• CARGO  
  • Abonnieren
  • Einzelheft bestellen (portofrei)
  • Back Issues
  • Verkaufsstellen
  • Jahresrating
  • Newsletter
  •   22. Mai 2012  

Aktuelle Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 13
vom 15. März 2012

CARGO 13 Cover, CARGO 12 Cover,

Container vom 24. November 2009 von Ekkehard Knörer

TIFF Liste
Top 50.

Nein, keine Angst, ich habe nicht vor, jetzt jede neu auftauchende Top-Liste mit Filmen der Nullerjahre hier zu verlinken. Eine aber geht auf jeden Fall noch, weil sie nämlich sehr interessant ist. Ermittelt ist sie nach einer Umfrage des Toronto International Filmfestival bei den wichtigsten Filminstitutionen weltweit. Die Top Ten gleich hier unten aufgelistet, den Rest kann man bei Indiewire nachlesen. Diese Liste ist ziemlich genau das Gegenstück zu der kürzlich erwähnten der London Times - also: quasi nur Filmkunst und Arthouse drauf. Kein einziger richtiger Hollywood-, kein Bollywoodfilm. Zu meiner eigenen Irritation stelle ich fest, dass ich eigentlich sehr einverstanden bin mit der Auswahl (Russian Ark, ein Film, der mich schrecklich genervt hat, ist für meine Begriffe der schlimmste Missgriff unter den Anwesenden; Pan's Labyrinth hat mich auch schwer gelangweilt; so richtig definitiv vermisse ich auf Anhieb aber nicht viel - Tiraden in den Kommentaren freilich sehr willkommen).

1. Syndromes and a Century (Apichatpong Weerasethakul, Thailand) – 53 votes
2. Platform (Jia Zhang-ke, Hong Kong, China/China/Japan/France) – 49 votes
3. Still Life (Jia Zhang-ke, China) – 48 votes
4. Beau travail (Claire Denis, France) – 46 votes
5. In the Mood for Love (Wong Kar-wai, Hong Kong, China) – 43 votes
6. Tropical Malady (Apichatpong Weerasethakul, France/Thailand/Germany/Italy) – 38 votes
7. The Death of Mr. Lazarescu (Cristi Puiu, Romania) – 35 votes
Werckmeister Harmonies (Béla Tarr, Hungary) – 35 votes
8. Éloge de l’amour (Jean-Luc Godard, Switzerland/ France) – 34 votes
9. 4 Months, 3 Weeks, 2 Days (Cristian Mungiu, Romania) – 33 votes
10. Silent Light (Carlos Reygadas, Mexico/France/Netherlands) – 32 votes

3 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • Sano, 26.11.2009 19:05

    Hmm... also wesentlich besser als die Liste der London Times gefällt mir diese auch nicht wirklich. Zwar kann ich sie ernster nehmen, und es fehlt der übliche Quark, aber vorhersehbar und ebenso ohne Überraschungen ist sie trotzdem. Wenn ich hätte raten müssen, was die anglophilen Kritiker und Kuratoren aus dem gehobenen Kunstkinobereich auswählen würden, hätte ich so ziemlich die gleichen Filme genannt. Nicht, dass die meisten Filme nicht sehenswert wären (dem Russian Ark-Bashing möchte ich mich aber unbedingt anschließen - keine Ahnung was der - vor allem - in so einer "elitären" Liste macht), aber man bekommt schon das Gefühl, dass besagte Leute nicht wirklich viele Filme der letzten 10 Jahre gesehen haben, bzw. einen sehr beschränkten Geschmackshorizont besitzen.
    <br>
    Vielleicht sind im Grunde alle Listen die auf einem Konsens (bzw. einer Mehrheitsentscheidung/-abstimmung) beruhen grundsätzlich dubios.

