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CARGO Film/Medien/Kultur 41
vom 22. März 2019

CARGO 41 Cover, CARGO 40 Cover,

Thema/Reihe Kosmos Apatow
Container vom 22. Juni 2009 von Ekkehard Knörer

Observe and Stay Away
Weggeschaut.

Shopping Center King

Jody Hills Komödie (?) Shopping-Center King ist am Startwochenende an den deutschen Kinokassen, freundlich gesagt, total abgeschmiert. 5000 Zuschauer, das ist eigentlich die Kategorie, in der sonst nur beinharte Kunstfilme landen. Und vielleicht ist über das so dokumentierte Zuschauerinteresse auch die hinter der Hollywood-Komödien-Star-Fassade eigentliche Zielgruppenzuordnung getroffen. Das Desinteresse ist bedauerlich, denn das ist ein durchaus faszinierender Film.

Seth Rogen tritt darin auf als Mall-Cop, dem auf schreckenerregende Weise nichts Menschliches fremd ist. Der Film ist nicht auf seiner Seite, aber auf einer klar identifizierbaren anderen Seite ist er ebenfalls nicht. Gegen Ende dreht er ab wie sein "Held". Observe and Report, so der sehr viel passendere Originaltitel, ist der erste Film, bei dem ich eigentlich keine CARGO-Rating-Punkte geben konnte. Die 49, die es dann wurden, sind ein windelweicher Kompromiss. Also im Grunde: versagt. Ich kann Ihnen versichern, dass es Ihnen nicht im engeren Sinn Spaß bereiten wird, den Film zu sehen. Was nichts daran ändert, dass er auf seine extrem ungemütliche Art unvergesslich ist. (Hier ein bisschen mehr dazu.)

P.S.: Ich habe meine Bewertung jetzt doch deutlich erhöht. Aber, nochmal: Sehen Sie selbst.


6 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • simon rothöhler, 22.06.2009 16:12

    im sinne eines weiter- und woandershindenkens der ohnehin sich unermüdlich ausdifferenzierenden us-komödie ist jody hill im moment vielleicht wirklich die entscheidende adresse. die hbo-miniserie eastbound & down (die wesentlichen credits teilt sich hill hier mit david gordon green und danny mcbride) war schon maximal eigensinnig; observe and report dreht den tonfall dann mit einer härte ins beunruhigende, wie das lange keinem film mehr gelungen ist, der von autoritärem bewusstsein handelt.

  • Piblokto, 24.06.2009 09:42

    Von Beunruhigung konnte bei mir keine Rede sein. Stattdessen musste ich mich durch die wie im Reality-TV abgehandelten, auf böse-provokant getrimmten, sexistischen und rassistischen Gags förmlich durchquälen.
    Es ist wie so oft im Kino des neuen Jahrtausends: irgendwas fällt aus dem Rahmen und wird intellektuell mit gesellschaftsanalytischem Subtext aufpoliert.
    Dabei ist es nur der etwas andere Judd Apatow-Film.

  • Simon Rothöhler, 24.06.2009 10:07

    sehr beunruhigend finde ich, wie hill die freundliche ladengemeinschaft aus "the 40 year old virgin" ins negative wendet. als film über eine shopping mall steht "observe and report" aber ohnehin eher in der george romero-tradition. insofern: wenn, dann der sehr andere apatow-film, eine zombiekomödie.

  • Piblokto, 24.06.2009 12:22

    erst travis bickle, jetzt noch romerosche kaufhauszombies: vielleicht doch ein bisschen zuviel des guten.
    über das eine oder andere lässt sich ja zumindestens streiten, aber ich finde ihn vor allen dingen visuell und inszenatorisch ziemlich dürftig. Und ist nicht die kombination aus kamerablick in das dekollte von anna farris und den gegenschnitten beim zielscheiben-geballer auf den genitalbereich allzu platt?

  • Ekkehard Knörer, 26.06.2009 12:09

    Auf die Gefahr hin, dass das jetzt wieder Gedanken sind, die sich Ihrer Ansicht nach beim Betrachten eines solchen Films verbieten: Ist die Plattheit nicht nur der erwähnten Stellen etwas, dessen Affirmierung der Film umstandslos betreibt oder fordert? Oder geht es nicht auch auf dieser Ebene um einen heftigen Kampf der Identifikationen? Soll heißen: Der Film ist nicht einfach platt, sondern er fragt mit jeder seiner Plattheiten den Zuschauer: Wie verhältst du dich dazu?

