CARGO Container: Musik
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Surviving Auschwitz
Mit Gloria Gaynor.
Darf man in Auschwitz tanzen? Eine Disco auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers in Oswiecim musste vor zehn Jahren nach heftigen Protesten schließen. Nun aber sorgt dies hier weltweit für ziemliches Aufsehen:
Da wird unverkennbar in Auschwitz getanzt, unterm ikonischen “Arbeit macht frei”-Schriftzug noch dazu. Es läuft Musik, und sie ist alles andere als sakral: Gloria Gaynors Disco-Hit “I Will Survive”. Man sieht einen alten Mann mit einem T-Shirt, auf dem steht “Survivor”. Und man sieht jüngere Menschen, die tanzen, aber auch nicht gerade meisterlich, mit ihm. Nicht nur in Auschwitz, sondern auch in Teresienstadt und an anderen Orten.
Auf den ersten Blick ist das selbstverständlich frivol. Auf den zweiten verhält es sich so, dass der tanzende Mann tatsächlich ist, was das T-Shirt über ihn sagt: einer, der überlebt hat. Adolk Korman ist 89 und das Video hat seine Tochter, die Australierin Janet Korman gedreht. Einerseits gibt es Proteste jüdischer Organisationen und auch anderer Überlebender, die da, was man verstehen kann, keinen Spaß verstehen. Andererseits zitiert die Künstlerin ihren Vater mit dem Satz, es gelte das Überleben und das Weiterleben folgender Generationen zu feiern. Und also feiert er tanzend am Ort der Vernichtung. Alyssa Rosenberg erinnert daran, dass Groucho Marx einst über dem Führerbunker, also quasi auf dem Grab Adolf Hitlers, Charleston getanzt hat.
Wer wollte einem Überlebenden verbieten, in Auschwitz den Nazis per Freudentanz mit Kindern und Enkeln eine Nase zu drehen? Und wer bezweifelte, dass die übliche Sakralisierung der Gedenkstätten ihre problematischen Seiten hat: Man liest das Video sicher nicht falsch als Kommentar zu den erwünschten und abgesicherten Formen des Umgangs mit dem Ort und dem dort Geschehenen. Was man im Video (es gibt noch Teil 2, aus Musikrechtegründen in Deutschland leider gesperrt, und Teil 3) sieht, ist eine mit Fleiß gesuchte Provokation. "'Nacht und Nebel' ist es nicht", kommentiert Scott Macauley im FilmmakerMagazine mit Bezug auf den Klassiker von Alain Resnais. In der Tat: Gerade kein Film, sondern ein Filmchen im Stil jener Youtube-Clips, die mit der Vorführung des Nichtgekonnten Hitrekorde erzielen. Paradoxerweise verleiht aber gerade das Unbeholfene der Sache einen ganz eigenen komischen Ernst. Man kann sich gemischter Gefühle beim Anblick des Videos also schwerlich erwehren. Es ist ein Akt der Trivialisierung und des sich ermächtigenden späten Triumphs über die Täter zugleich.
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Gewaltfantasie
Stress mit M.I.A.
He did it again. Romain Gavras - Sohn von Costa-Gavras - hat nach seinem umstrittenen Clip zu "Stress" von Justice wieder einen heftigen Gewaltfantasieanfall, diesmal sind rothaarige Jungs und kloppende Polizisten involviert. Definitiv NSFW und wer Brutalität und Splatter nicht mag, schaut ohnehin besser weg. Das ganze ist der Clip zur ersten Vorveröffentlichung "Born Free" aus M.I.A.s für Juni angekündigtem neuen Album. (via)
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Wohnung mit Musik
Assoziation.
Kristof Schreufs erstes Soloalbum "Bourgeois With Guitar" ist sehr eigen und schön. Das Video zur ersten Single "Search & Destroy" ist hier:
Regie geführt beim Video hat Gwendolin May. Die Suche nach ihr ergab, dass sie den Trailer zu einem Theaterstück gedreht hat, das einen recht polleschistischen Eindruck macht und bei Ikea spielt:
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Bei 1'21'' die Einblendung "Sie wohnen schon." Outsourcing des Zuhause. Dazu kann einem sogleich einfallen, dass das einzige Video, das Kristof Schreufs legendäre Band "Kolossale Jugend" je produziert hat, zum Song "Wohnung" gehört. Insourcing der Videoproduktion.
