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Aktuelle Ausgabe: CARGO Film/Medien/Kultur 06 vom 10. Juni 2010

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  • Inhaltsverzeichnis von Heft 06/2009
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Inhalt

  • Transparenz
  • dffb
  • Ausgerechnet Schütte
  • Revolution in Griechenland
  • Bitomsky tritt zurück
  • Ratingsystem in Thailand
  • Auteurs - Scorsese
  • Meeting Lucki Stipetic (Indielisboa I)
  • UK Film Council Anhörung
  • Ärger in New York
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Feed

CARGO Container: Filmpolitik

  • Transparenz

    Konglomerate

    30.07.2010, Ekkehard Knörer in: Filmpolitik, Geschichte, Hintergründe, Ökonomie

    Mustergültige Transparenzproduktion: Peter Watkins, der gerade entdeckt hat, dass sein Film La Commune von einer Firma produziert wurde, die zum Waffenhersteller Lagardere gehört, erläutert die Zusammenhänge (via):


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  • dffb

    Diskussionsveranstaltung.

    29.03.2010, Cargo in: Filmpolitik

    Kommenden Mittwoch (31.03.2010, 18h)  findet in der Kantine der dffb eine öffentliche Diskussionsveranstaltung unter dem Stichwort «Unabhängigkeiten» statt. Im Ankündigungstext heißt es:

    «Durch die Besetzung des Direktorenpostens ist eine chronische Krise akut geworden, stellt sich die Frage nach dem Selbstverständnis der Deutschen Film- und Fernsehakademie. Ist die dffb ein Labor, in dem teure Experimente meistens schiefgehen oder ein effizientes Kopierwerk für Visitenkarten? Wer entscheidet, wo die Freiheit aufhört und die Formatierung anfängt? Ist die Vermählung der Filmhochschule mit der Wirtschaft gültig bis dass der Tod sie scheidet? Oder retten uns die Göttinnen der Kinematographie? Das Gespräch soll gegenwärtige Unabhängigkeits-Verhältnisse im deutschen Filmbetrieb skizzieren, und helfen, die Perspektiven einer Ausbildung zu beschreiben, die die Frage nicht los wird: wofür ist das alles gut hier und für wen?»

    Gespräch mit
    Frieder Schlaich
    Bert Rebhandl
    Florian Koerner
    Christoph Hochhäusler
    und Jörg Buttgereit

    moderiert von Maximilian Linz und Julian Radlmaier


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  • Ausgerechnet Schütte

    Nachgefragt beim Sprecher der dffb-Studentenschaft.

    22.03.2010, Cargo in: Debatte, Filmpolitik

    Die Studenten der dffb streiken derzeit mehrheitlich gegen ein Besetzungsverfahren, das ihnen den Filmemacher Jan Schütte als zukünftigen Direktor eingetragen hat. Wir veröffentlichten dazu vor einigen Tagen ein uns zugesandtes «Dossier» und haben nun in Form eines E-Mail-Interviews noch einmal bei Till Kleinert nachgefagt, der die Studenten vertritt.

    CARGO: Herr Kleinert, eine formale Frage vorab: Ihrer E-Mail-Signatur entnehme ich, dass Sie
    «Pressesprecher der Studentenschaft der dffb» sind - sprechen Sie für alle
    Studenten oder nur für die streikende Mehrheit?

    Till Kleinert: Sprecher der Studentenschaft der dffb meint zunächst mal, dass ich Ziele und Beschlüsse kommuniziere und erläutere, die von den Studierenden der dffb im Rahmen von Vollversammlungen diskutiert und innerhalb einer Urabstimmung mehrheitlich beschlossen wurden. Aus den Einzelhaltungen aller Studierenden bildet sich auf diese Art die als organisiertes, politisch agierendes Organ mit einer Stimme sprechende «Studentenschaft» heraus. Dass hinter dieser einen Stimme weiterhin ein Diskurs der unterschiedlichsten Meinungen und Strömungen unter den Studierenden läuft, versteht sich von selbst. Diese Einzelhaltungen können und sollen natürlich weiterhin persönlich geäußert werden, niemandem wird der Mund verboten. Meine Aufgabe ist es allerdings, den «offiziellen» mehrheitlichen Konsens zu vertreten.


