CARGO Container: Fernsehen
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Nachkrieg
Dominik Graf/Berliner Schule
In der neuen "Senses of Cinema"-Ausgabe gibt es ein großes und äußerst lesenswertes Interview mit Dominik Graf. Besonders interessant daran finde ich, wie Graf auf die insistenten Nachfragen des Gesprächspartners Marco Abel sein Verhältnis zur "Berliner Schule" so genau - und wohl auch so freundlich - wie niemals zuvor beschreibt. Hier die entscheidende Passage dazu:
The Berlin School has the same attitude, as if before their arrival on the scene there had been a propaganda war going on that made you blind and deaf: the war waged by blockbusters against the rest of the world. Sometime around 1994, 1995, you had to develop new aesthetic forms in order to hear something else, to see something else. The first response to the relentless assault by Hollywood upon our senses was Dogme 95, after which the Berlin School arrived. That said, I couldn’t be as radical as they are in this regard because I am ten years older and perceive things differently. I am not quite as damaged by the cinema; I know it from before the state of war, so to speak. But I understand where they are coming from 100%, I think: from the early 1990s at the latest, it had become necessary to radically object to the screaming “vanity fair” of all cinematographic availabilities.
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Reproducts
Hinweis.
Lesenswert: Ein Gespräch, das Matthias Dell mit Stefan Eckel von der Hamburger Künstlergruppe reproducts geführt hat.
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CARGO Weltelf
13 verhinderte Welttrainer haben für CARGO (Auf-)Stellung bezogen: Weltelf, Wunschweltmeister, Weltmeistertip. Verteidigt Lahm links oder rechts? Bei wem spielt Atsuto Uchida? Wer will, dass Nordkorea den Titel holt? Mit Michael Althen, Michael Baute, Ludger Blanke, Christoph Biermann, Matthias Dell, Rembert Hueser, Peter Körte, Christian Petzold, Cord Riechelmann, Marius Spamer, David Wagner.
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cry me a river
Finale 30 Rock.
Ein echtes Episoden-Highlight zum Schluss: 30 Rock, Season 4, Episode 22 (I Do Do): Le Mépris-Scherze plus Matt Damon mit karriereschädigendem Oberlippenflaum als Chesley «Sully» Sullenberger: There is no bad dancing.
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Sonntag
Fernsehen.
«Ich muss zum Tatort», sagt die Polizeiruf-Kommissarin und damit geht der Ulk erst los. Lars Eidinger - wie von der Schaubühne gewohnt: full frontal und allseits bereit - übersetzt fließend lateinische Redewendungen und begründet dies damit, zweisprachig aufgewachsen zu sein. Alles beginnt mit nudistischen Szenen in dekorativ ausgeleuchteten Bundeswehr-Duschräumen, die an de Palmas Carrie erinnern würden, hätte Kameramann Hans Fromm nicht in wie immer bewundernswerter Schnörkellosigkeit auf Slow Motion verzichtet. Schön passt dieser auf Berliner Schnoddrigkeit getrimmte Münchner Polizeiruf, der das schwere Edgar Selge-Erbe nur kurz antrat, in den Sonntagabend der ARD. Wenige Minuten vor dem Würge-Mord noch Feierbiest Louis van Gaal entfesselt und lederbehost in der Tagesschau (klar auf dem Weg, der neue Rudi Carrell der Deutschen zu werden), dann Lars Eidinger mit Holger Badstuber-Frisur und schließlich um 21.05h per Eil-Einblendung neue NRW-Hochrechnungen, die zwischenzeitlich die Befürchtung wecken, dass der selbsternannte «Arbeiterführer» doch noch im Roland Koch-Stil im Amt bleiben kann. Hätte man die Ausdauer eines Stefan Niggemeier gehabt, wären anschließend noch Richard David Precht und zum hundertsten Mal der enervierende Tea Party-Schweizer Roger Klöppel bei Anne Will zu sehen gewesen. Da hatte ich dann aber doch schon ab- und ausgeschaltet, im Kopf immer noch die Nachmittagsbilder der Chelsea-Spieler beim Feiern ihres von mir aus verdienten Premier-League-Titels. Großes Nationalkino, wie da landesweit bekannte Ehebrecher wie John Terry und Ashley Cole scheinheilig ihre Kinder auf den Londoner Meister-Rasen zerrten, um einen verlogenen Vatertag-Film für die ganze englische Familie zu inszenieren. Dann doch lieber infantile Weißbierduschen im Berliner Olympiastadion und einen von der Sitte in die Mordkommisson versetzten Eidinger mit aufmüpfigen Teenie-Gesten in Guttenbergs Truppe ermitteln sehen: «Ihr / kauft mir / den Schneid / nicht ab» (Guido Westerwelle).Polizeiruf: Zapfenstreich (Christoph Stark) D 2010
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Pro Dutschke
Haltungsfragen.
