02. September 2010, Woche 35/2010        Blog
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Aktuelle Ausgabe: CARGO Film/Medien/Kultur 06 vom 10. Juni 2010

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Inhalt

  • Golzow, DDR
  • Arte Varda Wiseman
  • Frederick Wiseman über "Boxing Gym"
  • Cannes: Frederick Wiseman?
  • That's a Good Girl
  • Systemperforation
  • Ein altes Versprechen
  • Heise Material Mediathek
  • Glückwunsch
  • Freiheitliche Demokratie
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CARGO Container: Dokumentarfilm

  • Golzow, DDR

    35mm Doku.

    02.07.2010, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm

    Kinder von Golzow

    Einen der Filme aus der "Kinder von Golzow"-Langzeitdokuserie, ich weiß nicht mehr welchen, hatte ich vor Jahren einmal gesehen und war doch mittel- bis extraschwer genervt von seiner Machart. Diese oft etwas paternalistische bis borderline-bösartige Fragetechnik von Winfried Junge, erst recht seinen Off-Kommentar fand ich nicht recht erträglich. Aus reinem Zufall und auf der Flucht vor allerlei Wulffiana blieb ich dann aber gestern Nacht beim im RBB ausgestrahlten Golzow-Film Da habt ihr mein Leben - Marieluise, Kind von Golzow hängen. Das war dann doch sehr interessant und wurde für meine Verhältnisse spät, weil ich einfach nicht ausschalten konnte. Man lernt wirklich sehr viel über die DDR in dem Film, kann sich davon überzeugen, was für ein hassenswertes Land sie dann doch recht schnell wurde, und insbesondere lernt man etwas über die furchtbare Verdruckstheit, die sie sogar bei den mutigeren unter ihren BewohnerInnen hervorgebracht hat. Daneben, darunter und das eigentlich Spannende: all die Unhinterfragtheiten des Alltags, die die Beteiligten dem Projekt natürlich selbst eher nicht anmerken und die das Leben in einer Wirklichkeit in seinen "wesentlichen Wesenselementen" (Christian Wulff) doch ausmachen.

    Dieser Film ist kein Gruppen-, sondern eines der seit den Neunzigern dann entstandenen Einzelporträt, in dem Marieluise von der damaligen Gegenwart (1995) aus immer wieder auch auf ihr bisheriges Leben und die Aufnahmen daraus zurückblickt. An ihrer Seite - allerdings in den Achtzigern auf Druck von oben bald unsichtbar - ihr Mann Steffen, vergleichsweise relativ streng DDR-gläubiger NVA-Offizier, der allerdings den Übergang in die Bundeswehr nach der Wende erstaunlich gut hinbekommt. Die Mauer fällt, kurz träumt man noch von einem dritten Weg. Sehr kurz. Die große Tochter tanzt im Friedrichspalast einfach weiter. Marieluises Vater, Melker, Querkopf, Christ, dann SPD-Mitglied, schafft es spielend, im einen wie im anderen System außerordentlich unbeliebt zu sein. Eigentümlich ist es, erst die schwarzweißen, dann die bunten Dokumentarbilder in bestem DEFA-35mm-Filmmaterial zu sehen. So sieht die Wirklichkeit im Dokumentarfilm, wie man ihn aus dem Westen kennt, nämlich nicht aus. 

    Erwähnt sei, dass in wenigen Tagen die Komplett-Box der Golzow-Filme bei absolutmedien erscheint (18 DVDs, 43 Stunden). Man kann sie dort auf der Website erwerben oder, wenn man uns und Amazon etwas Gutes tun will (doofes Junktim, ich weiß), deutlich günstiger auch beim leider immer hochprozentig abkassierenden Online-Versand.


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  • Arte Varda Wiseman

    Wir sind immer noch hier.

