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Neue Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 40
vom 14. Dezember 2018

CARGO 40 Cover, CARGO 39 Cover,

Serie
Container vom 30. November 2014 von Ekkehard Knörer

Serienheft Countdown IV: Happy Valley
Am 18. Dezember erscheint unser alljährliches Serienheft. Hier ein Countdown mit Serien, die den Cut nicht geschafft haben.

Happy Valley, 1. Staffel, 6 Folgen,  BBC One, 2014, Sally Wainwright

 

Ein Vergleichsstück zu Broadchurch: Den Namen gibt eine Kleinstadt in der englischen Provinz, hier ist es Yorkshire. Der Name selbst, Happy Valley, ist weiß Gott ironisch zu nehmen. Apropos Gott: Seinem Blick nah die Einstellung ganz zu Beginn, dann immer wieder die Blicke von oben und draußen, die das psychosoziale Kleinklein, um das die Krimihandlung sich dreht, durch den Kontrast nur umso stärker akzentuieren. Sehr viel weniger als in Broadchurch wird hier ein Mikrokosmus lustvoll entfaltet, sehr viel stärker ist die Konzentration auf die Hauptdarstellerin, eine nach einer Auszeit ins Glied gerückte Polizistin, Catherine Cawood, dezidiert Middle Age, fulminant gespielt von Sarah Lancashire, traumatisiert. Es gibt so wenige heitere Serienpolizisten, ein Jammer. Aber Grund zur Heiterkeit hat auch Catherine nicht: Ihre Tochter hat sich erhängt, nachdem eine Vergewaltigung ihr Leben zerstörte. Der Sohn, der bei dieser Vergewaltigung gezeugt wurde, lebt nun bei der Großmutter, die hadert: mit sich, dem Sohn, der Tochter, der Welt. Aus dem Knast kommt nun der Vergewaltiger, den sie ingrimmig hasst, dem sie alles zutraut, vor allem das Schlimmste. Und in der Tat: Er ist das Böse, sozialpsychologisch herleitbar, aber das Böse so ziemlich schlechthin. Sogleich wieder verwickelt in Kidnapping, Drogengeschäfte, Vergewaltigung, Mord. Und wieder rückt das Verbrechen ihr nahe, allzunahe. Als kleine Nebendissertationen zur Frage, wie es kommt, dass einer in die Dienste des Bösen tritt, figurieren drei Männer, die Täter und Mittäter sind: der abgebrühte Organisator mit Kontakt zu höheren Ebenen, ziemlich schnell aber auch in over his head; ein Angestellter, der sich zu kurz gekommt wähnt; und ein eigentlich moralisch ganz aufrechter junger Mann, der eher des Geldes wegen in den Kriminalzusammenhang gerät, aus dem er nicht mehr herauskommt, als sich alle Stricke zuzuziehen beginnen. Was Happy Valley tut, tut es gut. Britisch hart, auf gängigen Genretopoi verdichteter Sozialrealismus. 


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