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CARGO Film/Medien/Kultur 30
vom 24. Juni 2016

CARGO 30 Cover, CARGO 29 Cover,

Serie
Container vom 19. März 2013 von Ekkehard Knörer

Weltmarktführer im Büßen
Zu «Unsere Mütter, unsere Väter»

Manche Dinge, die einem vorgesetzt werden, sind ja so evident dumm und rundum nicht satisfaktionsfähig, dass man die Schulter zuckt und sich lieber mit dem nächsten Schönen, Wahren und Guten oder doch wenigstens dem auf interessante Weise Verfehlten befasst. Genauer gesagt sind sehr viele Dinge so, quasi die meisten. Was das ZDF grade mal wieder in seinem History-Wahn präsentiert, eine dreiteilige Serie namens Unsere Mütter, unsere Väter ist von der Sorte. Eine Nazi-Oper, die ein bisschen schuldbewusst tut, indem sie fünf junge Deutsche Richtung Ostfront befördert und dort zusehends weniger edel und aufrecht und hilfreich sein lässt - die in Wahrheit aber nur mal wieder die alte Mär vom bösen Krieg und noch böseren Hitler erzählt, der die Nation überfiel und aus im Grund ihres Herzens guten Deutschen beinahe fast so etwas wie böse Menschen werden lässt. Verteufelt moralisch das ganze. Mit dem üblichen musikalischen Dauerschrumm, mit gelegentlichen Parallelmontagen stur runtererzählt, die sehr moderat wackelnde Kamera tut ein bisschen so, als orientierte man sich an avancierten US-Fernseh- und Kinoformaten. In Wahrheit bleibt das alles davon aber Welten entfernt, da mag der Kugelhagel noch so rundumvertont und virtuos sprützen. Es ist ganz und gar das drin, was auch draufsteht: nämlich Nico Hofmann und seine Produktionsfirma teamworx, die ihre Verdienste haben mögen, sich die Welt, wenn es um Historisches geht, aber verlässlich und unter wildem Spektakelgetöse an fünf Fingern abzählen.

Also ganz der übliche Schmonzettenrotz, mit Schtzngrmm und Krankenschwester und intellektuell und sowieso knapp überm filmdramaturgischen und geschichtserzählerischen Analphabetentum. Ignorierte man besser weg, drehte nicht die Journaille am Rad. Frank Schirrmacher sieht, oberpathetisch wie stets, die letzte Chance zur Generationenversöhnung durch Vergangenheitsaussprache. Mit Formulierungen wie "Selten zuvor beispielsweise hat man so sehr verstanden..." oder "Und eigentlich noch nie hat man so klar sehen können" adelt Schirrmacher das Klippschulfernsehen auf eine Weise, die man eigentlich nur mit Umnachtung irgendwie entschuldigen bzw. nur mit seiner bekannten Quartals-National-Schuld- und Schande-Besoffenheit erklären kann, deren logische Folge der nächste Courage-Bambi für wen der Beteiligten auch immer sein dürfte. Burda ist da sicher zu Diensten.

Aber gut, Schirrmacher nimmt eh keiner ernst. Könnte man also weiter ignorieren, wäre da nicht, und zwar flächendeckend, der Rest, dem die Ansicht des Machwerks offenbar den Verstand weggeschossen hat. Nikolaus von Festenberg gibt im Tagesspiegel den Franz Josef Wagner der Fernsehkritik und preist mit höherer Quatschdialektik den faktischen Unsinn des Films: "Zur historischen Wahrheit im fiktiven Fernsehen gehört neben Faktentreue auch eine kleine Rebellion gegen die Fakten, die trotzdem der Wahrheit dient." In der FR/Berliner Zeitung macht Klaudia Wick deutlich, dass sie vom amerikanischen Serienwesen so wenig begreift wie vom deutschen, indem sie letzteres schamlos mit Rotz wie dem vorliegenden im selben Atemzug nennt. In der Süddeutschen und der Welt wird eifrig mittremoliert und Jürn Kruse in der taz klingt, als habe er den Film noch gar nicht gesehen, aber man kann ja schon mal groß einsteigen mit einem sehr PR-nahen Vorabbericht.