    23.05.2010, Ekkehard Knörer in: Aktueller Film, Dokumentarfilm

    Und wo ich gerade auf Arte+7 herumsurfe, bin ich noch auf dieses Duo gestoßen: Agnès Varda und Frederick Wiseman sprechen über den Dokumentarfilm als solchen, dann aber auch darüber, warum sie die Werke der/s jeweils Anderen bewundern. (Vermutlich nur noch heute zu sehen):


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  • Frederick Wiseman über "Boxing Gym"

    Quinzaine.

    22.05.2010, Ekkehard Knörer in: Aktueller Film, Cannes, Dokumentarfilm

    Frederick Wiseman über seinen neuen, in Cannes uraufgeführten Film Boxing Gym:


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  • Cannes: Frederick Wiseman?

    Boxing Gym.

    19.04.2010, Ekkehard Knörer in: Aktueller Film, Cannes, Debatte, Dokumentarfilm

    Ein anonymer Kommentator informiert uns, dass ein neuer Film von Frederick Wiseman in der Quinzaine (also dem dem offiziellen Festival von Cannes angelagerten Nebenfestival) zu sehen sein wird. Unplausibel ist das nicht. Es müsste dann Boxing Gym sein, ein Film, den Wiseman in einem, ja, klar, "boxing gym" in Austin, Texas gedreht hat. (Die Beziehung Wisemans zu Austin: Seine Frau Zipporah B. Wiseman hat an der University of Texas eine Jura-Professur.) Boxing Gym ist auch für die sich über das ganze Jahr erstreckende Wiseman-Retro am New Yorker MoMA bereits angekündigt. Der Anlass dieser Reihe ist im übrigen sehr erfreulich: Das Museum hat 36 neu gezogene Kopien von Wiseman-Filmen angekauft.


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  • That's a Good Girl

    Die Kunst des Zwischenrufs.

    08.04.2010, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Fernsehen, Politik

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    Im Jahr 1966 erhielt der US-Filmemacher Joseph Strick (am bekanntesten wohl für seine Ulysses-Verfilmung) von der BBC den Auftrag, eine Dokumentation über die Kunst des politischen Zwischenrufs zu drehen. Das Ergebnis trägt den Titel The Heckler (Der Zwischenrufer) und ist in Adam Curtis' BBC-Blog in ganzer Länge von vierzig Minuten zu bewundern. Vieles daran ist interessant: der Blick auf eine sehr vergangene Zeit, justament vor 1968, also Teil einer politischen Kultur im Moment ihres Umbruchs. Die Dokumentation als Studie nicht zuletzt von Gesten und Haltungen. Auch die Einführung von Strick, der sich ausdrücklich als Ethnologe mit transatlantischem Außenblick versteht. Spannend zu verfolgen die Kommentare unter dem Blogeintrag, in denen unter anderem darüber diskutiert wird, wie weit die Kunst des Zwischenrufs heute noch verbreitet ist. Anlass des Postings ist übrigens, dass Joseph Strick (Jahrgang 1923) gerne ein "Remake" anlässlich der bevorstehenden Wahlen drehen möchte.

    P.S.: Der charismatische Politiker mit dem Bart, mir bislang unbekannt, ist Gerald Nabarro, ein Konservativer, den Graham Chapman zum Beispiel in der Monty-Python-Folge It's a Living verkörpert, die man auf Daily Motion sehen kann (schon gleich zu Beginn, um die dritte Minute). Nabarro, sagt Wikipedia, löste einen Skandal und einen Prozess aus, als er oder seine Sekretärin in einem Kreisverkehr in die falsche Richtung fuhr. Während des Prozesses erlitt er Schlaganfälle und starb.