    CARGO: Wogegen bzw. wofür streiken die Studenten der dffb genau? Wie stellen
    sie sich ein alternatives Verfahren zur Besetzung des Direktorenpostens
    vor?

    Wir streiken gegen den Verlauf, den das Direktorenberufungsverfahren genommen hat – gegen den Ausschluss der Stimmen von Studenten- und Dozentenvertetern auf halbem Wege, gegen die Intransparenz des weiteren Verfahrensverlaufs, dagegen, dass auf Proteste der Studenten gegen diese Undurchsichtigkeit bis zur Verkündung der Entscheidung nicht reagiert wurde.

    Nach dem Scheitern des Berufungsverfahrens an der UdK, an dem je ein Studenten- und Dozentenvertreter stimmberechtigt beteiligt waren, bat die Studentenschaft die Vorsitzende des Kuratoriums der dffb, Barbara Kisseler, in einem Brief deutlich um Information und Transparenz bezüglich des weiteren geplanten Vorgehens, welches zu diesem Zeitpunkt nach unserem Kenntnisstand noch unklar war. Dieser Bitte wurde, womöglich den studentischen Widerspruch antizipierend, auf eigenwillige Weise entsprochen: Die Antwort kam ganze drei Wochen später und überrumpelte die Studenten mit der Information, dass das Kuratorium just zur Stunde, in der der Brief die Studentenvertretung erreichte, unter Ausschluss von Studenten- und Dozentenvertretern bereits tage und über die Berufung des künftigen Direktors entscheide; das Ergebnis werde den Studenten demnächst mitgeteilt. Um ihrer Ablehnung gegen dieses selbst bei wohlwollender Betrachtung ziemlich respektlos erscheinende Vorgehen Ausdruck zu verleihen, hatten die Studenten bereits bevor ihnen mitgeteilt wurde, wer der neue Direktor werden würde, per Mehrheitsbeschluss erklärt, dass sie das Verfahren und sein Ergebnis nicht anerkennen.

    Um nun zunächst einmal tatsächlich Klarheit über die Abläufe zu gewinnen, fordern wir Einsicht in die Sitzungsprotokolle sowohl der gescheiterten UdK-Kommission als auch des Kuratoriums der dffb. Wir behalten uns vor, das Verfahren und dessen Ergebnis anzufechten, sollten wir uns durch den Inhalt der Protokolle dazu veranlasst sehen.

    Ein alternatives Besetzungsverfahren in unserem Sinne sollte einer für alle beteiligten Parteien bindenden festgeschriebenen Verfahrensordnung folgen, in der auch die Mitsprache von Dozenten und Studenten verankert ist – eigentlich eine Selbstverständlichkeit an jeder normalen Hochschule. An der dffb wurde stattdessen in letzter Instanz, unter Berufung auf ihre Gesellschaftsform als gemeinnützige GmbH, vom Kuratorium ein Direktor berufen, ohne dass irgend eine der Parteien, die im täglichen Geschäft der Akademie direkt mit den Auswirkungen dieser Benennung umgehen müssen, an der Entscheidung beteiligt war oder auch nur in der Sache angehört wurde. Es darf bezweifelt werden, dass eine derartig getroffene Entscheidung Vorstellungen und künstlerische Identität der Studierenden und Lehrenden der dffb optimal abbildet.

    Neben der Offenlegung des Verfahrens fordern wir den Verbleib der Kamerafrau und langjährigen Dozentin Sophie Maintigneux an der dffb. Die Forderung erscheint zunächst unnötig, da ihr Anstellungsvertrag weiter läuft. Angesichts der Tatsache, dass dieser Vertrag allerdings jederzeit kurzfristig gekündigt werden kann und in Anbetracht der unsicheren Position, die sie als unterlegene Mitbewerberin um den Direktorenposten gegenüber der neuen Leitung hat, fordern wir vom Kuratorium nicht nur die Absichtserklärung, sondern ein klares, vertraglich abgesichertes Bekenntnis zum langfristigen Verbleib von Sophie Maintigneux an der Akademie. Die maßgebliche Rolle, die sie für das künstlerische Profil der dffb in den letzten beiden Jahrzehnten gespielt hat, ist unbestritten. Allein ihr theoretisches Bildgestaltungsseminar, mit dem die Erstjahresstudenten traditionell ins Studium einsteigen, eröffnet und erweitert den Blick für die Möglichkeiten des filmischen Erzählens derartig, dass es für viele Studenten Grundlage und Schlüssel für das gesamte folgende Curriculum wird. Ihr Weggang wäre – und hier erlaube ich mir eine persönliche Einschätzung – ein Schlag, von dem sich die Akademie nicht so schnell erholen würde.


