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Neue Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 30
vom 24. Juni 2016

CARGO 30 Cover, CARGO 29 Cover,

Container vom 19. Februar 2010 von Ekkehard Knörer

Berlinale: Over and Out
Endstand.

Ich habe in diesem Jahr etwas getan, das ich noch nie getan habe, und - so Gott will - auch nie wieder tun werde. Ich habe jeden einzelnen im offiziellen Wettbewerb der Berlinale präsentierten Film gesehen. Die meisten komplett, manche jedenfalls solange, bis ich mir völlig darüber im Klaren war, was ich von dem Machwerk vor mir genau zu halten habe. (Ich bin natürlich nur bei den Machwerken früher raus und warum ich Submarino bis zu Ende gesehen habe, weiß ich auch nicht mehr. Kann eigentlich nur Masochismus gewesen sein.) Getan habe ich das vor allem, um meine Pflicht als Mitglied der Berliner Zeitung-Kritikerjury zu erfüllen. Spaßeshalber habe ich meine Wertungen einmal auf die Cargo-Punktwertung umgerechnet. (Bei der Berliner Zeitung gibt es nur fünf Stufen, und wenn man es auf Zwanzigerschritte umlegt, haut alles hin. Soll heißen: ich habe nicht das Gefühl, einmal zu gut oder zu schlecht bewertet zu haben.)

Mein Resümee des Wettbewerbs gibt es drüben beim Perlentaucher, wo ich dann Reinhold Vorschneider vollen Ernstes für den Goldenen Bären vorschlage. Naja, in einer besseren Welt. Meine Hoffnungen auf eine vernünftige Jury-Entscheidung sind, bei aller Verehrung für den Großen Irren Werner Herzog, eher gering. Kurzum: das war's und Mann, bin ich froh.

Der Räuber: 82
Caterpillar: 73
Bal: 70
If I Want to Whistle, I Whistle: 62
Jud Süß - Film ohne Gewissen: 40
Greenberg: 39
The Ghost Writer: 37
Mammuth: 35
A Woman, a Gun, and a Noodle Shop: 35
On the Path: 32
The Killer Inside Me: 30 (waren 42)
Tuan Yuan (Apart Together): 28
Howl: 25 
En Famille: 25
Puzzle: 24
The Hunter: 18
How I Ended This Summer: 17
Shahada: 15
A Somewhat Gentle Man: 12
Submarino: 8


24 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • Spaghettimonster, 20.02.2010 11:49

    Wie überlebt man als Kritiker eigentlich so viel Schrott in so hoher Konzentration, ohne den guten Willen einzubüßen?

  • Ekkehard Knörer, 20.02.2010 14:12

    Danke der Nachfrage.

    Gegenüber Herrn Kosslick hab ich keinen guten Willen mehr. Ansonsten tröstet man sich mit jedem Lichtblick, der die Dunkelheit für einen Moment erhellt.

  • GSamsa, 20.02.2010 17:53

    Respekt für ihr Durchhaltevermögen! Bin völlig einverstanden mit ihren Top 4... allerdings habe ich nur diese vier im Wettbewerb gesehen (plus "The Killer inside me", den ich allerdings viel schlechter bewerten würde als Sie). Mein Eindruck vom Wettbewerb war deshalb gar nicht so schlecht, aber das lag offenbar daran, dass ich das Glück hatte nur die wenigen guten Filme zu sehen... Danke jedenfalls für ihre kluge Bercihterstattung, hier und im Perlentaucher!!

  • Tino, 20.02.2010 17:59

    Vielleicht ist der Wettbewerb-Murks auch bloss Kalkül: Ein Haufen mittelmäßiger Filme und zwei, drei ernsthafte Konkurrenten für "Der Räuber" und schon stehen die Chancen gut, dass ein deutsch/österreichischer Beitrag gewinnt. Geschenktem Bär schaut man nicht ins Maul.

