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Neue Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 35
vom 22. September 2017

CARGO 35 Cover, CARGO 34 Cover,

Thema/Reihe Berliner Weltkino
Container vom 12. Januar 2017 von Ekkehard Knörer

Berliner Schule, schnipp-schnapp

Nein, das geht so nicht. Einen faden, einfallslosen, ungenauen, dahergelaberten, lieblos gemachten Talking-Heads-Film über die "Berliner Schule" (wenn wir so sagen wollen) drehen. Denn das sind die Filme, um die es geht, nicht, was immer man sonst gegen sie haben will oder nicht: fad sind sie nicht, einfallslos nicht, ungenau nicht, dahergelabert nicht und erst recht sind sie nicht lieblos gemacht. Natürlich: Man kann Christian Petzold immer ins Bild setzen, irgendwie so, und er redet intelligente Sachen, kann gar nicht anders. Aber er sagt nur ein paar Sätze, dann ist wieder Schluss. Man kann Angela Schanelec immer ins Bild setzen, irgendwie so, und man sieht, wie sie denkt, und das heißt bei ihr, sich auf ein Problem einzulassen, sich in ein Problem zu verbeißen. Aber sie verbeißt sich nur kurz, denkt nur einen Gedanken, und darf den nicht mal zu Ende denken, dann ist wieder Schluss. Man kann mit Thomas Arslan durch Kreuzberg laufen wie in kreuzdummem Kulturzeit-Bebilderungsquatsch, kann man machen, aber das zeigt, dass man wirklich gar nichts kapiert hat davon, wie die Regisseurinnen und Regisseure, um die es geht, über die Welt nachdenken, die sie in jene Formen bringen, die ihre Filme dann sind. Dazu auf der überflüssigen Erklärspur nichts erklärender Ex-negativo-Unfug, der was von Authentizität faselt und mal wieder Gefühle vermisst, dazu eitel Rainer Gansera als visuelle Erklärspur, die mir dafür umso ungutere Gefühle verschafft. Und immer so: Schnipsel, Schnitt, weiter. Filmausschnitt. Satz. Dominik Graf sitzt blöd schräg im Bild. Sagt ein paar Sätze, kommt auf sein "Schneewittchenfilm"-Verdikt zurück und man merkt doch, dass er dazu noch etwas sagen will, dass er da im Gespräch noch etwas gesagt hat, dass da noch ein Gedanke kam, aber mit Gedanken will dieser Film nichts zu tun haben, also schneidet er das ab, wie er so vieles, schnipp-schnapp, an- und dann einfach abschneidet. Schade drum, richtig schlechte Laune macht das.

Den Film kann noch fünf Tage lang in der Arte-Mediathek sehen, wer unbedingt will.


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