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CARGO Film/Medien/Kultur 40
vom 14. Dezember 2018

CARGO 40 Cover, CARGO 39 Cover,

Anderes Kino
Container vom 19. Juni 2009 von Ekkehard Knörer

Bitomsky tritt zurück
DFFB.

Diese Meldung kommt gerade per Mail rein: (Hier die offizielle Meldung.)

Der Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), Professor Hartmut Bitomsky, scheidet mit Wirkung zum 31. Juli 2009 aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt aus.

Bitomsky war einst - 1968 - als einer der ersten Studenten der 1966 gegründeten DFFB mit 18 weiteren Studenten wegen linksradikaler Umtriebe von der Hochschule relegiert worden. Er war später einer der wichtigsten Essayfilmer der Republik und kehrte als Dozent an die DFFB zurück - sein Einfluss auf die heute so viel gefeierten RegisseurInnen der "Berliner Schule" wie Angela Schanelec, Christian Petzold und Thomas Arslan war dabei beachtlich. Petzold hat auch mehrfach als Assistent bei Essayfilmen Bitomskys mitgearbeitet.

Ich weiß nichts über die Hintergründe seines Rücktritts. Was ich jedoch zuletzt gehört habe, ist, dass die großen Hoffnungen, die mit der Berufung Bitomskys im Jahr 2006 verbunden waren, sich kaum erfüllt haben. Die Hoffnungen waren: Schärfung des intellektuellen und filmpolitischen Profils der Filmhochschule nach den nicht nur in dieser Hinsicht bitteren Jahren unter Reinhard Hauff. Daraus ist offenkundig nichts geworden, vielmehr schien Bitomsky zuletzt selbst auf eine marktkonformere Ausbildung zu drängen. Falls jemand unter den Mitlesenden da genauere Einblicke hat: in den Kommentaren oder per Mail gerne an mich.


8 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • Markus Walter, 19.06.2009 19:33

    Keineswegs sind die Jahre unter Reinhard Hauff als "bitter" zu bezeichnen. Er hat die dffb zu an führende Position der Filmhochschulen in Deutschland gebracht und durch seine umfangreichen Kontakte in die Filmbranche und seine Kooperation mit externen Produzenten die Qualität der Ausbildung auf ein sehr hohes Maß getragen, unter Mitwirkung von international bekannten Regisseuren und Produzenten, die als Dozenten fungierten.

    Unter den Studenten an der dffb hat sich ein Unmut breit gemacht, da Bitomsky innerhalb kürzester Zeit viele personelle und strukturelle Veränderungen in die Akademie gebracht hat und allgemein in seiner Funktion als Direktor nicht sehr vertrauensbildend gearbeitet hat. Ich schätze der Rücktritt ist eine Reaktion auf die Proteste der Studenten, die alle händeringend auf den frischen Wind warten, der an der dffb in den letzten Jahren verstaubte. Aber genauere Informationen liegen mir auch nicht vor.

  • Ekkehard Knörer, 19.06.2009 20:33

    Ich bin kein Insider der dffb. Was ich über Hauff gehört, gelesen und wie ich ihn wenigstens einmal auch selbst erlebt habe: das war aus meiner Perspektive eher bitter.

    Aus der Perspektive nämlich, dass die dffb - wenigstens nach außen - einmal viel auf intellektuelle und ästhetische Qualität gab, auf historische Kenntnisse und Offenheit über Mainstream und Spielfilm hinaus. Mag sein, manches oder vieles davon war eh sehr früh nur noch Mythos.

    Hauff aber stand, wie ich das verstand, sehr programmatisch dann für Professionalisierung im Sinne von: Annäherung an das, was in der Branche - und d.h. eben nicht zuletzt im Fernsehen - als State of the Art galt. Und das hießt doch eher: Verschulung ("Strukturierung"), Anpassung, Abwehr von Theorie und Experiment, Fetischisierung der Praxis.

    Klar, das war nach außen erfolgreich, er hat vernetzt und Drittmittel eingetrieben. Ich wüsste jetzt aber auch nicht, welche wirklich künstlerisch interessanten RegisseurInnen (oder VertreterInnen der anderen Disziplinen) aus seiner Direktionszeit hervorgegangen sind. (Leider ist die Website aber auch so schlecht und zeigt man sich so wenig stolz, dass dort nichts über die AbsolventInnen zu erfahren ist.)

    Aber wenn ich mich da täusche, dann lasse ich mich gerne eines besseren belehren.

  • Josef Tuchel, 22.06.2009 16:15

    Eine Auflistung der AbsolventInnen der dffb findet sich hier.
    http://www.dffb.de/html/listeabs.html
    Den Eindruck von Ekkehard Knörer, dass ab '95 zumindest auf der künstlerischen Ebene nicht mehr allzu viel Impulse von der Hochschule ausgingen, kann man anhand der Auflistung durchaus nachvollziehen.