  • Ekkehard Knörer, 26.11.2009 20:14

    Mein erster Eindruck ging durchaus in eine ähnliche Richtung, es gibt da einen Zug der aesthetical correctness, der mich unruhig stimmt. Nicht dass ich Überraschung an sich für einen Wert halte in einer Bestenliste; es ist eher ein Mangel an Durchmischung, der da auffällt. Es gibt einen eklatanten Mangel an Genre-Filmen auf dieser Liste, eigentlich nur zwei, die man da hintun könnte, extrem auteuristische natürlich: "Tenenbaums" als Komödie, "History of Violence" als Thriller. Nix aus dem Apatow-Umfeld (aber hallo!), kein Michael Mann, kein Johnnie To (wobei ich da wohl nur "PTU" reinnähme, auch kein richtiger Genrefilm). Oder Spike Lee. Ferrara! Mal abgesehen davon, dass Lav Diaz fehlt. Und Hong. Und Spätes von Rohmer und Rivette. Und durchaus mehr Deutsches, auch Österreichisches. Mamoru Oshii fehlt mir auch. Und wie wär's mit "Kung Fu Hustle"? Eastwood, dachte ich erst, aber eigentlich doch nicht. Ah, aber "Brown Bunny". "Zodiac", trotzdem bleibt die Tatsache: Es war ein ziemlich erbärmliches Hollywood-Jahrzehnt. Und Experimentalfilme fehlen komplett. Kaum Dokumentationen außerdem (kein Wiseman!). Aber was sehen Sie da jenseits des Horizonts?

  • Sano, 27.11.2009 00:57

    Im Prinzip sehe ich auch nicht viel weiter über den Horizont. Mit ein Grund warum ich von solch einer Liste mehr erwarten würde - gerade von Filmkuratoren.

    Was ich lieber sähe nehmen Sie mir im Prinzip aus dem Mund: Brown Bunny (ist bei mir zur Zeit No.1 für die Dekade), Lav Diaz, Mamoru Oshii, Michael Mann, mehr Genrefilme, etc.
    Aber das sind im Prinzip auch nur persönliche Vorlieben.
    Ihre beiden letzten Sätze treffen Grundsätzlicheres: wo sind Experimentalfilme, oder Dokus, oder Kurzfilme, oder was auch immer.

    Natürlich ist eine Solche Liste immer beschränkt und kann nicht alles was auch immer das sein soll) enthalten. Aber wieso sind da nicht ein paar abwegige Überraschungen?
    "Der Mangel an Durchmischung" trifft es wohl am ehesten.

    Persönliche Ideen wären zum Beispiel Olivier Meyrous "Au-dela de la haine" für einen großartigen Dokumentarfilm, oder Tizza Covi und Rainer Frimmels "Babooska", Heinz Emigholz' "Goff in der Wüste", Avi Mograbis "Avenge but One of my Two Eyes" oder Thomas Arslan's "Aus der Ferne" (wäre aber auch mit Wisemans "State Legislature" zufrieden).
    Oder z.B. kleine kosmetische Eingriffe: statt Tsais "Goodbye Dragon Inn" Lee Kang-shengs "The Missing", "Battle in Heaven" anstelle von "Silent Light", oder Wes Anderson ersetzt durch James Gray (wenn schon nicht Vincent Gallo).
    Als deutscher Filmfan weiß man ja auch, dass es abseits der bekannten Vertreter des nationalen Outputs im Ausland auch unbekanntere Filme gibt die großartiges Leisten. Meine Top 100 würde vollgestopft mit deutschen Filmen sein, die die wenigsten im Ausland kennen. Nicht weil sie international nicht relevant wären, sondern weil es einfach zu viele Filme gibt, die im Festivalzirkus nicht beachtet werden oder gar nicht stattfinden.

    Ich würde mir von Dekadenlisten einfach wünschen neben den bereits erwähnten Durchmischungsproblemen vor allem zwischen "Kunst und Kommerz", wenigstens eine handvoll Filme gelistet zu sehen, von denen ich noch nie gehört habe. Das dürfte bei mehreren Hunderttausend gedrehten Filmen (und hoffentlich ebensovielen verschiedenen Geschmäckern) ja irgendwie zu machen sein.