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CARGO Film/Medien/Kultur 13
vom 15. März 2012

CARGO 13 Cover, CARGO 12 Cover,

Container vom 23. Januar 2010 von Ekkehard Knörer

Not Too Bad a Story
The Na'vi Way.

Das folgende "Behind-the-Scenes" ist in seiner Pomposität gleich nochmal unfreiwillig komischer als Avatar selbst ("not too bad a story", "language training"), aber ich binde es hier ein, weil man unter dem ganzen visuell-akustischen Müll doch ein paar interessante Informationen erhält. Insbesondere was das Drehen unter Motion-Capture-Bluescreen-Bedingungen bei avancierten technischen und finanziellen Voraussetzungen angeht (via):


6 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • noribori, 23.01.2010 20:37

    "Being John Malkovich" mit seiner Puppenspieler-Geschichte war doch nicht so dämlich, wie ich damals dachte.

  • kai, 24.01.2010 09:37

    Ich hoffe ja, von einem von Euch noch was kluges über "Avatar" zu lesen zu bekommen - denn die die nahezu kollektive euphorie der dt. filmkritik ist mir etwas unheimlich (wobei es mir gut gefiel, dass georg seeßlen in der taz "Titanic" ganz nebenbei den "großen Meta-Film der 90er" nannte...). Vielleicht bin ich auch einfach zu doof, um die genialität von "Avatar" zu begreifen. Auf ein nochmaliges anschauen habe ich aber so gar keine lust...

  • simon rothöhler, 24.01.2010 12:39

    verstehe ich gut. bei mir hat der film jenes mischverhältnis aus widerwillen und langeweile erzeugt, das nicht gerade zur versprachlichung drängt. klug haben wir versucht in der aktuellen print-ausgabe zu sein: manny farbers dort abgedruckter text von 1953 zum 3d-kino schließt mit dem satz "... als wäre bewegung - und fast ganz egal, was für eine sorte bewegung - schon der schlüssel zur raumtiefe", was mir die ästhetische borniertheit von avatar erschöpfend zu umschreiben scheint. und wenn man sich doch die mühe machte, den monotonen blaugrünvollstuss auf der semantischen ebene zu lesen, würde man vermutlich bei den basiseinsichten der whiteness studies landen oder wie es in unserem starsystem heißt: bei einem älteren katalog der vorstellung des anderen

  • kai, 24.01.2010 18:44

    Die sache ist halt: von Althen über Distelmeyer, Kothenschulte und Körte bis zu Nicodemus, Vahabzadeh und Seeßlen sind alle ganz aus dem häuschen (mit gewissen abstufungen). Und das sind ja nun weissgott keine unkritischen nichtswisser (oder wie man das auch nennen mag). Insofern frage ich mich schon, obs nicht doch an mir liegt... Naja, eigentlich auch egal, es gibt wichtigeres.

  • Ekkehard, 25.01.2010 09:42

    @kai: Zu "Avatar" kann man nicht viel Kluges sagen, weil er selbst halt so dumm ist. Ich habe jedenfalls noch kein Argument gelesen, das mich wenigstens theoretisch davon überzeugt hätte, dass irgendwas daran ästhetisch wirklich interessieren müsste.

    Michael Althen sieht die Probleme, wird aber irgendwann in diese Welt reingebeamt - das verbleibt doch eher auf einer Ebene des Nicht-Intersubjektiven. Körte ist glaube ich ungefähr auf derselben Linie, Kothenschulte und Nicodemus sind es im Grunde auch. Daraus zu lernen ist vor allem, dass der Film jene, die sich überwältigen lassen wollen, offenbar überwältigen kann. Ein Argument der Kritik ist das nicht. (Überhaupt ist das Grundmuster noch in der Euphorie: Ja, das ist schon naiv, schlicht gedacht, klischeehaft, aber: es flasht. Was soll man da sagen als: Flash, wem Flash gegeben.)

    Seesslen sieht eine "kühne Mischung", die als unausgegorenes Durcheinander zu begreifen mich nichts hindert. (Die Idee des Metafilms als Pizza mit allem drauf leuchtet mir sowieso nicht ein.) Distelmeyer ist glaube ich ungefähr auf derselben Linie. Vahabzadeh gehört nicht in diesen Zusammenhang.

  • thomas, 26.01.2010 13:27

    was die jubelkritik betrifft - aber das ist jetzt wirklich nur ein leiser verdacht, der womöglich fehl geht und unterstellen möchte ich niemandem etwas -, vielleicht hat das auch damit was zu tun, dass man am ende nicht der gewesen sein will, der avatar verrissen hat, wo der film doch - und die aktuellen boxoffice-zahlen geben ja recht - konsens anzeigt. und man will vielleicht nicht die leser, die man noch hat, nicht schon am frühstückstisch vergrätzen, wenn sie am abend ins imax zum schwärmen gehen. wobei mir beim seeßlen schon auch ein wenig durchzuschimmern schien, dass er das schon auch für den kokolores hält, der der film ist.

    mein eigenes interesse am film - und ich bin, ekkehard kann das bezeugen, nun wirklich gerne überwältigt im kino - dauerte einige minuten an und beschränkte sich eher auf ein "okay, was machen die jetzt hier also? wie sieht das aus?" da dies relativ bald klar war, war auch klar, dass der teig, drei stunden lang ausgewalzt, am ende doch sehr dünn sein würde. als dreistunden-cumshot konzentriert sich avatar fortlaufend auf seine kontraktionen - und schlägt den fortlaufend deklamierten "sense of wonder" damit ziemlich rasch ziemlich tot.

    was bei mir hängen blieb, war großes bedauern: was hätte jemand, dessen technophilie nicht ins krass technokratische abgerutscht ist, mit diesen ungeheuren resourcen zeit + technik + geld nicht anstellen können? bei cameron läuft es darauf hinaus, in permanenz pulp cover aus den 20er und 30er jahren glaubhaft zu animieren. was damit gewonnen sein soll, steht als frage schon völlig deplatziert neben dem film, der solche fragen in seinem eigenen solipsismus gar nicht erst vorsieht.

    weshalb ich auch auf begeisterte sonntagsreden über die aussicht auf die "zukunft des kinos" grätzig reagiere: "avatar" formuliert keine techno-utopische kinokonzeption der zukunft (im gegensatz z.B. zu "public enemies"), "avatar" insistiert ganz und gar verplompt auf sich selbst als parahistorische krypta neben dem eigentlich verlauf. spannende blockbuster aber zeichnen sich, für mich zumindest, dadurch aus, dass sie das tor noch nicht ganz geöffnet haben, sondern - sowohl immanent, als auch in der eigenen historischen situiertheit - auf ein späteres verweisen: "... und das ist noch nicht alles." solche versprechen äußeren sich in "avatar" nicht (und wären wohl auch aus ökonomischer perspektive, in der logik von rascher investition und vergleichsweise schnellem cash-flowback, gar nicht wünschenswert).

    lediglich eine symptomatische leseweise scheint mir bislang sinnvoll: der film folgt einer sich zusehends als hegemoniale option empfehlenden logik virtuell-digitaler (und ziemlich erschlagender) fülle im gegensatz zu einer bisherigen logik materieller knappheit und daraus sich ergebender logistischer bewältigungsmaximen. viel mehr als illustrativ ist das dann aber auch nicht.