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Aktuelle Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 13
vom 15. März 2012

CARGO 13 Cover, CARGO 12 Cover,

Container vom 12. Mai 2010 von Ekkehard Knörer

Cannes: Cahiers, vorab
Kiarostami, Loznitsa, Assayas.

Kiarostami: Copie ConformeIch habe kürzlich die Cahiers du Cinéma wieder abonniert, und zwar zum möglicherweise der Verzweiflung geschuldeten Spottpreis von 51 Euro (pro Jahr, also elf Heft, Porto nach Deutschland inklusive). Die ganz aktuelle Ausgabe steht im Zeichen von Cannes. Zwar hat die Redaktion vorab auch noch nicht so besonders viel sehen dürfen - sogar Godard hat Film Socialisme, wie etwas säuerlich angemerkt wird, nicht gezeigt -, aber doch immerhin zum Beispiel Abbas Kiarostamis Copie Conforme, der in Frankreich aber auch schon am 19. Mai regulär anläuft. Chefredakteur Stéphane Delorme scheint nicht ganz sicher, was er von dem Werk halten soll. Es geht um einen britischen Schriftsteller, der in der Toskana reist und dort die Bekanntschaft einer Französin (Juliette Binoche) macht. Das ganze beginnt, so Delorme, wie eine klassische sentimentale Hollywood-Komödie und nimmt dann eine Wendung ins Irritierende:

Copie conforme verstört mit seiner Widersprüchlichkeit: ein Film voller Vergangenheit, voller Verweisen auf die Kunst und das Kino, und der dennoch nichts anderes sucht als die größte Armut, die größte Mittellosigkeit, Blicke von Angesicht zu Angesicht. Wenn Close-Up (1991), die perverse Geschichte eines Menschen, der sich als berühmter Filmemacher ausgibt, mit gutem Recht Copie Conforme hätte heißen dürfen, so gilt auch das Umgekehrte: Copie conforme könnte auch Close-Up heißen, so sehr verlieren sich die Einstellungen in Großaufnahmen von Gesichtern (...) Es geht dabei weder um die Imitation des Kinos noch der Kunst, sondern um die Imitation des Lebens, weil dieses Paar ein nicht existierendes Paar kopiert und einen Nachmittag lang die perfekte Kopie des Lebens lebt.

Im Kritikerspiegel geben sowohl Delorme als auch Jean-Philippe Tessé nur zwei von vier möglichen Punkten. (Was ich mal mit "gelungen, aber mit Problemen" übersetzen würde. Man muss aber sagen, dass die beiden echt keine Ahnung haben. Raya Martins großartiger Independencia bekommt im selben Kritikerspiegel null bzw. einen Punkt; Hong Sang-soos Meisterwerk Like You Know It All jeweils einen Punkt. Vielleicht sollte ich das Abo gleich wieder kündigen.)

***

Außerdem: Ein Porträt des ukrainischen Regisseurs Sergi Loznitsa, der, erfährt man da, Mathematik studiert hat und seit 2001 in Deutschland lebt. "Insgesamt", schreibt Lubomir Hosejko, "sind die Filme von Loznitsa schwer zu definieren, verstehen sich als 'Doku-Meditationen'. Er ist ein großer Bewunderer von Robert Bresson und alle Emotionen sind bei ihm stets verborgen, unterirdisch, leidenschaftslos."

***

Assayas: CarlosEbenfalls vorab gesichtet: Olivier Assayas' Carlos, den Jean-Philippe Tessé recht zurückhaltend als "guten amerikanischen Film à la francaise" und als gelungene Verbindung der beiden Assayas-Werkstränge (Globalisierungsthriller und die auf Frankreich, Kunst, Herkunft konzentrierten Filme) lobt. Rechte Begeisterung allerdings will spürbar nicht aufkommen, trotz des großen inszenatorischen Könnens - im Vergleich mit Soderberghs Che und Richets Mesrine findet Tessé Carlos "weniger schlau" und weniger "mutig": "fast perfekt gebaut und ausgeführt, ist er doch nicht wirklich herausragend." Außerdem ein Interview mit Assayas, aber da hatten wir in CARGO #2 das interessantere. (Würd ich mal sagen.)


1 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • Florian, 14.05.2010 07:49

    … und Mendoza war ja in Cargo auch früher drin.
    Das Battle ("die kaum mehr an Theorie interessierten und auch sonst ziemlich heruntergewirtschafteten Cahiers du cinéma – Cargo 4, S. 82) geht also weiter …
    (Ohne, dass ich mich zur Ehrenrettung der Cahiers aufgerufen fühlte, muss ich doch immer wieder feststellen, dass sie eine der wenigen monatlich erscheinenden Filmzeitschriften sind, die es sich leisten, einen Diskurs über mehrere Ausgaben hinweg zu verfolgen: vor zwei Jahren die Veränderungen im digitalen Kino (ab der Ausgabe zu "Redacted", mit einer Reihe theoretische sehr interessanter Artikel), letztes Jahr die Bazin-Reihe und seit letztem Sommer immer wieder zu 3D …)