CARGO Container: Animationsfilm
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RIP Satoshi Kon
Unter den Anime-Regisseuren nach Hayao Miyazaki (1941 geboren) und Mamoru Oshii (1951 geboren) war Satoshi Kon vermutlich der Größte. Dass er jetzt mit noch nicht einmal 47 Jahren an Krebs starb, ist ein wirklich schwerer Schlag. Gerade mal vier Filme und eine Fernsehserie hat er produziert und es gab allen Grund, sich auf jedes weitere Werk zu freuen. Hier der schon sehr schöne Anfang seines nun letzten Films Paprika, der in mancher Hinsicht das ist, was Inception geworden wäre, wäre Christopher Nolan nicht ein so fantasieloser Geselle:
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Aller guten Dinge
Venedig
Bis auf einen wurden heute die Wettbewerbstitel für Venedig bekanntgegeben. Zuvor schon gab es das Programm der nicht minder spannenden Nebenreihe Orizzonti. Wie stets in Venedig ist für jeden was dabei: Für den Freund der Avantgarde und anderer Nicht-Mainstream-Künste Neues von José Luis Guerin (eine Doku über Filmfestivals, die Guerin besucht hat ?!), Douglas Gordon, Patrick Keiller, Ken Jacobs und Peter Tscherkassky. In den Orizzonti außerdem die jüngsten Würfe von Catherine Breillat, Hong Sangsoo (sein zweiter Film 2010!) und Sono Sion. (Hier bei Mubi eine Übersicht.) Im Wettbewerb (Überblick) selbst: Die neuen Filme von u.a. Kelly Reichardt, Sofia Coppola (s. hier neulich), Vincent Gallo (sein halb schon in Cannes erwarteter geklauter Film), Monte Hellman (wirklich wahr!), Abdellatif Kechiche, Takashi Miike, Tsui Hark (naja, zuletzt nur ein Schatten seiner selbst) und Tom Tykwer (mit Drei nach Berlin zurückgekehrt).Vier der auf heimischem Platz von der Auslandspresse in der Regel gefürchtete Italiener dazu, von denen mir nur einer was sagt, Saverio Costanzo - dessen Vorgänger In memoria di me hat mir in Berlin vor ein paar Jahren allerdings sehr gut gefallen. Was schon wieder fehlt: Terrence Malicks Tree of Life, aber ein letzter Film ist für den 6. August avisiert, kann also noch werden. Oder nächstes Jahr in Berlin. Oder Cannes. Oder Jerusalem. Und hier noch der Anfang von vier Seiten von außerplanmäßigem Außer-Konkurrenz-Programm mit RegisseurInnen, deren - wie es da doch tatsächlich heißt - Bedeutung anerkannt ist. Dabei unter anderem Marco Bellocchio, Ben und Casey Affleck (letzterer mit der mysteriösen Joaquin-Phoenix-Doku), Mani Ratnam und John Woo. Klingt sehr viel versprechend, alles in allem.
P.S.: In einer Pressemitteilung gibt es Genaueres zu dem Tscherkassky-Film und einem ebenfalls gezeigten neuen Werk von Martin Arnold. Ich kopiere und paste:
SHADOW CUTS von Martin Arnold (A 2010, 35mm, 4:30 min)
Shadow Cuts (2010) betrachtet das Happy-End einer Cartoon-Sequenz im Rücklauf. „Wenn sich eine Maus in einen Hund verschaut, kann einiges geschehen“: Im flimmernden und schwarz flackernden Bild beginnen sich die Augen allmählich von dem lachenden Mickey und seinem Weggefährten Pluto zu lösen. Manchmal verschwinden sie zur Gänze. Den temporär erblindeten Figuren auf der Leinwand stehen temporär erblindete BetrachterInnen gegenüber. Auch ihnen zerbricht die Wahrnehmung in den Dunkelphasen der Projektion. (M. A.)COMING ATTRACTIONS von Peter Tscherkassky (A 2010, 35mm, 25 min)
Den avantgardistischen Film verbindet eine Seelenverwandtschaft mit dem frühen Kino – dem „Kino der Attraktionen“, wie die Filmwissenschaft es nennt. Damit ist der „exhibitionistische“ Charakter des frühen Films gemeint: Wir sehen die stolze Selbstdarstellung eines neuen Mediums, seiner (trick)technischen Möglichkeiten, die direkte Adressierung der Kamera, die unverblümte Kontaktnahme mit dem Publikum. Aber auch im Werbefilm haben sich solche charakteristischen Elemente des frühen Kinos bis heute erhalten. Auf humorvolle Weise spürt der Film Coming Attractions diesen verborgenen Bezügen nach; in elf Kapiteln zelebrieren die Coming Attractions die Trinität von Reklamefilm, Early Cinema und Avantgarde. (Peter Tscherkassky)
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MHT 12: 1906 & 1907
Tartans / Kohlenmädchen.

