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Neue Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 40
vom 14. Dezember 2018

CARGO 40 Cover, CARGO 39 Cover,

Anderes Kino
Container vom 28. Februar 2012 von Simon Rothöhler

Er habe stoisch an seinen Ansichten festgehalten

 

Gestern Abend doch etwas gewundert über die verschiedentlich gelobte ARD-Dokumentation Ich, Putin, die ihren privilegierten Zugang vor allem nutzt, um Putin als polyvalenten Sportler zu zeigen, der zwar nicht sonderlich begabt ist, aber immer genügend devote Mitstreiter um sich weiß. Bizarr auch der Soundtrack, den Hupert Seipel dazu ausgießt: Twin Peaks als Tonbrücke? Wer hat sich das denn ausgedacht? Die Höhepunkte des Films sind neben einem heftigen Lachanfall Putins (Reaktion auf die Frage, ob der Nato-Raketenschild nicht doch vor allem gegen Iran gerichtet sei) denn auch Archivaufnahmen, die schon länger legendär sind, etwa, als Putin, beim EU-Russland-Gipfel 2002 neben Javier Solana sitzend, einem kritisch nach Tschetschenien fragenden Journalisten eine «islamische Beschneidung» anrät («so dass nichts nachwächst») oder der Jelzin-Klassiker, bei der Kabinettsmitglieder vor laufender Kamera durch absurde Sitzordnungsspielchen gedemütigt werden.

In Marcel Beyers gerade erschienenem Band Putins Briefkasten heißt es: «Es kann nicht nur seiner Tätigkeit als Geheimdienstmitarbeiter geschuldet sein, es muß in der Person liegen, denn es handelt sich um einen Mann, dessen Leben so wenig anekdotisches Material bereithält, daß seine Biographen es als mitteilenswert erachten, Mitgliedern eines hiesigen Anglervereins sei damals der neu beigetretene, aus Leningrad stammende Mann ausschließlich wegen seiner unerträglichen Pedanterie aufgefallen. Er habe stoisch an seinen Ansichten festgehalten, wie etwa der Köder richtig am Haken anzubringen oder die Leine in einem ganz bestimmten Winkel auszuwerfen sei, weshalb seine Vereinskollegen nahe daran waren, die Freude an der ohenhin nicht außerordentliche Freuden bescherenden Anglerei zu verlieren» (Marcel Beyer, Putins Briefkasten, Suhrkamp 2012, S. 11).


2 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • sebastian, 04.03.2012 10:06

    “One evening we were sitting in his apartment, and he says, ‘Little friend, by now you know what I’m like. I am basically not a very convenient person.’ And then he went on to describe himself: not a talker, can be pretty harsh, can hurt your feelings, and so on. Not a good person to spend your life with. And he goes on. ‘Over the course of three and a half years you’ve probably made up your mind.’ I realized we were probably breaking up. So I said, ‘Well, yes, I’ve made up my mind.’ And he said, with doubt in his voice, ‘Really?’ That’s when I knew we were definitely breaking up. ‘In that case,’ he said, ‘I love you and I propose we get married on such and such a day.’ And that was completely unexpected.”

    wird Frau Putin in Masha Gessens ebenfalls diese Woche erschienenem Putin Buch "Man Without a Face" zitiert.

  • cris, 08.03.2012 13:13

    http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?r...
    passt doch dazu, oder?