CARGO Container: Video
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Wake Up, Mr Sleepy!
The Ontological-Hysteric Theater is (almost) Dead.
Der von mir sehr verehrte Richard Foreman, der seit Jahrzehnten in New York Theater macht, das experimentell genannt wird, weil es alle Elemente des Mediums - Props, Sprache, Töne, Musik, Darsteller, Kostüme - haargenau gleich ernst nimmt, verlässt die Bühne. Nach achtzehn Jahren zieht sein Ontological-HystericTheater aus der St. Marks Church in Manhattan aus und existiert erst einmal nur virtuell weiter. Foreman kündigt an, sich stattdessen auf ein anderes Medium zu konzentrieren, das seit ein paar Jahren auch in seinen Bühnenstücken eine größere Rolle spielt: Video. Ich zitiere aus der Presseerklärung:
Starting with Zomboid in 2006, most of Foreman’s Ontological-Hysteric productions have incorporated the projection of video footage generated through Bridge workshops as a kind of “film-score” for the live performance. He is interested in further exploring this medium, as well as other projects. Foreman’s first video feature, Speaking for Dead People, is nearing completion, and he is starting editing on two new projects—one shot in Bucharest, Zurich and Denmark, and a second shot at SUNY Buffalo in New York.
Ich bin gespannt und poste zwei kurze Videos. Im ersten erklären Elina Löwensohn, Willem Dafoe und Alenka Kraigher, warum es ihnen eine Freude war, für das jüngste und nunmehr wohl letzte Foreman-Stück "Idiot Savant" zu arbeiten (Foreman kommt auch zu Wort). Im zweiten spricht Foreman dann sehr bündig über seine Kunst, außerdem sieht man sehr charakteristische Ausschnitte aus "Wake Up, Mr Sleepy! Your Unconscious Mind is Dead".
(Und etwas apropos: Gerade habe ich gesehen, dass es noch einige wenige Karten gibt für die Montags-Theatertreffenaufführung des Stücks "Life and Times - Episode 1" der Experimentaltruppe "Nature Theater of Oklohaoma", deren eine Hälfte bei Foreman studiert hat; was man im übrigen deutlich merkt, an der Sprachbehandlung vor allem. Update: Die Karten sind jetzt weg.)
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Gewaltfantasie
Stress mit M.I.A.
He did it again. Romain Gavras - Sohn von Costa-Gavras - hat nach seinem umstrittenen Clip zu "Stress" von Justice wieder einen heftigen Gewaltfantasieanfall, diesmal sind rothaarige Jungs und kloppende Polizisten involviert. Definitiv NSFW und wer Brutalität und Splatter nicht mag, schaut ohnehin besser weg. Das ganze ist der Clip zur ersten Vorveröffentlichung "Born Free" aus M.I.A.s für Juni angekündigtem neuen Album. (via)
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Wohnung mit Musik
Assoziation.
Kristof Schreufs erstes Soloalbum "Bourgeois With Guitar" ist sehr eigen und schön. Das Video zur ersten Single "Search & Destroy" ist hier:
Regie geführt beim Video hat Gwendolin May. Die Suche nach ihr ergab, dass sie den Trailer zu einem Theaterstück gedreht hat, das einen recht polleschistischen Eindruck macht und bei Ikea spielt:
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Bei 1'21'' die Einblendung "Sie wohnen schon." Outsourcing des Zuhause. Dazu kann einem sogleich einfallen, dass das einzige Video, das Kristof Schreufs legendäre Band "Kolossale Jugend" je produziert hat, zum Song "Wohnung" gehört. Insourcing der Videoproduktion.
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Und was ist eigentlich aus Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs geworden?
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Oh So Not Blue
Rarum.
Eine echte Rarität: James Camerons einziges Musikvideo, für die kurzlebige Band "Martini Ranch" (zu deren zwei Köpfen Bill Paxton gehörte). Aus dem Jahr 1988 ist es und Cameo-Auftritte gibt es darin unter anderem von Lance Henriksen und, jawoll, Kathryn Bigelow. Hier ist's (via):
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Absolut Gondry
Colorama.
Während, wie berichtet, Spike Jonze jüngst einen von Absolut Vodka gesponserten Film gedreht hat, der, wie auch berichtet, in der Generation-Sektion der Berlinale zu sehen sein wird, sieht das jüngste Musikvideo von Michel Gondry aus wie ein Werbefilm für United Colors of Benetton. Ist es aber, so weit ich weiß, nicht. Sondern eben ein Musikvideo, für die Musikerin Mia Doi Todd (via):
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Instrumentalkunde: Techno
Japanische Untertitel.
Das Trio Brandt Brauer Frick spielt elektronische Musik auf nichtelektronischen Instrumenten. Sehr elegant bewegt sich die Kamera durch den Aufbau. Spannendes Projekt, tolles Video (von Daniel Brandt und Julian Schleef). Bonus: Ballett. Bop.
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Zukunft des Kinos
The Greenaway Version.