Es fragt sich angesichts dieser wahrlich beeindruckenden Rundumversorgung mit Desinformation dann doch wieder manches. Wollen, können oder dürfen die versammelten Fernsehkritikernasen nicht sehen, was ihnen da präsentiert wird? Oder anders: Was zum Teufel sehen die da? Nun, zum einen sehen sie natürlich die 14 Millionen, die da an deinem und meinem Geld (10 Mio Fernsehgebühr, 4 Mio Filmfördergelder) drin stecken. Das sind, rechnet man es in die im deutschen Fernsehen übliche Währung um, genau 10 Tatorte, wenn auch nicht mit Til Schweiger, der ja eine TV-Zonenzulage gekriegt hat. Da kann man Schlachten so schlagen, dass das Werbefilmerherz hüpft und irgendwie hüpft die Fernsehkritik, die tagein tagaus handwerklich fast nur noch erbärmlicher Gemachtes sieht, dann eben mit. (Das muss man zur Ehrenrettung doch sagen: Kein Filmkritiker durfte oder wollte irgendwo über den Dreiteiler schreiben. Die Maßstäbe sind bei der Fernsehkritik andere. Das macht sie ja auch in weiten Teilen unlesbar.)

Näher kommt man der Erklärung sicher durch die nähere Betrachtung dessen, was an Unsere Mütter, Unsere Väter am allerdämlichsten ist, der Dialoge und des Off-Erzählertexts nämlich. Was da aus den Mündern der keineswegs unbegabten Darsteller purzelt, ist nicht einfach nur dead on arrival. Das auch. Vor allem aber wird immer alles schön ausbuchstabiert. Ohne Subtext, ohne Witz, ohne Gefühl oder Sinn, das sowieso, für die historische Sprache. Im Grunde leistet das Drehbuch von Stefan "Der Kopf, aus dem die Bilder kommen" Kolditz nur eins, das aber überaus gründlich: Es verliert für keinen Moment die Schulbücher aus den Augen. Man kann eigentlich jede Szene, jeden Satz, jedes Wort so erklären, dass es nur um dies eine ging - ein fiktionalisiertes Geschichtsbuch für die Oberstufe Wort für Wort zu verfilmen. Das macht die Sache natürlich handlich. Aus dem Off wird zur Orientierung 1:1-Text vorgetragen. Und die Szenen sind Bild für Bild ausschließlich Illustration. Das hat mit Didaktik alles und mit Kunst nichts zu tun.

Kein Wunder, dass die Kritik so gern und überaus ausführlich drüber schreibt. In einem Land, in dem Ambiguität (vgl. Hart aber Fair von neulich) ein schmutziges Wort ist. In dem ein Typ wie Dieter Kosslick mit seinem lächerlichen Begriff von politischem Kino nicht einfach verlacht wird. In dem alle es lieben, wenn ihnen ambivalente Charaktere mit aller Eindeutigkeit als solche ein- und vor- und hingehämmert werden. Unsere Mütter, unsere Väter ist ein von jeder inneren ästhetischen Spannung befreites Volkserziehungsunternehmen. Dafür ist Geld da. Bei sowas steht das versammelte Feuilletonwesen Nationalhymne bei Fuß. Man identifiziert sich aber sowas von hundertprozentig mit der didaktisch-erzieherischen Intention. Der böse Krieg unterm bösen Hitler ging unter unseren Müttern, Großmüttern, Vätern und Großvätern wohl verloren. Schlimmer noch: Wir sahen nicht gut aus dabei. Wäre aber gelacht, ließe sich da nicht nachträglich noch etwas machen. Schließlich sind wir Knopp (und teamworx) sei Dank das historisch besterzogene Volk der Welt. Weltmarktführer quasi im Büßen. Und da haben wir ihn dann wieder: Unseren moralischen Sieg. So viel Verlogenheit sollte man besser wirklich nicht ignorieren.

