael Bartana: Summer Camp

    Notizen aus den USA, lose Folge. Eins: Yael Bartanas Video "Summer Camp" im P.S.1, New York.

    23.02.2009, Ekkehard Knörer in: Ausstellungen, Berlinale 2009, Dokumentarfilm, Kunst, Video

    Der Zufall hat mir innerhalb weniger Wochen erst, zur Berlinale, Harun Farockis Doku Zum Vergleich und dann gestern Yael Bartanas Video Summer Camp, das ich bei der letzten Documenta offenbar übersehen hatte, vor die Augen gespielt. Summer Camp ist jetzt im Rahmen einer der israelischen Künstlerin Bartana gewidmeten Retrospektive im New Yorker P.S.1 zu sehen. Die beiden Filme laden, hier gewinnt Farockis Titel ohne sein Wissen eine weitere Dimension, auf den ersten Blick zum Vergleich ein.

    Harun Farocki Zum Vergleich

    Farocki führt dokumentarisch, sachlich, nüchtern vor, was Menschen mit Ziegeln tun. Sie formen sie, sie brennen sie und sie bauen daraus auf der ganzen Welt Häuser. Bartanas Film führt den Bau eines sehr speziellen Hauses vor. Er dauert zwölf Minuten und dokumentarisch, sachlich, nüchtern ist er nicht. Wer hier nämlich baut, sind Israelis, Mitglieder einer besatzungskritischen Organisation mit dem Namen "Israeli Committee Against House Demolitions" (ICAHD). Ihr Hausbau ist ein symbolischer Akt. Auf Jerusalemer Boden errichten sie ohne Genehmigung der Behörden das Haus eines Palästinensers neu, dass von der israelischen Armee in Hebron niedergerissen wurde. (Rachel, ein Film von Simone Bitton, der auch auf der Berlinale zu sehen war, erzählt von einer Friedensaktivistin aus dem Westen, die von einem israelischen Schutträumpanzer bei einem Unfall getötet wurde.)

    Schutt, sehr viel Schutt sieht man in Summer Camp. Überm Schutt die Einblendung "Palestine", die buchstäblich nicht zutrifft. Aber das zeigt nur: hier wird ein allegorisches Haus gebaut. Und ein referenzielles. Summer Camp, die Doku vom Hausbau hat nämlich eine Rückseite, die, wer vorne sitzt, nur als Flackern im hinteren Teil des Raums wahrnimmt. Diese Rückseite ist ein von Bartana neu geschnittener alter Propagandafilm der in endlosen Bildern von gehenden, ziehenden Menschen zur Eroberung des gelobte palästinensischen Lands - auch hier die Einblendung "Palestine" - aufruft.

    Stumm ist der Propagandafilm, der im Hintergrund flackert. Bartanas Summer Camp ist es nicht. Vielmehr läuft darunter sehr pathetische, spätromantische Musik, die von Paul Dessau ist, der, bevor er Brecht traft, bereits Filmmusik unter anderem für die Bergfilme Arnold Fancks komponiert hatte. Dessau ist ein eklektizistischer Komponist, aber so wild durcheinander wie hier geht es, denke ich, auch bei ihm nicht am Stück: Bartana, vermute ich, hat Dessau in einzelne Teile zerlegt und daraus in teils schroff wirkender Rekombination ihr eigenes Haus gebaut.

    Yael Bartana Summer Camp

    Auch Geräusche auf der Tonspur gibt es, die den dokumentarischen Ton, der undokumentiert bleibt, verzerren. Hammerschläge vor allem und das Treffen von Hammern auf Köpfe von Nägeln, die in Holzverstrebungen geschlagen werden. Daneben sieht man, ganz wie bei Farocki, was Menschen mit Ziegeln tun: Sie bauen Wände, sie bauen ein Haus. Israelische Polizei taucht auf und steht rahtlos herum. Zwischendurch steigert Bartana den Hausbau in frenetischer Montage selbs zur quasi-propagandistischen Bild-Komposition. 

    Einander fremd bleiben die Bilder und die Dessau-Musik. Diese Fremdheit ist der hauptäschliche Effekt. Man sieht Menschen beim Hausbau und weiß nicht genau, was das, was man sieht, zu bedeuten hat. Man liest es nach im Begleittext zur Ausstellung. Aber dass mit dem Haus, das entsteht (und am Ende steht es, kein Mensch mehr im Bild, einsam da in der Wüste), etwas nicht stimmt, ist nicht zu verkennen. Einerseits ist der historische Kontext sonnenklar. Dies ist ein Haus wie kein anderes, es entzieht sich, auch als allegorisches Haus, dem Vergleich. Yael Bartanas Film treibt einem eine tief unheimliche Dissonanz mit schweren Schlägen in den Wahrnehmungsapparat. Man kriegt sie nicht wieder raus.


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  • Goldberg maschine

    Über Goldberg-Maschinen. Mitwirkende: Fischli/Weiss, Tom & Jerry, der Honda Accord, eine japanische und eine amerikanische Maschine und Rube Goldberg selbst.