    CARGO: Wie streiken die Studenten? Ist der Unterrichtsbetrieb komplett zum
    erliegen gekommen? Streiken die Dozenten mit? Teilen sie das Anliegen der
    streikenden Studenten?

    Die Seminare finden mit Einschränkungen weiter statt – wir bestreiken nicht unsere Ausbildung, sondern die Art und Weise, wie von außen in sie eingegriffen wird. Innerhalb der Seminare entstehen Arbeiten, die das Berufungsverfahren und den studentischen Protest thematisieren, viele Dozenten beteiligen sich am Diskurs. Parallel dazu finden in dichter Folge Versammlungen und Protestaktionen der Studentenschaft statt, deren Ziel die Einbeziehung einer breiteren Öffentlichkeit in ihre Anliegen ist.

    Die dffb ist mit einer Studentenschaft von nur ca. 180 Studierenden nicht besonders gut aufgestellt, um mit reiner Lautstärke zu punkten. Deswegen müssen wir andere, konstruktivere Formen des Protests bemühen, um Sympathisanten und Mitstreiter von außerhalb der Akademie zu gewinnen. In den kommenden Wochen wird es offene Podiumsdiskussionen und Aktionstage mit Filmemachern, Kritikern und Politikern geben, in denen die Fragen, was eine Filmhochschule eigentlich leisten sollte, welche Position die dffb in der Deutschen Filmlandschaft einnimmt und welche Rolle Mündigkeit und Mitbestimmung in der Ausbildung einer künstlerischen Identität spielen, öffentlich verhandelt werden. Es wird Aktionen geben, die den Protest nach innen und außen sichtbar machen, eine Streik-Party am kommenden Donnerstag, den 25. 3., deren Einnahmen in die Aktionen der Studentenschaft fließen und die die Möglichkeit bietet, mit den Studenten in Diskussion zu treten und sich zu solidarisieren. Der Streikverlauf wird in einem Blog der Studentenschaft dokumentiert, außerdem werden Medien und interessierte Beobachter im Voraus über die stattfindenden Aktionen informiert. Wer sich auf den entsprechenden Verteiler setzen lassen möchte, melde sich bitte unter streik.presse.dffb@googlemail.com.


    CARGO: Wie erklären Sie sich die Präferenz des Kuratoriums der dffb für Jan
    Schütte?

    Da müsste ich wild spekulieren. Die Intransparenz des Berufungsverfahrens gegenüber den Studierenden hat es uns unmöglich gemacht, die Gründe für die Entscheidung nachzuvollziehen. Auch nach der Entscheidungsverkündung wurde kein Versuch unternommen, uns zu erklären, warum nach Ansicht des Kuratoriums ausgerechnet Jan Schütte, entgegen der Auffassung der Mehrzahl der Studierenden, der beste Direktor für die dffb sein soll.


    CARGO: Wie geht's jetzt weiter?

    Am kommenden Mittwoch, den 24. 3.,  kommen Frau Kisseler und ein weiteres Mitglied des Kuratoriums zu einem Gespräch mit den Studenten an die dffb. Wir begrüßen diese Möglichkeit zum Dialog. Man muss allerdings abwarten, inwieweit im Rahmen dieses Treffens eine Entschärfung des Konflikts möglich ist. Grundsätzlich kommt das Gespräch zu spät – eine Einbeziehung der Studenten hätte, wie von uns eingefordert, vor der Entscheidung und Bekanntgabe des neuen Direktors stattfinden müssen. Nun sehen wir uns vor vollendete Tatsachen gestellt und müssen entsprechend reagieren.

     

    Die Fragen stellte Simon Rothöhler.


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  • Revolution in Griechenland

    Filippos Tsitos berichtet.