  • Cistina Marx, 22.06.2009 16:27

    Dieses inkompetente Hauff-Bashing geht mir lansgam zu weit und ist kindisch. Herr Knörer: bitte informieren Sie sich gründlicher über die dffb und Reinhard Hauff als deren Direktor, ehe Sie sich so unüberlegt äussern. Zufällig habe ich Reinhard Hauff drei Jahre lang erleben dürfen, mit all seinen positiven und natürlich auch negativen Seiten. Er hat extrem viel für die dffb getan und sie zu einer der erfolgreichsten deutschen Filmhochschulen macht. Über die - im Übrigen sehr erfolgreichen und in der Filmszene durchaus bekannten - AbsolventInnen aus seiner Zeit können Sie sich bei den Kolleginnen von First Steps informieren.
    Die Sachlage an der dffb ist extrem kompliziert und man sollte sich erst dann äussern, wenn man mehr darüber weiß. Aber es geht überhaupt nicht darum, ob Hauff ein schlechter Direktor war oder ob Bitomsky ein schlechter Direktor war.

  • Ekkehard Knörer, 22.06.2009 17:10

    Liebe Frau Marx, an keiner Stelle habe ich behauptet, mich da sehr gut auszukennen. Ich habe Reinhard Hauff einmal bei einem sehr programmatischen Auftritt erlebt (da wurden während des Studiums entstandene Filme verschiedener Hochschulen vorgestellt) - da hat er auf mich einen verheerenden Eindruck gemacht. Ich äußere mich deshalb nicht unüberlegt, sondern sage, was mir der Fall schien. Es freut mich natürlich, wenn sich jemand meldet, der sich besser auskennt. Genau darum habe ich gebeten, genau dafür ist dieser Ort auch da. Aber noch besser wäre es, wenn Sie dann auch sagten, *inwiefern* ich falsch liege. Und *warum* die Lage kompliziert ist. Und *worum* geht es, wenn nicht darum, ob Hauff oder Bitomsky ein guter oder schlechter Direktor war. Ich bin sehr für Transparenz - und die stellt sich meines Erachtens nur her, wenn sich die Leute, die sich auskennen, äußern. Insofern war meine Provokation bisher schon ein bisschen erfolgreich. Aber nicht erfolgreich genug.

  • Ekkehard Knörer, 22.06.2009 17:22

    @Josef Tuchel: Danke, habe ich auf der Website auf Anhieb nicht gefunden. Bleibt als bloße Auflistung auch lieblos genug.

    Ich muss ehrlich sagen: Mit Ausnahme von Sylke Enders (kein Gegenargument), Nicolas Wackerbarth (traue ich mir noch kein Urteil zu) und Emily Atef (kenne ich nur den Namen) sagt mir kein einziger Name was. Das hat natürlich noch nicht unbedingt was zu bedeuten. Auch hier bin ich für Hinweise, Tipps, Bemusterung mit DVD spannender Filme nur zu dankbar.

    Welche Erfolge und Erfolge welcher Art sind das denn, von denen hier die Rede ist? Ich meine, in gewissen Kreisen gilt ja auch die Berlinale als "erfolgreich".

  • Cristina, 22.06.2009 17:49

    Lieber Herr Knörer, Danke fürs Feedback. Ich bin etwas allergisch auf diese Vereinfachungen und mir war in letzter Zeit eben aufgefallen, dass sich auch Studierende, die unter Hauff ´ne ganz gute Zeit hatten, negativ über die Ära Hauff geäussert haben obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten. Ich möchte in einem öffentlichen Blog nicht auf die ganzen Details eingehen, aber es IST alles sehr kompliziert. Mir persönlich geht es vor allem darum, dass die Leistungen von Reinhard Hauff nicht einfach so unter den Teppich gekehrt werden. Er war in den letzten Jahen an der dffb sicherlich verbittert. Das hatte velleicht seinen Grund. Aber er war als künstlerischer Direktor nicht marktkonform und hat das auch nicht von den Studierenden verlangt. Herr Walter hat vollkommen recht mit seinen Anmerkungen. Auch Herr Tuchel hat recht. Aber: von welcher deutschen Filmhochschule sind denn seit 1995 künstlerische Impulse ausgegangen?

  • Ekkehard Knörer, 22.06.2009 18:05

    Ich bemühe mich gerade, all diese Kompliziertheiten etwas genauer zu recherchieren. Sollte ich dabei Erfolg haben - ein wenig mehr weiß ich immerhin schon (noch mal: gerne private Mails an mich, bleibt alles, wenn gewünscht, anonym) -, werde ich versuche, das dann auch hier differenzierter darzustellen.

    Und was die letzte Frage betrifft: Gewiss. Aber gerade weil die DFFB eine in Teilen so glorreiche Geschichte hat, sind auch die Hoffnungen und Erwartungen höher und größer.