Kaum jemand hat ihn gesehen, aber Dutschke von Stefan Krohmer und Daniel Nocke, der am Dienstag gegen die Bayern antrat, war gar nicht schlecht, war mit ziemlicher Sicherheit die beste aller teamworx-Produktionen, wozu jetzt allerdings nicht viel gehört. Eine Dokufiktion, aber Film nutzt das dokufiktionale Format nur auf den ersten Blick ganz ähnlich wie Breloer. Anders als Breloer, der die Spielszenen und die Talking Heads einander tendenziell stützen und auf eine einzige Wahrheitsversion zielen lässt, bringt Krohmer die Interviews untereinander und dann auch die Spielszenenbilder noch einmal in andere als einheitliche Stellung zueinander.Es wird nie kriegerisch, was erstens daran liegt, dass Gaston Salvatore und Bernd Rabehl nicht direkt aufeinander losgelassen werden; wie Rabehl, die rechte Sau, Salvatore immer nur als Chauffeur tituliert, hat etwas auf Dauer freilich fast erheiternd Absurdes. Es liegt aber überhaupt eine Sanftheit über dem Film, die zum Gegenstand (Leidenschaft, Glaube, Hass, Mord und Totschlag) auf den ersten Blick gar nicht passen will. Diese Sanftheit ist Krohmers und Nockes Eigenart, nicht nur in diesem Film, und ich muss sagen, dass ich sie grundsätzlich mag. Vielleicht eine Spur zu hippiesk in der Haltung fürs studentenbewegte deutsche Volk; es ist aber doch immer auch eine Klarheit im Blick, im Gegeneinanderschneiden der Positionen, eine Klarheit, die durchaus etwas mit dem Aushalten von Widerspruch zu tun hat. Eine Rücknahme eher als der Verzicht auf einen eigenen Standpunkt. Krohmer und Nocke wählen eine Form von kluger Zurückhaltung, vor deren Hintergrund die Figuren umso deutlicher agieren.
Das gilt nicht nur auf der Ebene der Gesamtkomposition. Auch die Schauspielerführung funktioniert ähnlich; nie wird outriert, stets eher nur hingestellt als mit dem Hinstellen gleich noch etwas behauptet. Irgendwo zwischen behaupteter So-war's-Wirklichkeit und Verfremdungseffekt: in dieser Mitte liegt stets die Krohmer-Ästhetik, einer Mitte also auch zwischen, sagen wir, Nico Hofmann und Berliner Schule und weil die Mitte immer, aber nicht immer zu recht, als uncool gilt (dabei ist sie oft das, was am schwersten auszuhalten ist und von wo man dann doch am nächsten an widerstreitenden Positionen steht), gelten Krohmer und Nocke oft nicht recht viel.