    18.11.2009, Ekkehard Knörer in: Filmpolitik

    Filmemacher im Nebel

    Die Filmemacher in Griechenland proben derzeit mit großem Erfolg den Aufstand. Aus Protest gegen ein korruptes und seit Jahren trotz vieler Versprechungen nicht reformiertes Filmfördersystem haben sie sich zusammengeschlossen. Und zwar nicht zu einem Verband, sondern zu einer losen, über das Internet organisierten, inzwischen den Großteil der griechischen RegisseurInnen umfassenden Gruppe (hier die teils englische Website). Sie haben erfolgreich den Boykott des Filmfestivals von Thessaloniki, d.h. vor allem der alljährlich dort stattfindenden Preisverleihung auf die Beine gestellt. Und ein Gegenfestival in Athen organisiert. Auf unsere per E-Mail gestellten Fragen zu den erstaunlichen Vorgängen hat der in Berlin lebende, an vorderster Front bei FoG beteiligte Regisseur Filippos Tsitos (u.a. vier Tatorte, KDD) mit einem spontanen Text geantwortet, den wir im Magazinteil dokumentieren.


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  • Bitomsky tritt zurück

    DFFB.

    19.06.2009, Ekkehard Knörer in: Filmpolitik

    Diese Meldung kommt gerade per Mail rein: (Hier die offizielle Meldung.)

    Der Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), Professor Hartmut Bitomsky, scheidet mit Wirkung zum 31. Juli 2009 aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt aus.

    Bitomsky war einst - 1968 - als einer der ersten Studenten der 1966 gegründeten DFFB mit 18 weiteren Studenten wegen linksradikaler Umtriebe von der Hochschule relegiert worden. Er war später einer der wichtigsten Essayfilmer der Republik und kehrte als Dozent an die DFFB zurück - sein Einfluss auf die heute so viel gefeierten RegisseurInnen der "Berliner Schule" wie Angela Schanelec, Christian Petzold und Thomas Arslan war dabei beachtlich. Petzold hat auch mehrfach als Assistent bei Essayfilmen Bitomskys mitgearbeitet.

    Ich weiß nichts über die Hintergründe seines Rücktritts. Was ich jedoch zuletzt gehört habe, ist, dass die großen Hoffnungen, die mit der Berufung Bitomskys im Jahr 2006 verbunden waren, sich kaum erfüllt haben. Die Hoffnungen waren: Schärfung des intellektuellen und filmpolitischen Profils der Filmhochschule nach den nicht nur in dieser Hinsicht bitteren Jahren unter Reinhard Hauff. Daraus ist offenkundig nichts geworden, vielmehr schien Bitomsky zuletzt selbst auf eine marktkonformere Ausbildung zu drängen. Falls jemand unter den Mitlesenden da genauere Einblicke hat: in den Kommentaren oder per Mail gerne an mich.


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  • Ratingsystem in Thailand

    P wie Promotion.

    18.05.2009, Ekkehard Knörer in: Filmpolitik

    In Thailand wird nun ein Rating-System für Kinofilme eingeführt. Es wurde lange darüber debattiert und besser als die bisher herrschende willkürliche Zensur ist es wohl auch nach Ansicht seiner schärfsten Kritiker. Gut allerdings ist es ganz offenkundig nicht. Apichatpong Weerasethakul, der sich nach dem Verbot (der vollständigen Fassung) seines letzten Films Syndrome and a Century stark gegen die Zensur engagiert hat, kommt neben anderen thailändischen Regisseuren in der Bangkok Post zu Wort. [via SouthEastAsianFilmStudiesInstitute]

    P is for Promotion? I remember a drafting committee member assured me that 'You will see good gay movies being promoted!' I nearly fell off my chair. That's my problem, the word ' good'. Is a silly comedy really worse than a nationalist, historical epic? I can see the film studios and cash-strapped independent filmmakers clamouring to make Pathetic Pastoral Propaganda to get the states Patronage P+++. Ka-ching!

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  • Auteurs - Scorsese

    Big Deal.