    06.01.2009, Ekkehard Knörer in: Aktueller Film, Architektur, Ausstellungen, Bollywood, Bücher, Comic, Debatte, Dokumentarfilm, DVD

    Der große Filmpaß für die ganze Kunstfamilie ist immer und überall - zuletzt gerade im "Grand Palais" in Paris beim Riesen-Videokunst-Nacht-Spektakel "Dans la nuit, des images" (dazu gibt's dann mehr im Heft) - Fischli/Weiss' lakonisch betitelter, ohne Sinn und Verstand durch eine Halle torkelnder "Lauf der Dinge". Greg.org machte sich kürzlich Gedanken über die offensichtlichen und nicht so offensichtlichen Schnitte und Blenden in diesem Film, der vollständig in drei Teilen à zehn Minuten bei Youtube ist. Hier Teil eins:

    Bei greg.org findet sich auch der Hinweis auf die ihrerseits reichlich ingeniöse Adaption des Fischli/Weiss-Films für einen Werbespot der Firma Honda. Wie in der Realwirtschaft üblich, muss dabei dann am Ende aber was rauskommen, das nicht nur sich fortbewegt.

    Wobei zur Ökonomie der Kunst zu sagen ist, dass Fischli/Weiss ihren auch auf DVD erhältlichen Film jüngst für eine Million verkauft haben - und zwar das Original-Filmband inklusive allerlei Mitwirkende Dinge, die hier - das Bild wieder von greg.org - ins Regal gestellt sind (müsste nun eigentlich "Der Stand der Dinge" heißen, aber den gibt es ja schon als deutsche Schwerkunst):

    Fischli Weiss Vitrine

    Zurück geht das alles mutmaßlich auf den Cartoonisten Rube Goldberg, der immer wieder solche unnötig komplizierten Teile grafisch entwarf. Hier nur ein kleines Beispiel:

    image

    Große Fans dieser Maschinen waren ganz offenkundig auch die Animationsgenies William Hanna und Joseph Barbera. In ihrem Film "Designs On Jerry" von 1953 gibt es eine als Goldberg-Maschine gebaute Falle. Dass das ganze dann auch noch als Meta-Comic durchsophistiziert ist, gibt's gratis obendrauf:

    Und noch mehr schöne Sachen findet man bei Youtube, nämlich reichlich Goldberg-Maschinen. Welche aus Japan:

    Und dann gibt es da noch einen alljährlichen Goldberg-Machine-Wettbewerb. Der Sieger des vergangenen Jahres ist hier zu bestaunen:


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  • Screening Room mit Frampton, Mekas, Cavell & Co.

    Auszüge aus der Serie "Screening Room", die zwischen 1972 und 1981 ausgestrahlt wurde. Robert Gardner befragt Gäste wie Jonas Mekas, Hollis Frampton, Jean Rouch und Stanley Cavell.

    16.12.2008, Cargo in: Dokumentarfilm, Experimentalfilm, Fernsehen, Regisseure

    Von den frühen Siebzigern bis in die frühen Achtziger - von 1972 bis 1981, genauer gesagt - lief auf einem lokalen Sender der ABC-Kette in Boston eine Sendung mit dem Titel "Screening Room". Der in Harvard lehrende Filmemacher Robert Gardner hatte darin andere Regisseure zu Gast und unterhielt sich mit ihnen über ihr Werk, aber auch über allgemeinere Fragen des Filmemachens. Von Animationsfilmern wie dem Ehepaar Faith und John Hubley über Dokumentarfilmer wie Les Blank und Emile de Antonio bis hin zu Experimantfilmern wie Stan Brakhage und Hollis Frampton. Die gesamte Serie ist [das ist falsch, nur 30 von 100 Folgen sind, s. Kommentar] inzwischen auf DVD erschienen und für 559.99 $ (für Privatleute) käuflich zu erwerben. Inzwischen sind allerdings auch eine ganze Reihe von teils gar nicht so kurzen Auschnitten aus der Sendung bei YouTube greifbar. Hier eine kleine Auswahl.

    Gespräch mit dem Experimentalfilmer Hollis Frampton, 1977 ("Heterodyne", "Critical Mass"):

    Gespräch mit dem Experimentalfilmer Bruce Baillie, 1973 ("Mr. Hayashi", "All My Life") - Baillie hat übrigens gerade eine erste von mehreren DVDs mit seinen gesammelten Werken fertiggestellt, die er nun exklusiv in kleiner Auflage vertreibt:

    Gespräch mit dem ethnologischen Dokumentaristen Jean Rouch, 1980 ("Les maîtres fous"):

    Gespräch mit Jonas Mekas, 1981:

    Und noch ein ganz besonders interessantes Special von 1973. Der Filmemacher Standish Lawder hat nämlich keinen Geringeren als den heute weltweit verehrten Philosophen Stanley Cavell ("The World Viewed", "Pursuit of Happiness") mit ins Studio gebracht - leider kommt Cavell im Ausschnitt nicht zu Wort, sitzt aber sehr streng aussehend herum: 

     


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