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CARGO Film/Medien/Kultur 38
vom 22. Juni 2018
CARGO 39 erscheint am 21. September 2018

CARGO 38 Cover, CARGO 37 Cover,

Film
Container vom 27. August 2010 von Simon Rothöhler

Will Tear Us Apart
Die Liebe der Kinder.

 

Die Liebe der Kinder beschämt die Liebe der Erwachsenen, weil hier gilt: Baumschule trifft Hochschule, was man lange Zeit herbeikonstruiert finden kann, weil es zunächst gar nicht forciert plausibilisiert wird, weshalb sich die spröde Wissenschaftshistorikerin überhaupt einlässt mit einem Mann, der in Bibliotheken zuerst nach dem Eintrittsgeld fragt. Hat man ja schon oft gesehen, wie eine solche Paarasymmetrie im Kino erzählt wird und wie da von Anfang an eine ziemlich durchsichtige Dramaturgiefalle aufgebaut wird, in die die Figuren dann auch prompt hineinlaufen, als würden sie selber nie ins Kino gehen und nicht wissen, dass es immer ein halbintellektueller Verlegerfreund mit kiloschwerer Persolhornbrille ist, der dann in ganz kleinen, ganz fiesen Gesten insinuiert, dass das nun aber wirklich kein satisfaktionsfähiger Partner ist. Es ist nicht die Sex and the City-normalisierte Genderpointe - dass da mal eine Frau über ihren Mann das Dummficktgutpsychogramm ausbreitet, nur irgendwie netter formuliert - sondern tatsächlich die transparente Idee, einen Teenagerspiegel auf die Erwachsenen zu richten, die Die Liebe der Kinder dann doch zu einem ziemlich guten Film macht, weil auch bei denen die Naivität und Überschwenglichkeit in etwas Brüchiges übergeht. Und trotzdem war es das wert und trotzdem fährt man halt jetzt solo in die Ukraine, das Leben schafft Fakten, hinter die man nicht zurück kann. Und dass mal wieder jemand einen Sautet-Film versucht, und dann auf eine so präzise Verspieltheit kommt, und dass das am Ende sogar alles aufgeht, was doch sehr an den tollen Schauspielern liegt, ist auch prima.

Ab heute in wenigen Kinos: Die Liebe der Kinder von Franz Müller.


1 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • Sano , 27.08.2010 13:53

    Das ist wirklich mal ein unkomplizierter und direkter Film, wie man ihn in der deutschen Filmlandschaft selten findet. Das alles eigentlich völlig klar ist, und der Film seine Strukturen auch sehr offen legt, macht ihn, wie beschrieben, auch noch einmal besser.

    Es geht eben nicht so sehr um die gewohnte Frage "kriegen sie sich, oder nicht", und darüberhinaus sind die Kinder als Figuren auch um einiges interessanter.

    Außerdem kann man mit Marie-Lou Sellem endlich mal wieder eine der besten deutschen Schauspielerinnen in einer Hauptrolle bewundern.

    Also auf ins Kino! :-)