    15.05.2009, Ekkehard Knörer in: Filmgeschichte, Filmpolitik, Internet

    Wir verfolgen, wie Sie gemerkt haben, was das Online-Programmkino-Projekt The Auteurs treibt, mit großem Interesse. Heute haben die Jungs ihren bisher wohl größten Coup gelandet. Sie haben nämlich in Cannes ihre Kooperation mit Martin Scorseses World Cinema Foundation verkündet - ein eigener Kanal für deren restaurierte Filme wird sehr prompt eingerichtet. Mit im Boot ist die DVD-Premium-Marke Criterion, die schon länger mit Auteurs zusammenarbeitet. Auf dem Gruppenfoto (bei Indiewire, da auch die ausführliche Meldung) außerdem: Martin Scorsese und sein neuer Executive Director Kent Jones, der - wir hatten berichtet - vor kurzem im Unfrieden als einer der Kuratoren die New Yorker Film Society of Lincoln Center verlassen hatte. Vermittelt hat den Deal übrigens der Independent-Arm der Hollywood-Agentur Endeavor, die im Zentrum des Starsystems im ersten CARGO-Heft stand.


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  • Meeting Lucki Stipetic (Indielisboa I)

    Gesprächsnotizen.

    24.04.2009, Ekkehard Knörer in: Aktueller Film, Filmgeschichte, Filmpolitik, Hollywood, Klassiker

    Nach den Dankesreden der drei Festivalchefs kommt ein schlanker Herr auf die Bühne, spricht frei ein paar Worte in ziemlich gutem Portugiesisch (sage ich mal) und liest dann einen Brief seines Bruders vor. Der Herr ist Lucki Stipetic und sein Bruder ist Werner Herzog (geb. Stipetic). Herzog hat soeben seinen jüngsten Film mit dem Titel My Son, My Son, What Have Ye Done abgedreht. Dafür war er zuletzt noch für einen einzigen Drehtag nach China geflogen und, schreibt er im Brief, den sein Bruder vorliest, dachte ernsthaft, als er erwachte, er sei in Lissabon. 

    Wo er nun nicht ist, obwohl er alles versucht hat, obwohl man ihm hier, wo alles so entspannt und großzügig und freundlich ist, ganz sicher einen großen Bahnhof bereitet hätte. Das Festival Indielisboa zeigt eine Herzog-Retrospektive, die sich nicht ausschließlich, aber doch stark auf die Dokumentarfilme bezieht. Zur Eröffnung lief der jüngste, das auf erhabene Weise komische Antarktik-Werk Encounters at the End of the World. Darin geht ein Pinguin aus eigenem unerforschlichen Ratschluss allein in die Eiswüste und damit in den sicheren Tod. "Warum?" fragt Werner Herzog im Voiceover-Kommentar. My Son, My Son, What Have Ye Done.

    Vorhin traf ich Lucki Stipetic dann beim Espresso im Hotel zum Gespräch. Seit Jahrzehnten produziert er die Filme seines Bruders - erst neuerdings bei den Hollywood-Produktionen nicht mehr. Was produzieren so heißt in den freischwebenden Zusammenhängen, in denen Herzog sich mit seinen Filmen so bewegt. Er ist vor Ort meist dabei (nicht in McMurdo, was er schon sehr bedauert), er stellt Kontakte her mit Geldgebern und hält dem Bruder den Rücken frei. Sie haben ein harmonisches Verhältnis, meint er, und das seit Jahrzehnten, der eine vertraut dem anderen und genau so funktioniert es.

    Mit einem Gerücht räumt er auch gleich auf: David Lynch hat mit der Produktion von My Son, My Son, What Have Ye Done persönlich gar nichts zu tun; seine Produktionsfirma ist an Stipetic/Herzog herangetreten und hat gefragt, ob es vielleicht ein Projekt gibt. Die Antwort versteht sich von selbst, meint Stipetic, bei Werner Herzog gibt es immer ein Projekt, und wenn es keins gibt, dann erfindet er eins aus dem Stand. Der Film ist ein Krimi, soviel ist zu erfahren, und am Ende tötet ein Sohn seine Mutter mit dem Schwert. Der Film ist jetzt abgedreht und Werner Herzog, der inzwischen fast ganz in Los Angeles lebt, braucht ein paar Tage Ruhe auf seinem Bauernhof in der Steiermark.