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  • Systemperforation

    Die große Fahrt der DDR-Kunst nach Paris anno 1990

    19.02.2010, Bert Rebhandl in: Dokumentarfilm, Geschichte, Kunst

    Strawalde malt

    Im Jahr 1990 hatten Künstler der DDR noch einen Begriff davon, was da gerade im Begriff war, aus der Geschichte zu verschwinden: eine „subversive Gegenkultur des Ostens“, eine „randständige“ Kultur, an der sich die Menschen in einer westlichen Metropole wie Paris schnell noch sattsehen wollten. 200 künstlerisch Schaffende wurden 1990 in die ehemaligen Schlachthöfe von La Villette eingeladen, viel Zeit zur Vorbereitung war da nicht. Die Schau hieß L’autre Allemagne hors les murs, das andere Deutschland, ohne Mauern. Christoph Tannert war der Ansprechpartner in der DDR, aus Frankreich hatte sich der linksradikale Journalist Maurice Najman gemeldet, gleich nach dem Fall der Berliner Mauer.

    Eine Gruppe von Filmemachern war damals mit der Kamera dabei, daraus entstand ein fünfzigminütiger Dokumentarfilm, für den heute Gerd Kroske (Der Boxprinz) als Autor genannt wird. La Villette hat diesen Moment eingefangen, in dem das andere Deutschland nach Paris fuhr, um dort die (hastig aufgebaute) große Bühne zu betreten: Maler, Tänzer, Musiker, Fotografen, eine Gruppe von „Autoperforationsartisten“. Jürgen Böttcher, der sich als Maler Strawalde nennt, ist die prominenteste Figur, er ist in seinem kleinen Atelier zu sehen und malt dann in Paris gleich viel großformatiger und live.

    Es ist spannend, die Liste der vertretenen Namen abzugleichen mit der Gegenwart von 2010: Klaus Killisch, Trakia Wendisch, Conny Hege, Michael Brendel, Volker Via Lewandowsky, Volker Henze, Allerleirauh, Helga Paris, Joachim Damm, … An einer Stelle kommt der französische Kulturminister Jack Lang und lässt sich durch die Ausstellung führen – man sieht, dass hier tatsächlich Systeme aufeinandertreffen. Gerd Kroske und die Leute der DEFA-Gruppe Kinobox, die La Villette unterschrieben haben, griffen auf Lautréamonts Gesänge des Maldoror zurück, um ihr Paris zu fassen, ein Paris, das durch das Imaginäre von Literatur und Film geprägt ist (George Franjus Dokumentarfilm über die Schlachthöfe, Le sang des betes, darf nicht fehlen), und das mit dem Prenzlauer Berg verwechselbar wird: Die U2 führt direkt nach Montparnasse.

     

    La Villette ist derzeit täglich um 20.30 in der Brotfabrik, Berlin-Weißensee, zu sehen.


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  • Ein altes Versprechen

    Heute beginnt die Dardenne-Retrospektive im Arsenal in Berlin.

    15.11.2009, Bert Rebhandl in: Dokumentarfilm, Politik, Regisseure, Termin

    Wie man von einem Film erfasst werden kann: gleich zu Beginn ein Kino der Körper, enge Kadrage, die Handkamera folgt dem Routine-Rundgang eines Mannes, der illegal eingewanderte Mieter in Zuhältermanier kontrolliert. Er reißt die Türen auf, die schmalen Unterkünfte geben ein Bild der Erbärmlichkeit, die darin aufgeschreckten Menschen sind dem respektlosen Blick und der Willkür ausgeliefert. Der Mann, begleitet von einem wendigen Halbwüchsigen, holt aus jeder Situation das Äußerste heraus: Von dem jungen Nordafrikaner, den er in flagranti mit einem Freier entdeckt, verlangt er eine zusätzliche Abgabe, ebenso von den türkischen Mietern, die ihre Freund beherbergen. Diejenigen, die sich über den desolaten Zustand der windigen Behausungen und über die mangelnde Kanalisation beklagen, verspricht er Abhilfe, ohne sich auf lange Diskussionen einzulassen.
    Der Effekt des fiktionalen Blicks auf ein Dispositiv der Kontrolle ist umso stärker, als dieses in einem an das Dokumentarische angelehnten Modus vorgeführt wird: Als "unvermittelte" Zeugen von Ausbeutung und Elend inmitten einer westeuropäischen Stadt werden die Zuschauer hier zunächst direkt adressiert.