P.S.: Wenngleich irgendwann ausschalten sollte man schon. Ich habe genau die Hälfte der 3 mal 90 Minuten gesehen. Strafe genug.


17 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • opa war kein nazi, 19.03.2013 10:29

    die begeisterung des faz-feuilletons hat übrigens überhaupt nichts damit zu tun, dass dessen leiter mit der verantwortlichen «Hauptabteilungsleiterin Fernsehfilm/Serie II des ZDF» (das ist deutschland) verheiratet ist (sauber aufgearbeitet auch hier: http://weblogs.evangelisch.de/weblogs/altpapi...)

  • jörg nijmeijer, 19.03.2013 12:01

    viel übler als das hier angeprangerte "oh gott, der zdf primetime dreiteiler ist nicht künstlerisch genug!" ist mir ja das mal wieder vermittelte geschichtsbild aufgestossen.
    zumindest in den 45min, die ich durchgehalten habe.
    wir waren ja eigentlich die guten, mal wieder war der beste kumpel jude, wir haben lieber hesse gelesen als die armen russen zu erschiessen, haben lustig-naive dinge geglaubt wie "der krieg ist bald vorbei" und "das reich hält ewig", der gestapo-mann war der einzig böse weit und breit, usw usf
    da kann sich doch prima identifizieren.

    und ganz gewagte vermutung:
    danach wird man zeuge, wie sachzwang und umstände die netten freunde zu schlimmen dingen zwingen?
    die können einem ja richtig leid tun. so nett waren sie und soviel spass hatten sie.

  • ines h., 19.03.2013 15:40

    ich kann die argumentatin nachvollziehen (auch wenn ich sie so nicht ganz teile).
    mir fehlt in dem artikel aber eine conclusio. was wäre denn eine adäquate form, um im ZDF um 20.15h das thema 2. weltkrieg zu behandeln? wie könnte ein innovatives (fiktionales) format darüber aussehen? durch welche erzählung könnte man ein modernes geschichtsbild transportieren? oder sollte man es gar nicht versuchen?
    (das sind keine rethorischen oder ironisch gemeinten fragen von mir, ich würde wirklich gerne vorschläge dazu lesen.)

  • Christoph Hochhäusler, 19.03.2013 15:54

    Untersuchenswert ist ja doch vor allem die „Gleichschaltung”, also welche Abhängigkeiten und Echo-Effekte unser Mediensystem strukturieren. Da spielen Netzwerke eine Rolle, aber natürlich auch Besitzverhältnisse. Die Medien-Deutschland-AG ist eine Realität, der es immer wieder gelingt, aus dem Bewusstsein zu verschwinden. Nico Hoffmann macht es sichtbar wie zuvor nur sein Idol Bernd Eichinger.

    Was übrigens den Bezug zu amerikanischen Serien betrifft: die Macher nennen als Referenzpunkt die Spielberg-produzierte Serie BAND OF BROTHERS (2001) was dann doch nicht ganz so weit hergeholt ist.

    Christoph

  • Ekkehard Knörer, 19.03.2013 16:16

    @ines h.: Tut mir leid, aber das klingt für mich alles nach so typischen RedakteurInnenfragen. Wenn man sich schon vornimmt, "das Thema 2. Weltkrieg zu behandeln" (sorry, aber allein die Formulierung), dann ist doch schon alles verloren. Weil dann kommt Volkserziehung dabei raus. Gute Filme oder Serien entstehen nicht so, dass ein Redakteur sich fragt, wie mache ich jetzt mal was ganz Originelles zu Hitler. Oder zu den Nazis. Oder zum Dritten Reich. (Und, meine Güte, wie soll ich mich bei der Auswahl nur entscheiden...) Wer etwas "transportieren" will, ist außerdem schon verloren. Denn der (oder die) holt dann auch die Zuschauer da ab, wo sie sind, nämlich auf dem untersten Verständnisniveau, und mutet ihnen dies oder das nicht zu, weil man es so noch nie gemacht hat, also jedenfalls nicht um 20 Uhr 15.

