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CARGO Film/Medien/Kultur 13
vom 15. März 2012

CARGO 13 Cover, CARGO 12 Cover,

Container vom 1. Januar 2010 von Simon Rothöhler

World Cinema
Joel & Ethan Coen, 2007

(via Michael Baute)


8 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • Ekkehard Knörer, 02.01.2010 11:07

    Ich möchte nicht kleinlich erscheinen, aber, you know, it's Nuri Bilge Ceylan's fourth film - wenn man nur die Langfilme zählt. Und in der Türkei spricht man Turkish, nicht Turkic (das heißt, wenn ich recht sehe, eher etwas wie "turksprachig" heißt). Was ich symptomatisch finde für dieses auf den ersten Blick nette Filmchen: Eigentlich ist alles falsch daran.

  • kai, 02.01.2010 11:45

    Dachte ich auch erst. Bis ich drauf kam, vielleicht zu unrecht, dass die Coens zu klug sind für sowas und dass die "fehler" womöglich ganz bewusst platziert sind. Das mit dem turkic/turkish und dem -falschen!- schlaumeiern des "arthousers" ist so zentral und sticht so ins ohr, dass es eigentlich kein zufall sein kann. Zu ihnen passen würde das.

  • thomas, 02.01.2010 16:14

    ich bin zwiegespalten. einerseits könnte das wirklich nur schlampig sein - aber warum sollte man so etwas wie "türkisch" und "turkish" als bewusst gesetzten (und dann aber falschen) klugschiss platzieren?

    ich kann mir deshalb schon auch durchaus vorstellen (wenngleich zur überzeugung da noch etwas fehlt), dass es sich hierbei um bewusst gesetzte kuckuckseier handelt. denn es geht in dem film ja zunächst einmal um die erwartungen von unwahrscheinlichkeiten: ein kino mit einem solchen programm ist unwahrscheinlich, dass ein bewusst so inszenierter redneck nach dem film sein geld nicht zurück will ist unwahrscheinlich - und dass ein bewusst so inszenierter, man muss ja sagen, cineasten-nerd sich zweimal bei wahrung aller vorgeblichen expertise so verhaut, ist auch eher unwahrscheinlich (oder zumindest im sinne der inszenierung nicht erwartbar, aber eigentlich ein ganz symptomatisches verhalten für leute, die sich tagtäglich tabellarisches und enzyklopädisches wissen einverleiben und verarbeiten).

    nun sind die coens für zweierlei bekannt: dass sie exzessiv falsche spuren legen und andere gerne zum narren halten (in der regel ihre figuren). ganz vordergründig ist der film deshalb vielleicht so etwas wie eine träumerisch-naive spielerei darüber, wie in ein eher hermetisches leben ein tropfen weltkino gelangt (auch wenn das ende nicht nahe legt, dass daraus etwas entsteht). aus cinephiler perspektive wäre das dann ein recht erbauliches, aber auch sehr eindimensionales bis überhebliches filmchen. geht man von den bewusst eingestreuten fehlern aus, nimmt man also die fische vom feuerzeug weg, wird's mulmiger: dann steht dort ein (zudem noch nicht einmal sonderlich kompetenter) tabellarist und statistiker (genau besehen lässt der kassenmann ja wirklich nur angelesene schlagwörter vom stapel, die weder auf eine persönliche/ästhetische erfahrung mit den filmen rekurrieren, noch nennenswert analytischen charakter aufweisen; mir scheint das, böse gesagt, schon ein snob zu sein, der sich im privaten vielleicht wirklich darüber ärgert, dass er wegen criterion in verbindung mit sammelkonsequenz nun auch michael bay im regal - ausnahmsweise nicht berlinisch gesagt - zu stehen hat) gegenüber einem menschen, der, bei aller mangelnder artikulationsbegabung und so unwahrscheinlich das auch erst erscheinen mag, von dem film ehrlich angerührt zu sein schien, diese anrührung aber nicht mit kennertum und tabellarischem wissen verquickt.

