CARGO Container: Ökonomie
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Transparenz
Konglomerate
Mustergültige Transparenzproduktion: Peter Watkins, der gerade entdeckt hat, dass sein Film La Commune von einer Firma produziert wurde, die zum Waffenhersteller Lagardere gehört, erläutert die Zusammenhänge (via):
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Genrefragen
Foreign Film.
Als differenzierungsfreudigen Menschen kann einen die Tatsache, dass in den USA grundsätzlich und mit großer Selbstverständlichkeit von einem Genre "Foreign Film" die Rede ist, in den Wahnsinn treiben. Weniger Wahnsinn als Verzweiflung auslösend ist es allerdings, wenn man sich die Besucherzahlen für dies wundersame Genre insgesamt ansieht. Im Grunde existiert der "Foreign Film" im Kino nämlich nicht mehr. Von ein paar Kinos an der West- und der Ostküste und in der einen oder anderen Universitätsstadt dazwischen vorläufig noch abgesehen. (Kleines aside: Maren Ades Alle Anderen geht im New Yorker IFC-Center gerade in den zweiten Monat. Ein kleiner Schritt für das Genre, aber eine beachtliche Resonanz für einen deutschen Film.) Anlass dieser kulturpessimistischen Betrachtungen (aber es gibt ja die Auteurs! ruft der Kulturoptimist in mir; Glückwunsch übrigens zum Webby! und es gibt Netflix und Greencine, allerdings kenne ich da keine Zahlen zum Verhältnis von gestreamten/geliehenen US- und Foreign-Filmen), wo war ich, ah ja, hier, der Anlass ist ein Meldung, die ein Artikel des Philadelphia Inquirer zusammenfasst:
"In the 1960s, imports accounted for 10 percent of the U.S. film box office," says Toby Miller, coauthor of GlobalHollywood. "In 1986, that figure was 7 percent. Today, it is 0.75 percent."
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Abu Bollywood Khan
Allianzen.
Karan Johars My Name is Khan ist ein in mehr als einer Hinsicht faszinierender Film. Darin, wie er so ziemlich jedes bedeutende US-Ereignis der letzten zehn Jahre (9/11, Katrina, Obama) in die loose-baggy-monster-Form des Masala-Kinos inkorporiert. Und dabei dessen menschheitsumgreifenden Irrsinn - trotz Verzicht auf klassische Song&Dance-Sequenzen - so lange steigert, bis wir alle mit Shah Rukh Khan in einer Kapelle im tiefsten amerikanischen Süden stehen und mit ihm und der afroamerikanischen Gemeinde "We Shall Overcome" singen. (Hier Lukas' Text, dem wenig hinzuzufügen ist.)Sehr viel unauffälliger als die Bollywood-Provenienz kommt etwas anderes daher: der Schriftzug "Imagenation Abu Dhabi" im Vor- und im Abspann. Man horcht spätestens dann wirklich auf, wenn man liest, dass die Weltpremiere des Films nicht in Bombay, nicht in San Francisco (wo er zum größten Teil spielt) und, nein, auch nicht in Berlin stattfand. Sondern zwei Tage vorher, am 10. Februar, eben: in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Und zwar, genau, wegen Imagenation, der Produktionstochter von Abu Dhabi Media.
Die Firma ist jung und braucht kein Geld, sondern hat es. Nicht zu knapp, man startet mit einem zu investierenden Vermögen von einer Milliarde Dollar. Diese Voraussetzungen machen sie für den Westen wie den Osten ausgesprochen attraktiv. Und Imagenation fährt, unter der Leitung des Ex-Disney-Vizepräsidenten Edward Borgerding, eine sehr interessante Investitionspolitik. Sie versteht sich nämlich als Produktionsfirma mit Gewissen: Öko-Gewissen, sozialaktivistischem Gewissen, you name it.