  • Ekkehard Knörer, 20.02.2010 18:19

    @GSamsa: Danke. Und wahrscheinlich haben Sie recht mit dem "Killer Inside Me". Ich war erst einmal erleichtert, dass er so nah am Buch geblieben ist; aber erstens wusste ich gleich nicht, was er damit eigentlich will. Und zweitens finde ich bei genauerer Überlegung, dass er den Geist des Buchs trotz aller scheinbaren Treue total verfehlt. Ich glaube, ich korrigiere das runter.

  • Sano, 20.02.2010 19:08

    Hatte mich schon gewundert wieso man sich einem Masochismus dieser Größenordnung aussetzt, aber als Jurymitglied hat man wohl einiges zu durchleben.

    Habe mir nur ihre beiden bestbewerteten Filme angesehen (und für Bal leider kein Ticket mehr ergattert, nachdem ich mir vor kurzem Yumurta und Süt zu Gemüte geführt hatte), und danach zu urteilen, wäre der Wettbewerb bei mir sogar die beste Sektion dieser Berlinale. Lol!

    Mit Wakamatsu - sage ich jetzt mal so arrogant - kann man eigentlich nie viel falschmachen, und "Der Räuber" war schlichtweg großartig, für mich wohl der neben Hou Hsiao-hsiens "Dust in the Wind" rundum gelungenste Film den ich diese Berlinale bewundern dürfte. Falls der also gegen meine Erwartungen doch den Goldenen Bären gewinnen sollte (und ich denke Herzog könnte der Streifen sehr gefallen), wäre ich wie schon '99 oder 2003 mit dem Gewinnerfilm einverstanden - was dann, reduziert auf den Hauptpreis, wieder einmal ein kurioses Licht auf eines der wohl langweiligsten und belanglosesten renommierten Filmfestivals der Welt werfen würde.

    Persönlich würde mich der Hauptpreis für "Caterpillar" aber wohl noch mehr begeistern. Einfach nur aus Prinzip: dass jemand wie Wakamatsu so einen angesehenen und gleichzeitig nichtssagenden Preis wie den Goldenen Bären in die hand gedrückt bekommen würde.

  • Ekkehard Knörer, 20.02.2010 20:29

    @Tino & @sano: Eigentlich war die Sache für den "Räuber" mit der Auswahl der Jury gelaufen. Ich sehe nicht, dass diese Art Kino Herzog irgendwie erreicht; er ist ja schon ein waschechter Anti-Intellektueller. Und der Rest, nein, hätte mich schon sehr, sehr gewundert.

  • Tino, 20.02.2010 21:34

    Puh, und auch noch der Regie-Bär für The Ghost Writer. Bitter. Naja, irgendwann werden auch mal wieder die Filme im Mittelpunkt stehen. Vielleicht.

  • wasweissich, 21.02.2010 10:43

    Wenn ein bisschen Kritik an der Kritik erlaubt ist: ich habe den Eindruck, Sie haben sich dieses Jahr – um im Vokabular der Bewegung zu bleiben – tatsächlich etwas verrannt. Vielleicht tut es nicht gut, alle Wettbewerbsfilme zwingend ansehen zu müssen, vielleicht verliert man dabei den Kontakt zu den Filmen, ich weiß es nicht. Lesen Sie doch mal, was Peter Praschl zu "Rompecabezas" schreibt – dem stimme ich vollauf zu. Mir hat im Übrigen "Bal", der Gewinnerfilm, sehr gut gefallen. Ich habe natürlich nicht alle Wettbewerbsfilme gesehen, aber ich hatte eine schöne Berlinale, sowohl mit den Wettbewerbsfilmen, die ich gesehen habe, als auch mit dem Forum, dem Panorama und der Generation Kplus (wobei mir der Kinderfilm "Superbror" noch am Wenigsten gefallen hat). Natürlich konnte ich mir aber auch aussuchen, was ich sehen wollte, das macht sicher einen Unterschied. Bei Cargo und im Perlentaucher gewinne ich den Eindruck, die Berlinale sei eine absolute Katastrophe gewesen, und das erstaunt mich schon, denn ich habe die Berlinale anders erlebt. Ich frage mich, woher diese unglaubliche Verbitterung kommt. Ich finde, das haben weder die arg niedergemachte Berlinale als Ganzes, noch einzelne - extrem unaufgeschlossen verrissene - Filme verdient, jedenfalls nicht in diesem Maße.

