• Cargo  
  • Abonnieren
  • Einzelheft bestellen
  • Back Issues
  • Verkaufsstellen
  • Jahresrating
  • Newsletter
  •   16. Dezember 2018  





Neue Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 40
vom 14. Dezember 2018

CARGO 40 Cover, CARGO 39 Cover,

Anderes Kino
Container vom 23. September 2011 von Bert Rebhandl

Friedhofsschicht
Thom Andersen über «The Clock»

In einem Text von Thom Andersen in der aktuellen Ausgabe 48 von von cinema scope (die Webseite steht heute noch bei Heft 47) finde ich einige interessante Ergänzungen zu meinem Text über Christian Marclays The Clock in unserer aktuellen Ausgabe Heft 11. Andersen hat die 24-Stunden-Installation am Wochenende 28./29. Juli 2011 im Los Angeles County Museum of Art gesehen. Diese Institution hat das Werk auch angekauft, für 475.000 Dollar, eine Summe, die Andersen "both absurd and appropriate" findet.

Da es bei The Clock wesentlich auf die installativen Details ankommt, sind vor allem folgende Informationen relevant: In Los Angeles entschloss man sich dazu, die 24stündige Vorführung um 17h (5pm) beginnen zu lassen, zudem war es wohl so, dass der Loop schon lief, als die Zuschauer in den Saal kamen, sodass auch in dieser Hinsicht der Eindruck der Beginnlosigkeit gewahrt blieb. Beginn ist eben immer, wenn jemand in den Saal kommt, und dann für diese Person.

Wenn man sein Werk ein wenig kennt, wird man nicht überrascht sein, dass Andersen auf Aspekte geachtet hat, die ich eher übergangen habe. Zum Beispiel diesen: "The aspect ratio never changes: it's always 16:9. The tyranny of high-definition digital video, which allows no other aspect ratio? Are standard aspect ratio movies (4:3) stretched or cropped? Sometimes stretched, sometimes cropped, it seemed. Although this Procrustean rectangle is anthema to film purists, I got used to it, and I could see an advantage: it eliminates one possible kind of jump ciut."

Oder diesen, der wirklich von großer Bedeutung ist, und der auf Marclays Herkunft aus der New Yorker musikalischen Avantgarde der 1980er Jahre zurückverweist: "The sound editing throughout The Clock is brilliant. Marclay understands very well the basic principle of editing: the image divides, sound unites."

Den ganzen Text hindurch gewinnt man bei Andersen den Eindruck eines Spiels zwischen dem Hasen und dem Igel: Der Betrachter wäre gern der Igel, aber es ist die Installation, die schließlich "immer schon da" ist, und jeder noch so kluge intellektuelle Haken, den man ihr gegenüber schlagen möchte, ist in ihr schon eingeholt. Gegen Ende des Textes fasst Andersen seine Eindrücke zusammen, in einer aphoristischen Form, zu der er ein Zitat bemüht: "Simone Weil wrote, 'Time is unreal, yet we must submit to it.' As we watch The Clock, the situation is reversed: time is real, yet we are freed from it." Dies bezieht sich aber nur auf innere Strukturen des Films, der die Unmöglichkeit des vollständigen Sehens des Films gegenübersteht: "The desire to get back into time became overwhelming."

Bezeichnenderweise endet Andersens Text mit einer Art Kapitulationserklärung, deren Hintersinn in der Ausnahmesituation des Erlebten zu sehen ist: "If it shows again, I'm there. I'll try to make the graveyard shift, from midnight to 9:00 am." Es wird aber wohl eine Weile dauern, bis The Clock wieder gezeigt wird. Andererseits: Bei einer Investititon von 475.000 Dollar müsste das LACMA die Arbeit wohl auch ab und zu zeigen - irgendwann wird sie wohl online gehen.


Kommentar hinzufügen