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Aktuelle Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 39
vom 21. September 2018

CARGO 39 Cover, CARGO 38 Cover,

Container vom 15. April 2010 von Ekkehard Knörer

Cannes 2010
Infos zu Wettbewerb & Un certain regard.

Cannes 2010Nach vielen Gerüchten nun offiziell bestätigt sind unter anderem die folgenden Filme für Cannes 2010:

Beginnen wir mit der vielleicht doch interessantesten Reihe, nämlich Un Certain Regard, und da wiederum mit Christoph Hochhäusler. Dessen in CARGO #4 bereits vorgestellter, gemeinsam mit Ulrich Peltzer geschriebener Film Unter dir die Stadt wird hier zu sehen sein. In nicht ganz schlechter Gesellschaft:

Nämlich der Jean-Luc Godards mit dem viel umrätselten und in der einen und anderen Form im Netz vielfach schon gestreuten Projekt Socialisme. Angeblich oder möglicherweise ist dies hier, in etwas über einer Minute, sogar der ganze Film, wenngleich stark beschleunigt und rückwärts gespielt:

FILM SOCIALISME / JLG / FILM ANNONCE 6 from Lieutenant D. on Vimeo.

Außerdem der Neue von Hong Sang-soo - fabelhafter Titel Hahaha, dessen koreanischer Trailer keine radikalen Abweichungen vom bisherigen Hong-Pfad erwarten lässt (nicht, dass man sich solche wünschen müsste):

 

Von besonderem Interesse auch AURORA, Cristi Puius nächster Film aus seiner Serie "Geschichten aus den Vorstädten Bukarests" - er spielt darin selbst auch die Hauptrolle.

Informationen zu weiteren Filmen in UCR folgen.

Zum Wettbewerb:

Apichatpong Weerasethakuls Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives - der Kurzfilm A Letter to Uncle Bonmee - hier online zu sehen - war bereits (wie im Grunde die ganze Primitive-Installation, die in München und Paris zu sehen war) eine Vorarbeit zu dem neuen Langspielfilm, der von einem durch die Zeiten geseelenwanderten Mann erzählt.

Mit wirklich viel Spannung erwartet: Abbas Kiarostamis erster "konventioneller" Spielfilm seit langem, außerdem sein erstes außerhalb des Iran, nämlich in Italien gedrehter Langfilm, Certified Copy mit Juliette Binoche in der Hauptrolle. (Was das Festivalposter jetzt allerdings in ein etwas merkwürdiges Licht rückt, denn darauf ist, siehe oben, justament Juliette Binoche zu sehen.)

Aus Frankreich: Der neue Film Des hommes et des dieux von Xavier Beauvois, dessen Petit Lieutenant (2005) in bester Erinnerung ist. Der Film beruht auf der tatsächlichen Geschichte von sieben Zisterziensermönchen, die von algerischen Fundamentalisten ermordet wurden. In den Hauptrollen: Lambert Wilson und Michael Lonsdale.

Und noch ein französischer Schauspieler/Regisseur taucht - durchaus überraschend - im Wettbewerb auf: Mathieu Amalric, der in seinem Langfilmregiedebüt (fürs Kino, Fernsehfilme hat er bereits gedreht) mit dem Titel Tournée, in dem es um eine Tournee amerikanischer Burlesk-Tänzerinnen in Frankreich geht. Die Hauptrolle des Produzenten der Truppe spielt dabei Amalric selbst. 

Selten genug passiert es, dass ein afrikanischer Film im Wettbewerb eines der großen Festivals auftaucht. Erfreulicherweise wird man das jüngste Werk Un Homme Qui Cri des auf den westlichen Festivals allerdings bestens eingeführten tschadischen Regisseurs Mahamat-Saleh Haroun (Daratt) zu sehen bekommen.

Zwei koreanische Filme laufen im Wettbewerb. Zum einen Im Sang-soos Remake von Kim Ki-youngs großartigem Klassiker The Housemaid (1960) - das Original gibt es nach wie vor in der von der  World Cinema Foundation restaurierten Fassung umsonst bei The Auteurs zu sehen (nach Registrierung). Im Sang-soos berühmtester Film ist wohl The President's Last Bang (2005), einer Rekonstruktion des Mordes am früheren koreanischen Präsidenten Park Chung-hee. (Eine seltsame Komödie, deren Punkt ich nicht wirklich verstanden habe. Der Trailer ist hier und nach dem Film als ganzen muss man, nun ja, auch nicht lange suchen.) Der andere koreanische Film ist das neue Werk des Ex-Kulturministers Lee Chang-dong, Titel Poetry, nach dem herausragenden Vorgänger Milyang verspreche ich mir sehr viel. Trotz der etwas sehr nach Arthouse-Kitsch klingenden Zusammenfassung:

A profound story of an elderly woman in search of the fundamental poetry from her life. Aside from being sentenced with an Alzheimer's disease, she faces another dilemma when her teen-aged grandson who is under her care is found to be one of the assaulters of a girl from his junior-high school who had committed suicide.