  • Ekkehard Knörer, 21.02.2010 12:02

    Kritik ist selbstverständlich erlaubt und erwünscht. Und ganz sicher tut es nicht gut, alle Wettbewerbsfilme zwingend ansehen zu müssen. Und ganz sicher ist das so, dass man sich aus der Berlinale, groß genug ist sie ja, immer ein schönes Menü zusammenstellen kann. Meine Kritik richtet sich, wie ich ja auch in aller Deutlichkeit sage, gegen den Wettbewerb. Zu den vier Filmen, die mir darin ausgesprochen gefallen haben, gehört doch auch "Bal". Bei dem Film sind wir uns recht einig. Ich finde allerdings die Entscheidung falsch, ihm den Goldenen Bären zu geben. Und zwar weil er zwar wunderbar in sich ruht, zum Gegenwartskino aber in keinem produktiven Bezug steht. (Muss man für kein Kriterium halten. Ich tu's.)

    Die "unglaubliche Verbitterung" (es ist für meine Begriffe eher Wut; aber vielleicht transformiert sich Wut im Lauf der Jahre in Verbitterung, mag schon sein) rührt daher, dass ich die Wettbewerbsauswahl Jahr für Jahr für einen Schlag ins Gesicht der von mir am innigsten von allen geliebten Kunst halte. Daher, dass eine ästhetische Ahungslosigkeit aus ihr spricht. Die Auswahl ist eben nicht einfach nur schlecht, sie ist das gerade Gegenteil einer kuratorisch sinnvollen Auswahl. Es ist nicht so, dass man es besser machen könnte, sondern viel schlimmer: Man kann es kaum schlechter machen. Und jeder, der was von der Sache versteht, weiß das. Kaum einer schreibt's in der Deutlichkeit, die dem Sachverhalt gebührt. Ich kenne persönlich keine ernstzunehmenden Liebhaber des Kinos mehr, die sich den Wettbewerb (von einzeln herausgepickten Rosinen abgesehen) freiwillig ansehen.

    Es gibt für mein Dafürhalten zwei Wettbewerbsfilme, denen ich in gewisser Weise mit meiner Bewertung Unrecht tue. "Rompecabezas" gehört nicht dazu. Wenn Sie je einen Film von Lucrezia Martel, einer der großen Regisseurinnen unserer Zeit, gesehen haben, dann wird Sie das Epigonentum von Natalia Smirnoff nur verblüffen können. (Ja, es ist dieselbe Kamerafrau, aber das macht die Sache kaum besser.) Ich finde den Film nicht böse, gar nicht, vielleicht sogar nett, wenn auch belanglos. Aber er ist eine dermaßen unverschämte und in jeder Hinsicht gegen das Original abfallende Martel-Kopie, dass die Entscheidung, ihn in den Wettbewerb zu nehmen, unbegreiflich ist.

    Das ist einer meiner zentralen Kritikpunkte. Einen Film in den Wettbewerb eines A-Festivals zu nehmen, ist eine implizite Behauptung, die da lautet: Dieser Film ist für das Weltkino der Gegenwart aus ästhetischen Gründen relevant. Wenn man diese Behauptung aufgibt, dann kann man meinethalben ein reines Publikumsfestival machen. Ein Wettbewerb ergibt so aber keinen Sinn mehr. Und deshalb sehe ich mir die Filme des Wettbewerbs eben unter diesem Gesichtspunkt an: Wie relevant sind sie? Ich will tolles, innovatives Kino sehen, dass Neues probiert, Sachen wagt, mich verblüfft, brillant unterhält, anregt und (aber nicht durch seine schiere Dummheit und Einfallslosigkeit) aufregt. Davon gab es im Berlinale-Wettbewerb diesen Jahrs extrem wenig. Und das ist kein Zufall, sondern ein strukturelles, wenngleich mit der Person Kosslick aufs engste verbundenes Problem.