Dazu passt nicht nur der neue SRK-Film, sondern vor allem ein anderer programmatischer Schachzug, nämlich die Partnerschaft mit der US-Produktionsgesellschaft Participant, die eher still und leise ein wichtiger Player eben im - übrigens jederzeit oscarverdächtigen - Gewissenssegment geworden ist, mit Filmen wie Syriana, Good Night and Good Luck, An Inconvenient Truth, Food Inc. und, in diesem Jahr, The Cove. Das ist wirklich ungewohnte Gesellschaft für einen Bollywood-Blockbuster, der von Yash und Karan Johars Dharma Productions produzierte wurde, bis zunächst der seit einigen Jahren existierenden asiatischen, vorerst nur in Indien tätigen Arm der Fox und dann Imagenation einstiegen. (Fox Star Studios wurde interessanterweise ziemlich zeitgleich mit Imagenation im Herbst 2008 gegründet.) Bei genauer Betrachtung sind diese Kooperationen und Partnerschaften zwar immer noch unkonventionell gedacht, erscheinen aber von recht bezwingender Logik. Und sind auch ein starkes Indiz dafür, dass der globale Filmmarkt an Orten und in Segmenten zusammenwächst, wo man es zunächst nicht vermuten würde.
Quellen: Variety, Website Participant, Defamer
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Weltuntergang in Hollywood
Exitus.
Etwas oder es geht zuende in oder mit Hollywood. Das Geld geht aus. Studiobosse werden gefeuert. MGM und Paramount vor dem Exitus. Ein Weinbauer namens Coppola führt das große Wort, irgendwo draußen vor der Tür und des Guardian Mann in LA schreibt mit. Die Fakten: Im nächsten Jahr ein Drittel weniger Filme, eher 400 als 606. In der Welt am Produkt weniger Interesse, in Japan steigt die Quote einheimischer Filme von 5 auf 65 %. In Zukunft nur noch Harry Potter. Oder Kino als Live-Konzert, glaubt jedenfalls der Weinbauer namens Coppola. Nachzulesen ist das apokalyptische Szenario in diesem Artikel: "The cinema as we know it is falling apart".
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Is free the future?
Gladwell on Anderson
«And then there is his insistence that the relentless downward pressure on prices represents an iron law of the digital economy. Why is it a law? Free is just another price, and prices are set by individual actors, in accordance with the aggregated particulars of marketplace power. “Information wants to be free,” Anderson tells us, “in the same way that life wants to spread and water wants to run downhill.” But information can’t actually want anything, can it? Amazon wants the information in the Dallas paper to be free, because that way Amazon makes more money. Why are the self-interested motives of powerful companies being elevated to a philosophical principle?»
Lesenswert und frei im Netz: Malcom Gladwell kritisiert das neue Buch des Wired-Herausgebers Chris Anderson: Free: The Future of a Radical Price - im New Yorker.
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David Simon über "Treme" und das US-Zeitungssterben
Der Guardian berichtet vom Drehbeginn der neuen David Simon-Serie Treme:
Treme's layers will be built from the exhaustive street-level research and on-location shooting that former journalist Simon is known for, which includes co-opting many New Orleans denizens into the cast. Alongside Wire alumni Clarke Peters (Detective Lester Freeman) and New Orleans native Wendell Pierce (who played Detective "Bunk" Moreland), Simon has also cast Katrina survivor Phyllis Montana Leblanc – who worked on Spike Lee's Hurricane Katrina documentary for HBO, When the Levees Broke.
Außerdem beschäftigt Simon das Zeitungssterben in den USA:
The only hope, Simon insists, is for major news outlets to find a way to collaboratively impose charges for reading online, and to demand fees from aggregators such as Google News, which profit from their journalism. "If you don't have a product that you're charging for, you don't have a product," he says. "If you think that free is going to produce something that's as much of a cost centre as good journalism – because it costs money to do good journalism – you're out of your mind."
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Netflix All You Can Eat
Wenn mich nicht alles täuscht, kann man in diesem New-York-Times-Artikel die Zukunft des Heimkino-Film-Konsums kennenlernen - und ich bin ganz dafür.
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Piraten Filme
Sehr interessant: Andy Baio trägt genaue Statistiken zusammen dazu, wie lange es bei allen Oscar-nominierten Filmen dauerte, bis sie als illegale Downloads verfügbar waren. Aufgeschlüsselt nach Formaten. Sehr lesenswert auch seine Kommentare dazu. [via nerdcore]

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Mein Mann in Cannes
Mike D'Angelo fährt vom Geld seiner Leserinnen und Leser nach Cannes. Überlegungen zur Individu-Rate.