    So beschrieb Christa Blümlinger 1997 in der Zeitschrift METEOR die Wirkung des Films La Promesse von Luc und Jean-Pierre Dardenne. Zwei neue Auteurs tauchten damals im Weltkino auf, ihre Bedeutung war unmittelbar zu erkennen, von Rosetta (1999) bis Le Silence de Lorna (2008) haben sie seither ihr Werk weitergeschrieben. In all diesen Jahren wusste man zwar von den frühen, dokumentarischen Filmen der Dardennes, zu sehen bekam man sie aber nie.

    An diesem Sonntag eröffnet nun das Arsenal in Berlin unter dem Titel REALISMUS REFLEKTIEREN eine Retrospektive der Filme von Luc und Jean-Pierre Dardenne, die zusammenbringt, was die Auswertungslogik der Arthauswelt getrennt halten muss: Wie sich die frühen Arbeiten zu den späteren Fiktionen verhalten, wie sich die Erzählung aus der Beobachtung heraus entwickelt, ob sich Bilder des latent Metaphysischen schon früh finden oder ob die Dardennes vielleicht tatsächlich nur leibliche Projektionsflächen für unser überschießendes kulturelles Wissen schaffen - zu all diesen Fragen gibt es im Arsenal im November das Grundlagenmaterial.

    Eröffnet wird am Sonntag, 16. November, mit La Promesse, davor läuft der Dokumentarfilm LORSQUE LE BATEAU DE LÉON M. DESCENDIT LA MEUSE POUR LA PREMIÈRE FOIS (1979), eine Bootsfahrt entlang der Monumente einer Arbeitswelt, die einst maßgeblich zur Schaffung des europäischen Reichtums beitrug und nun vor allem ein Erinnerungsort an alte Arbeitskämpfe ist.


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  • Heise Material Mediathek

    Jetzt online.

    10.11.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm

    Ich hatte nicht mitbekommen, dass Thomas Heises Film Material am Sonntag auf Arte zu sehen war. Das macht aber fast nichts, denn wozu gibt es denn die rund um die Uhr geöffnete Mediathek Arte+7. Dort ist entsprechend bis Samstag (nehme ich an) der Film, eines der nicht so vielen Highlights der diesjährigen Berlinale, noch vorrätig und gratis zu sehen. Was sich entschieden lohnt, in unserem CARGO-Jahresrating steht der Film derzeit auf Platz 4.


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  • Glückwunsch

    Verdient.

    09.11.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm

    Die Kollegen von Revolver (namentlich: Jens Börner, Benjamin Heisenberg, Christoph Hochhäusler, Franz Müller, Nicolas Wackerbarth und Saskia Walker) erhalten den erfreulicherweise auch noch dotierten (7.500 Euro) Preis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses der DEFA-Stiftung. Für ihr Zeitschriften-Projekt. Die DEFA-Preise für die Erwachsenen gehen im übrigen an: den Filmarchivar Wolfgang Klaue und die Dokumentarfilmer Helke Misselwitz, Gerd Kroske und Andreas Voigt.

    Wir gratulieren allen, besonders aber natürlich den Revolveranern. (Hier die Meldung, via parallelfilm.)


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  • Freiheitliche Demokratie

    Material.

    25.10.2009, Ekkehard Knörer in: Dokumentarfilm, Geschichte, Kunst, Politik

    Eine Zeitkapsel aus Originalbildern und -tönen: Klaus vom Bruchs Das Schleyer-Band (1977/78). Ein Remix von Fernsehbildern aus der Zeit rund um die Schleyer-Entführung; gegen die einschlägigen Nachrichten- und Politikerbilder geschnitten Musik, Werbefilme, Gespräche, Ansprachen und anderes. Faszinierend, jetzt bei UbuWeb:


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