• CARGO  
  • Abonnieren
  • Einzelheft bestellen (portofrei)
  • Back Issues
  • Verkaufsstellen
  • Jahresrating
  • Newsletter
  •   23. Mai 2012  

Aktuelle Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 13
vom 15. März 2012

CARGO 13 Cover, CARGO 12 Cover,

Container vom 7. August 2011 von Ekkehard Knörer

Lens Flare

 

Wider besseres Wissen habe ich immer weiter gedacht, dass das Alien in Super 8 ja vielleicht einfach nur als lens flare auftritt. Bei Star Trek war das schon seltsam, jetzt denke ich, dass J.J. Abrams, da er nun nach Daniel Mindel auch den Kameramann Larry Fong zum Flare-Meister gemacht hat, darin seine ureigene Handschrift sieht. Das letzte Bild in Super 8 vor dem Abspann ist - sicher kein Zufall - ein Lichtpunkt mit Flare-Strich im Schwarzen. (Semantisch beschrieben klingt das gleich viel weniger interessant: Das Alien fliegt auf und davon.) In der eindrücklichen Tankstellenszene blaut es gleichfalls bedrohlich von allen verfügbaren Lichtquellen aus. Wie Doppel-Lanzen ziehen sich mehrfach die Striche schräg blau sonst durch das Bild. Wer darauf achtet - und das ist nicht immer ganz einfach, denn Super 8 macht vom lens flare ganz abgesehen als Spielberg-Pastiche als Spielberg-Hommage sehr großen Spaß - wird den Film als Experimentalfilm genießen können, in dessen altmodisch filmhaften Bildern der lens flare als "Fehler" ein ganz eigenes Leben führt und sich ins Geschehen mischt und zugleich nicht mischt, wo es nur geht. In der Häufung, mit der Abrams ihn hier produziert, ist der lens flare kein einfacher (medialer) Realismuseffekt mehr, sondern der Umschlag eines solchen in die Manier. Wie ja Super 8 als ganzes ständig auf dem schmalen Grat wandelt, auf dem die ausgespielten Vorbild-Zitate ins Zitathafte umzukippen drohen (oder versprechen) auf eine Weise, dass der Film im Ergebnis dann nichts wäre als die reine Spielberghaftigkeit. Dazu kommt es aber nicht, nie ganz jedenfalls. Und in der Allegorie der Realismus-zu-Manier-Kipp- und Umschlagfigur, dem lens flare, sieht Abrams dann durchaus zu recht seine Haltung zum Spielberg-Komplex als eigene Handschrift.


8 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • thomas, 08.08.2011 01:55

    auf die lens flares wollte ich in meiner PT-kritik auch zu sprechen kommen, hab's aber wg. der länge gelassen. nur soviel: bei star trek waren sie nervig, hier enddlich einmal schön, vor allem aber - gerade das schlussbild - am ende sinnvoll eingesetzt und, wie du ja schreibst, als ins bild gesetzte insistenz aufs eigene, die sich immer wieder seitlich, wie ein bild über dem bild, in den film einschleicht.

  • Christoph, 08.08.2011 02:18

    Ich wusste bisher nicht, dass man diesen Effekt, den ich vor allem im europäischen Genrekino der 70iger vergöttere, "lens flare" nennt. Ich bedanke mich für die Nachhilfe und die dadurch geschaffene Neugierde auf SUPER 8.

  • Tom, 08.08.2011 20:55

    Bei Abrams sind das aber in der Regel keine "echten" Lens Flares (im Sinne von durch tatsächliche Spiegelung der Lichtquelle in der Linse entstanden), sondern meist per Computereffekt eingefügte, was das ganz dann doch arg albern macht...

  • Ekkehard Knörer, 09.08.2011 08:37

    @Tom: Warum macht es das albern? Für mich macht das, falls es wirklich so ist, das Oszillieren zwischen Realismuseffekt und Künstlichkeit doch eher nur noch interessanter. Er *will* da ja offenbar so ein malerisches Element im Bild, aber nicht im ästhetisch sturzlangweiligen CGI-täuschend-echt-Register, sondern bei aller Manier als gerade noch so als echt durchgehend.

  • Volker Pantenburg, 09.08.2011 09:16

    "Although some people do try very hard to take them out, we tried very hard to let them in."

    Sehr gut gefällt mir auch der Begriff "Lens Schmutz", eine Art Bataillescher Gegenbegriff zum Lens Flare. Siehe hier: http://www.youtube.com/watch?v=hiAToA3qZcI

    Auch gut: LENS FLARE. THE MOVIE: http://www.youtube.com/watch?v=bHqjmlM3kxs

  • Andreas, 09.08.2011 13:54

    @Tom
    Gibt es dahingehend Quellen? Konnte auf die Schnelle nur die gegenteilige Aussage finden, dass alles direkt am Set in der Kamera entstand: "They [lens flares] were all done live, they weren't added later." - http://www.firstshowing.net/2009/hey-jj-abram...

    Kenne bislang weder STAR TREK noch SUPER 8, aber das klingt schon erstmal ziemlich interessant, wobei im Vergleich bei letzterem die Screenshots spannender aussehen: http://bit.ly/qfA6u7

    Wirklich bemerkenswert schöne lens flares gab es in STELLET LICHT. Und der wohl exzessivste und dabei doch weitgehend faszinierende Einsatz, der mir bisher aufgefallen ist - da kommt vermutlich auch Abrams nicht ran -, findet sich im dänischen FRIT FALD (lief dieses Jahr in der Jugendfilmsektion der Berlinale), der sich tatsächlich über weite Strecken als visueller Experimentalfilm genießen lässt. Der Trailer vermittelt da schon durchaus einen Eindruck: http://www.youtube.com/watch?v=SkdzmgxE57E

  • Andreas, 09.08.2011 15:40

    Okay, der von mir verlinkte vermeintliche Screenshot aus SUPER 8 war offenbar nur ein allgemeines lens-flare-Beispielbild, das jemand in dem Kontext gepostet hat. Und Christoph hat natürlich Recht, dass das Phänomen an sich in den 70ern viel ausgeprägter zu finden ist, und ähnlich wie der Zoom weitgehend ausgestorben ist, von einigen obsessiven Anhängern abgesehen. Meine Beispiele waren da nur auf ein paar Ausnahmen der letzten Jahre bezogen.

  • Lukas, 09.08.2011 23:18

    http://vimeo.com/12744935