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CARGO Film/Medien/Kultur 41
vom 22. März 2019

CARGO 41 Cover, CARGO 40 Cover,

Film
Container vom 22. April 2010 von Ekkehard Knörer

Mariage à la Doillon
In französischen Kinos.

In dieser Woche ist in Frankreich Jacques Doillons neuer Film Le Mariage à trois (Arbeitstitel war einmal: Aux quatre vents) angelaufen. Eine Theater-Drei-bis-Vierecksgeschichte, prominent besetzt mit Julie Depardie, Pascal Greggory, Louis Garrel und Agathe Bonitzer. Hier ein paar übersetzte Kritikauszüge, faute de mieux. Große Teile der diesjährigen Kinostarts schenkte ich her dafür, den Film sehen zu können. Wahrscheinlichkeit, dass er in deutschen Kinos auftaucht: gegen Null.

Welch ein seltsamer und schöner Film. Le Mariage à trois, zwischen Marivaux, Musset und Tschechow, ist eine Liebeskomödie, in der die Türen knallen und die Leute wüten, davonrennen und wiederkommen, sich liebkosen und sich rüde Worte an den Kopf werfen, und auf diese Weise ein klassisches Liebesdreieck in Szene setzen (der Mann, die Frau, der Liebhaber). Einheit des Orts (ein Haus auf dem Land), Einheit der Zeit (ein Tag), Einheit der Handlung (eine Komödie der Wiederverheiratung): der neue Film von Jacques Doillon zeigt zunächst alle formalen Anzeichen einer klassischen Komödie. Doillon wendet sie jedoch unaufhörlich ins Moderne.

J.B.Morain, Les Inrocks

Es gibt ein paar unangenehme Momente in Mariage à trois und stets geht es in ihnen, das ist kein Zufall, um das Theater. Es will nicht gelingen, Szenen zu mögen, in denen etwa Pascal Greggory aus heiterem Himmel Louis Garrel eine verdammt schwergewichtige Zweieinhalbtonnenfrage stellt: "Warum das Theater?" Hm naja, nein. Jedes Mal, wenn der Film nervt, dann geht es in flagranti darum, das Schöpferische zu erklären. Doillon ist, immer schon, besser, wenn es um die Liebe geht. Das sind die Worte, die er zum Klingen zu bringen liebt. Und deshalb steht er im Grund dem Theater weniger nah als der Choreografie: er liebt es, zu sehen, wenn die Menschen zu tanzen beginnen.

Philippe Azoury, Libération

Der letzte Film von Jacques Doillon, Le Premier Venu, trug so schwer an seinem Gewicht, seiner Gewalttätigkeit, dass man aufs Glücklichste überrascht ist von der Leichtigkeit dieser Mariage à trois. Diese Landpartie vermittelt den Eindruck, auf der Stelle improvisiert zu sein, wie eine Feier der Tändelei, wenn man unter diesem Wort die glückliche Verbindung von Spiel (mit dem Theater und dem Kino) und der fleischlichen Liebe versteht.

Thomas Sotinel, Le Monde

Der Trailer zum Film ist hier:

Und als Bonus noch zwei Video-Interviews mit Jacques Doillon, zwischen denen genau 30 Jahre liegen. Das eine von 1979, das andere ganz aktuell, zum neuen Film. Leider ohne Untertitel, aber es geht mir auch eher um die Arbeit der Zeit an einem Gesicht, einer Person:

 

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