    Auch das Wort "innovativ" ist doch reiner Marketingsprech. Darunter kann sich alles und nichts verbergen und mutig und ehrlich und unerwartet und auf der Höhe der Gegenwart sind Sachen, die all das auf konkrete Weise sind und nicht, weil sie sich irgendwelchen Marketingformulierungen und Sendersprech undsoweiter anzupassen versuchen. Konkret kann ich nur empfehlen, die aktuellen Interviews mit Dominik Graf im bei Synema erschienenen Band und in der Splatting Image zu lesen. Da erfährt man sehr gut, wie es im Fernsehen manchmal sogar um 20 Uhr 15 zu Dingen kommt, die gelingen. (Und jetzt habe ich so lange geschrieben, ohne dass das Wort Quote vorkam. Sehr gut.)

  • Ekkehard Knörer, 19.03.2013 17:32

    @christoph: In "Band of Brothers" habe ich es zugegeben auch nicht weit hineingeschafft; eine andere Liga ist das aber schon, nicht nur handwerklich. Da ist wenigstens eine Lust, sich auf Figuren einzulassen - davon ist bei "UMUM" einfach überhaupt nichts zu spüren. Alles bloße Behauptung, alles Schulfunk.

    Was die "Gleichschaltung" betrifft (den Begriff habe ich mit Absicht vermieden), durchschaue ich das schlicht und ergreifend nicht. Da kommt sicher Unterschiedliches zusammen: ein bei Machern und Kritik ziemlich vereinheitlichter Geschmack mit seinen themenfixierten inhaltistischen Qualitätsideen; Freundschaften und Netzwerke und Einflusssphären und gegenseitige Abhängigkeiten, von denen die Hempel-Minkmar-FAZ-Connection sicher zu den harmloseren gehört - und zuletzt sicher auch direkte Einflussnahmen, gemeinsame Veranstaltungen, Termine, Hände, die andere Hände waschen, vorauseilender und tatsächlicher Gehorsam, gemeinsame finanzielle und politische und ideologische Interessen. Dass es sich aber mal wie in einem Eisenspänefeld so akkurat gleich ausrichtet, hat man in der Tat selten. Mein vielleicht naiver Verdacht ist aber, dass der erste Punkt da mindestens so wichtig ist wie die anderen. Vermutlich hat kaum ein Redakteur oder Autor explizite Anweisungen gekriegt, was er zu schreiben hat. Dass ohne große Diskussion maximal viel Platz eingeräumt wird, dass sich von selbst versteht, dass man so ein Prestigeprojekt nicht in die Pfanne haut usw: Das sind vermutlich eher die Mechanismen, die da greifen.

  • simon rothöhler, 19.03.2013 23:59

    das schlimmste daran: es ist embedded fernsehfilmmachen, auftrittsrampe für sendungen wie eben «markus lanz», wo arnulf baring ungeohrfeigt sagen darf, dass niemand irgendwas gewusst habe und christiane paul das parallelmärchen von der sofort entnazifizierten ddr vor sich hin stammelt. das leben ist wirklich eine baustelle. ansonsten: man kennt das muster von «dresden» und «gustloff» und ekkehard hat natürlich recht, dass man das eigentlich nicht einfach aus purem angewidertsein ignorieren sollte. vorbildhaft insofern gestern daniel cohn-bendit bei «maybritt illner», der wahrscheinlich in den 60er jahren auch nicht gedacht hat, dass er 2013 nochmal in einer deutschen talkshow sitzen und auf den kategorialen unterschied zwischen einem us-soldaten in der normandie und einem wehrmachtssoldaten im osten hinweisen muss. da haben dann alle dumm geguckt und dann wurde dieter thomas heck wieder das wort erteilt.