Ok. Gerade eben habe ich zehn Dollar dafür gezahlt, dass Mike D'Angelo nach Cannes fahren kann. Ich war nicht der erste, sondern fast der letzte, denn von den 2000 Dollar, die er dafür braucht, sind nun, mit meiner Einzahlung, bereits 1970 bereitgestellt. Zum Hintergrund: Mike D'Angelo ist ein Filmkritiker, dessen Texte ich seit schätzungsweise sieben, acht Jahren mit großem Vergnügen, wenn auch recht oft im Geist widersprechend, lese. Als "The Man Who Viewed Too Much" schreibt er seit Ewigkeiten im Netz, er hatte dann aber auch Gigs bei "Time Out" und beim amerikanischen "Esquire". Inzwischen hat er, unter dem schönen Titel "Listen, Eggroll", auch ein eigenes Blog.
Wie für so viele US-Filmkritiker hat sich die Ertrags- und Beschäftigungslage in diesem Jahr auch für ihn dramatisch verschlechtert. Die Reise zum Festival in Cannes hätte er sich darum schlicht nicht leisten können. Also kam er auf die Idee, nicht eine Publikation, sondern seine Leserinnen und Leser zu Auftraggebern zu machen. Technisch geht das ganz einfach. Man richtet ein Konto ein bei der Website Fundable, die es allen Paypal-Nutzern sehr leicht macht, ihr Geld zu transferieren. (Hier die Seite für D'Angelos Cannes-Fahrt.) Es ist ein Subskriptionssystem: Erst wenn die festgelegte Summe erreicht ist, wird das gespendete Geld tatsächlich abgerufen.
Das ist natürlich eine Revolution. Nicht weil es sich prinzipiell um etwas Neuartiges handelt. Schließlich ist das Abonnement einer Zeitung oder Zeitschrift - wie sagen wir, hint, hint, CARGO - auch nichts anderes als ein Vertrauensvorschuss an die Redaktion. Man zahlt im vorhinein für die Überzeugung oder jedenfalls Hoffnung, dass die Macher schon keinen Scheiß bauen werden. Solange dieses Vertrauen erhalten bleibt, bleibt das Abo erhalten. Das ist so etwas Ähnliches wie indirekte Demokratie: Man wählt als Vertreter eigener Interessen Leute, die sich dann um die Einzelheiten kümmern, wie: Texte in Auftrag geben, ein großartiges Layout gestalten, bestimmte Themen wichtig finden, andere nicht, die richtigen Autorinnen gut finden und nicht die falschen etc.
Im Vergleich dazu ist das System D'Angelo das einer bürgerjournalistischen Direktdemokratie. Das Gegenteil auch der aktuell in Kreisen der Musik- (und überhaupt Content-)Industrie zirkulierenden Flatrate-Ideen. Während diese - und letztlich ist ja ein öffentlich-rechtliches Zwangsflatrate-System wie für das deutsche Fernsehen nur eine interessante Variante des ganzen - pauschal Geld einziehen, um dann als Zentral-Auftraggeber und -Syndikat für Inhalte zu wirken, ist das System D'Angelo das einer Individu-Rate. Ich vertraue darauf, dass das Filmkritiker-Individuum Mike D'Angelo das liefert, was ich haben will. Und mein Vertrauen ist gut begründet, weil ich seit Jahren verfolge, was D'Angelo tut.
Das Verfahren war für ihn nicht ohne Risiko. Wie stünde er da, wären nur, sagen wir, 70 Dollar zusammengekommen? Er hat schließlich auf nichts anderes als wirklich sich selbst gesetzt. Schon ein klarer Fall von - um Diedrich Diederichsen zu zitieren - "Eigenblutdoping". Man bekommt auf Heller und Pfennig mitgeteilt, was man gilt auf dem Wertschätzungsmarkt. Umso erfreulicher, dass es so gut und so schnell - es hat keine Woche gedauert, bis das Geld jetzt zusammen war - geklappt hat. Mike D'Angelo ist jetzt: Mein Mann in Cannes.



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