Der Film zeigt, was er kann. Farbe, Ton. Der frühe Film war nicht schwarz-weiß und er war nicht stumm. Oder, genauer: Der Eindruck, er sei beides nicht, ließ sich erzeugen. Die Farbe: Zunächst handgemalt, Bild für Bild, oder viragiert, also streckenweise eingefärbt, als Stimmungsmalerei. Daneben aber Versuche tatsächlicher Farbwiedergabe von Wirklichkeit. G.A. Smith, der britische Pionier, tat sich mit dem amerikanischen Experimentator Charles Urban zusammen und im Jahr 1906 entwickelten sie ein halbwegs funktionierendes Farbfilmsystem, genannt Kinemacolor. Es war technisch nicht unkompliziert, benötigte rotierende rot-grün-Filter sowohl bei der Aufnahme wie bei der Projektion - mehr dazu hier. Smith, der nach England exilierter Schotte war, hält sich bei der Demonstration der neuen Farbfilmkunst an das, was er kennt. Eine Musterprobe schottischer Clanfarben. (Also: Schottenmuster.) Was, mit heutigen Augen betrachtet, ganz verflixt nach einem Experimentalfilm aussieht, Farbfolgencloseups ohne verbindende Narration. (Eine Winkefrau als Nachgedanke.) Kein Wunder, denn im engen Sinn des Wort war es genau das: ein Experiment..
Der Ton ist älter. Edisons von W.K.L. Dickson entwickelter Kinetograph, Bewegtbilderfindung mit Ton vor Lumière & Co, war Bild plus Ton. Man hielt sich die Hörmuschel ans Ohr und sah im Sologerät den Film dazu. Die Synchronisierung freilich blieb mühsam, bis zur Entwicklung von Lichttonverfahren, die sich - obwohl schon Anfang des Jahrhunderts erfunden und zu Beginn der 20er Jahre umsetzbar - erst in den 30ern durchzusetzen begannen. Direktton war lange technisch unmöglich und noch viel länger sehr schwierig- denn da hätte das Tonaufnahmegerät im Bild sein müssen (wie hier, im wohl frühsten Tonfilm aus dem Jahr 1894). Schon deshalb haben die Tonfilme der 00er Jahre selten Spielsznen, sondern sind hinterher synchronisierte Musikfilme. Gerade in Deutschland war das ein sehr beliebtes Genre in den frühen Kurzfilmprogrammen. Im folgenden einige Ausschnitte, etwa mit den Schauspiel- und Operettenstars Fritzi Massary und Joseph Giampetro und dem Lied "Komm du kleines Kohlenmädchen" - eine Produktion (von 1907?) des Film- und Kinopioniers Oskar Messter, der diese "Tonbilder" für Deutschland erfand. (Wird ja auch alles erklärt von der Erklärerstimme.) Und danach noch, in Frontalstellung vor Bühnenbild-Dekor und mit dem Understatement abgneigter Gestik, eine Interpretation der Marseillaise:
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Radio Sehen
Biegsames Holz.
George Pal, nachmals ein großer Name in der Hollywood-Science-Fiction (Krieg der Welten), war in erster Linie ein Mann der Fantastik. Zuerst einmal allerdings als begnadeter Animationsfilmer, wie am folgenden fünfminütigen Werbefilm zu sehen, den er 1938 für Philips-Radio produziert hat. Man glaubt es nicht, wenn man es sieht - aber die animierten Figuren sind aus Holz geschnitzt.
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Wertow als Animationsfilmer
Fundstück.
Das Chicagoer Kino und DVD-Label Facets hat ein Blog, in dem es jeden Tag ein Fundstück von Youtube gibt. Zuletzt einige osteuropäische Animationsfilme, von denen mir, muss ich gestehen, auch der heute eingebettete, nämlich Soviet Toys von Dziga Wertow bislang unbekannt war. (Besonders hübsch: Zweimal gibt es darin Werbung für die frisch gegründete Goskino, am Ende sogar mit eingeblendeter Telefonnummer. Obwohl sie nicht mit 555 beginnt, sind die Aussichten, Wertow an die Strippe zu bekommen, allerdings wohl eher gering.):
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No. No.
Übergänge.
Ist das ein Essayfilm? Narrativ? Dokumentarisch? Oder einfach schizophren? Was wir sehen: Zwei Plansequenzen, Unwirtlichkeit einer Stadtlandschaft, Treppen, Aufgänge, Übergänge. Eins: Ein Blick in Bewegung, die nicht schönen Häuser, die Autos, die Straße, ein Nicht-Ort. Der Aufenthalt ist nicht von Dauer, der Blick geht in die Weite, hält sich nirgendwo fest und scheint doch Anflüge von Souveränität zu behaupten im Rundumgang. (Er kommt aus dem Wasser, er endet auf dem Asphalt). Zweiter Teil, zweite Plansequenz: engerer Gang, gesenkterer Blick, Wände, der Zaun, Grenzen scheinen gesetzt und doch geht es weiter.