  • agathos, 20.03.2013 01:40

    «Die Täter waren Opfer und die Opfer waren Täter» als zentrale Botschaft des Films, so Baring bei Lanz. Alles wird so lange 'differenziert', bis es nur noch Opfer gibt. Er relativiert auch ausdrücklich die Begriffe Opfer- u. Tätervolk (hier nachzusehen: http://is.gd/eotDyw).

  • roadrunner, 20.03.2013 11:15

    Mindestens so überorchestriert wie die beklagte Filmmusik: Die Diffamierung des Ganzen als quasi-totalitäres Projekt ("Volkserziehungsunternehmen", "Nazi-Oper"), das Von-oben-herab-Abkanzeln von jeglichem nicht rein-ästhetisch fundiertem Interesse am elenden Fernsehen (außer, na klar, Dominik Graf) und das überlegene Bewusstsein um die Durch-und-Durch-Verlogenheit von öffentlich-rechtlichen Produktionen.

  • Tommek, 20.03.2013 11:40

    [...]zumindest in den 45min, die ich durchgehalten habe.
    wir waren ja eigentlich die guten, mal wieder war der beste kumpel jude, wir haben lieber hesse gelesen als die armen russen zu erschiessen[...]

    Genau diese Aussage sollte man sich verkneifen, wenn man nur ein Viertel des Films gesehen hat. Der Arme kleine Hesse-lesende Soldat wird später eindeutig zum kaltblütigen Täter. Hier ist eine eindeutige Charakterentwicklung sichtbar.

  • Peter, Paul und M., 20.03.2013 12:01

    Danke!
    Sie haben in wohl gewählte Worte gekleidet, was mir beim Betrachten dieses schlechten Scherzes im Gewande eines vermeintlich historischen Fernsehereignisses ebenfalls durch den Kopf ging.
    Ich fühlte mich angesichts der Absurdität des infantilen Drehbuchs stellenweise an schlechtes, "problemzentriertes" Schülertheater erinnert. Immer getreu dem Motto "Das muss noch mit rein!", Brecht für intellektuell verarmte quasi. Ständig laufen sich die Protagonisten ganz "zufällig" an der Ostfront über den Weg, die nervtötende glamouröse Schnulzenische stolpert da mal eben ins Lazarett und erhält dort ihre Lektion, und so weiter und so weiter. Von den Abziehbildern, die die Sprüche der Wochenschau nachplappern und im Schützengraben den Russen "Los, fresst Kruppstahl!" zubrüllen, mal gnädig geschwiegen an dieser Stelle.

    Die einzige "Lektion" die dieser Film bereithält ist unfreiwilliger Natur und hat nichts mit seinem Inhalt aber alles mit seiner Rezeption zu tun. Es ist die Erkenntnis, dass Propaganda leider noch nicht einmal gut gemacht sein muss, um offensichtlich auf breiter Front zu verfangen.

  • Hutzelmann Barbara, 20.03.2013 15:09

    Danke für diesen Artikel!
    Der Dreiteiler verharrt - wie das meiste zum Thema der Deutschen im 2. Weltkrieg - in der Selbstviktimisierung der Täter. Sie taten das Grauenvollste, waren aber eigentlich total gute Menschen. Und die Partisanen waren ganz böse, auch wie immer.
    Am erschütterndsten jedoch empfand ich den anschließenden Beitrag im Heute Journal zu unseren "traumatisierten Eltern" - nicht nur die eigentlichen Opfer der Deutschen sind traumatisiert, nein, die Deutschen selbst! Damit will ich nicht abstreiten, dass es keine Traumata bei der Kriegsgeneration gab oder gibt, aber eine solche instinktlose und unreflektierte Betrachtungsweise spricht ja praktisch alle frei!

