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Neue Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 40
vom 14. Dezember 2018

CARGO 40 Cover, CARGO 39 Cover,

Serie
Container vom 4. Dezember 2014 von Ekkehard Knörer

Serienheft Countdown V: Olive Kitteridge
Am 18. Dezember erscheint unser alljährliches Serienheft. Hier ein Countdown mit Serien, die den Cut nicht geschafft haben.

Olive Kitteridge, 4 Folgen, HBO, Lisa Cholodenko, 2014

Olive Kitteridge

 

Olive Kitteridge (Frances McDormand) ist keine angenehme Person. Nicht für ihre Schüler, nicht für ihren Ehemann, nicht für ihren Sohn. Sie ist nicht warm, nicht verständnisvoll, trifft nicht den richtigen Ton, ist bar aller Großzügigkeit, sie rülpst, sie erträgt Nähe und Wärme nicht; wenn ihr jemand, zum Beispiel der Ehemann, freundlich kommt, wendet sie sich ab. Olive Kitteridge ist das Porträt dieser Frau, über rund 25 Jahre hinweg, Lisa Cholodenko hat alle vier Folgen gedreht. Schauplatz ist eine Kleinstadt in Maine, in der Olives Ehemann (Richard Jenkins) die Apotheke betreibt. Über die junge Angestellte hält er seine schützende Hand, beziehungsweise eigentlich wirft er ein Auge auf sie, beides, er ist ein freundlicher Mann, der die schneidenden Bemerkungen seiner Frau - nicht nur über die "Maus", als die sie die Angestellte verhöhnt - duldend erträgt. Die Serie blickt nicht mit Empathie auf ihre Heldin, der Empathie fremd ist. Übrigens auch Empathie für sich selbst: Einzig in anderen Unglücksfiguren findet sie sich wieder, in sie ist die Selbsterkenntnis ausgelagert, als Mitgefühl, während sie über sich selbst nicht freundlicher als über andere spricht. So rettet sie einen Mann, der sich umbringen will. Sich selbst erlöst Olive damit aber nicht. Lisa Cholodenko inszeniert das, von etwas merkwürdigen CGI-Halluzinationen zwischendurch abgesehen, insgesamt sachlich. Es gibt hier und da melodramatische Spitzen, erratische Sprünge, ein erratisches Verhältnis zur erzählten Zeit und - in Maßen - zur erzählten Figur, die sehr stachlig bleibt. Ob man das glaubt, ob man Olive erträgt: Das steht und fällt mit Frances McDormand, die ihre Sache eindrucksvoll macht. Sie gibt der Figur Ungeduld im Gesicht und im Körper. Sie ist schnell, harsch, hart, aber dass sie manchmal gerne anders wäre, das spürt man auch. Als wäre sie gerne nicht die, die sie ist; ein Staunen über diese Person, die dann doch sie selbst sein muss, denn wer wäre sie sonst. Am Ende schenkt die Serie ihr etwas Frieden. Eine großzügige Geste, die Olive selbst eigentlich fremd ist. Die letzte Konsequenz fehlt. Aber unglücklich ist man darüber nicht.


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