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Und was ist eigentlich aus Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs geworden?
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Oh So Not Blue
Rarum.
Eine echte Rarität: James Camerons einziges Musikvideo, für die kurzlebige Band "Martini Ranch" (zu deren zwei Köpfen Bill Paxton gehörte). Aus dem Jahr 1988 ist es und Cameo-Auftritte gibt es darin unter anderem von Lance Henriksen und, jawoll, Kathryn Bigelow. Hier ist's (via):
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Absolut Gondry
Colorama.
Während, wie berichtet, Spike Jonze jüngst einen von Absolut Vodka gesponserten Film gedreht hat, der, wie auch berichtet, in der Generation-Sektion der Berlinale zu sehen sein wird, sieht das jüngste Musikvideo von Michel Gondry aus wie ein Werbefilm für United Colors of Benetton. Ist es aber, so weit ich weiß, nicht. Sondern eben ein Musikvideo, für die Musikerin Mia Doi Todd (via):
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Genesis P-Cavell
Talking Heads.
Dieser eingebettete Link verdankt sich einem Hinweis von Björn Quiring. Der Philosoph und Kinodenker Stanley Cavell im knapp einstündigen Gespräch über sein Leben, auch seine Liebe zum Kino:
Und der nächste, leider offenbar nicht einbettbare, Link geht dann zurück an Björn, der die Band "Throbbing Gristle" in für mich nicht immer begreiflicher Weise verehrt. Tony Ourslers Synesthesia: Genesis P-Orridge. 90 Minuten Gespräch mit dem Throbbing Gristle-Frontmann bei Ubu.
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the most prurient sets of moving pixels
Nacktvideos statt Nacktscanner.
Mehr davon hier (in jeder Hinsicht), darunter die Porn-Footage-Meditation von Massive Attack («Paradise Circus») und der Flaming Lips-Nudistenclip «Watching the Planets» (via)
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Vic Chesnutt RIP
About to Choke.

Sturm bei Anfahrt auf Austin, aus dem Tourblog der Throwing Muses (2007)
Ich habe in meinem Leben zwei Konzerte von Vic Chesnutt besucht. Es wird nun kein weiteres mehr hinzukommen. Das erste: 1995, Cactus Café, Austin, Texas. Ein hinreißender Abend, endlos, Chesnutt in einer Spiellaune, die sich steigerte, immer weiter steigerte, eine aufgekratzte Laune, die ansteckte, aus der man kaum mehr herauskam, in meinem Kopf sang es immer weiter auf dem Weg nach Hause über den Campus. Drei oder vier Stunden ging das, eine wunderbare, keine Sekunde langweilige Endlosigkeit, eine Reise durchs Repertoire mit beiseite gemurmelten Bösartigkeiten, Rollstuhlwitzen, einzelne Phrasierungen der Songs, den Refrain von Isadora Duncan etwa, erinnere ich bis heute. (Beim Nachlesen der Lyrics stelle ich fest, dass es diesen Refrain so gar nicht gibt. Vielleicht habe ich ihn nachträglich, umso emphatischer mich erinnernd, erfunden. Oder Vic Chesnutt hat das damals eben anders gesungen.) Das zweite Konzert war ein paar Jahr später, 2001 vielleicht, im alten ColumbiaFritz in Berlin, das so nicht mehr existiert. Chesnutt war außerordentlich schlecht drauf an dem Abend, kam viel zu spät auf die Bühne, saß verloren herum, stimmte seine Gitarre immerzu neu, rülpste, war vielleicht besoffen oder depressiv, man verstand nicht, was er sagte, rollte von der Bühne, kam noch einmal wieder, begann einen Song, brach ihn wieder ab und nach zwanzig Minuten war das Konzert wieder vorbei. Niemand im Publikum hat gepfiffen, alle waren voll Sympathie für einen heiß geliebten Musiker, dem es so sichtbar schlecht ging, man klatschte traurig und keiner, da bin ich sicher, verlangte sein Geld zurück.
Zuletzt habe ich Chesnutt-Musik in Sebastian Schippers leider nicht sehr gutem Film Mitte Ende August gehört, aber das waren leider reine Instrumentalkompositionen. Das fand ich schade, denn vor allem habe ich immer die großartige nicht schöne Stimme von Vic Chesnutt und was er damit anstellte, sehr gemocht.



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