Wie passt, das ist die Tausend-Dollar-Frage, die Off-Stimme zum Bild? Unterscheiden wir zwischen Teil eins und Teil zwei. In Teil eins berührt das eine das andere zum Schein kaum. Ein Mann beginnt mit philosophischen Überlegungen zur eigenen - nicht in erster Linie sexuellen - Promiskuität. Er sagt also, aus recht weiter Entfernung zunächst auf sich blickend: Ich. Ums Sich-Binden geht es dann, Fotos von Tätern, die einer (ein anderer) abreißt und Katzen (echter Verlust). Hier, in den Bildern verlorener Katzen, ein Sich-Binden, das ungefähr das Gegenteil wäre jenes Verhältnisses, das man zu Nicht-Orten hat wie denen, durch die die Kamera - wofür und für wen immer sie steht - sich bewegt.
Schockartiger Auftritt eines Datums. Am 11. Dezember. Das Ich und seine Paranoia der Unbesiegbarkeit. Was dieses Ich so alles über sich weiß. Aber warum berichtet es so überaus nüchtern, in beinahe klinischer Sprache von sich und seinen Pathologien? Mit dem Datum schnurrt es zusammen. Eine Erzählung beginnt zu entstehen. Von Bekenntnis und Analyse und Aphorismus zur Tat, die erzählt wird. Drei Monate Gefängnis (vorüber), drohender Jobverlust (Euphorie), Schulden (Vision hoffnungsloser Leere). Es war halbvier Uhr. Das Wollen dessen, was man gar nicht will. Das Gebundensein in die im Ich vergesellschafteten Wünsche. Einmal Nein. Zweimal Nein. "No." "No." Un moment decisif, vielleicht, 8'4'': Das Bild und die Off-Erzählung nehmen expliziten Kontakt auf. Ich öffnete eine weitere Dose und blickte auf die North Circular. (Ich gehe jetzt, von der Suggestion der Verbindung angestiftet, davon aus: Was wir sehen, ist die North Circular.)
Ende Teil eins. Wieder Musik. Eine Kriminalgeschichte nimmt ihren Ausgang und das Verhältnis zwischen Bild und Ton wird nun, im zweiten Teil (über den ich ansonsten schweige) intrikater. Momente klarer Deixis, die zugleich fehlgehen. Man sieht den Zaun, aber nicht den Hund. Referenz, ja, aber wegglitschend. Ein ähnliches Verhältnis zwischen dem Gesehenen und dem Gehörten kenne ich nur von Gerhard Friedl. Ich kann nur davor warnen, diesen Film zu unterschätzen. Er heißt Stonebridge Park, dauert knapp zwanzig Minuten, ist von Patrick Keiller, dessen Robinson in Space sehr berühmt ist, und entstand 1981.
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Asia Filmfest
Hinweise (erbeten).

Asiatisches Kino geht in deutschen Kinos, mit wenigen Ausnahmen: gar nicht. Und sogar in ambitionierten Videotheken, höre ich, liegt vieles, gerade Filmkunst, aus Asien, wie Blei. Wo die reguläre Zirkulation nicht mehr funktioniert, muss die Eventkultur weiterhelfen. Bevor dann Anfang des nächsten Jahres (vom 13. bis zum 18. Januar) das erfreulich ambitionierte und entdeckungsfreudige Asian Hot Shots Festival in Berlin in die nächste Runde geht (Focus: Indonesion), versucht das aus München leider auf zehn Filme dezimiert anreisende Asia Filmfest im Berliner Zoo-Palast ausrufungszeichenfreudig sein Blockbuster-Glück: "Ein Fest für die Sinne! Ob historische Epen, Klassiker, Meisterwerke, Animes, packende Dramen, rasantes Actionkino oder knallbunte Comedy: Es ist für jeden Geschmack etwas dabei!" Und es stimmt schon, für mich ist zum Beispiel Johnnie Tos Vengeance dabei (Samstag um 20.15 Uhr) Red Cliff von John Woo kenne ich schon: ein Historienspektakel, das die Welt nicht bewegt, aber mit Liebe zu ausinszenierten Nebensachen problematisch-interessante hanchinesisch-panasiatische Verbrüderungsgesten versucht. (s. auch das Starsystem in CARGO #2) Potenziell interessant scheinen mir Chris Nahons Blood: The Last Vampire und Takashi Miikes Crows Zero II. Sachdienliche Hinweise und Tipps nehmen wir in den Kommentaren gerne entgegen.
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Definitiv empfehlen kann ich hingegen ganz pauschal die am Freitag startende Retrospektive der Filme von Hayao Miyazaki. Den neulich in einer hier kurz verlinkten Bestenliste auf Platz eins aller Animationsfilme gelandeten Mein Nachbar Totoro gibt es am Sonntag um 19 Uhr. Aber jeder Film von Miyazaki ist den Besuch wert.
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Twin Peaks, Empty Rooms
Menschenleer.
So sähe Twin Peaks aus, wenn es Candida Höfer fotografiert hätte. Etwas unheimliche Bildserie mit Snapshots der Räume in Momenten, in denen kein Mensch im Bild ist. (via)




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