    Ein überzeugter Amerikaner ist Herzog inzwischen, versichert sein Bruder, der dennoch durchblicken lässt, dass einem Europäer wie seinem Bruder da doch etwas fehlt. Wir sprechen darüber, wie es kam, dass Deutschlands aufregendster noch aktiver Regisseur (das sage jetzt ich) aus den großen Zeiten des Neuen Deutschen Films seiner Heimat so vollständig abhanden gekommen ist. Im Spielfilm Invincible steckt noch ein wenig nordrhein-westfälisches Fördergeld, sonst aber: Fehlanzeige in Deutschland. Bedenklich werden bei Verleihern Köpfe gewiegt, wenn der Name Herzog fällt, mit Finanzierungsanfragen versucht es Stipetic schon gar nicht mehr. In England, in Frankreich reißen sich die Leute darum, Herzogs Filme zu finanzieren, in Deutschland: nichts und wieder nichts.

    Stipetic hat keine Erklärung, außer: Herzog schleimt nicht rum. Er ist nicht in Talkshows oder sonstwie in Deutschland präsent; er macht, ohne allzuviel Rücksicht zu nehmen, immer sein Ding und geht nicht mit den richtigen Leuten essen. Meinem Seufzer, dass die deutsche Filmproduktionslandschaft und alles, was hier so gern Industrie wäre, zum Verzweifeln provinziell ist, widerspricht Stipetic denn auch nicht. Filmpreis, Filmakademie, Kosslick-Berlinale: einvernehmlich schütteln wir schweigend die Köpfe.

    Und sprechen über Hollywood: Jederzeit ist in Los Angeles, meint Stipetic, die Verehrung zu spüren, die Herzog dank seiner legendären Filme aus den siebziger Jahren genießt. Er freut sich, so eitel ist er schon, aber er geht auch, versichert Stipetic, ziemlich gelassen mit diesem Ruhm um. Und natürlich ist er auch nicht mehr als die "gun for hire" bei Produktionen wie Bad Lieutenant, er hat nicht das Recht auf den Final Cut, aber wirklichen Ärger gab es bisher nicht. Das Ende von Bad Lieutenant war den Produzenten allzu düster, jetzt gibt es, versichert Stipetic, einen Kompromiss. Einen US-Verleihtermin gibt es noch nicht.

    Dann noch Spannendes zum nächsten Projekt, wieder ein Dokumentarfilm. Ausgangspunkt war ein Auftragsjob, wieder Oper (Stipetic, stellt sich heraus, ist ein Opernfan und war auch das Movens für die Operninszenierungen seines Bruders), ein dreiminütiger Film zu einer Arie aus "La Boheme". Es ergab sich, zufällig, dass Herzog in diesem Kontext auf die Fotografien von Hans Silvester aufmerksam wurde. In den siebziger Jahren machte Silvester Aufnahmen von Mitgliedern eines von der Welt abgeschieden lebenden Stammes in Äthiopien. Den hat Herzog, fasziniert von den - übrigens völlig inszenierten - Bildern, aufgesucht, ein paar Bilder gemacht für den Dreiminutenfilm.

    Es stellte sich heraus, dass darin ein Filmprojekt ganz nach seinem Herzen steckt. Der Stamm lebt bis heute in einer anderen, von der modernen ganz abgeschiedenen Welt. Zwar sichern die Männer mit Kalaschnikoffs das Revier (sie leben im Grenzgebiet zum Sudan), aber von der modernen Welt, in der sie leben und nicht leben, sind, erklärt Stipetic - der mit Herzog zu den Aufnahmen für den Kurzfilm dort war -, die Mitglieder des Stamms bis heute unberührt. Von ihnen wird Herzog dann erzählen, in diesem Jahr noch geht es nach Afrika. Stipetic, der ein ganz in sich ruhender Mensch ist, der auch glaubhaft versichert, dass ihn das Kino eigentlich weniger interessiert als Literatur oder Oper, der glücklich ist, mit dem was er tut, der gar nicht mehr sein will für die Welt als der Produzent (und der Bruder) seines Bruders, Stipetic klingt da jetzt doch ganz ausgesprochen vorfreudig.

