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Aktuelle Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 12
vom 15. Dezember 2011

CARGO 12 Cover, CARGO 11 Cover,

Container vom 29. März 2010 von Cargo

dffb
Diskussionsveranstaltung.

Kommenden Mittwoch (31.03.2010, 18h)  findet in der Kantine der dffb eine öffentliche Diskussionsveranstaltung unter dem Stichwort «Unabhängigkeiten» statt. Im Ankündigungstext heißt es:

«Durch die Besetzung des Direktorenpostens ist eine chronische Krise akut geworden, stellt sich die Frage nach dem Selbstverständnis der Deutschen Film- und Fernsehakademie. Ist die dffb ein Labor, in dem teure Experimente meistens schiefgehen oder ein effizientes Kopierwerk für Visitenkarten? Wer entscheidet, wo die Freiheit aufhört und die Formatierung anfängt? Ist die Vermählung der Filmhochschule mit der Wirtschaft gültig bis dass der Tod sie scheidet? Oder retten uns die Göttinnen der Kinematographie? Das Gespräch soll gegenwärtige Unabhängigkeits-Verhältnisse im deutschen Filmbetrieb skizzieren, und helfen, die Perspektiven einer Ausbildung zu beschreiben, die die Frage nicht los wird: wofür ist das alles gut hier und für wen?»

Gespräch mit
Frieder Schlaich
Bert Rebhandl
Florian Koerner
Christoph Hochhäusler
und Jörg Buttgereit

moderiert von Maximilian Linz und Julian Radlmaier


2 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • ..., 01.04.2010 10:02

    Das frustierende dieser - in seinem Aufbau so vielversprechenden - Diskussion war ja, dass die Akteure (allesamt bewundernswerte Figuren des klügeren Teils des Filmbetriebs und gerade deswegen umso mehr Teil der Abhängigkeitsverhältnise des von Förderungs- und Lehraufträgen abhängigen bundesrepublikanischen Filmkulturschaffens)den selben Vereinzelungs- und Selbstmarketing-Bewegungen das Wort redeten, wie sie die Politik der letzten Jahre befeuert hat. Diese "Baut kleine geile Firmen auf"-Rhetorik, die ja selbst noch die DIY-Diktion eines recht unverdächtigen Jörg Buttgereit durchzieht, verkennt natürlich in Gänze, dass sich dieses Land in Gestalt der Filmhochschulen eine Ausbildungstelle leistet, deren Kosten - so ein geläufiges Bonmot - die Ausbildung von Bundeswehrpiloten noch übersteigt und damit sich das Gemeinwesen eine Institution leistet, die weniger dem Indivuum, als mehr dem gesellschaftlichen Ganzen verpflichtet sein müßte. Nicht sehen zu wollen, dass die faktische Kaderschmiede dffb (und HFF, usw.) eben nicht der Ort von Kinder reicher Eltern Kunst (und Selbstfindung) sein kann, sondern in seiner institutionellen Verfasstheit mit den übrigen Akteuren des Filmbetriebs nicht nur in Dialog sondern bestenfalls auch Opposition treten muss, ist den Diskutanten vorzuwerfen und zeugt von der willfährigen Naivität gegenüber den politischen Dingen, von der der weniger kluge Teil des Filmbetriebs latent profitiert.

  • Gerstner, 04.04.2010 17:27

    @... Dieser formal-idealistische Legitimierungsansatz kollidiert aber zugleich mit der von derselben Seite - Hochschule, Förderer, Politik - erhobenen Forderung nach öffentlicher (d.h. wirtschaftlicher) Anerkennung. Schlußendlich scheint beides in den Augen derer, die die Prinzipien der Legitimation bestimmen, nicht mehr miteinander vereinbar. Demzufolge lässt sich aber unter dem Gesichtspunkt der Wettbewerbsführung das Ausschluss- und Vereinzelungsmotiv, das das Wesen des Filmgewerbes in der Regel ausmacht, aus den Hochschulen nicht fernhalten (und allen anderen filmschaffenden Milieus, die sich nicht nur als Boheme verstehen, sondern auch davon leben können wollen). Das mag gesellschaftlich nicht wünschenswert sein, aber auf keinen Fall darf man sich wiederum der Naivität hingeben, diese konstituierende Realität zu verkennen. Wesentlich sind nun mal die Filme, die gedreht worden sind und nicht jene, die nie umgesetzt werden, und wenn es 3 Jahre kostet einen Film herzustellen, werden natürlich alle Beteiligten sich für die Realisierung solch eines verrückten Unternehmens unter den herrschenden Bedingungen irgendwie einrichten müssen. Die kleine-geile-Firmen-Rhetorik (wahlweise auch kleine-geile-Filme) klingt nicht fein, sie klingt nicht unbedingt visionär, aber zumindest ist sie doch sehr pragmatisch und alles andere als naiv zu nennen.

    p.s.: Damit wäre die Vereinnahmung der Hochschule auf derselben Grundlage vollzogen, die vor 10 Jahren zur programmatischen Vereinheitlichung und Neusetzung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens geführt hat. Auch hier galten und gelten immer noch “Verfasstheit” eines öffentlich-rechtlichen Auftrags, der aber für den Sendebetrieb inzwischen jede Relevanz eingebüsst hat. Kein Mensch würde in diesem Fall einen Redakteur der Naivität bezichtigen, weil er Quote und Karrieredenken das Wort redet, anstatt den Rundfunkstaatsvertrag zu zitieren und auf die Barrikaden zu rufen und so seine Stellung zu gefährden.

    (Interessanterweise handeln hierzulande die Studenten mit sehr verzögerter Reaktionszeit auf die neuen Gegebenheiten - auch für die Bologna-Kontroverse galt eine fast 10 Jahre währende Latenzzeit, bis der Nachwuchs endlich verstanden hatte. Mit dem einen Unterschied, dass die Wissenschaften den Begriff der Grundlagenforschung für sich in Anspruch nehmen können, um ihre Disziplinen vor dem Würgegriff der Wirtschaftlichkeit zu schützen, ein Privileg, das der Film in dieser Ausdrücklichkeit nie besessen hat. Legitimation muß man sich hier stets erkämpfen, die Mittel der Auseinandersetzung indes, können sehr unterschiedlich ausfallen.)