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CARGO Film/Medien/Kultur 37
vom 23. März 2018
CARGO 38 erscheint am 22. Juni 2018

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Film
Container vom 13. Februar 2010 von Ekkehard Knörer

Abu Bollywood Khan
Allianzen.

My Name is KhanKaran Johars My Name is Khan ist ein in mehr als einer Hinsicht faszinierender Film. Darin, wie er so ziemlich jedes bedeutende US-Ereignis der letzten zehn Jahre  (9/11, Katrina, Obama) in die loose-baggy-monster-Form des Masala-Kinos inkorporiert. Und dabei dessen menschheitsumgreifenden Irrsinn - trotz Verzicht auf klassische Song&Dance-Sequenzen - so lange steigert, bis wir alle mit Shah Rukh Khan in einer Kapelle im tiefsten amerikanischen Süden stehen und mit ihm und der afroamerikanischen Gemeinde "We Shall Overcome" singen. (Hier Lukas' Text, dem wenig hinzuzufügen ist.)

Sehr viel unauffälliger als die Bollywood-Provenienz kommt etwas anderes daher: der Schriftzug "Imagenation Abu Dhabi" im Vor- und im Abspann. Man horcht spätestens dann wirklich auf, wenn man liest, dass die Weltpremiere des Films nicht in Bombay, nicht in San Francisco (wo er zum größten Teil spielt) und, nein, auch nicht in Berlin stattfand. Sondern zwei Tage vorher, am 10. Februar, eben: in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Und zwar, genau, wegen Imagenation, der Produktionstochter von Abu Dhabi Media.

Die Firma ist jung und braucht kein Geld, sondern hat es. Nicht zu knapp, man startet mit einem zu investierenden Vermögen von einer Milliarde Dollar. Diese Voraussetzungen machen sie für den Westen wie den Osten ausgesprochen attraktiv. Und Imagenation fährt, unter der Leitung des Ex-Disney-Vizepräsidenten Edward Borgerding, eine sehr interessante Investitionspolitik. Sie versteht sich nämlich als Produktionsfirma mit Gewissen: Öko-Gewissen, sozialaktivistischem Gewissen, you name it.

Dazu passt nicht nur der neue SRK-Film, sondern vor allem ein anderer programmatischer Schachzug, nämlich die Partnerschaft mit der US-Produktionsgesellschaft Participant, die eher still und leise ein wichtiger Player eben im - übrigens jederzeit oscarverdächtigen - Gewissenssegment geworden ist, mit Filmen wie Syriana, Good Night and Good Luck, An Inconvenient Truth, Food Inc. und, in diesem Jahr, The Cove. Das ist wirklich ungewohnte Gesellschaft für einen Bollywood-Blockbuster, der von Yash und Karan Johars Dharma Productions produzierte wurde, bis zunächst der seit einigen Jahren existierenden asiatischen, vorerst nur in Indien tätigen Arm der Fox und dann Imagenation einstiegen. (Fox Star Studios wurde interessanterweise  ziemlich zeitgleich mit Imagenation im Herbst 2008 gegründet.) Bei genauer Betrachtung sind diese Kooperationen und Partnerschaften zwar immer noch unkonventionell gedacht, erscheinen aber von recht bezwingender Logik. Und sind auch ein starkes Indiz dafür, dass der globale Filmmarkt an Orten und in Segmenten zusammenwächst, wo man es zunächst nicht vermuten würde.

Quellen: Variety, Website Participant, Defamer


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