    Es gibt, wie erwähnt, zwei unter den von mir verrissenen Filmen, die ich nicht unreflektiert dumm oder belanglos finde. Vielmehr lehne ich sie entschieden ab, weil ich ihr ästhetisches Konzept grundfalsch finde. Ich verstehe aber in beiden Fällen, dass man es anders sehen kann. Das sind Rafi Pitts' "The Hunter" und Alexei Popogrebskys "How I Ended This Summer". Beide sind von klugen KritikerInnen verteidigt und für interessant befunden worden. Ich teile ihre Argumente nicht, aber gebe zu, dass das dann offenkundig Filme sind, die in den Wettbewerb gehören. Die niedrige Punktwertung heißt in diesen beiden Fällen nicht "belanglos, hat im Wettbewerb nichts zu suchen", sondern "ambitioniertes Konzept, das mir grundverkehrt vorkommt".

    Und noch was: Drei deutsche Filme sollten offenbar in den Wettbewerb. Niemand kann mir erzählen, dass es auch nur ein nachvollziehbares Argument für "Jud Süß - FOG" oder "Shahada" gibt. Im Forum waren zwei deutsche Filme zu sehen, die ich für in jeder Hinsicht viel interessanter, klüger, innovativer halte: Angela Schanelecs "Orly" und Thomas Arslans "Im Schatten". Beiden fehlt was zum Meisterwerk, aber sie wären in meiner Wettbewerbs-Cargopunktwertung definitiv in den Top Five. Und, ja, das wären dann mit dem herausragenden "Räuber" drei Filme aus der sogenannten "Berliner Schule". Der Punkt ist halt, dass es in Deutschland abseits davon neben Dominik Graf und Romuald Karmakar (und in seinen besten Momenten Rudolf Thome und vielleicht vergesse ich gerade noch jemanden, weisen Sie mich gerne draufhin) im Moment nichts wirklich Großartiges gibt. (Aber kommen Sie mir nicht mit Fatih Akin.) Das ist so eine Stelle, an der das "BS"-Label zum Problem wird. Ein vernagelter Proporzfetischist wie Kosslick kann sich dann denken: "Räuber", prima, Berliner Schule abgehakt. (Abgesehen davon, dass man ihm bestimmt sehr gut zureden muss, überhaupt einen dieser Filme in den Wettbewerb zu nehmen.) "Der Räuber", "Orly", "Im Schatten" im Wettbewerb: Das gäbe furchtbaren Ärger mit Presse, Publikum, aller Welt. Aber ein Festivaldirektor, der was von der Sache versteht und einen Arsch in der Hose hat, müsste genau dafür einstehen, dass das die Filme aus Deutschland sind, die derzeit zählen.

    Vielleicht verstehen Sie jetzt etwas besser, woher meine Wut rührt.

    P.S.: Und das Dümmste, was man zu der ganzen Sache schreiben kann, steht natürlich mal wieder bei Spiegel Online
    http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,6792...

  • wasweissich, 21.02.2010 15:09

    Ah, danke für die Erklärungen.

    Ich kann mir vorstellen, wie frustrierend das aus professioneller Sicht sein kann. Es ist wirklich ein großer Vorteil, wenn man sich selbst ein schönes Menü zusammenstellen kann. Aber dass dies möglich ist bei der Berlinale, das muss auch gesagt werden, finde ich.

    Warum nun Filme in welcher der Kategorien laufen, das war mir schon immer ein Rätsel. Ich habe dahinter politisches Gezerre hinter den Kulissen vermutet und es für mich einfach abgehakt. Mich interessiert, ehrlich gesagt, gar nicht mehr, ob ein Film in Wettbewerb, Forum, Panorama, Perspektive oder Generation läuft, ich suche mir einfach die Filme aus, die ich interessant finde und ignoriere den Rest...