Die Mittelposition, die Dutschke (der Film) impliziert, ist nicht nur eine der Offenheit für verschiedene Seiten. Sie verhält sich etwa auch zur Haltung eines Claudius Seidl, der als talking head ein paar Mal zu Wort kommt, diametral. Er ist ein beinharter Ideologe der Ironie und damit einer Meta-Positionalität, die sich zwar in Äquisdistanz zu anderen Haltungen wähnt, in Wahrheit aber einfach zerfressen ist von einer Unfähigkeit, etwas auf der Welt außer der Ironie ernst zu nehmen. Überzeugungs- und haltungslos ist Claudius Seidl - und damit das Gegenteil natürlich von Dutschke. Im Seidl-Relief wird aber umso klarer, wie offen und interessiert Krohmer und Nocke sind, offen dafür jedenfalls, Überzeugungen gelten zu lassen, oder jedenfalls das Geltenlassen von Überzeugungen für eine Option zu halten, ohne immer gleich dazusagen zu müssen, dass der Ironie aber auch gar nichts standhält.
Der Film ist noch ein paar Tage in der ZDF Mediathek zu sehen, außerdem ist die DVD bereits im Handel (Amazon-Link).
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Selling All of You to All of You
In your head.
Aus dem Blog Veitstänze von Denis K. (der mutmaßlich mit dem Denis K., der auch hier kommentiert, identisch ist), der Hinweis auf einen sehr interessanten Interviewausschnitt mit Dennis Potter (The Singing Detective) über die Verkaufe des Fernsehens im Speziellen und des Kapitalismus im Allgemeinen. Auch im Blog Veitstänze: eine Auseinandersetzung mit Stefan Ripplingers Kurosawa-Text in Cargo #5.
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That's a Good Girl
Die Kunst des Zwischenrufs.





Im Jahr 1966 erhielt der US-Filmemacher Joseph Strick (am bekanntesten wohl für seine Ulysses-Verfilmung) von der BBC den Auftrag, eine Dokumentation über die Kunst des politischen Zwischenrufs zu drehen. Das Ergebnis trägt den Titel The Heckler (Der Zwischenrufer) und ist in Adam Curtis' BBC-Blog in ganzer Länge von vierzig Minuten zu bewundern. Vieles daran ist interessant: der Blick auf eine sehr vergangene Zeit, justament vor 1968, also Teil einer politischen Kultur im Moment ihres Umbruchs. Die Dokumentation als Studie nicht zuletzt von Gesten und Haltungen. Auch die Einführung von Strick, der sich ausdrücklich als Ethnologe mit transatlantischem Außenblick versteht. Spannend zu verfolgen die Kommentare unter dem Blogeintrag, in denen unter anderem darüber diskutiert wird, wie weit die Kunst des Zwischenrufs heute noch verbreitet ist. Anlass des Postings ist übrigens, dass Joseph Strick (Jahrgang 1923) gerne ein "Remake" anlässlich der bevorstehenden Wahlen drehen möchte.
P.S.: Der charismatische Politiker mit dem Bart, mir bislang unbekannt, ist Gerald Nabarro, ein Konservativer, den Graham Chapman zum Beispiel in der Monty-Python-Folge It's a Living verkörpert, die man auf Daily Motion sehen kann (schon gleich zu Beginn, um die dritte Minute). Nabarro, sagt Wikipedia, löste einen Skandal und einen Prozess aus, als er oder seine Sekretärin in einem Kreisverkehr in die falsche Richtung fuhr. Während des Prozesses erlitt er Schlaganfälle und starb.
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Hamaca Paraguaya
Für Hängematten-Potatoes.
Heute im Fernsehen, bei Arte und sogar zu guter Sendezeit um 21.40 Uhr, Paz Encinas herausragender Film Hamaca Paraguaya, einer Meditation über den Krieg, das Alter, die Arbeit und vor allem das On und das Off. Es gibt einen Trailer auf Youtube, der durch die Musik aber einen irritierend falschen Eindruck vermittelt. Arte schreibt dazu: "Eine Hängematte in Paraguay" ist ein minimalistischen Film, der den Sehgewohnheiten im Kino entgegenläuft." Das mag sein, ist aber in diesem Fall entschieden ein Problem der Sehrgewohnheiten und nicht des Films.




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