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Film
Container vom 13. April 2010 von Ekkehard Knörer

RIP Werner Schroeter
(1945-2010)


4 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • Gerstner, 13.04.2010 20:36

    hier noch mehr auf ubuweb:

    http://www.ubu.com/film/schroeter.html

    im Umgang mit Musik und Bewegung war er master of the universe (siehe "Deux" von 2002, der für die deutsche Filmkritik im Übrigen scheinbar nie stattgefunden hat - er wird hierzulande jedenfalls praktisch nicht erwähnt - natürlich auch "nuit de chien"); da trifft er einen ganz unmittelbar, in einer weise wie es letztens im dt. Kino sonst keiner hingekriegt hat und wie man es heute vielleicht nur noch bei Frears oder Wong Kar Wai erleben kann

  • Ekkehard Knörer, 14.04.2010 08:41

    Frears? Wieso ausgerechnet Frears?

  • simon rothöhler, 14.04.2010 11:57

    "Ich habe ein gutes Gedächtnis. Das heißt, ich kann vieles abrufen. Ich könnte jetzt aus Partituren Noten aufschreiben. Dieses positive Gedächtnis ist wie eine große Bibliothek in meinem Kopf und etwas anderes als Erinnerung. Es hat mit Präsentbleiben dessen zu tun, was ich irgendwann gehört oder gelesen habe. Die Erinnerung, die mit sentimentalischen, melodramatischen Ereignissen, also sinnlichen Situationen verknüpft ist, sitzt in mir drinnen wie ein Pfahl im Fleische. Das Aufgehen im Hier und Jetzt hilft mir aber über Belastendes hinweg."

    schönes interview im freitag: http://www.freitag.de/kultur/1014-schroeter-i...

  • Gerstner, 15.04.2010 23:11

    2001 und 2002 hat Schroeter in München mehrwöchige Regieseminare gegeben. An einem Abend lief zufällig Frears Gefährliche Liebschaften im Fernsehen und Schroeter hat sich den Film damals angesehen und dabei all die kleinen Dinge kommentiert, die richtig zu machen, das Wesentliche in so einem Film ist, aber Jahre der Arbeit kostet, und er hat das was Frears da geleistet hat auch sehr respektiert, weil er ja von sich selbst wusste, wieviel Übung so etwas braucht: Musikalität einer Choreografie, die Führung von Schauspielern in historischen Kostümen, jede Geste, jedes Zusammenspiel; das Entwickeln musikalischer Idee für die Nachvertonung; in so etwas war Schroeter ein Meister, aber Frears ist mit den Liebschaften auf der Grundlage eines Genres, ebenfalls etwas in der Tat Außergewöhnliches gelungen und er und Schroeter kommen sich da für einen kurzen Moment ungewöhnliche nahe – hier teilt Frears Schroeters Bekenntnis zur ungebrochenen Darstellung von Emotion, wie es im industriellen Großfilm, glaube ich, sonst nur selten so gelungen ist, und er benutzt alle ihm zu Verfügung stehenden gestalterischen Mittel mit großer Kennerschaft und Wirkung. Es ist deshalb nicht wirklich rechtens, Schroeter den Status des Exoten zu verleihen, denn was er tut, das verfolgt eigentlich jeder Filmemacher, der das Medium wirklich zum Ausdruck von Emotion verwenden möchte, insbesondere von Sehnsuchts- und Verlustphantasien. Schroeter hat sich jedoch die Freiheit genommen, sich seine eigene narrative Struktur zu geben, und die grundsätzlichen Fragen nach Sinn und Form anders zu beantworten, als heute üblich, mit der Befriedigung leichter zu seinem künstlerischen Ziel zu gelangen, als jene, denen ihr Engagement im Filmgeschäft dazu nicht die Möglichkeit bietet. Seine Theatralik und formale Freizügigkeit verbindet ihn vielleicht mit den Regisseuren des Stummfilms, die ja ebenfalls mit puren sinnlichen Elementen gearbeitet haben, so hat Schroeter den Film ein Stück weit zu seinen Ursprüngen zurückgeführt und auch eine verloren gegangene Utopie ausgelebt. Und ich vermute, viele im “bizniz” tätige Regisseure (nicht nur Frears) sehnen sich insgeheim nach dieser Utopie. Den wenigstens ist es vergönnt, das dann auch umzusetzen.

    p.s. zugegeben, liaisons ist schon etwas älter, und in Cheri hat das leider nicht mehr richtig klappen wollen.