Einen Trailer gibt es auch, der ist hier:

Außerdem: Aus Hollywood Doug Limans Fair Game, Neues von Takeshi Kitano, Bertrand Tavernier, Nikita Mikhalkov, Mike Leigh, Rachid Bouchareb, Alejandro Gonzalez Inarritu's und Daniele Lucchetti. Infos zu weiteren Filmen folgen in Updates - es fehlen wohl insgesamt noch sechs [Korrektur: eher drei oder vier] Wettbewerbstitel. Der von vielen ersehnte Tree of Life von Terrence Malick ist nicht rechtzeitig fertig, hieß es - Überraschungen in dem Fall aber wohl nicht ausgeschlossen.

Ein Unbekannter ist für mich Sergei Loznitsa, der ganz offensichtlich (meine Schande) einen hervorragenden Ruf als Dokumentarfilmer hat. Der Titel seines Wettbewerbsbeitrags lautet - er ist nur in englischer Sprache angegeben - You, My Joy. Ein Porträt und Interview aus dem letzten Jahr findet sich bei Kino Kultura.

Auch die Wettbewerbs-Jury ist jetzt komplett: Neben dem Vorsitzenden Tim Burton sind Kate Beckinsale, Giovanna Mezzogiorno, Alberto Barbera, Emmanuel Carrere, Benicio del Toro, Victor Erice und Shekhar Kapur vertreten. 

Update:

Der Rest von Un Certain Regard

Derek Cianfrances Blue Valentine (Debütfilm), Manoel de Oliveiras neuer Film O Estranho Caso de Angé (nach einem bereits 1952 von de Oliveira selbst verfassten Drehbuch), Xavier Dolans Les Amours Imaginaires (hier ein Youtube-Interview mit dem Regisseur),  Ivan Funds und Santiago Lozas Los Labios, Fabrice Goberts Simon Werner a disparu (Debütfilm), Lodge Kerrigans Rebecca H., Agnes Koscis' Pal Adrienn, Vikramaditya Motwanes Udaan (Debütfilm), Radu Munteans Marti, Dupa Craciun, Oliver Schmitz' Life Above All, Daniel Vegas Octubre (Debütfilm), David Verbeeks R U There und Xiaoshuai Wangs Rizhao Chongqing.

Und dann noch der Wettbewerb Außer Konkurrenz:

Ridley Scotts Robin Hood als Eröffnungsfilm, Oliver Stones Wall Street: Money Never Sleeps (der uns zu unserem Dossier im aktuellen Heft inspiriert hat), Stephen Frears' Tamara Drewe und Woody Allens Rückkehr nach London mit You Will Meet a Tall Dark Stranger.


6 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • Lukas, 15.04.2010 12:17

    schon sonderbar, dass puiu nicht im wettbewerb läuft...

  • Ekkehard Knörer, 15.04.2010 12:33

    Schwer zu deuten. Vielleicht ist die rumänische Welle schon nicht mehr Filmweltöffentlichkeitswichtig? Oder doch ein bisschen ein Vanity-Projekt, wenn er da selbst die Hauptrolle spielt? Kennst Du was von Losniza, klingt faszinierend, was ich da gerade so sehe und lese beim Herumsuchen.

  • Lukas, 15.04.2010 13:07

    Nein, auch noch nie gehört... Hört sich tatsächlich sehr interessant an. Blokada gibt es auf Youtube, sehe ich gerade:
    http://www.youtube.com/watch?v=wI5Mee9TMdg&fe...

  • Christoph, 15.04.2010 16:06

    zu Sergej Loznitsa:

    http://www.majade.de/produktion_de.htm

  • Ekkehard Knörer, 15.04.2010 16:23

    Danke für den Link. ma.ja.de, das ist doch die Firma, die die Thomas-Heise-Filme produziert! Spannend. Das ist dann wohl Loznitsas erster Spielfilm, so weit ich sehe. (Und auch eine Ausnahme bei ma.ja.de). Hm, düstere Parabel, Spirale der Gewalt, heutige Zustände, das klingt mir zunächst mal ein wenig wie "Zeit des Zorns" von Rafi Pitts. Aber alle anderen Zeichen stehen auf hoch interessant.

  • Philipp, 30.04.2010 12:10

    Vor ein paar Jahren habe ich mal den Film "Portret" von Loznitsa gesehen, sehr interessant. Ein Schwarzweißfilm in langen statischen Einstellungen, in denen Menschen aus einem (ich glaube) russischen Dorf in die Kamera gucken. In die Zeit ausgedehnte Fotos, Porträts mit Zeitachse sozusagen. Hat glaube ich in Oberhausen damals den Hauptpreis gewonnen.

    Ein anderen frühen Kurzfilm gibts in großen Ausschnitten bei youtube:
    http://www.youtube.com/watch?v=6brmK7HebJg