    P.S.: Stipetic erklärt ausdrücklich, dass die kürzlich auch hier verlinkten YouTube-Herzog-Filme, die Starzmedia ins Netz gestellt hat, völlig illegal dort stehen. Das Cease-and-Desist haben sie bereits im Briefkasten. (Dreist, sehr dreist findet Stipetic diese Aktion. Und recht hat er.) Der folgende Ausschnitt aus Encounters ist auch einfach so upgeloadet worden, aber ich persönlich finde Exzerpte dieser Länge okay, deswegen hier auch der Auftritt des traurigsten Pinguins der Welt (RIP). Ansonsten: unbedingt ansehen, toller Film. (S. auch Ludger Blanke im CARGO-Heft: "Der schönste Dokumentarfilm der letzten hundert Jahre"):


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  • UK Film Council Anhörung

    25.03.2009, Ekkehard Knörer in: Filmpolitik

    In einem Ausschuss des britischen Parlaments geht es heute um: "The British Film and Television Industries". Die Anhörung, zu der u.a. James Woodward, der CEO des allmächtigen UK Film Council geladen ist, wird live im Stream übertragen (und ist hinterher auch als Video abrufbar): beides hier. Das Film Council ist die von der Labour-Regierung im Jahr 2000 eingerichtete Filmförderinstitution - privatwirtschaftlich organisiert, u.a. mit Lottogeldern finanziert und wegen seiner angeblich zu kommerziellen Ausrichtung alles andere als unumstritten. Mehr zum Film Council und seiner Rolle - aus Förderersicht - hier.


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  • Ärger in New York

    Rumoren hinter den Kulissen der New Yorker Film Society at Lincoln Center

    13.03.2009, Ekkehard Knörer in: Filmkritik, Filmpolitik, News

    Großen Ärger gibt es gerade in den Kulissen der New Yorker "Film Society at Lincoln Center", einem der wichtigsten Zentren der US-Cinephilie. Die Stiftung betreibt das Walter Reade Theater, in dem wichtige Filmkunst-Programmreihen gezeigt werden. In diesem Jahr, in dem die Film Society ihr vierzigjähriges Bestehen feiert, eröffnet sie zwei weitere Säle. Für den Ärger verantwortlich ist - das ist allen Äußerungen hinter vorgehaltener Hand zu entnehmen - die seit letztem September amtierende neue Chefin Mara Manus. Sie hat keinerlei cinephilen Hintergrund und es ist kein Geheimnis, dass der Stiftungsrat sie vor allem als Managerin mit Effizienzsteigerungskompetenzen eingestellt hat.

    Die Film Society at Lincoln Center ist auch - das macht sie weltweit wohl am meisten sichtbar - Herausgeberin der besten amerikanischen Filmzeitschrift "Film Comment". Die Zeitschrift wurde mit dem letzten Chefredakteurswechsel im Jahr 2000, von Richard Jameson zu Gavin Smith, enger ans Haus und dessen Veranstaltungen gebunden (was man vor allem an den Titelgeschichten merkt, die oft auf Film-Society-Retros- und Hommagen bezogen sind). Mit einem sanften Richtungswechsel Anfang diesen Jahres wurde das Heft - Auflage irgendwo zwischen 20000 und 30000, aktuelle Zahlen kenne ich nicht - popularisiert. Gavin Smith machte im Editorial süßsaure Miene dazu, als er unter anderem auf das sich ausbreitende Listenwesen hinwies.

    Der vorauseilende Gehorsam gegenüber Manus hat womöglich nicht viel geholfen. Jetzt hat nämlich mit Kent Jones der vielleicht wichtigste Mann der Film Society gekündigt. Er war gleichzeitig einer der wichtigsten Kuratoren des Filmprogramms und editor-at-large des Film Comment. Jones ist unbestritten einer der beschlagensten Filmkritiker der USA und steht ganz eindeutig für ein kompromisslos auf die wichtigen Tendenzen des Weltkinos ausgerichtetes Programm. Die Befürchtung ist nun, dass die Kommerzialisierung sowohl des Filmprogramms der Film Society wie des "Film Comment" unter Mary Manus offizielle Linie wird, liest sich im ReverseBlog bei IndieWire etwa so: "Naturally, discussion of Jones’s departure ...  has gone hand in hand with enraged glances at Manus, and resulted in some people’s assumption that the programming at the Film Society, now with Richard Peña at the helm, will devolve into a smattering of middlebrow junk aimed at the Upper West Siders who always perhaps felt alienated by the abundance of Hou Hsiao-hsien, Tsai Ming-liang, and Lucrecia Martel."

    Weiterer Kommentare dazu von Glenn Kenny.

     


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