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Neue Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 40
vom 14. Dezember 2018

CARGO 40 Cover, CARGO 39 Cover,

Serie
Container vom 20. März 2009 von Simon Rothöhler

Post-Demokratie: «Kings»
Auf NBC wird sonntags zur Prime Time wieder regiert

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Der bibelfeste Josiah Bartlet hat sich als King Benjamin Silas (Ian McShane) reinkarniert, programmtechnisch jedenfalls. Der Preis ist hoch: Er sieht jetzt aus wie Al Swearengen. Der Wilde Westen und West Wing sind gleichermaßen reaktionär überwunden in Kings, einer neuen NBC-Serie, die vergangenen Sonntag anlief: «a contemporary re-telling of the timeless tale of David and Goliath». Das Alte Testament als Skript für einen Quotenhit in schweren Zeiten? Fantasiert hier eine Nation am ökonomischen Abgrund ihre Rettung durch eine neue Entscheidungstyrannei herbei? Eine unwiderstehliche First Family hat das Land ja bereits, wie Obamas Auftritt bei Jay Leno gestern noch einmal verdeutlich hat (die Behindertenverbände werden sich wieder beruhigen).

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In Kings sind die USA ein zeitgenössisch anmutendes Königsreich namens Gilboa, das Krieg mit feindlichen Mächten im Norden (Kanada?) führt, aber immerhin den Wiederaufbau der zerstörten Hauptstadt Shiloh feiern darf. Der monarchische Regierungssitz sieht aus wie Libeskinds Freedom Tower-Entwurf, liegt geographisch aber etwas weiter Uptown: man blickt auf den Central Park. Ostentativ feiert die erste Folge die vertikalen Finanzpaläste Manhattens. Krisenpolitik als Soap: Ein einfacher Soldat aus der Provinz rettet ohne es zu wissen den Playboy-Sohn des Königs und tritt ein in das Machtfeld einer Dynastie mit Dallas-Potential. Allein vom Casting her ist klar, dass der gelernte Kfz-Mechaniker (David Sheperd) es mit der aparten Tochter (Allison Miller) des Herrschers zu tun bekommen wird (und zwar nach 34 Minuten: sie im roten Kleid, er routiniert am Klavier), die ihren Vater mit Vorschlägen zur Verbesserung der allgemeinen Krankenversicherung enerviert. «Hope lies in bravery. And we need hope» sagt der gottesfürchtige König im Wahlkampf am heimischen Küchentisch. Er stehe uns bei.


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