    das nun wirklich - wirklich, wirklich - böse daran ist ja jetzt: um das überhaupt mitzukriegen, muss man ja gerade - wenn sich hier wirklich etwas gegenübersteht - auf seite des kassenmanns stehen und sich womöglich ertappt fühlen. versöhnlicher wird es immerhin dadurch, dass sich dieser (womöglicher) mehrwert nur dann einstellt, wenn man entsprechende kompetenzen mitbringt. (heillos verloren sind diejenigen, die darin wirklich nur ein redneck-erwecksungserlebnis sehen, sich ihres guten geschmacks beständig versichern, letzten endes aber auch nur ahnungslos in der suppe schwimmen)quasi ein polysemisches bonbon mit innendrin bitterer füllung.

    werkimmanent dafür sprechen würde immerhin, dass es bei den coens in der regel immer die kompetenzmenschen sind, die sich im besonderen maße entweder zur wurst machen oder im besonderen maße betriebsblind bis dämlich sind, wohingegen meist die joe simpletons sich zumindest eine form von restwürde bewahren, die es ihnen ermöglicht, in allerdings nur ihrem eigenen sinne, aufrecht aus dem film zu gehen. (ein ganz anderes thema freilich ist, was von diesem motiv - und von diesem film, wenn meine deutung bestand haben sollte - zu halten ist)

    aber, letzten endes, kann das eben auch einfach nur schlamperei sein. will ich jetzt auch gar nicht in abrede stellen.

  • simon rothöhler, 02.01.2010 17:04

    der junge mann an der kasse ist doch sehr kompetent! alle relevanten fragen (is there live stock in it? nudity?) werden zur zufriedenheit beantwortet. für mich ist "world cinema" kein film über kinodistinktionen, sondern selber kino und daran ist alles richtig (in coen-filmen gibt es doch keine schlampereien, also bitte!). außerdem: don't mess with texas.

  • kai, 02.01.2010 18:28

    @thomas: Sehr präzise ausgeführt, danke! Genau das versuchte ich anzudeuten (hätte es freilich in der mir eigenen schlichtheit einfach "kopf vs herz/bauch" genannt). Die mitarbeiterin am ende ist ja übrigens auch schon wieder am (an?)lesen...
    Sehr fein auch die gegenüberstellung der namen: dimitri und dan.

  • Ekkehard Knörer, 02.01.2010 18:41

    Ja, okay, never try to outschlaumeier a Coen. Wobei: ein blöder Snob ist der Kassentyp in jedem Fall, ob er nun recht hat oder nicht. Vielleicht ist er halt auch ein Depp noch dazu. Ich wäre bereit, Dir, Thomas zu folgen, aber auch dann noch ist dieses ständige Über-Bande-Spielen (eine Bande mehr, eine Bande weniger, auch egal) genau das, was mich an den Coens nervt. Oft jedenfalls.

  • Marco Abel, 03.01.2010 00:49

    Like Thomas’ parsing of the film. A couple of small points: One, I don’t think the customer is a “redneck”; he’s a cowboy (hence the “life stock” question”; his outfit: jeans, tucked-in flannel shirt, cowboy hat, boots), which are not “rednecks.” (Put in Thomas’s terms: in this scenario, rednecks would be even less likely to go to this theatre and seemingly enjoy this film than a cowboy…). Two, his question about when the clerk gets off work, posed after the question about nudity: could this be a subtle allusion to Brokeback Mountain (gay cowboys, etc?). Certainly the clerk is slightly unnerved by the question…

  • kai, 03.01.2010 19:33

    @Marco: Interessanter aspekt bez. des cowboy≠redneck. Jetzt kommen wir schon in gefilde, wo dieser kurze film einen mit den eigenen, "pavlovisch" abgerufenen vorurteilen konfrontiert. Gefällt mir immer besser.