  • Ekkehard Knörer, 21.02.2010 16:04

    Aus Konsumentensicht ist das ganz sicher genau die richtige Haltung. Für eine Filmkultur aber kann das nur schädlich sein, wenn das Leuchtturmereignis, das die Berlinale hierzulande nun einmal ist, derart darauf verzichtet, Maßstäbe zu setzen. Mehr will ich jetzt wirklich nicht mehr zur Berlinal sagen, sondern stattdessen lieber einfach wieder gute Filme sehen, zum Beispiel jetzt gleich Abbas Kiarostamis "Shirin".

    Und ich bin gottfroh, dass Michael Althen die Dinge in der FAZ auch beim Namen nennt:
    http://www.faz.net/s/Rub3AF1FA8FC011439A8D137...

  • Rainer Burkard, 26.02.2010 03:47

    Lieber Ekkehard Knörer,

    Christian Petzold?

    Ich denke an die Glocken von „Jerichow“ und Fromms Kamera, die draußen vor dem Fenster bleibt. An Bachs Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ auf der Fahrt in ein betoniertes Berlin. Und daran, was man in „Innere Sicherheit“ nicht sieht.

    Herzlich,
    Rainer

  • Ekkehard Knörer, 26.02.2010 09:13

    Ja, klar, Christian Petzold. Aber er ist doch der Inbegriff dessen, was mit guten und schlechten Gründen Berliner Schule heißt? (Falls sich das auf meine Frage bezieht, was es an Großartigem in Deutschland noch gibt. Bei weiterem Nachdenken sind mit bisher nur Dokumentarfilmer eingefallen, Volker Koepp und Thomas Heise natürlich.)

  • Lukas, 26.02.2010 11:59

    Lemke

  • Ekkehard Knörer, 26.02.2010 12:01

    Stimmt. Lemke ist sozusagen noch einmal ein ganzes deutsches Kino für sich.

  • Rainer Burkard, 26.02.2010 12:02

    Würden Sie abseits davon, aus München, neben Heisenberg niemanden gelten lassen? Christoph Hochhäusler, Maren Ade und Schmids Requiem zum Beispiel.

  • Ekkehard Knörer, 26.02.2010 12:36

    Ich wollte da jetzt kein großes Nomenklaturbrimborium und Verslottungstamtam starten. Für gewöhnlich werden Christoph Hochhäusler und Maren Ade sehr fraglos zur "Berliner Schule" dazugezählt (dass "Falscher Bekenner" für mich einer der wenigen großen deutschen Filme der letzten Jahre ist, ist kein Geheimnis), Maria Speth noch und Ulrich Köhler und sehr gerne von mir aus auch Jan Krüger, dagegen Hans Christian Schmid sicher nicht.

    Ich persönlich fand frühe Sachen von Schmid teils interessant, 23 und Crazy vor allem, aber seit "Lichter" kann ich nur noch wenig damit anfangen. (Die Begeisterung für "Requiem" etwa begreife ich nicht.) Worauf ich aber schon sehr gespannt bin, ist "Im Alter von Ellen", der neue Film von Pia Marais, die zwar an der DFFB studiert hat, aber nicht zur Berliner Schule gezählt wird. "Die Unerzogenen" hat mir sehr gut gefallen. Hauptrolle im neuen Film: Jeanne Balibar. Zu sehen sein wird der Film nicht unwahrscheinlicherweise in Cannes. (Da er bereits 2009 fertig geworden zu sein scheint, frage ich mich schon, ob Marais ihn in Berlin nicht zeigen wollte oder was da mal wieder der Fall war. Vielleicht weiß ja jemand Näheres und darf es sagen.)

  • Ekkehard Knörer, 26.02.2010 12:47

    Da fällt mir noch ein: Weil ich ein Depp bin, habe ich noch keinen Film von Franz Müller gesehen. Ob der irgendwo hineinpasst, kann ich deshalb nicht sagen. (Ich meine, ist eh ein Scheiß mit dem Hineinpassen. Mir wird auch von Satz zu Satz unwohler.) Ich will aber die Filme von Franz Müller endlich sehen. Außerdem wiederhole ich gerne, dass auch "Die Quereinsteigerinnen" von Rainer Knepperges schön sind. Und dann möchte ich auch Stefan Krohmer nicht unterschätzen. Seinen "Sommer 04" finde ich klasse.