  • (angehender) Historiker, 20.03.2013 18:47

    Ihr Text wirkt, als wolle er eine Gegendarstellung zum Film darstellen, gespickt mit dem Modewort "böse": um Sachverhalte, Ideen oder Anschauungen spotthaft zu diskreditieren, spricht man in letzter Zeit/ den letzten Jahren nur all zu gerne vom "bösen Krieg", dem "böseren Hitler" oder gleich ganz "böse Menschen".
    Sehr böse fällt auch Ihr Fazit aus, man fühle sich Dank Knopp und co als moralischer Sieger - WTF?!

    Die Kostenkritik teile ich aber.

  • san. spudy, 21.03.2013 01:05

    Es tut mir leid, das so ausdrücken zu müssen, aber ich finde diese Sendung http://is.gd/eotDyw (Danke agathos) und die Darstellung "der Deutschen" ausschließlich als traumatisierte Opfer geradezu widerlich.

    "Die Deutschen sind Tätervolk und die Juden Opfervolk. Nein, auch viele Juden haben andere verraten."
    Das kann doch nicht wahr sein...?!

  • Simon Rothöhler, 22.03.2013 17:22

    Ulrich Herbert heute in der taz: «Aber solange man nicht einmal einen weder sadistischen noch naiven oder verrückten Menschen vorführt, der völkisch denkt, den Krieg für richtig hält, im Krieg gegen die Sowjetunion keine Kompromisse akzeptiert, der die Juden weghaben will und auch die Euthanasie als im Grunde richtig erachtet, der also die "völkischen Lebensgesetze" als die harte, aber unausweichliche, im Kern schöne Grundlage des Lebens ansieht - so lange werden wir nicht verstehen, was da geschehen ist. So lange können wir uns unsere Väter und Mütter ja weiter als fröhliche, lebenshungrige, unpolitische Generation vorstellen, die durch den Krieg verroht und letztlich sein Opfer wurde. Deutsche Tragik.»

    http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?r...

  • Marius, 25.03.2013 11:42

    die Titanic ist auch nicht begeistert:
    http://www.titanic-magazin.de/news.html?&tx_t...

  • Franz Müller, 26.03.2013 19:37

    Ich habe nur eine halbe Stunde durchgehalten, dann ist mir schlecht geworden vor Ärger. Jetzt kann mir natürlich jeder sagen, du hast ja die zweite Folge nicht gesehen - die soll ja ganz gut sein, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man nach diesem verkorksten Anfang noch die Kurve kriegt. Das geht ja schon mit dem ersten Voice Over Satz los, der Art, wie er gesprochen wird - dazu der absurde Titel, der überhaupt nicht zur Perspektive der Voice Over passt. Der Dreiteiler müsste doch heißen: Wir, deine Eltern und Großeltern... Und darin liegt ja auch schon die Anmaßung des Unterfangens.
    Es beschleicht einen der Verdacht, dass man so einen Film erst jetzt machen kann da die Generation, um die es hier geht, entweder tot ist oder in Altenpflegeheimen ihrem Lebensende entgegenblickt und sich nicht mehr wehren kann. Das empfinde ich als schamlos, so seltsam das klingt. Ich denke, es hat einen Grund, dass viele Menschen dieser Generation wenig darüber erzählt haben, was sie wussten und taten. Wenn sie es tun wollen, was ich gut finde, dann sollen sie es bitte selbst tun. Und nicht Kinder.
    Abgesehen davon gibt es ja bereits erwachsene Filme zum Thema, direkt nach dem Krieg gedreht, von Staudte und Käutner und anderen.

    Danke für den Text, Ekkehard. Es tut einfach gut, wenn man lesen kann, dass noch andere Menschen um einen herum um Haltung bemüht sind.