    Übrigens unterschätzen Sie auch Judd Apatow nebenbei.

  • Kim Soma (blendwerk.tv), 31.08.2009 12:49

    Hey, Leute, bin neu hier und finde was komisch?:

    "Auf manches - wie etwa eine Quasi-Vergewaltigung, die mit gutem Grund die berüchtigtste aller Szenen des Films ist - kann man nur mit Abscheu und Ekel reagieren. Anderes bricht auf so mutige Weise mit allen Erwartungen und Konventionen, dass man Jody Hill, der explizit Scorseses "Taxi Driver" als Vorbild nennt, den Respekt kaum verweigern kann."

    Ääh, ist das nicht alles ziemlich komisch verkopft? Der Film hat doch aufgrund schon seines Genres ein ganz klares Verkaufsziel. Wozu das Interesse an einer m.E. fragwürdigen Meta-Ebenensuche? Hier wird von "auf extrem ungemütliche Art unvergesslich" geredet. "Die Schmerzgrenze" eines erträglichen Filmthemas an den Rand zu treiben, das heißt doch mittlerweile nur, den Moment zu schaffen, wo ich als Konsument TRAURIG (i.e.: "unterfordert", nicht "erlöst") auf meine Popcorntüte und meine Bechercola (..gibt ja nix anderes dort zu trinken, hallo?) blicke, weil ich nicht mal mehr ekel auf die Leinwand zu schauen und dann fluchend das Kino verlasse, was ist daran bitte bewunderns- oder erwähnenswert?

    Der Regisseur stellt eine These auf und ich soll sie dann als Zuschauer beweisen, nein, das ist doch seine Aufgabe, er wollte mir doch etwas damit sagen, oder vielleicht doch einfach nur "Geld verdienen"...

    (Zitat, Herr Knörer: "Der Film ist nicht einfach platt, sondern er fragt mit jeder seiner Plattheiten den Zuschauer: Wie verhältst du dich dazu? ")

    Einfaches anderes Beispiel: In "Brüno" sehen wir eine Truppe durchschnittlicher TV-Konsumenten, die in "Brüno" als echt rüberkommen sollen. Während sie das platte Programm des so stolzen Pseudo-Österreichers "testen", werden auch wir so ganz nebenbei gleich mal mit "rasiert". Ich kann mir also "Brünos" rotierenden "Schwanz" hundert Mal anschauen, ohne auch nur im Ansatz verstehen zu wollen, was das Bild soll, es ist schlichtweg überflüssig. Es ist weder provokant, noch vielschichtig. Es ist ein mit voller Absicht prima gepostetes 2D Bild in einem TV Gerät und es versucht sich platt über einen differenzierenden Wahrnehmungsprozeß hinwegzusetzen, in dem es in einem Raum mit TV-Testern dargestellt wird und ganz kurz zu einem Kino-Vollbild wird, um mich zu "schocken"? "Oh god, I was so shocked, my dear. Can you pass the cookies please, darling?" Weder ein Zoom auf den TV-Kasten in dem besagten Vorführraum, noch eine andere klare "Position" (i.e. Haltung des Filmherstellers) wird in dieser Darstellung möglich. Der Zuschauer kann also keine Position beziehen, weil es den Regisseur auch gar nicht interessiert, er will mich nur einfach mal wieder doof manipulieren und dabei viel Geld verdienen. So geht das doch die ganze Zeit mit all diesen zynischen neuen "Komödien" aus Hollywood, Du hustest als Konsumer nicht mehr vor Lachen, sondern weil Du schon wieder ne Kippe im Maul hast...

    Fazit:
    Eine kritische Bereitschaft für klare Aussagen im Zusammenhang mit Filmkultur ist einer kompromissbereiten, sinnlosen Blogmentalität des Dauerpostens gewichen. Ich für meinen Teil weiß nach dem Lesen des oben erwähnten Filmbeitrages nicht mal, warum ich diesen oben beschriebenen Film nicht sehen sollte, sorry. Jean Seeberg dagegen, das habt ihr fein im Netz gefunden und bei Euch gepostet...