  • Rainer Burkard, 26.02.2010 14:29

    dankeschön! Das wären einige deutsche Lichtblicke, von denen das Feuilleton nie etwas verrät. Welche Filme gibt es denn von Lemke und den zuletzt genannten auf DVD?

    An „Requiem“ gefiel mir die Landschaft und wie wenig die Kamera erklärt und die unsichere Ruhe der Hauptfigur.
    Beides sehe ich auch in Kiarostamis "Ta'm e guilass"/"Geschmack der Kirsche"; trotz der Unterschiede. Leider der einzige Film, den ich bisher gesehen habe. Ist „Shirin“ so gut?

  • Ekkehard Knörer, 28.02.2010 08:57

    Mit Lemke ist es notorisch sehr schwierig, er ist einfach in mehr als einer Hinsicht der totale Außenseiter. Von den neueren Sachen finde ich nichts auf DVD, dafür erlaube ich mir den Hinweis auf meinen Lieblings-Lemke, aus den Siebzigern: "Paul", einer der tollsten deutschen Filme überhaupt. Den gibt es, etwas versteckt, auf DVD, hier:
    http://shop.hanseplatte.com/detail/klaus-lemk...

    Ansonsten: "(Keine) Science Fiction" von Franz Müller gibt es ganz normal auf DVD, "Die Quereinsteigerinnen" auch, "Falscher Bekenner" und "Milchwald" (von C. Hochhäusler), "Sommer 04", "Die Unerzogenen", "Madonnen" und "In den Tag hinein" von Maria Speth (letzteren, Speths Erstling, mögen außer mir komischerweise nicht so viele), Maren Ades ganz großartig unerträglichen "Der Wald vor lauter Bäumen", Jan Krügers "Unterwegs" und "Rückenwind", beide auch sehr schön ("Rückenwind" noch etwas schöner) - das gibt es alles z.B. bei Amazon. Und dann fällt mir gerade noch ein, dass ich auch ein großer Fan von Philip Grönings "L'amour" bin, der auch auf DVD greifbar ist. ("Die große Stille" dagegen fand ich enttäuschend.)

    Kiarostami ist ein Kontinent für sich. "Close Up", "Quer durch den Olivenhain", "Wo ist das Haus meines Freundes", "Das Leben geht weiter", "Shirin", "Der Wind wird uns tragen", "Ten", "Geschmack der Kirsche" - in der Reihenfolge wären das jetzt gerade und hier meine Lieblingsfilme von ihm. Der einzige, mit dem ich wirklich nichts anfangen kann, ist "Tickets", als Teil eines Omnibus-Films entstanden. Unglaublich toll sind auch die frühen Kurzfilme, die als eine Art Lehrfilme für Kinder gedacht waren.

  • Anne, 28.02.2010 13:32

    Herzlichen Dank für den erhellenden Perlentaucher-Bericht. Für einen aufschlussreichenden Filmdiskurs halte ich solche mutigen Beiträge für lebensnotwendig, um ein Gegengewicht zur Mainstream-Berichterstattung à la Spiegel Online zu setzen.

  • Rainer Burkard, 01.03.2010 15:34

    danke.

  • Axel, 01.03.2010 17:29

    Kiarostami betreffend muss ich zugeben das TEN (2002) mein Einstieg war - und was für einer!! Dagegen muteten auf einmal die Dogmafilme (mit der Ausnahme von IDIOTEN vielleicht) geradezu kleinbürgerlich wenn nicht sogar lächerlich an. Etwas später sah ich dann CLOSE UP (1990), der mir dann auf andere Weise die Schamesröte ins Gesicht getrieben hat…dachte ich doch bis dahin ganz kleinbürgerlich/lächerlich die interessantesten Filme kämen aus Frankreich ;)