Von der Zukunft des Kinos macht sich ja jeder so seine eigene Vorstellung. In einem lesenswerten Artikel bei Moving Image Source erklärt Leo Goldsmith, wie Peter Greenaway dazu kam, das Kino, wie wir es kannten, für tot zu erklären - und mit der Zukunft, wie er sie sieht, weiterzumachen. Einen etwas verwackelten Eindruck davon kann man sich auch auf Youtube machen. Da nämlich ist ein VJ-Set zu sehen, bei dem Greenaway selbst seine Film-Trilogie The Tulse Luper Suitcase zum nonnarrativen Multi-Screen-Live-Event umgestaltet.
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Zardoz
Meese.
Früher begann der Tag mit einer Schusswunde. (So hieß mal ein Gedichtband von Wolf Wondratschek.) Meiner begann heute mit einem Video von Jonathan Meese. Der macht da das für ihn eher übliche Kaschperltheater, und zwar bei sich zu Hause. Zuhausekaschperltheater mit Fensterblick. Dass ich's erst schwer erträglich fand, kann ich mir zwar nicht verdenken. Aber wenn er dann anfängt, seine Zeichnungen runterzublättern und immer neue Geräusche dazu zu machen und auch mal die Stofftiere, die bremerstadtmusikantenhaft auf dem Bett sitzen, zu streicheln, so dass ein Stofftiergeräuschselbstkommentarzuhausekaschperltheater draus wird... also, hat was. Gelegentlich wird auch eine DVD-Verpackung in die Kamera gehalten, Zardoz, Suspiria. Und ein Foto von Scarlett Johansson hat Meister Meese sowieso im Regal. (Ach so, Titel des im Januar 2008 entstandenen Meisterwerks: Scarlettierbaby's Revolutions Parfum: Dictatorship of Art (2008)
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Wie Deutsch Das Ist
Pappe.
Der Künstler der Stunde: Thomas Demand. Große Retro in der Berliner Nationalgalerie. Botho Strauss gibt texttafelmäßig zu Demands Bildern seinen Senf. Und ganz kulturstiftungsmäßig gibt es reichlich aufgedonnerte intellektuelle Begleitmusik, mit Vorträgen - Name der Reihe: "How German is it" (mit Fragezeichen) - von Jacques Rancière bis Rem Kohlhaas, von Astrid Proll bis Hans-Jürgen Syberberg, von Günter Walraff bis Til Schweiger. Okay, okay, Til Schweiger hab ich erfunden. Aber der Rest und viele viele mehr kommen uns echt ins Haus.
Bei Demand ist alles aus Pappe bei und nichts aus erster Hand, vielmehr ist er ein Meister des Wirklichkeits-Nachbaus nach Fotomodellen, mit anschließendem beinah täuschendem erneutem fotografischen Reenactment des Fotos von der Wirklichkeit (nebenbei gesagt, ganz großartiger Reenactment-Roman: Tom McCarthys "8 1/2 Millionen").
Ich schau mir das an und berichte dann mehr. Vorerst aber ein Tunnel, denn manchmal macht Demand nach denselben Prinzipien - Nachbau einer irgendwie emblematischen Fotografie/Wirklichkeit aus Pappe; dann Aufnahme - auch einen Film. Hier, in "Tunnel" (1999), gibt es den Tunnel zu sehen, in dem ihr Chauffeur Lady Di, sich und Dody, von Paparazzi gejagt, zu Schanden fuhr. Bei Demand aber alles unheimlich still, leer, steril geradezu. Courtesy of UbuWeb:
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Spaghetti antiquata
Daniel Kehlmann gegen das Regietheater
Der nach Diedrich Diederichsen bekannteste Fan der Simpsons im deutschsprachigen Raum, Daniel Kehlmann, hat sich in seiner Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele gegen das Regietheater, das er mit Videowänden und Spaghettiessen auf der Bühne assoziiert, ausgesprochen. Er hat dabei auch kulturelle Fronten aufgemacht, die von unserer Seite schon lange exklusiv unterlaufen werden: Cargo "liest Romane, geht ins Kino, kauft DVD-Boxen mit den intelligentesten amerikanischen Serien", nimmt Theater aber deswegen nicht "als fernen Lärm wahr, als Anlass für wunderliche Artikel im Feuilleton, als Privatvergnügen einer kleinen Gruppe folgsamer Pilger, ohne Relevanz für Leben, Gesellschaft und Gegenwart", sondern als kulturelles Teilsystem, in dem Brillanz und Blödsinn nicht viel anders verteilt sind als in allen anderen auch. Eine, die entscheidende Frage hat Daniel Kehlmann übrigens zu beantworten vergessen: Was ist das eigentlich, eine "historisch akkurate Inszenierung eines Theaterstücks"? Er wird doch nicht am Ende so etwas meinen wie zuletzt Der zerbrochene Krug mit Klaus Maria Brandauer in der Einrichtung durch Peter Stein?



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